Tomburg
| Tomburg | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
Ruine Tomburg auf dem Tomberg | ||||||
| Staat | Deutschland | |||||
| Ort | Rheinbach-Wormersdorf | |||||
| Entstehungszeit | um 900 | |||||
| Burgentyp | Höhenburg | |||||
| Erhaltungszustand | Reste des Bergfrieds, Brunnen | |||||
| Ständische Stellung | Adlige, Grafen | |||||
| Geographische Lage | 50° 36′ N, 6° 58′ O
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| Höhenlage | 309,7 m ü. NHN | |||||
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Die Tomburg ist die Ruine einer Höhenburg nahe dem Rheinbacher Ortsteil Wormersdorf bei Bonn. Sie liegt in einem kleinen Naturschutzgebiet auf dem 309,7 m ü. NHN<ref>Angabe laut Digitalem Geländemodell (abrufbar im Kartendienst TIM-online)</ref> hohen Tomberg.
Lage
Der Tomberg lässt sich naturräumlich innerhalb der Osteifel dem diese nach Norden zur Niederrheinischen Bucht abdachenden Swist-Eifelfuß (Rheinbacher Wald) zuordnen und bildet eine singuläre Erscheinung in dieser Region.<ref>Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hrsg.); Ewald Glässer (Bearb.): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 122/123. Selbstverlag, Bonn-Bad Godesberg 1978, ISBN 3-87994-328-1, S. 5. (=Geographische Landesaufnahme 1:200.000. Naturräumliche Gliederung Deutschlands)</ref> Er ist in geologischer Hinsicht ein Relikt aus dem Tertiär (des unteren Miozäns vor etwa 23 Millionen Jahren), als flüssige Lava aus dem Erdinneren aufstieg und nach Erosion der Deckschichten eine kegelförmige Basaltkuppe hinterließ, und gilt als nördlichster Vulkan des Hocheifel-Vulkanfeldes<ref>„Die Geschichte in Stein“, Blick aktuell, 1. Juni 2016</ref> oder peripherer beschrieben als südwestlich des Siebengebirgs-Vulkanfeldes gelegen.<ref>Bruno P. Kremer: Kegel und Kuppen. In: Bruno P. Kremer (Hrsg.): Das Siebengebirge. Wienand Verlag, Köln 2002, ISBN 3-87909-770-4, S. 13–25 (hier: S. 22)</ref>
Das Gestein des Tombergs wurde bestimmt als Nephelinbasanit, ein basisches, kieselsäurearmes Ergussgestein, in der Feldansprache nicht von Basalt zu unterscheiden. Der mittlere Durchmesser des elliptischen Schlots beträgt etwa 175 Meter. Außen ist er von einem schmalen Tuffmantel umgeben. Eingeschlossen sind Bruchstücke des Nebengesteins, das im Schlot abgesprengt und aus der Tiefe mit nach oben gefördert worden war.<ref>A. Ebert: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preussen und benachbarten deutschen Ländern. Lieferung 332, Erläuterungen zu Blatt Altenahr Nr. 3155 (neue Nr. 4507). herausgegeben von der Preussischen Geologischen Landesanstalt 1939. 55 Seiten, auf S. 23–24.</ref>
Geschichte
Siedlungsspuren auf dem Tomberg können bis in das 4. Jahrhundert zurückverfolgt werden und lassen auf eine Nutzung durch die Römer schließen. Die Burg entstand um 900 und wurde in späteren Jahrhunderten stark ausgebaut.
Der Pfalzgraf Ezzo und seine Ehefrau Mathilde, eine Schwester Kaiser Ottos III., residierten um 1000 in der Tomburg. Ihre Tochter Richeza wurde Königin von Polen, Sohn Otto erbte die Pfalzgrafschaft, wurde 1045 Herzog von Schwaben und starb 1047 auf der Tomburg. Mitte des 11. Jahrhunderts gehörte die Burg zum Erzbistum Köln. In einer Urkunde von 1052 bestätigte Papst Leo IX. dem Erzbischof Hermann II. von Köln, dass neben weiteren Orten auch die Tomburg mit zugehöriger Kirche zum Erzbistum gehört.<ref>Theodor Joseph Lacomblet: Urkunde 187. In: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln. Teil 1, 1840, S. [135]119 (online [abgerufen am 17. Juni 2015] 779–1200).</ref> Als Lehensnehmer folgten die Grafen von Kleve ab 1090 und 1230 die Herren von Müllenark als Burgherren. Zusätzlich erhielt Konrad Müllenark 1253 von Graf Dietrich IV. von Kleve das Burggrafenrecht von Tomburg.<ref>Christoph Jacob Kremer. In: Akademische Beiträge zur gülch- bergischen Geschichte. Unter: Abschnitt Urkunden, Urkunde LXXXIII vom 11. Wintermonat (November) 1253. 1781, Mannheim, Hrsg. A. Lamey, S. [323]104. Onlinefassung</ref> Sie nannten sich seit dieser Zeit „von Tomburg“.
Nach einer wechselvollen Geschichte verlor die Burg vom 14. Jahrhundert an ihre militärische Bedeutung. Denen von Tomburg, die sich als Raubritter betätigten, diente sie als Rückzugsort. Nach 1420 gab es durch Erbteilung mehrere Besitzer. Nach einem Streit mit Friedrich von Sombreff, Herrn zu Tomburg und Landskron, eroberte der Herzog von Jülich die Tomburg. Nach ihrer fast vollständigen Zerstörung am 7. September 1473 wurde sie nicht wieder aufgebaut.
Heutige Situation
Bis in die Neuzeit dienten Ruine und Burgberg als Basaltsteinbruch. Dennoch sind ca. 70 % des Tombergs und Teile des Bergfrieds erhalten geblieben. Auch der Burgbrunnen mit einer Tiefe von 46 m ist noch vorhanden, der 1883 vom örtlichen Heimatverein ausgeschachtet wurde. Dabei wurden zahlreiche archäologische Funde, wie steinerne Kanonenkugeln, gemacht.
In den Jahren 2017 und 2018 wurde die Burgruine mit Unterstützung der Stiftung Denkmalschutz saniert.<ref>Denkmalschutz - Arbeiten an der Tomburg in Rheinbach sind beendet. In: General-Anzeiger Bonn. 3. Juli 2018 (general-anzeiger-bonn.de [abgerufen am 27. Oktober 2018]).</ref><ref>Bautagebuch: die Mauerkronen bilden den Abschluss – Tomburg-Forschung. Abgerufen am 27. Oktober 2018.</ref> Am 1. Dezember 2017 wurde der gemeinnützige Verein „Freundeskreis Tomburg“ gegründet.<ref>Freundeskreis Tomburg e. V. Abgerufen am 3. April 2020.</ref>
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Bergfried
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Unterer Restbereich des Bergfrieds (Mittlerweile abgesperrt)
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Luftaufnahme der Tomburg (2015)
Naturschutz
Die Tomburg liegt im Naturschutzgebiet Tomberg.<ref>Naturschutzgebiet „Tomberg“ im Fachinformationssystem des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-WestfalenVorlage:Abrufdatum</ref> Angrenzend ist das Natura 2000 Schutzgebiet Wiesen bei Ruine Tomberg ausgewiesen.<ref>Natura-2000-Gebiet: „Wiesen bei Ruine Tomberg“ im Fachinformationssystem des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-WestfalenVorlage:Abrufdatum.</ref><ref>Wiesen bei Ruine Tomberg. Bundesamt für Naturschutz, abgerufen am 26. März 2023.</ref>
Sagen vom Burgbrunnen
Einer Sage nach soll auf dem Grund des Bodens des erhaltenen Burgbrunnens eine goldene Wiege liegen. Das Kind, das einst in der Wiege lag, sei der Sage nach zuvor verstorben. Der Graf habe die goldene Wiege hinabwerfen lassen, damit die Trauer der Gräfin endete. Einer weiteren Sage nach soll im Brunnen ein Schlüssel liegen, der die Schatzhöhle des letzten Ritters der Tomburg öffnet. Der Schatz werde aber von Doggen bewacht, welche auf die Rückkehr ihres Herren warten, der mit Hilfe des Schatzes die Burg erneut errichten soll.<ref>Joseph Pesch: Geschichtliches und Wanderungen, 1901; abgerufen am: 15. März 2017</ref><ref>Helmut Fischer: Sagen aus dem Land an Rhein und Sieg, Erfurt 2011, S. 77</ref>
Rezeption
- Das Motiv der Tomburg findet sich stilisiert auf der Verpackung des bekannten Zuckerrübensirups Grafschafter Goldsaft, der im nahegelegenen Meckenheim hergestellt wird.
- Die in Rheinbach gelegene Tomburg-Kaserne der Bundeswehr ist ebenso nach der Tomburg benannt wie die dortige ehemalige Realschule.
- Die Basaltkuppe des Tombergs mit der Burgruine ist das Motiv eines Gemäldes von Fritz von Wille in expressiver Gestaltung aus den 1920er-Jahren.
Literatur
- Dietmar Pertz: Die Tomburg bei Rheinbach. In: Rheinische Kunststätten, Heft 504, Köln 2008, ISBN 978-3-86526-026-0.
Weblinks
- Tomburg in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen BurgeninstitutsVorlage:Abrufdatum
- Tomburg bei Wormersdorf. Eintrag in der Datenbank „KuLaDig“ des Landschaftsverbands RheinlandVorlage:Abrufdatum
- Tomburg, Rheinbacher Stadtwald. (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 263). Eintrag in der Datenbank „KuLaDig“ des Landschaftsverbands RheinlandVorlage:Abrufdatum
- Freundeskreis Tomburg e. V.
- Geschichte der Tomburg. Andrea Klick, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. August 2022 (private Website).
Einzelnachweise
<references />
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