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Hartmut Rosa

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Hartmut Rosa (2015)

Hartmut Rosa (* 15. August 1965 in Lörrach) ist ein deutscher Soziologe und Politikwissenschaftler. Er lehrt als Professor für allgemeine und theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ist Direktor des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt. Daneben fungiert er als Mitherausgeber der Fachzeitschrift Time & Society sowie des Berliner Journals für Soziologie.

Leben

Hartmut Rosa wurde in Lörrach als Sohn von Maria, geborene Griesser, und Heinz Rosa, einem Finanz- und Lohnbuchhalter, geboren.<ref>Badische Zeitung: Zur Person. 27. November 2008, abgerufen am 16. April 2023.</ref> Hartmut Rosa wuchs in Grafenhausen im Hochschwarzwald auf, wo er Hochalemannisch sprach und in der kleinen evangelischen Gemeinde Orgel spielte und gelegentlich noch spielt.<ref>Hartmut Rosa über sich selbst im Deutschlandfunk in der Sendung Klassik, Pop et cetera vom 1. Januar 2022 (Titel der Sendung: „Pink Floyd, das waren für mich die reinen Götter“).</ref><ref name=":0" /> Er legte 1985 am Hochrhein-Gymnasium Waldshut die Abiturprüfung ab. Nach dem Zivildienst begann er 1986 ein Magisterstudium der Politikwissenschaft, Philosophie und Germanistik an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau, das er 1993 mit Auszeichnung abschloss.

Mit seiner Dissertation Identität und kulturelle Praxis. Politische Philosophie nach Charles Taylor wurde er 1997 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Prädikat summa cum laude zum Dr. rer. soc. promoviert. Betreuer der Dissertation waren Herfried Münkler und Axel Honneth.<ref>Prof. Dr. Dr. h.c. Hartmut Rosa (PDF; 0,2 MB), auf uni-erfurt.de</ref>

Er war als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft III der Universität Mannheim (1996–1997) und als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (1997–1999) tätig. Im Jahre 2004 habilitierte er sich dort mit der Studie Soziale Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne für Soziologie und Politikwissenschaft. Im Sommersemester 2004 vertrat er einen Lehrstuhl für Politikwissenschaft/Politische Theorie an der Universität Duisburg-Essen. Im Wintersemester 2004/2005 und im Sommersemester 2005 hatte er die Lehrstuhlvertretung für Politische Wissenschaft an der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg inne.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hartmut Rosa an der FernUniversität Hagen (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)</ref>

Im Jahre 2005 wurde Hartmut Rosa zum Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an die Friedrich-Schiller-Universität Jena berufen.<ref name="Profil Uni Jena"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Profil an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Memento vom 28. September 2008 im Internet Archive).</ref> Hier war er von 2011 bis 2022 gemeinsam mit Klaus Dörre und Stephan Lessenich Sprecher der DFG-geförderten Kollegforschergruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung (Postwachstumsgesellschaft)“, die sich mit Wachstumskritik befasste.

Im September 2013 begleitete er Bundespräsident Joachim Gauck als Staatsgast auf dessen Frankreichreise. Seit Oktober 2013 ist Rosa Direktor des Max-Weber-Kollegs für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt.<ref name="Profil Uni Jena" /> 2017 hielt er den Festvortrag zum Abschluss der Salzburger Hochschulwochen.<ref>Soziologe Rosa: Krise von Demokratie und Religion hängen zusammen. In: www.kathpress.at. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. August 2017; abgerufen am 5. April 2020.</ref> Seit 2021 ist Rosa gemeinsam mit Silke van Dyk und Tilman Reitz Sprecher des Sonderforschungsbereichs 294 „Strukturwandel des Eigentums“ mit dem Schwerpunkt an den. Universitäten Jena und Erfurt und dort für die Forschung zweier Teilbereiche verantwortlich.

Mitte Juni 2024 forderte Rosa mit mehreren tausend weiteren Professoren und Dozenten den Rücktritt der Bildungs- und Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger aufgrund ihrer Erwägungen zur Sanktionierung von Hochschulangehörigen.

Im Dezember 2025 wurde Rosa vom Deutschen Bundestag in das Nationale Begleitgremium nach Paragraf 8 Absatz 3 des „Gesetzes zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle“ (Standortauswahlgesetz – StandAG) gewählt.<ref>Volker Müller: Deutscher Bundestag - Mitglieder des Nationalen Begleitgremiums zu Endlager-Standorten... Abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref><ref>Das Gremium. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. Juni 2025; abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref> Nach diesem Gesetz ist die „Aufgabe des pluralistisch zusammengesetzten Nationalen Begleitgremiums [...] die vermittelnde und unabhängige Begleitung des Standortauswahlverfahrens, insbesondere der Öffentlichkeitsbeteiligung, mit dem Ziel, so Vertrauen in die Verfahrensdurchführung zu ermöglichen.“<ref>StandAG - Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle. Abgerufen am 20. Dezember 2025.</ref>

Auslandsprofessuren

Das Wintersemester 1988/89 verbrachte Rosa mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes an der London School of Economics and Political Science. Rosa war mehrmals zu Studienzwecken in den USA. Unter anderem arbeitete er 1995 als Forschungsassistent im Department of Government/Center for European Studies der Harvard University. Außerdem erhielt er ein Feodor-Lynen Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung 2001/02 für die Arbeit als Gastprofessor an der New School University in New York. Seit 2002 ist er dieser Universität als Gastprofessor verbunden.

Forschungsschwerpunkte

Rosa befasst sich mit den Themenfeldern Zeitdiagnose und Moderneanalyse, normative und empirische Grundlagen der Gesellschaftskritik, Subjekt- und Identitätstheorien, Zeitsoziologie und Beschleunigungstheorie sowie aktuell mit der von ihm so genannten „Soziologie der Weltbeziehung“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Arbeitsfelder Hartmut Rosas an der Universität Jena (Memento vom 16. März 2010 im Internet Archive)</ref> Seine Bücher werden auch international rezipiert und sind in 15 Sprachen übersetzt.<ref>Übersetzungen von Hartmut Rosas Büchern des Suhrkamp Verlags</ref>

  • Zeitsoziologische und modernetheoretische Untersuchungen bilden die Basis seiner Habilitationsschrift Soziale Beschleunigung. Die Veränderung der Temporalstrukturen. Die „technische beziehungsweise ökonomisch induzierte Beschleunigung“ zeige sich in der rasanten Entwicklung der Technik im 19./20. Jahrhundert und der sozialen Beschleunigung der Menschen. Die Geschichte der Moderne sei gleichzeitig die Geschichte von Beschleunigung. Aufgrund des Zeitgewinns durch technischen Fortschritt entstehe eine Zeitnot und kein Zeitgewinn. Laut Rosa führt die Vielzahl der Möglichkeiten dazu, dass ein Mensch die ihm gegebenen Möglichkeiten nicht mehr im Laufe seines Lebens ausschöpfen kann. Die „Steigerungsrate übersteigt die Beschleunigungsrate“, was dazu führe, dass das gerade Erlebte bereits nicht mehr up to date sei und die Individuen keine Chance hätten, „lebensgesättigt“ zu sterben, wie es auch schon Goethes Faust erging. Rosa kreiert das „Slippery-Slope-Phänomen“ als soziologisches Gegenstück zur biologischen Red-Queen-Hypothese: Demnach dürfe – oder vielmehr: könne – der Mensch sich nie ausruhen und sich nie zufriedengeben, da er sonst mit einem Verlust oder Nachteil rechnen müsse. Rosa sieht keine Steuerungsmöglichkeiten des Lebens für den Menschen mehr, da sich das Tempo der Beschleunigung verselbständigt habe. Zuletzt beschäftigte er sich insbesondere mit dem Topos der Desynchronisation, also dem zunehmenden Auseinandertreten der Zeitstrukturen verschiedener gesellschaftlicher Teilbereiche wie Politik und Wirtschaft.<ref>Ulf Bohmann, Henning Laux, Hartmut Rosa: Desynchronisation und Populismus. Ein zeitsoziologischer Versuch über die Demokratiekrise am Beispiel der Finanzmarktregulierung. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Band 70, 2018, S. 195–226, doi:10.1007/s11577-018-0544-8.</ref>
  • Kommunitarismus-Debatte“: Rosa macht sich insbesondere für die „Würde der Arbeit“ und deren gesellschaftliche Ausrichtung am Gemeinwohl stark, etwa beim Thema sozialökologische Wachstumskritik.<ref>Hartmut Rosa, Christoph Henning (Hrsg.): The Good Life Beyond Growth: New Perspectives. Routledge, New York 2018, ISBN 978-1-138-68788-2.</ref> Er hat zudem mehrere Einführungstexte zur kommunitaristischen Politik- und Demokratietheorie verfasst.<ref>Hartmut Rosa, Ulf Bohmann: Die politische Theorie des Kommunitarismus: Charles Taylor. In: André Brodocz, Gary Schaal (Hrsg.): Politische Theorien der Gegenwart. 4. Auflage. Band II. UTB, Stuttgart 2015, S. 65–102.</ref><ref>Ulf Bohmann, Hartmut Rosa: Das Gute und das Rechte. Die kommunitaristischen Demokratietheorien. In: Oliver Lembcke, Claudia Ritzi, Gary Schaal (Hrsg.): Zeitgenössische Demokratietheorie. Band 1. Springer VS, Wiesbaden 2012, S. 127–155.</ref> Zu diesem Themenbereich gehört auch seine Dissertation über den kanadischen Philosophen Charles Taylor, mit dem er sich bis heute in zahlreichen weiteren Schriften befasst.<ref>Ulf Bohmann, Gesche Keding, Hartmut Rosa: Special Issue: Tribute to Charles Taylor. In: Philosophy & Social Criticism. Band 44, Nr. 7, 2018, S. 725–801.</ref>
  • Bildung von Mobilisierungsressourcen: Die Frage, woraus sich in der allgemeinen Entwicklung moderner Gesellschaften, vor allem die der ostdeutschen Transformationsgesellschaft, Mobilisierungsressourcen bürgerlichen Engagements bilden können, und welche politische Gesinnung wahrscheinlicher in einem ehrenamtlichen oder zivilgesellschaftlichen Engagement resultiert, stellt den dritten Forschungsschwerpunkt dar. Laut Rosa erzeugt die Identifizierung mit dem Staat als „mein Land“ eine moralische Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass dieser Staat richtig handelt. Um dies gewährleisten zu können, müsse man sich selbst dafür einsetzen.<ref>Michael Beetz, Michael Corsten, Hartmut Rosa, Torsten Winkler: Was bewegt Deutschland? Sozialmoralische Landkarten engagierter und distanzierter Bürger in Ost- und Westdeutschland. Beltz Juventa, Weinheim 2014, ISBN 978-3-7799-2920-8.</ref>
  • Die Metatheorie in der Wissenschaftstheorie der Sozialwissenschaften aus einer ideengeschichtlichen Perspektive: Dabei betont er die Verdienste der sogenannten Cambridge School, deren Angehörige in seinen Augen das „Bewusstsein für methodische Fragen und theoretische Voraussetzungen im Umgang mit der Ideengeschichte geschärft und dabei eine fruchtbare methodologische Diskussion“ eröffnet hätten. Rosa fordert eine Hinterfragung politischer Theorien bezüglich ihres Inhalts und ihres Wirkens. Das bedeute die Untersuchung von Traditions- und Diskussionszusammenhängen sowie normativer oder ideologischer Implikationen, in denen er das zentrale Anliegen einer kritischen Begriffsgeschichte sieht. Dieser Forschungsschwerpunkt fügt seine vorangegangenen Themenbereiche zusammen. Rosa sucht neue Verbindungen zwischen der aktuellen Gesellschaftstheorie mit zeitdiagnostischen Analysen und einer normativen, kritischen Sozialphilosophie, deren Basis er in der Verknüpfung von „politik-, identitäts- und modernetheoretischen Überlegungen“ sieht.<ref>Hartmut Rosa: Ideengeschichte und Gesellschaftstheorie. Der Beitrag der ›Cambridge School‹ zur Metatheorie. In: Politische Vierteljahresschrift. Band 35, 1994, S. 197–223.</ref>
  • Mit der im Rahmen einer „Soziologie der Weltbeziehung“ entworfenen Resonanztheorie stellt Rosa ein Gegenkonzept zur Allgegenwärtigkeit von Entfremdung vor, indem er alltägliche Erfahrungen gelingender, „resonanter“ Weltbeziehung zur kritischen Grundlage erhebt. In Fortführung der Kritischen Theorie sieht Rosa sich hier in der Tradition Erich Fromms.<ref>Die Quelle aller Angst und die Nabelschnur zum Leben: Erich Fromms Philosophie aus resonanztheoretischer Sicht. Erich-Fromm-Lecture anlässlich der Erich-Fromm-Preisverleihung 2018 an Hartmut Rosa, Fromm Society auf YouTube, (Video 58:42 Min.), 27. März 2018</ref>

Rezeption

Rosas Werk findet zunehmend Beachtung; seit 2023 gibt es eine wachsende Sekundärliteratur, die sich mit seinen Veröffentlichungen beschäftigt. Charles Taylor nennt die Arbeiten von Rosa „wegweisend“, besonders seine Studien zur dynamischen Stabilisierung und zur Resonanz, auch wegen ihrer Anschlussfähigkeit an aktuelle politische Entwicklungen.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Lessons from Reckwitz and Rosa: Towards a Constructive Dialogue between Critical Analytics and Critical Theory. In: Social Epistemology. 37. Jahrgang, Nr. 5, Vorlage:Cite book/Date, S. 545–591, doi:10.1080/02691728.2023.2201578 (Vorlage:Cite book/URL [abgerufen am -05-]).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Die Literaturtheoretikerin Rita Felski (University of Virginia) hat sich für die Resonanztheorie als ein Thema in der Ausbildung ausgesprochen, das es Praktikerinnen und Praktikern ermögliche, sowohl die ästhetische Wertschätzung als auch die Kritische Theorie als kraftvolle Quellen der Resonanz zu erkennen, anstatt diametral entgegengesetzte Analyseansätze zu verfolgen.<ref>Rita Felski:Resonance and Education, On Education. Journal for Research and Debate Band 3, Heft 9 (Dezember 2020), issn=2571-7855</ref><ref>Sociological writing as resonant writing, The Sociological Review, Jg. 70, Band 4, issn=0038-0261, S. 656–665</ref> Felski argumentiert, dass sich die Idee der Resonanz „gegen die Vorherrschaft der Buchhaltung im heutigen Universitätsbetrieb wendet: die allgegenwärtige Rhetorik von Metriken, Impact-Faktoren und Zitationsindizes“, die übersehen, dass der Akt des Lernens selbstverändernd ist und „Kognition und Emotion, Analyse und Affekt“ zusammenbringt, dessen „Ergebnisse nicht im Voraus bekannt sind.“

Der Psychologe Svend Brinkmann, Universität Aalborg, erklärt, dass Rosas Soziologie der Weltbeziehungen dazu auffordere, „unsere Beziehung zur Welt nicht auf die eines aktiven Akteurs zu reduzieren, der passive Ressourcen nutzt, da dies leicht die Erfahrungen der Entfremdung in der Moderne widerspiegelt“. Brinkmann schlägt vor, dass die praktische Kulturpsychologie mehr tun sollte, um die Schilderungen der Patienten über Weltbeziehungen und Resonanz ernster zu nehmen.<ref>Resources and resonance: Notes on patiency as world relation, Culture & Psychology, Band 27 (2021), Heft 4, issn=1354-067X, S. 562–576</ref>

Helmut König kritisiert in einer Rezension in der NZZ, dass Rosa keine Antwort auf die Frage gebe, „warum sich die Verwechslung von Tempo- und Leistungssteigerung mit gutem Leben so tief in unserem Köpfen eingenistet hat“. Er attestierte der Forschung Rosas jedoch, ein großer Wurf zu sein.<ref>Wenn die Welt zum Resonanzraum wird, NZZ vom 9. Juni 2024, abgerufen am 25. Oktober 2024</ref> Der Frankfurter Pädagoge Micha Brumlik bemängelte, dass sich Rosa in die Tradition der Kritischen Theorie stelle, aber diesem Anspruch grundlegend nicht gerecht werde.<ref>Resonanz oder: Das Ende der kritischen Theorie Blätter für deutsche und internationale Politik (blaetter.de) vom 26. Juli 2023, abgerufen am 25. Oktober 2024</ref> Rosa verteidigt sich in einem Gespräch mit dem französischen Philosophen Bruno Latour gegen Vorwürfe, er sei konservativ, weil er nirgends vertrete, dass etwas so sein muss, weil es in der Vergangenheit so war.<ref>The World After: Bruno Latour and Hartmut Rosa on the consequences of the coronavirus crisis auf YouTube, 2020, abgerufen am 21. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value). Minute 43.</ref>

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

Monographien

  • Identität und kulturelle Praxis. Politische Philosophie nach Charles Taylor. Dissertation. Campus, Frankfurt am Main/New York 1998, ISBN 978-3-593-35996-0.
  • Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-518-29360-7.
  • mit Stephan Lessenich und Klaus Dörre: Soziologie – Kapitalismus – Kritik: Eine Debatte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-29523-6.
  • Weltbeziehungen im Zeitalter der Beschleunigung. Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-29577-9.
  • Beschleunigung und Entfremdung – Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-518-58596-2.
    • Englischer Originaltitel: Alienation and Acceleration. Towards a Critical Theory of Late-Modern Temporality. Nordisk Sommeruniversitet NSU Press, Aarhus 2010, ISBN 978-87-87564-14-4.
    • Französische Ausgabe: Aliénation et accélération: Vers une théorie critique de la modernité tardive. Editions La Découverte, Paris 2012, ISBN 978-2-7071-7138-2.
  • mit Klaus Vieweg: Zur Architektonik praktischer Vernunft – Hegel in Transformation. Duncker & Humblot, Berlin 2014, ISBN 978-3-428-14394-8.
  • mit Wolfgang Endres: Resonanzpädagogik. Wenn es im Klassenzimmer knistert. Beltz, Weinheim/Basel 2016, ISBN 978-3-407-25751-2.
  • Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-518-58626-6.
  • Unverfügbarkeit (Unruhe bewahren). Residenz, Salzburg 2018, ISBN 978-3-7017-3446-7.
  • Was stimmt nicht mit der Demokratie? Eine Debatte mit Klaus Dörre, Nancy Fraser, Stephan Lessenich und Hartmut Rosa. Herausgegeben von Hanna Ketterer und Karina Becker. Suhrkamp, Berlin 2019, ISBN 978-3-518-29862-6.
  • mit Jörg Oberthür u. a.: Gesellschaftstheorie. UVK, München 2020, ISBN 978-3-8252-5244-1.
  • mit Andreas Reckwitz: Spätmoderne in der Krise. Was leistet die Gesellschaftstheorie? Suhrkamp, Berlin 2021, ISBN 978-3-518-58775-1.
  • Demokratie braucht Religion. Kösel, München 2022, ISBN 978-3-466-37303-1.
  • When Monsters Roar and Angels Sing. Eine kleine Soziologie des Heavy Metal. Kohlhammer, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-17-042648-1.
  • mit Silke van Dyk und Tilman Reitz: Nach dem Privateigentum? Güter, Infrastrukturen und Weltverhältnisse im Kapitalismus des 21. Jahrhunderts. Reihe Strukturwandel des Eigentums. Campus, Frankfurt a. M. 2024, ISBN 978-3-593-51766-7 (Open Access beim Verlag).
  • Beschleunigen wir die Resonanz! Bildung und Erziehung im Anthropozän. Gespräche mit Nathanaël Wallenhorst. Aus dem Französischen von Christine Pries. Suhrkamp, Berlin 2024, ISBN 978-3-518-47356-6.
  • Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums. Suhrkamp, Berlin 2026, ISBN 978-3-518-58833-8.

Hörbücher

  • Unverfügbarkeit. Sprecher: Axel Wostry. cc-live, München 2019, ISBN 978-3-95616-464-4.
  • Demokratie braucht Religion. Sprecher: Axel Wostry. cc-live, München 2022, ISBN 978-3-95616-457-6.
  • When Monsters Roar and Angels Sing – Eine kleine Soziologie des Heavy Metal. Sprecher: Axel Wostry. cc-live, München 2023, ISBN 978-3-95616-452-1.
  • Beschleunigen wir die Resonanz! – Gespräche mit Nathanaël Wallenhorst. Sprecher: Axel Wostry und Claus Vester. cc-live, München 2024, ISBN 978-3-95616-334-0.<ref>Wolfgang Schneider: Soziologie des Heavy Metal: Hartmut Rosas Hörbuch. In: FAZ.net. 21. August 2023 (faz.net [abgerufen am 23. August 2023]).</ref>

Herausgeber

  • mit Christoph Henning: The Good Life Beyond Growth: New Perspectives. Routledge 2017.
  • mit Christoph Henning und Arthur Bueno: Critical Theory and New Materialisms. Routledge 2021.
  • mit Vera King, Benigna Gerisch: Lost in Perfection. Zur Optimierung von Gesellschaft und Psyche. Suhrkamp, Berlin 2021.
  • mit Alexis Gros, Jochen Dreher: Phänomenologie und Kritische Theorie. Suhrkamp, Berlin 2026.

Beiträge in Sammelwerken

  • Integration, Konflikt und Entfremdung – Die Perspektive des Kommunitarismus. In: Hans-Joachim Giegel (Hrsg.): Konflikt in modernen Gesellschaften. Frankfurt am Main 1998, S. 202–244.
  • Die prozedurale Gesellschaft und die Idee starker politischer Wertungen. Zur moralischen Landkarte der Gerechtigkeit. In: Herfried Münkler, Marcus Llanque (Hrsg.): Konzeptionen der Gerechtigkeit. Baden-Baden 1999, S. 395–423.
  • Politisches Handeln und die Entstehung des Neuen in der Politik. In: Harald Bluhm, Jürgen Gebhardt (Hrsg.): Konzepte politischen Handelns. Kreativität – Innovation – Praxen. Nomos, Baden-Baden 2001, S. 23–42.
  • Zwischen Selbstthematisierungszwang und Artikulationsnot? Situative Identität als Fluchtpunkt von Individualisierung und Beschleunigung. In: Jürgen Straub, Joachim Renn (Hrsg.): Transitorische Identität. Der Prozesscharakter des modernen Selbst. Campus, Frankfurt am Main/New York 2002, S. 267–302.
  • mit K.-U. Meyn (Hrsg.): Bürgerbewusstsein und Demokratie in Mittel- und Osteuropa. Zum Zustand der politischen Kultur in den postsozialistischen Staaten (= Collegium Europaeum Jenense. Band 33). Glaux, Jena 2005.
  • Accélération. In: Philippe Zawieja, Franck Guarnieri (Hrsg.): Dictionnaire des risques psychosociaux. Éditions du Seuil, Paris 2014, S. 14–15.
  • Résonance. In: Philippe Zawieja, Franck Guarnieri (Hrsg.): Dictionnaire des risques psychosociaux. Éditions du Seuil, Paris 2014, S. 647–649.
  • Der Irrtum der antagonistischen Sozialontologie. Zur kritischen Theorie demokratischer Resonanz. In: Ulf Bohmann, Paul Sörensen (Hrsg.): Kritische Theorie der Politik. Suhrkamp, Berlin, S. 209–242.
  • Das hängt jetzt von uns ab, was wir daraus machen. In: Jonas Zipf, Birgit Liebold (Hrsg.): Inne halten. Chronik einer Krise. In: Theater der Zeit, Berlin 2020, S. 14–37.
  • Resonanz statt Entfremdung. In: Anne-Sophie Moreau (Hrsg.): Kritische Theorie. Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Philosophie Magazin, Berlin 2021, S. 84–87.

Literatur

  • Christian Helge, Peter Schulz (Hrsg.): Resonanzen und Dissonanzen. Hartmut Rosas kritische Theorie in der Diskussion. Transkript, Bielefeld 2017.
  • Tobias Kläden, Michael Schüßler (Hrsg.): Zu schnell für Gott? Theologische Kontroversen zu Beschleunigung und Resonanz. Herder, Freiburg i. Br. 2017.
  • Jean-Pierre Wils (Hrsg.): Resonanz. Im Gespräch mit Hartmut Rosa. Nomos, Baden-Baden 2018.
  • Resonanz und Kritik. Perspektiven auf eine Soziologie der Weltbeziehungen. Herausgegeben von Bettina Hollstein und Jörg Oberthür unter Mitarbeit von Gesche Keding und Peter Schulz. Suhrkamp, Berlin 2025.

Dokumentation

  • Im Gespräch mit Hartmut Rosa. Regie: Adèle Flaux, Produktion UPIAN.COM, Deutschland, 61 Minuten, 2023.

Weblinks

Commons: Hartmut Rosa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Einzelnachweise

<references />

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