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Airco DH.9

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Airco DH.9
Airco DH.9A
Typ Bomber, Verkehrsflugzeug
Entwurfsland
Hersteller Aircraft Manufacturing Company
Erstflug Juli 1917
Indienststellung 1917
Stückzahl ca. 4000

Die Airco DH.9 war ein einmotoriger, zweisitziger Doppeldecker der britischen Firma Airco.

Entwicklung und Kriegseinsatz

Das Flugzeug war das Nachfolgemodell des bisherigen britischen Standard-Tagbombers im Ersten Weltkrieg, der Airco DH.4, und baute hinsichtlich der Konstruktion unmittelbar auf dieser auf, um die bei Airco aufgebauten Fertigungsstraßen ohne große Umbauten weiter verwenden zu können. So wurden beim Prototyp der DH.9 die Tragflächen, das Leitwerk und das Fahrgestell der DH.4 verwendet, jedoch eine neue, aerodynamisch günstigere Rumpfzelle entwickelt.

Den größten Kritikpunkt der Besatzungen an der DH.4, der auf Grund der großen Abstände der Cockpits des Piloten und des Beobachters schlechten Kommunikationsmöglichkeit, begegnete man bei der DH.9 damit, dass man das Pilotencockpit nach hinten an die Hinterkante der unteren Tragflächen verlegte. Angetrieben wurde der Prototyp von einem B.H.P.-Motor der Firma Galloway Engineering Co. (auch als Galloway Adriatic bekannt) mit einer Leistung von 172 kW (234 PS).

Nach den Flugtests, die im Juli 1917 begonnen worden waren, war man bei Airco äußerst zufrieden mit diesem Muster, so dass man die Produktion sowohl bei Airco als auch bei deren Subunternehmen von der DH.4 auf die DH.9 umstellte.

Nachdem einige Maschinen mit dem von Siddeley gefertigten B.H.P.-Motor ausgestattet worden waren, wurde später bei den meisten DH.9 die aus diesem Motor abgeleitete Version Siddeley Puma eingebaut. Da das B.H.P.-Triebwerk jedoch nie die projektierte Leistung erreichte, musste statt der vorgesehenen 224 kW (305 PS) ein Triebwerk von 172 kW (234 PS) verwendet werden, so dass die DH.9 letztendlich schwächere Flugleistungen bot als der Vorgänger DH.4. Trotzdem hielt man an der Produktion der DH.9 fest; insgesamt wurden etwa 3200 Stück gefertigt und in den Kriegseinsatz geschickt, wo das Muster an der französischen Westfront hohe Verluste hinnehmen musste und daher die DH.4 nie ersetzen konnte.

Die Nachkriegszeit

Überzählige Exemplare wurden nach dem Ende des Ersten Weltkriegs an die Luftwaffen einer Vielzahl von Ländern geliefert, außerdem wurden als Lizenzbau etwa 500 Stück in Spanien von Hispano Aviación, einige Exemplare in den Niederlanden sowie zehn Maschinen in Belgien gefertigt.

Neben den DH.9 mit Standardmotorisierung wurden etliche Exemplare mit den unterschiedlichsten Motorenfigurationen ausgestattet, die leistungsfähigsten Aggregate, Bristol Jupiter IV mit 338 kW (487 PS) wurden in Maschinen der südafrikanischen Luftwaffe (SAAF) mit der Bezeichnung M´pala II eingebaut.

Zivile Nutzung

Die britische Regierung genehmigte die Wiederaufnahme des zivilen Luftverkehrs mit Wirkung vom 15. Juli 1919. Noch am gleichen Tag beförderte Englands erste Fluggesellschaft, Aircraft Transport & Travel Ltd. (AT & T), ihren ersten zahlenden Passagier auf einem Charterflug von London nach Paris, wobei eine de Havilland DH.9B zum Einsatz kam.

Nach anderen Quellen hatte der erste Charterflug bereits im Vormonat stattgefunden. Der Kaufhausbesitzer Harry Gordon Selfridge flog demnach am 25. Juni 1919 mit einer Airco DH.9 der Gesellschaft von Hendon zu einem dringenden Geschäftstermin nach Dublin. Dies gilt als der erste Geschäftsflug der Welt.<ref>British Civil Aviation in 1919 auf der Website des Royal Air Force Museum, abgerufen am 7. Dezember 2025</ref>

Die AT & T besaß, bevor sie Ende 1920 infolge wirtschaftlicher Probleme ihren Betrieb einstellen musste, zwei DH.4, vier DH.4A, 16 DH.9/DH.9B, acht DH.16 und drei DH.18.

Zehn DH.9 bildeten 1920 einen großen Teil der Flugzeugflotte der Handley Page Transport, die neben den großen H.P. 0/400 hauptsächlich zum Einsatz kamen. Bei den anderen britischen Fluggesellschaften war der Typ nicht so erfolgreich, und AT & T verkaufte vier ihrer DH.9 an die niederländische KLM, in deren Auftrag sie schon zuvor nach Amsterdam geflogen waren. Eine weitere Umbauversion mit zweisitziger Kabine war die DH.9C, erkennbar an ihren gepfeilten Tragflächen. Fünf dieser Maschinen wurden vom de Havilland Aeroplane Hire Service für Charter- und Taxiflüge eingesetzt.

Varianten

Airco DH.9A

Zur Behebung des Leistungsmankos der DH.9 wurden in den USA Packhard-Liberty-12-Zylinder-Motoren bestellt. Da zu diesem Zeitpunkt bei Airco bereits die DH.10 gefertigt wurden und somit keine Kapazitäten für die Produktion dieser DH.9A genannten Maschinen frei waren, wurden die Modifikationen an Westland Aircraft Works übertragen. Dort wurde nicht nur der Motor angepasst, sondern weitere Veränderungen vorgenommen, und so entstand dort ein ausgereiftes Flugzeug.

Insgesamt entstanden bei Westland und anderen Subunternehmern 885 Exemplare dieser Maschine, die ab Juni 1918 an die Streitkräfte ausgeliefert wurde und schnell den Ruf des besten strategischen Bombers des Ersten Weltkriegs erwerben konnte. So wurde dieser Typ auch noch nach dem Ende des Krieges produziert und erst im Jahre 1921 ausgemustert.

Bekannt wurden die „Ninak“ genannten Maschinen nicht zuletzt auch durch den Linienpostflugdienst zwischen Kairo und Bagdad.

Airco DH.9B

  • umgebaute Zivilversion, ehemaliger Bomber mit zwei Passagierplätzen (Pilot saß in der Mitte zwischen den Fluggästen)

Airco DH.9C

  • ebenfalls umgebaute ehemalige Bomber mit drei Passagierplätzen (ein Sitzplatz vor, zwei hinter dem Piloten)

Airco DH.9J

  • Ende der 1920er-Jahre modernisierte DH.9 und M´pala I der südafrikanischen Luftwaffe, die als Schulflugzeuge der de Havilland School of Flying verwendet wurden

(Anmerkung: Nach der Insolvenz von Airco im Jahre 1920 wurde ein Teil der Betriebsstätten von der Firma des ehemaligen Chefkonstrukteurs von Airco, Geoffrey de Havilland, der de Havilland Aircraft Company übernommen. So wurden die DH.9 und deren Varianten von de Havilland weiter produziert und gewartet; daher führten die folgenden Varianten nicht mehr den Namen Airco.)

de Havilland DH.9AJ Stag

  • einzelner Prototyp mit verbessertem Hauptfahrwerk, ausgestattet mit einem Bristol-Jupiter-VI-Sternmotor mit 347 kW (472 PS)

de Havilland DH.9R

  • für Rennveranstaltungen gebautes Einzelstück eines Anderthalbdeckers auf Basis einer DH.9 mit einem 347 kW (472 PS) leistenden Y-Motor Napier Lion II

Engineering Division USD-9A

  • neun in den USA gebaute Maschinen auf Basis der DH.9 mit leichten Modifikationen

Engineering Division USD-9B

  • einzelne USD-9A mit einem V12-Motor Liberty 12A mit einer Leistung von 313 kW (426 PS)

Militärische Nutzung

Afghanistan Emirat 1921Datei:Flag of Afghanistan (1921-1928).svg Afghanistan
AustralienDatei:Flag of Australia (converted).svg Australien
BelgienDatei:Flag of Belgium (civil).svg Belgien
BolivienDatei:Flag of Bolivia.svg Bolivien
Britisch-IndienDatei:British Raj Red Ensign.svg Britisch-Indien
ChileDatei:Flag of Chile.svg Chile
EstlandDatei:Flag of Estonia.svg Estland
Erste Hellenische RepublikDatei:Flag of Greece (1822-1978).svg Griechenland
IrlandDatei:Flag of Ireland.svg Irland
  • Irish Air Service / Irish Air Corps
Kanada 1921Datei:Canadian Red Ensign (1921-1957).svg Kanada
Datei:Flag of Hejaz 1920.svg Königreich Hedschas
LettlandDatei:Flag of Latvia.svg Lettland
NiederlandeDatei:Flag of the Netherlands.svg Niederlande
NeuseelandDatei:Flag of New Zealand.svg Neuseeland
ParaguayDatei:Flag of Paraguay.svg Paraguay
PeruDatei:Flag of Peru.svg Peru
PolenDatei:Flag of Poland.svg Polen
Rumänien KonigreichDatei:Flag of Romania.svg Rumänien
Sowjetunion 1923Datei:Flag of the Soviet Union (1936–1955).svg Sowjetunion
Spanien 1875Datei:Flag of Spain (1785-1873 and 1875-1931).svg Spanien
Sudafrika 1912Datei:Red Ensign of South Africa (1912-1928).svg Südafrikanische Union
SchweizDatei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Schweiz
TurkeiDatei:Flag of Turkey.svg Türkei
Vereinigtes KonigreichDatei:Flag of the United Kingdom.svg Vereinigtes Königreich
Vereinigte Staaten 48Datei:Flag of the United States (1912-1959).svg Vereinigte Staaten
UruguayDatei:Flag of Uruguay.svg Uruguay

Bilder

Technische Daten

Datei:Airco de Havilland DH.9 dwg.jpg
Dreiseitenansicht
Kenngröße Airco DH.9 Airco DH.9A
Besatzung 2 (Pilot und Bombenschütze)
Länge 9,27 m 9,22 m
Spannweite 12,92 m 14,01 m
Höhe 3,44 m 3,45 m
Flügelfläche 40,32 m² 45,22 m²
Leermasse 1012 kg 1270 kg
max. Startmasse 1508 kg 2107 kg
Höchstgeschwindigkeit 178 km/h 198 km/h
Steigzeit auf ca. 1980 m Höhe 10:20 min 8:55 min
Dienstgipfelhöhe 4725 m 5105 m
Reichweite ca. 700 km ca. 950 km
Triebwerke ein Sechszylinder-Reihenmotor Siddeley Puma mit 172 kW (234 PS) ein V12-Motor Packard Liberty; 298 kW (405 PS)
Bewaffnung ein starres, nach vorn feuerndes 7,7-mm-Vickers-MG, ein bis zwei 7,7-mm-Lewis-MGs auf Drehkranz, 209 kg Bombenlast

Siehe auch

Literatur

  • Lennart Andersson: Wings Over the Desert. Aviation on the Arabian Peninsula. Part One Saudi Arabia. Air Enthusiast, No. 112, Juli/August 2004, ISSN 0143-5450, S. 39–43.
  • C. H. Barnes: Handley Page Aircraft since 1907. Putnam, London 1976, ISBN 0-370-00030-7.
  • F. Gerdessen: Estonian Air Power 1918–1945. In: Air Enthusiast. No 18, April–Juli 1982, ISSN 0143-5450, S. 61–76.
  • A. J. Jackson: De Havilland Aircraft since 1909. 3. Ausg., Putnam, London 1987, ISBN 0-85177-802-X.
  • Jim Winchester (Hrsg.): Bombers of the 20th Century. Airlife Publishing Ltd., London 2003, ISBN 1-84037-386-5.

Weblinks

Commons: Airco DH.9 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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Konstruktionsnummern:

DH.1 • DH.2 • DH.3 • DH.4/DH.4A • DH.5 • DH.6 • DH.9/DH.9A • DH.10 • DH.11 • DH.14 • DH.15 • DH.16 • DH.18 • DH.27 • DH.29 • DH.34 • DH.37 • DH.42 • DH.50 • DH.51 • DH.52 • DH.53 • DH.54 • DH.56 • DH.60 • DH.61 • DH.65 • DH.66 • DH.67 • DH.71 • DH.72 • DH.75 • DH.77 • DH.80 • DH.81 • DH.82 • DH.83 • DH.84 • DH.85 • DH.86 • DH.87 • DH.88 • DH.89 • DH.90 • DH.91 • DH.92 • DH.93 • DH.94 • DH.95 • DH.98 • DH.100 • DH.103 • DH.104 • DH.106 • DH.108 • DH.110 • DH.112 • DH.113 • DH.114 • DH.115 • DH.121 • DH.125

Namen:

Albatross • Amiens • Comet (1934) • Comet (1949) • Derby • Dominie • Don • Doncaster • Dormouse • Dove • Dragon • Dragonfly • Dragon Rapide • Express • Flamingo • Fox Moth • Gazelle • Giant Moth • Gipsy Moth • Hawk Moth • Hercules • Heron • Highclere • Hound • Hornet • Hornet Moth • Humming Bird • Hyena • Leopard Moth • Mosquito • Moth • Moth Major • Moth Minor • Okapi • Oxford • Puss Moth • Swallow Moth • Moth Trainer • Sea Vixen • Swallow • Swallow Moth • Tiger Moth (1927) • Tiger Moth (1931) • Trident • Vampire • Venom • Vampire NF • Vampire Trainer

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