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ATR 42

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ATR 42
ATR 42-600 in ATR-Werkslackierung
ATR 42-600 in ATR-Werksbemalung
Typ Regionalverkehrsflugzeug
Entwurfsland
Hersteller Avions de Transport Régional
Erstflug 16. August 1984
Indienststellung 1985
Produktionszeit

Seit 1984 in Serienproduktion

Stückzahl 496 (Stand: 6. November 2022)<ref>Aircraft. Auf RZJets.net, abgerufen am 6. November 2022.</ref>

Die ATR 42 ist die kleinere Variante von zwei Turboprop-Regionalverkehrsflugzeugen des französisch-italienischen Herstellerkonsortiums Avions de Transport Régional. Der größere Typ ATR 72 ist die gestreckte Version der ATR 42.

Geschichte

Datei:ATR ATR-42-300QC, RFG - Regionalflug AN0063923.jpg
ATR 42 der RFG – Regionalflug, Paderborn 1994
Datei:ATR ATR-42-300, NFD - Nurnberger Flugdienst AN0931921.jpg
ATR 42 des Nürnberger Flugdienst, Paris-CDG 1988

Am 29. Oktober 1981 begann das Entwicklungsprogramm für das erste gemeinsame Produkt der Avions de Transport Régional (ATR). Die ATR 42, deren Prototyp dann am 16. August 1984 seinen Erstflug hatte, war ab September 1985 serienreif und zertifiziert. Die Endmontage und Flugerprobung der zivilen Passagierflugzeugvariante erfolgte in Toulouse, die der militärischen wie auch zivilen Frachtvarianten in Neapel.

Der Flugzeugtyp wird hauptsächlich für den Personentransport auf Kurzstrecken eingesetzt. Die Maschinen können nach Umbau der Zelle als Frachtflugzeug eingesetzt werden.

Air Littoral (Frankreich) war die erste Fluggesellschaft, die am 3. Dezember 1985 das Flugzeug in Dienst stellte. Seit dem Zeitpunkt ist es – mit Ausnahme der Änderung der Propeller – nahezu unverändert im Einsatz.

Die älteren Maschinen (ATR 42-300, ab 1985 und ATR 42-320, ab 1987) haben vierblättrige Propeller. Im Oktober 1995 nahm die verbesserte Version ATR 42-500 den Liniendienst bei der Air Dolomiti auf. Die Verbesserungen (laut Herstellerwebseite) umfassen das Kabineninterieur, ein erhöhtes Startgewicht MTOW, stärkere Motoren und modernere sechsblättrige Propeller. Dadurch werden Reisegeschwindigkeit und Reichweite erhöht sowie der Kerosinverbrauch gesenkt, auch werden die Flugzeuge im Landeanflug oder beim Start merklich leiser.

Im Oktober 2019 gab ATR bekannt, eine STOL-Variante der ATR 42-600 produzieren zu wollen – die ATR 42-600S. Diese sollte mit 800 Metern eine um 250 Meter kürzere Startbahn benötigen, hätte dafür aber nur 40 statt 50 Passagiere transportieren können. Mit 50 Sitzplätze sollte sie vollbesetzt dann 900 Meter benötigen, um zu starten.<ref>ATR will mit neuem Modell durchstarten. In: aeroTELEGRAPH. 20. Juni 2019, abgerufen am 21. Juni 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Diese Variante wurde vor Programmstart 20-mal bestellt. Erstkunden waren Air Tahiti und Elix Aviation.<ref name=":0">Patrick Zwerger: Regional-Turboprop für kurze Runways: ATR launcht STOL-Variante der ATR 42-600. 9. Oktober 2019, abgerufen am 21. Juni 2020.</ref> Am 11. Mai 2022 absolvierte ein zumindest teilweise zur ATR 42-600S modifiziertes Flugzeug seinen Erstflug.<ref>ATR 42-600S STOL takes flight in its partial configuration. In: ATR-Aircraft.com. 11. Mai 2022, abgerufen am 15. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im November 2024 wurde die Entwicklung der ATR 42-600S eingestellt, da man nicht mehr genügend Absatzchancen sah.<ref>ATR stoppt Entwicklung seines Schnellstarters. In: aeroTELEGRAPH.com. 14. November 2024, abgerufen am 15. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Bis Oktober 2022 waren 496 Exemplare der ATR 42 ausgeliefert. Ende des Jahres 2022 betrug die Summe der Auslieferungen der „Familienmitglieder“ ATR 42 und ATR 72 1.660 Stück.<ref>rzjets: ATR 42, ATR 72 production list, abgerufen am 6. November 2022 (englisch).</ref>

Konstruktion

Durch den Einbau sogenannter Active-Noise-Reduction-Systeme wurde der Propellerlärm im Kabineninneren deutlich reduziert.

Ein Vorteil der Turbopropellermaschinen gegenüber den Regionaljets ist die deutlich kürzere Start- und Landestrecke, die sie für den Einsatz auf kleineren Flughäfen interessant macht. Vergleichbare Werte für Start- und Landestrecke erreichen bei den Regionaljets nur speziell für diesen Zweck entworfene Maschinen, so etwa die BAe-146, auch Jumbolino genannt.

Der Hauptvorteil einer Turbopropmaschine ist der erheblich geringere Kraftstoffverbrauch pro Tonnenkilometer. Zum Zeitpunkt ihres Erscheinens setzte sie hier Maßstäbe – die ATR 42 verbraucht bei voller Auslastung etwa 1,8 Liter Kerosin pro Passagier und 100 km – dies entspricht der Hälfte des Verbrauchs eines modernen Jets.

Im Regionalflugverkehr hat die ATR 42 einen deutlichen Geschwindigkeitsnachteil gegenüber den mit Strahltriebwerken betriebenen Regionaljets. Mit den aktuellen Motoren erreicht die ATR 42 nur Geschwindigkeiten bis 556 km/h. Aktuelle Regionaljets erreichen mit über 700 km/h Geschwindigkeiten, die denen von Mittelstreckenflugzeugen in nichts nachstehen. Verstärkter Einsatz und die Verfügbarkeit unterschiedlicher Regional-Jets (wie der Bombardier CRJ200 oder der Regionaljets von Embraer) stellten die Zukunft von Turboprop-Flugzeugen in Frage. Angesichts steigender Treibstoff-Preise erfuhr der Turboprop-Antrieb im Jahre 2005 allerdings einen gewissen Aufschwung, was zu einer steigenden Nachfrage sowohl bei ATR als auch bei Bombardier (für die DHC-8-Serie) führte.

Die STOL-Variante, die 42-600S, sollte sich durch die Software der Triebwerke, die mehr Leistung (2750 PS statt 2400 PS) beim Start abrufen sollten, automatische Bremsen, zusätzliche Störklappen und einem größeren Seitenruder unterscheiden, welches das Handling verbessern sollte.<ref name=":0" />

Militärische Versionen

Datei:Atr42.fairford.arp.jpg
ATR 42 MP Surveyor der Guardia di Finanza
Datei:Nigerian Air Force ATR ATR-42-500MP Surveyor Iwelumo-3.jpg
Cockpit einer nigerianischen ATR 42 MP

Von der ATR 42 entwickelte Alenia Aeronautica neben dem militärischen Frachtflugzeug einen militärischen Transporter mit der Bezeichnung ATM 42, der mit einer Heckrampe ausgerüstet ist sowie die SAR 42 als Such- und Rettungsversion auf Basis der ATR 42-400.

Außerdem existiert eine Seeaufklärer-Variante mit der Bezeichnung ATR 42 MP Surveyor. Sie dient als Patrouillenflugzeug und wird vorwiegend von Küstenwachen oder ähnlichen Organisationen eingesetzt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ATR 42 MP Surveyor (Memento vom 20. Juli 2008 im Internet Archive)</ref> Das Flugzeug ist mit zwei Turboprop-Triebwerken des Typs Pratt & Whitney Canada PW100 ausgestattet. Ein Hilfstriebwerk (APU) ist nicht vorhanden. Der Propeller des rechten Triebwerks kann aber am Boden mit Hilfe einer Bremse (prop brake) fixiert werden. Die beiden Wellen des sogenannten Kerntriebwerks laufen mit Leerlaufdrehzahl weiter und liefern Strom sowie Zapfluft für die Klimaanlage und andere Systeme. Beschafft wurden Flugzeuge dieses Typs von der italienischen Guardia Costiera und der Guardia di Finanza, weitere Flugzeuge gingen nach Nigeria (Nigerian Air Force) und Libyen (General Security Agency).<ref>ATR 42 MP Bestellungen. In: deagel.com (englisch).</ref>

Zivile und militärische Frachtversion

An der ATR 42 wurden durch verschiedene Firmen auch Umbauten zum Frachter ATR-42F vorgenommen. Die bekannteste Version ist ein Bulk Freighter, wobei die gesamte Kabine ausgeräumt und mit vertikalen Netzen in verschiedene Frachträume aufgeteilt wird. Die ATR 42 kann dabei ökonomisch bis zu etwa fünf Tonnen Fracht transportieren. Eine ATR 42-320 als Frachter wird beispielsweise durch ASL Airlines Switzerland (ehemals Farnair) mit Basis in Basel, Schweiz eingesetzt.

Zwischenfälle

Bis einschließlich Januar 2026 kam es zu 42 Totalschäden. Bei 14 davon wurden 302 Menschen getötet.<ref>Unfallstatistik der ATR-42. In: Aviation Safety Network. Abgerufen am 21. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Beispiele:

  • Am 11. Februar 2010 führten die Piloten einer ATR 42-300 der Trigana Air Service eine Notlandung in einem Reisfeld etwa 30 Kilometer vom indonesischen Sultan Aji Muhamad Sulaiman Airport entfernt durch, nachdem nacheinander beide Triebwerke Leistung verloren hatten. Zwei Passagiere erlitten Beinbrüche.
  • Am 9. September 2024 gierte eine ATR 42-300 der indonesischen Trigana Air Service (PK-YSP) bei einem Startabbruch auf dem Flughafen Serui (Papua, Indonesien) nach links und kam von der Startbahn 28 ab. Die Maschine rollte etwa 20 Meter auf unwegsamem Gelände weiter, wobei das linke Hauptfahrwerk zusammenbrach. Sie kam etwa 1200 Meter hinter dem Startbahnanfang zum Stillstand. Alle 48 Insassen, sechs Besatzungsmitglieder und 42 Passagiere, überlebten den Unfall. Das Flugzeug wurde erheblich beschädigt und als Totalschaden (write-off) eingestuft.<ref>Unfallbericht ATR 42 PK-YSP, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 18. Januar 2026.</ref>
  • Am 17. Januar 2026 verunglückte eine ATR 42-500 (PK-THT), die von dem indonesischen Ministerium für Meeres- und Fischereiangelegenheiten gechartert war, auf dem Flug von Yogyakarta nach Makassar (Sulawesi) bei einem Patrouillenflug gegen unerlaubten Fischfang. Das etwa 25 Jahre alte Flugzeug, das zuvor bei Air Dolomiti und bei Indonesia Air im Einsatz war, kollidierte beim Anflug auf den Flughafen von Makassar mit einem Berghang. Der Ablauf deutet auf einen CFIT hin. Das Flugzeug wich vom Standardanflug ab, der Funkkontakt ging 20 Kilometer östlich vom Flughafen verloren.<ref>Indonesia searching for missing surveillance plane with 11 onboard. In: Reuters. 17. Januar 2026, abgerufen am 17. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Wetter zum Unfallzeitpunkt war gut, jedoch wurde das Wrack in den Bergen mit tiefhängender Bewölkung gefunden. Zehn Personen befanden sich an Bord. Überlebende konnten nicht geborgen werden.<ref>Aviation Safety Network Wikibase (englisch), abgerufen am 17. Januar 2026.</ref>

Technische Daten

Datei:ATR family v1.0.png
ATR 72 und ATR 42
Datei:ATR ATR-42-500, Lufthansa Regional (Contact Air Interregional) AN1603095.jpg
Kabine einer ATR 42-500
Kenngröße ATR 42-300 ATR 42-320 ATR 42-500 ATR 42-600 ATR 42-600S
Länge 22,67 m
Spannweite 24,57 m
Höhe 7,59 m
Kabinenbreite 2,57 m
Kabinenhöhe 1,91 m
Reichweite
(mit 48 pax)
1.150 km (630 NM) 1.550 km (840 NM) 1.301 km (703 NM) n.B.
Geschwindigkeit 491 km/h (265 kn) 498 km/h (269 kn) 556 km/h (300 kn)
Max. Startgewicht 16.700 kg 18.600 kg n.B.
Max. Zuladung 4.950 kg 5.450 kg 5.250 kg<ref>Data Summary ATR 42-600, ATR Aircraft (englisch), abgerufen am 31. Juli 2023.</ref> n.B.
Max. Treibstoffgewicht 4.500 kg n.B.
Max. Sitzplätze 50
Triebwerke (2 ×) Turboprop Pratt & Whitney Canada
PW120 mit 1.470 kW (2.000 PS)
Turboprop Pratt & Whitney Canada
PW121 mit 1.544 kW (2.100 PS)
Turboprop Pratt & Whitney Canada
PW127E gedrosselt von 2.051 kW auf 1.764 kW (2.400 PS)
Turboprop Pratt & Whitney Canada
PW127M mit 1.764 kW (2.400 PS)
Propeller (2 ×) 4-Blatt Hamilton Standard 6-Blatt Hamilton Standard
Indienststellung 1985 1987 1995 2012 Entwicklung eingestellt
Besonderheit Keine STOL-Variante

Siehe auch

Weblinks

Commons: ATR 42 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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