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Hans Swarowsky

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 14. April 2026 um 10:57 Uhr durch imported>M Huhn (Biographie ergänzt; Gerhart Scherlers Schutz für Hans Swarowsky; Quellennachweis).
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Datei:Swarowsky Class.png
Hans Swarowsky (Mitte) lehrt in Ossiach (1972)

Hans Swarowsky (* 16. September 1899 in Budapest; † 10. September 1975 in Salzburg) war ein österreichischer Dirigent und ab 1946 Professor für Dirigieren an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.<ref name="oeml">Erika Hitzler Swarowsky, Hans. In: Oesterreichisches Musiklexikon online; abgerufen am 29. August 2021.</ref>

Leben

Datei:Grave Hans Swarowsky.jpg
Grabstätte von Hans Swarowsky

Hans Swarowsky, Sohn eines Wiener Großindustriellen, studierte zunächst an der Wiener Universität Kunstgeschichte und Philosophie. Ab dem Jahr 1920 nahm er bei Arnold Schönberg und anschließend bei Anton Webern Unterricht in Musiktheorie und Dirigieren.<ref name="Forschungsprojekt">Tabellarische Biographie.</ref> Nach einer Tätigkeit als Korrepetitor wirkte er als Kapellmeister an der Wiener Volksoper und danach am Stuttgarter Opernhaus. Anschließend war er Erster Kapellmeister und Opernspielleiter am Reußischen Theater in Gera, bevor er im Jahr 1934 als Kapellmeister an die Hamburgische Staatsoper und 1935 an die Berliner Staatsoper verpflichtet wurde.<ref name="Prieberg7613">Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-Rom-Lexikon. Kiel 2009, S. 7613f.</ref> Nach einem angeblichen Berufsverbot 1936<ref name="Forschungsprojekt" /> war Swarowsky in den Jahren von 1937 bis 1940 am Zürcher Opernhaus tätig, bevor er ins nationalsozialistische Deutsche Reich zurückkehrte.<ref name="Forschungsprojekt" /><ref>Eintrag zu Hans Swarowsky im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon)</ref> Auf Einladung von Richard Strauss und Clemens Krauss arbeitete Swarowsky am Libretto der Oper Capriccio mit (die deutsche Textfassung des Ronsard-Sonetts Kein Andres, das mir so im Herzen loht stammt von ihm). Daneben übertrug er zahlreiche ältere Opernlibretti von Opern Verdis, Glucks, Haydns und Monteverdis ins Deutsche.<ref>Die meisten Übersetzungen sind nicht mehr erhältlich; sie waren bei Ricordi Milano (Verdi) und Bärenreiter verlegt worden.</ref>

Von 1940 bis 1944 wirkte er als Dramaturg bei den Salzburger Festspielen mit. Von 1944 bis zu seinem letzten Konzert am 9. Januar 1945 war er im besetzten Polen Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters des Generalgouvernements in Krakau. Dort wurde Swarowsky von Joseph Goebbels als „Polenfreund“ angefeindet, doch hinter den Kulissen deckte ihn Ministerialrat Gerhart Scherler,<ref>Otto Karner: Swarowsky während der NS-Zeit (1933–1945). In: Markus Grassl, Reinhard Kapp (Hrsg.): Der Dirigent Hans Swarowsky (1899-1975). Musik, Kultur und Politik im 20. Jahrhundert. Böhlau Verlag, Wien 2022, S. 221–366, hier S. 361.</ref> der „Vertrauensmann aller Anti-Nazis im Propagandaministerium“.<ref>Carl Zuckmayer: Als wär’s ein Stück von mir. Horen der Freundschaft. S. Fischer, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-10-034112-0, S. 56.</ref> In Krakau dirigierte Swarowsky unter anderem die Uraufführung von Pfitzners Komposition Krakauer Begrüßung, die Hans Frank gewidmet war.<ref>Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-Rom-Lexikon. Kiel 2009, S. 5598.</ref> Swarowsky nutzte das ihm von dem Musikliebhaber Frank entgegengebrachte Vertrauen und seine Position als Chefdirigent, um zahlreiche polnische und jüdische Bürger gegenüber der Gestapo zu schützen.<ref>Corina Kolbe: „Ohne diese Juden spielen wir nicht“. In: Spiegel Online. 16. Januar 2020, abgerufen am 7. Mai 2017.</ref><ref>Corina Kolbe: Der Dirigent, der spionierte: Hans Swarowsky zwischen Zürich und dem «Dritten Reich». In: NZZ. 23. November 2019, abgerufen am 9. Juli 2020.</ref>

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand Swarowsky, der zu diesem Zeitpunkt in Stuttgart war, kurzfristig auf der „Grauen Liste“ der US-Militärregierung.<ref name="Prieberg7613" /> Von 1946 bis 1947 war er Chefdirigent der Wiener Symphoniker, 1947 bis 1950 Direktor der Grazer Oper. In der Folge widmete er sich vor allem seiner Lehrtätigkeit, dirigierte aber daneben an der Wiener Staatsoper bis kurz vor seinem Tod über 180 Vorstellungen.<ref>Vorstellungen mit Hans Swarowsky. In: Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 3. März 2018.</ref>

Viele der bekanntesten Dirigenten und Musiker entstammen seiner Schule, so etwa Claudio Abbado, Zubin Mehta, Mariss Jansons, Alexis Hauser, Paul Angerer, Johan M. Arnell, Rudolf Bibl,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nachruf für Rudolf Bibl (Memento des Vorlage:IconExternal vom 10. Januar 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.volksoper.at (abgerufen am 13. Februar 2017)</ref> Peter Burwik, Miltiades Caridis, Gabriel Chmura, Jesús López Cobos, Alexander Alexejew, Yoram David, Jacques Delacôte, Jörg Demus, Adam und Iván Fischer, Constantin Floros, Helmuth Froschauer, Wolfgang Gabriel, James Allen Gähres, Theodor Guschlbauer, Christoph Haas, Raimund Hug, Manfred Huss, Dimitri Kitajenko, Augustin Kubizek, Uroš Lajovic, Gustav Leonhardt, Anestis Logothetis, Miguel Gómez Martínez, Erwin Ortner, Roberto Paternostro, Michael Radulescu, Heinrich Schiff, Peter Schneider, Giuseppe Sinopoli, Karl Sollak, Stefan Soltesz, Günther Theuring, Erich Urbanner, Mario Venzago, Bruno Weil und Hans Zanotelli.

Wiederholt war er Juror bei der Dimitri Mitropoulos International Music Competition in New York.

Ein Schüler Swarowskys, Alfred Scholz, veröffentlichte als Produzent zahlreiche Tonaufnahmen mit einem von ihm Süddeutsche Philharmonie genannten Orchester unter verschiedensten Dirigenten-Pseudonymen, darunter häufig Hans Swarowsky. Vermutlich wurde kaum eine dieser Aufnahmen tatsächlich von Swarowsky dirigiert.<ref>abruckner.com (PDF)</ref>

Aufsätze und Vorlesungen Swarowskys sind 1979 in der Sammlung Wahrung der Gestalt<ref>Hans Swarowsky: Wahrung der Gestalt. Schriften über Werk und Wiedergabe, Stil und Interpretation in der Musik. Hrsg. und red. von Manfred Huss. Wien 1979.</ref> erschienen. Dort entwickelt Swarowsky seine von ihm so bezeichnete „Taktgruppenanalyse“, die er als Voraussetzung für eine musikalische Interpretation betrachtete.

Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 C, Nummer 40).<ref>Ehrengrab von Hans Swarowsky auf dem Wiener Zentralfriedhof; abgerufen am 29. August 2021.</ref>

Auszeichnungen

Schriften

  • Wahrung der Gestalt. Schriften über Werk und Wiedergabe, Stil und Interpretation in der Musik. Hrsg. und red. von Manfred Huss. Universal-Edition, Wien 1979, ISBN 3-7024-0138-5.

Literatur

Weblinks

Commons: Hans Swarowsky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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