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Digitoxin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Strukturformel
Struktur von Digitoxin
Allgemeines
Freiname Digitoxin
Andere Namen
  • Carditoxin
  • Digitophyllin
  • Digitrin
Summenformel C41H64O13
Kurzbeschreibung

kleine rechteckige, bitter schmeckende Plättchen<ref name="Römpp">Eintrag zu Digitoxin. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 200-760-5
ECHA-InfoCard 100.000.691
PubChem 441207
ChemSpider 389987
DrugBank DB01396
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code
Wirkstoffklasse

Herzglykoside

Eigenschaften
Molare Masse 764,95 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

256–257 °C<ref name="Römpp" />

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.000.691">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>
Datei:GHS-pictogram-skull.svg Datei:GHS-pictogram-silhouete.svg

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300​‐​331​‐​373
P: 260​‐​264​‐​271​‐​301+310​‐​304+340+311​‐​314<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten

0,18 mg·kg−1 (LDLoKatzeoral)<ref>Naunyn-Schmiedeberg's Archiv fuer Experimentelle Pathologie und Pharmakologie. 184(181), 1937.</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Digitoxin ist ein Steroid-Glycosid aus der Gruppe der Herzglycoside und findet sich in den Blättern des Fingerhuts Digitalis purpurea. Produktionsprobleme haben im Jahr 2023 zur Einstellung des Vertriebs vieler Digitoxinprodukte durch Hersteller geführt.

Digitoxin besteht aus dem Aglycon Digitoxigenin, welches mit drei Zuckerresten (Digitoxose) verknüpft ist. In seiner Wirkung gleicht es Digoxin aus dem Fingerhut Digitalis lanata, hat jedoch aufgrund einer fehlenden OH-Gruppe eine längere Halbwertszeit von 6–8 Tagen und wird vorwiegend über die Leber ausgeschieden.

Geschichte

Die erste Verwendung von Fingerhüten wurde 1775 beschrieben.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: An Account of the Foxglove and Some of its Medical Uses: With Practical Remarks on Dropsy and other Diseases. Hrsg.: Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name. Vorlage:Cite book/Date, [ ] (Vorlage:Cite book/URL [abgerufen am -05-]).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Die erste Isolierung erfolgte 1875 durch Oswald Schmiedeberg. Weitere Untersuchungen folgten durch Claude-Adolphe Nativelle. Die Struktur wurde teilweise 1925 durch Adolf Otto Reinhold Windaus und 1962 vollständig aufgeklärt.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Drug discovery: A history. Hrsg.: Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name. Vorlage:Cite book/Date, ISBN 978-0-471-89980-8, [ ], S. 107 (Vorlage:Cite book/URL [abgerufen am -05-]).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Am 4. November 2022 teilte die Merck Healthcare Germany GmbH (Merck KGaA) in einem Informationsschreiben zum Lieferengpass von Digimerck mit, die Einstellung des Vertriebs von Digitoxin in allen Wirkstärken und Darreichungsformen auf den 1. Januar 2023 vorzuziehen.<ref>Informationsschreiben zu dem Lieferengpass von Digimerck. In: bfarm.de. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 29. November 2022, abgerufen am 4. September 2023.</ref> Die Firma mibe GmbH Arzneimittel stellte das Produkt Digitoxin-Philo Injektionslösung am 1. März 2023 ein.<ref>13/23 Information der Hersteller: Informationsschreiben zu Digitoxin-Philo Injektionslösung: Einstellung des Vertriebs zum 1. März 2023. In: abda.de. ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V., 28. März 2023, abgerufen am 4. September 2023.</ref>

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt Ärzten im Rahmen des Lieferengpasses eine individuelle Indikationsüberprüfung von Digitoxin. Bei bestehender Indikation kann im Einzelfall eine Umstellung auf Digoxin erwogen werden. Digoxin wird jedoch ausschließlich renal eliminiert und bedarf bei der Umstellung einer engmaschigen ärztlichen Kontrolle.<ref name="DOI10.1007/s12181-022-00585-x">J. Bauersachs, Lars S. Maier, Natalie ter Horst, Udo Bavendiek: Lieferengpass Digitoxin. In: . 2022, Band 17, Nummer 1, S. 39–42 doi:10.1007/s12181-022-00585-x.</ref>

Gewinnung

Digitoxin wird aus den Blättern des Roten Fingerhutes (Digitalis purpurea) gewonnen. Aus zehn Kilogramm Fingerhutblättern lassen sich sechs Gramm Digitoxin isolieren.<ref name="Römpp" />

Wirkung

Digitoxin besitzt einen positiv inotropen und negativ dromotropen Effekt auf die Herzmuskulatur.<ref>G. G. Belz, K. Breithaupt-Grögler, U. Osowski: Treatment of congestive heart failure–current status of use of digitoxin. In: European journal of clinical investigation. Band 31 Suppl 2, 2001, S. 10–17, PMID 11525233.</ref> Digitoxin führt durch Hemmung der Natrium/Kalium-ATPase in den Herzmuskelzellen zu einem Anstieg der zytosolischen Calcium-Konzentration, da der intrazelluläre Natriumgehalt steigt und als Folge die Wirkung des Natrium/Calcium-Antiporters verringert wird.<ref>H. Fuerstenwerth: On the differences between ouabain and digitalis glycosides. In: American journal of therapeutics. Band 21, Nummer 1, 2014 Jan-Feb, S. 35–42, doi:10.1097/MJT.0b013e318217a609, PMID 21642827.</ref> Dadurch steigt die Kontraktilität des Herzens. Die Verlangsamung der Erregungsleitung im Herzen (Dromotropie) beruht auf der Aktivierung von Vaguskernen, also einer Aktivierung des Parasympathikus. Die Verwendung von Digitoxin kann zu Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verwirrtheitszuständen, visuellen Störungen und Herzarrhythmien führen. Vergiftungen mit Digitoxin können – wie auch bei Digoxin – mit dem anti-Digoxin-Fab-Fragment behandelt werden.<ref name="Kurowsky">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>D. M. Roberts, N. A. Buckley: Antidotes for acute cardenolide (cardiac glycoside) poisoning. In: The Cochrane database of systematic reviews. Nummer 4, 2006, S. CD005490, doi:10.1002/14651858.CD005490.pub2, PMID 17054261.</ref>

Indikation

Digitoxin wird bei Herzinsuffizienz eingesetzt, insbesondere bei gleichzeitiger Niereninsuffizienz.<ref name="books-3e2fBgAAQBAJ-43">Erland Erdmann: Therapie mit Herzglykosiden. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-69046-4, S. 43.</ref>

Verwendung

Digitoxin wird im Vergleich zu Digoxin nicht so häufig bei Herzerkrankungen eingesetzt. Digitoxin und verwandte Cardenolide werden zur Behandlung von Tumoren untersucht.<ref name="PMID 23525565">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Digitoxin besitzt einen geringen therapeutischen Index, sodass eine individuelle Dosisfindung unter Kontrolle der Serumspiegel erfolgen muss.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Weiterhin werden Derivate von Digitoxin untersucht.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Literarische Rezeption

Digitoxin wird im Roman Appointment with Death von Agatha Christie als Mordwaffe eingesetzt. Weiterhin kommt Digitoxin in Die For Love von Elizabeth Peters vor, sowie in der TV-Serie CSI: Vegas, Staffel 9, Folge 19: Tragödie der Wahrscheinlichkeit, in der TV-Serie Columbo, Staffel 9, Folge 5: Schleichendes Gift (1990), in der TV-Serie McMillan and Wife, Staffel 6, Folge 5: Affair of the Heart (1977), in Murder 101: College can be a Murder und mehrfach in der TV-Serie Mord ist ihr Hobby. Im Lied The Rake's Song von The Decemberists ermordet der Erzähler seine Tochter durch Fütterung von Fingerhut.

Handelsnamen

Aktuelle Handelsnamen:

Monopräparate

Digitoxin AWD (D), Augentropfen Stulln Mono (CH)

Ehemalige Handelsnamen:

Monopräparate

Digimed (D), Digimerck (D, A), Digitoxin-Philo (D), Digitoxin-Hameln (D)

Einzelnachweise

<references /> Vorlage:Hinweisbaustein