Galette des Rois
Die Galette des Rois (frz. Aussprache: /ga.lɛt de ʁwa/) ist die unter anderem in Frankreich, Belgien und Luxemburg sowie dem Saarland verbreitete Variante des Dreikönigskuchens.<ref>Galette des Rois. Zweites deutsches Fernsehen, 6. Januar 2020, abgerufen am 16. März 2026.</ref>
Eine Galette bezeichnet im Französischen einen runden und flachen Kuchen<ref>Französisch-Deutsch Übersetzung für "galette". Langenscheidt, abgerufen am 16. März 2026.</ref>, ein roi (altfranzösisch roy, daher das Adjektiv royal) ist auf Deutsch ein König.<ref>Französisch-Deutsch Übersetzung für "roi". Langenscheidt, abgerufen am 16. März 2026.</ref>
Der Kuchen wird meist am 6. Januar, dem Dreikönigstag, zur Erinnerung an die Heiligen drei Könige serviert.<ref name=":0">Hilke Maunder: La Galette des Rois: der Kuchen zum Dreikönigstag. In: MeinFrankreich – unabhängiges Frankreich-E-Journal. 8. Januar 2026, abgerufen am 16. März 2026.</ref>
Ursprung, Brauch
Die Geschichte der Galette des Rois geht auf zwei Ursprünge zurück: zunächst auf die römische Saturnwoche,<ref name=":1">Gabriela Dan: Galette des rois. In: Arta Alba. 12. Januar 2026, abgerufen am 16. März 2026.</ref> ein 7-tägiges Fest,<ref>L’épiphanie et la tradition de la galette des Rois. france contact, abgerufen am 16. März 2026.</ref> bei dem üblicherweise die Kinder mit Kuchen beschenkt wurden.<ref name=":3">Ein Kuchen für Könige. In: Der Sonntag. 2. Januar 2026, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Termin fiel mit der Zeit der Lehnsabgaben zusammen, und der Kuchen erhielt daher den Namen „Königskuchen“.<ref name=":2">M. Tritschler: Galette des rois - Dreikönigs-Kuchen. In: Tous ensemble-Blog. 2. Januar 2025, abgerufen am 16. März 2026.</ref>
Der zweite Ursprung geht auf das Konkordat von 1801 zurück, in dem Napoleon Bonaparte die die römisch-katholische Kirche für das Volk anerkannte, nicht aber als Staatsreligion.<ref name=":3" /> Kirchlich war das zu jener Zeit festgelegte Datum für das Epiphaniasfest (Erscheinungsfest, Heilige Drei Könige) der 6. Januar.<ref>Heilige Drei Könige: Wer feiert am 6. Januar und warum? Focus, 3. Januar 2025 (focus.de [abgerufen am 16. März 2026]).</ref> Das Epiphaniasfest gedenkt des Besuchs der „Heiligen Drei Könige“ Caspar, Melchior und Balthasar,<ref name=":2" /> die gemäß dem Matthäus-Evangelium gekommen waren, um dem Jesuskind die Geschenke Myrrhe, Weihrauch und Gold zu bringen.<ref name=":1" /> Ihren Weg zur Krippe in Betlehem fanden die Heiligen Drei Könige der Erzählung nach, indem sie dem Stern folgten, der ihnen den Weg wies.
Diesem Doppelursprung ist die heutige Tradition zu verdanken, eine Königstags-Galette untereinander zu teilen. Es ist Brauch, dazu in der Galette eine dicke Bohne (frz. fève) oder, wie seit einigen Jahrzehnten üblich, eine kleine (Porzellan-)Figur (frz. figurine) oder ein Geldstück einzubacken.<ref name=":0" /> Wer in seinem Kuchenstück die Figur (die Bohne, das Geldstück) findet, wird mit einer Pappkrone gekrönt und ist König bzw. Königin für einen Tag.<ref name=":0" /> Er darf sich seine Königin bzw. ihren König aussuchen, die bzw. der sich ebenfalls eine Krone aufsetzen darf.
Vorgehensweisen
In Familien
Das jüngste Kind oder die jüngste Person (Symbol für Unschuld) sitzt mit verbundenen Augen (Symbol für Unparteilichkeit) unter dem Esstisch im Beisein der Familie (Symbol für Gemeinschaft) und nennt den Namen der Person, die als nächstes ein Stück Kuchen erhält (Symbol für Gleichheit). So wird sichergestellt, dass der Erhalt der Figur und die damit verbundene Krönung für den Tag dem Zufall überlassen bleibt.<ref>Tradition de l'Epiphanie : pourquoi le plus jeune va sous la table pour la galette des rois ? ABC Salles, 2026, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Zudem feiern einige Familien so, dass sie alle rufen: „Le roi boit!“ („Der König trinkt!“), wenn der König sein Glas zum Mund führt.<ref>La Galette des Rois – Faivre Distribution. Faivre Distribution GmbH, 2025, abgerufen am 16. März 2026.</ref> Dieser Brauch wird vor allem in Familien mit kleinen Kindern und in Kindergärten gepflegt.
In einigen Familien legt man das „Armenstück“ oder das „Liebe-Gott-Stück“ beiseite, um es unvorhergesehenen Besuchern zu geben. Ursprünglich war es für an die Tür klopfende Bettler (Arme) gedacht.<ref name=":0" />
An der Arbeitsstelle
Der Tradition, mit dem Kuchen Galette des Rois am Arbeitsplatz zu feiern, stimmen über 90 % der Mitarbeiter zu (Stand: 2024). In mehr als drei von vier Betrieben wird tatsächlich gefeiert. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Entweder wird das Ereignis auf einen Tag gelegt oder Mitarbeiter bringen reihum den Kuchen (selbstgemacht oder gekauft) oder der König des Tages mit der Figur bringt den nächsten Kuchen. Dauer und Häufigkeit des Kuchenessens variiert von Firma zu Firma und kann sich bis in den März hinein ziehen.<ref>Alexandre Foatelli: Mangez-vous encore la galette des rois au bureau ? Republikgroup, online, 9. Januar 2024, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Animation galette des rois en entreprise : un début gourmand pour la nouvelle année. LeCADET Réceptions, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Sorten der Galette des Rois
Regionsabhängig gibt es grundsätzlich zwei Arten des Kuchens Galette des Rois: aus Blätterteig (galette feuilletée) oder aus Hefeteig (brioche).
Brioche
Im Süden Frankreichs wird der Königskuchen aus Brioche-Teig,<ref name=":0" /> einem Hefeteig mit hohem Fettanteil, hergestellt, entweder als brioche nature, in Form eines großen Rades mit Zuckerstreuseln oder, besonders in der Provence, gefüllt mit kandierten Früchten.<ref name=":0" /> Diese südfranzösische Variante, bekannt als couronne des rois („Königskranz“) oder gâteau des rois („Königskuchen“), hat große Ähnlichkeit mit der katalanischen Tortell des Reis und dem spanischen Roscón de Reyes.<ref name=":1" />
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Gateau des Rois aus Briocheteig
Galette feuilletée
Die Galette aus Blätterteig ist vor allem in der nördlichen Hälfte Frankreichs verbreitet. Die runde Form des flachen Kuchens symbolisiert die Sonne,<ref name=":1" /> die goldene Farbe das Licht, der blättrige Teig das Buch der Weisheit und das Figürchen die Weisheit.<ref name=":2" />
Es gibt verschiedene Varianten, vor allem die „trockene“ Galette sèche, aus Blätterteig nur mit Zucker, und die Galette à la frangipane, aus Blätterteig mit der Mandelcreme frangipane (angeblich benannt im 16. Jahrhundert nach dem aus Rom stammenden Marchese Muzio Frangipani).<ref group="Anm.">Wie bei anekdotischen Berichten über kulinarische Erfindungen üblich, werden in der Literatur die widersprüchlichsten Details angegeben. Allen Varianten gemein ist, dass der italienische Marchese Muzio Frangipani im 16. Jahrhundert in Paris gelebt haben soll und dort einen Duft zum Parfümieren von Handschuhen erfand, der nach roter Frangipani (rotem Jasmin) roch, weshalb die Pflanze, der Duft und auch die (ähnlich riechende oder in früheren Rezepturen mit seinem Duft versetzte) Mandelcreme nach ihm benannt wurden.</ref> Besonders für Allergiker (Mandelallergie) sind Galettes mit anderer Füllung immer häufiger erhältlich, z. B. mit Apfelmusfüllung.
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Herstellung der Galette des Rois aus Blätterteig
Fève
Anstelle getrockneter Bohnen werden seit einigen Jahrzehnten die unterschiedlichsten Porzellanfigürchen in die Galette eingebacken. Die erste Porzellanfigur für einen derartigen Kuchen wurde im Jahr 1875 in Deutschland hergestellt.<ref name=":4">Galette des rois : quelles traditions dans les pays européens ? In: Touteleurope.eu. 5. Januar 2026, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Sammler solcher Figuren werden fabophiles genannt.<ref name=":0" /> (Vgl. auch die französischsprachige Wikipedia unter Fabophilie.)
Verkaufszahlen
Ca. 60 Millionen des Kuchens werden (bei 64,8 Millionen Einwohnern, Stand: 2024<ref>Landesdaten. In: saarland.ihk.de. Abgerufen am 16. März 2026.</ref>) jährlich im Handel verkauft, was 15 % des Jahresumsatzes bei Handwerksbäckern entspricht, die nicht die einzigen Hersteller sind.<ref name=":4" /> Im Discounter (z. B. Carrefour, Stand: 2026) muss man pro Kuchen mit 3,50 bis 10 Euro rechnen.<ref>Galettes des rois et Couronnes : Pains et Pâtisseries pas cher en Livraison et Drive. In: carrefour.fr. Abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Beim Handwerksbäcker (z. B. Pourdebon) geht die Preisspanne zum gleichen Zeitpunkt von 20 bis 45 Euro pro Kuchen.<ref>Galette des Rois. In: pourdebon.com. Abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Trivia
Im Elysée-Palast schneidet der Präsident jährlich die Galette des Rois vor laufenden Kameras an. Der Kuchen misst um die 1,20 m (Durchmesser) und ist für ca. 150 Personen, erhält aber keine Figur, da ein Präsident auch nicht symbolisch zum König gekrönt werden darf.<ref name=":0" />
Weblinks
- der Brauch: die „galette des Rois“ in der Karambolage-Sendung vom 4. Januar 2004
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Projekt 1: Wir backen eine „galette des rois“. ( vom 3. Januar 2014 im Internet Archive; PDF) Schulprojektunterlage des Institut français
Einzelnachweise
<references />
Anmerkungen
<references group="Anm." /> ja:ガレット・デ・ロア nl:Koningentaart