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Johanna Dohnal

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Datei:Elisabeth Orth und Johanna Dohnal 26.10.2008.jpg
Johanna Dohnal (sitzend) und Elisabeth Orth (2008)

Johanna Aloisia Dohnal (* 14. Februar 1939 in Wien als Johanna Dietz; † 20. Februar 2010 in Grabern, Niederösterreich) war eine österreichische Feministin und Politikerin der SPÖ. Als diese war sie ab 1991 die erste Frauenministerin Österreichs.<ref>Johanna Dohnal, Biografie | Parlament Österreich. Abgerufen am 11. Februar 2022.</ref>

Dohnal galt als Österreichs bekannteste Frauenpolitikerin und als Ikone der österreichischen Frauenbewegung.<ref>derstandard.at: Johanna Dohnal verstorben: Ehemalige Frauenministerin und Ikone der Frauenbewegung wurde 71 Jahre alt. 20. Februar 2010. Abgerufen am 11. Februar 2012.</ref>

Kindheit und Jugend

Johanna Dietz wuchs als uneheliches Kind im 14. Wiener Gemeindebezirk bei ihrer Großmutter auf, da ihre Mutter an Tuberkulose litt. Ihre Kindheit war geprägt vom Überlebenskampf der Großmutter, dem Chaos des Krieges, der nationalsozialistischen Herrschaft und der rasch erlahmten Aufbruchsstimmung sowie der restaurativen Wende in Österreich nach 1945. Nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule begann sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau in einer Kunststofffabrik. Eine höhere Schulbildung blieb ihr aus finanziellen Gründen versagt.

1956 wurde Johanna Dietz Mitglied der SPÖ; 1957 heiratete sie den Chauffeur Franz Dohnal.<ref>Markus Gremel: Leadership in der Frauenpolitik dargestellt an Leben und Wirken von Adelheid Popp und Johanna Dohnal (Diplomarbeit), PDF, S. 66, abgerufen am 25. Februar 2010.</ref> 1959 wurde sie zum ersten Mal Mutter. Ab 1960 wohnte Dohnal mit Mann und ab 1961 mit zwei Kindern in einer Gemeindewohnung der Stadt Wien auf 48 m² Wohnfläche. Weil das Geld dringend gebraucht wurde, begann Dohnal wenige Wochen nach der ersten Geburt wieder zu arbeiten; nach der zweiten Geburt wurde ihr gekündigt. Weil keine kostengünstigen Betreuungseinrichtungen zur Verfügung standen, nahm Dohnal verschiedene Heimarbeiten an. Erst 1969 gelang es ihr, wieder eine ordentliche Anstellung zu finden, diesmal als Sekretärin in einer Schlosserei. 1976 erfolgte die Scheidung von Franz Dohnal.<ref>Brigitte Perchar: Ein Leben für die Rechte der Frauen in: Wiener Zeitung vom 23. Februar 2010, abgerufen am 7. November 2013.</ref>

Politische Karriere

Datei:Verein Soziale Hilfen für gefährdete Frauen und Kinder Gründungsdokumente Österreich 1978.jpg
Gründungsdokumente des von Dohnal mitgegründeten Vereins Soziale Hilfen für gefährdete Frauen und Kinder (1978)

1969 wurde Dohnal sozialistische Bezirksrätin im 14. Bezirk; 1971 wurde sie zur Vorsitzenden der SPÖ-Frauen des Bezirks gewählt. 1972 wechselte sie in die Parteizentrale der SPÖ, wo sie bis 1979 als Landesfrauensekretärin der SPÖ Wien arbeitete. 1973 bis 1979 war sie in der Ära von Bürgermeister Leopold Gratz Abgeordnete im Wiener Gemeinderat und Landtag. 1978 war Dohnal Mitgründerin des Vereins Soziale Hilfen für gefährdete Frauen und Kinder, der das erste Wiener Frauenhaus schuf.<ref>Lisa Nimmervoll: Nachruf - Johanna Dohnal 1939–2010</ref>

Nach langjähriger politischer Aktivität auf dem Feld der Gleichberechtigungspolitik holte Bruno Kreisky Dohnal 1979 als Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen in die Bundesregierung Kreisky IV. Sie arbeitete verstärkt in der österreichischen Frauenpolitik, setzte zahlreiche gesetzliche Verbesserungen vor allem für die berufstätigen Frauen durch. Außerdem engagierte sie sich in der Friedens-, der Bildungs- und der Entwicklungspolitik. Dohnal blieb in allen Regierungen bis 1990 Frauenstaatssekretärin.

Im Jänner 1991 wurde Dohnal unter Bundeskanzler Franz Vranitzky Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und damit die erste österreichische Frauenministerin. Den Ministerposten behielt sie bis 1995.

1987 wurde Dohnal Vorsitzende der SPÖ-Frauen und stellvertretende Bundesvorsitzende der SPÖ, was sie bis 1995 blieb. Anfang der neunziger Jahre wurden in Österreich elementare Frauenrechte wie die Beseitigung der Amtsvormundschaft bei ledigen Müttern, das Recht zur Betretungsverweigerung bei Gewalt in der Ehe und das gesetzliche Verbot der sexuellen Belästigung auf Initiative Dohnals gesetzlich festgeschrieben.

Rückzug aus der Politik

1993 wurden Gleichbehandlungsgesetze für den öffentlichen Dienst verabschiedet; eine Frauenquote an Universitäten und in Ministerien wurde eingeführt. Mitte der 1990er Jahre begann allerdings in Österreich nach den ersten großen Erfolgen Jörg Haiders eine konservative Wende; Dohnals Initiativen und ihre Person wurden in scharfen Kontroversen in Frage gestellt. Dohnal wehrte sich, konnte aber dem Stimmungsumschwung im Land nichts Entscheidendes mehr entgegensetzen; 1995 wurde sie von Vranitzky gegen ihren Widerstand als Frauenministerin aus der Regierung entlassen.<ref>orf.at: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Johanna Dohnal. Ein Porträt. Von Elisabeth Putz (Memento vom 8. Dezember 2013 im Internet Archive)</ref> Sie zog sich aus der Berufspolitik zurück und kandidierte für kein politisches Amt mehr.

Ab 1995 engagierte sich Dohnal in den schon seit Jahrzehnten von ihr mit Leidenschaft mitbestimmten politischen Teilbereichen; sie arbeitete mit Universitäten, NGOs, Frauenorganisationen und Gewerkschaften zusammen und betrieb auch im Web weiterhin ihren Kampf für die Gleichstellung der Frau in Staat und Gesellschaft und ihre sozialistischen Ideale.

Im Jahr 2008 veröffentlichte sie im Studienverlag das Buch Innensichten österreichischer Frauenpolitiken, in dem sie über die Entwicklung der Frauenpolitik in Österreich schreibt, über Reformen der 1970er Jahre bis zur Zusammenarbeit mit der autonomen Frauenbewegung, aber auch über Auseinandersetzungen innerhalb der SPÖ (etwa den Konflikt mit Rotraud A. Perner).

Privat

Datei:Wiener Zentralfriedhof - Gruppe 32 C - Johanna Dohnal.jpg
Wiener Zentralfriedhof – Ehrengrab von Johanna Dohnal

Ab 1981<ref name="lebenslauf_nön">Niederösterreichische Nachrichten: Johanna Dohnal. In: noen.at. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 21. Februar 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.noen.at (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> lebte sie in Lebensgemeinschaft mit der SPÖ-Gemeinderätin Annemarie Aufreiter, mit der sie Anfang 2010 nur kurze Zeit nach Inkrafttreten des Eingetragene Partnerschaft-Gesetzes am 1. Jänner 2010 eine Eingetragene Partnerschaft einging.<ref name="nön">Niederösterreichische Nachrichten: Grundsätze bleiben Grundsätze. In: noen.at. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 21. Februar 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.noen.at (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref><ref name="lunacek">Ulrike Lunacek: Trauer um Johanna Dohnal: Ihr zu früher Tod hinterläßt eine große Lücke. In: dielunacek.at. 20. Februar 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. Dezember 2013; abgerufen am 30. September 2024.</ref> Dohnal besaß ein Landhaus in Mittergrabern im Weinviertel.<ref name="nachruf_kurier">Maria Kern, Daniela Kittner: Abschied von einer Emanze. In: Kurier. 20. Februar 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Februar 2010; abgerufen am 14. Oktober 2013.</ref>

Dohnals Sohn Robert verstarb im Jänner 2008; ihre Tochter Ingrid ist für den Verein Wiener Frauenhäuser, dessen Ehrenvorsitzende Johanna Dohnal war, als Assistentin tätig.<ref>Frauenhäuser Wien: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tätigkeitsbericht 2006, Seite 6 (Memento vom 17. Januar 2009 im Internet Archive)</ref><ref>dieStandard.at: Feminismus ist nach wie vor negativ besetzt, 11. Mai 2009</ref>

Johanna Dohnal verstarb im Alter von 71 Jahren in der Folge bereits länger andauernder Herzprobleme<ref name="nachruf_apa">APA: Frühere Ministerin Dohnal 71-jährig verstorben. In: relevant.at. 20. Februar 2010, abgerufen am 23. Februar 2010.</ref> in ihrem Landhaus in Mittergrabern. In offiziellen Stellungnahmen wurde in diesem Zusammenhang die herausragende Stellung von Johanna Dohnal für die Gleichberechtigung und Frauenrechte in Österreich hervorgehoben.<ref name="nachruf_apa" />

Sie wurde nach der Einäscherung am 9. März 2010 in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Zentralfriedhof in der Nähe der Gräber von Hertha Firnberg und Rosa Jochmann (Gruppe 32C, Nr. 1A) bestattet.<ref>Abschied von Johanna Dohnal auf ORF-Wien am 6. März 2010, abgerufen am 6. März 2010.</ref>

Ihre eingetragene Lebenspartnerin Annemarie Aufreiter begehrte die Zuerkennung einer Witwenpension. Der Antrag wurde jedoch abgewiesen, weil die beiden Frauen nur wenige Wochen verpartnert gewesen waren.<ref>Saskia Jungnikl: Gedenktafel, aber keine Pension. In: derstandard.at, 15. Dezember 2010, abgerufen am 24. September 2020.</ref>

Auszeichnungen

Datei:GuentherZ 2012-06-05 0068 Wien06 Johanna-Dohnal-Platz Strassentafel enthuellt.jpg
Johanna-Dohnal-Platz in Wien-Mariahilf
  • 16. Juli 2009: Berufstitel Professor, durch den Bundespräsidenten verliehen

Zitate

„Es gibt Menschen, die im Volk die absolute Mehrheit stellen und im Parlament die wenigsten Sitze haben. Fragen Sie die Männer, warum.“

Aufkleber zur 50:50-Forderung

„Ich denke, es ist Zeit, daran zu erinnern: Die Vision des Feminismus ist nicht eine ‚weibliche Zukunft‘. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„ABC der Frauenpolitik“ der SPÖ-Frauen S. 16, PDF, 540kB (Memento vom 24. August 2009 im Internet Archive)</ref>

„Nur eine Frauenorganisation, die lästig ist, hat eine Existenzberechtigung.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Im Gespräch (Ö1) (Memento vom 24. März 2010 im Internet Archive) mit Renata Schmidtkunz und Birgit Sauer, 25. Februar 2010.</ref>

Literatur

  • Susanne Feigl: Was gehen mich seine Knöpfe an? Johanna Dohnal. Eine Biografie. Ueberreuter, Wien 2002, ISBN 3-8000-3878-1.
  • Maria Rösslhumer, Birgit Appelt: Hauptsache Frauen. Politikerinnen in der Zweiten Republik. Verlag Styria, Graz/Wien/Köln 2001, ISBN 3-222-12850-2, S. 90–96.
  • Erika Thurner, Alexandra Weiss (Hrsg.): Johanna Dohnal – Innensichten österreichischer Frauenpolitiken. Innsbrucker Vorlesungen. StudienVerlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2008, ISBN 978-3-7065-4636-2.
  • Alexandra Weiss, Erika Thurner (Hrsg.): Johanna Dohnal und die Frauenpolitik der Zweiten Republik. Dokumente zu einer Pionierin des österreichischen Feminismus. Promedia Verlag, 2019.
  • Maria Mesner, Heidi Niederkofler (Hrsg.): Johanna Dohnal: Ein politisches Lesebuch. Mandelbaum Verlag, 2013 (Frei zugängliche PDF-Datei).

Film

Weblinks

Einzelnachweise

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