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Sadebaum

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Sadebaum
Datei:Juniperus sabina - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-212.jpg

Sadebaum (Juniperus sabina), Illustration

Systematik
Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Zypressengewächse (Cupressaceae)
Unterfamilie: Cupressoideae
Gattung: Wacholder (Juniperus)
Sektion: Sabina
Art: Sadebaum
Wissenschaftlicher Name
Juniperus sabina
L.

Der Sadebaum (Juniperus sabina), auch Stink-Wacholder, Gift-Wacholder, Sevibaum, Sevenbaum, Säbenbaum, Segenbaum, Sefistrauch oder Sebenstrauch genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Wacholder (Juniperus). Er spielte bis in die Neuzeit eine wichtige Rolle in der Medizin.

Beschreibung

Der Sadebaum ist ein Strauch, der meist Wuchshöhen von nur 1 bis 2, selten 5 Meter erreicht. Er wächst selten ganz aufrecht und meist mehr oder weniger kriechend. Die Borke an älteren Pflanzen ist rötlich-braun. Die Äste weisen einen runden oder leicht kantigen Querschnitt auf.

Es gibt zwei unterschiedliche Blattformen. In der Jugend bildet er wirtelig angeordnete 4 bis 5 Millimeter lange, nadelförmige, spitze Blätter aus, die oben bläulich sind. Im Alter treten zusätzlich kreuz-gegenständig angeordnete schuppenförmige Blätter auf, die eiförmig und 1 bis 4 mm lang sind. Sie riechen beim Zerreiben unangenehm und haben eine Lebensdauer von 2 bis 3 Jahren.

Es treten sowohl einhäusige (monözische) als auch zweihäusig (diözische) getrenntgeschlechtige Individuen auf. Die Blütezeit liegt von März bis Mai. Die beerenförmigen Zapfen sind ei- bis kugelförmig, 5 bis 7 Millimeter groß. Sie reifen im Herbst im gleichen Jahr der Befruchtung oder im nächsten Frühling und sind dann schwarzblau bereift. In jedem Zapfen sitzen ein bis drei eiförmige und gefurchte Samen.

Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 22.<ref name="Oberdorfer2001" />

Wirtspflanze

Der Stink-Wacholder ist einer der Hauptwirte für den Birnengitterrost (Gymnosporangium sabinae), der Schäden an Birnbäumen hervorruft. Er wurde deswegen früher gebietsweise flächig beseitigt.<ref name="Lang2006" />

Vorkommen

Der Sadebaum kommt mit vier Varietäten in Europa in einer Vielzahl von Staaten beginnend mit Spaniens Sierra Nevada über die Pyrenäen, die Alpen, die Gebirge der Balkanhalbinsel und weitere Mittelgebirge bis zur Halbinsel Krim vor. Einen weiteren Verbreitungsschwerpunkt kennt man im Kaukasus. Ein kleines Vorkommen gibt es im algerischen Djurdjura-Gebirge.<ref name="Quezel-Santa" /> Das östliche Verbreitungsareal findet man in Zentralasien vor. Im Einzelnen sind dies südliche Regionen Sibiriens in Russland, weiters Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, das westliche China und die nördliche Mongolei.

In den Alpen befinden sich Vorkommen in Südtirol, in den österreichischen Bundesländern Kärnten und Tirol, in den Schweizer Kantonen Wallis und Graubünden mit dem Unterengadin sowie in Bayern in den Berchtesgadener Alpen und den Ammergauer Alpen. Durch seine Verwendung in der Volksmedizin wurde sein Vorkommen weit über sein natürliches Verbreitungsgebiet erweitert.

Der Sadebaum ist lichtbedürftig und besiedelt flachgründige, felsige, oft basenreiche Böden. Er kommt in Felsritzen, Felshängen, Trocken- und Steppenrasen und in lichten Kiefern- und Lärchenwäldern bis in Höhenlagen zwischen 1400 und 2300 Metern<ref name="Gymnosperm Database" /> vor. In den Allgäuer Alpen steigt er an der Schneck-Ostwand in Bayern bis zu 2100 m Meereshöhe auf.<ref name="Dörr und Lippert" /> Er kommt vor in Gesellschaften der Klasse Pulsatillo-Pinetea.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+ (trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 5 (kontinental).<ref name="InfoFlora" />

Gefährdung und Schutzmaßnahmen

Der Sadebaum wird von der Weltnaturschutzunion IUCN zwar in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt, jedoch als nicht gefährdet („Least Concern“) bezeichnet. Diese Entscheidung wurde damit begründet, dass es sich um eine der am weitesten verbreiteten Koniferen-Arten der Welt handelt und dass sie in nicht ernsthaft gefährdeten Habitaten vorkomme. Der Bestand sei stabil und die Art in vielen Schutzgebieten vertreten.<ref name="IUCN" />

In der Roten Liste der Schweiz<ref name="RL-CH" /> wird der Sadebaum (Juniperus sabina) als nicht gefährdet („LC“) beurteilt. Die deutschen Vorkommen werden als gefährdet („3“) beurteilt.<ref name="FloraWeb" />

Mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie Nr. 92/43/EWG in der aktualisierten Fassung vom 1. Januar 2007 (FFH-RL)<ref name="FFH" /> Anhang 1 der Europäischen Union werden Schutzgebietausweisungen für folgende Lebensraumtypen, in denen Wacholder vorkommen – also auch für den Sadebaum – gefordert:

  • Mediterrane Küstendünen mit Wacholderarten Juniperus spp. – die Inschutzstellung dieser Lebensräume wird als prioritär durchzuführen gefordert.
  • Baumförmige Hartlaubgebüsche (Matorrals) mit Wacholderarten Juniperus spp.
  • Endemische Wälder mit Wacholderarten Juniperus spp. – die Inschutzstellung dieser Lebensräume wird als prioritäre Angelegenheit angesehen.
Datei:Juniperus sabina Frutos y hojas Habitus 2009-7-25 SierraNevada.jpg
Sadebaum (Juniperus sabina) in der Sierra Nevada in Spanien
Datei:Juniperus sabina 02.JPG
Sadebaum (Juniperus sabina) im Parc national von Queyras (Frankreich)

Systematik

Der Sadebaum wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht.<ref name="SpPl" />

Es werden fünf Varietäten unterschieden:

Giftstoffe

Datei:Sabinol.svg
Sabinol
Datei:(1R,5R)-(+)-Sabinene Structural Formulea V.1.svg
(1R,5R)-(+)-Sabinen

Der Sadebaum ist in allen Teilen giftig. Verantwortlicher Hauptwirkstoff ist das ätherische Sadebaumöl. Im Vergleich zum Öl des Gemeinen Wacholders (Juniperus communis) enthält es weit mehr Ester, hat einen höheren Acetylgehalt und ist rechtsdrehend. Das resultiert daraus, dass das Öl des Gemeinen Wacholders hauptsächlich α-Pinen, Camphen, Cadinene, Junipene, Borneole und Isoborneol, Terpineol, Juniperol und Junipercampher enthält, das Sadebaumöl hingegen zwar vor allem ebenfalls aus α-Pinen und Cadinen, aber auch bis zu 50 Prozent aus Sabinen, 35 % Sabinylacetat sowie unverestertem Sabinol (bzw. Thujol) und Diacetyl besteht.<ref name="Casares1964" />

Es greift beim Menschen die Magenschleimhaut an, verursacht Blutandrang in den Nieren und damit Hämaturie. Auch andere innere Organe werden angegriffen. Bei Frauen kann das Öl Menorrhagie auslösen und zu Fehlgeburten führen. Daher wurden die Früchte auch gezielt zur Abtreibung genutzt.<ref>André Patoir u. a.: Étude expérimentale compartive de quelques abortifs (Apiol, Rue, Sabine, Armoise). In: Gynéc. et Obstétr. Band 39, 1939, S. 201–209.</ref><ref name="Brøndegaard1962" /> Auch als Mittel gegen Würmer fand der Sadebaum Anwendung.<ref>Gundolf Keil: Randnotizen zum „Stockholmer Arzneibuch“. In: Studia neophilologica. Band 44, Nr. 2, 1972, S. 238–262, hier: S. 242.</ref> Schon wenige Tropfen des ätherischen Öls sind für den Menschen tödlich, bereits durch Einreiben sind Vergiftungen möglich.

In der Vergangenheit sind immer wieder Wacholderbeeren, die mit Sadebaumbeeren verunreinigt waren, zum Aromatisieren von Gin verwendet worden. Zumindest in Spanien werden Wacholderbeeren deswegen staatlich untersucht.<ref name="Casares1964" />

Heilkunde

In der Antike und im Mittelalter fand der Sadebaum (unter anderem lateinisch Sabina und mittellateinisch Savina<ref>Vgl. www.woerterbuchnetz.de.</ref><ref>Vgl. bestätigend auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 224 („Sauina – siebenbaum, brarceos abhel – Savina – samboum“); und Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 458–459 (dort für Sadebaum: seuenpam, seuepam, segelpaum, segelpawm, segenboum, seviboum, sevenboum; sabina)</ref> genannt) als Heilpflanze Anwendung bei Gelbsucht, Kopfschmerzen, Karbunkeln und Vergiftungen durch Mutterkorn.<ref>Hans Zotter: Antike Medizin. Die medizinische Sammelhandschrift Cod. Vindobonensis 93 in lateinischer und deutscher Sprache. Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, Graz 1980 (= Interpretationes ad codices. Band 2); 2., verbesserte Auflage ebenda 1986, ISBN 3-201-01310-2, S. 152–155.</ref> Adam Lonitzer empfahl in seinem Kräuterbuch Sevenbaumwasser als Mittel gegen den „Wurm der Finger“ (Panaritium).<ref>Gundolf Keil: Randnotizen zum „Stockholmer Arzneibuch“. In: Studia neophilologica. A Journal of Germanic and Romance Philology. Band 44, Nr. 2, 1972, S. 238–262, hier: S. 242.</ref>

Quellen

  • Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Vorkommen, Wirkung, Therapie, allergische und phototoxische Reaktionen. Mit Sonderteil über Gifttiere. 6., überarbeitete Auflage, Sonderausgabe. Nikol, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-009-6.
  • Robert P. Adams, Andrea E. Schwarzbach, Sanko Nguyen, Julie A. Morris, J-Q. Liu: Geographic Variation in Juniperus sabina L., J. sabina var. arenaria (E. H. Wilson) Farjon, J. sabina var. davurica (Pall.) Farjon and J. sabina var. mongolensis R. P. Adams. In: Phytologia. Band 89, Nr. 2, 2007, S. 153–166 (juniperus.org [PDF; 300 kB]).
  • Juniperus sabina – Systematik und Beschreibung. In: The Gymnosperm Database. Abgerufen am 31. Dezember 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.

Weblinks

Commons: Sadebaum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Sadebaum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references> <ref name="Gymnosperm Database"> Juniperus sabina. In: The Gymnosperm Database. Abgerufen am 31. Dezember 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Brøndegaard1962"> Vagn Jørgensen Brøndegaard: Der Sadebaum als Abortivum. In: Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. Band 48, Nr. 4, 1964, S. 331–351, Modul:JSTOR * Modul:JSTOR:170: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); auch in: V. J. Brøndegaard: Ethnobotanik. Pflanzen im Brauchtum, in der Geschichte und Volksmedizin. Berlin 1985, S. 190–216. </ref> <ref name="Casares1964"> </ref> <ref name="Lang2006"> K. J. Lang: Gymnosporangium sabinae. TU München, 7. November 2006, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 20. November 2008.@1@2Vorlage:Toter Link/www.forst.wzw.tum.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ) </ref> <ref name="Grin – var. sabina"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Grin – var. arenaria"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Grin – var. davurica"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Adams-Schwarzbach2006"> </ref> <ref name="IUCN"> [[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013. Eingestellt von: A. Farjon, 2011. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="RL-CH"> C. Bornand, S. Eggenberg, A. Gygax, P. Juillerat, M. Jutzi, A. Möhl, S. Rometsch, L. Sager, H. Santiago: Rote Liste Gefässpflanzen. Gefährdete Arten der Schweiz (= Umwelt-Vollzug. Nr. 1621). Bundesamt für Umwelt, Info Flora, 2016 (admin.ch). </ref> <ref name="FFH"> Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen in der konsolidierten Fassung vom 1. Januar 2007Vorlage:Abrufdatum. S. 17, 19, 23. </ref> <ref name="Quezel-Santa"> P. Quézel, S. Santa: Nouvelle flore de l'Algérie et des régions désertiques méridionales. Tome I, Centre National de la Recherches Scientifique, Paris 1962, S. 36–38 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF-Datei (Memento vom 19. Februar 2015 im Internet Archive)). </ref> <ref name="FloraWeb"> Sadebaum. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 1039 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D1039%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D). </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, S. 97. ISBN 3-8001-3131-5 </ref> <ref name="Dörr und Lippert"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 113. </ref> <ref name="WCSP"> Vorlage:WCSP </ref> <ref name="InfoFlora"> Juniperus sabina L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> </references>