Pilatus PC-24
| Pilatus PC-24 | |
|---|---|
| PC-24 kommt vom Testflug zurück nach Stans | |
| Typ | Strahlflugzeug |
| Entwurfsland | |
| Hersteller | Pilatus Aircraft |
| Erstflug | 11. Mai 2015<ref>Pilatus PC-24 absolviert ihren Erstflug. In: Flug Revue. 11. Mai 2015, abgerufen am 17. März 2016.</ref> |
| Indienststellung | 2017 |
| Produktionszeit | seit 2017 |
| Stückzahl | >250 |
Die Pilatus PC-24 ist ein zweistrahliger Flugzeugtyp des schweizerischen Herstellers Pilatus Aircraft und wird unter anderem als Geschäftsreiseflugzeug eingesetzt. Es ist das erste Strahlflugzeug der Firma Pilatus, verfügt aber über die gleichen Einsatzmöglichkeiten wie die PC-12 mit Turbopropantrieb und ist zugelassen für den Betrieb ab Naturpisten.<ref name="nzz-02082014">Erich Aschwanden: Umjubeltes Roll-out des Pilatus PC-24. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. August 2014, abgerufen am 10. April 2015.</ref>
Geschichte
Die Entwicklung der PC-24 begann 2008,<ref>PC-24: Erstflug im Mai. In: Aerokurier. 6. Januar 2015, abgerufen am 10. April 2015.</ref> das Konzept wurde im Mai 2013 auf der European Business Aviation Convention & Exhibition (EBACE) in Genf der Öffentlichkeit vorgestellt.<ref>Urs Helbling: Geheimprojekt: Die Überflieger von Stans. In: blick.ch. Ringier AG, 10. Februar 2013, abgerufen am 28. März 2013.</ref> Das Rollout des Prototyps mit dem Luftfahrzeugkennzeichen HB-VXA fand am Nationalfeiertag der Schweiz, dem 1. August 2014, statt,<ref name="nzz-02082014" /> danach wurden die Triebwerke montiert und erstmals am 18. Februar 2015 auf dem Flugplatz Buochs getestet.<ref>PC-24 nimmt jetzt Fahrt auf, Luzerner Zeitung, 19. Februar 2015</ref> Am 11. Mai 2015 um 10 Uhr startete das Flugzeug dort zum etwa einstündigen Erstflug. Der zweite Prototyp HB-VXB hatte seinen Erstflug am 16. November 2015.<ref>Zweite PC-24 startet zum Erstflug. In: Flug Revue. 16. November 2015, abgerufen am 23. Februar 2016.</ref> Binnen zweier Tage war 2014 die erste angebotene Serie von 84 Flugzeugen verbindlich verkauft. Erst ab Mai 2019 konnten wieder Flugzeuge bestellt werden.<ref>Grosses Interesse am PC-24 Super Versatile Jet – Bestellbuch wieder offen. In: www.cockpit.aero. 20. Mai 2019, abgerufen am 14. April 2026.</ref> Mit diesem Vorgehen wollte Pilatus sicherstellen, dass die Firma alles Versprochene liefern könne.<ref>«Der Bundesrat meinte, er könne beim Preis feilschen». 6. Juni 2016, abgerufen am 14. April 2026.</ref>
Ein Teil des Testprogramms fand mit dem ersten Prototyp in Granada und mit dem zweiten Prototyp in Arizona statt, um unabhängiger von Wettereinflüssen zu sein. Die Ausbildung der Piloten und Techniker erfolgte durch einen Auftragnehmer in den Vereinigten Staaten.<ref>Mark Huber: Pilatus Gears Up for PC-24. AIN Online, 22. Oktober 2014, abgerufen am 17. März 2016.</ref> Der Erstflug des dritten und letzten Prototyps «P03» HB-VSA<ref name="bazlvsa">Luftfahrzeugregister – Details: HB-VSA. In: Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL). 21. Februar 2017, abgerufen am 28. Februar 2019.</ref> fand am 6. März 2017 statt.<ref name=":0">Volker K. Thomalla: Schritt für Schritt. In: Flug Revue. Nr. 10, 2015, S. 40–42.</ref> Nachdem die Testflüge mit Prototypen erfolgreich verlaufen waren, beschloss Pilatus, 200 Millionen Franken in die Serienfertigung zu investieren.<ref>Sergio Aiolfi: Pilatus feiert Erfolg – trotz markanten Einbussen. In: Neue Zürcher Zeitung. 28. April 2017, abgerufen am 28. Februar 2019: „Die Testflüge mit Prototypen verliefen erfolgreich, weshalb man beschlossen hat, 200 Mio. Fr. in die Serienproduktion zu investieren. Im Hinblick darauf baut Pilatus die Standorte in Stans und in Broomfield (im US-Gliedstaat Colorado) aus.“</ref> Die Standorte Stans und Broomfield, Colorado, wurden ausgebaut. 2017 wurde wiederum an der EBACE in Genf die Serienproduktion bekannt gegeben.<ref>Uhr: Pilatus präsentiert den Serienstandard des PC-24 in Genf. In: Luzerner Zeitung. 18. Mai 2017, abgerufen am 28. Februar 2019.</ref>
Am 7. Dezember 2017 erhielt der PC-24 das Typenzertifikat der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) und der US-amerikanischen Federal Aviation Administration (FAA).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Pressemeldung der Pilatus Flugzeugwerke AG“ ( vom 9. Dezember 2017 im Internet Archive), abgerufen am 9. Dezember 2017</ref> Am 11. Dezember 2017 erfolgte der Erstflug der ersten Serienmaschine, der zukünftigen N124AF unter der Pilatus-Werksregistration HB-VSB. Der Überführungsflug von Buochs in die USA zum Erstkunden PlaneSense erfolgte am 30. Januar 2018.<ref>Pilatus Delivers PC-24 Super Versatile Jet to Launch Customer, PlaneSense. In: pilatus-aircraft.com. Pilatus Group, 7. Februar 2018, abgerufen am 14. Februar 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Insgesamt waren für die Entwicklung des Flugzeuges weit über 500 Millionen Franken ausgegeben und damit der budgetierte Aufwand deutlich überschritten worden.<ref>Dominik Feldges: Neuer Businessjet kommt Pilatus-Werke teuer zu stehen | NZZ. 8. Dezember 2017, abgerufen am 14. April 2026.</ref> Für die Ausbildung kooperiert Pilatus mit der Firma FlightSafety, die in Dallas, Texas, einen Flugsimulator betreibt, in Europa installierte FlightSafety einen Flugsimulator (Level D) in Paris.<ref>Volker K. Thomalla: FlightSafety bietet PC-24-Training bald auch in Europa an. In: Aerobuzz. 15. Oktober 2018, abgerufen am 28. Februar 2019.</ref>
Am 26. November 2018 konnte die erste Maschine an den Royal Flying Doctor Service of Australia übergeben werden.<ref>Jürgen Schelling: Pilatus PC-24 fliegt als Ambulanz-Jet für Flying Doctor Service in Australien. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. November 2018, abgerufen am 28. Februar 2019.</ref> Insgesamt wurden im Jahr 2018 23 Flugzeuge produziert und 18 davon ausgeliefert.<ref name="Daten2018" /> Der erste militärische Nutzer der Pilatus PC-24 war ab dem 18. Februar 2019 der Lufttransportdienst des Bundes der Schweizer Luftwaffe, der mit dem Flugzeug vom Flughafen Bern-Belp aus Flüge für die Schweizer Regierung durchführte.<ref>Dominik Feldges: Pilatus übergibt Bundesrat neuen Privatjet. In: Neue Zürcher Zeitung. 2019, abgerufen am 28. Februar 2019.</ref> Mangels Nutzung wurde dieses Exemplar 2022 ausser Dienst gestellt und an die JoyVida International AG verkauft.<ref>Bundesratsjet Pilatus PC-24 verkauft. Abgerufen am 29. Juni 2023.</ref> Der nächste militärische Betreiber wurde 2026 die französische Marine.<ref>Französische Marine will drei Pilatus PC-24. In: Sky News. 29. Oktober 2025, abgerufen am 14. April 2026.</ref>
Seit Anfang 2020 ist das Flugzeug auch für Gras- und Schneelandungen zugelassen, nachdem die entsprechenden Zertifizierungen für trockene Sand- und Schotterpisten schon 2018 erreicht worden waren.<ref>Pilatus PC-24: Zulassung für Gras, Schlamm und Schnee. In: www.handelszeitung.ch. Abgerufen am 14. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Am 18. Dezember 2020 wurde die 100. PC-24 an den Kunden Jetfly ausgeliefert, im Jahr 2022 lieferte Pilatus 40 Flugzeuge in einem Jahr aus.<ref>2022 baute Pilatus 133 Flugzeuge und machte Top-Ergebnis. In: Sky News. 2. März 2023, abgerufen am 14. April 2026.</ref> 2023 wurde das 200ste Flugzeug geliefert<ref>Hohe Nachfrage nach dem PC-12 NGX und PC-24</ref> und im ganzen Jahr 47 Stück.<ref>Geschäftsbericht 2023 Pilatus Flugzeugwerke AG</ref> Im Jahr 2024 wurden weitere 51 Flugzeuge ausgeliefert.<ref>Pilatus steigert 2024 Umsatz und liefert mehr Flugzeuge aus. Abgerufen am 14. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Einsatz
Die Maschine kann sowohl als Geschäftsreiseflugzeug als auch für Rettungsflüge oder Frachttransport eingesetzt werden. Starts und Landungen sind auch von unbefestigten Pisten möglich. Aufgrund ihres variablen Kabinenkonzeptes wurde von Pilatus der Begriff des „Super Versatile Jets“ für die PC-24 eingeführt, die für den Personentransport mit einem Piloten bis zu 11 Passagiere ermöglicht<ref>PC-24 | The Super Versatile Jet | Pilatus Flugzeugwerke AG. Abgerufen am 10. Februar 2020.</ref>.
Bestellungen
Pilatus entschied sich zu Beginn, nur die Produktion von 2017 bis 2019, geplant 84 Flugzeuge, zu verkaufen und schloss, nachdem für alle Maschinen im Juli 2014 ein Käufer gefunden war, zunächst das Orderbuch. Ab dem 9. Mai 2019 konnten wieder PC-24 bestellt werden.<ref>Pilatus nimmt wieder Bestellungen für PC-24 an. 9. Mai 2019, abgerufen am 14. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Preis wurde ohne Ermässigungen mit etwa 9 Mio. US-Dollar angegeben.<ref name="fg20160317">Kate Sarsfield: EBACE: Pilatus joins the Jet Set with PC-24. In: Flightglobal.com. 21. Mai 2013, abgerufen am 17. März 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Preis wurde nach der ersten Serie um etwa 20 Prozent erhöht.<ref name="Daten2018">Dominik Feldges: Pilatus rührt die Werbetrommel für den ersten Schweizer Businessjet | NZZ. 20. Mai 2019, abgerufen am 14. April 2026.</ref> Die tatsächlich fertig produzierte Anzahl an Flugzeugen lag Anfang Dezember 2019 bei 68 Flugzeugen und im Dezember 2020 wurde die hundertste Maschine ausgeliefert.<ref>Luftfahrzeugregister. Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL), 28. Februar 2019, abgerufen am 11. Dezember 2019.</ref>
Galerie
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PC-24 beim Roll Out in Stans 2014
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Unterseite der PC-24 mit Blick auf die Tragflächengeometrie
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PC-24 in Australien
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Staatsluftfahrzeug PC-24 T-786 der Schweizer Luftwaffe
Militärische Nutzer
- Datei:Flag of France.svg Frankreich
- Aéronavale: 3 PC-24 (Leasing ab 2026<ref>Pilatus has completed the assembly of the first PC-24 aircraft for the Qatar Air Force. Air Data News, 8. Oktober 2025</ref>)
- Datei:Flag of Qatar.svg Katar
- Qatar Emiri Air Force: 2 (Auslieferung 2022<ref>Indonesia gets PC-21, PC-24 and more. VPK-News, 6. Oktober 2021, abgerufen am 14. April 2026.</ref>)
- Datei:Flag of Indonesia.svg Indonesien
- Indonesische Luftstreitkräfte: 12 PC-24 (Bestellung 2026<ref>Indonesia gets PC-21, PC-24 and more. scramble.nl, 4. März 2026, abgerufen am 24. März 2026.</ref>)
Datei:Flag of Spain.svg Spanien
- Ejército del Aire y del Espacio: 4 (Auswahlentscheidung 2026<ref>Typentscheidung gefallen: Spanien beschafft Pilatus PC-24. Militär Aktuell, 14. April 2026, abgerufen am 14. April 2026.</ref>)
- Armada Española: 3 (Auswahlentscheidung 2026)
Ehemalige Nutzer
Technische Daten und Ausstattung
Die PC-24 gehört zu den kleinen Businessjets und ist für den gewerblichen Flugbetrieb mit nur einem Piloten ausgelegt, was unter anderem eine Forderung des Royal Flying Doctor Service of Australia war. Deshalb verfügt die Maschine über eine automatische Schubsteuerung («Autothrottle»). Dieses System ermöglicht die Konfiguration von Flugleistungsparametern für die unterschiedlichen Phasen eines Fluges bereits am Boden, um die Arbeitsbelastung des Piloten im Single-Pilot-Betrieb zu reduzieren und ist bei Flugzeugen dieser oder kleinerer Grössen eine Ausnahme. In kleineren Geschäftsreiseflugzeugen findet sich das System etwa in der einmotorigen Turboprop TBM-940 des französischen Herstellers Daher<ref>TBM 940. In: Turboprop Aircraft - DAHER TBM 930, TBM 910, TBM 900, TBM 850, TBM 700. Abgerufen am 10. Februar 2020.</ref>. Als Avionik wird in der PC-24 standardmässig das Apex-Paket des US-amerikanischen Herstellers Honeywell mit vier Bildschirmen verbaut, zur Serie gehört zudem ein Synthetic Vision System.<ref>Patrick Holland-Moritz: Gipfelstürmer. In: Flug Revue. Nr. 3/2018, 5. Februar 2018, S. 36–40.</ref> Für die Landefähigkeit auf unbefestigten Pisten ist sie mit einem geschleppten Fahrwerk ausgerüstet. Eine grosse Frachttür ist standardmässig eingebaut und erlaubt das Verladen von Paletten mit einem Gabelstapler.<ref>Flugzeug-Datenblatt des Herstellers. (PDF; 2,2 MB) Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Dezember 2014; abgerufen am 5. August 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Kabine bietet Platz für 8 bis 10 Passagiere.<ref>24heutres–Avia News: Le Pilatus PC-24 certifié pour 10 passagers !</ref>
| Länge | 16,82 m |
| Spannweite | 17 m |
| Höhe | 5,30 m |
| Kabinenlänge | 7,01 m |
| Kabinenbreite | 1,69 m |
| Kabinenhöhe | 1,55 m |
| Kabinenvolumen | 14,2 m³ |
| Grösse der Frachttür | 1,30 m × 1,25 m |
| Antrieb | 2 × Williams International FJ44-4A |
| Dienstgipfelhöhe | 13'716 m (FL 450) |
| Reisegeschwindigkeit | 440 kt bzw. 815 km/h TAS |
| Reichweite | 3704 km (6 PAX) bzw. 3778 km (4 PAX) |
| max. Startmasse | 8500 kg |
| max. Zuladung | 1406 kg |
| max. Zuladung mit vollen Tanks | 596 kg |
| Startstrecke (MTOW, Meereshöhe, ISA) | 940 m |
| Landerollstrecke | 735 m |
Trivia
Beim Rollout wurde das Flugzeug von 24 Train-Pferden der Schweizer Armee gezogen.<ref name="nzz-02082014" />
Weblinks
- Das Projekt PC-24 der Pilatus Flugzeugwerke in Stans
Einzelnachweise
<references />