Zum Inhalt springen

Fagus-Werk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 5. April 2026 um 14:42 Uhr durch imported>Rendor Thuces Al'Nachkar (Literatur: Bibliographische Kosmetik.).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Fagus-Werk in Alfeld
UNESCO-Welterbe Datei:Welterbe.svg


[[Datei:Fagus-Werk in Alfeld|300x300px|zentriert|alt=]]

Gropius-Bau Fagus-Werk zu Alfeld an der Leine
Vertragsstaat(en): DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Typ: Kultur
Kriterien: (ii)(iv)

Fläche: 1,88 ha
Pufferzone: 18,89 ha
Referenz-Nr.: 1368

UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2011  (Sitzung 35)
Datei:Fagus Gropius Hauptgebaeude 200705 wiki rueckseite.jpg
Fagus-Werk in Alfeld (Rückseite)
Datei:1911-1914 durch die Architekten Walter Gropius und Adolf Meyer erbautes Fagus-Werk in Alfeld Leine, Fotograf Edmund Lill, Provenienz Landesmuseum Oldenburg.jpg
1911/1912: Gleiche Ansicht in einer Aufnahme von Edmund Lill
Datei:Werkbänke Leisten Herstellung Fagus Werk.jpg
Leisten-Herstellung im Fagus-Werk (2018)
Datei:Leisten-Produktion im Fagus-Werk (2013).JPG
Leisten-Produktion im Fagus-Werk (2013)
Blick in das Besucherzentrum: rechts Schuhleisten, links und hinten Monitore
Besucherzentrum mit Ausstellung zur Geschichte des Fagus-Werks

Das Fagus-Werk ist eine Fabrikanlage in der südniedersächsischen Kleinstadt Alfeld an der Leine und Sitz der Firmen Fagus-GreCon und Weinig Grecon. Das Werk wurde 1911 von dem Architekten Walter Gropius und dessen Mitarbeiter Adolf Meyer entworfen und steht als eines der ersten Beispiele der architektonischen Moderne seit 1946 unter Denkmalschutz. Seit Juni 2011 gehört die gesamte Fabrikanlage zum UNESCO-Weltkulturerbe.<ref>World Heritage Committee inscribes five new sites in Colombia, Sudan, Jordan, Italy and Germany. In: World Heritage Committee. 25. Juni 2011, abgerufen am 2. Juli 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Geschichte

Der Unternehmer Carl Benscheidt (1858–1947) erteilte Walter Gropius 1911 den Auftrag, für seine neue Schuhleistenfabrik<ref>Fagus-Gropius Weltkulturerbe in Alfeld bei Hannover: Historisch. 23. Januar 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. Januar 2013; abgerufen am 12. März 2018. In: fagus-gropius.com, mit Archivaufnahmen.</ref> ein Fabrikgebäude zu errichten, das modernen Gesichtspunkten entsprechen und direkt an der Eisenbahnlinie Hannover–Alfeld–Kassel/Bebra liegen sollte. Bei der Grundrissgestaltung konnte Gropius auf einen Vorentwurf des Architekten Eduard Werner zurückgreifen, um in der Fassadengestaltung völlig neue Wege zu gehen. Des Weiteren konnten Gropius und sein Mitarbeiter Meyer Erfahrungen verarbeiten, die bereits im 19. Jahrhundert im Gewächshaus-, Bahnhofs- und Weltausstellungsbau gewonnen wurden. Auch hat die Alfelder Fabrik einen unmittelbaren, aber lange Zeit verkannten Vorgänger in der von einem anonymen Urheber entworfenen Steiff-Fabrikhalle in Giengen an der Brenz (1903).<ref>Hans-Stefan Bolz: Hans Poelzig und der „neuzeitliche Fabrikbau“. Industriebauten 1906–1934. (2 Bände) Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Bonn 2008. urn:nbn:de:hbz:5-16153, S. 35.</ref> Heute befindet sich in den Gebäuden der Fagus-Werke außer der Schuhleisten­fertigung auch ein Schuhmuseum. Der Name Fagus ist lateinisch und bedeutet Buche. Buchenholz war der Rohstoff für die seit 1858 in Alfeld ansässige industrielle Schuhleistenherstellung.

Die Fabrikanlage ist seit 1946 eingetragenes Baudenkmal und wurde seit 1984 umfangreich restauriert. Seit 2006 befindet sich im ehemaligen Lagerhaus eine Fagus-Gropius-Ausstellung. Am 25. Juni 2011 wurde die Fabrikanlage als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet.<ref>dpa: Unesco. Deutsches Fagus-Werk bekommt Welterbe-Titel. In: Der Tagesspiegel, 25. Juni 2011, abgerufen am 12. März 2018.</ref>

Architektur

Beim Fagus-Werk wurden bereits charakteristische Bau-Elemente verwendet, die später den internationalen Stil bestimmten. Besonders erwähnenswert sind Vorhangfassaden aus Glas, die klare kubische Form sowie die Gestaltung der Stahlträger. Die kreuzförmigen Pfeiler verändern sich nach oben hin und werden schlanker, dazwischen befindet sich die Glasschürze. Die Verglasung ist in einem Stahlrahmen gefasst, ursprünglich hatte Gropius die Fassade vor den Pfeilern geplant. Auf Deckenhöhe befinden sich Stahlverkleidungen statt der Glasscheiben, diese Blechschürze läuft an der Ecke bis um das Treppenhaus herum. Bisher wurden die Ecken eines Gebäudes immer sehr massiv ausgeführt und sollten einen festen Eindruck hinterlassen. Revolutionär an diesem Gebäude ist die „offene“ Ecke, die der Beginn der modernen Skelettbauweise war. Die Ecken des Gebäudes sind nicht einfach hervorkragende Betonbauten, sondern wurden durch eine Kreuzkonstruktion ausgesteift. Das Gebäude ist sehr schmal und sollte keinen monumentalen Eindruck hinterlassen, Leichtigkeit und Transparenz stehen in bewusstem Kontrast zum geschlossenen Stein-Ziegelbau. Gropius kümmerte sich zudem nicht nur um die Außengestaltung, sondern arbeitete viele Details und die Innenraumgestaltung aus. Zum Gebäudeensemble gehört neben den Hauptgebäuden, direkt an der Bahnstrecke Hannover-Göttingen gelegen, ein Haus für Gleiswaage und Rangierwinde am ehemaligen Gleisanschluss des Werkes von 1921/22, sowie ein Pförtnerhaus von 1924/25 mit Grundstücksmauer, das ein Provisorium aus der Zeit des Ersten Weltkriegs ablöste. Es war das letzte fertiggestellte Gebäude im Rahmen des Bauvorhabens.<ref>Ulf Meyer: Bauhaus 1919–1933. Prestel, München / Berlin / London / New York 2006, ISBN 3-7913-3613-4, S. 22</ref>

Karl Benscheidt (1888–1975), Sohn des Firmengründers Carl Benscheidt, beauftragte 1928 den heute weltweit bekannten Fotografen Albert Renger-Patzsch (1897–1966), das Fagus-Werk zu fotografieren. Karl Benscheidt ließ ihm völlige Freiheit bei der Motivwahl. Es entstanden einige der berühmtesten Aufnahmen von Albert Renger-Patzsch. Drei Fotografien dieser Serie übernahm Carl Georg Heise, Buchautor und Herausgeber von Die Welt ist schön (1928), in dieses Werk – darunter die „Schuhbügeleisen“, eine Inkunabel der neusachlichen Fotografie. Im April 1928 entstanden 50 bis 60, mit einem erneuten Auftrag im Jahre 1952 weitere 28 Aufnahmen. Die Negative des ersten Auftrags gingen im Zweiten Weltkrieg verloren, die des zweiten Auftrags und eine Serie von Fotografien werden im Albert-Renger-Patzsch-Archiv aufbewahrt. Eine größere Anzahl von Abzügen befindet sich im Bauhaus-Archiv in Berlin.

Literatur

  • Wulf Schadendorf: Das Fagus-Werk Karl Benscheidt Alfeld / Leine (= Kleine Kunstführer für Niedersachsen. Heft 5). Musterschmidt, Göttingen 1954.
  • Helmut Weber: Walter Gropius und das Faguswerk. Callwey, München 1961.
  • Karin Wilhelm: Walter Gropius. Industriearchitekt. Dissertation der Universität Marburg. Vieweg, Braunschweig 1983, ISBN 978-3-528-08690-9; Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-322-93810-7, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden., doi:10.1007/978-3-322-93810-7.
  • Heinrich Biermann: Architektonische Kostbarkeiten im Landkreis Hildesheim. Köhler, Harsum 1993. Wiederabdruck in: Bernward Trouw (Hrsg.): Der Heimat verpflichtet: Festschrift für Franz-Christian Jarczyk/Neisse, Neisser Kultur- und Heimatbund, Hildesheim 1999, ISBN 978-3-00-004857-9, S. 25–27.
  • Annemarie Jaeggi: Fagus. Industriekultur zwischen Werkbund und Bauhaus. Jovis, Berlin 1998, ISBN 3-931321-83-5.
  • Anne Sudrow: Der Schuh im Nationalsozialismus. Eine Produktgeschichte im deutsch-britisch-amerikanischen Vergleich. Wallstein, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0793-3, S. 352–372; 572–591.
  • Arne Herbote: Lebensreform und Amerikanisierung. Anmerkungen zum Bauherrn des Fagus-Werks. In: der architekt, 2011, 4, S. 31–35.
  • Thomas Oppermann, Friederike Schmidt-Möbus: Fagus. Benscheidt. Gropius. Wege in die ästhetische und soziale Moderne. Eine Biografie. Steidl, Göttingen 2011, ISBN 978-3-86930-370-3.
  • Karl Schünemann: Täglich Fotografiert: Der Fotograf Karl Schünemann und das Fagus-Werk. Fagus-GreCon, Greten / Alfeld 2016, ISBN 978-3-00-055140-6.
  • Arne Herbote: Carl Benscheidt auf der Suche nach der idealen Fabrik. Eine Bauherrenbiographie. Arne Herbote (Selbstverlag), Braunschweig 2019, ISBN 978-3-00-062690-6.
  • Wolfgang Kimpflinger, Reiner Zittlau (Wissenschaftliche Konzeption); Anne-Kathrin Fricke-Hellberg, Dietmar Vonend (Textredaktion); Wanderer Werbedruck, Petra Götting (Gestaltung, Bildredaktion und Satz): Das Fagus-Werk in Alfeld als Weltkulturerbe der UNESCO. Dokumentation des Antragsverfahrens. Hrsg.: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Stefan Winghart (= Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. 39). CW Niemeyer Buchverlage, Hameln 2011, doi:10.11588/diglit.51160 (uni-heidelberg.de).
  • Fagus-Werk. In: Bauhaus Kooperation Berlin, Dessau, Weimar: Bauhaus 100 Orte der Moderne. Eine Grand Tour. Hatje Cantz, Berlin 2019, ISBN 978-3-7757-4613-7, S. 74–77.

Filme

  • Fagus – Walter Gropius und die Fabrik der Moderne. Dokumentarfilm, Deutschland, 2011, 26 Min., Buch und Regie: Niels-Christian Bolbrinker und Kerstin Stutterheim, Produktion: NDR, arte, Erstsendung: 3. Juli 2011 bei arte, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein..
  • Das Fagus-Werk in Alfeld. Deutschland am Anfang der Moderne. Dokumentarfilm, Deutschland, 2012, 14:50 Min., Buch und Regie: Andreas Christoph Schmidt, Produktion: SWR, Reihe: Schätze der Welt, Erstsendung: 16. November 2012 bei SWR Fernsehen, Filmtext und online-Video von SWR.

Weblinks

Commons: Fagus-Werk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Artikel

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Kulturerbe:
Aachener Dom (1978) | Speyerer Dom (1981) | Würzburger Residenz mit Hofgarten und Residenzplatz (1981) | Wallfahrtskirche auf der Wies (1983) | Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl (1984) | Dom und Michaeliskirche in Hildesheim (1985) | Römische Denkmale, Dom St. Peter und Liebfrauenkirche in Trier (1986) | Hansestadt Lübeck (1987) | Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin (1990) | Kloster Lorsch (1991) | Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft (1992) | Klosteranlage Maulbronn (1993) | Altstadt von Bamberg (1993) | Stiftskirche, Schloss und Altstadt von Quedlinburg (1994) | Völklinger Hütte (1994) | Kölner Dom (1996) | Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau (1996, 2017) | Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg (1996) | Klassisches Weimar (1998) | Museumsinsel Berlin (1999) | Wartburg (1999) | Dessau-Wörlitzer Gartenreich (2000) | Klosterinsel Reichenau (2000) | Zeche Zollverein und Kokerei Zollverein (2001) | Oberes Mittelrheintal (2002) | Altstädte von Stralsund und Wismar (2002) | Bremer Rathaus und Bremer Roland (2004) | Fürst-Pückler-Park Bad Muskau (2004) | Grenzen des Römischen Reiches: Obergermanisch-Raetischer Limes (2005) | Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof (2006) | Siedlungen der Berliner Moderne (2008) | Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen (2011) | Fagus-Werk in Alfeld (2011) | Markgräfliches Opernhaus Bayreuth (2012) | Bergpark Wilhelmshöhe (2013) | Karolingisches Westwerk und Civitas Corvey (2014) | Hamburger Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus (2015) | Das architektonische Werk von Le Corbusier: zwei Häuser der Weißenhofsiedlung (2016) | Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb (2017) | Archäologischer Grenzkomplex Haithabu und Danewerk (2018) | Naumburger Dom (2018) | Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří (2019) | Augsburger Wassermanagement-System (2019) | Donaulimes (2021) | Bedeutende Kurstädte Europas: Baden-Baden, Bad Ems, Bad Kissingen (2021) | Mathildenhöhe Darmstadt (2021) | Niedergermanischer Limes (2021) | SchUM-Stätten von Speyer, Worms und Mainz (2021) | Jüdisch-Mittelalterliches Erbe in Erfurt (2023) | Siedlungen der Herrnhuter Brüdergemeine: Herrnhut (2024) | Residenzensemble Schwerin (2024) | Die Schlösser König Ludwigs II. von Bayern: Neuschwanstein, Linderhof, Schachen und Herrenchiemsee (2025)

Naturerbe:
Grube Messel (1995) | Wattenmeer der Nordsee (2009) | Alte Buchenwälder (2011)

Ehemaliges Welterbe:
Kulturlandschaft Dresdner Elbtal (2004–2009)

Vorlage:Klappleiste/Ende

Koordinaten: 51° 59′ 1″ N, 9° 48′ 45″ O

 {{#coordinates:51,983747222222|9,8125555555556|primary
   |dim=1000
   |globe=
   |name=
   |region=DE-NI
   |type=landmark
  }}

Vorlage:Hinweisbaustein