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Glasionomerzement

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Glasionomerzement (GIZ) ist ein Füllungsmaterial in der Zahnheilkunde. Er besteht aus reiner Polyacrylsäure oder Copolymerisaten aus Acrylsäure, Itakonsäure oder Maleinsäure und aus Calcium-Aluminium-Silikat-Glas und destilliertem Wasser.

Abbindereaktion

Die Säuren lösen das Calcium und das Aluminium aus dem Silikatglas. Dabei diffundiert das Calcium schneller als das Aluminium und reagiert deshalb zuerst mit der Säure. Das Calcium vernetzt die Säure und innerhalb der Dauer von 5 bis 10 Minuten entsteht Calcium-Polycarboxylatgel. Nach etwa 24 Stunden lagert sich auch das Aluminium in die Calcium-Polycarboxylatgel-Matrix ein und stabilisiert diese so erheblich, dass das wasserunlösliche Calcium-Aluminium-Carboxylatgel entsteht, das das eigentliche Füllungsmaterial darstellt. Die Abbindereaktion folgt also einer Säure-Base-Reaktion.<ref>Willamowski, Matthias, Spitta-Verlag (Balingen): Zahnärztliche Werkstoffkunde. 1. Auflage. Spitta Verlags GmbH, Balingen 2018, ISBN 978-3-946761-65-5, S. 326.</ref> Anstelle von Metallen können auch Kunststoffe zugesetzt werden. Diese kunststoffmodifizierten Glasionomer-Zemente werden durch Licht (z. B. Halogen- oder LED-Polymerisationslampen) ausgehärtet.<ref name="Arge"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Glasionomer-Zement. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 17. Januar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.agz-rnk.de Webseite der Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit.</ref>

Haftung am Zahn

Glasionomerzemente halten über die Carboxygruppe der Säure chemisch an der Zahnhartsubstanz (Schmelz 5 MPa, Dentin 3 MPa). Eine Klebetechnik wie bei Kunststoffen (Komposit oder Compomer) ist nicht erforderlich. Zudem zeigen Glasionomerzemente keine Polymerisationsschrumpfung. Ihre Nachteile gegenüber Kunststofffüllungen sind die im Vergleich deutlich geringere Bruch- und Biegefestigkeit sowie die geringe Abrasionsstabilität.<ref name="GlasZem">R. Frankenberger, N. KräŠmer, Glasionomerzemente (PDF; 940 kB).</ref>

Indikation

Glasionomerzemente sind je nach Viskosität indiziert zur Befestigung von Kronen und Brücken, als Unterfüllungsmaterial (Sandwich-Technik), sowie für Milchzahnfüllungen und semipermanente Füllungen der Kavitäten der Klasse I, II und V.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Chadwick B, Dummer P, Dunstan F et al. The Longevity of Dental Restorations. A Systematic Review (Memento des Vorlage:IconExternal vom 17. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.agz-rnk.de (PDF; 90 kB), Evidence-Based Dentistry, 3/2002, S. 96–99, ISBN 1-4622-0490-2.</ref>

Bei kleineren Kariesdefekten am Zahnhals kann er eingesetzt werden, muss dann aber regelmäßig vom Zahnarzt auf seine Haltbarkeit kontrolliert werden.<ref>Zahnfüllungen: die Standards, KZBV.</ref>

Im Rahmen der von der WHO geförderten ART-Versorgung (Atraumatic Restoration Treatment = Füllungsbehandlung ohne Bohrer) werden Glasionomerzemente als definitives Füllungsmaterial in Entwicklungsländern verwendet. In Gegenden, die nicht mit Elektrizität versorgt sind und keine Behandlungseinheiten zur Verfügung stehen, werden kariöse Zähne mittels Handinstrumenten schmerzarm behandelt und benötigen deshalb keine Lokalanästhesie.

Besonderheiten

Durch die große Partikelgröße der Silikatteilchen ist GIZ schlecht polierbar.

Fluoridabgabe

Durch die Abgabe von Fluoridionen beugt es der Sekundärkaries vor.<ref name="Arge"/>

Pulpaverträglichkeit

Die Pulpaverträglichkeit ist noch nicht eindeutig geklärt. Es sind deshalb pulpanahe Bereiche mit Unterfüllungen aus Calciumhydroxid abzudecken. Die Kavitäten bzw. die Kronenstümpfe sind zu desinfizieren, da im Gegensatz zum Phosphatzement dem Glasionomerzement die bakterizide Wirkung fehlt.<ref name="GlasZem"/>

Krankenkassen

Nach dem Verbot von Amalgam in der Europäischen Union erkennen die Gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland ab 2025 Glasionomer-Zement als zuzahlungsfreie Alternative an.<ref>Nikolaus Nützel: Das ändert sich 2025 bei Krankenversicherung und Pflege. In: Tagesschau.de. 31. Dezember 2024, abgerufen am 31. Dezember 2024.</ref>

Einzelnachweise

<references />