Attila Hildmann
Attila Klaus Peter Hildmann<ref>Attila Klaus Peter Hildmann. In: prosieben.de. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 11. Mai 2021. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> (* 22. April 1981 in West-Berlin) ist ein deutsch-türkischer Autor von Kochbüchern veganer Gerichte und antisemitischer, verschwörungsideologischer sowie rechtsextremer Aktivist.
Im Verlauf der COVID-19-Pandemie trat Hildmann als Verbreiter von Verschwörungsideologien rund um die Virusinfektion in Erscheinung. Er bediente sich an Ideen aus dem Spektrum der Reichsbürger, äußerte sich rechtsextrem und antisemitisch und drohte öffentlich Straftaten an. Daraufhin distanzierten sich Geschäftspartner, seine Social-Media-Kanäle wurden geschlossen und es wurden mehrere Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Einem im Februar 2021 erlassenen Haftbefehl entzog er sich durch Ausreise in die Türkei, die 2023 bekanntgab, ihn aufgrund seiner türkischen Staatsbürgerschaft nicht auszuliefern.
Leben
Attila Hildmann wurde im West-Berliner Bezirk Kreuzberg als Sohn türkischer Eltern geboren. Noch als Baby wurde er zur Adoption freigegeben<ref name="kühnhildmann">Alexander Kühn: Wutkoch Attila Hildmann – Auf der Suche nach dem Sinn falsch abgebogen. In: Spiegel Online, 21. Mai 2020, abgerufen am 25. Juli 2020 (Anmeldung erforderlich).</ref> und wuchs bei deutschen Adoptiveltern auf. Durch die Adoption erwarb er die deutsche Staatsangehörigkeit. Hildmann berichtet selbst von einer Jugend voller Gewalterfahrungen, im Laufe der Zeit sei er vom Opfer zum Täter und auch straffällig geworden. Dreieinhalb Monate habe er in Untersuchungshaft verbracht.<ref name="kühnhildmann" /> An der Lise-Meitner-Schule in Berlin-Rudow legte er das Abitur ab.<ref name="kühnhildmann" /><ref name="fazhuck" /> Hildmann wurde nach eigenen Angaben Veganer, nachdem sein Adoptivvater 2000 einem Herzinfarkt erlegen war.<ref>Frank Joung: „Vegan ist das neue Viagra“. Interview mit Attila Hildmann. In: Spiegel Online. 27. September 2012, abgerufen am 1. Juli 2020.</ref> Hildmann machte den Fleischkonsum seines Vaters für dessen Tod verantwortlich.<ref name="watson_karr">Wie sich Attila Hildmann vom Vegan-Koch zum Verschwörungstheoretiker wandelte. In: watson.de. 4. Juli 2020, abgerufen am 4. Juli 2020.</ref> Hildmann, damals selbst stark übergewichtig, wollte nicht dasselbe Schicksal erleiden<ref name="dfk">Katja Bigalke: Berlin goes vegan. In: deutschlandfunkkultur.de. 16. Januar 2014, abgerufen am 25. Juli 2020.</ref><ref name="kochbar" /> und verzichtete daraufhin zunächst auf Fleisch- und Fischprodukte. Neben der vegetarischen Ernährung begann er Sport zu treiben. Nach einiger Zeit verzichtete Hildmann auf fast alle tierischen Produkte<ref name="SZrevo">Ruth Schneeberger: Attila Hildmann im Gespräch: „Vegane Ernährung ist das Beste für den Planeten“. Interview. In: sueddeutsche.de. 30. Juli 2014, abgerufen am 30. November 2020.</ref> und ernährte sich überwiegend vegan.
Hildmann startete ein veganes Koch-Blog<ref name="fazhuck">Christina Hucklenbroich: Veganismus als Lifestyle – Unser Schrot und Korn gib uns heute. In: faz.net. 26. September 2014, abgerufen am 25. Juli 2020 (Anmeldung erforderlich).</ref> und lud Kochvideos von sich auf seinen YouTube-Kanal hoch.<ref name="fu-berlin" /> 2009 schrieb er als Autodidakt<ref name="SpOn+" /> das Vegan-Kochbuch und veröffentlichte davon bis 2010 – teilweise als Book-on-Demand – insgesamt drei Ausgaben. Ab 2011 stand er beim Verlag Becker Joest Volk unter Vertrag.<ref name="fazhuck" /> Sein Buch Vegan for Fun wurde 2012 vom Vegetarierbund Deutschland als „Kochbuch des Jahres“ ausgezeichnet.<ref name="kochbar" /><ref>Vegan for Fun gewinnt Auszeichnung zum Kochbuch des Jahres 2012. In: gourmet-report.de. 15. März 2012, abgerufen am 30. August 2020.</ref> Sowohl Vegan for Fun als auch das ein Jahr später folgende Vegan for Fit wurden zu Bestsellern.<ref>Anja Streichan: Attila Hildmann bekämpft das Altern: Warum Veganer jünger bleiben. In: rp-online.de. 27. November 2013, abgerufen am 25. Juli 2020.</ref> Seit 2013 kann Hildmann von den Erlösen seinen Lebensunterhalt bestreiten,<ref name="zeit16">Katharina Heckendorf: Attila Hildmann – „Was ich anfange, bringe ich auch zu Ende“. Interview. In: zeit.de. 4. April 2016, abgerufen am 25. Juli 2020.</ref> bis 2020 wurden seine Kochbücher über eine Million Mal verkauft.<ref name="kühnhildmann" /> Hildmann wurde in Deutschland „so etwas wie der Jamie Oliver der veganen Küche“,<ref name="dfk" /> die Boulevardpresse nannte ihn „Veganer-König“.<ref name="kühnhildmann" /> Erfolg mit seinem Konzept hatte Hildmann, da er die vegane Küche so interpretierte, „dass Menschen, die gerne Fleisch mögen, keinen Verzicht mehr üben müssen“. Seine Kreationen sollten sich deshalb geschmacklich nicht zu sehr von alten Gewohnheiten unterscheiden, er erstellte vegane Varianten von Bolognese, Burgern, Currywurst, Döner oder Sandwiches.<ref name="kochbar">Attila Hildmann: Der Star der veganen Küche. In: kochbar.de. 5. Mai 2017, abgerufen am 25. Juli 2020 (nicht mehr online verfügbar).</ref><ref name="fu-berlin" /><ref>Christoph Cöln: So schmeckt Attila Hildmanns Vegan-Burger wirklich. In: welt.de. 23. Oktober 2017, abgerufen am 25. Juli 2020.</ref><ref name="welt230720" /> Mit seiner Kombination aus einem Fitness-, Diät- und Anti-Aging-Programm trug Hildmann dazu bei, veganes Kochen aus der Tierrechtsecke zu holen und daraus ein Lifestyle-Thema zu machen.<ref name="fazhuck" /><ref name="dfk" /> Eine wichtige Rolle in seinen Büchern nahmen Bio-Lebensmittel und Fairer Handel ein.<ref name="SZrevo" /> Als „hipper Gesundheitskoch“ absolvierte er Fernsehauftritte in verschiedenen TV-Magazinen.<ref name="SpOn+">Alexander Kühn, Jean-Pierre Ziegler: Waldspaziergang mit Attila Hildmann – „Seit 75 Jahren hat sich in Deutschland keiner so aus dem Fenster gelehnt wie ich“. In: Spiegel Online. 24. Juli 2020, abgerufen am 24. Juli 2020 (Anmeldung erforderlich).</ref> Unter anderem war er bei Bauerfeind, DAS!, Galileo, Kuttner, Maischberger, Stern TV, TV total, Unter uns, Volle Kanne, im Nachtcafé und in der Sendung daheim + unterwegs zu Gast.
An der Freien Universität Berlin studierte er „lange und mit wenig Erfolg“ Physik.<ref name="kühnhildmann" /> 2014 fehlten ihm laut Eigenaussage nur „noch zwei mündliche Prüfungen“, danach wollte er sich zur Promotion anmelden.<ref name="SZrevo" /> Im Sommer 2015 habe er seine Diplomarbeit abgegeben und ihm fehlten „noch drei Prüfungen“.<ref name="zeit16" /> Hildmann fiel zweimal durch die Diplomprüfungen und verließ die Universität schließlich ohne Abschluss.<ref name="kühnhildmann" /><ref name="fazhuck" /><ref name="kochbar" /><ref name="fu-berlin">Giesela Gross: Student und Starkoch. In: fu-berlin.de. 18. April 2013, abgerufen am 18. August 2020.</ref>
Im März 2016 war Hildmann Teilnehmer der neunten Staffel der Fernsehsendung Let’s Dance.<ref>Let’s Dance 2016: Kochbuchautor Attila Hildmann muss in Show drei das Tanzparkett räumen. In: rtl.de. 31. Mai 2016, abgerufen am 6. November 2020.</ref> Im Januar 2017 war er als Koch bei der Sendung MasterChef zu sehen.<ref>MasterChef Staffel 1: Episode 11. In: sky.de. 24. Januar 2017, abgerufen am 18. Dezember 2020.</ref> Im selben Jahr gewann er als Kandidat in der TV-Sendung Schlag den Star gegen Luke Mockridge.<ref>Anja Francesca Richter: Vegan-Koch Attila Hildmann gewinnt bei „Schlag den Star“ – aber keine Sympathien. In: derwesten.de. 9. April 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. April 2017; abgerufen am 21. April 2017.</ref>
Im Frühjahr 2017 eröffnete Hildmann einen veganen Imbiss in Charlottenburg.<ref>Susanne Kippenberger: Berliner Imbisse im Test – „Das Scheiß-Matcha-Eis!“ In: tagesspiegel.de. 19. Oktober 2017, abgerufen am 24. Juni 2021.</ref> Von April 2018 bis November 2019 betrieb er einen weiteren in Kreuzberg.<ref>Krass! Vegan-Papst Attila Hildmann macht Restaurant dicht. In: tag24.de. 21. April 2018, abgerufen am 15. Februar 2022.</ref><ref>Attila Hildmann Vegan Food Snackbar + Store Berlin Kreuzberg. In: attilahildmann.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Juni 2020; abgerufen am 15. Februar 2022.</ref> Eine geplante dritte „Snackbar“ in Köln scheiterte 2018 kurz vor ihrer Eröffnung.<ref>Christin Otto: Snackbar-Eröffnung geplatzt: Attila Hildmann „scheißt auf angebliche Partner“. In: koeln.mitvergnuegen.com. 17. Mai 2018, abgerufen am 23. Juli 2020 (nicht mehr online verfügbar).</ref> Im Frühjahr 2021 wurde Hildmanns Imbiss in Charlottenburg geschlossen.<ref>Amazon und Lieferando werfen Corona-Leugner Attila Hildmann raus. In: focus.de. 29. April 2021, abgerufen am 8. Mai 2021 (nicht mehr online verfügbar).</ref>
Über seinen Onlineshop verkaufte Hildmann seine veganen Produkte wie Brotaufstriche, Erfrischungsgetränke und Energy-Drinks, Käseersatz oder Matcha. Über die 2016 gegründete Attila Hildmann Empire GmbH vertrieb er diese bis 2020 auch in Supermärkten.<ref>Katrin Terpitz: Promi-Koch Attila Hildmann – Der Veganator. In: handelsblatt.com. 1. November 2016, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 2. September 2020. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Hildmann verwies darauf, einen Teil seiner Einnahmen an gemeinnützige Tierschutz-Organisationen zu spenden; hauptsächlich unterstützte er ein Projekt gegen Wilderei im indischen Kaziranga-Nationalpark.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Attila Hildmann hat das geschafft, was es seit Jahrzehnten nicht mehr gab. ( vom 24. Juli 2020 im Internet Archive) In: tag24.de, archiviert vom Original am 19. Mai 2018; abgerufen am 23. Juli 2020.</ref>
Hildmann wohnte zuletzt im brandenburgischen Wandlitz,<ref>Ronen Steinke: Vegankoch – Villa von Attila Hildmann durchsucht. In: sueddeutsche.de. 17. November 2020, abgerufen am 20. November 2020.</ref> Anfang 2021 flüchtete er in die Türkei, wo er sich zunächst in Gömeç und später in Kartepe aufhielt. Aufgespürt wurde er von einer Gruppe privater Ermittler, die unter anderem die von Hildmann in sozialen Medien geposteten Bilder analysiert hatten, auf denen er sich in Immobilien zeigte, die auf einschlägigen Buchungsportalen identifiziert werden konnten.<ref name="faz20210225" /><ref name="TA.ch">Lisa Füllemann: Wie Attila Hildmanns Verstecke in der Türkei aufflogen. In: tagesanzeiger.ch. 9. April 2021, abgerufen am 8. Mai 2021.</ref><ref>Attila Hildmann in Türkei aufgespürt. In: Legal Tribune Online. 26. Oktober 2022, abgerufen am 26. Januar 2023.</ref>
Rezeption und Kontroversen
Hildmann trägt ein großes Selbstbewusstsein nach außen. „Hinzu kommt eine leicht verschobene Selbstwahrnehmung, die ihn von sich selbst häufig in Superlativen sprechen lässt.“<ref name="kühnhildmann" /> Vielfach präsentiert sich Hildmann mit freiem, durchtrainiertem Oberkörper. In seinen Werbekampagnen sind spärlich bekleidete Frauen zu sehen.<ref name="vice16" />
Hildmann machte das Fahren eines Porsches zu einem seiner Markenzeichen: „Auf der Tür ist das Hildmann-Logo abgebildet, Finger zu einem ‚V‘ geformt. Das steht bei ihm für ‚Vegan‘.“<ref name="vice16" /> Da sein erstes Fahrzeug über Ledersitze verfügte, was für viele ein Widerspruch zu seinem sonst propagierten veganen Lebensstil war, kam es zu einem Shitstorm.<ref name="SZrevo" /><ref name="zeit16" />
Die Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 begleitete Hildmann „in einer groben und schnellen Art […], oft halb gar“, und bediente dabei „klassische xenophobe Klischees“.<ref name="vice16" /> Aussagen wie „Integration ist in Deutschland ein heikles Thema aufgrund der deutschen Vergangenheit, was zu einer aktuellen Selbstverstümmelung deutscher Werte und Kultur führt“ brachte das Magazin Zündfunk des Bayerischen Rundfunks in Zusammenhang mit „Rechtsradikalismus in Symbiose mit grenzenloser Tierliebe“.<ref>Sammy Khamis: Rechts und vegan – Wieso Neonazis Welpen mögen … und Hitler. In: br.de. 10. Februar 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. April 2016; abgerufen am 27. April 2023.</ref> Im Jahr 2016 verbreitete Hildmann über seinen Facebook-Account die Meinung, Deutschland werde von Kriegstreibern regiert.<ref name="vice16" /> Er fühle sich von keiner Partei repräsentiert und mache deshalb schon lange nicht mehr von seinem Wahlrecht Gebrauch.<ref name="watson_karr" />
Hildmanns Auftreten im Rahmen der TV-Sendung Schlag den Star 2017 wurde von vielen Zuschauern als arrogant gewertet. Seinen Wettstreiter Luke Mockridge behandelte er „wie einen Idioten“,<ref name="kühnhildmann" /> online kam es zu umfänglichen negativen Meinungsäußerungen. Hildmann pöbelte daraufhin über seine Social-Media-Kanäle zurück und zeigte im Zuge dessen, dass er „zu verbaler Gewalt neigt“, so das Nachrichtenportal Watson.<ref name="watson_karr" />
Nachdem sein Imbiss 2017 eine negative Kritik im Tagesspiegel erhalten hatte, beschimpfte Hildmann die Redakteurin Susanne Kippenberger auf Facebook und erteilte der gesamten Redaktion Hausverbot.<ref>„Dreckiger Kackartikel“: Attila Hildmann beschimpft Journalistin nach Restaurant-Kritik. In: welt.de. 20. Oktober 2017, abgerufen am 23. Oktober 2017.</ref> Später hob er dies wieder auf und lud die Journalisten in seinen Imbiss ein, drohte aber zugleich, bei ähnlicher Kritik<ref>Nach Wutausbruch: „Veganerkönig“ Attila Hildmann spricht seltsame Einladung aus. In: welt.de. 22. Oktober 2017, abgerufen am 23. Oktober 2017.</ref> werde er diesmal „komplett ausrasten“.<ref>Bernd Matthies: Von Tag zu Tag – Fall Hildmann: Vom Saulus zum Paulus? In: tagesspiegel.de. 23. Oktober 2017, abgerufen am 29. Juli 2021.</ref> Wegen seiner Drohungen, unter anderem mit einer Pumpgun, wurde er von der Polizei vorgeladen.<ref>Nach Facebook-Post – Koch Attila Hildmann wird von der Polizei vorgeladen. In: tagesspiegel.de. 25. Oktober 2017, abgerufen am 26. Januar 2021.</ref> Der Politologe Frank Überall verbindet mit Hildmanns Vorgehensweisen eine „findige und amüsante Strategie der Wut-PR“.<ref>Ein Koch sieht rot – Showdown beim Wutburger. In: sueddeutsche.de. 25. Oktober 2017, abgerufen am 12. Februar 2021.</ref>
Ein Jahr später kam es nach Falschparken zu einem Streit zwischen Hildmann und der Polizei Berlin, in dessen Folge mehrere Streifenwagen zum Ort der Auseinandersetzung gerufen wurden und Hildmann in Handschellen zu einem Drogentest abgeführt wurde. Hildmann fühlte sich behandelt „wie ein Schwerstkrimineller“, auf Instagram schrieb er: „Niemand wird mich brechen. Irgendwann regiere ich dieses Land, einschließlich der Exekutive.“<ref name="watson_karr" />
Insgesamt wurde Hildmann im Laufe der Zeit „militanter, kompromisslos. Wer sich ihm in den Weg stellte, wurde öffentlich angeprangert.“<ref name="kühnhildmann" /> Philipp Sommer vom Vice-Magazin schrieb über Hildmann, der „selbsternannte Vegangsta“ habe sich „damit einen Namen gemacht, dass er sich aufregt über die Ungerechtigkeiten in der Welt“. Allerdings war, im Falle einer mutmaßlich falsch behaupteten Vergewaltigung, bereits „nach der ersten Meldung die Geschichte erledigt, ins Weltbild eingefügt, einer breiten Öffentlichkeit präsentiert und nicht wieder erwähnt.“ Es gebe „keine Nuancen […], alles macht ihn einfach nur ‚sauer‘“. Seinen Wutschwall lasse er dann über ihm verfügbare Kanäle ab, alleine über Facebook konnte er zeitweise über 100.000 Menschen erreichen.<ref name="vice16">Philipp Sommer: In der Flüchtlingskrise: Der Vegangsta Attila Hildmann hat Angst. In: vice.com. 11. Februar 2016, abgerufen am 25. Juli 2020.</ref> „Er brennt für das, was er tut. Manchmal hinterlässt er damit jedoch verbrannte Erde“, so Der Spiegel.<ref name="kühnhildmann" />
Von Kritikern im Internet wurde Hildmann angesichts seiner rechtsextremen und vielfach antisemitischen Äußerungen mit Spottnamen wie „Avocadolf“ (Kofferwort aus Avocado und Adolf), „Gemüse-Goebbels“ und „Hirse-Hitler“ belegt.<ref>Benjamin Konietzny: „Avocadolf“ dreht völlig durch – Hildmann will töten, der Staat schaut zu. Kommentar. In: n-tv.de. 19. Juli 2020, abgerufen am 14. Oktober 2020.</ref><ref>Alexander Kühn, Jean-Pierre Ziegler: Waldspaziergang mit Attila Hildmann – „Seit 75 Jahren hat sich in Deutschland keiner so aus dem Fenster gelehnt wie ich“. In: Spiegel Online. 26. Juli 2020, abgerufen am 11. Oktober 2020 (Vorschau; Anmeldung erforderlich): „Hildmann zählt die Spitznamen auf, die sie ihm bei Twitter verpasst haben. „Hirse-Hitler“, „Avocadolf“. Er lacht, als wären es Ehrentitel.“</ref><ref>Morddrohung: Volker Beck zeigt „Avocadolf“ Attila Hildmann an. In: rtl.de. 21. Juli 2020, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 11. Oktober 2020. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref><ref>Axel Weidemann: Attila Hildmann und die Satire – Verstehen Sie Spaß? In: faz.net. 4. September 2020, abgerufen am 12. Oktober 2020 (Anmeldung erforderlich).</ref>
Im August 2023 veröffentlichte die Band Megaherz auf ihrem Album „In Teufels Namen“ das Lied „Der König der Dummen“, welches sich mit Verschwörungstheorien zur COVID-19-Pandemie auseinandersetzt und im Refrain auf Hildmann anspielt: „Der Hass auf die da oben lässt den Koch zu einem König werden. Er braucht keine Krone, trägt des schönsten Aluhut auf Erden. Attila, Attila, Attila, Attila. Der König der Dummen.“<ref>Megaherz - Liedtext: Der König Der Dummen - DE. Abgerufen am 12. August 2023.</ref>
Aktivitäten seit Beginn der COVID-19-Pandemie
Hildmann ist seit dem Beginn der COVID-19-Pandemie in Deutschland (März 2020) durch seine Äußerungen und das große Medienecho darauf einer breiten Öffentlichkeit bekanntgeworden. Anfang Mai 2020 schrieb er auf seiner Facebook-Seite, er wolle ab sofort „im Untergrund“ leben, weil man versuche, ihn zu ermorden. Die Demokratie in Deutschland werde in Kürze abgeschafft; böse, geheime Kräfte würden eine Neue Weltordnung installieren.<ref>Sebastian Leber: Vom Koch zum Verschwörungstheoretiker – Attila Hildmann zieht bewaffnet „in den Untergrund“. In: tagesspiegel.de. 4. Mai 2020, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref> Er werde von Geheimdiensten und Tempelrittern überwacht. Hildmann hat zahlreiche Verschwörungsideologien verbreitet (unter anderem über Aliens und Chemtrails) und behauptet, Juden wollten die „deutsche Rasse auslöschen“. Weil sich der „Judenstamm“ der Zionisten für ein „auserwähltes Volk“ halte, habe dieser bereits nach dem Ersten Weltkrieg versucht, Deutschland durch die Reparationsforderungen zu zerstören, und dann auch den Holocaust mitfinanziert. Adolf Hitler habe die Deutschen lediglich zu schützen versucht. Im Vergleich zur „Kommunistin, Zionistin, Satanistin“<ref name="heute.at">Attila Hildmanns wirre Umsturz-Pläne für Deutschland. In: heute.at. 29. Juni 2020, abgerufen am 30. Juni 2020.</ref> Angela Merkel sei Hitler „ein Segen“ gewesen, so Hildmann, da Merkel „mit Gates einen globalen Völkermord von sieben Milliarden Menschen“ plane.<ref name="e.peter">Erik Peter: Attila kocht braune Soße. In: taz.de. 19. Juli 2020, abgerufen am 3. April 2026.</ref> Menschen würden in Käfige eingesperrt, bevor sie durch eine „RNA-Giftspritze“ oder eine „Kugel“ umgebracht würden.<ref name="FR082020" /> Hildmann radikalisierte sich im Laufe der COVID-19-Pandemie immer weiter,<ref name="spiegel2104" /> was sich auf seinem Telegram-Kanal, in dem er innerhalb eines Jahres 20.000 Bilder, 4.500 Videos und 1.100 Sprachnachrichten veröffentlichte, nachvollziehen ließ.<ref name="TA.ch" /><ref>Kendra Stenzel: Attila Hildmanns tiefer Fall – Vom TV-Veganer zum einsamen Hassprediger In: ksta.de. 9. Juni 2021, abgerufen am 10. Juni 2021 (nicht mehr online verfügbar).</ref> Nach seiner Flucht in die Türkei schrieb Hildmann im März 2021 dort an seine damals etwa 120.000 Follower,<ref>Attila Hildmann: Vom Fernsehkoch zum Volksverhetzer, In: Deutsche Welle. 30. März 2021, abgerufen am 8. Mai 2021.</ref> er sei „stolzer echter Nazi“,<ref name="faz20210225" /><ref name="TA.ch" /> und rief zum bewaffneten Widerstand gegen die „Judenrepublik“ Deutschland auf.<ref>Verschwörungserzähler Hildmann ruft zu bewaffnetem Widerstand gegen „Judenrepublik“ auf. In: derstandard.at. 29. März 2021, abgerufen am 31. März 2021.</ref> Im Juni 2021 wurde der Zugang zu Hildmanns Hauptkanal auf Telegram auf mobilen Google- und Apple-Geräten eingeschränkt.<ref>Lars Wienand: Hildmann-Hetze auf Apple- und Android-Geräten gesperrt. In: t-online.de. 8. Juni 2021, abgerufen am 9. Juni 2021.</ref><ref>Malte Mansholt: Gesperrt bei Telegram: Attila Hildmann verliert seine letzte große Bühne. In: stern.de. 9. Juni 2021, abgerufen am 10. Juni 2021.</ref> Ab Mai 2020 initiierte Hildmann mehrfach Demonstrationen und Autokorsos in Berlin,<ref name="berlinermopo">Rebecca Baden: Attila Hildmann: Wie sich der vegane Koch radikalisierte. In: morgenpost.de. 7. Juli 2020, abgerufen am 7. Juli 2020 (Anmeldung erforderlich).</ref> die sich gegen die Maßnahmen der Bundesregierung richteten und in deren Rahmen er am 23. Mai 2020 wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und das Infektionsschutzgesetz kurzzeitig festgenommen und angezeigt wurde.<ref name="fr-13753605">Steffen Herrmann: Koch auf Abwegen – Bei Demo vor Reichstag: Attila Hildmann von Polizei abgeführt. In: fr.de. 9. Mai 2020, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 27. Mai 2020. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref><ref>Strafanzeige – Attila Hildmann kurzzeitig in Gewahrsam genommen. In: ksta.de. 24. Mai 2020, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 27. Mai 2020. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Ende Juni 2020 kam es bei einer dieser Demonstrationen zu Bedrohungen seitens Hildmanns und anderer Teilnehmer gegenüber einem Reporterteam des Jüdischen Forums. Hildmann gab an, sich selbst bedroht gefühlt zu haben.<ref name="berlinermopo" /> Er verkündete, „hier bald der neue Staatschef“ zu sein, und äußerte den Verdacht, das Berliner Trinkwasser sei vergiftet, um die Bevölkerung ruhig zu stellen. Das deutsche Volk müsse sich gegen die Regierung erheben. Militärische Unterstützung erhoffe er sich von der Bundeswehr, von Donald Trump und von Wladimir Putin.<ref name="heute.at" /> Er, Hildmann, habe sich bis vor Kurzem „überhaupt nicht für Politik“ interessiert. Plattformen wie der (von Russland betriebene) Propagandasender RT hätten ihn „aufgeweckt“.<ref name="tagespiegel-25816652">Sebastian Leber: Warum Corona-Verschwörungsgläubige keine Rücksicht verdienen. In: tagesspiegel.de. 11. Mai 2020, abgerufen am 25. März 2021.</ref> Initialzündung für seine politischen Aktivitäten sei ein Video gewesen, das gezeigt habe, wie in China eingefangene Hunde in einer Lehmkuhle lebendig begraben würden.<ref name="berlinermopo" /> Im Juli 2020 zeigte sich Hildmann auf einer weiteren Demonstration mit einer Reichskriegsflagge, auf der der Spruch „Treue um Treue Deutschland“ stand (laut Die Tageszeitung an den SS-Wahlspruch „Unsere Ehre heißt Treue“ erinnernd).<ref name="e.peter" /> Bei der Corona-Demonstration vom 29. August 2020 in Berlin wurde Hildmann erneut vorübergehend festgenommen, nachdem er unter anderem in Reden vor dem Reichstagsgebäude gefordert hatte, die Absperrgitter zu entfernen und die Demonstranten zum Gebäude durchzulassen, das „dem deutschen Volke gewidmet ist“.<ref>Maike Baumgärtner et al.: Chats zeigen Planung des „Sturms auf den Reichstag“: „Für so was braucht man Waffen“. In: Spiegel Online. 3. September 2020, abgerufen am 1. Mai 2021 (Anmeldung erforderlich).</ref>
Auf seinem Telegram-Kanal unterstützte er einen gewalttätigen Angriff der türkisch-nationalistischen Grauen Wölfe auf Linke in Wien<ref name="berlinermopo" /> und bewarb das rechtsextreme und vom Verfassungsschutz beobachtete „Compact“-Magazin.<ref name="ts2">Antisemitismus im Netz: Attila Hildmann gibt Juden die Schuld – und verteidigt Hitler. In: Der Tagesspiegel. 19. Juni 2020, abgerufen am 3. April 2026.</ref> Seinen Anhängern empfahl und vermittelte Hildmann neben veganen Produkten auch den Kauf von „Siegfried-Talern“, überteuerten Medaillen aus Gold und Silber, die zu einem Mehrfachen ihres Materialwerts verkauft werden.<ref>Michael Blume: „‚Corona und Bargeldabschaffung sind zwei Seiten einer Medaille.‘ Die libertäre Verschwörungsmythologie des Geldes.“ In: Heike Kleffner, Matthias Meisner (Hrsg.): Fehlender Mindestabstand. Die Coronakrise und die Netzwerke der Demokratiefeinde. Herder, Freiburg 2021, S. 132</ref> Er bewarb „legale Waffen“ aus dem Onlineshop des Neonazis und früheren Berliner NPD-Chefs Sebastian Schmidtke und bot auch Rabattcodes hierfür an.<ref>Felix Huesmann: Attila Hildmann und der Berliner Ex-NPD-Chef: Judenhass und legale Waffen. In: rnd.de. 20. Mai 2021, abgerufen am 11. Dezember 2021.</ref> Er ermutigte sie auch dazu, einer zu Verschwörungsideologien forschenden Wissenschaftlerin die Meinung zu schreiben, nachdem diese sich zuvor in einem Artikel zu Verbindungen zwischen Verschwörungsmythen und rechtsterroristischen Taten geäußert hatte. Hierzu veröffentlichte Hildmann die berufliche E-Mail-Adresse und ein Bild der Frau, nannte sie einen „Dämon“ sowie eine „Landesverräterin“ und unterstellte ihr „kommunistische Propaganda“. Zuvor hatte Hildmann bereits die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim beschimpft und dazu aufgefordert, ihr zu schreiben.<ref>Kendra Stenzel: Forschung zu Verschwörungsmythen – Kochbuchautor bringt Fans gegen Wissenschaftlerin auf. In: ksta.de. 10. Juni 2020, abgerufen am 23. Februar 2021 (nicht mehr online verfügbar).</ref> Im Juli 2020 schickte Hildmann an seine Follower eine gegen den Grünen-Politiker Volker Beck gerichtete Morddrohung, der ihn daraufhin anzeigte.<ref>Anzeige läuft – Verschwörungstheoretiker Hildmann bedroht Grünen-Politiker Beck mit dem Tod. In: Focus online. 14. Juli 2020, abgerufen am 29. Mai 2021.</ref> Durch die Verknüpfung der Mordabsicht, so der Journalist Michael Kraske, „mit einem unrealistischen Szenario“, im konkreten Fall der Reichskanzlerschaft Hildmanns, nutze dieser „die juristischen Grauzonen“ und verbreite Gewaltfantasien mittels „rhetorischer Taschenspielertricks“.<ref>Michael Kraske: Tatworte. Denn AfD & Co. meinen, was sie sagen. Ullstein, Berlin 2021, ISBN 978-3-548-06442-0, S. 112</ref>
Hildmanns Instagram-Account wurde wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen gesperrt. Facebook entfernte einige seiner Inhalte,<ref>Kendra Stenzel: Verstoß gegen Nutzungsbedingungen – Instagram sperrt Profil von Vegan-Koch Hildmann. In: ksta.de. 16. Mai 2020, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 27. Mai 2020. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> auch auf YouTube wurden Beiträge gelöscht.<ref name="watson-783986">Oliver Wietlisbach: Anonymous infiltriert Hildmanns Verschwörungs-Chat – dort fliegen nun die Fetzen #OpTinfoil. In: watson.ch. 18. Juni 2020, abgerufen am 20. Juli 2020.</ref><ref>Laura Stresing: Corona-Verschwörungstheorien – Wie Telegram zur gefährlichen Propaganda-Plattform wurde. In: t-online.de, 18. Mai 2020, abgerufen am 13. Juli 2020.</ref> Anfang Mai 2020 listeten der Vollsortimenter Kaufland und die Drogeriekette Vitalia Hildmanns Produkte aus,<ref name="fr-13753605" /> weitere folgten.<ref name="spiegel2104">Amazon und Lieferando werfen Attila Hildmann raus In: Der Spiegel 18/2021. Online-Ressource abgerufen am 29. April 2021.</ref><ref>Verschwörungstheorien: Denn’s verbannt Attila-Hildmann-Produkte. In: rnd.de. 18. Mai 2020, abgerufen am 11. Juli 2021.</ref> Im Juni 2020 stellte der Fruchtsaftproduzent Voelkel die Produktion von Hildmanns Dosenbrause ein.<ref>Mirko Schmid: Attila Hildmann ein für alle Mal gecancelt – Letzte Unternehmen nehmen Produkte aus Sortiment. In: fr.de. 31. Mai 2021, abgerufen am 28. Februar 2022 (nicht mehr online verfügbar).</ref> Ein Jahr später entschieden sich mit Amazon und Lieferando zwei der letzten deutschen Vertragspartner Hildmanns dazu, seine Produkte nicht mehr zu vertreiben.<ref name="spiegel2104" /><ref>Attila Hildmann: Amazon und Lieferando boykottieren den Corona-Leugner In: GQ. 3. Mai 2021, abgerufen am 8. Mai 2021.</ref> „Sämtliche Händler [haben] seine Energy-Drinks aus den Regalen verbannt, Mitarbeiter wandten sich ebenso von ihm ab wie die Firma, die seine Flaschen abfüllte. Auch das Musikportal, bei dem Hildmann als Sponsor auftrat, will nicht mehr mit ihm in Verbindung gebracht werden“, so der Tagesspiegel.<ref name="ts2" /> Der Becker-Joest-Volk-Verlag, über den ab 2011 alle Kochbücher Hildmanns erschienen waren, verurteilte dessen Aussagen als unerträglich. Man werde Hildmann künftig „keinerlei Plattform mehr“ bieten und versuchen, noch bestehende Verträge aufzukündigen.<ref>Hildmann droht jüdischen Journalisten In: n-tv.de. 28. Juni 2020, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Das Hackerkollektiv Anonymous Germany bekämpft Hildmanns Aktivitäten seit Juni 2020 unter dem Titel Operation Tinfoil (dt.: Operation Alufolie, eine Anspielung auf den Aluhut). Hildmann verbreite „Lügen, Hetze und Falschnachrichten“, zudem nutze er seine Reichweite maßgeblich zur Werbung für Produkte, „um noch mehr Geld aus leichtgläubigen Menschen zu pressen“.<ref name="welt-210508333">DW/krott: Hacker gegen Hildmann: „Wir sind das Monster unter deinem Bett“. In: welt.de. 28. Juni 2020, abgerufen am 20. Juli 2020.</ref> Wiederholt bot Hildmann 1000 Euro für diejenigen, die ihm Namen und Adressen von Anonymous-Aktivisten liefern würden. Diese hätten dafür gesorgt, dass seine Ware in Geschäften aussortiert und seine Social-Media-Accounts gesperrt wurden.<ref>Kendra Stenzel: Attila Hildmann setzt Kopfgeld auf Anonymous aus. In: ksta.de. 8. Juli 2020, abgerufen am 3. April 2026 (nicht mehr online verfügbar).</ref> Auch auf die Nennung von Personendaten der Internet-Satiregruppe Hooligans Gegen Satzbau setzte er ein solches „Kopfgeld“ aus, nachdem diese zur massenweisen Meldung seiner Konten auf sozialen Medien aufgerufen hatte.<ref>Niko Kappel: Wie die „Hooligans Gegen Satzbau“ Attila Hildmann prankten. In: Jetzt. 21. Juli 2020, abgerufen am 1. August 2020.</ref>
Hildmann wandelte sich laut einem im Juni 2020 bei welt.de erschienenen Artikel allmählich zum „Sinnbild des deutschen Verschwörungstheoretikers“.<ref name="welt230720">Dennis Sand, Lennart Pfahler: Imbiss von Attila Hildmann: Im Revier des Mannes, der Angela Merkel „die Kröte“ nennt. In: welt.de. 22. Juni 2020, abgerufen am 28. November 2020 (Anmeldung erforderlich).</ref> „Egal ob es um den Coronavirus, Impfungen, Bill Gates, 5G oder andere aktuelle Themen geht: Es gibt kaum eine Verschwörungstheorie dazu, die sich nicht am Telegram-Kanal von Attila Hildmann findet. Einst vor allem bekannt als kontroversen-affiner veganer Koch versucht er sich seit geraumer Zeit als Widerstandskämpfer gegen finstere Mächte zu positionieren“, so derStandard.at.<ref name="derstand-000487">Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann offenbar von Anonymous gehackt. In: derstandard.de. 10. Juni 2020, abgerufen am 20. Juli 2020.</ref> Die New York Times schrieb im Oktober 2020 über Hildmann als einen der deutschlandweit bedeutendsten Verbreiter der Überzeugungen der QAnon-Bewegung.<ref>Katrin Bennhold: QAnon Is Thriving in Germany. The Extreme Right Is Delighted. In: nytimes.com. 11. Oktober 2020, abgerufen am 11. Oktober 2020 (englisch).</ref> Hildmann selbst veröffentlichte ein Konvolut seiner Verschwörungserzählungen als Audiobotschaft unter dem Titel Mein Kampf (in Anlehnung an das gleichnamige Manifest Hitlers). Er habe „rechtsextreme Reichsbürger-Gesellen“ um sich geschart und der Antisemitismus werde dabei „längst offen zur Schau getragen“, so heute.at.<ref name="heute.at" /> Auf Telegram sprach Hildmann von „Corona-KZs“, was laut Frankfurter Rundschau dem Tatbestand der Holocaust-Relativierung entspricht.<ref name="FR082020">Katja Thorwarth: Attila Hildmanns Corona-Karriere scheint vorbei: Veganster Führer der Herzen auf der Flucht. In: fr.de. 24. Februar 2021, abgerufen am 11. Juni 2021.</ref> Michael Movchin vom Verband jüdischer Studenten in Bayern warnte davor, dass die Stimmung in der Gesellschaft kippen könne, wenn Personen wie Hildmann antisemitische Verschwörungsmythen bei gleichzeitigem allgemeinem Unmut der Gesellschaft verbreiten und dies zu einem „Grundrauschen“ führen würde.<ref>Stadtgespräch – Ludwig Spaenle. In: muenchen.tv. 29. Juni 2020, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 24. Januar 2021. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Matthias Schwarzer von RedaktionsNetzwerk Deutschland charakterisierte Hildmanns Aussagen als einen „Mix aus antisemitischen Mythen und Gewaltphantasien“.<ref name="rnd">Matthias Schwarzer: Gewaltfantasien und Antisemitismus: Die hochgefährliche Telegram-Gruppe von Attila Hildmann. In: rnd.de. 4. Mai 2020, abgerufen am 5. März 2022.</ref> Kultursenator Klaus Lederer schätzte Hildmanns Aktivitäten als „brandgefährlich“ ein, „seine faschistische Rhetorik stiftet entsprechende Taten an“.<ref name="SpOn+" /> Für Alexander Waschkau ist Hildmann „zu einem demokratiefeindlichen Influencer geworden“. Er rüttele „mit seinen Worten an der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“.<ref>Sebastian Heinrich: Experte für Verschwörungsmythen zu Fall Wendler: „Das ist eine echte Gefahr“. Interview mit Alexander Waschkau. In: watson.de. 12. Oktober 2020, abgerufen am 19. Februar 2021.</ref> Der Politikwissenschaftler Tom Mannewitz urteilte, dass sich Hildmann zwar radikalisiere, die Richtung aber nur schwer auszumachen sei. Neben deutlichen Anklängen an Rechtsextremismus seien Hildmanns Erzählungen „sehr sprunghaft und wenig kohärent.“<ref name="berlinermopo" /> Sebastian Leber schrieb im Tagesspiegel von einer „dank [Hildmanns] Geltungsdrangs penibel […] [dokumentierten] […] Kombination aus Selbstüberschätzung und Realitätsverlust“.<ref name="tagespiegel-25816652" /> Es scheine so, dass „alles, was Hildmann aufschnappt, in seinem Kopf wild zusammengemischt“ werde; seine Aussagen würden „im Wochentakt schärfer, absurder, irrlichternder“.<ref name="SpOn+" /> Hildmann scheine „überfordert … mit sich und der Welt. Hildmann sucht den Sinn des Lebens, biegt dabei jedoch immer wieder falsch ab“, so Der Spiegel.<ref name="kühnhildmann" /> Eine Redakteurin der Frankfurter Rundschau kommentierte Hildmanns Agitation mit dem Satz: „Wenn es nicht so gruselig wäre, es wäre einfach nur zum lachen.“<ref name="FR082020" />
Hildmann wurde zwischenzeitlich selbst zum Objekt von Verschwörungsideologen; so wurde beispielsweise behauptet, er sei vom deutschen Geheimdienst geschickt worden, um die Bewegung der Corona-Skeptiker durch peinliches Auftreten ins Lächerliche zu ziehen. Andere warfen ihm vor, er sei Mitglied des „Islamischen Staats“, da er bei Reden mehrfach den Zeigefinger zum Himmel gereckt habe.<ref name="ts2" />
Im Juni 2020 nahm die Brandenburger Kriminalpolizei wegen „der öffentlichen Androhung von Straftaten […] Anzeige von Amts wegen“ gegen Hildmann auf.<ref>Öffentliche Androhung von Straftaten – Brandenburger Staatsschutz ermittelt gegen Attila Hildmann. In: rbb24.de. 22. Juni 2020, abgerufen am 9. Juli 2020 (nicht mehr online verfügbar).</ref><ref name="ln-onlin-Brandenb">Brandenburger Staatsschutz weitet Ermittlungen gegen Attila Hildmann aus. In: ln-online.de. 22. Juni 2020, abgerufen am 20. Juli 2020 (Anmeldung erforderlich).</ref> Einem sich selbst „Wehrwolf“ nennenden Reservisten, dessen Videos von Hildmann verbreitet wurden, wurde Ende Juni 2020 nach Ermittlungen des Militärischen Abschirmdienstes „mit sofortiger Wirkung verboten, seine Uniform zu tragen und den Dienst auszuüben“.<ref name="heute.at" /><ref name="SPON-3e0ae87c7365">Wolf Wiedmann-Schmidt, Matthias Gebauer: Neuer Rechtsextremismusverdacht bei der Bundeswehr: „Scheißbefehl von Schwarz-Rot-Gold“. In: Spiegel Online. 30. Juni 2020, abgerufen am 20. Juli 2020.</ref><ref name="watson-664359">leb: Attila Hildmann ausser Rand und Band: Wie die Aluhut-Bewegung die Macht ergreifen will. In: watson.ch. 27. Juni 2020, abgerufen am 20. Juli 2020.</ref> Im Juli 2020 teilte das Landeskriminalamt Berlin mit, Ermittlungen gegen Hildmann aufgenommen zu haben, nachdem dieser gegen Personen des öffentlichen Lebens unter anderem Folter- und Todesdrohungen ausgesprochen<ref>Staatsanwaltschaft sieht keine Handhabe gegen rechten Hetzer. In: Der Tagesspiegel. 19. Juli 2020, abgerufen am 20. Juli 2020.</ref> und den Holocaust verharmlost habe. Auch die Berliner Generalstaatsanwaltschaft ermittelt aufgrund „mutmaßlich antisemitischer öffentlicher Äußerungen“ Hildmanns.<ref>In Berlin und Cottbus – Gegen Attila Hildmann wird wegen Volksverhetzung ermittelt. In: rbb24.de. 20. Juni 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Juli 2020; abgerufen am 7. November 2022.</ref> Ende Juli 2020 wurde erstmals eine von Hildmann angemeldete Demonstration unter anderem aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung strafbarer Äußerungen während der Versammlung verboten.<ref>Berlin verbietet Hildmann-Demonstration am Samstag. In: rbb24.de. 23. Juli 2020, abgerufen am 23. Juli 2020 (nicht mehr online verfügbar).</ref><ref>Berlin verbietet Demonstration von Attila Hildmann. In: tagesspiegel.de. 23. Juli 2020, abgerufen am 23. Juli 2020.</ref>
2020 verbreitete Hildmann über seinen Telegram-Kanal mehrfach – mittlerweile teilweise gelöschte – Falschbehauptungen über den Pergamonaltar auf der Berliner Museumsinsel und forderte dazu auf, ihn sowie das Museum zu zerstören. Dadurch würde die Menschheit „auf einen Schlag frei“. Der Altar sei der „Thron Satans“ und das Pergamonmuseum das „Zentrum der globalen Satanisten-Szene und Corona Verbrecher“, so Hildmann. Ohne jeden Beleg sprach er auch von Menschenopfern, die in dem Museum abgehalten würden, und brachte Bundeskanzlerin Merkel mit diesen dort vermeintlich stattfindenden Ritualen in Verbindung. Anfang Oktober 2020 kam es dann tatsächlich zu Beschädigungen an rund 70 Kunstwerken auf der Museumsinsel.<ref>Felix Huesmann: Hildmann und der Pergamonaltar: Wie Verschwörungsideologen die Museumsinsel für sich entdeckt haben In: rnd.de. 21. Oktober 2020, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Im Oktober 2020 erließ die Pressekammer des Landgerichts Frankfurt in einem Eilverfahren eine einstweilige Verfügung gegen Hildmann. Auf seinem Telegram-Kanal hatte Hildmann ein Video von Ursula Haverbeck verbreitet, in dem sie den Holocaust leugnet. Das Gericht untersagte Hildmann, Haverbecks Äußerungen wörtlich oder sinngemäß wiederzugeben, da er sich mit Stellungnahmen wie der, die Autorin sei eine „sehr intelligente Frau“, deren Video auf „Yuden-Youtube“ gelöscht worden sei, die Aussagen zu eigen gemacht habe.<ref>Helena Piontek: Attila Hildmann darf Holocaustleugnerin nicht zitieren. In: plus.tagesspiegel.de. 10. Oktober 2020, abgerufen am 20. September 2021 (Anmeldung erforderlich).</ref> Hildmann selbst gilt inzwischen aufgrund seiner öffentlich getätigten Aussagen als Holocaustleugner.<ref>Sebastian Eder: Für ihn sind alle Feinde Juden. In: faz.net. 15. April 2021, abgerufen am 5. Februar 2022 (Anmeldung erforderlich).</ref>
Am 17. November 2020 wurde Hildmanns Wohnung von Staatsschützern der Brandenburger Polizei zum Zweck der Gefahrenabwehr durchsucht. Beschlagnahmt wurden mehrere Computer, Laptops, Mobiltelefone sowie weitere Speichermedien. Zusätzlich hielten die Beamten eine Gefährderansprache.<ref>Razzia: Polizei durchsucht Wohnung von Attila Hildmann In: waz.de. 17. November 2020, abgerufen am 3. April 2026.</ref> Kurze Zeit später wurde bekannt, dass die Ermittlungen gegen Hildmann fortan bei der Staatsanwaltschaft Berlin gebündelt geführt werden. Zu diesem Zweck wurden der Behörde nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus Brandenburg „60 Bände Akten sowie weitere 33 Fallakten“ überantwortet.<ref>Florian Flade, Ronen Steinke: Berliner Justiz übernimmt den Fall Attila Hildmann. In: sueddeutsche.de. 19. November 2020, abgerufen am 19. November 2020.</ref>
Den Sturm auf das Kapitol in Washington Anfang Januar 2021 sah Hildmann als Inszenierung durch Trump selbst an. Auch Trump sei Teil einer satanistischen „Neuen Weltregierung“, die die Macht an sich reißen wolle. Laut Hildmanns Auffassung war auch der Tod einer Demonstrantin inszeniert, denn diese habe „wie in Hollywoodfilmen“ unrealistisch geblutet. Trump sei, so Hildmann, ein Angehöriger des orthodoxen Judentums und dadurch Bestandteil einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung.<ref>Reaktionen deutscher Rechtsextremisten auf die Erstürmung des US-Kapitols. In: verfassungsschutz-bw.de. 21. Januar 2021, abgerufen am 14. März 2022.</ref>
Nachdem Hildmann im Februar 2021 während laufender Ermittlungen untergetaucht war, verfügte das Amtsgericht Tiergarten einen Haftbefehl wegen Volksverhetzung, Beleidigung, Bedrohung und öffentlicher Aufforderung zu Straftaten.<ref>Sven Röbel, Wolf Wiedmann-Schmidt: Polizei sucht mit Haftbefehl nach Attila Hildmann. In: Spiegel Online. 23. Februar 2021, abgerufen am 23. Februar 2021.</ref> Ende März gab die Staatsanwaltschaft Berlin bekannt, dass Hildmann sich in der Türkei aufhält.<ref>„Sonnige Grüße aus der Türkei“ – Attila Hildmann macht sich über Staatsanwaltschaft lustig. In: t-online. 26. März 2021, abgerufen am 15. September 2021.</ref> In einem Video rief Hildmann am 1. April 2021 zu einem Sturm auf Berlin auf und beklagte die „Folter durch Mundwindel, Testzwang, Menschenversuche mit einem experimentellen Genimpfstoff“ sowie „Propaganda und Lüge im Judenfernsehen, in der Judenpresse und im Internet“. Es sei eine „Plan-Demie“ und ein „Staatsstreich“; in einer „jüdische[n] Weltdiktatur“ wolle man „uns versklaven und ermorden“. Die Menschen sollten jedoch nicht nach „Kassel oder Stuttgart zu den Querdenkern“, denn wer wissen wolle, was Angela Merkel plane, „einfach (Michael) Ballweg fragen“, dieser sei „Teil ihres Teams“. Hildmann rief auf dem Video: „Sieg Heil für alle Völker!“<ref>Andreas Speit: Verqueres Denken. Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus. Ch. Links, Berlin 2021 (1. überarb. Aufl.), S. 191 f.</ref> In einer Sprachnachricht verbreitete er zudem in Bezug auf die COVID-Impfungen, das „allmächtige Judentum“ wolle „alle Völker abschlachten mit diesen Giftspritzen“. Man könne jetzt aber, so Hildmann, Hitlers Hass auf die Juden verstehen.<ref>Sebastian Eder: Für ihn sind alle Feinde Juden In: faz.net. 15. April 2021, abgerufen am 3. April 2026 (Anmeldung erforderlich).</ref> Im Juli 2021 teilte die Staatsanwaltschaft Berlin mit, dass sich die Zahl der Ermittlungen gegen Hildmann auf 80 einzelne Straftaten erhöht habe. Weitere vor einem halben Jahr sichergestellte Datenträger seien zudem noch nicht vollständig ausgewertet.<ref>Florian Flade, Ronen Steinke: Verdächtiges auf den Handys. In: Süddeutsche Zeitung. 12. Juli 2021, ISSN 0174-4917, S. 5.</ref> Nachdem Hildmann den Grünen-Politiker Volker Beck bedroht und beleidigt hatte, erließ das Landgericht Berlin auf Antrag Becks eine einstweilige Verfügung gegen Hildmann. Bei Wiederholung der Beleidigung drohen ihm in Deutschland in jedem Fall 250.000 Euro Ordnungsgeld oder ersatzweise eine Ordnungshaft von sechs Monaten.<ref>Hildmann droht hohes Ordnungsgeld In: www.tagesschau.de. 27. Juli 2021, abgerufen am 3. April 2026 (nicht mehr online verfügbar).</ref>
Im Juli 2021 behauptete Hildmann in einem YouTube-Video, die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sei von der „Firma BRD“ durch „Cloud Seeding“ mutwillig herbeigeführt. Um den Starkregen auszulösen, seien die Wolken mit Silberiodid versetzt worden. Gleichzeitig startete Hildmann einen Aufruf, Geld auf sein Konto mit dem Verwendungszweck „Echtes Hochwasser“ zu überweisen, und versicherte, dass das Geld den Opfern zugutekomme.<ref>Verschwörungserzähler Hildmann ruft zu Spenden für Flutopfer auf. In: berliner-zeitung.de. 22. Juli 2021, abgerufen am 2. November 2021.</ref>
Im September 2021 wurde Hildmann Opfer einer Cyberattacke durch das Anonymous-Kollektiv, das mit Hilfe eines Insiders Zugang zu seinen Internetseiten, E-Mails und Telegram-Profilen erlangte. Der Whistleblower, der sich „Kai“ nennt, war für Hildmanns IT-Sicherheit zuständig gewesen. Hildmann sprach von einer „Überläuferaktion“. Anonymous kündigte an, die erbeuteten Daten an Behörden und Medien weiterzuleiten.<ref>Thomas Wolf: Anonymous kapert Webseiten und Social Media Kanäle von Attila Hildmann inklusive persönlichen und Kundendaten. In: wintouch.de. 13. September 2021, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 14. September 2021. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref><ref>Hacker erbeuten mit Insider-Hilfe Daten von Attila Hildmann. In: tagesspiegel.de. Abgerufen am 13. September 2021.</ref>
Hildmanns Hauptsprachrohr war lange Zeit Telegram, wo er seine oftmals antisemitischen Ansichten offen teilte. Nach einer öffentlichen Debatte und Druck des Bundesinnenministeriums sperrte Telegram die Kanäle des Verschwörungsideologen im Februar 2022.<ref>Hauptkanäle für Nutzer gelöscht – Telegram sperrt Attila Hildmann. In: n-tv.de. 9. Februar 2022, abgerufen am 5. März 2023.</ref>
Den russischen Überfall auf die Ukraine hält Hildmann für „inszeniert“ mit dem Ziel, einen großen Staat Israel zu schaffen.<ref>Hildmann und Wendler toben wegen Naidoo In: n-tv.de. 20. April 2022, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Laut dem Magazin Stern (Oktober 2022) lenkt Hildmann eine geschlossene private Unterstützergruppe auf dem Messengerdienst Telegram. Dort forderte Hildmann seine Anhänger auf, antisemitische Flugblätter in Deutschland zu verteilen; Vordrucke stellte er ihnen kostenlos zum Download zur Verfügung. Zudem schrieb er, unter seiner Führung werde es „kein zweites 1945 geben“. Gemeinsam mit einer Gruppe von Hobbydetektiven, die sich Hildbusters nennen, spürten Stern-Reporter Hildmann im Oktober 2022 in der Türkei auf.<ref>Reporter spüren gesuchten Attila Hildmann auf In: n-tv.de. 27. Oktober 2022, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Ebenfalls im Oktober 2022 erklärte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft gegenüber dem Stern – entgegen früheren Verlautbarungen –, dass Hildmann doch nicht die türkische Staatsbürgerschaft besitze. Damit wäre eine Auslieferung an Deutschland möglich.<ref name="stern-32823840" /> Im April 2023 teilte die türkische Botschaft jedoch mit, dass Hildmann die türkische Staatsbürgerschaft besäße und daher nicht ausgeliefert würde.<ref>Türkei liefert Hildmann nicht aus. In: tagesschau.de. 20. April 2023, abgerufen am 20. April 2023.</ref>
Eine dem ARD-faktenfinder vorliegende Auswertung von Hildmanns Kanälen (April 2023) ergab, dass Hildmann auf Telegram unter seinem Klarnamen wie auch Pseudonymen mindestens 25 Kanäle betreibt, davon wurden einschließlich seines Hauptkanals lediglich sechs gesperrt.<ref>Carla Reveland: Dutzende Hildmann-Accounts weiter verfügbar In: tagesschau.de. 12. April 2023, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel Anfang Oktober 2023 bezeichnete sich Hildmann auf Telegram als „Hamas-Fan Nummer 1“ und feierte Angriffe auf Juden. Laut Josef Holnburger von CeMAS betreibt Hildmann auf Telegram mindestens 30 Kanäle und erschafft sich eine „Pseudoreichweite“ mit hohen Aufrufzahlen. Holnburger schätzte seine Reichweite auf 5000 bis 8000 Accounts.<ref>Yannick von Eisenhart Rothe: Judenhass im Minutentakt In: t-online.de. 30. Oktober 2023, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Negativ-Auszeichnungen
Hildmann wurde vom Stadtmagazin tip im Rahmen einer jährlich erstellten Liste als „peinlichster Berliner“ 2017 ausgezeichnet. Zuvor hatte er bei einem Testessen für Journalisten versprochen, ein Steak zu essen, wenn seine Küche nicht überzeuge. Er brachte dann ein lebendiges Kalb, das die Journalisten schlachten sollten.<ref>Norbert Koch-Klaucke: Die peinlichsten Berliner 2017: Vegan-Koch Attila Hildmann landet auf Platz 1. In: berliner-zeitung.de. 28. Dezember 2017, abgerufen am 2. August 2020.</ref>
Im Juni 2020 führte das Magazin tip Hildmann erneut im Rahmen ihrer Liste „Die peinlichsten Berliner*innen – Corona-Spezial: Das ist unsere Nerv-Elite“. Hildmann erzielte den ersten Platz, gefolgt von Ken Jebsen und Anselm Lenz.<ref>Die peinlichsten Berliner*innen: Corona-Spezial – das ist unsere Nerv-Elite. In: tip-berlin.de. 22. Juni 2020, abgerufen am 25. Juli 2020.</ref>
Veröffentlichungen
- Vegan-Kochbuch. Vol. 1. Shaker Media, Aachen 2009, ISBN 978-3-86858-217-8.
- Vegan-Kochbuch. Vol. 2. Shaker Media, Aachen 2009, ISBN 978-3-86858-502-5.
- Vegan-Kochbuch. Vol. 3. Books on Demand, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8423-3835-7.
- Vegan for Fun. Junge vegetarische Küche. Becker Joest Volk Verlag, Hilden 2011, ISBN 978-3-938100-71-4.
- Vegan for Fit. Attila Hildmanns 30-Tage-Challenge. Becker Joest Volk Verlag, Hilden 2012, ISBN 978-3-938100-81-3.
- Vegan for Youth. Die 60 Tage Attila Hildmann Triät. Becker Joest Volk Verlag, Hilden 2013, ISBN 978-3-938100-91-2.
- Vegan to Go: Schnell, einfach, lecker. Becker Joest Volk Verlag, Hilden 2014, ISBN 978-3-95453-101-1.
- Vegan for Starters. Die einfachsten und beliebtesten Rezepte aus 4 Kochbüchern. Becker Joest Volk Verlag, Hilden 2015, ISBN 978-3-95453-093-9.
- Vegan Italian Style. Moderne italienische Küche. Becker Joest Volk Verlag, Hilden 2015, ISBN 978-3-95453-111-0.
- Vegan smoothies, shakes, and ice cream. Becker Joest Volk Verlag, Hilden 2016, ISBN 978-3-95453-121-9.
Weblinks
Einzelnachweise
<references responsive > <ref name="faz20210225">„Derzeit in der Türkei“. In: faz.de. 25. März 2021, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 9. August 2022. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> <ref name="stern-32823840">Tina Kaiser: Fehler der Staatsanwaltschaft: Attila Hildmann hat doch nicht die türkische Staatsbürgerschaft. In: stern.de. 18. Oktober 2022, abgerufen am 18. Oktober 2022.</ref> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hildmann, Attila |
| ALTERNATIVNAMEN | Hildmann, Attila Klaus Peter (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-türkischer Autor von Kochbüchern veganer Gerichte, Verbreiter von Verschwörungstheorien zur COVID-Pandemie |
| GEBURTSDATUM | 22. April 1981 |
| GEBURTSORT | West-Berlin |
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- Mann
- Deutscher Emigrant in der Türkei