Birkensaft
Birkensaft (auch Birkenwasser) ist eine klare, farblose Flüssigkeit, die im Frühjahr aus der Birke, insbesondere der Hänge-Birke, abgezapft werden kann. Der Saft tritt auch natürlich aus Wunden der Rinde aus, zum Beispiel tritt er im Frühling an Stümpfen aus und wird von Fliegen und Schmetterlingen aufgesaugt.
Geschmack und Haltbarkeit
Der Birkensaft hat einen leicht süßlichen, nicht sehr intensiven Geschmack und kann pur getrunken oder nach verschiedenen Rezepturen vergoren werden. Die Haltbarkeit des unbehandelten Saftes beträgt gekühlt wenige Tage.<ref name="Brigitte" />
Gewinnung
Das Abzapfen des Birkensaftes erfolgt später als beim Ahornsaft, wenn der Bodenfrost bereits verschwunden ist, meist im April.<ref name="Gesundheit" /> Ansonsten erfolgt die Saftgewinnung genauso wie beim Ahornsaft. Eine dicke Birke mit 50 Zentimeter Brusthöhendurchmesser liefert bis zu 10 Liter Birkensaft pro Tag, bis zu 200 Liter in einem Jahr,<ref name="Gesundheit" /> abhängig von Wetter und Bohrung. Es wird empfohlen, höchstens 5 Liter pro Tag pro Baum zu zapfen.<ref name="telekom" /> Der Saftfluss hält maximal zwei Wochen an. Angezapfte Bäume sollten sich anschließend mindestens zwei Jahre lang erholen können.<ref name="telekom" />
Für die Gewinnung reicht es, etwa fünf Zentimeter tief durch die Rinde zu bohren, mit einem Durchmesser von rund zwei Zentimetern.<ref name="telekom" /> Statt des Stammes können große Äste nahe am Stamm auf der Astunterseite angebohrt werden, was ebenso viel Saft liefert wie am Stamm, doch dem Baum weniger schadet. Auch die Wurzeln können angebohrt werden.<ref name="Gesundheit">Was Birkenwasser für die Gesundheit tut. In: Gesundheit.de. Alliance Healthcare Deutschland AG, 12. Mai 2016, abgerufen am 13. November 2017.</ref> Das Beschneiden der Zweige ist zur Gewinnung auch möglich. Dabei werden die Zweige in eine Flasche gesteckt und der Saft auf diese Art aufgefangen.
Nach dem Zapfen ist die Bohrung mit Baumwachs zu verschließen, um einer Ausblutung des Baums vorzubeugen.<ref name="telekom" />
Zusammensetzung
Birkensaft enthält 17 Aminosäuren,<ref name=" Ahtonen ">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Mineralien, Enzyme, Proteine, Betulin,<ref>http://www2.publicationsduquebec.gouv.qc.ca/essences/arbre.php?id=98</ref><ref name=" Bouchet">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>http://www.santenatureinnovation.com/la-seve-de-bouleau-est-deja-la/</ref> Antioxidantien,<ref name="Demirci">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> und Vitamine (B und C).<ref name="Demirci" /> Von Natur aus hat Birkensaft zwischen 0,5 % und 2,0 % Zucker (davon ca. 45 % Fructose, 45 % Glucose und 10 % Saccharose).<ref name="Kallio">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Xylit, auch Birkenzucker genannt, ist in Birkensaft nicht enthalten, kann aber aus Birkenrinde und aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Maiskolben bei Temperaturen von 200 °C und unter Einsatz von Schwefelsäure gewonnen werden.
Verbreitung
Waldarbeiter schätzten früher den Birkensaft als Trinkquelle. Die Germanen sollen ihm eine heilende Wirkung zugesprochen haben.<ref name="eat">Die Heilkraft von Birkensaft. Entgiftet und stärkt das Immunsystem. In: Eat Smarter. Abgerufen am 13. November 2017.</ref>
In ländlichen Gegenden Osteuropas, in Skandinavien, in der Ukraine, in Russland und im Norden Chinas<ref name="Gesundheit" /> wird Birkensaft gezapft.<ref name="Brigitte">Susanne Gerlach: Birkensaft – Energie aus dem Baumstamm. In: Brigitte, 18. Februar 2015, abgerufen am 19. März 2016.</ref> Birkensaft wird in einigen Ländern Osteuropas auch kommerziell vermarktet.
Medizin
Dem Birkenwasser werden etliche gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt, die wissenschaftlich nicht erforscht sind.<ref name="Gesundheit" /> Der Saft hat einen geringen physiologischen Brennwert, 100 Gramm enthalten etwa 21 kJ (= 5 kcal).<ref name="Gesundheit" /><ref name="telekom">rk (CF): Birkensaft: Das gesunde Naturprodukt kurz vorgestellt. Getränk mit Heilwirkung. Ströer Digital Publishing GmbH, 14. Juli 2016, abgerufen am 14. November 2017.</ref> In der Volksmedizin gilt er als hilfreich u. a. bei Gicht, Rheumatismus und Haarausfall. Auch als Mittel gegen Schuppen soll das Birkenwasser hilfreich sein.<ref>Birkensaft: Haarschuppen. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. August 2019; abgerufen am 27. August 2019.</ref> Birkenwasser gilt als entzündungshemmend und cholesterinsenkend.<ref name="Gesundheit" /> Eine vermeintliche entgiftende und entschlackende Wirkung soll vorbeugend gegen Cellulite oder Hautunreinheiten wirken.<ref name="woman">Sophie Hase: Birkensaft: Die Wunderwaffe der Models. Kokoswasser hat ausgedient. Die neue Wellness-Wunderwaffe heißt Birkensaft. Warum der Birkensaft das aktuelle Beauty-Elixier der Top-Models ist. news networld internetservice GmbH, 21. Oktober 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. November 2017; abgerufen am 14. November 2017.</ref> Auf Birkenwasser muss bei Ödemen in Folge von Herzschwäche oder Niereninsuffizienz verzichtet werden sowie bei Darmentzündungen, da der Birkensaft Saponine enthält (Saponine sollen im Darm zur Steigerung der Stoffaufnahme beitragen).<ref>Traditionelles Heilmittel. Abgerufen am 26. Januar 2019.</ref>
Siehe auch
Literatur
- Enrico Sehm: Birkensaft – Das Gesundheitselixier aus der Natur, Books on Demand, 2007, ISBN 978-3-8334-9699-8
Weblinks
- Birke mit Anleitung zur Gewinnung
Einzelnachweise
<references />