Cyclone-Bahnrennmaschine
Die Cyclone-Bahnrennmaschine (1914–1915) war ein Rennmotorrad der Joerns Motor Manufacturing Company, Saint Paul, Minnesota.<ref name="Tragatsch">Erwin Tragatsch: Alle Motorräder, 1894 bis heute. Motorbuch Verlag Stuttgart, ISBN 3-87943-410-7. S. 120.</ref> Die Cyclone gilt als das fortschrittlichste Rennmotorrad seiner Zeit; eine obenliegende Nockenwelle je Zylinder, angetrieben durch zwei Königswellen, war für die damalige Zeit einmalig.<ref name="Guggenheim">The Art Of The Motorcycle. Guggenheim Museum, Las Vegas, ISBN 0-89207-207-5. S. 120.</ref>
Entwicklung und Technik
Andrew Strand (1880–1970) konstruierte den 996 cm³ großen 42-Grad-V-Zweizylinder-Königswellenmotor.<ref name="Tragatsch" /> Die Königswelle des vorderen Zylinders wurde von der Kurbelwelle mit halber Drehzahl über Kegelräder angetrieben, sie trieb die Welle des hinteren Zylinders über ein Kegelradpaar an; die zweite Königswelle betätigte auch die Ölpumpe und trieb über eine weitere Königswelle den Zündmagneten.<ref name="Enzy">Enzyklopädie des Motorrads. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-142-2, S. 126.</ref> Dieser Motor hatte, im Gegensatz zu dem der Indian-Bahnrennmaschine, halbkugelförmige Brennräume.<ref name="Guggenheim" /> Der Motor mit einer Verdichtung von 5,5 : 1 leistete 45 hp (34 kW) bei 5000 Umdrehungen pro Minute.<ref name="Guggenheim" /> Die Höchstgeschwindigkeit des Bahnrenners wird mit 110 mph (177 km/h) angegeben.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />theworldofmotorcycles.com ( vom 4. Februar 2012 im Internet Archive) Cyclone (abgerufen am 20. November 2011)</ref> In den unten offenen Einrohrrahmen war der Motor mittragend integriert; das komplette Motorrad wog nur 121 kg.<ref name="Enzy" /> Das Motorrad hatte, wie bei Bahnrennmaschinen üblich, keine Bremsen. Die Geschwindigkeit wurde durch Unterbrechen der Zündung vermindert, gestartet wurde der Motor durch Antreten mit Pedalen.
Rennen und Rekord
1914 erschien die Cyclone auf der Rennstrecke und hatte nach den ersten Erfolgen den Ruf „yellow speed demon“ inne. Bedingt durch mechanische Defekte – die Cyclone war nur bei Kurzstrecken erfolgreich – wurde 1915 die Produktion eingestellt.<ref name="Guggenheim" /> 1916 soll noch eine Version der Cyclone erschienen sein, deren Zylinderkopf insbesondere zur Schmierung der Kipphebel überarbeitet worden war.<ref name="Enzy" />
Die nur in Gelb erhältliche Cyclone wurde auch in einer käuflichen Straßenversion (1913–1916) mit höherem Lenker und Gepäckträger zum Preis von 350 US-Dollar angeboten. Der kommerzielle Erfolg blieb jedoch aus,<ref name="Tragatsch" /> sodass Ende 1916<ref name="Enzy" /> bzw. 1917<ref name="Tragatsch" /> Joerns Motor Manufacturing die Produktion einstellte und die Firma aufgelöst wurde.
Wie viele Straßenmodelle (von den Bahnrennmaschinen angeblich nur ein Dutzend) gebaut und verkauft wurden, ist fraglich. Weltweit sollen heute noch sechs Cyclone existieren.<ref>Cyclone for sale. In: thevintagegent.blogspot.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. Februar 2012; abgerufen am 20. November 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Eine Cyclone-Bahnrennmaschine von 1914 wurde 2008 für umgerechnet 430.000 Euro versteigert, bis dahin der höchste Preis, den je ein Motorrad erzielte.<ref>Motorrad-Versteigerung: Dampf im Kesselchen. In: Spiegel online. 7. November 2011.</ref> Am 4. Februar 2012 wurde eine der wenigen Cyclone bei einem Überfall in Bel Air gestohlen.<ref>Home Invasion Robbers Steal 2 Motorcycles Worth $1.5 M From Bel Air Estates Home. In: cbsnews.com. 4. Februar 2012, abgerufen am 15. August 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />