Occupy Wall Street
ref=)Occupy Wall Street (englisch für „Besetzt die Wall Street“; abgekürzt auch OWS) war Ende 2011 die größte Protestbewegung in Nordamerika, die angeregt durch die sich rasch verbreitenden weltweiten Aufrufe im Internet im Zuge der Proteste in Spanien 2011/2012, des Arabischen Frühlings und der kanadischen Adbusters Media Foundation entstanden ist.<ref>Abdullah Al Shayji: Arab Spring inspires protests against corporate greed. In: gulfnews.com. 15. September 2018, abgerufen am 1. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>„Occupy Wall Street“: Geht die „Zeit des homo ignorans“ zu Ende? In: Welt Online. Abgerufen am 1. Mai 2025.</ref><ref>Sonia Rothwell: Where now for the Occupy protesters? In: channel4.com. 4. November 2011, abgerufen am 1. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die zentralen Forderungen der Bewegung waren eine stärkere Kontrolle des Banken- und Finanzsektors durch die Politik, die Verringerung des Einflusses der Wirtschaft auf politische Entscheidungen und die Reduzierung der sozialen Ungleichheit zwischen arm und reich.<ref>Dossier Finanzmärkte: Die Occupy-Bewegung. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 27. November 2016.</ref> Die Parkbesetzung hatte wie die Bewegung von Beginn an einflussreiche Fürsprecher, so etwa Nancy Pelosi, Michael Bloomberg und die Ökonomen Jeffrey Sachs und Joseph E. Stiglitz.
Kalle Lasn, Gründer von Adbusters, und sein Chefredakteur Micah White initiierten erste Aktionen über soziale Netzwerke im Juni 2011. Im Gefolge wurden der Zuccotti Park in Lower Manhattan in New York City von Demonstranten besetzt und auf den früheren Namen Liberty Plaza Park provisorisch wieder umbenannt sowie ein Zeltdorf darauf errichtet.<ref>Ursprünglicher Name des Platzes vor dem 11. September 2001 war Liberty Plaza Park</ref> Dies geschah ausdrücklich mit Bezug auf die Besetzung des Tahrir-Platzes in Ägypten während des Arabischen Frühlings. Parallel registrierte Adbuster OccupyWallStreet.org als zugehörige Webadresse.<ref name="preoccupied">Mattathias Schwartz: Pre-Occupied. In: newyorker.com. 28. November 2011, abgerufen am 29. Mai 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="Fleming">Andrew Fleming: Adbusters sparks Wall Street protest Vancouver-based activists behind street actions in the U.S. In: The Vancouver Courier. 27. September 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Oktober 2012; abgerufen am 30. September 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die zunächst nur auf die Abonnenten der Zeitschrift Adbusters begrenzte Aktion verbreitete sich weltweit.
Verlauf
Vorbereitung
Die Bewegung begann mit einem Aufruf, am 17. September 2011 den Zuccotti Park mit Zelten zu besetzen:
“#OCCUPYWALLSTREET. Are you ready for a Tahrir moment? On Sept 17, flood into lower Manhattan, set up tents, kitchens, peaceful barricades and occupy Wall Street.”
„#OCCUPYWALLSTREET. Seid ihr bereit für einen Tahrir-Moment? Strömt am 17. September nach Lower Manhattan, baut Zelte, Küchen, friedliche Barrikaden und besetzt die Wall Street.“
Am 9. Juli wurde der Blog occupywallstreet.org von der Adbusters Media Foundation und 14. Juli die Domain occupywallst.org anonym registriert. Relativ früh ließ sich auch die Aktivistin Alexa O’Brien mit ihrem Projekt eines US Day of Rage („US-Tag des Zorns“) in die Vorbereitungen einbinden und am 23. August erklärte das Hackerkollektiv Anonymous, die Aktion unterstützen zu wollen.<ref name="anonymous-joins" /> Ab dem 2. August fanden wöchentliche Versammlungen einer „General Assembly“ (GA, „Allgemeine Versammlung“) statt, in der sich – ohne eine Hierarchie aufzubauen – alle trafen, die konsensbasiert die Besetzung der Wall Street vorbereiten wollten. Beteiligt war bei diesen Treffen auch eine Gruppe namens „New Yorkers Against Budget Cuts“ („New Yorker gegen Budgetkürzungen“), die zuvor schon eine dreiwöchige Besetzungsaktion durchgeführt hatte, die, in Anspielung auf den zu der Zeit amtierenden Bürgermeister von New York Michael Bloomberg, Bloombergville genannt wurde.<ref>Bloombergville. Abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref><ref name="Schneider">Nathan Schneider: „This is Just Practice“ The Story of The Wall Street Occupation. In: Nation of Change. 24. September 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. September 2011; abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref>
Beginn der Proteste
Als die eigentlichen Proteste am 17. September begannen, nahmen am ersten Tag etwa 1.000 Menschen teil. Das Errichten von Zelten im Zucotti Park wurde von der New Yorker Polizei zunächst untersagt; später erlaubte sie es dann doch.<ref>Nancy Scola: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />For the anti-corporate Occupy Wall Street demonstrators, the semi-corporate status of Zuccotti Park may be a boon ( vom 4. Dezember 2011 im Internet Archive), capitalnewyork.com, 2. Oktober 2011.</ref> Zuvor hatte Bürgermeister Bloomberg auf einer Pressekonferenz gesagt:
„Die Menschen haben das Recht zu protestieren, und wenn sie protestieren wollen, stellen wir gerne sicher, dass sie auch einen Ort dafür finden. Solange sie es dort tun, wo Rechte anderer respektiert werden, so ist dies der Ort, wo Leute sagen können, was sie denken. Und das ist es, was New York New York sein lässt.“
Pfefferspray-Zwischenfall
In der folgenden Woche berichteten einige Medien von den andauernden Protesten, darunter der Guardian und die New York Times. Insgesamt blieb das Medienecho zunächst verhalten, bis es am 24. September zu mehreren Zwischenfällen kam: an diesem Tag zog eine Gruppe von Demonstranten nach Norden in Richtung Union Square und blockierte dabei einige Straßen. Daraufhin nahm die Polizei 80 Demonstranten fest; dabei wurden mehrere Gruppen von Demonstranten mit orangefarbenen Netzen eingeschlossen – eine Polizeitaktik, die dem deutschen Polizeikessel ähnelt.<ref>Colin Moynihan: 80 Arrested as Financial District Protest Moves North. In: New York Times vom 24. September 2011. Abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref>
Unter Umständen, die von Polizei und Demonstranten unterschiedlich dargestellt wurden, gebrauchte einer der Polizisten gegen Frauen einer kleinen so eingezäunten Gruppe Pfefferspray. Dieser durch Videos dokumentierte Einsatz (man sieht, wie eine der Frauen schreiend zusammenbricht) wurde Gegenstand heftiger Kritik in den Medien.<ref>Peaceful Female Protestors Penned In The Street And Maced. – YouTube-Video; abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> Nachdem weitere Videos auftauchten, die insbesondere einen Polizeioffizier zeigten, der mehrfach Pfefferspray gebrauchte, ohne dass rechtfertigende Umstände dafür auf den Videos erkennbar wären, wurde gegen diesen eine Untersuchung eingeleitet.
Das war möglich, nachdem mit Hilfe von Anonymous der betreffende Beamte namentlich bekannt gemacht wurde.<ref>Elinor Mills: Anonymous exposes info of alleged pepper spray cop. In: cnet News, 26. September 2011. Abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref><ref>Occupy Wall Street: inquiries launched as new pepper-spray video emerges. In: Guardian. 28. September</ref>
Als Reaktion auf diese Zwischenfälle drohte die Gruppe Anonymous damit, die Websites der New Yorker Polizei anzugreifen, falls man in den nächsten 36 Stunden von weiteren Übergriffen höre, wobei der Startzeitpunkt dieses „Ultimatums“ nicht klar war.<ref>Christopher Mathias: Anonymous Threatens NYPD After Alleged Police Brutality During #OccupyWallStreet Protests. In: The Huffington Post. 27. September 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref>
Blockade der Brooklyn Bridge
Am 1. Oktober 2011 nahm die Polizei über 700 Personen fest, nachdem eine Gruppe von Demonstranten über die Brooklyn Bridge zog. Nach Aussage der Polizei hatten die Demonstranten den Fußgängerweg verlassen und seien von der Polizei mehrfach gewarnt worden, dass eine Fortsetzung des Weges auf der Fahrbahn Verhaftungen nach sich ziehen würde. Demonstranten sagten dagegen, sie seien von der Polizei auf die Fahrbahn geleitet worden und hätten keine Warnung erhalten.<ref>Florian Rötzer: Gegenkraft zur Tea-Party-Bewegung. In: Telepolis. Abgerufen am 3. Oktober 2011.</ref><ref>Al Baker, Colin Moynihan, Sarah Maslin Nir: Police Arrest More Than 700 Protesters on Brooklyn Bridge. In: New York Times. Abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref>
Aus einem Bericht des Guardian und den dort wiedergegebenen Aussagen von Teilnehmern der Demonstration scheint zunächst eine Gruppe von Demonstranten die Fahrbahn betreten zu haben, wo sie auf eine Polizeikette stieß und gewarnt wurde. Mit dem Ruf „Take the bridge!“ habe diese Gruppe von Demonstranten weitergedrängt, worauf die Polizei den Widerstand aufgab und dem Demonstrationszug auf die Brücke voranging. Die weiter hinten nachkommenden Demonstranten hätten die Warnung nicht hören und so tatsächlich den Eindruck gewinnen können, dass die Polizei den Zug über die Brücke freigegeben oder sogar geleitet hätte. Nachdem eine größere Zahl von Demonstranten auf der Brücke war, wurde der Zug aufgehalten. Die auf der Brücke Befindlichen wurden am Zurückweichen gehindert und nach und nach festgenommen. Da Festnahmen und Abtransport längere Zeit in Anspruch nahmen, kam der Verkehr über die Brooklyn Bridge für mehrere Stunden zum Erliegen. Die etwa 700 Verhafteten wurden auf mehrere Polizeireviere verteilt und nach Feststellung ihrer Personalien größtenteils mit einer gerichtlichen Vorladung entlassen.<ref>Matt Wells: Occupy Wall Street – the story of the Brooklyn Bridge ‘trap’. In: The Guardian. 3. Oktober 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref>
Gewerkschaftsmarsch
Am 5. Oktober fand die bislang größte Demonstration mit Unterstützung und Beteiligung zahlreicher Gewerkschaften statt. Die Schätzungen der Teilnehmerzahl bewegen sich zwischen 5.000 und 15.000. Die Demonstration bewegte sich vom Foley Square zum Zuccotti Park und verlief friedlich, erst am Abend kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, als einzelne Demonstranten versuchten, zu den abgesperrten Bereichen der Wall Street vorzudringen. Dabei wurde erneut Pfefferspray eingesetzt, und einzelne Demonstranten wurden verhaftet.<ref>Matt Wells, Karen McVeigh: Occupy Wall Street: thousands march in New York. In: The Guardian. 5. Oktober 2011, abgerufen am 10. Oktober 2011.</ref>
Schwerverletzter in Oakland
Am 25. Oktober ging die Polizei im kalifornischen Oakland mit Tränengas und Bean-Bag-Munition gegen Demonstranten vor, als sie versuchte, einen zuvor geräumten Platz freizuhalten. Scott Olsen, ein 24-jähriger Demonstrant erlitt dabei ein Schädel-Hirn-Trauma, war zwölf Stunden bewusstlos und musste intensivmedizinisch behandelt werden. Nach Angaben der Demonstranten war der Irak-Veteran, der sich während der Demonstration friedlich verhalten hatte, von einem Tränengasbehälter am Kopf getroffen worden. Die Vereinigung Iraq Veterans Against the War sprach von einem „Polizeiprojektil“.<ref>„Occupy-Wall-Street“-Proteste – Demonstrant in Oakland schwer verletzt. In: Süddeutsche Zeitung. 27. Oktober 2011, abgerufen am 27. Oktober 2011.</ref><ref>Anti-Banken-Bewegung: Demonstrant bei Polizei-Aktion schwer verletzt. In: Spiegel Online. 27. Oktober 2011, abgerufen am 27. Oktober 2011.</ref><ref>Homepage. Iraq Veterans Against the War, 27. Oktober 2011, abgerufen am 27. Oktober 2011.</ref> Die kalifornische Kongressabgeordnete Barbara Lee bezeichnete die Handlungsweise der Polizei als Überreaktion und kündigte eine unabhängige Untersuchung an.
In Oakland kam es zu einer Mahnwache, in New York zu einer Solidaritätskundgebung.<ref>Hurt protester Scott Olsen was ‘provoking no one’. In: San Francisco Chronicle online. 28. Oktober 2011, abgerufen am 28. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>CBS am 28. Oktober 2011: Lawmaker: Oakland police overreacted to „Occupy“. Abgerufen am 28. Oktober 2011.</ref> In der Folge eskalierten die Proteste in Oakland bis hin zur zeitweiligen Schließung des dortigen Industriehafens, der am 2. November von mehreren tausend Demonstranten besetzt wurde.<ref>US-Polizei feuert Tränengas auf „Occupy“-Demonstranten. In: Spiegel Online. 3. November 2011, abgerufen am 12. November 2011.</ref>
Konkrete Wirkung
Zahlreiche Occupy-Gruppen nahmen an „Move Your Money“-Aktionen teil, bei denen Bürger ihre Guthaben bei durch die Finanzkrisen unbeliebt gewordenen Geschäftsbanken auf Konten von Genossenschaftsbanken übertrugen, v. a. beim Bank Transfer Day am für Occupyer symbolträchtigen 5. November 2011 (Guy Fawkes Night).
Im Herbst 2012 begann eine Gruppe OWS-Aktivisten die Aktion Rolling Jubilee, bei der mittels Spenden von über 590.000 US-Dollar Schuldtitel überschuldeter Privatleute billigst aufgekauft wurden, wodurch fast 12 Mio. US-Dollar Schulden getilgt wurden. Eric T. Hansen lobte dies als die sinnvollste Aktion von OWS.<ref>über Rolling Jubilee. Zeit Online, November 2012</ref>
Zahlreiche Occupy Camps nahmen obdachlose Menschen mit auf und waren dadurch deren Winterquartier 2011/12.
Räumungen von Protestcamps und Day of Action
Im November wurden Protestcamps zunächst in Portland und Oakland, in der Nacht zum 15. November 2011 auch das der Bewegung zugrundeliegende im New Yorker Zuccotti Park polizeilich geräumt. Die Behörden begründeten ihr Vorgehen mit intolerablen hygienischen Zuständen und mit Straftaten, die in den Camps verübt worden seien. Nach den Aussagen Beteiligter drängte die Polizei in New York Kamerateams von Journalisten ab, setzte Tränengas ein und zerstörte Eigentum von Demonstranten.<ref>New Yorker Polizei räumt Occupy-Protestcamp. In: Zeit Online. 15. November 2011, abgerufen am 15. November 2011.</ref><ref>Camp geräumt: Wall-Street-Demonstranten sind heimatlos. In: Focus Online. 15. November 2011, abgerufen am 15. November 2011.</ref> Noch am selben Tag kehrten die Aktivisten zurück, denen zwar das Übernachten mit Campingausrüstung, nicht aber das Betreten des Parks verboten worden war.<ref>Occupy-Aktivisten kehren in New Yorker Park zurück. In: Spiegel Online. 16. November 2011, abgerufen am 16. November 2011.</ref> Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman schätzte die Räumung, die zu erneuter Aufmerksamkeit der Medien führte, sogar als Sympathieerfolg für die Occupy-Bewegung ein, die auch vor der Aussicht bewahrt worden sei, mit Einbrechen des Winters an Zulauf in ihrem zentralen Camp zu verlieren.<ref>Re-Occupy Wall Street. In: Zeit Online. 16. November 2011, abgerufen am 16. November 2011.</ref>
Zwei Tage später, genau zwei Monate nach der erstmaligen Besetzung des Zuccotti Park und noch unter dem Eindruck seiner kürzlichen Räumung, riefen die Aktivisten einen Day of Action (Deutsch: Aktionstag oder Tag des Handelns) aus und versuchten unter anderem, den Zugang zur New Yorker Börse zu blockieren, ein Vorhaben, das von der Polizei verhindert wurde. Dabei kam es zu mindestens 250 Festnahmen und gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen die New Yorker Polizei auch gegen Journalisten vorging. Das Committee to Protect Journalists äußerte sich kritisch und besorgt über die durch Festnahmen ihrer Kollegen vorgenommene Behinderung der Berichterstattung. In anderen amerikanischen Städten kam es zu weitgehend friedlichen Protesten.<ref>Süddeutsche Zeitung am 18. November 2011: Hunderte Occupy-Anhänger nach Ausschreitungen festgenommen. Abgerufen am 18. November 2011.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>
Der Soziologe und Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer meinte zur Vorgehensweise der US-Behörden:<ref>Eliten sind Teil des Problems. Interview mit Wilhelm Heitmeyer. Frankfurter Rundschau, 3. Juni 2012.</ref>
„Gegen Ansätze wie die Occupy-Bewegung ist die Staatsmacht, speziell in den USA, mit einer martialischen Kontrolldrohung vorgegangen, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Ich konnte das in New York selbst beobachten. Das ist die praktizierte staatliche Verlängerung des autoritären Kapitalismus. Und das Signal gerade an junge Leute ist klar: »Bewegt euch ja nicht! Sonst kriegt ihr richtig Ärger.«“
Polizeiübergriff an der Universität von Kalifornien
Am 18. November 2011 gingen zwei Polizisten auf dem Gelände der University of California in Davis aus geringerer als der empfohlenen Distanz mit Pfefferspray gegen friedliche Demonstranten vor, um sie zur Aufgabe einer Sitzblockade zu zwingen. Elf Demonstranten mussten am Ort des Geschehens, zwei im Krankenhaus behandelt werden. Der Vorfall wurde gefilmt und innerhalb kurzer Zeit über das Internet weltweit bekannt. Die beiden Polizisten und ihr Vorgesetzter wurden suspendiert, und die Leiterin der Universität, Linda P.B. Katehi, entschuldigte sich bei den Studenten für den Vorfall.<ref>Das Netz rächt sich am Pfefferspray-Cop. In: Zeit Online. 24. November 2011, abgerufen am 25. November 2011.</ref><ref>Linda P.B. Katehi: Chancellor’s message to UC Davis students. 23. November 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. November 2011; abgerufen am 25. November 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Forderungen und Rezeption
Die Bewegung hat für sich keine konkreten Forderungen formuliert, was von Journalisten und Politikern oftmals mit der Komplexität der kritisierten Problematik begründet wurde. Deshalb wurde ihr unter anderem mangelnde Zielgerichtetheit vorgeworfen.<ref>spiegel.de</ref> Bei den bekannt gewordenen Forderungen, wie denen nach höheren Steuern für Wohlhabende oder einer Finanztransaktionssteuer, handelt es sich eher um Formulierungen Einzelner (hier z. B. aus den Äußerungen von Joseph E. Stiglitz<ref name="zeit" />), die von den Teilnehmern der Proteste mehr oder minder geteilt werden. Das gilt auch für Forderungslisten, die auf occupywallst.org gepostet wurden.<ref>No, There Is NOT a List of Official Demands from the Protesters. In: Zerohedge-Blog am 4. Oktober 2011. Abgerufen am 4. Oktober 2011. Beispiele: occupywallst.org, occupywallst.org</ref>
Eine weitere, besonders populär gewordene Forderung ist, dass Präsident Barack Obama eine Kommission einsetzen solle, um herauszufinden, welchen Einfluss Geld auf die politischen Repräsentanten in Washington hat.<ref>OCCUPYWALLSTREET. In: adbusters.org. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. November 2011; abgerufen am 3. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).: „[…] we demand that Barack Obama ordain a Presidential Commission tasked with ending the influence money has over our representatives in Washington.“</ref> Diese Forderung wurde seinerzeit auf der Website von Adbusters zusammen mit dem Occupy-Wallstreet-Aufruf veröffentlicht. Das macht sie allerdings nicht zu einer Forderung der Bewegung. Eine derartige „offizielle“ Liste von Forderungen könnte nur durch die „General Assembly“ (Generalversammlung) formuliert werden, und mehrere in unmittelbarem Kontakt zu den Demonstrationen stehende Blogger haben betont, dass es dergleichen nicht gibt.<ref name="Schneider" />
Der spätere Bundespräsident Joachim Gauck betrachtete die Kapitalismus-Kritik der Occupy-Bewegung vor dem Hintergrund des verstaatlichten Bankenwesens der DDR mit Skepsis. Mit dem Verweis auf seine Erfahrungen in der DDR als einem Staat, in dem die Banken besetzt waren, hielt er es für zweifelhaft, zu glauben, dass Einlagen sicherer wären, wenn die Politik die Finanzwirtschaft bestimmte.<ref>Umstrittene Äußerungen über Occupy und Sarrazin, Was Gauck wirklich gesagt hat, SZ 20. Februar 2012, 15:54 von Kathrin Haimerl</ref>
Medien der Bewegung
Die Bewegung hatte das Bewusstsein der US-Öffentlichkeit erreicht, nachdem US-Präsident Obama auf einer Pressekonferenz zu ihr befragt worden war.<ref>Brian Stelter: A News Story Is Growing With ‘Occupy’ Protests. In: The New York Times am 12. Oktober 2011. Abgerufen am 13. Oktober 2011.: „The data confirms an anecdotal sense that the movement, which slowly gained speed last month, entered the nation’s collective consciousness for the first time last week, when President Obama was asked about it at a news conference and when national television news programs were first anchored from the Wall Street protest site.“</ref>
Moderne Technik und neue Medien wurden von der Bewegung in großem Umfang eingesetzt. Die Koordinierung erfolgte über schnell installierte Websites, Netzwerke und soziale Medien wie Facebook und Twitter. Laptops und andere elektronische Geräte wurden verbreitet eingesetzt. Deswegen wurde auch schon die Glaubwürdigkeit der Bewegung angezweifelt: „OWS [Occupy Wall Street] besteht aus halbwegs gut situierten, meist jungen Weißen, die sich den Anschein geben, Opfer zu sein. Junge Leute mit iPhones, die 100 $ pro Monat kosten, teuren Kameras und Designerklamotten …“<ref>Eric Zorn: Occupy this comment thread! In: Chicago Tribune am 4. Oktober 2011. Abgerufen am 5. Oktober 2011.</ref>
Human Microphone
Bei den täglichen Versammlungen (Asambleas) auf der Liberty Plaza musste allerdings auf (Akustik-)Technik verzichtet werden: Die Stadtverwaltung hatte die Verwendung von Verstärkern und Megaphonen untersagt. Die Demonstranten bedienten sich einer auf den Namen „Human Microphone“ getauften Technik, um trotzdem eine Kommunikation stattfinden zu lassen. Jeder Beitrag eines Einzelnen wurde von einem Sprechchor wiederholt, sodass er auf dem ganzen Platz verstanden werden konnte.<ref name="taz_2011-10-04" /><ref name="the_nation_2011-10-03">We are all human Microphones now. Abgerufen am 3. Oktober 2011.</ref> Diese Technik verwendete auch Michael Moore, als er mit den Demonstranten sprach.<ref name="Moore" /> Das „Human Microphone“ bietet Vorteile: Durch die langsamere Vortragsweise ist es leichter, dem Redefluss des Sprechers zu folgen.<ref name="the_nation_2011-10-03" />
Occupied Wall Street Journal
Zu den von den Demonstranten zur Kommunikation ihrer Standpunkte und ihrer Situation verwendeten Medien gehörte eine eigene Zeitung, das Occupied Wall Street Journal, das am 1. Oktober erstmals mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren erschienen war, finanziert durch Spenden von Journalisten des Indypendent, einer New Yorker Internet-Publikation im Rahmen von Indymedia.<ref name="zeit" /><ref>Occupied Wall Street Journal Online-Ausgabe</ref>
„We are the 99 percent“
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Außerdem wurde in Zusammenhang mit occupywallst.org unter dem Slogan „We are the 99 percent“ („Wir sind die 99 Prozent“)<ref name="taz_2011-10-04">Dorothea Hahn: First we take Manhattan. In: taz Online vom 4. Oktober 2011. Abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> eine Tumblr-Seite ins Leben gerufen, die bis Mitte Oktober über 1200 Beiträge<ref>Occupy Wall Street Tumblr Blog Lets People Share Their Stories. In: About.com Webtrends. 17. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Oktober 2011; abgerufen am 17. Oktober 2011.</ref> sammelte, die jeweils aus dem Foto eines Schildes oder eines Zettels bestehen, in denen jemand seine Situation schildert, wobei eine Reihe von Themen immer wieder auftauchen: Verlust von Arbeit und Wohnung, fehlende Krankenversicherung und Perspektivlosigkeit akademisch Gebildeter, die gleichzeitig mit hohen Ausbildungsdarlehen belastet sind. Am Ende des Textes erschien dann jeweils der Slogan.<ref>Harry Bradford: ‘We Are The 99 Percent’: Stories Of The Great Recession’s Victims. In: The Huffington Post. Abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> „Wir sind die 99 Prozent“ wurde auch international und im deutschsprachigen Raum zum Slogan der „Occupy“-Proteste.<ref>Weltweite Proteste gegen die Macht der Banken. Deutschlandradio, 15. Oktober 2011, abgerufen am 17. Oktober 2011.</ref>
Unterstützer
Die Gruppe Anonymous hatte sich frühzeitig zu dem Projekt bekannt.<ref name="anonymous-joins">Anonymous Joins OCCUPYWALLSTREET. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. Oktober 2011; abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref>
Bereits am 17. September, dem ersten Tag der Proteste, sprach die Schauspielerin Roseanne Barr mit den auf der Liberty Plaza Versammelten. Auch die Schauspielerin Susan Sarandon besuchte die Demonstranten, und der Rapper Immortal Technique wurde häufig auf der Plaza gesehen.<ref>Interview with Susan Sarandon during her visit to the Occupy Wall Street Protestors. In: YouTube. Abgerufen am 5. Oktober 2011.</ref> Am 26. September kam der Aktivist und Filmemacher Michael Moore auf die Liberty Plaza, hielt eine Rede und äußerte große Erwartungen, die künftige Bedeutung dieser Proteste betreffend: „In hundert Jahren wird man sich daran erinnern, dass ihr zu diesem Platz kamt und diese Bewegung ins Leben gerufen habt.“<ref name="Moore">Michael Moore gives speech at Liberty Plaza for ’Occupy Wall Street’. In: mlive.com, 26. September. Abgerufen am 4. Oktober 2011.: „100 years from now people will remember that you came down to this plaza and started this movement.“</ref> Spike Lee, Barbara Ehrenreich und Slavoj Žižek sprachen ebenfalls vor den Demonstranten in New York.<ref name="Freitag1">Umringt von Mentoren. In: Der Freitag. 27. Oktober 2011, abgerufen am 28. Oktober 2011.</ref> Des Weiteren wurde die Occupy-Bewegung von der American Nazi Party und der American Communist Party unterstützt.<ref>businessinsider.com</ref> Auch die Globalisierungskritikerin Naomi Klein hielt dort am 6. Oktober eine Rede, die wegen der fehlenden Möglichkeiten zur akustischen Verstärkung kurz ausfiel und in einer längeren Version bei The Nation und im Occupied Wallstreet Journal sowie in einer deutschen Übersetzung in der Schweizer Wochenzeitung erschien. Klein verglich Occupy Wall Street mit den globalisierungskritischen Protesten, die 1999 die 3. WTO-Konferenz in Seattle verhinderten. Occupy Wall Street könne auch dank seiner Gewaltfreiheit länger bestehen als die damaligen Proteste und käme zu einem günstigeren Zeitpunkt. Über finanzpolitische Forderungen hinaus müssten grundlegende gesellschaftliche Werte verändert werden. Sie könne das nicht in eine einzige medienwirksame Formulierung verpacken, sei aber von einer Kultur gegenseitiger Anteilnahme unter den Demonstranten beeindruckt.<ref>Naomi Klein: Occupy Wall Street: The Most Important Thing in the World Now. In: The Nation. 6. Oktober 2011, abgerufen am 23. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Naomi Klein: Occupy Wall Street: Die wichtigste Sache der Welt. In: Die Wochenzeitung. 13. Oktober 2011, abgerufen am 23. Oktober 2011.</ref>
Auf einer hierfür eingerichteten Website erklärten sich etwa 1200 Autoren solidarisch mit der Occupy-Bewegung, unter ihnen Salman Rushdie, Margaret Atwood, Jonathan Lethem und Alice Walker.<ref name="Freitag1" />
Stéphane Hessel, Verfasser des Essays Empört Euch!, erklärte in einem Interview gegenüber Democracy Now! seine Unterstützung für die Protestaktion in New York City. In Graz sprach er bei einer Kundgebung anlässlich des internationalen Aktionstages am 15. Oktober zu den Demonstranten und bezog sich dort direkt auf den in den Vereinigten Staaten entstandenen Slogan „Wir sind die 99 Prozent“.<ref>„That is why I am so happy about what happens these days in Wall Street, because they’re indeed very peaceful. They are not throwing any bombs or any stones, but they’re there determined to see that their values are to be respected.“ Stéphane Hessel on Occupy Wall Street: Find the Time for Outrage When Your Values Are Not Respected. Democracy Now!, 10. Oktober 2011, abgerufen am 23. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="Wege aus der Krise, 15. Oktober, Aktionen in Ö" /><ref>„Hessel erinnerte an das, was Demonstranten gerade in New York skandierten: „Wir sind 99 Prozent!“ Es könne nicht so weiter gehen, dass manche Menschen 200 Millionen Dollar verdienten und ihnen das noch nicht genug sei, während andere mit zwei Dollar auskommen müssten.“Proteste in Graz. Tag der Empörung mit Stéphane Hessel. In: Der Standard. 16. Oktober 2011, abgerufen am 23. Oktober 2011.</ref>
Auch prominente Wissenschaftler unterstützen die Proteste, so die Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz<ref name="zeit">Eva Schweitzer: Solidarität mit den Protestierenden wächst. In: Die Zeit Online. 3. Oktober 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref><ref>Top-Ökonom solidarisiert sich mit US-Demonstranten. In: Süddeutsche Zeitung Online vom 3. Oktober 2011. Abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> und Paul Krugman,<ref name="zeit1">Frühling in Amerika. Die Anti-Wall-Street-Proteste greifen den Finanzkapitalismus an. In: Die Zeit, Nr. 41/2011</ref><ref>Paul Krugman: „The protesters’ indictment of Wall Street as a destructive force, economically and politically, is completely right.“ Paul Krugman: Confronting the Malefactors. In: The New York Times. 6. Oktober 2011, abgerufen am 9. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> der Linguist Noam Chomsky<ref>Noam Chomsky on the Wall Street Protests</ref> sowie der Philosoph Slavoj Žižek, die Literaturwissenschaftlerin Judith Butler, der Intellektuelle Cornel West<ref>democracynow.org</ref> und der Ökonom Richard D. Wolff, die jeweils zu den Demonstrierenden sprachen. Die These des Wirtschaftswissenschaftlers Simon Johnson vom „stillen Coup“, mit dem die Finanzindustrie die Macht in den Vereinigten Staaten übernommen habe, gilt als weitere Rechtfertigung der Proteste.<ref name="zeit1" /><ref>Simon Johnson: „But there’s a deeper and more disturbing similarity: elite business interests—financiers, in the case of the U.S.—played a central role in creating the crisis, making ever-larger gambles, with the implicit backing of the government, until the inevitable collapse. More alarming, they are now using their influence to prevent precisely the sorts of reforms that are needed, and fast, to pull the economy out of its nosedive. The government seems helpless, or unwilling, to act against them.“ Simon Johnson: The Quiet Coup. In: The Atlantic. Mai 2009, abgerufen am 9. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Sozialwissenschaftler Immanuel Wallerstein bezeichnet die Occupy-Wall-Street-Bewegung als „bedeutendstes politisches Ereignis in den USA seit den Aufständen von 1968“ und sieht in ihr deren direkte Fortsetzung. Sie sei sowohl durch Angriffe der politischen Rechten als auch durch den eigenen Erfolg gefährdet und befände sich in der schwierigen Lage, ihre Sichtweisen zwischen den Polen der Sektiererei und des Auseinanderfallens zu formulieren. Sie könne sowohl zu einer kurzfristigen Änderung der amerikanischen Regierungspolitik beitragen als auch langfristig das Denken der amerikanischen Gesellschaft verändern. Falls sie scheitere, habe sie bereits ein bleibendes Vermächtnis hinterlassen.<ref>Drei Phasen zur Anerkennung. In: Neues Deutschland. 22. Oktober 2011, abgerufen am 23. Oktober 2011.</ref><ref>The Fantastic Success of Occupy Wall Street. Immanuel Wallerstein, 15. Oktober 2011, abgerufen am 23. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Theoretische, wenn auch unbeabsichtigte Untermauerung erhält die Kritik der Occupy-Bewegung an der dominierenden Rolle der Finanzindustrie durch eine 2011 vorgestellte Studie der ETH Zürich, die Auswertungen einer Wirtschaftsdatenbank der OECD mit dem Stand von 2007 vornahm. Aus Informationen über 37 Millionen Unternehmen und Investoren weltweit gelang es, 43.000 international tätige Unternehmen zu identifizieren. Innerhalb dieser Gruppe konnte gezeigt werden, dass nur 147 überwiegend aus dem Banken- und Finanzsektor stammende Unternehmen, nach Umsätzen gerechnet, mehr als 40 Prozent der multinationalen Umsätze kontrollieren.<ref>Bezugnahme auf die Studie bei occupywallstreet.org am 23. Oktober 2011. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Dezember 2011; abgerufen am 25. Oktober 2011.</ref><ref>147 Finanzkonzerne regieren die Welt. Die ETH Zürich liefert das intellektuelle Basismaterial für die Occupy-Wall-Street-Bewegung. Sie zeigt, wie eine Gruppe von nur 147 Finanzkonzernen praktisch die gesamte Weltwirtschaft kontrolliert. In: Der Sonntag. 22. Oktober 2011, abgerufen am 25. Oktober 2011.</ref><ref>Frankfurter Rundschau, Printausgabe, 25. Oktober 2011: S. 12, 13 und kürzer online: 147 Unternehmen kontrollieren die Welt. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2011; abgerufen am 25. Oktober 2011.</ref><ref></ref>
Eine wichtige Quelle für Unterstützung sind neben Künstlern und Wissenschaftlern die Gewerkschaften, darunter die Amalgamated Transit Union, Transport Workers Union Local 100 und die United Federation of Teachers.<ref>Jason Kessler, Michael Martinez: Unions endorse, will join Occupy Wall Street protests. In: CNN, 5. Oktober 2011. Abgerufen am 5. Oktober 2011.</ref> Außerdem hat die Transport Workers Union of Greater New York dagegen protestiert, dass ihre Mitglieder dazu angehalten wurden, die zahlreichen Verhafteten des 1. Oktober von der Brooklyn Bridge zu transportieren. Sie reichte eine entsprechende Klage und Antrag auf Unterlassung ein, die allerdings abgewiesen wurden.<ref>Larry Neumeister: Judge won’t stop NYPD from busing protesters. In: Forbes, 5. Oktober 2011. Abgerufen am 5. Oktober 2011.</ref>
Unterstützung gibt es weiterhin von Nutzern von Bitcoin, einem Projekt, das die Einführung eines dezentralen elektronischen Geldes anstrebt, welches dem Einfluss von Banken und Zahlungsdienstleistern wie PayPal sowie den Nachteilen kreditbasierter Währungen entzogen ist.<ref>Occupy Wall Street Protesters Accepting Donations in Bitcoin; Big Test for the Controversial Virtual Currency New World Notes, 3. Oktober 2011.</ref>
Der venezolanische Präsident Hugo Chávez unterstützte die Protestierenden und kritisierte die Polizeigewalt<ref>reuters.com</ref> wie auch Russia Today mit übertriebener Berichterstattung die Bewegung aggressiv unterstützte.<ref>Micah White: I started Occupy Wall Street. Russia tried to co-opt me, The Guardian, 2. November 2017; "I remember how the state-owned RT television station (formerly Russia Today) aggressively supported the movement with hyperbolic coverage of police brutality."</ref>
Ausbreitung
Vereinigte Staaten
Obwohl New York das Zentrum der Proteste war, gab es danach in zahlreichen US-Städten zeitweise ähnlich ausgerichtete Demonstrationen.<ref name="WT-29-September">Adam Helfer: Occupy Wall Street protest sparks nationwide movement. In: The Washington Times vom 29. September 2011. Abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Berichte und Videos darüber wurden auf der Website von Occupy Together gesammelt. Am 12. Oktober 2011 gab es Communitys in 1399 Städten, auch außerhalb der Vereinigten Staaten, wobei nicht in allen diesen Städten Aktionen stattfanden.<ref>Occupy Together. Abgerufen am 12. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Die folgende Tabelle listet Städte in den USA auf, aus denen Presseberichte über Aktionen der Occupy-Wall-Street-Bewegung vorliegen:
| Ort | Name | Aktion(en) | Beginn | Website | Presse |
|---|---|---|---|---|---|
| Baltimore, McKeldin Square | Occupy Baltimore | Besetzung, Demonstrationen | 4. Oktober 2011 | occupybmore.org | <ref>Fern Shen: Occupy Baltimore protest coming to the city’s free speech-challenged Inner Harbor. In: Baltimore Brew. 4. Oktober 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> |
| Birmingham (Alabama) |
<ref name="WT-29-September" /> | ||||
| Boston, Dewey Square | Occupy Boston | Besetzung | 28. September 2011 | occupyboston.com |
<ref>Paul Harris: Occupy Boston: smart, savvy, and aiming to emulate Wall Street protests. In: The Guardian. 28. September 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> |
| Chicago, Ecke LaSalle Street und Jackson Boulevard |
Occupy Chicago | Besetzung, Demonstrationen | occupychi.org |
<ref>MarK Casello: Occupy Chicago Protests Gaining Momentum. In: Huffington Post. 9. Oktober 2011, abgerufen am 10. Oktober 2011.</ref> | |
| Denver |
<ref>Tom McGhee: Denver group adds to protests against nation’s financial troubles. In: Denver Post. 3. Oktober 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> | ||||
| Lexington (Kentucky) |
<ref name="WT-29-September" /> | ||||
| Los Angeles |
<ref>Esmeralda Bermudez: Occupy Los Angeles protesters camp for second night at City Hall. In: Los Angeles Times. 2. Oktober 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> | ||||
| Miami |
<ref>Jordan Melnick: Occupy Miami plans take shape at Bayfront Park meeting. In: Miami Herald Online. 2. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Juli 2014; abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> | ||||
| Minneapolis |
<ref>Jon Collins: Inspired by Occupy Wall Street, Occupy MN branches out to Minneapolis today. In: The Minnesota Independent. 7. Oktober 2011, abgerufen am 7. Oktober 2011.</ref> | ||||
| New Orleans |
<ref>Brendan McCarthy: About 400 marchers join ’Occupy New Orleans’ protest. In: NOLa.com. Abgerufen am 7. Oktober 2011.</ref> | ||||
| New York City, Zuccotti Park | Occupy Wall Street | Besetzung | 17. September 2011 | occupywallst.org nycga.cc |
<ref>‘Occupy Wall Street’ to Turn Manhattan into ’Tahrir Square’. In: International Business Times. 17. September 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Mai 2012; abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> |
| Omaha |
<ref name="WT-29-September" /> | ||||
| Portland (Maine) |
<ref>Seth Koenig: Occupy Maine group digs in, shows support for Wall Street counterparts. In: Bangor Daily News. 4. Oktober 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref> | ||||
| Sacramento |
<ref>Brandon Darnell: Local workers join nationwide movement with Occupy Sacramento. In: Sacramento Press. 7. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Oktober 2011; abgerufen am 7. Oktober 2011.</ref> | ||||
| San Francisco |
<ref name="WT-29-September" /><ref>Protestwelle erreicht die US-Westküste. In: Handelsblatt. 7. Oktober 2011, abgerufen am 8. Oktober 2011.</ref> | ||||
| Seattle |
<ref>25 arrested at ’Occupy Seattle’ protest. msnbc.msn.com</ref> | ||||
| Washington, D.C. | October 2011 | Besetzung | <ref>Dorothea Hahn: Nach dem Vorbild der Schildkröte. In: taz. 7. Oktober 2011, abgerufen am 8. Oktober 2011. Website des October 2011-Protests: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />october2011.org ( vom 18. Oktober 2012 im Internet Archive)</ref> |
International
Am 15. Oktober 2011 fanden im Rahmen eines – bereits am 15. Mai von der spanischen Democracia Real Ya („Echte Demokratie Jetzt!“) geplanten<ref>Carmen Pérez-Lanzac: Democracia Real Ya prepara una convocatoria mundial para el 15 de octubre. In: El País vom 30. Mai 2011. Abgerufen am 16. Oktober 2011.</ref><ref>Lydia Bensche: Sie sind viele und sie sind wütend. In: SZ Online vom 13. Oktober 2011. Abgerufen am 15. Oktober 2011.</ref> – globalen Aktionstages in rund 1000 Städten weltweit Protestaktionen statt,<ref>„Occupy Wall Street“: Die Protestwelle erfasst alle Kontinente. FAZ.net; abgerufen am 15. Oktober 2011.</ref><ref>15. Oktober – Vereinigt für einen weltweiten Wandel. In: 15october.net/de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. Oktober 2011; abgerufen am 10. Oktober 2011.</ref> darunter in Deutschland,<ref>Dezentrale Aktionen zum 15. Oktober. In: www.attac.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Oktober 2011; abgerufen am 10. Oktober 2011.</ref> in Österreich<ref name="Wege aus der Krise, 15. Oktober, Aktionen in Ö" /> und in der Schweiz.<ref>Echte Demokratie jetzt! Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. Oktober 2011; abgerufen am 10. Oktober 2011.</ref>
Bemerkenswert ist, dass sogar in Hongkong vor der HSBC-Bankzentrale lange Zeit ein Protest-Camp bestand.<ref>Occupy Hong Kong, Bilder auf Flickr</ref>
Deutschland
Demonstrationen fanden am 15. Oktober in Deutschland unter anderem in Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf und Stuttgart statt. Bundesweit nahmen etwa 40.000 Menschen daran teil.<ref>Weltweite Protestbewegung. Hunderttausende demonstrieren gegen Zockerbanken. In: Manager-Magazin. 16. Oktober 2011, abgerufen am 17. Oktober 2011.</ref> In Frankfurt am Main zogen rund 5000 Demonstranten vor das Gebäude der Europäischen Zentralbank, und etwa 150 von ihnen begannen, auf unbestimmte Zeit dort ein Zeltlager einzurichten.<ref>Verena Hölzl: Occupy Frankfurt. Krieg den Banken – und zwar friedlich. In: Frankfurter Rundschau. 15. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. April 2014; abgerufen am 16. Oktober 2011.</ref><ref>Mit Zelt für eine bessere Welt. In: taz online. 22. Oktober 2011, abgerufen am 22. Oktober 2011.</ref> Auch in Hamburg wurde im Anschluss an eine Demonstration mit 2000 Teilnehmern ein Protestcamp gegenüber der HSH Nordbank begonnen.<ref>Occupy Hamburg – ein Protestcamp wächst. NDR, 21. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Oktober 2011; abgerufen am 24. Oktober 2011.</ref> In Berlin zogen rund 5000 Menschen vor das Kanzleramt.<ref>Soziales: Weltweiter Aktionstag gegen Auswüchse des Kapitalismus. In: Zeit Online. 15. Oktober 2011, abgerufen am 16. Oktober 2011.</ref> In Köln demonstrierten etwa 1500 Menschen, in Düsseldorf etwa 1000, ebenso viel in Leipzig. Auch in den Städten Aachen, Bochum, Dortmund, Minden, Bielefeld, Paderborn und Solingen gab es Demonstrationen.<ref>WDR Videotext S. 117 (16. Oktober 2011)</ref> Eine Woche später wiederholten sich unmittelbar vor einem Gipfeltreffen des Europäischen Rates die Demonstrationen. In Frankfurt, Berlin, Köln, Düsseldorf und anderen Städten versammelten sich zwischen 7.500 und 10.000 Teilnehmer. Schwerpunkt der Proteste war in Deutschland wiederum die Bankenmetropole Frankfurt mit mindestens 4.000 Teilnehmern.<ref>„Occupy“-Demonstrationen in Deutschland: Sie sind viele und sie kommen wieder. In: süddeutsche.de, 22. Oktober 2011.</ref><ref>Occupy-Bewegung „keine Eintagsfliege“. 10.000 protestieren gegen Banken. In: n-tv. 21. Oktober 2011, abgerufen am 22. Oktober 2011.</ref>
Am 29. Oktober und 5. November kam es, unter geringerer Beteiligung als in den Wochen zuvor, erneut zu Demonstrationen in Frankfurt, Berlin und Düsseldorf.<ref>Occupy-Bewegung geht erneut auf die Straße. In: Zeit Online. 29. Oktober 2011, abgerufen am 30. Oktober 2011.</ref><ref>Mit Musik und Tröten. In: Frankfurter Rundschau. 9. November 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. November 2011; abgerufen am 7. November 2011.</ref> Am 12. November 2011 bildeten Demonstranten unter Beteiligung der Occupy-Bewegung Menschenketten um das Berliner Reichstagsgebäude und das Frankfurter Bankenviertel. In Frankfurt nahmen bis zu 10.000, in Berlin bis zu 8000 Menschen teil. Aufgerufen hatte ein Bündnis der Organisationen Attac, Campact und Naturfreunde zusammen mit 25 weiteren Organisationen.<ref>Demonstranten «umzingeln» Banken und Regierungsgebäude. In: NZZ Online. 12. November 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. Dezember 2013; abgerufen am 12. November 2011.</ref><ref>Berlin und Frankfurt – Tausende demonstrieren gegen die Macht der Banken. In: Spiegel Online. 12. November 2011, abgerufen am 12. November 2011.</ref> Am 16. Mai 2012 wurde das Frankfurter Camp vorübergehend geräumt wegen für den 18. Mai im Rahmen der Blockupy-Tage geplant gewesenen Aktionen zivilen Ungehorsams<ref>Blockupy-Aktionstag 18. Mai. YouTube.</ref> gegen EZB und Geschäftsbanken. An dem Aktionsbündnis und der Großdemonstration am 19. Mai<ref>Bilder der Blockupy-Großdemonstration 2012 (Bilder von U. Kulick)</ref> waren Occupyer aus der ganzen Bundesrepublik beteiligt. Am 6. August 2012 wurde das Camp von Occupy Frankfurt polizeilich geräumt.<ref>Camp-Räumung vor der EZB in Frankfurt (Foto B. Walzer)</ref>
Österreich
In Österreich folgte die Initiative Wege aus der Krise, die unter anderem von Die Armutskonferenz, Attac Österreich, der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Kunst, Medien, Sport und freie Berufe (GdG-KMSfB), Global 2000 Österreich, der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Greenpeace Österreich, der Katholischen ArbeitnehmerInnen Bewegung Österreich (KAB), der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft, der Gewerkschaft PRO-GE, SOS Mitmensch und der Gewerkschaft Vida getragen<ref name="Wege aus der Krise, Wer wir sind" /> und von einer Reihe weiterer Organisationen unterstützt wurde,<ref name="Wege aus der Krise, Unterstützer" /> dem Aufruf<ref name="Wege aus der Krise, 15. Oktober" /> und organisierte Aktionen in zwölf Städten.<ref name="Wege aus der Krise, 15. Oktober, Aktionen in Ö" />
An einer Demonstration in Wien nahmen laut Polizeiangaben rund 1400 Teilnehmer teil. In der Stadt Salzburg folgten rund 200 Aktivisten dem Aufruf von Occupy Salzburg. Im Rahmen einer gemeinsamen Aktion von Attac und des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB) Tirol wurden in ganz Innsbruck 5.000 Flyer verteilt. In Graz organisierte die Plattform 25 den Tag der Empörung, in dessen Verlauf der frühere Angehörige der französischen Résistance und Autor des Essays Empört Euch!, Stéphane Hessel, eine Rede hielt.<ref name="derStandard.at, 16. Oktober 2011" /><ref name="SN, 15. Oktober 2011" /><ref name="Zeit-43/2011" />
In Innsbruck wurde ab dem 11. November der Bozner Platz von Occupy Innsbruck besetzt,<ref>„Occupy Innsbruck“ auf der Suche nach neuem Platz für Zeltlager. Tiroler Tageszeitung, 16. Dezember 2011, abgerufen am 1. Mai 2025.</ref> am 21. November siedelte die Bewegung vom Bozner Platz in den Waltherpark über.<ref>„Occupy Innsbruck“: Besetzung geht in den Park. Abgerufen am 1. Mai 2025.</ref> Seit dem 29. Dezember 2011 ist der Gramartboden, einer der höchsten Punkte der Stadt Innsbruck, besetzt.<ref>Tiroler Tageszeitung Online, 25. Februar 2012</ref>
Schweiz
In der Schweiz riefen Aktivisten und Befürworter zu Demonstrationen in den Großstädten Zürich, Bern, Genf und Basel auf. Zu den Befürwortern zählten neben der umstrittenen, verschwörungstheoretischen Thesen zugeordneten<ref name="nzzempörung">Empörung ohne klare Botschaft. In: NZZ am Sonntag. 16. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. Dezember 2011; abgerufen am 17. Oktober 2011.</ref> Schweizer Ableger „We are Change Switzerland“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />wearechange.ch ( vom 12. Oktober 2011 im Internet Archive). Sie ist der Schweizer Ableger der internationalen Gruppe „We are change“", einer Truther-Gruppe um ihren Gründer Luke Rudkowski in den USA. Siehe Spencer Sunshine: Die rechte Hand von Occupy Wall Street. Fakten und Fiktionen über die Beteiligung rechter Gruppen an der Protestbewegung. In: Dschungel, Beilage zu jungle world, 50, 11. Dezember 2014 S. 18–23, hier S. 21</ref> des rechtslibertären Journalisten Luke Rudkowski,<ref>Christian Koller: Vor 15 Jahren: Die Finanzkrise. In: Sozialarchiv Info. Nr. 3/2024. Schweizerisches Sozialarchiv Zürich, ISSN 2673-9542, S. 18–35, hier S. 33.</ref> die Gruppe „Echte Demokratie jetzt“,<ref>Echte Demokratie jetzt. Abgerufen am 15. Oktober 2011.</ref><ref>Andreas Schmid: Kreative Besetzung des Paradeplatzes. In: NZZ. 15. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Oktober 2011; abgerufen am 15. Oktober 2011.</ref><ref>Empörte protestieren in grossen Schweizer Städten. In: Bluewin am 15. Oktober 2011. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. Oktober 2011; abgerufen am 15. Oktober 2011.</ref> die Juso<ref>Kristina Schüpbach: Occupy Paradeplatz gestartet. In: juso.ch, 15. Oktober 2011. Abgerufen am 15. Oktober 2011.</ref> und die Jungen Grünen.<ref>Martin Neukom: Rettet Menschen, nicht Banken. In: jungegruene.ch, 10. Oktober 2011. Abgerufen am 15. Oktober 2011.</ref> Auf dem Zürcher Paradeplatz, unmittelbar vor den Hauptsitzen der beiden Schweizer Großbanken UBS und Crédit Suisse, versammelten sich am 15. Oktober und eine Woche darauf etwa 1000 Demonstranten unter dem Motto Occupy Paradeplatz. Etwa 70 von ihnen richteten im Quartier Lindenhof ein Zeltlager ein,<ref name="nzzempörung" /><ref>«Besetzer» kehren auf den Zürcher Paradeplatz zurück. In: NZZ Online. 22. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. August 2014; abgerufen am 24. Oktober 2011.</ref> das am 15. November durch die Polizei geräumt wurde.<ref>Zürcher Lindenhof geräumt. In: NZZ Online. 15. November 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. November 2011; abgerufen am 15. November 2011.</ref> Die inzwischen etwa 100 Aktivisten wichen auf das Gelände der reformierten St.-Jakobs-Kirche in Aussersihl aus, das ihnen von der Gemeinde angeboten worden war,<ref>Die Occupy-Aktivisten erhalten Kirchen-Asyl am Stauffacher. In: Tagesanzeiger. 15. November 2011, abgerufen am 16. November 2011.</ref> und beschlossen bereits zwei Wochen später, das Camp wieder aufzulösen und sich anderen Aktionsformen zuzuwenden. In dem offenen Zeltlager wohnten zunehmend Menschen, die nicht bereit waren, sich an der politischen Aktivität zu beteiligen.<ref>«Wir sind kein versoffener Haufen». In: Tages-Anzeiger. 1. Dezember 2011, abgerufen am 1. Dezember 2011.</ref>
Seit dem 15. Oktober 2011 gab es ein Occupy-Zeltlager im Parc des Bastions in Genf, 200 Meter entfernt vom Genfer Bankenviertel. Es wurde von den Behörden nach langen Verhandlungen toleriert. Stéphane Hessel, Autor des Traktats Empört Euch!, besuchte das Zeltlager im Dezember und sprach seine Unterstützung aus.<ref>occupygeneva.ch. Abgerufen am 31. Dezember 2011.</ref> Das Zeltlager wurde Anfang Februar 2012 aufgelöst.<ref>Todesopfer im Genfer Occupy-Lager</ref>
Vereinigtes Königreich
In London kam es am 15. Oktober 2011 zu Demonstrationen vor der Börse und der St Paul’s Cathedral mit mehreren tausend Teilnehmern. Der WikiLeaks-Aktivist Julian Assange kündigte eine Kampagne gegen Finanzinstitute an. Das Bankensystem in London sei laut Assange „der Empfänger von korruptem Geld“.<ref>Die Occupy-Welle geht um die Welt. In: NZZ Online. 15. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Dezember 2015; abgerufen am 21. Oktober 2011.</ref><ref>Demonstranten stürzen Rom ins Chaos. In: Tagesanzeiger. 15. Oktober 2011, abgerufen am 21. Oktober 2011.</ref> Auch in London wurde vor der St Paul’s Cathedral ein Protestcamp eingerichtet, was zur vorübergehenden Schließung der Kirche führte.<ref>Occupy-Bewegung – St. Paul’s Kathedrale öffnet wieder. In: Kölnische Rundschau. 27. Oktober 2011, abgerufen am 25. April 2017.</ref>
Die Demonstrationen begannen im Oktober 2011. Am 15. Oktober 2011 wurden von den Demonstranten zwei Lager in der Londoner Innenstadt aufgeschlagen: eines außerhalb der St. Pauls Kathedrale in der City of London und das andere in Finsbury Square nördlich der City of London. Im November 2011 wurde ein dritter wichtiger Standort in einem stillgelegten Bürokomplex im Besitz der UBS eröffnet, von den Demonstranten benannt als Bank der Ideen. Ein vierter Standort wurde Ende Dezember 2011 in den ungenutzten Räumen des Old Street Magistrates Court im Osten Londons gegründet.
Die Proteste von Occupy London wurden von der tax avoidance protest group UK Uncut unterstützt.
Italien
In Italien gingen am 15. Oktober 2011 in Rom nach Schätzungen von Medien mindestens 150.000 Menschen auf die Straße. Im einzigen von 82 Ländern kam es am Rande der Proteste zu Gewalttätigkeiten. Eine Gruppe Vermummter sorgte für Verwüstungen und Brände. Andere betraten gesperrte archäologische Flächen im Bereich des Kolosseums. Weder friedliche Demonstranten noch die Polizei, die nach einer Vertrauensabstimmung mit positivem Ausgang für den umstrittenen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi am Tag zuvor mit Zwischenfällen gerechnet hatte, konnten dies verhindern.<ref name="NZZ Online, Occupy-Welle" />
Kritik
Kritisiert wurde insbesondere die Gewaltbereitschaft mancher Aktivisten. So wurden in Oakland Barrikaden errichtet, Schaufenster mit Steinen eingeworfen und Straßenfeuer entzündet, wodurch mehrere Geschäfte schwer beschädigt wurden.<ref>kas.de (PDF; 303 kB)</ref> Ebenso wurden antisemitische Formulierungen bzw. ein durch Personalisierungen „antisemitische Affekte begünstigender“ und kulturalistisch-regressiver Antikapitalismus innerhalb der Occupy-Bewegung kritisiert.<ref>Die antisemitische Schattenseite der Occupy-Bewegung. derStandard.at, 28. Oktober 2011.</ref><ref>Hasso Mansfeld: Neid und Antisemitismus in der Occupy-Bewegung. Welt Online, 16. November 2011</ref><ref>Samuel Salzborn: Globaler Antisemitismus. Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne. Mit einem Vorwort von Josef Schuster. 2. Auflage. Beltz Juventa, Weinheim 2020, S. 104.</ref>
Literatur
- Carla Blumenkranz, Keith Gessen, Christopher Glazek, Mark Greif u. a. (Hrsg.): Occupy! Die ersten Wochen in New York. Eine Dokumentation. Suhrkamp Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-06221-0 (Leseprobe [PDF; 1,8 MB]).
- Sarah Van Gelder, YES! Magazine (Hrsg.): This changes everything: Occupy Wall Street and the 99 % movement. Berrett-Koehler Publishers, San Francisco 2011, ISBN 978-1-60994-587-9.
- David Graeber: Inside Occupy. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-593-39719-1.
- Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer: Occupy: Räume des Protests. transcript Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-2163-1.
- Florian Hartleb: Die Occupy-Bewegung. Globalisierungskritik in neuer Maskerade. Hrsg.: Konrad-Adenauer-Stiftung. Sankt Augustin / Berlin 2012 (kas.de [PDF; abgerufen am 6. Dezember 2012]).
- Noam Chomsky: Occupy! Unrast Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-89771-120-4.
- Michael Levitin: Generation Occupy: Reawakening American Democracy. Counterpoint, Berkeley 2021, ISBN 978-1-64009-449-9.
Weblinks
- Websites von Occupy Wall Street, Kampagne #OCCUPYWALLSTREET der Adbusters Media Foundation, Occupy Together, We are the 99 percent (engl.)
- Ingar Solty: Die Occupy-Bewegung in den USA. In: Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Nr. 88, Dezember 2011, S. 8–17.
- Slavoj Žižek: Lasst euch nicht umarmen! In: Süddeutsche Zeitung.
- Ulrich Beck: Das Potenzial der Occupy-Bewegung. Ohnmächtig, aber legitim. In: Die Tageszeitung.
- Interview mit Claus Leggewie: „Occupy ist zu lieb“. Was bleibt von Occupy Wall Street nach einem Jahr?
- Tariq Ali: Against the Extreme Centre. (englisch)
Einzelnachweise
<references> <ref name="Wege aus der Krise, Wer wir sind"> Wer wir sind. Attac Österreich, abgerufen am 16. Oktober 2011. </ref> <ref name="Wege aus der Krise, Unterstützer"> Folgende Organisationen unterstützen unsere Forderungen. In: Wege aus der Krise. Attac Österreich, abgerufen am 15. Oktober 2011. </ref> <ref name="Wege aus der Krise, 15. Oktober"> Internationaler Aktionstag – 15. Oktober 2011. In: Wege aus der Krise. Attac Österreich, abgerufen am 15. Oktober 2011. </ref> <ref name="Wege aus der Krise, 15. Oktober, Aktionen in Ö"> Aktionen in Österreich. In: Wege aus der Krise. Attac Österreich, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. Oktober 2011; abgerufen am 15. Oktober 2011. </ref> <ref name="SN, 15. Oktober 2011"> Demos gegen Kapitalismus auch in Österreich. In: Salzburger Nachrichten. 1. Mai 2025, abgerufen am 23. Oktober 2011. </ref> <ref name="derStandard.at, 16. Oktober 2011"> Proteste in Graz. Tag der Empörung mit Stéphane Hessel. In: derStandard.at. 16. Oktober 2011, abgerufen am 23. Oktober 2011. </ref> <ref name="Zeit-43/2011"> Franziska Bulban, Karin Finkenzeller, Christiane Grefe, Götz Hamann: Vereint im Protest gegen Regierung und Banken. In: Die Zeit. 20. Oktober 2011, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 1. Mai 2025]). </ref> <ref name="NZZ Online, Occupy-Welle"> Die Occupy-Welle geht um die Welt. Gewaltsame Ausschreitungen bei Sozialprotesten in Rom. In: NZZ Online. 15. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Oktober 2011; abgerufen am 16. Oktober 2011. </ref> </references>
Koordinaten: 40° 42′ 33,8″ N, 74° 0′ 40,8″ W
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