Anders Behring Breivik
Anders Behring Breivik (norwegische Aussprache: [ˈɑnːəʂ ˈbeːriŋ ˈbræiviːk]<ref>„Breivik spricht seinen eigenen Namen aus“</ref> , von Juni 2017 bis 2025 Fjotolf Hansen,<ref>Norway terror attacks: Anders Breivik changes his name to Fjotolf Hansen. 10. Juni 2017 (bbc.com [abgerufen am 7. Juli 2025]).</ref> von 2025 bis 2026 Far Skaldigrimmr Rauskjoldr av Northriki;<ref>22. juli-terroristen har fått godkjent nytt navn i Folkeregisteret. Abgerufen am 5. März 2025.</ref> seit 2026 Jan Johansen<ref>Foto: Lise Åserud / NTB: Anders Behring Breivik har bytt namn. 27. April 2026, abgerufen am 27. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>* 13. Februar 1979 in Oslo, Norwegen)<ref>Sean Rayment: Modest boy who became a mass murderer. 24. Juli 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 7. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> ist ein rechtsterroristischer und islamfeindlicher Massenmörder.
Er beging am 22. Juli 2011 die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya, bei denen 77 Menschen ums Leben kamen, davon 69 Teilnehmer eines Zeltlagers der Jugendorganisation AUF der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet. Er wurde am Tag des Anschlags festgenommen und gestand die Taten am Folgetag<ref name="spon20120724">Stefan Schultz: Attentäter begründet Bluttat mit krudem Menschenhass. In: Spiegel Online. Abgerufen am 24. Juni 2012.</ref> umfassend.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verdächtiger legt Geständnis ab. ( vom 25. Juli 2011 im Internet Archive) Tagesschau.de, abgerufen am 24. Juli 2011</ref> Am 16. April 2012 wurde der Prozess gegen ihn eröffnet,<ref>Gerald Traufetter: Ein Narzisst entlarvt sich selbst. In: Spiegel Online, 16. April 2012.</ref> die Anklage lautete auf Terrorismus und mehrfache vorsätzliche Tötung. Am 24. August 2012 wurde er vom Osloer Bezirksgericht („Tingrett“) entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft für zurechnungsfähig erklärt und zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, eine lebenslange Freiheitsstrafe sieht das norwegische Strafgesetz nicht vor.
Leben
Namen
Der Familienname lautet Breivik. Der Name Behring ist der Geburtsname seiner Mutter und nicht Bestandteil seines Familiennamens. Die Ursprünge seines Familiennamens stammen aus Breivika in Hadsel; wörtlich übersetzt bedeutet der Name „breite Bucht“.<ref name="NYT sane">Mark Lewis, Alan Cowell: Norway Killer Is Ruled Sane and Given 21 Years in Prison. In: The New York Times. 24. August 2012, abgerufen am 21. Juni 2017.</ref> Am 9. Juni 2017 meldete die norwegische Zeitung Verdens Gang, dass Breivik seinen Namen offiziell in Fjotolf Hansen geändert habe.<ref>Anders Behring Breivik hat Namen geändert. In: Verdens Gang (norwegisch)., abgerufen am 21. Juni 2017</ref>
Kindheit und Jugend
Die Eltern von Anders Behring Breivik, die Krankenschwester Wenche Behring und der Betriebswirt Jens David Breivik, übersiedelten 1979, einige Monate nach der Geburt ihres Sohnes, nach London. Jens David Breivik trat dort an der norwegischen Botschaft eine Stelle an. 1980 trennten sich die Eltern; die Ehe wurde am 17. Januar 1983 formell geschieden.<ref name="regjeringen-2012">Rapport fra 22. juli-kommisjonen, auf: www.regjeringen.no, 13. August 2012, abgerufen am 26. August 2012</ref><ref>Anders Behring Breivik – fra fødsel til 22. juli In: Verdens Gang, 22. Oktober 2011</ref> Wenche Behring zog mit ihrem Sohn und einer sechs Jahre älteren Tochter aus einer früheren Beziehung zunächst in eine Dienstwohnung ihres Mannes im Westen Oslos. Im Herbst 1982 bezog die kleine Familie eine Fünf-Zimmer-Eigentumswohnung in Skøyen, einem ebenfalls im wohlhabenden Westen der Stadt gelegenen Viertel.<ref>Aage Storm Borchgrevink, En norsk tragedie. Anders Behring Breivik og veiene til Utøya. Oslo 2012, S. 38.</ref> Seinen Vater, der später als Ministerialrat der norwegischen OECD-Delegation in Paris angehörte, sah Anders Behring Breivik nach eigenen Angaben jährlich.
Bereits 1981 hatte sich Breiviks Mutter an ein Sozialbüro in Oslo gewandt und für ihren Jungen einen Platz in einem kommunalen Wochenendheim beantragt, da er „anstrengend“ sei und sie Entlastung benötige. Dem Antrag wurde stattgegeben, doch kurz darauf nahm die Mutter ihren Sohn auch an den Wochenenden wieder zu sich.<ref name="Aftenposten 6-2012"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Voldsom, lunefull og full av uventede innfall ( vom 19. Juni 2012 im Internet Archive) Aftenposten, 14. Juni 2012</ref> Anderthalb Jahre später, Anfang 1983, suchte sie eine Familienberatungsstelle auf und bat erneut um Hilfe. Daraufhin wurde veranlasst, dass die Familie (Wenche Behring und ihre beiden Kinder) für einige Wochen zur Beobachtung in das Staatliche Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie (SSBU) eingewiesen wurde. In einem Brief des Kinderpsychiaters Per Olav Næss an das Jugendamt heißt es, dass Anders Breivik Schwierigkeiten habe, „sich emotional auszudrücken“, er „passiv im Spiel“ sei und ihm „Elemente der Lust und der Freude“ fast vollständig fehlten. Næss empfahl der Behörde, den Jungen in einem „stabilen Pflegeheim“ unterzubringen.<ref name="Aftenposten 6-2012" /><ref>Aage Storm Borchgrevink: En norsk tragedie. Anders Behring Breivik og veiene til Utøya. Oslo 2012, S. 49 f.</ref> Entsprechende Beschlüsse ergingen jedoch nicht.
Aufgrund dieser Einschätzungen beantragte der in Frankreich lebende Vater das Sorgerecht für den Jungen. Das zuständige Gericht verfügte, dass die Familienverhältnisse genauer zu untersuchen seien und dass das Kind während dieser Zeit bei seiner Mutter wohnen bleiben solle. Jens Breivik zog seinen Sorgerechtsantrag daraufhin zurück.<ref name="regjeringen-2012" /> Der Psychiater Per Olav Næss reagierte besorgt auf diese Entwicklung. In einem zweiten Brief an das Jugendamt vom 28. Oktober 1983 schrieb er: „Wir halten an unserer ursprünglichen Konklusion fest, dass Anders so vernachlässigt wird, dass die Gefahr besteht, dass sich eine schwere psychische Störung entwickelt.“<ref name="regjeringen-2012" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rettspsykiatrisk erklæring — Anders Behring Breivik, 29. November 2011 ( vom 15. Januar 2013 im Internet Archive) auf: www.document.no, abgerufen am 22. November 2012</ref> Nachdem der Vater sein Gesuch zurückgezogen habe, solle sich das Jugendamt um den Fall kümmern. Die Behörde befürwortete Anfang 1984 die Einsetzung eines Erziehungsbeistands, den die Mutter jedoch ablehnte und das Jugendgericht schließlich auch nicht anordnete.<ref name="regjeringen-2012" /><ref>Psykolog i 1983: Ideelt sett burde han vært i et stabilt fosterhjem Verdens Gang, 23. Dezember 2011</ref>
Erneut Kontakt mit der Familie hatte das Jugendamt um 1994/95, als die Polizei den Jungen nach einem Aufenthalt in Dänemark aufgriff und eine größere Anzahl von Sprühdosen sicherstellte. Anders Breivik war während dieser Zeit Teil einer Clique von Gleichaltrigen, die Graffiti an Häusern anbrachte. Die Behörde hielt es aber für unnötig, „Hilfsmaßnahmen“ einzuleiten. Allerdings verschlechterte sich unter anderem aufgrund dieser Vorfälle das Verhältnis von Anders Breivik zu seinem Vater. Der Jugendliche brach kurz darauf jeden Kontakt zu ihm ab.<ref name="regjeringen-2012" /><ref>Hilda Nyfløt, Arnhild Aass Kristiansen: Jeg har mislyktes som far In: Dagbladet, 21. Dezember 2011</ref>
Im Alter von 15 Jahren ließ sich Breivik aus eigenem Antrieb christlich taufen und konfirmieren.<ref>Hatet «Stoltenberg-jugend» og kalte Gro «landsmo(r)deren» Dagbladet, 23. Juli 2011</ref>
Ausbildung und beruflicher Werdegang
Breivik besuchte Schulen in westlichen Stadtteilen der norwegischen Hauptstadt, darunter bis 1998 das Handelsgymnasium Oslo, das er ohne Abschluss verließ.<ref name="regjeringen-2012" /><ref name="VG-2011">Pågrepet 32-åring kalte seg selv nasjonalistisk, VG Nett vom 23. Juli 2011 (norwegisch). Abgerufen am 23. Juli 2011.</ref> Schon als Schüler arbeitete er auf Teilzeitbasis in einem Telemarketing-Unternehmen. Parallel dazu gründete er ab 1998 mehrere Firmen in den Bereichen Direktmarketing, Werbung und E-Commerce, die größtenteils wirtschaftlich nicht erfolgreich waren. Nach Auffassung von Fachleuten befanden sich diese kleineren Firmen teilweise „in einer juristischen Grauzone“.<ref name="regjeringen-2012" /> Mehrere Unternehmen wurden wegen unzulässigen Firmengebrauchs vom Registergericht gelöscht.<ref name="regjeringen-2012" /> Im April 2002 hielt sich Breivik kurzzeitig in Liberia auf, wo er erwog, mit dem Schmuggel von Blutdiamanten Geld zu verdienen. Von seinen Plänen nahm er jedoch schnell wieder Abstand. Später behauptete er, in der liberianischen Hauptstadt Monrovia einem serbischen Kriegsveteranen mit dem Decknamen The Dragon begegnet zu sein, der ihm Zugang zu einem Netzwerk von „Tempelrittern“ in London verschafft habe.<ref>Aage Storm Borchgrevink: En norsk tragedie. Anders Behring Breivik og veiene til Utøya. Oslo 2012, S. 150 f.</ref><ref>Inspiriert von Wikipedia In: Stuttgarter Zeitung, 18. April 2012</ref>
Nachforschungen der Polizei ergaben, dass ihm der Verkauf von gefälschten US-amerikanischen Universitätsdiplomen zwischen 2002 und 2006 knapp eine halbe Million Euro einbrachte. Das Geld, das er staatlicher Besteuerung entzog, platzierte er auf Konten in 13 verschiedenen Ländern, unter anderem im Baltikum und in der Karibik. Zum Zwecke der Geldwäsche, bei der ihm seine Mutter behilflich war,<ref>Aage Storm Borchgrevink: En norsk tragedie. Anders Behring Breivik og veiene til Utøya. Oslo 2012, S. 153 f.</ref> gründete er eine Firma namens Brentwood Solutions LTD im Steuerparadies Antigua.<ref name="dommen">Her er hele dommen mot Anders Behring Breivik Aftenposten, 24. August 2012</ref><ref>Moren hvitvasket penger for Breivik NRK, 1. April 2012</ref> Breiviks Darstellung, er habe mit dem Vertrieb von Computer-Software circa vier Millionen norwegische Kronen verdient, ist von Ermittlern frühzeitig zurückgewiesen worden.<ref>Gerald Traufetter: Psychogramm eines Massenmörders In: Spiegel Online, 9. August 2011</ref> Bei Aktienspekulationen verlor Breivik einen beträchtlichen Teil seines Vermögens, nach eigenen Angaben 350.000 Kronen. 2006 sollen sich seine finanziellen Verhältnisse so sehr verschlechtert haben, dass er wieder bei seiner Mutter einzog.<ref name="regjeringen-2012" /> Ein Konkursverwalter, der ihm 2008 einen Hausbesuch abstattete, registrierte Verstöße Breiviks unter anderem gegen das Steuer-, Aktien- und Bilanzrecht. Die Polizei stellte ihre Ermittlungen gegen ihn aufgrund von Überlastung jedoch ein.<ref>Aage Storm Borchgrevink: En norsk tragedie. Anders Behring Breivik og veiene til Utøya. Oslo 2012, S. 185 f.</ref>
Im Mai 2009 ließ er das in der Gemeinde Åmot ansässige Agrarunternehmen Breivik Geofarm ins Handelsregister eintragen.<ref name="brreg-2011">Eintrag im Handelsregister von Brønnøysund brreg.no (Abgerufen am 25. Juli 2011)</ref> Laut Registereintrag wollte sich Breivik dem „Anbau von Gemüse, Melonen, Wurzel- und Knollengewächsen“<ref name="brreg-2011" /> widmen. Für das Unternehmen, das er alleine betrieb, kaufte er am 4. Mai 2011 sechs Tonnen Mineraldünger (Ammoniumnitrat), den er später zum Bau einer Bombe verwendete.<ref name="regjeringen-2012" /><ref>22.juli-kommisjonen vil styrke kontroll med kunstgjødsel Nationen, 13. August 2012</ref> Einige Tage nach den Anschlägen fand die Polizei auf dem Gelände von Breiviks Farm Sprengstoff, den sie kontrolliert zur Explosion brachte.<ref>Polizei zündet Sprengstoff auf Breivik-Farm., auf: tagesschau.sf.tv, 27. Juli 2011</ref> Auf seinen Namen waren im staatlichen Register zwei Waffen eingetragen.
Mitgliedschaften
Breivik war von 1999 bis 2006 Mitglied der rechtspopulistischen Fremskrittspartiet. Zwischen 1997 und 2007 engagierte er sich in der Jugendorganisation der Partei und war dort in verschiedenen Funktionen tätig. Von Januar bis Oktober 2002 leitete er den Ortsverband Oslo West, anschließend war er bis zum November 2004 im Vorstand des Ortsverbandes tätig.<ref>Frp: Breivik har vært medlem og har hatt verv i ungdomspartiet. Aftenposten, 23. Juli 2011.</ref>
Breivik war von Februar 2007 bis zum Bekanntwerden seiner Tat Mitglied der Johannisloge St. Olaus til de tre Søiler, einer Freimaurerloge des christlichen Norwegischen Freimaurerordens, in der er den dritten Grad (Meister) nach Schwedischem Ritus erreichte.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Den Norske Frimurerorden. ( vom 29. Juli 2014 im Internet Archive) Offizielle Website des Norwegischen Freimaurerordens mit englischsprachiger Erklärung zum Ausschluss Breiviks, abgerufen am 20. Mai 2013</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Statements der Vereinigten Großlogen von Deutschland und der Großloge von Norwegen ( vom 7. Oktober 2011 im Internet Archive) Reaktionen der Großlogen auf der Website der Großloge „Zu den drei Weltkugeln“, 24. Juli 2011</ref><ref>Den terrorsiktede var ingen aktiv frimurer Offizielle Website des Norwegischen Freimaurerordens, abgerufen am 1. August 2011</ref>
Von 2005 bis 2007 und von Juni 2010 bis zu seinem Ausschluss kurz nach den Attentaten gehörte Breivik dem Oslo Pistolklubb an, einem Sportschützenverein in Oslo, der im norwegischen Schützen- und Sportverband organisiert ist. Er nahm laut Angaben des Vereins ab Juni 2010 an 13 organisierten Trainingseinheiten und einem Wettbewerb teil, ohne im Verein in Bezug auf politische Standpunkte oder auf andere Weise aufgefallen zu sein.<ref>Pressemelding, juli 2011, om terrorangrepene 22/7-2011. Oslo Pistolklubb, 22. Juli 2011, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 29. November 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Website des Oslo Pistolklubbs): „Oslo Pistolklubb kan bekrefte at Anders Behring Breivik har vært medlem av Oslo Pistolklubb fra 2005 til 2007 og nå siden juni 2010. Breivik er ekskludert som medlem fra Oslo Pistolklubb med umiddelbar virkning. […] Breivik har som medlem deltatt på tretten organiserte fellestreninger og én konkurranse siden juni 2010 uten at han har gjort seg bemerket i forhold til politiske standpunkt eller på annen måte som kan ha gitt et forvarsel til de dypt tragiske hendelsene“</ref>
Aktivitäten im rechtsextremen Milieu
Angaben der schwedischen Expo-Stiftung zufolge war Breivik seit 2009 im rechtsextremen Forum nordisk.nu aktiv.<ref>Terrormisstänkt medlem på nazistforum. expo.se, abgerufen am 23. Juli 2011.</ref> Im norwegischen islamkritischen Forum Document.no hat Breivik 75 Beiträge hinterlassen. Unter anderem erklärte er hier, warum er die in seinen Augen zu gemäßigte und etablierte Fremskrittspartiet wieder verlassen habe. Er bezeichnete es als Fehler der Partei, dass sie „multikulturellen Forderungen und den selbstmörderischen Idealen des Humanismus“ nachgegeben habe.<ref>Dette mener Anders Behring Breivik. Aftenposten, 23. Juli 2011</ref>
In den letzten Jahren vor dem Anschlag beteiligte er sich am Aufbau eines norwegischen Ablegers der islamfeindlichen English Defence League (EDL), der Norsk forsvarsallianse (englische Bezeichnung: Norwegian Defence League (NDL); deutsch: Norwegische Verteidigungsallianz),<ref>Breivik var medlem i Norsk forsvarsallianse. In: nettavisen.no. 26. Juli 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. September 2011; abgerufen am 22. Dezember 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="pat">Frank Patalong: Der Attentäter und die Hassblogger. In: Spiegel Online, 24. Juli 2011.</ref> und nutzte dort, in Anlehnung an den gleichnamigen norwegischen Kreuzritter, das Pseudonym Sigurd Jorsalfar.<ref>deutsch: Sigurd, der Kreuzfahrer, Beiname von Sigurd I. (Norwegen) Police probe Breivik’s links abroad von Nina Berglund in Views and News from Norway, 26. Juli 2011</ref> Er behauptete auch von sich, über umfangreiche Kontakte zur EDL zu verfügen und an einer ihrer Demonstrationen im britischen Bradford teilgenommen zu haben.<ref>Mark Hughes: The Daily Telegraph: Norway killer Anders Behring Breivik had extensive links to English Defence League. In: The Daily Telegraph. 25. Juli 2011, abgerufen am 17. September 2011.</ref><ref>Gordon Rayner: Norway killer Anders Behring Breivik emailed 'manifesto' to 250 British contacts. Telegraph, 26. Juli 2011, abgerufen am 29. November 2011.</ref> Der EDL-Chef Stephen Yaxley-Lennon bestritt jegliche Verbindung seiner Organisation zu Breivik, gab aber an, dessen Ideologie zu teilen.<ref name="zdf-doku">Video ZDFzeit: Deutschland in Gefahr? in der ZDFmediathekVorlage:Abrufdatum (offline)</ref><ref name="BigJay"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Official Statement – Anders Breivik ( vom 24. November 2011 im Internet Archive) von BigJay</ref>
Terroranschläge in Oslo und auf Utøya
Motiv
Als Motiv für den Terroranschlag und die fehlgeschlagenen Attentate gab Breivik an, Norwegen gegen den Islam und den „Kulturmarxismus“ verteidigen zu wollen. Er lehne einen Multikulturalismus ab<ref name="zdf_heute_2012-08-24">Video ZDF-heute: 21 Jahre Haft für Anders Breivik (19.00 Uhr) in der ZDFmediathekVorlage:Abrufdatum (offline)</ref> und habe die regierenden Sozialdemokraten „so hart wie möglich“ treffen wollen, da sie zum „Massenimport von Moslems“ nach Norwegen stark beigetragen hätten.<ref name="dagbladet">Ville strupe videre rekruttering til Arbeiderpartiet Dagbladet, 25. Juli 2011</ref><ref name="morgenpost">Attentat auf Norwegens König geplant Berliner Morgenpost, 31. Juli 2011</ref> In Oslo zielte sein Anschlag auf die sozialdemokratische Regierung von Staatsminister Jens Stoltenberg. Die Autobombe wurde direkt an dem Gebäude platziert, in dem dessen Büro liegt. Das Büro, weitere Teile des Gebäudes sowie Teile mehrerer umliegender Regierungsgebäude wurden verwüstet. Breivik hatte einen noch größeren Schaden als den entstandenen geplant. In Utøya verpasste Breivik die ehemalige, langjährige Regierungschefin, Gro Harlem Brundtland, die dort am frühen Vormittag einen Vortrag gehalten hatte. Breivik, der sie in Internet-Debatten „Landesmörderin“<ref>„landesmo(r)deren“ als Paronomasie aus norwegisch „landesmoderen“ (Landesmutter) und „landesmorderen“ (Landesmörderin)</ref> genannt hatte, sah in ihr die Hauptverantwortliche der norwegischen Immigrationspolitik.<ref>Per Hinrichs: Die Taten gibt er zu, aber nicht die Schuld. In: Die Welt, 26. Juli 2011</ref>
Ablauf
Am 22. Juli 2011 brachte Breivik um 15:25 Uhr in einem im Regierungsviertel von Oslo geparkten VW-Crafter-Kleintransporter eine Autobombe zur Explosion. Die Bombe auf Basis von 950 Kilogramm ANFO (Ammoniumnitrat und Dieselöl) hatte Breivik selbst hergestellt.<ref name="dommen" /> Durch die Explosion wurden acht Menschen getötet; mehrere Gebäude wurden erheblich beschädigt. Im Öl- und Energieministerium entstand in den oberen Stockwerken ein Brand.<ref>Polizei korrigiert Zahl der Toten deutlich nach unten Neue Zürcher Zeitung, 25. Juli 2011</ref>
Von Oslo aus fuhr Breivik in einem Fiat Doblò an den 30 Kilometer nordwestlich der Stadt gelegenen Binnensee Tyrifjord.<ref name="dommen" /> Er setzte um circa 17 Uhr, als Polizist verkleidet, auf die im See gelegene Insel Utøya über, auf der das alljährliche Zeltlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation Arbeidernes Ungdomsfylking stattfand. Im Verhältnis zu seinen ursprünglichen Plänen hatte er sich verspätet, was Gro Harlem Brundtland, die dort am frühen Vormittag einen Vortrag gehalten hatte, das Leben rettete.<ref>Hendrik Ternieden: Stiefbruder von Prinzessin Mette-Marit unter Mordopfern. In: Spiegel Online, 25. Juli 2011.</ref> Brundtland hatte die Insel kurz vor Breiviks Ankunft verlassen. Der nach wie vor in Polizeiuniform und mit einer schusssicheren Weste auftretende Breivik rief die anwesenden Jugendlichen zusammen, vorgeblich um über den Bombenanschlag in Oslo, von dem sie durch Funkmedien erfahren hatten, genauer zu informieren.<ref>Kjørte Breivik med ferje over til Utøya adressa.no, 24. Juli 2011</ref> Darauf eröffnete er ohne Vorwarnung das Feuer auf sie. Durch sein Handeln starben im Laufe von etwa 75 Minuten insgesamt 69 Menschen.<ref>"Ich gehöre zu seinen Mentoren": Extremist "inspirierte" Breivik - n-tv.de. 16. April 2016, abgerufen am 26. November 2024.</ref><ref name="dommen" /> 67 der Opfer starben durch Schusswunden, eine Person ertrank, eine weitere starb durch einen Sturz von den Klippen. Die Opfer waren zwischen 14 und 51 Jahre alt, 32 von ihnen unter 18 Jahre.<ref>Aage Storm Borchgrevink: En norsk tragedie. Anders Behring Breivik og veiene til Utøya. Oslo 2012, S. 299.</ref>
Nachdem Polizisten einer Anti-Terror-Einheit auf die Insel gelangt waren, ließ sich Breivik gegen 18:35 Uhr widerstandslos von ihnen festnehmen.<ref name="dommen" /> Er gestand beide Anschläge; eine Schuld im strafrechtlichen Sinne stritt er jedoch gleichzeitig ab.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Anders (32) i Oslo ble pågrepet etter bombe og massedrap | TV 2 Nyhetene.] Tv2.no, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 22. Juli 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref name="named-suspect">Daily Mail Reporter: Named: The Blond Norwegian, 32, Arrested over 'Holiday Island Massacre' and Linked to Oslo Bomb Blasts, Which Killed 7 People and Injured Many More. In: Daily Mail. 22. Juli 2011 (Online [abgerufen am 22. Juli 2011]).</ref><ref name="autogenerated1">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Pågrepet 32-åring kalte seg selv nasjonalistisk – VG Nett.] Vg.no, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 22. Juli 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Prime minister: Norway still 'an open society' despite 'the horror' – CNN.com</ref> Medizinisch-toxikologische Untersuchungen ergaben, dass Breivik zur Tatzeit unter dem Einfluss von Ephedrin und Koffein sowie von Anabolika stand.<ref>Anhörungen von Sachverständigen Focus, 31. Mai 2012</ref>
Der norwegische Ermittler Pål Hjort Kraby teilte im August 2011 mit, dass Breivik bei einer Vor-Ort-Rekonstruktion des Tatherganges drei Wochen nach den Anschlägen gut mit den Polizeibeamten zusammengearbeitet, aber keine Reue gezeigt habe.<ref>Jörg Diehl: Breivik stellt seine Menschenjagd nach. In: Spiegel Online, 14. August 2011.</ref>
Breiviks Veröffentlichungen
„Manifest“ und Video
Unter dem Pseudonym Andrew Berwick stellte Breivik einen über 1500-seitigen Text mit dem Titel 2083: A European Declaration of Independence (2083: Eine Europäische Unabhängigkeitserklärung) zusammen und versandte ihn kurz vor den Anschlägen an 1003 E-Mail-Empfänger.<ref>Breivik manifesto' details chilling attack preparation. In: BBC News, 24. Juli 2011.</ref> In der auf Englisch verfassten Schrift, deren Titelseite das Kreuz des Templerordens zeigt, postuliert Breivik eine Bedrohung Europas durch „Multikulturalisten, Kulturmarxisten […] und kapitalistische Globalisten“.<ref name="spon20120724" /><ref>Florian Flade: Breiviks Manifest offenbart Hinweise auf Mitwisser. In: Die Welt, 25. Juli 2011.</ref><ref>Sigrid Krause / Dietmar Seher / Steffen Klatt: Aufruf eines „Tempelritters“. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 25. Juli 2011, abgerufen am 1. Mai 2025.</ref><ref>Holger Schmale, Damir Fras: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Krude Thesen und konkrete Anweisungen ( vom 16. Oktober 2013 im Internet Archive). In: Berliner Zeitung, 26. Juli 2011.</ref> Dem Begriff Kulturmarxismus, den er oft synonym für den Multikulturalismus verwendet, stellt er dabei drei sogenannte „Hassideologien“ an die Seite, die zu bekämpfen seien: den Nationalsozialismus („anti-jüdisch“), den Kommunismus („anti-individualistisch“) und den Islam.<ref>Terror: Verdächtiger plante „Bürgerkrieg“ in Europa. In: Die Presse, 24. Juli 2011.</ref><ref>Beitrag Behring Breiviks vom 7. September 2010 document.no (abgerufen am 4. Oktober 2011).</ref>
Der Titel des Textes bezieht sich auf die Schlacht am Kahlenberg 1683<ref>Scott Shane: Killings in Norway Spotlight Anti-Muslim Thought in U.S. In: The New York Times, 25. Juli 2011.</ref> und die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Die Einleitung mit der Definition des „Kulturmarxismus“ ist wörtlich aus dem 2005 von William Sturgiss Lind herausgegebenen Text „Political Correctness: A Short History of an Ideology“ der konservativen Denkfabrik Free Congress Foundation übernommen.<ref>William S. Lind (Hrsg.): "Political Correctness:" A Short History of an Ideology. Free Congress Foundation, November 2004 (Online [abgerufen am 15. Januar 2013]).</ref><ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Scholars Respond to Breivik Manifesto.] In: National Association of Scholars. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 23. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Die Welt, wie Anders B. Breivik sie sieht.] In: Die Presse. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 15. Januar 2013.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Die von einigen Medien als „Manifest“ bezeichnete Schrift besteht auch in weiteren Teilen aus einer Zusammenstellung fremder Texte von politisch konservativen, rechtspopulistischen und islamfeindlichen Webseiten.<ref name="pat" /> So verwendete der Autor in großem Umfang Texte des norwegischen Bloggers Fjordman, den er als seinen „Lieblingsschriftsteller“ bezeichnet.<ref>Konrad Lischka: Weltbild der Verschwörung. In: Spiegel Online, 26. Juli 2011, abgerufen am 29. Juli 2011.</ref> Mehr als fünfzig Hinweise gibt er auf den Religionswissenschaftler Robert Spencer, der Organisationen wie Jihad Watch und Stop Islamization of America ins Leben rief.<ref>Azriel Relph und Michael Isikoff: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Norway attacks focus attention on US right-wing extremists ( vom 5. Oktober 2012 im Internet Archive). In: MSNBC, 25. Juli 2011.</ref><ref>Ryan Lenz: Christian Crusader. In: Southern Poverty Law Center, Intelligence Report, 2011, Nr. 143.</ref> Häufig bezieht er sich auf den von Gisèle Littman geprägten Begriff eines ihrer Ansicht nach drohenden „Eurabia“.<ref>Anders B. Breivik: Das schrieb der mutmaßliche Attentäter von Oslo über Angela Merkel. In: focus.de, 25. Juli 2011.</ref><ref>Marwan Chahine: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />« 2083 – Une déclaration européenne d’indépendance » ou le petit manuel du néo-croisé ( vom 2. April 2015 im Internet Archive). In: Libération.fr, 25. Juli 2011.</ref> Daneben verweist er auf die Islamkritiker Koenraad Elst,<ref>If Only He Had Read The Brussels Journal. In: TBJ. 27. Juli 2011 (Online [abgerufen am 29. Juli 2011]).</ref> Geert Wilders,<ref>Wilders distanziert sich von Breivik. In: voxeurop.eu. 27. Juli 2011, abgerufen am 25. Juli 2016.</ref> Daniel Pipes<ref>Marwan Chahine: "2083, Une déclaration européenne d'indépendance" ou le petit manuel du néo-croisé. In: Libération. 25. Juli 2011 (Online [abgerufen am 9. Oktober 2012]).</ref> und Henryk M. Broder.<ref>Sebastian Balzter, Jasper von Altenbockum: Im blinden Hass gegen Hass. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26. Juli 2011, abgerufen am 7. Dezember 2015.</ref> Breiviks Schrift enthält auch ein in Tagebuchform geführtes Protokoll über die Vorbereitung der Anschläge.<ref>Sebastian Balzter, Christoph Ehrhardt: „Kreuzzug gegen den Kulturmarxismus“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Juli 2011, abgerufen am 25. Juli 2011</ref> In die Schrift wurden mehrfach Passagen aus dem Unabomber-Manifest (1995) des US-amerikanischen Bombenlegers Ted Kaczynski einkopiert<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Behring Breivik kopierte fra Unabomberen. ( vom 14. Oktober 2013 im Internet Archive) Aftenposten, 24. Juli 2011</ref> und dabei die Bezeichnungen „Linke“ durch „Kulturmarxisten“ sowie „Schwarze“ durch „Moslems“ ersetzt.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Massedrapsmannen kopierte „Unabomberen“ ord for ord.] Nrk.no, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 24. Juli 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Wenige Stunden vor den Anschlägen stellte Breivik ein etwa zwölf Minuten langes Video mit dem Titel Knights Templar 2083 ins Internet.<ref>Polizei sucht weiter nach Opfern. In: tagesschau.de. Abgerufen am 24. Juli 2011.</ref> Breivik bezeichnet sich im Video wie in seiner Schrift als hochstehendes Mitglied (Commander) einer angeblichen Nachfolgeorganisation der Tempelritter, die 2002 in London gegründet worden sei. Späteren Ermittlungen zufolge gibt es jedoch keinen Beweis dafür, dass die Organisation jemals existiert hat.<ref>Nina Berglund: Helicopter delayed, Breivik bluffing/. Norway International Network, 4. Januar 2012, abgerufen am 5. Januar 2012.</ref> Breivik bezieht sich auf das Ende der Belagerung Wiens (1683, also 400 Jahre vor 2083) durch das Osmanische Reich<ref>Christian Brommarius: Breivik und Broder. FR vom 28. Juli 2011.</ref> sowie auf historische Gestalten aus der Reconquista und den Kreuzzügen, die er als Vorkämpfer gegen den Islam begreift: „Wir schauen darauf, was unsere Vorväter […] taten und stellen fest, dass wir Europa nur retten können, wenn wir die Prinzipien unserer Vorfahren annehmen. […] Vorwärts, christliche Kämpfer!“ Diese Grundsätze seien „Stärke, Ehre, Aufopferung und Märtyrertum“.<ref>Björn Hengst: Grausamer YouTube-Kreuzritter. In: Spiegel Online, 25. Juli 2011.</ref> In seinem Kampf gegen den Islam solle der moderne Templerorden, so Breivik, die Methoden der islamistischen Terrororganisation al-Qaida übernehmen, aus deren Erfolgen lernen und ihre Fehler vermeiden.<ref>Julia Gronnevet: Norwegian gunman describes hunting down teenagers. AP, 20. April 2012, abgerufen am 9. Oktober 2012.</ref><ref>Mener han er tilregnelig. ANB-NTB, 20. April 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. Januar 2015; abgerufen am 23. März 2024.</ref> Ziel sei es, eine Art „al-Qaida für Christen“ aufzubauen.<ref>Breivik ville lage europeisk al-Qaida Verdens Gang, 20. April 2012</ref> Sein Bezug auf das Christentum ist dabei widersprüchlich: Einerseits bezeichnet er sich als „hundertprozentigen Christen“, andererseits habe er „nicht zwangsläufig“ eine persönliche Bindung zu Gott und Jesus Christus. Das Christentum versteht er als „kulturelle, soziale […] und moralische Plattform.“<ref name="Times Union">Gibson, David (28 July 2011). „Is Anders Breivik a 'Christian' terrorist?“. Times Union. Abgerufen am 29. Juli 2011.</ref><ref name="Relationship2">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Norway massacre suspect manifesto rejects personal relationship with Jesus.] In: Christianity Today. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 28. Juli 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> In einem Brief, den er im November 2015 unter anderem mehreren Zeitungen zukommen ließ, schrieb er, dass er „immer die Schwäche und den Internationalismus“ der Kirche verachtet habe.<ref>Breivik mener Jesus er «patetisk» Dagen, 19. November 2015</ref>
Sowohl im „Manifest“ als auch im Video kündigt Breivik eine im Jahr 2083 abgeschlossene „konservative Revolution“ an,<ref>Suspect in Norway attacks confesses; lawyer says he acted alone New York Post, 23. Juli 2011</ref><ref>Volker Weiß: Rechter Bruder der Dschihadisten. In: Spiegel Online, 27. Juli 2011.</ref> welche die „multikulturellen Eliten“ besiegen und „den Islam verbannen werde“. Um diese „Revolution“ durchführen zu können, fordert Breivik die Bildung einer weltweit möglichst breiten Front gegen den Islam, zu der sich die westliche Welt mit radikalen Zionisten in Israel, Hindu-Nationalisten in Indien und fundamentalistischen Buddhisten in China verbünden solle.<ref name="jpost-islamophobia">'Norway attack suspect had anti-Muslim, pro-Israel views'. Ben Hartman, The Jerusalem Post, 24 July 2011</ref><ref name="Hindu">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Norwegian killer Anders Breivik's manifesto supports Hindutva.] CNN-IBN, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 28. Juli 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Breivik accuses the Indian government of appeasing Muslims and "proselytising Christian missionaries who illegally convert low caste Hindus with lies and fear alongside Communists who want total destruction of the Hindu faith and culture."“Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>„Norway massacre: Breivik manifesto attempts to woo India's Hindu nationalists“. Yahoo! News</ref><ref>Norway massacre: Breivik manifesto attempts to woo India's Hindu nationalists</ref> Für die Vertreibung der Moslems aus dem Westen nannte er die umstrittenen Beneš-Dekrete als Vorbild: Der Westen solle mit den Moslems so verfahren wie die Tschechoslowakei mit den Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg.<ref name="praguepost">Jack Buehrer: Oslo terrorist sought guns in Prague. In: The Prague Post. 27. Juli 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Juli 2011; abgerufen am 9. Oktober 2012.</ref> Als wesentliche Elemente der kulturkonservativen Ideologie Breiviks sind der Monokulturalismus, die Wiedereinsetzung der Kernfamilie als Keimzelle der Gesellschaft, die freie Marktwirtschaft, die Unterstützung Israels und der Ostkirchen sowie das Eintreten für ein kulturell verstandenes Christentum identifiziert worden.<ref name="SD-2011">De obegripliga dådens tanklösa manifest Svenska Dagbladet, 31. Juli 2011</ref> Am Ende der Revolution kenne, so Breivik, die Frau unter der Ägide des restituierten Patriarchats wieder „ihren Platz in der Gesellschaft“. Der Feminismus habe dazu beigetragen, dass die „Machtbalance“ zwischen Männern und Frauen erodiert sei. Außerdem würden Feministinnen politische Korrektheit und muslimische Immigration befürworten und seien deshalb für die Zerstörung der norwegischen Gesellschaft mitverantwortlich.<ref>S Keskinen: Antifeminism and white identity politics: Political antagonisms in radical right-wing populist and anti-immigration rhetoric in Finland. In: Nordic Journal of Migration Research. 3, Nr. 4, Dezember 2013, S. 225–232. doi:10.2478/njmr-2013-0015.</ref> 60 bis 70 Prozent der zu bekämpfenden Kulturmarxisten seien Frauen; „das Schicksal der europäischen Zivilisation [hängt davon ab], wie standhaft europäische Männer dem politisch korrekten Feminismus widerstehen.“<ref name="SD-2011" /><ref>Stephen J. Walton: Anti-feminism and Misogyny in Breivik's “Manifesto”. Nordic Journal of Feminist and Gender Research. 20, Nr. 1, 2012, S. 4–11. doi:10.1080/08038740.2011.650707</ref><ref>Michelle Goldberg: Norway Killer’s Hatred of Women. In: The Daily Beast, 24. Juli 2011.</ref><ref name="JONES" /> Breivik bezieht in seinem Manifest einerseits eine pro-jüdische Position, um die islamistische Bedrohung für Juden als Rechtfertigung für antimuslimischen Rassismus zu instrumentalisieren, andererseits gibt er jüdischen Intellektuellen – wie der Frankfurter Schule um Horkheimer und Adorno – die Schuld am verhassten Multikulturalismus und reproduziert das antisemitische Zerrbild des „nationenzerstörenden multikulturellen Juden“. Breivik zufolge habe Westeuropa „mit 1 Million Juden“ kein „Judenproblem“ (mit Ausnahme von Großbritannien und Frankreich), wohingegen die USA „mit 6 Millionen Juden“ ein „beträchtliches Judenproblem“ hätten.<ref>Matthias Quent/Jan Rathje: „Antisemitismus und rechter Terrorismus.“ In: Samuel Salzborn (Hrsg.): Antisemitismus seit 9/11. Ereignisse, Debatten, Kontroversen. Nomos, Baden-Baden 2019, S. 171</ref>
Kommentare
Die erste Einschätzung des Fahndungschefs Øystein Mæland war, dass Breivik „wohl eine rechtsextreme, christlich-fundamentalistische Haltung“ habe.<ref>91 Menschen sterben bei Anschlägen. In: Zeit Online, 23. Juli 2011.</ref> Der norwegische Sozialwissenschaftler Lars Gule charakterisiert Breivik als nationalkonservativ, er habe eine konservative, christliche Ideologie, vermutlich aber ohne fundamentalistischen oder neonazistischen Hintergrund.<ref name="kleinesland_FAZ">Mein kleines Land gibt es nicht mehr. In: FAZ, 25. Juli 2011.</ref> Oda Lambrecht und Christian Baars verweisen darauf, dass Breiviks Äußerungen zwar in ihrer Islamfeindlichkeit, der Intoleranz und der militaristischen Sprache Parallelen zum christlichen Fundamentalismus aufwiesen. Andererseits widersprächen seine Gleichgültigkeit gegenüber essentiellen Glaubensinhalten wie einem persönlichen Bezug zu Jesus Christus, der fehlende Bezug zur Bibel und der Hang zur Gewalttätigkeit einer solchen Einordnung. Vielmehr vertrete Breivik „kompromisslos bestimmte konservative Werte“.<ref>Oda Lambrecht und Christian Baars: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Oslo-Attentäter: Christlicher Fundamentalist? ( vom 28. November 2011 im Internet Archive) In: mission-gottesreich.de. Abgerufen am 30. Juli 2011.</ref> Nach Auffassung des Politikwissenschaftlers und Herausgebers des Jahrbuchs für Islamophobieforschung, Farid Hafez, ist der Anschlag durch die „Mainstream-Diskurse über die angebliche islamistische Bedrohung“ mitverursacht worden.<ref>Der Wahnsinn aus der Mitte der Gesellschaft. In: Der Standard, 27. Juli 2011, abgerufen am 28. Juli 2011</ref>
Der norwegische Philosoph Lars Fredrik H. Svendsen sah in den von Breivik veröffentlichten Texten starke Widersprüche;<ref name="SD-2011" /> so zähle er John Stuart Mill zu den Philosophen, mit deren Ideen die neue, monokulturelle Gesellschaft errichtet werden solle, obwohl gerade dieser die von Breivik abgelehnte<ref name="JONES">Jane Clare Jones: Anders Breivik’s chilling anti-feminism In: The Guardian, 27. Juli 2011</ref> Gleichstellung der Geschlechter gefordert habe. Der Eindruck des belesenen Intellektuellen, der ihm voreilig von Kommentatoren zugestanden worden sei,<ref>Norgeshistoriens mest uhyrlige tekst Dagbladet, 31. Juli 2011</ref> fuße auf Pose und Selbstinszenierung.<ref name="SD-2011" />
Der forensische Psychiater Norbert Leygraf hielt die Theorie, dass Breiviks Taten einen internationalen rechtsextremen Hintergrund hätten, für nicht haltbar. Es handele sich um die individuelle Krankheit eines Menschen. Das bedeute indes nicht, dass Rechtsextremismus nicht gefährlich sei, man werde aber insbesondere Breiviks schriftliche Ausführungen „in erster Linie unter dem Aspekt seiner Krankheit bewerten müssen“. Leygraf sieht Parallelen zum Fall Ernst August Wagner.<ref>Till Schwarze: Psychiater Leygraf: „Breivik kann nicht bestraft werden“ In: Zeit online vom 30. November 2011</ref> Der forensische Psychiater Hans-Ludwig Kröber erklärte im April 2012 in einem Interview, aus seiner Sicht spreche viel dafür, dass Breivik an einer Schizophrenie erkrankt sei. Hierfür würden unter anderem die bei Breivik zu beobachtenden Affektstörungen und seine offensichtliche Unfähigkeit, emotionale Kontakte zu anderen Personen herzustellen, sprechen. Breiviks Manifest zeichne sich durch „Verstiegenheit und Verworrenheit“ aus und bestehe inhaltlich aus bizarren bzw. abseitigen Vorstellungen. Breivik habe zudem einen Größenwahn entwickelt, der ihn gegen die Idee abschirme, psychisch krank zu sein.<ref>Karl-Heinz Karisch: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Breivik lebt in einer völlig anderen Realität ( vom 24. April 2012 im Internet Archive) In: Frankfurter Rundschau, 21. April 2012</ref>
Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård fragte sich, wie es möglich sei, dass Anders Behring Breivik in einem „friedlichen, reichen Land wie Norwegen“ 77 Menschen töten konnte. Ausschlaggebend für ihn war „ein beinahe selbsthypnotisches Motivationsprogramm“ und ein Prozess der „jahrelangen, systematischen Desensibilisierung und Dehumanisierung“, dem sich Breivik unterzogen habe. Diese Methoden ähnelten denjenigen des Militärs für den Kriegsfall. Damit in Zukunft ähnliche Taten unmöglich werden, müsse es soziale Sicherheitssysteme geben, die Knausgård weniger mit Jugendämtern, Schulen oder der Polizei identifiziert, sondern mit der „Gegenwart des anderen in uns selbst, [dem] Einfühlungsvermögen für die anderen Menschen.“<ref>Karl Ove Knausgård: Verbrechen aus der Distanz In: Spiegel Online, 21. Juli 2012.</ref>
Rechtspsychiatrische Gutachten
Erstes Gutachten
Am 29. November 2011 wurde im Polizeipräsidium Oslo ein 243 Seiten langes rechtspsychiatrisches Gutachten vorgestellt, das zu dem Schluss kommt, Breivik leide an paranoider Schizophrenie. Er sei während der Tatzeit nicht zurechnungsfähig gewesen. Autoren des Gutachtens sind die Psychiater Torgeir Husby und Synne Sørheim. Sie hatten über einen Zeitraum von mehreren Monaten insgesamt 13 Gespräche mit Anders Behring Breivik geführt, außerdem alle Polizeiverhöre per Video studiert und Breiviks Mutter interviewt.<ref>Breivik lider av paranoid schizofreni. Verdens Gang, 29. November 2011.</ref><ref>Benjamin Schulz, Barbara Hans: Norwegischer Attentäter für unzurechnungsfähig erklärt. In: Spiegel online vom 29. November 2011.</ref> Auf der Skala des Global Assessment of Functioning (GAF) bewerteten die Gutachter das „Funktionsniveau“ Breiviks mit dem Wert 23 (von 100), das „Symptomniveau“ des Angeklagten mit dem Wert 2 (von 100).<ref name="tv2 1211">Breivik fikk bunnkarakter i rapporten: – Jeg har aldri gitt så lav verdi som dette. www.tv2.no, 3. Dezember 2011.</ref> Nach Angaben Husbys und Sørheims plante Breivik Reservate als „Zuchtzentren“ für reinrassige Norweger und sah sich selbst als Mitglied eines – real nicht nachweisbaren – Tempelritterordens und als nächsten Herrscher Norwegens.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gutachter: Breivik leidet unter Psychose. ( vom 4. Dezember 2011 im Internet Archive) Euronews, 29. November 2011.</ref><ref>Hartmut Wewetze: Unheimliche Bedrohung. In: Tagesspiegel, 1. Dezember 2011.</ref> Das Gutachten wurde von einer unabhängigen, aus sieben Rechtsmedizinern bestehenden Kommission geprüft und am 22. Dezember 2011 bestätigt.<ref>Benjamin Schulz: Kommission bestätigt Breivik-Gutachten. In: Spiegel online vom 22. Dezember 2011.</ref>
Das erste rechtspsychiatrische Gutachten stieß in Fachkreisen dennoch auf massive Kritik. Die Schizophrenie-Expertin Anne Kari Torgalsbøen vom Institut für Psychologie der Universität Oslo bezeichnete das Fazit des Gutachtens als „sehr verwunderlich“<ref>Schizofreniekspert: – En besynderlig konklusjon. www.tv2.no, 22. Dezember 2011.</ref> und verlangte nach neuen Richtlinien in Zusammenhang mit der Ernennung von Sachkundigen, da die aktuelle Praxis die Rechtssicherheit in Norwegen gefährde.<ref>Krever sakkyndigrevolusjon etter Breivik-saken. NRK, 29. Februar 2012.</ref> Der dänische Psychiater Henrik Day Poulsen bemängelte, dass die Kriterien, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für eine Schizophrenie-Diagnose zugrunde legt, nicht erfüllt seien; das Gutachten verfüge damit über keine ausreichende Grundlage.<ref>Dansk psykiater er rystet over Breivik-rapporten. www.tv2.no, 22. Dezember 2012.</ref> Geir Pedersen, Senior Researcher an der Abteilung für psychische Gesundheit und Abhängigkeitserkrankungen (Klinikk for psykisk helse og avhengighet) des Osloer Universitätskrankenhauses (Oslo universitetssykehus), kritisierte die GAF-Bewertung des Angeklagten. Ein Wert 2 auf dem Symptomniveau impliziere, dass die betreffende Person nur noch vor sich hin vegetiere und gefüttert, gewaschen und angekleidet werden müsse. Das sei im Falle Breiviks eindeutig nicht der Fall.<ref name="tv2 1211" /> Der schwedische Psychiater Johan Cullberg schrieb, dass keine der mitgeteilten Beobachtungen auf eine Psychose hindeute. Das Gutachten nannte er „erschreckend unprofessionell“.<ref>Breivik är tillräckligt frisk för att straffas. In: Dagens Nyheter, 7. Dezember 2011.</ref> Kritisiert wurde mehrfach auch, dass die ideologischen Ansichten Breiviks nicht Gegenstand des Gutachtens seien. So warf die Gerichtspsychiaterin Randi Rosenqvist, jahrelang selbst Vorsitzende der Rechtsmedizinischen Kommission, den Gutachtern in einem Interview mit dem Magazin Der Spiegel vor, die antiislamischen Aussagen des Täters von vornherein als unzurechnungsfähig beiseitegeschoben zu haben. Aus historischen Gründen gebe es bei politisch motivierten Tätern jedoch eine Tradition, mit der Diagnose „geisteskrank“ zurückhaltend umzugehen. „Bei der Baader-Meinhof-Gruppe wäre keiner auf den Gedanken gekommen, die Terroristen für schuldunfähig zu erklären.“<ref>Gerald Traufetter: Muttersohn und Massenmörder. In: Spiegel online vom 23. Dezember 2011.</ref>
Einige Wochen nach der Veröffentlichung des Gutachtens widersprach das psychologische Team, das den Auftrag erhalten hatte, Breivik im Gefängnis zu betreuen, ebenfalls der gestellten Diagnose in allen wesentlichen Punkten. Drei Psychologen und ein Psychiater des Distriktspsychiatrischen Zentrums in Sandvika erklärten, dass der Attentäter weder psychotisch noch schizophren sei. Er benötige keine Medizin, und es bestehe auch keine Selbstmordgefahr. Das Team hatte direkt nach Breiviks Inhaftierung einen intensiven Kontakt zu ihm hergestellt.<ref>Ny psykologvurdering: Breivik er ikke schizofren. Verdens Gang, 3. Januar 2012.</ref> In juristischen Kreisen wurde aufgrund dieser Einschätzung erwartet, dass das zuständige Osloer Gericht weitere Sachverständige mit einer Überprüfung des Gutachtens beauftragen würde.<ref>Ny rapport om Breivik: – Er ikke psykotisk. TV 2, 3. Januar 2011.</ref>
Zweites Gutachten
Am 13. Januar 2012 teilte das Gericht in Norwegen mit, dass ergänzend zum ersten noch ein zweites Gutachten angeordnet worden sei. Dies sei aufgrund der weitverbreiteten Kritik am ersten Gutachten, auch durch die Angehörigen der Anschlagsopfer, notwendig gewesen. Das zweite Gutachten wurde kurz vor Beginn des Prozesses am 10. April 2012 veröffentlicht. Die Gutachter beschreiben Breivik darin als zurechnungsfähigen Menschen, der geistig gesund sei und für die Anschläge von Oslo und Utøya belangt werden könne.<ref>Hendrik Ternieden, Barbara Hans: Gericht ordnet neues Gutachten für Breivik an. In: Spiegel online vom 13. Januar 2012.</ref><ref>Benjamin Schulz: Gutachter erklären Breivik für zurechnungsfähig. In: Spiegel online vom 10. April 2012, abgerufen am 10. April 2012.</ref> Breivik habe eine narzisstische und antisoziale Persönlichkeitsstörung, Symptome einer Psychose gebe es jedoch nicht.<ref>Johan Falnes: Psychogramm: Warum Breivik weinte. In: Zeit Online, 18. April 2012.</ref> Am 23. April stufte die Rechtsmedizinische Kommission, die das erste Gutachten bestätigt hatte, das zweite Gutachten fachlich als nicht sachgerecht ein und forderte eine Überarbeitung des Gutachtens.<ref>Reinhard Wolff: Attentäter doch unzurechnungsfähig? In: taz, 24. April 2012</ref> Am 1. Juni 2012 erklärte die Rechtsmedizinische Kommission das zweite Gutachten aufgrund „wesentlicher Mängel“ für ungenügend.<ref>André Anwar: Breivik wohl psychisch krank - zweites Gutachten falsch. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 1. Juni 2012, abgerufen am 1. Mai 2025.</ref> Alle an den Gutachten beteiligten Psychiater wurden im Juni 2012 in den Zeugenstand berufen.<ref>Swantje Dake: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Breivik wollte noch mehr Jugendliche töten. ( vom 12. April 2012 im Internet Archive) In: Stern.de, 10. April 2012.</ref>
Weitere Stellungnahmen
Da die beiden rechtspsychiatrischen Gutachten zu völlig verschiedenen Ergebnissen kamen, benannten die Anwälte der Hinterbliebenen Ulrik Malt, Professor für Psychiatrie an der Universität Oslo, als Zeugen. Malt verfolgte den Prozess gegen Anders Breivik ab dem 19. April 2012. Er sollte sich unter anderem zur Methodologie der Gutachten und zur psychiatrischen Diagnostik im Allgemeinen äußern. Während seiner Zeugenaussage am 8. Juni 2012 erklärte er, dass Breivik wahrscheinlich am Asperger-Syndrom leide, möglicherweise in Verbindung mit dem Tourette-Syndrom. Vieles deutete auch für ihn in Richtung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.<ref>22. juli-rettssaken fredag 8. juni. In: Aftenposten, 8. Juni 2012.</ref>
Nach dem Auftritt Malts sagten im Prozess weitere Mediziner und Psychologen als Zeugen aus. Vier Personen (darunter die Sachverständigen des ersten Gutachtens) hielten Breivik dabei für unzurechnungsfähig, elf Personen (darunter die Sachverständigen des zweiten Gutachtens) für zurechnungsfähig.<ref>Følg rettssaken direkte. Aftenposten, 11. Juni 2012.</ref><ref>Følg rettssaken direkte. Aftenposten, 12. Juni 2012.</ref><ref>Følg 22. juli-rettssaken direkte. Aftenposten, 13. Juni 2012.</ref><ref>Følg 22. juli-rettssaken direkte. Aftenposten, 14. Juni 2012.</ref><ref>Følg 22. juli-rettssaken direkte. Aftenposten, 18. Juni 2012.</ref> Anlässlich einer Umfrage der Tageszeitung Verdens Gang im Sommer 2012, an der 66 rechtssachkundige Psychiater und Psychologen in Norwegen teilnahmen, hielt lediglich eine Minderheit von 14 Prozent der Befragten Breivik für unzurechnungsfähig.<ref>Flertallet av norske rettssakkyndige i VG-undersøkelse: - Breivik er tilregnelig. Verdens Gang, 18. August 2012.</ref>
Kritik an der Rechtsmedizinischen Kommission
Die Arbeit der Rechtsmedizinischen Kommission, die das erste Gutachten bestätigt und das zweite Gutachten zurückgewiesen hatte, wurde in Norwegen teilweise heftig kritisiert, vor allem weil diese Beurteilungen auf der Grundlage von persönlichen Motiven zustande gekommen seien. Hintergrund für diese Anschuldigungen waren mehrere personelle Verflechtungen. So war Torgeir Husby, einer der beiden Autoren des ersten Gutachtens, zwischen 1989 und 1994 Vorgesetzter von Karl Heinrik Melle, dem Leiter der Psychiatrischen Gruppe in der Rechtsmedizinischen Kommission. Im Jahr 2009 bezeichnete Husby Melle als „einen seiner besten Freunde“.<ref name="Aftenposten061211">Andreas Bakke Foss u. a.: « …en av mine nærmeste venner». In: Aftenposten, 6. Dezember 2011.</ref> Diese enge Verbindung nannte Husby selbst „nicht ganz unproblematisch“, verteidigte aber auch die fachliche Integrität Melles und schloss aus, dass er befangen sein könnte.<ref name="Aftenposten061211" /> Engen Kontakt hatte auch Synne Sørheim, die zweite Autorin des Erstgutachtens, zu sechs (von sieben) Personen der Rechtsmedizinischen Kommission. Sie war stellvertretende Vorsitzende und später Vorsitzende der Kommission, als diesem Gremium die Sachverständigen Andreas Hamnes, Gunnar Johannessen, Jannike E. Snoek, Agneta Nilsson, Kirsten Rasmussen und Knut Waterloo angehörten.<ref>Sindre Granly Meldalen u. a.: Godkjente rapporten til sin tidligere leder. In: Dagbladet, 8. Juni 2012.</ref>
Während des Prozesses stellte Mette Yvonne Larsen, die Koordinatorin der Anwälte der Hinterbliebenen, die Neutralität der Rechtsmedizinischen Kommission offen in Frage.<ref>Dennis Ravndal u. a.: Retten ber kommisjonen om forklaring. In: Verdens Gang, 24. Mai 2012.</ref> Der Sozialwissenschaftler Lars Gule bezeichnete die Kommission als „befangen“ und kritisierte unter anderem, dass ein bekannt gewordener Dissens innerhalb der Kommission bezüglich des ersten Gutachtens nicht öffentlich kommuniziert wurde, obwohl das Regelwerk dies vorschreiben würde. Gule verlangte eine grundlegend neue „Arbeitsform“ des Gremiums.<ref>Lars Gule: Den rettsmedisinske kommisjon er inhabil. In: Aftenposten, 12. Juni 2012.</ref> Der norwegische Generalstaatsanwalt Tor-Aksel Busch mahnte aufgrund der Erfahrungen im Breivik-Prozess ebenfalls eine Reform der Rechtsmedizinischen Kommission an.<ref>Morten Hopperstad u. a.: Rieber-Mohn: – Aldri opplevd dette før. In: Verdens Gang, 24. Mai 2012.</ref>
Prozess
Anklage und Plädoyers
Am 16. April 2012 begann vor dem Bezirksgericht in Oslo der Prozess gegen Breivik. Die Anklage lautete auf Terrorismus und mehrfachen vorsätzlichen Mord.<ref>Indictment. (DOCX) Complaint No.: 11762579 10094/11-115 / SHO017 Doc.No.: 03. In: domstol.no. Abgerufen am 25. Juli 2016 (Englischsprachige Übersetzung der Anklageschrift).</ref> Verteidigt wurde Breivik von Geir Lippestad,<ref>Johan Falnes: Der Anwalt des Massenmörders In: Zeit online, 13. April 2012</ref> Staatsanwälte waren Inga Bejer Engh und Svein Holden.<ref>Gunnar Herrmann: Prozess der Psychiater In: Süddeutsche.de, 10. April 2012</ref> Vorsitzende Richterin war Wenche Elizabeth Arntzen. Entscheidend im Prozess war unter anderem die Frage der Schuldfähigkeit. Die beiden rechtspsychiatrischen Gutachten waren hinsichtlich Breiviks Zurechnungsfähigkeit zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen.<ref>Benjamin Schulz, Simone Utler: Breivik beruft sich auf Notwehr. In: Spiegel Online, 16. April 2012.</ref> Die Staatsanwaltschaft plädierte vor diesem Hintergrund auf „unzurechnungsfähig“ mit der Begründung, es sei „schlimmer, einen psychotischen Menschen irrtümlich in Haft zu nehmen als einen nicht-psychotischen in eine Zwangspsychiatrie“. Sie forderte die Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Anstalt. Gleichzeitig kritisierte die Staatsanwaltschaft mehrere Details des ersten Gutachtens von Husby und Sørheim und erklärte, dass es „Beweise gibt, die klar indizieren, dass Anders Behring Breivik am 22. Juli nicht psychotisch war.“ Die Staatsanwaltschaft sei von der Psychose-Diagnose „nicht überzeugt“, sondern „im Zweifel“. Dieser Zweifel müsse dem Angeklagten zugutekommen.<ref name="spon20120824">Benjamin Schulz: 21 Jahre Haft plus Sicherungsverwahrung. In: Spiegel Online, 24. August 2012.</ref><ref>– Breivik var utilregnelig www.tv2.no, 21. Juni 2012</ref>
Die Verteidigung strebte während des Prozesses die Feststellung der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten an. Breivik selbst sah sich als „politischer Aktivist“ und bestritt wiederholt, geistesgestört zu sein, was er als „ein schlimmeres Schicksal“ als den „Tod“ bezeichnete.<ref>Prozess gegen Massenmörder in Oslo: Die krude Gedankenwelt des Anders Behring Breivik In: Focus online vom 17. April 2012</ref> Breivik gestand zum Prozessauftakt, 77 Menschen getötet zu haben, erklärte sich jedoch für „nicht schuldig“, berief sich auf ein „Notrecht“.<ref>Video mit Breiviks Äußerung vor Gericht, NRK, 16. April 2012, (abgerufen am 26. April 2012)</ref> Er zitierte aus einer vorbereiteten Erklärung, er habe „aus Güte, nicht aus Boshaftigkeit“ gehandelt, um einen „Bürgerkrieg zu verhindern“, und „würde es wieder tun“. Darüber hinaus bezog er sich auch auf die deutsche Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU): Westeuropa stehe am Beginn eines „Kulturkampfs“.<ref>welt.de, 17. April 2012, Karl Ritter: Breivik bezieht sich in Aussage auf deutsche NSU (Breivik sieht einen Kulturkampf in Westeuropa heraufziehen, 1. Mai 2017)</ref> Norwegische Neonazis stellten sich in ihrer Zeugenvernehmung hinter seine Thesen, Norwegen „befinde sich im Krieg“ und unterliege einer „Balkanisierung“.<ref>welt.de (dpa), 5. Juni 2012: Neonazi im Zeugenstand warnt vor „Ausrottung“: „… Sie stellten sich am Dienstag hinter die Aussage Breiviks, Norwegen befinde sich in einem Kulturkampf mit dem Islam, …“ (1. Mai 2017)</ref>
Breiviks Verteidiger Geir Lippestad plädierte aus formalen Gründen auf Freispruch, da Breivik auf „nicht schuldig“ plädiert habe, er teilte jedoch die Meinung der Staatsanwaltschaft, Breivik habe eine „grausame Terrorhandlung von kaum vorstellbarer Bösartigkeit“ begangen, und bezeichnete ihn in seinem Plädoyer als „Terroristen“.<ref>Gerald Traufetter, Espen A. Eik, Benjamin Schulz: Verteidiger fordert Freispruch für Breivik. In: Spiegel Online, 22. Juni 2012.</ref>
Die Mutter von Anders Behring Breivik war ursprünglich als Zeugin geladen worden, das Gericht verzichtete allerdings nach Vorlage eines ärztlichen Attests auf ihr persönliches Erscheinen.<ref>Breiviks mor slipper å vitne Verdens Gang, 16. April 2012</ref> Der Psychiater Torgeir Husby las stattdessen aus dem Protokoll eines Gesprächs vor, das er und seine Kollegin Synne Sørheim mit der Mutter Breiviks geführt hatten. Details bezüglich des Aufenthalts der Familie im Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie (SSBU) gelangten nicht an die Öffentlichkeit.<ref>Marie Melgård: Breiviks mor: - Nå gir jeg opp, han gjør så mye rart In: Aftenposten, 14. Juni 2012</ref> Der Kinderpsychiater Per Olav Næss, der die Familie 1983 beobachtet hatte, wurde nicht von seiner Schweigepflicht entbunden.<ref>Klaus Børringbo und Arild Færaas: 22. juli-rettssaken fredag 8. juni In: Aftenposten, 8. Juni 2012</ref> In einem Pressegespräch schloss er sich jedoch den Ausführungen des Psychiaters Ulrik Malt an, der erklärt hatte, Breivik könne am Asperger-Syndrom leiden.<ref>Breiviks barnepsykiater mener han har Aspergers Aftenposten, 8. Juni 2012</ref>
Urteil
Am 24. August 2012 wurde Breivik vom Osloer Bezirksgericht entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft nicht für unzurechnungsfähig erklärt und wegen Mordes an 77 Menschen zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das Urteil erging einstimmig. Die Staatsanwälte Svein Holden und Inga Bejer Engh gaben bekannt, keine Berufung gegen das Urteil einzulegen. In ihrer Begründung stellten sie fest: „Es war uns wichtig, dass die Angehörigen der Toten einen schnellen Abschluss dieses Verfahrens bekommen.“<ref>Gerald Traufetter: Urteil im Sinne des Volkes. In: Spiegel Online, 24. August 2012.</ref> Auf Nachfrage des Gerichts, ob er das Urteil anfechten wolle, erklärte Breivik: „Ich erkenne das Gericht als Vertreter des Multikulturalismus nicht an und kann mich auch deshalb nicht zu dem Urteil äußern.“<ref name="zdf_heute_2012-08-24" />
Breiviks Verteidiger Geir Lippestad teilte dem Gericht mit, dass Breivik auf Rechtsmittel gegen die Verurteilung verzichte.<ref name="spon20120824" /><ref>Benjamin Schulz, Hendrik Ternieden: Richterin stoppt Breiviks Abschlussworte. In: Spiegel Online, 24. August 2012.</ref> Am 7. September 2012 wurde die Verurteilung durch Breiviks Berufungsverzicht rechtskräftig.<ref>Urteil gegen Massenmörder Breivik wird rechtskräftig In: zeit.de, DPA 7. September 2012</ref>
Nach dem Prozess
Breivik war bereits nach seiner Verhaftung im Hochsicherheitsgefängnis Ila in der Gemeinde Bærum bei Oslo untergebracht.<ref>(bh): 24 Quadratmeter für den Rest des Lebens. In: Tages-Anzeiger. 24. August 2012, abgerufen am 15. Januar 2013.</ref> Nach seiner Verurteilung trat er dort seine Haftstrafe an. Kontakte zu Mithäftlingen wurden ihm nicht gestattet. Im November 2012 beklagte sich Breivik in einem Beschwerdebrief an die Gefängnisleitung über die aus seiner Sicht „unmenschlichen“ Haftbedingungen, so werde er ständig überwacht, erhalte nicht alle an ihn gerichteten Briefe und dürfe keinen Computer benutzen. Nach Ansicht seines Anwaltes Tord Jordet verstoßen die Haftbedingungen gegen die Menschenrechte.<ref>Jens Witte: Massenmörder Breivik beschwert sich über Haftbedingungen. In: Spiegel Online. 9. November 2012, abgerufen am 15. Januar 2013.</ref> In Haft schrieb Breivik einen Brief an das Mitglied der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund, Beate Zschäpe, in dem er sie dazu aufrief, ihren Prozess zu einem Politikum zu machen. Das Schreiben wurde von den deutschen Ermittlungsbehörden beschlagnahmt.<ref>Massenmörder Breivik schrieb Brief an Beate Zschäpe. In: berliner-kurier.de vom 18. November 2012.</ref><ref>Breivik für alle. In: Frankfurter Rundschau vom 19. November 2012.</ref>
Nach dem Tod seiner Mutter im März 2013 verzichtete Breivik auf das Erbe, weil er nach Aussage seines Anwalts dieses nicht an den norwegischen Staat abtreten wollte.<ref>Breivik verzichtet auf sein Erbe. In: Tageblatt, 11. Juni 2013. Abgerufen am 11. Juni 2013.</ref>
Im August 2013 wurde Breivik in das Gefängnis von Skien (Skien Fengsel) verlegt.<ref>Breivik flyttes fra Ila fengsel. In: NRK, 5. August 2013.</ref>
Nachdem Breiviks Bewerbung für die Aufnahme eines Studiums der Politikwissenschaft an der Universität Oslo aufgrund mangelnder Qualifikation zunächst abgelehnt worden war, wurde ihm im September 2013 gestattet, einzelne Module dieses Studiengangs im Fernstudium zu absolvieren.<ref>Massenmörder Breivik darf im Gefängnis studieren. In: NZZ vom 12. September 2013.</ref><ref>Breivik begins studies at University of Oslo. Webseite der BBC vom 12. September 2013.</ref> Ole Petter Ottersen, der Rektor der Universität, verteidigte diese Entscheidung ausdrücklich.<ref>Why Anders Breivik is welcome at our University. In: The Guardian vom 12. September 2013.</ref>
Im Herbst 2015 distanzierte sich Breivik in einem Brief an die AUF vom Christentum, indem er angab, nie Christ gewesen zu sein, dass er Jesus und seine Botschaft für armselig halte und sein Gott Odin sei.<ref>Åsne Seierstad: Wie Anders Breivik zum Massenmörder wurde, Stern.de, 21. Juli 2016.</ref>
Im März 2016 verklagte Breivik den norwegischen Staat wegen Verletzung der Menschenrechte gemäß der europäischen Menschenrechtskonvention. Breivik war der Ansicht, dass seine Isolierung gegen geltendes Recht verstößt. Unter anderem forderte er Internetzugang und Kontakt mit anderen Gefangenen.<ref>Breivik immer noch politisch motiviert. In: Dagens Nyheter. Abgerufen am 13. März 2016 (schwedisch).</ref> Sein Anwalt meinte, in Norwegen sei noch kein Häftling so lange isoliert gewesen und Breivik zeige deutliche Isolationsschäden. Laut Staatsanwalt Marius Emberland ist es jedoch im Sinn der Maßnahme, dass eine langjährige Gefängnisstrafe unangenehm sei.<ref>Wollte von seiner Zelle aus arisches Netzwerk starten. Schwedisches Fernsehen (SVT), abgerufen am 15. März 2016.</ref> Zu Prozessbeginn erschien Breivik mit kahlrasiertem Schädel und zeigte den Hitlergruß.<ref name="faz-14125545">dpa: Breivik zeigt Hitlergruß vor Gericht. In: FAZ.net. 15. März 2016, abgerufen am 15. März 2016.</ref> In dem am 20. April 2016 veröffentlichten Urteil kam das Gericht zu dem Schluss, dass Breiviks Menschenrechte im isolierten Gefängnisaufenthalt verletzt worden seien, nicht hingegen in Bezug auf die Kontrolle seiner Korrespondenz.<ref>Breiviks Haftbedingungen verstoßen gegen die Menschenrechtskonvention. In: Süddeutsche Zeitung.</ref> Die Gefängnisleitung deutet das Urteil dahin, keine Vollzugslockerungen vornehmen zu müssen.<ref>Keine Vollzugslockerungen für Breivik. In: Dagens Nyheter (schwedisch).</ref> Das norwegische Justizministerium hat die Staatsanwaltschaft angewiesen, gegen das Urteil Berufung einzulegen.<ref>Berufung gegen Urteil wegen Verletzung der Menschenrechte In: Die Zeit.</ref> Am 20. Mai 2016 reichte die Staatsanwaltschaft die Berufungsschrift ein, in der sie sowohl Rechtsanwendung als auch Beweiswürdigung der ersten Instanz infrage stellt.<ref>Berufungsschrift des Staates im Fall Breivik fertiggestellt, Aftenposten (norwegisch).</ref> Die Berufungsverhandlung fand vom 10. bis zum 18. Januar 2017 vor dem Obergericht Borgarting lagmannsrett statt; Verhandlungsort war das Gefängnis Skien. Wie bei der Verhandlung in erster Instanz zeigte Breivik zu Prozessbeginn den Hitlergruß.<ref>Bärtiger Breivik zeigte Nazigruß, In: Verdens gang (norwegisch).</ref> Am 1. März 2017 gab das Berufungsgericht sein Urteil bekannt, in dem es das Urteil in erster Instanz ändert, sämtliche Anklagepunkte von Breivik abweist und feststellt, dass Breivik nicht in seinen Menschenrechten verletzt worden sei.<ref>Breiviks Isolationshaft verstößt nicht gegen Menschenrechte. In: Die Zeit, abgerufen am 1. März 2017.</ref><ref>Urteilstext (norwegisch), abgerufen am 24. März 2017.</ref> Breivik kündigte umgehend an, gegen das Urteil Berufung einzulegen.<ref>Staat bekommt Zustimmung im Fall Breivik Verdens gang (norwegisch), abgerufen am 1. März 2017.</ref> Am 8. Juni 2017 gab der oberste Gerichtshof (Høyesterett) bekannt, dass die Berufung nicht zugelassen werde.<ref>Oberster Gerichtshof: Keine Berufungsverhandlung für Behring Breivik. In: Verdens gang (norwegisch).</ref> Das Urteil des Berufungsgerichts, das sämtliche Anklagepunkte Breiviks abgewiesen hatte, ist damit rechtskräftig. Er hat gegen diesen Beschluss eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht.<ref>Anders Behring Breivik hat Namen geändert. In: Verdens gang (norwegisch).</ref><ref>Norwegischer Massenmörder reicht Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein., Reuters, 29. Juni 2017 (englisch).</ref> Dieser teilte am 21. Juni 2018 mit, dass die Klage zurückgewiesen werde, ein Einspruch gegen diesen Beschluss ist nicht möglich.<ref>Anders Breivik scheitert mit Klage wegen Haftbedingungen. In: Die Zeit, 21. Juni 2018.</ref>
Im Juni 2017 teilte sein Anwalt mit, dass Breivik seinen Namen in „Fjotolf Hansen“ geändert habe. Diesen Namen benutzte er bereits 2009 in Zusammenhang mit einer Unternehmensgründung. Das Unternehmen mit dem Namen Geofarm hatte er als Tarnung genutzt, um große Mengen Dünger zum Bau einer Bombe zu kaufen.<ref>Breivik ändert seinen Namen. In: Spiegel Online vom 9. Juni 2017.</ref>
Im Januar 2022 wurde Breiviks Antrag auf Haftentlassung abgelehnt. Breivik hatte behauptet, der Gewalt abgeschworen zu haben. Er sei aber weiter Nationalsozialist. Das Bezirksgericht Telemark entschied zugunsten der Staatsanwaltschaft, die erklärte, dass Breivik nach wie vor eine Gefahr für die Gesellschaft darstelle.<ref>Anders Behring Breivik: Norwegischer Massenmörder scheitert mit Antrag auf Haftentlassung. In: Der Spiegel. 1. Februar 2022, ISSN 2195-1349 (Online [abgerufen am 1. Februar 2022]).</ref>
Im März 2022 wurde Breivik in ein Gefängnis bei Ringerike verlegt;<ref>Breivik flyttet over til nytt fengsel – VG Nå: Nyhetsdøgnet. In: direkte.vg.no. Abgerufen am 15. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> er bewohnt eine eigene Sektion auf zwei Etagen.<ref name=":0">Norwegen: Attentäters Anders Breivik verliert Klage gegen Isolationshaft. In: Der Spiegel. 15. Februar 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 15. Februar 2024]).</ref>
Im Februar 2024 wies das Osloer Amtsgericht eine weitere Klage Breiviks gegen den norwegischen Staat, laut der die jahrelange Isolationshaft seine Menschenrechte verletze, ab.<ref name=":0" /> Die Berufungsinstanz Borgarting Lagmansrett ließ die Berufung Breiviks gegen dieses Urteil zu, bestätigte aber im Januar 2025 einstimmig das Urteil des Amtsgerichts.<ref>Aftenposten: Breivik får anke till lagmansretten. In: nrk.no. 27. Mai 2024, abgerufen am 11. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Anders Behring Breivik verlor gegen den Staat in der zweiten Runde im Lagmansrett. In: aftenposten.no. 29. Januar 2025, abgerufen am 29. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im November 2024, als er vor Gericht erschien, um seinen Antrag auf Freilassung auf Bewährung zu stellen – was er seit 2022 einmal pro Jahr tun kann – fiel er mit mehreren politischen Botschaften auf: So hatte er sich das russische Militär- und Propagandazeichen „Z“ an seinen Schädel rasieren lassen, außerdem forderte er Unterstützung für das antiamerikanische Bündnis aus China, Russland, Iran und Nordkorea sowie für deren Industrien, die Errichtung von Flüchtlingslagern in jenen Ländern und eine Spende an Nordfront.se, ein Portal skandinavischer neonationalsozialistischer Gruppierungen.<ref>Anne Diekhoff: Utøya-Attentäter vor Gericht: Breivik beantragt Entlassung. In: Die Tageszeitung: taz. 22. November 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 25. November 2024]).</ref><ref>Mirjam Moll: Breivik lässt vorzeitige Haftentlassung prüfen. In: Neue Zürcher Zeitung. 21. November 2024, abgerufen am 5. Dezember 2024.</ref> Breiviks Antrag wurde im Dezember 2024 abgewiesen.<ref>Breivik scheitert mit Klage auf vorzeitige Entlassung. In: Der Spiegel. 4. Dezember 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 4. Dezember 2024]).</ref>
Rezeption
Kunst und Kultur
Bereits im Januar 2012, vor Prozessbeginn, kündigten der dänische Theaterregisseur Christian Lollike und der Schauspieler Olaf Højgaard an, Teile der Breivik-Schrift 2083: A European Declaration of Independence zu einer Bühnenversion umzugestalten. Das Vorhaben stieß auf breite Kritik und brachte den Initiatoren Morddrohungen ein. Proteste wurden auch von den Hinterbliebenen der Opfer in Norwegen kommuniziert, die versuchten, eine öffentliche Aufführung des Textes zu verhindern. Dennoch hatte der Monolog unter dem Titel Manifest 2083 am 15. Oktober 2012 Premiere am kleinen Café Teatret in Kopenhagen. Das Stück wurde von der Kritik nicht rundum abgelehnt, insgesamt aber zurückhaltend aufgenommen. So schrieb die größte dänische Zeitung, Jyllands-Posten, dass das Drama interessante Fragen diskutiere, die Zuschauer jedoch „weder berührt noch verärgert“.<ref>Birgitte Kjær: Omstridt dramatiker: Breivik-teater er en demokratisk forpligtelse In: Politiken, 19. Januar 2012</ref><ref>Arve Henriksen: Breivik-teater imponerte ingen In: Aftenposten, 16. Oktober 2012</ref> Am 27. und 28. Oktober 2012 wurde das Stück in Form eines Gastspiels in Oslo gezeigt.
Für Diskussionen sorgte auch ein Monologabend unter dem Titel Breiviks Statement, der im Oktober 2012 am Deutschen Nationaltheater in Weimar hätte stattfinden sollen. Der Schweizer Autor und Regisseur Milo Rau wollte von der deutsch-türkischen Schauspielerin Sascha Soydan jene Rede Breiviks verlesen lassen, die der Attentäter am 17. April 2012 zu Beginn des Prozesses am Osloer Bezirksgericht gehalten hatte. Rau zielte darauf ab, durch den öffentlichen Vortrag zu verdeutlichen, „dass 80 bis 90 Prozent der westeuropäischen Bevölkerung unterschreiben würden, was Breivik sagt“. Er musste die Lesung jedoch in ein Weimarer Kino verlegen, da die Leitung des Theaters kurzfristig entschied, den Äußerungen Breiviks „kein Podium bieten“ zu wollen. Am 27. Oktober 2012 wurde die Vorstellung Breiviks Statement auch im Rahmen eines Monologfestivals im Berliner Theaterdiscounter präsentiert.<ref>Wolfgang Höbel: Das Schweigen der Belämmerten. In: Spiegel Online, 19. Oktober 2012.</ref><ref>Georg Kasch: Berliner Bühne gibt Mörder Breivik eine Stimme In: Berliner Morgenpost, 22. Oktober 2012</ref>
Im Februar 2018 wurde Erik Poppes Film Utøya 22. Juli im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin uraufgeführt.<ref>Utøya 22. juli | U – July 22. Abgerufen am 20. Februar 2018.</ref> Ebenfalls 2018 entstand der von Paul Greengrass inszenierte Film 22. Juli, in dem Breivik von Anders Danielsen Lie dargestellt wird.
In der 2021 veröffentlichen Folge Meister der Angst der Hörspielserie Dreamland-Gruselserie wird Breivik in einer fiktiven Handlung am Vorabend seiner Entlassung von Außerirdischen entführt, die ihn mittels implantierter Gehirnsonde zwingen, auf ewig die Klagelaute seiner Opfer zu hören. Der Charakter, der im Hörspiel und im Booklet lediglich als „Mörder“ beschrieben ist, aber mittels verschiedener Verweise (22. Juli 2011, 77 Opfer, 21-jährige Haftstrafe) zu identifizieren ist und im letzten Satz beim Namen genannt wird, wird von Patrick Bach synchronisiert.<ref>Hoerspiele.de - Dreamland-Grusel 50 - Meister der Angst</ref>
Nachahmer
Am fünften Jahrestag der Anschläge, dem 22. Juli 2016, beging der 18-jährige David Sonboly einen über ein Jahr lang geplanten, rassistisch motivierten Anschlag in München. Dabei tötete er insgesamt neun Menschen. Man geht davon aus, dass das Datum dieser Tat von Sonboly bewusst gewählt wurde.<ref>Jana Illhardt: Wer war der Amokschütze?: David S. hat seine Tat ein Jahr lang geplant. In: tagesspiegel.de. 24. Juli 2016, abgerufen am 31. Januar 2024.</ref> Er beteuerte, Breivik zu verehren.<ref>https://www.tz.de/muenchen/stadt/amoklauf-in-muenchen-ere694995/lka-veroeffentlicht-ermittlungsergebnisse-nach-muenchner-amoklauf-von-david-s-7829928.html</ref>
Brenton Tarrant, der Attentäter der Terroranschläge auf Moscheen am 15. März 2019 in Christchurch, bezog sich in seinem Manifest positiv auf Breivik: Er bezeichnete ihn als „Freiheitskämpfer“, der sich gegen „ethnischen und kulturellen Genozid“ eingesetzt habe. Breivik sei die Hauptinspiration für seinen Anschlag gewesen, und die beiden hätten kurz in Kontakt gestanden.<ref>Adam Taylor: Christchurch suspect claimed 'brief contact' with Norwegian mass murderer. 15. März 2019, abgerufen am 11. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Payton Gendron, der „Buffalo shooter“, der am 14. Mai 2022 in einem Tops-Supermarkt im US-Bundesstaat New York zehn Afroamerikaner tötete, erwähnte ebenfalls, auch durch Breivik inspiriert worden zu sein.
Literatur
- Aage Storm Borchgrevink: En norsk tragedie – Anders Behring Breivik og veiene til Utøya. Gyldendal, Oslo 2012, ISBN 978-82-05-42878-2.
- Jens Breivik: Min skyld? En fars historie. Juritzen forlag, Oslo 2014, ISBN 978-82-8205-676-2.
- Florian Hartleb: Die Analyse des Falls „Breivik“: Einsamer Wolf-Terrorismus als wichtiges, aber vernachlässigtes Phänomen sui generis innerhalb des Terrorismus, in: Martin H.W. Möllers, Robert Chr. van Ooyen (Hrsg.): Jahrbuch für öffentliche Sicherheit 2012/2013, Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt am Main 2012, S. 71–92, ISBN 978-3-86676-245-9.
- Claus Leggewie: Anti-Europäer. Breivik, Dugin, al-Suri & Co. Suhrkamp, Berlin 2016, ISBN 978-3-518-07145-8.
- Geir Lippestad: Det vi kan stå for. Aschehoug, Oslo 2013, ISBN 978-82-03-29394-8.
- Ich verteidigte Anders Breivik. Warum? Meine schwierigste Strafverteidigung. Herder, Freiburg im Breisgau 2015, ISBN 978-3-451-34274-5.
- Klaus Theweleit: Das Lachen der Täter: Breivik u. a. Psychogramm der Tötungslust. Residenz, St. Pölten 2015, ISBN 978-3-7017-1637-1.
- Åsne Seierstad: Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders. Aus dem Norwegischen und Englischen von Frank Zuber, Nora Pröfrock. Kein & Aber, Zürich 2016, ISBN 978-3-0369-5740-1.<ref>Rezension in: The Guardian, 26. Februar 2015</ref><ref>Buch über Anders Breivik: „Einer von uns“. Vom „Loser“ zum Massenmörder, Rezension von Carsten Schmiester, Deutschlandradio Kultur, 28. April 2016</ref>
Weblinks
- Literatur von und über Anders Behring Breivik im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Gerichtsurteil vom 24. August 2012 im Wortlaut www.aftenposten.no (norwegisch)
- Expertenbericht der 22.-Juli-Kommission; dem norwegischen Ministerpräsidenten am 13. August 2012 übergeben www.regjeringen.no (PDF-Dokument; Norwegisch; 31,3 MB)
- Anders Behring Breivik im Store norske leksikon
- Bernd Henningsen: Breivik, Anders Behring, in: Kurt Groenewold, Alexander Ignor, Arnd Koch (Hrsg.): Lexikon der Politischen Strafprozesse, Online, Stand: April 2021.
Einzelnachweise
<references responsive />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Breivik, Anders Behring |
| ALTERNATIVNAMEN | Berwick, Andrew (Pseudonym); Jorsalfar, Sigurd (Pseudonym); Hansen, Fjotolf |
| KURZBESCHREIBUNG | norwegischer rechtsterroristischer Massenmörder |
| GEBURTSDATUM | 13. Februar 1979 |
| GEBURTSORT | Oslo |
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