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Anschläge in Norwegen 2011

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Datei:Oslo view of city after July 2011 bombing.jpg
Das Regierungsviertel in Oslo kurz nach dem Bombenanschlag
Anschläge in Norwegen 2011 (Buskerud)
Anschläge in Norwegen 2011 (Buskerud)
Die Anschlagsorte auf einer Karte der Provinz Buskerud

Bei den Anschlägen in Norwegen am 22. Juli 2011 handelte es sich um zwei zusammenhängende terroristische Anschläge des norwegischen Rechtsextremisten Anders Behring Breivik gegen norwegische Regierungsangestellte in Oslo und gegen Jugendliche in einem Feriencamp der Arbeidernes Ungdomsfylking, der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet auf der norwegischen Insel Utøya, denen 77 Menschen zum Opfer fielen.

Um 15:25 Uhr<ref name="dommen">Her er hele dommen mot Anders Behring Breivik In: Aftenposten. 24. August 2012 (norwegisch).</ref> MESZ zündete Breivik vor dem Bürogebäude des Ministerpräsidenten<ref>Bilderserie vor dem Bürogebäude, wo Ministerpräsident Jens Stoltenberg und mehrere Minister ihre Büros haben in der ZDFmediathekVorlage:Abrufdatum (offline)</ref> eine Autobombe im Zentrum der norwegischen Hauptstadt. Bei der Explosion wurden acht Menschen getötet und weitere zehn Menschen verletzt.

Zwei Stunden später erschoss der Täter mit dem Selbstladegewehr Ruger Mini-14<ref>Anders Behring Breivik`s Ruger Mini 14. In: Foto: Police Picture Released to Media. Abgerufen am 3. Juli 2017.</ref> auf der Insel Utøya in einem Feriencamp der Jugendorganisation der Arbeiderpartiet, Arbeidernes Ungdomsfylking (AUF), 69 Menschen. Das Massaker dauerte etwa 90 Minuten.<ref>net-tribune: Zahl der Anschlagsopfer in Norwegen auf 77 gestiegen. In: net-tribune.de. Abgerufen am 30. Juli 2011.</ref>

Breivik wurde am frühen Abend des 22. Juli auf Utøya als Tatverdächtiger festgenommen;<ref name="spiegel">Gerald Traufetter: Mutmaßlicher Attentäter. Blond, blauäugig, skrupellos. Spiegel Online, 23. Juli 2011.</ref> er gestand die Taten am nächsten Tag und äußerte islamfeindliche Motive. Vor der Tat hatte er ein über 1500 Seiten umfassendes Dokument verschickt, in dem er versuchte, seinen Anschlag zu rechtfertigen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verdächtiger legt Geständnis ab. (Memento vom 25. Juli 2011 im Internet Archive), Tagesschau.de, abgerufen am 24. Juli 2011.</ref><ref>Attentäter begründet Bluttat mit krudem Menschenhass. Spiegel Online, 24. Juli 2011, abgerufen am 24. Juli 2011.</ref> Laut einem am 29. November 2011 bekanntgegebenen rechtspsychiatrischen Gutachten litt Breivik an einer schweren Psychose und war zur Tatzeit nicht zurechnungsfähig.<ref>Utøya-Attentäter soll unzurechnungsfähig sein – Breivik litt unter Psychose sueddeutsche.de, 29. November 2011.</ref> Ein zweites Gutachten kam zu einem gegenteiligen Ergebnis. Im August 2012 wurde Breivik von einem norwegischen Gericht für zurechnungsfähig erklärt und zu 21 Jahren Gefängnis mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, der Höchststrafe.<ref>Urteil gegen Breivik: 21 Jahren Haft plus Sicherungsverwahrung bei Spiegel Online, 24. August 2012 (abgerufen am 24. August 2012).</ref>

Planung

Die Attentate, wie sie Breivik am 22. Juli 2011 verübte, waren nur ein mögliches Szenario, das er in Erwägung zog. Er habe erhebliche Probleme beim Bau der Bomben gehabt, weshalb schließlich das Zeltlager auf Utøya in seinen Fokus rückte.

In Breiviks Manifest sind Planung, Materialbeschaffung und Maßnahmen, um nicht aufzufallen, ausführlich beschrieben. Für die Tage vor dem Attentat habe er 2000 Euro für eine „Edelhure“ beiseite gelegt und ging noch einmal auf die Sonnenbank, teilte Breivik mit. 2006 widmete er sich fast ein Jahr lang täglich fast ausschließlich dem Online-Computerspiel World of Warcraft, bis zu 16 Stunden jeden Tag. Sein Entschluss zum Attentat stand da bereits fest. Ein anderes Computerspiel, Call of Duty: Modern Warfare 2 nutzte Breivik eigenen Angaben zufolge zur Vorbereitung auf die Attentate.<ref>Prozess in Oslo - Breivik schildert Planung seiner Anschläge. In: sueddeutsche.de. 19. April 2012, abgerufen am 28. Januar 2024.</ref>

Bombenanschlag in Oslo

Die Explosion durch eine Autobombe ereignete sich im Regierungsviertel in der Grubbegata zwischen dem Erdöl- und Energieministerium und dem 17-stöckigen Hochhaus Høyblokken, in dem mehrere Ministerien und das Büro von Ministerpräsident Jens Stoltenberg untergebracht waren. In einem VW-Crafter-Kleintransporter<ref>Grafikk: Slik skjedde angrepene 22. juli. In: vg.no. 23. Juli 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. März 2012; abgerufen am 23. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Bombebilen sto i Oslo i to dager før bomben smalt. In: tu.no. 23. Juli 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 2. Januar 2012; abgerufen am 23. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> wurde eine Bombe auf Basis von 950 Kilogramm ANC (Ammoniumnitrat und Dieselöl) zur Explosion gebracht.<ref>WELT: Breivik kehrt zurück. 15. August 2011 (Online [abgerufen am 17. September 2019]).</ref> Durch die Explosion wurden acht Menschen getötet.<ref>Polizei korrigiert Zahl der Toten deutlich nach unten (Politik, International, NZZ Online). In: nzz.ch. Abgerufen am 27. Juli 2011.</ref> Mehrere Gebäude wurden beschädigt. Die Baustruktur, auf der der Kleintransporter geparkt war, brach ein. Dieser Einbruch hat aber nach Darstellung des im Gerichtsverfahren vernommenen Spezialisten die Stärke der Druckwelle nur unwesentlich verringert.<ref>Aftenposten: Ekspert: – Garasjeanlegget dempet ikke Breiviks bombe, 24. April 2012.</ref><ref>NRK: Slik så eksplosjonen ut, 24. April 2012.</ref>

Im Öl- und Energieministerium entstand in den oberen Stockwerken ein Brand. Die Druckwelle der Explosion brachte Fensterscheiben im Umkreis von einem Kilometer zum Bersten. Trümmerteile von Gebäuden lagen in den Straßen rund um den Anschlagsort verstreut.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL, tagesschau.de, 22. Juli 2011. Abgerufen am 26. Juli 2011Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Weniger als drei Stunden nach der Explosion hatte die Polizei mithilfe von Überwachungsvideos das Kennzeichen des Kleintransporters herausgefunden und auch Anders Behring Breivik als Fahrzeugführer identifiziert. Unmittelbar nach dem Verlassen des Tatorts fuhr Breivik mit einem in der Nähe geparkten anderen Fahrzeug nach Utøya.<ref name="Aftenposten.no">Visste hvem han var før pågripelsen – Nyheter – Innenriks – Aftenposten.no. In: aftenposten.no. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. Juli 2011; abgerufen am 27. Juli 2011.</ref> Nur kurz vor dem Anschlag schloss die Delta-Spezialeinheit im Regierungsviertel eine Übung ab, die Terrorbekämpfung zum Ziel hatte.<ref name="Aftenposten">Trente på Utøya-scenario 22. juli. In: aftenposten.no. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Juni 2012; abgerufen am 29. April 2012.</ref>

Anschlag auf Utøya

Datei:Utøya (2011).jpg
Die Insel Utøya

Auf der rund 30 Kilometer nordwestlich von Oslo im Tyrifjord gelegenen Insel Utøya befanden sich etwa 560 Menschen, überwiegend Jugendliche in einem Sommercamp, das von der Arbeidernes Ungdomsfylking (AUF), der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet, alljährlich veranstaltet wurde. Der Täter erreichte die Insel um 17:15 Uhr.<ref name="dommen" /> Von etwa 17:20 Uhr bis 18:35 Uhr schoss der Täter gezielt auf seine Opfer und tötete dabei 69 Menschen.<ref name="dommen" /><ref name="SPON Anschlag">Anschlag auf norwegischer Insel. Täter hatte circa 90 Minuten Zeit für das Massaker, Spiegel Online, 23. Juli 2011</ref><ref>Attentäter kaufte tonnenweise Dünger für die Autobombe, stern.de, abgerufen am 23. Juli 2011</ref><ref>Die Zeit, 25. Juli 2011: Polizei spricht von 76 Toten</ref><ref>VG.no vom 24. Juli 2011: Ablauf des Dramas – Minute für Minute (norwegisch)</ref>

Am frühen Nachmittag hatte die langjährige Ministerpräsidentin Norwegens, Gro Harlem Brundtland, dort einen Vortrag gehalten. Breivik wollte auch Brundtland ermorden,<ref>kbe/AFP/DPA / DPA: Anschläge in Norwegen: Anders Behring Breivik will in Uniform aussagen. In: stern.de. 25. Juli 2011, abgerufen am 13. März 2019.</ref> die er in Internet-Debatten „Landesmörderin“ genannt hatte,<ref>„landesmo(r)deren“ als Paronomasie aus norwegisch „landesmoderen“ (Landesmutter) und „landesmorderen“ (Landesmörderin)</ref> weil er sie als hauptverantwortlich für die norwegische Immigrationspolitik ansah. Sie hatte jedoch einige Minuten vor seiner Ankunft die Insel verlassen.<ref>Per Hinrichs: Die Taten gibt er zu, aber nicht die Schuld. In: Die Welt, 26. Juli 2011</ref>

Tathergang

Breivik, der eine Polizeiuniform trug und vorgab, als Polizist für die Sicherheit der Sommercamp-Teilnehmer abgestellt worden zu sein, setzte zusammen mit Monica B., die Leiterin des Sommerlagers war, gegen 17:00 Uhr mit dem Boot MS Thorbjørn, das der AUF gehört, zur Insel über. Auf der Insel angekommen, ging er zusammen mit Monica ins Haupthaus der Insel, wo sie auf Trond B., der als unbewaffnete Wache für das Sommerlager angestellt wurde, trafen. Beide waren die ersten Opfer, als Breivik im Haupthaus das Feuer eröffnete.<ref>Slik er hovedhuset på Utøya. Abgerufen am 25. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Massaker dauerte 60 Minuten: Attentäter schoss mit Spezialmunition – n-tv.de. In: n-tv.de. Abgerufen am 26. Juli 2011.</ref> Nachdem Breivik über der Insel Amok gelaufen war, ging er zum Wasser und schoss auf Jugendliche, die sich in den Tyrifjord flüchteten und zum Teil versuchten, zum 600 Meter entfernten Festland zu schwimmen.<ref name="SPON Anschlag" /> Nach einem Augenzeugenbericht ermordete er mit Kopfschüssen gezielt sich totstellende Verwundete und verschonte zwei Jugendliche bewusst, die ihn jeweils unabhängig voneinander aufgefordert hatten, sie nicht zu töten.<ref>«Du har allerede drept pappaen min, jeg er for ung til å dø» auf nrk.no, abgerufen am 1. August 2011.</ref> Einige Camper, insbesondere diejenigen, die die Insel gut kannten, schwammen zur felsigen Westseite der Insel und versteckten sich in Höhlen, die nur vom Wasser aus zugänglich sind.<ref>Berget livet i kjærlighetsgrottene. Abgerufen am 25. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 23 überlebende Jugendliche versteckten sich in einer Höhle.<ref>Nikolaus von Twickel: Chechen War Prepared Teens for Norway Terror. 15. August 2011, abgerufen am 25. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 47 der Überlebenden, darunter Angehörige der Organisation Norwegische Volkshilfe, suchten während des Anschlags Zuflucht im Schulungshaus der Insel. Zwar schoss Breivik mehrmals durch die verriegelte Tür, konnte diese aber nicht überwinden und gelangte auch nicht auf anderem Wege ins Haus.<ref>- Skolestuen berget mange liv. Abgerufen am 25. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>fvn.no > - Trodde vi var eneste overlevende. 8. August 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. August 2011; abgerufen am 23. März 2024.</ref>

Um 17:27 Uhr verzeichnete das Protokoll der Polizei von Nord-Buskerud den Eingang des ersten Notrufs.<ref name="Aftenposten.no" /> Etwa eine halbe Stunde nach Beginn der Erschießungen meldete sich der Täter selbst telefonisch bei der Polizei, da er sich ergeben wollte.<ref>BBC: BBC This World – Norway's Massacre. 2. Juli 2012, abgerufen am 22. Februar 2018 (Minute 29:30).</ref> Der Täter verfolgte seine Opfer über die Insel, bis er nach etwa 72 Minuten von der Anti-Terror-Einheit Beredskapstroppen gestellt wurde und sich widerstandslos festnehmen ließ.<ref name="korgespon">Massaker bei Oslo: Überlebende schildern Hinrichtungsszenen auf Ferieninsel. In: spiegel.de. Abgerufen am 27. Juli 2011.</ref> Etwa 150 Jugendliche wurden mit Booten aus dem Wasser gerettet. Der deutsche Dachdecker Marcel Gleffe rettete allein mindestens 20 Menschenleben.<ref>Die Helden von Utvika in spiegel.de/panorama/justiz</ref>

Drei Wochen nach den Anschlägen wurde auf der Insel Utøya eine Tatortbegehung mit Rekonstruktion des Tatherganges durchgeführt. Breivik habe bei jener Rekonstruktion zwar mit den Beamten zusammengearbeitet, aber keine Reue gezeigt.<ref>Rückkehr nach Utøya. Breivik stellt seine Menschenjagd nach Spiegel Online, 14. August 2011. Abgerufen am 14. August 2011</ref>

Opfer

Unter den 69 Todesopfern auf der Insel Utøya befand sich Tore Eikeland, Vorsitzender der AUF in Hordaland.<ref>Osterøy i sorg, Dagbladet, 25. Juli 2011 (norw.)</ref> Auch der Stiefbruder der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit<ref>Swantje Dake: Kronprinzessin Mette-Marit verliert Stiefbruder: Der heldenhafte Einsatz des Trond Berntsen. stern.de, 25. Juli 2011, abgerufen am 21. Dezember 2012.</ref> und die Organisatorin des Ferienlagers waren unter den Toten.<ref>«Mor Utøya» blant de første som ble drept. In: dagbladet.no. Abgerufen am 27. Juli 2011.</ref> 67 der Opfer starben an Schusswunden, eines stürzte bei der Flucht tödlich von einem Felsen, eines ertrank bei der Flucht. Die Opfer waren zwischen 14 und 51 Jahre alt, 32 von ihnen unter 18 Jahre.<ref>Aage Storm Borchgrevink: En norsk tragedie. Anders Behring Breivik og veiene til Utøya, Oslo 2012, S. 299.</ref> Breivik traf die final Verstorbenen durchschnittlich 2,8 mal, ein einzelnes Opfer acht Mal. Er gab insgesamt mindestens 187 Schüsse ab, mit denen er Personen traf, die sofort oder an den Folgen verstarben. 33 Personen auf Utøya wurden durch Schüsse verletzt, überlebten aber. Die genauen anatomischen Schussverläufe und Verletzungen, Aussagen über die vermutliche Todesursache sowie Details zur Auffindesituation wurden dokumentiert und Teil der Anklageschrift.

Eine Liste der Opfer mit Fotos wurde von der norwegischen Zeitung Aftenposten veröffentlicht.<ref>Emma Tollersrud: Alle navnene offentliggjort. Aftenposten, 7. August 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. August 2011; abgerufen am 3. Januar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Täter

Die Polizei bestätigte auf einer Pressekonferenz, dass der festgenommene und geständige<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verdächtiger legt Geständnis ab (Memento vom 25. Juli 2011 im Internet Archive), Tagesschau.de, abgerufen am 24. Juli 2011</ref> Verdächtige auch am Tatort in der Osloer Innenstadt gesehen worden sei. Bei dem Verhafteten handelte es sich nach Angaben des stellvertretenden Polizeichefs von Oslo um den zum Tatzeitpunkt 32-jährigen gebürtigen Norweger Anders Behring Breivik.<ref>Anders Behring Breivik (32) i Oslo ble pågrepet etter bombe og massedrap, tv2.no</ref> Auf den Inhaber eines Landwirtschaftsunternehmens in der Gemeinde Åmot<ref>Nøkkelopplysninger fra Enhetsregisteret, Brønnøysundregistrene</ref> waren zwei Waffen im staatlichen Register eingetragen, darunter eine Pistole vom Typ Glock.<ref name="spiegel" /> Aufgrund seiner früheren Tätigkeiten und Äußerungen wird sein politischer Standpunkt als rechtsextrem beschrieben.<ref>„Christlicher Fundamentalist“ mit Kontakten zur rechten Szene, derStandard.at, 23. Juli 2011</ref> Breivik sagt von sich, er sei kein Christ und glaube an Odin.<ref>Breivik: Jeg er ikke kristen (Breivik: Ich bin kein Christ). Abgerufen am 9. Juni 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Breivik mener Jesus er „patetisk“ (Breivik hält Jesus für „lächerlich“). Abgerufen am 9. Juni 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Noch in der Nacht zu Samstag durchsuchten Polizeispezialkräfte Breiviks Wohnung in Oslo und den Landwirtschaftsbetrieb Breivik Geofarm. Dabei wurde bekannt, dass Breivik sich im Mai sechs Tonnen Mineraldünger hatte liefern lassen, den er, wie sich später herausstellte, zum Bau einer Bombe verwendete.<ref>Peter Beaumont: Anders Behring Breivik: profile of a mass murderer, guardian.co.uk, 23. Juli 2011</ref> Während der polizeilichen Vernehmung vom 22. Juli gestand Breivik, eine 950-Kilogramm-Bombe im Osloer Regierungsviertel zur Explosion gebracht zu haben.<ref>Ein Land im Schatten des Attentäters, Spiegel Online, 25. Juli 2011, abgerufen am 26. Juli 2011</ref> Bei ihr handelte es sich um eine Autobombe.<ref>Gericht schließt Öffentlichkeit von Breivik-Anhörung aus, Spiegel Online, 25. Juli 2011, abgerufen am 26. Juli 2011</ref>

Breivik legte einen Tag nach der Tat zwar ein Geständnis ab, bekannte sich jedoch keines Verbrechens schuldig.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., reuters online 24. Juli 2011, abgerufen am 24. Juli 2011</ref> Am 25. Juli wurde Breivik dem Haftrichter vorgeführt, der eine achtwöchige Untersuchungshaft, darunter vier Wochen in Isolationshaft, anordnete.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.drs.chIsolationshaft für norwegischen Attentäter (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2024. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot drs.ch, 25. Juli 2011</ref>

Manifest

Breivik versandte kurz vor der Tat ein gemeinhin als „Manifest“<ref>Manifest des Massenmörders. In: de.spiegel.de. 23. Juli 2011, abgerufen am 23. Juli 2011.</ref><ref>Terror in Norwegen: Manifest des Massenmörders. In: focus.de. 23. Juli 2011, abgerufen am 23. Juli 2011.</ref><ref>Das verstörende Manifest des Anders Behring Breivik. In: sueddeutsche.de. 23. Juli 2011, abgerufen am 23. Juli 2011.</ref> bezeichnetes rund 1500-seitiges Pamphlet an 1003 E-Mail-Empfänger, darunter Nachrichtenredaktionen und rechtsgerichtete Politiker. In dem 2083 A European Declaration of Independence (2083 Eine Europäische Unabhängigkeitserklärung) betitelten Dokument erklärte er unter anderem, wie er die Anschläge vorbereitet hatte. Die Schrift enthält ein in Tagebuchform geführtes Protokoll über die Vorbereitung der Anschläge.<ref>„Kreuzzug gegen den Kulturmarxismus“. FAZ.net, 25. Juli 2011, abgerufen am 25. Juli 2011</ref> Das Pamphlet besteht in großen Teilen aus einer Zusammenstellung fremder Texte von zahlreichen antiislamischen, rechtsgerichteten Blogs wie Gates of Vienna.<ref name="pat">Der Attentäter und die Hassblogger. Spiegel Online, 24. Juli 2011.</ref> Breivik stilisierte sich in der Schrift als Retter einer christlich-europäischen Ordnung. Er griff dabei rechtspopulistische Ideen national-konservativer Intellektueller auf, die einen vermeintlichen Kulturmarxismus, der für eine angeblich geplante Islamisierung Europas verantwortlich gemacht wird, sowie weitere „fremde Einflüsse“ u. a. unter Berufung auf die Konservative Revolution bekämpfen. Nach eigener Darstellung plante Breivik die Tat seit neun Jahren.<ref>Nürnberger Nachrichten vom 25. Juli 2011</ref> Weiter schrieb er, er wolle das Pamphlet für die Zeit nach einer möglichen Festnahme in einer „Propagandaphase“ nutzen.<ref>Gericht schließt Öffentlichkeit von Breivik-Anhörung aus Spiegel Online vom 25. Juli 2011</ref>

Mehrere der als „ideologische Vordenker“ des norwegischen Massenmörders bezeichneten Personen wie Bat Yeʾor, auf deren Thesen Breiviks islamophobe Ideologie maßgeblich fußt, der norwegische Blogger Fjordman, aus dessen Schriften sich Breivik umfänglich bediente, und der englische mutmaßliche Rechtsradikale Paul Ray distanzierten sich von Breiviks Gewalttaten und äußerten Bedauern darüber, dass ihre Schriften möglicherweise eine der „Inspirationen“ Breiviks gewesen sein könnten.<ref>Ein bisschen Reue, ein bisschen Ausrede</ref>

Das Manifest enthält konkrete Anleitungen zur Wirkungssteigerung von Kampfmitteln und Schusswaffen. In Sicherheitskreisen wird dies als Zäsur für die Gefahrenabwehr diskutiert, welche die Schutzfunktion der Normen des Sprengstoff- und Waffengesetzes in Frage stellt.<ref>Kriminologische Gesellschaft in Köln: Abstractband zur 14. Wissenschaftlichen Fachtagung der Kriminologischen Gesellschaft in Köln vom 24.09.-26.09.2015. Abgerufen am 5. Juli 2017: „Die Veröffentlichung des Manifests durch den ABB bedeutet aufgrund einiger Inhalte eine Zäsur für die Gefahrenabwehr. Das Gefahrenpotenzial ist durch das „Manifest“ erheblich erweitert worden, ein Sachverhalt der aber bisher kaum ausreichend gewürdigt worden ist. Dabei werden im Manifest neben Ratschlägen zur deliktrelevanten Nutzung von Kampfmitteln (USBV) und Schusswaffen (SW) auch konkrete Anleitungen zur Wirkungssteigerung dieser Tatmittel gegeben. Aus der Sachstandsdarstellung der Wirkungspotenziale der USBV und SW vor Breiviks Veröffentlichung wird an Versuchsbeispielen (sprengtechnische Rekonstruktion etc.) gezeigt, ob und wie sich das Gefahrenpotenzial von USBV und SW steigert. Die tatsächliche Schutzfunktion der Normen Spreng- und WaffG werden mit Blick auf das geänderte Gefahrenpotenzial diskutiert.“</ref><ref>Fritz Pfeiffer, Büro für Umweltgeologie und Sicherheitsforschung, Marburg: Von der abstrakten zur konkreten Gefahr (Präsentationsfolien). Das Manifest des Anders Breivik. Eine Zäsur für die Gefahrenabwehr aus naturwissenschaftlicher Perspektive? Abgerufen am 5. Juli 2017.</ref>

Videoaufnahme

Rund sechs Stunden vor den Anschlägen wurde eine Videoaufnahme auf den Videoportalen YouTube und Veoh veröffentlicht, die einige Kernpunkte von Breiviks Declaration zusammenfasst und den Täter unter anderem mit einem Gewehr zeigt. Bei dem Gewehr handelt es sich um eine modifizierte Ruger Mini-14, auf die er in seinem Manifest eingeht. Die Entstehung dieses Videos ist ebenfalls in dem Schreiben dokumentiert. Demnach hat Breivik Wert darauf gelegt, auf den Fotos und in dem Video gepflegt auszusehen; er sah die Bilder nach eigener Aussage als „Werbe-Material“ für eines der „einflussreichsten Individuen dieser Zeit“.<ref>John Stevens: Massacre gunman posted YouTube video calling followers to 'embrace martyrdom' six hours before attacks, Daily Mail Online, 24. Juli 2011.</ref>

Reaktionen

Foto einer Menschenmenge hinter niedergelegten Blumenkränzen und Kerzen
Gedenken an die Opfer
Datei:2011-07-23 flowers (01).JPG
Blumen zum Gedenken an die Opfer

Unmittelbar nach dem Bombenanschlag in der Innenstadt spekulierten einige Medien kurzzeitig über einen islamistischen Hintergrund.<ref>Kein Islamist, sondern ein christlicher Fundamentalist: Behörden waren auf dem rechten Auge blind. In: focus.de. Abgerufen am 27. Juli 2011.</ref><ref>Medienreaktion auf Massaker: Vorurteile machen blind. In: spiegel.de. Abgerufen am 27. Juli 2011.</ref> Verstärkt wurde diese Annahme durch ein Bekennerschreiben einer bisher unbekannten islamistischen Gruppierung, welches sich jedoch bald als falsch herausstellte.<ref>Video ZDF heute journal: Zwei Attentate – ein Täter? in der ZDFmediathekVorlage:Abrufdatum (offline)</ref>

In Norwegen

Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg bewertete das Ereignis als schlimmste Katastrophe in Norwegen seit dem Zweiten Weltkrieg. In einer ersten Pressekonferenz mit dem norwegischen Justizminister Knut Storberget bekräftigte Stoltenberg am Abend des 22. Juli: „Ihr werdet unsere Demokratie und unser Engagement für eine bessere Welt nicht zerstören. [Niemand könne Norwegen] zum Schweigen schießen“.<ref>Kurzzeitige Festnahmen bei Polizeieinsatz in Oslo, Frankfurter Rundschau Online, 22. Juli 2011, abgerufen am 25. Juli 2011</ref> Zwei Tage nach den Attentaten sagte Stoltenberg in seiner Rede bei dem Trauergottesdienst im Osloer Dom: „Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.“<ref>Norwegens Art, die Freiheit zu verteidigen, Zeit Online, 25. Juli 2011, abgerufen am 25. Juli 2011</ref> Der Osloer Dom wurde in den Tagen nach den Anschlägen zum Mittelpunkt der Trauerbekundungen, der Platz vor dem Dom war tagelang mit Rosen übersät.

Am 25. Juli gedachten die Bürger Norwegens und der skandinavischen Nachbarländer mit einer Schweigeminute der Opfer. Alle Eisenbahnzüge wurden zum Halten gebracht, in der Hauptstadt Oslo auch der Straßenverkehr. Am Abend versammelten sich mehrere Hunderttausend Norweger in Oslo und anderen Städten, um zusammen gegen Gewalt auf die Straße zu gehen und der Opfer zu gedenken.<ref>Eine Nation ringt um Trost, Spiegel Online vom 25. Juli 2011</ref>

Am 21. August fand in Oslo eine nationale Gedenkfeier statt, an der neben der norwegischen Königsfamilie auch Mitglieder des schwedischen und des dänischen Königshauses sowie die Präsidenten Islands und Finnlands teilnahmen. Bei der Veranstaltung traten auch verschiedene Künstler auf, unter anderem die norwegische Band a-ha, die sich bereits Ende 2010 aufgelöst hatte.<ref>'Slik blir minneseremonien i dag', NRK vom 21. August 2011</ref><ref>'Norwegen trauert um seine Toten', Zeit online vom 21. August 2011</ref>

Am 26. April 2012 gedachten in Oslo rund 40.000 Menschen der Opfer der Anschläge und protestierten gegen die Taten. Geleitet wurde die Veranstaltung von Lillebjørn Nilsen, dem Autor des norwegischen Liedes Barn av regnbuen (dt. Kinder des Regenbogens). Das Lied wurde von den Teilnehmern gemeinsam gesungen. An der Gedenkveranstaltung nahmen auch die Kulturminister der skandinavischen Länder teil.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Zehntausende Norweger singen gegen Breivik.] tagesschau.de, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 26. April 2012.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Nach den Anschlägen gewann das Lied Mitt lille land (Mein kleines Land) starke Popularität als „Symbol der Trauer“ und wurde als „neue Nationalhymne“ bezeichnet.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Mein kleines Land gibt es nicht mehr.] Frankfurter Allgemeine Zeitung, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 26. Mai 2012.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Anlässlich des ersten Jahrestages der Anschläge von Oslo und Utøya fanden in ganz Norwegen Gedenkgottesdienste statt. Zu den zentralen Gedenkveranstaltungen zählte neben einem Gottesdienst in dem Osloer Dom im Beisein des norwegischen Königs ein Konzert vor dem Rathaus von Oslo.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Norwegen trauert und wartet.] Frankfurter Allgemeine Zeitung, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 22. Juli 2012.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Für den 13. August 2012 wurde ein Untersuchungsbericht veröffentlicht, in dem das Verhalten von Polizei und Behörden am 22. Juli 2011 analysiert wurde. Am 24. August 2012 erfolgte der Urteilsspruch gegen den Attentäter Anders Behring Breivik.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Gedenken mit schalem Beigeschmack.] Wiener Zeitung, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 22. Juli 2012.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Er wurde zu 21 Jahren Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, seit dem 7. September 2012 ist das Urteil rechtskräftig.<ref>Urteil gegen Breivik wird rechtskräftig. In: derstandard.at. 7. September 2012, abgerufen am 2. Februar 2024.</ref>

International

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte die Anschläge in Norwegen. In einer gemeinsamen Erklärung sprachen sich die 15 Ratsmitglieder am 23. Juli „auf das Schärfste [gegen die Taten aus,] alle Terrorakte sind verbrecherisch und unentschuldbar, was auch immer ihr Beweggrund ist“, hieß es in der Erklärung.<ref>spiegel.de: Norwegen widersteht dem Hass</ref> Im gleichen Sinn äußerten sich Staats- und Regierungschefs der meisten Staaten. Die Sprecher verschiedener rechtsgerichteter und islamkritischer Organisationen distanzierten sich von Breivik.

Der deutsche Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich forderte nach den Anschlägen in Norwegen und dem Bekanntwerden der Identität des Bloggers Fjordman ein Ende der Anonymität im Internet. Politisch motivierte Täter wie Anders Behring Breivik fänden im Internet radikalisierte Thesen. Fjordman und andere anonyme Blogger hätten ihre „wahre Identität zu offenbaren“ und „mit offenem Visier“ zu argumentieren.<ref>Innenminister Friedrich fordert Ende der Anonymität im Internet Spiegel Online, 7. August 2011, abgerufen am 7. August 2011</ref>

Kritik an der Polizei und Rücktritt des Polizeichefs

Datei:Øystein Mæland.jpg
Øystein Mæland

Die Spezialeinheit Beredskapstroppen wurde hinsichtlich der Zeitdauer von rund einer Stunde kritisiert, die sie bis zum Erreichen der Insel benötigte. Erklärt wurde dies mit dem Urlaub sämtlicher Hubschrauberpiloten<ref>Lydia Rosenfelder: Attentat auf Utøya. Inmitten des Horrors, veröffentlicht am 25. Juli 2011 auf faz.net, zuletzt geprüft am 4. Oktober 2011</ref> sowie dem Maschinenschaden des polizeieigenen Bootes, wodurch andere Boote und eine weiter entfernt befindliche Ablegestelle genutzt werden mussten.<ref>dpa: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Terrorismus. Kritik an Norwegens Polizei wird lauter (Memento vom 30. Januar 2012 im Internet Archive), veröffentlicht am 10. August 2011 auf zeit.de, zuletzt geprüft am 4. Oktober 2011</ref><ref name="korgespon" />

Nach ihrer Ankunft nahm die Beredskapstroppen einen 17-jährigen aus Tschetschenien stammenden Überlebenden fest, der nach siebzehn Stunden aus der Haft entlassen wurde.<ref>Detaillierte Angaben zu Attentaten, ORF, 14. August 2011, abgerufen am 17. August 2011.</ref><ref>Meldung der AFP: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Survivor held for 17 hours after attack (Memento vom 5. März 2012 im Internet Archive) (englisch), 13. August 2011, abgerufen am 17. August 2011.</ref> Der norwegische Rechtsanwalt Harald Stabell kritisierte die mangelnde Benachrichtigung seiner Familie, die zu dieser Zeit nach Überlebenden suchte und Tote identifizierte. Das Verhör sei außerdem ohne Gegenwart eines Anwaltes durchgeführt worden.<ref>Marianne Vikås u. a., Utøya-offer kastet på glattcelle (norwegisch), Verdens Gang, 12. August 2011, abgerufen am 17. August 2011.</ref><ref>Lisbeth Jørgensen, Sjur Øverås Knudsen, Overlevde Utøya – kastet på celle (auf Norwegisch), NRK, 12. August 2011, abgerufen am 17. August 2011.</ref>

Nach der Kritik einer Expertenkommission am Polizeieinsatz im August 2012 trat Norwegens Polizeichef Øystein Mæland mit sofortiger Wirkung zurück. Mæland, der das Amt kurz vor den Anschlägen angetreten hatte, begründete den Schritt mit mangelndem politischen Rückhalt.<ref>Kritik an Breivik-Einsatz: Norwegens Polizeichef Maeland tritt zurück bei focus.de, 17. August 2012 (abgerufen am 18. August 2012).</ref>

Ort des Gedenkens

Um einen Ort des Gedenkens auf der Insel Utøya entstand ein jahrelanger Konflikt zwischen Überlebenden des Anschlags und Angehörigen der Opfer mit Bewohnern, die nicht täglich an die Geschehnisse von 2011 erinnert werden wollen und Retraumatisierung fürchten. Anwohner einer nahegelegenen Halbinsel nördlich von Utøya verhinderten eine Gedenkstätte, die bereits 2015 hätte fertiggestellt werden sollen. Im September 2020 erwirkten Kritiker einen Stopp für das Aufstellen von drei Meter hohen Stelen am Fährkai von Utøya. Im Februar 2021 entschied ein Gericht, dass das Denkmal gebaut werden darf.<ref>Gedenkstreit um die Opfer von Utøya. In: Der Spiegel. 20. Februar 2021, S. 79.</ref> Am 18. Juni 2022 wurde die Gedenkstätte am Kai eröffnet. Sie besteht aus 77 Bronze­säulen – eine für jedes Todesopfer.<ref>Norwegische Gedenkstätte für Utøya-Opfer eröffnet, Salzburger Nachrichten, 18. Juni 2022.</ref>

Filme

Literatur

  • Aage Storm Borchgrevink: En norsk tragedie – Anders Behring Breivik og veiene til Utøya. Gyldendal, Oslo 2012, ISBN 978-82-05-42878-2.
  • Stian Bromark: Massacre in Norway: The 2011 Terror Attacks on the UtoYa Youth Camp. Potomac, Dulles 2014, ISBN 978-1-61234-668-7.
  • Rainer Just, Gabriel Ramin Schor (Hrsg.): Vorboten der Barbarei. Zum Massaker von Utøya (= Laika Theorie. Bd. 14). Laika-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-942281-19-5.
  • Geir Lippestad: Det vi kan stå for. Aschehoug, Oslo 2013, ISBN 978-82-03-29394-8.
    • Ich verteidigte Anders Breivik. Warum? Meine schwierigste Strafverteidigung. Herder, Freiburg im Breisgau 2015, ISBN 978-3-451-34274-5.
  • Åsne Seierstad: One of Us: The Story of a Massacre in Norway - And Its Aftermath. AUDIBLE STUDIOS ON BRILLIANCE, Newark 2017, ISBN 978-1-536649-49-9.
  • Regina Wamper, Ekaterina Jadschenko: Das hat doch nichts mit uns zu tun! Die Anschläge in Norwegen in deutschsprachigen Medien. In: Marc Jacobsen (Hrsg.): Edition DISS. Band 30. Unrast, Münster 2011, ISBN 978-3-89771-759-6.

Dokumentation

Weblinks

Commons: Anschläge in Norwegen 2011 – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

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