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Friedrich Joloff

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Friedrich Joloff (* 14. Dezember 1908 in Berlin-Rixdorf als Friedrich Hans Glaeske, seit 1911 Jolowicz; † 4. Januar 1988 in Verden an der Aller, Niedersachsen) war ein deutscher Schauspieler, Hörspiel- und Synchronsprecher.

Familie

Joloff wurde am 14. Dezember 1908 als unehelicher Sohn der Korrespondentin Elsa Glaeske (1888–1962) in der zu dieser Zeit noch selbstständigen Stadt Rixdorf bei Berlin geboren.<ref>Archivgut: Zivilstandsregister Rixdorf. Bestand: Geburtenbuch, Jg. 1908. Dokument: Urkundennummer 4382. Landesarchiv Berlin. 14.12.1908. Signatur: P Rep. 350, 863. </ref> Sein Vater war der sehr wohlhabende Immobilienkaufmann Friedrich (Fritz) Jolowicz (1871–1952), auf dessen Antrag vom 25. Mai 1911 das Kind die Legitimation erhielt. Am 26. Februar 1912 heiratete er Elsa Glaeske. Jolowicz Senior stammte aus dem damals ungarischen, heute rumänischen Lugosch<ref>Archivgut: Zivilstandsregister Charlottenburg I. Bestand: Heiratsbuch, Jg. 1912. Dokument: Urkundennummer 101. Landesarchiv Berlin. 26.02.1912. Signatur: P Rep. 551, 702. </ref> und wurde dort am 30. August 1871 evangelisch getauft. Dessen Vater Simon Jolowicz war ebenfalls Kaufmann und jüdischen Glaubens, weshalb sein Sohn seit 1935 als Halbjude geführt wurde.<ref>Einwohnermeldeamt Coburg: Deutsche Juden-Halbjuden. Arolsen Archiv, 19. August 1946, abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> Dank einer Geldzuwendung an den damaligen Berliner Polizeipräsidenten Wolf-Heinrich Graf von Helldorff hielt dieser seine schützende Hand über die Familie Joloff und sie überlebten die NS-Zeit.<ref>Verwaltungsgericht Frankfurt/Oder: Urteil in Sachen Familie Jolowicz gegen die Bundesrepublik Deutschland, Az: 8 K 110/11. openJur gGmbH Hamburg, 26. Oktober 2011, abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref>

Leben

Datei:Berlin-Lichterfelde, Bahnhofstr. 30.jpg
Villa der Familie Jolowicz seit 1920 in Berlin-Lichterfelde, Bahnhofstr. 30

Joloff wuchs in Berlin-Lichterfelde, Bahnhofstr. 30, auf und absolvierte seine Schauspielausbildung von 1925 bis 1927 bei Lothar Müthel an der Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin.<ref name="ThB">Thomas Bräutigam: Stars und ihre deutschen Stimmen. Lexikon der Synchronsprecher. 3. verbesserte, ergänzte Auflage. Schüren, Marburg 2013 [1. Auflage 2001], ISBN 978-3-89472-812-0, S. 138.</ref> Im März 1927 gab er dort sein Debüt in dem Stück Toni von Gina Kaus. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 musste er aus dem Ensemble des Deutschen Theaters ausscheiden und erhielt aufgrund seiner jüdischen Vorfahren Berufsverbot.<ref>Vergleich dazu: Archivgut: Sammlung Berlin Document Center. Bestand: Personenbezogene Unterlagen der Reichskulturkammer (RKK), hier Friedrich Jolowicz, * 14.12.1908. Bundesarchiv, Standort Berlin-Lichterfelde. Signatur: PR 9361-V/144739. </ref> Joloff lebte danach in Italien, erhielt 1939 zum Beginn des Zweiten Weltkrieges seine Einberufung zum Militärdienst<ref name="ThB" /> und geriet bereits vor 1943 in Kriegsgefangenschaft. Er wurde in Kanada und England interniert, wo er jeweils ein Theaterensemble gründete.<ref name="ThB" />

Seit 1947 spielte er wieder an den Berliner Bühnen sowie nun auch an westdeutschen Theatern und gehörte neben Klaus Kinski und Jan Hendriks zu einem Kreis von Homosexuellen, der sich in einer Luxuswohnung über dem bekannten Café Möhring (Kudamm, Ecke Uhlandstraße) traf.<ref>Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann – Ein biographisches Lexikon (= Suhrkamp Taschenbuch. Band 3266). Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-39766-4, S. 613.</ref> Die Wohnung gehörte Sascha Kropotkin, der mitunter in Anlehnung an seinen Urgroßvater Pjotr Alexejewitsch Kropotkin den Namen Fürst Alexander Kroptkin führte.<ref>Willi Tremper: Meine Wilden Jahre. Berlin 1993, ISBN 3-550-06046-7, S. 232.</ref>

Joloff spielte unter anderem den Conti in Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing, Arnold in Michael Kramer von Gerhart Hauptmann und Trigorin in Die Möwe von Anton Pawlowitsch Tschechow.<ref name="ThB" />

In Veit Harlans Film Anders als du und ich verkörperte er den homosexuellen Kunstprofessor Boris, dem in der in Deutschland nicht gezeigten Originalfassung zum Schluss die Flucht nach Italien gelingt. In den 1960er-Jahren wurde Joloff vor allem durch das Fernsehen bekannt, wo er mehr oder weniger geheimnisvolle Persönlichkeiten im Hintergrund darstellte. Neben kleineren Rollen in Tatort und Der Kommissar brachte ihn die erste deutsche Science-Fiction-Serie, die „legendäre“<ref name="SyK">Friedrich Joloff. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 29. Dezember 2020.</ref> Raumpatrouille (1966) einem größeren Publikum nahe. Hier spielte er den Oberst Villa, der als Chef des „Galaktischen Sicherheitsdienstes“ für Recht und Ordnung zu sorgen hat. Weitere Auftritte hatte er in der Edgar-Wallace-Verfilmung Die Tür mit den sieben Schlössern und in Tim Frazer, einem Straßenfeger aus dem Jahr 1963 von Francis Durbridge, sowie den ZDF-Fernsehkrimis Der Tod läuft hinterher, Babeck und 11 Uhr 20.

Als Synchronsprecher lieh er seine Stimme unter anderem Joseph Wiseman als Dr. No im James-Bond-Film James Bond jagt Dr. No, Vittorio Gassman in Bitterer Reis oder Orson Welles als Harry Lime in Der dritte Mann (Synchronfassung von 1949).<ref name="SyK" /><ref>Für eine ausführlichere und differenziertere Charakterisierung seiner Synchronrollen siehe: Thomas Bräutigam: Stars und ihre deutschen Stimmen. Lexikon der Synchronsprecher. 3. verbesserte, ergänzte Auflage. Schüren, Marburg 2013 [1. Auflage 2001], ISBN 978-3-89472-812-0, S. 138.</ref> Es überwogen wie bei seinen Filmrollen die „sinisteren Charaktere“.<ref name="ThB" />

Keinen Schauspieler synchronisierte Friedrich Joloff häufiger als James Mason, nämlich sieben Mal; darunter in so beliebten Filmen wie Der unsichtbare Dritte und Die Reise zum Mittelpunkt der Erde. Er gehört damit zu Masons fünf häufigsten deutschen Stimmen.<ref name="SyK" /><ref>Friedrich Joloff. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 29. Dezember 2020., Anm.: Als „beliebt“ bezeichnet und erwähnt werden hier nur die Filme, deren Wikipedia-Artikel vom 1. Juli 2015 bis zum 28. Dezember 2020 mindestens 150.000 Mal abgerufen wurden.</ref>

Seit 1947 war er auch oft als Hörspielsprecher im Einsatz; häufig in Hauptrollen. Bei vier Produktionen führte er selbst Regie und bearbeitete einige literarische Vorlagen für den Funk.

Friedrich Joloff lebte mehrere Jahre in Rom und in einem Dorf auf der tunesischen Halbinsel Djerba.<ref name="ThB" />

Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte Friedrich Joloff in einem Pflegeheim in Kleinenborstel bei Bruchhausen-Vilsen. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Martfeld.<ref>Klaus Nerger: Das Grab von Friedrich Joloff. In: knerger.de. Abgerufen am 7. August 2023.</ref>

Filmografie

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Theater

Hörspiele

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Synchronrollen (Auswahl)

Friedrich Joloff war beteiligt an den deutschen Fassungen von über 450 Filmen.<ref name="SyK" /><ref name="SyDb">Joloff, Friedrich. Liste der Sprechrollen. In: Synchrondatenbank von Arne Kaul, abgerufen am 29. Dezember 2020 (absteigend sortiert nach Produktionsjahr der Synchronisationen).</ref> Nach zwei Rollen 1949 absolvierte er zwischen 1950 und 1963 jedes Jahr Synchronauftritte in acht bis 54 Filmen,<ref name="SyDb" /> danach „dünnen seine Synchronrollen aus“.<ref name="SyK" /> Er war „vielseitig“, insbesondere hatte er eine „Begabung für Komik“, „blieb aber vor allem im Gedächtnis durch zahlreiche Bösewichter“, darunter die in den ersten zwei James-Bond-Filmen.<ref name="SyK" />

Schauspieler Film/Serie Rolle Jahr der Synchronisation<ref name="SyDb" />
James Coburn Die glorreichen Sieben Britt 1960
Peter Cushing Das Schwert des Robin Hood Sheriff von Nottingham 1961
Henry Daniell Die Kameliendame (2. Synchronisation) Baron de Varville 1951
Anthony Dawson Bei Anruf Mord Charles Alexander Swann 1955
Mitternachtsspitzen Roy Thompson 1960
James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau Ernst Stavro Blofeld 1963
John Dehner Duell mit dem Teufel Ranse Jackman 1955
Vittorio Gassman Bitterer Reis (1. Synchronisation) Walter 1950
Lionel Hampton Die Benny Goodman Story Lionel Hampton 1956
Friedrich Joloff Ich schlafe mit meinem Mörder Inspektor 1970
Duncan Lamont Ben Hur Marius 1960
James Mason Julius Caesar Brutus 1953
Der unsichtbare Dritte Phillip Vandamm 1959
Die Reise zum Mittelpunkt der Erde Sir Oliver S. Lindenbrook 1959
Lord Jim Gentleman Brown 1965
Raymond Massey Arsen und Spitzenhäubchen (2. Synchronisation) Jonathan Brewster 1962
Gregory Peck Herrin der toten Stadt (1. Synchronisation) James ‚Stretch‘ Dawson 1950
Vincent Price Der Mann ohne Gesicht Mark Van Ratten 1954
Orson Welles Der dritte Mann (1. Synchronisation) Harry Lime 1949
Peter Williams Die Brücke am Kwai Hauptmann Reeves 1958
Joseph Wiseman James Bond 007 jagt Dr. No Dr. Julius No 1962

Literatur

  • Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 195.
  • Thomas Bräutigam: Stars und ihre deutschen Stimmen. Lexikon der Synchronsprecher. 3. verbesserte, ergänzte Auflage. Schüren, Marburg 2013 [1. Auflage 2001], ISBN 978-3-89472-812-0, S. 138.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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