Dickkopffalter
<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />
| Dickkopffalter | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Thymelicus.sylvestris.-.lindsey.jpg
Braunkolbiger Braun-Dickkopffalter | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Hesperiidae | ||||||||||||
| Latreille, 1809 |
Die Dickkopffalter (Hesperiidae) sind eine Familie der Schmetterlinge. Sie kommen weltweit, außer in Neuseeland, mit etwa 4000 Arten und derzeit über 560 Gattungen vor<ref name="Warren2008"/>. Ihr Hauptverbreitungsgebiet sind die Tropen, besonders die Neotropis. Namensgebend für die Familie ist der breite Kopf der Tiere. Die Hesperiidae werden oft als einzige Familie der Überfamilie Hesperioidea betrachtet, heute aber häufiger in die Überfamilie Papilionoidea eingegliedert.
Merkmale
Die europäischen Falter erreichen eine Flügelspannweite von 24 bis 34 Millimeter, in den Tropen findet man jedoch größere Exemplare. Die Tiere haben einen mittelmäßig bis kräftig gebauten Körper, einen Kopf, der fast immer breiter als der Thorax ist, und sind an ihrer Ruheposition sofort erkennbar: Die meisten Arten haben ihre Flügel so geöffnet, dass die Vorder und Hinterflügel in einem spitzen Winkel zueinander stehen. Die Vorderflügel sind etwa 1,5 bis zweimal länger als breit und meist orangebraun, braun, grau oder schwarz gefärbt; es gibt aber, vor allem in den Tropen, zahlreiche (auch schillernd) bunt gefärbte Arten. Viele Arten weisen auf beiden Flügelpaaren helle Würfelflecken auf. Einige Männchen tragen auf den Flügeln Duftschuppenstreifen. Die Hinterflügel sind breit abgerundet und in etwa so breit wie die Vorderflügel. Die Fühler sind kurz, etwa halb so lang wie die Vorderflügel, und am Ende keulig verdickt. Diese Fühlerkeule ist meist langgestreckt und am Ende deutlich gebogen. Die Tiere haben keine Maxillarpalpen; ihre Labialpalpen haben drei Segmente. Ihr ungeschuppter Saugrüssel ist, genauso wie alle drei Beinpaare, voll entwickelt.
Die Vorderflügel haben 12 Flügeladern mit einer Analader (1b). Die Hinterflügel besitzen 8 Adern mit zwei Analadern (1a und 1b).
Die meist grün, gelb oder hell gefärbten Raupen haben einen Kopf, der breiter als der Thorax ist (außer Arten von Megathymus), und voll entwickelte Bauchbeinpaare. Die meisten Arten sind kurz behaart. Manche Arten haben eine sehr lebhafte Körperfärbung.<ref name="Ackery"/>
Lebensweise
Der Großteil der Falter ist tagaktiv. Es gibt aber einige Arten, wie z. B. Celaenorrhinus fritzgaertneri, die dämmerungs- und auch nachtaktiv sind.<ref name="Ackery"/> Alle Vertreter der Dickkopffalter zeichnen sich durch einen charakteristischen Flug aus. Einige fliegen sehr schnell und nahe am Boden, während andere einen leicht hüpfenden Flug zeigen. Manche Arten zählen zu den Wanderfaltern.<ref name="Tolman/Lewington"/>
Die Eier werden von den Weibchen einzeln an den Futterpflanzen abgelegt. Die daraus schlüpfenden Raupen fressen im Schutz einer Blattbehausung, die aus mit Seide befestigten Blättern besteht. In dieser verpuppen sie sich auch. Die Behausung wird nach jeder Häutung neu erbaut und zur Überwinterung oder Verpuppung an kräftigen Stängeln der Futterpflanze befestigt. Nur sehr wenige Arten, z. B. die der Gattung Megathymus, bohren in Pflanzen (Agavengewächsen (Agavaceae)). Das Nahrungsspektrum der Familie umfasst ca. 70 Pflanzenfamilien. Unter den Dickkopffaltern gibt es einige Arten, die als Schädlinge auftreten können, wie z. B. Erionota thrax, deren Raupen an Bananenpflanzen fressen, Hidari irava an Palmen und Arten der Gattung Nyctelius an Zuckerrohr.<ref name="Ackery"/>
Systematik
Die Familie der Dickkopffalter (Hesperiidae) wird derzeit in sieben Unterfamilien unterteilt<ref name="Warren2009"/>
- Coeliadinae <templatestyles src="Person/styles.css" />Evans, 1937
- Euschemoninae <templatestyles src="Person/styles.css" />Kirkby, 1897
- Eudaminae <templatestyles src="Person/styles.css" />Mabille, 1877
- Pyrginae <templatestyles src="Person/styles.css" />Burmeister, 1878
- Heteropterinae <templatestyles src="Person/styles.css" />Aurivillius, 1925
- Hesperiinae <templatestyles src="Person/styles.css" />Latreille, 1809
- Trapezitinae <templatestyles src="Person/styles.css" />Waterhouse & Lyell, 1914
Die in vielen Publikationen noch aufgeführte Unterfamilie Pyrrhopyginae <templatestyles src="Person/styles.css" />Mabille, 1877 wurde von Warren et al. (2008) auf den Rang einer Tribus zurückgestuft. Dieselben Autoren stufen die ehemalige Unterfamilie Megathyminae <templatestyles src="Person/styles.css" />Comstock, 1895 als eine Infra-Tribus-Gruppe der Hesperiinae ein.
Drei Unterfamilien mit 47 Arten kommen in Europa vor,<ref name="Lepiforum"/> auf der ganzen Welt sind es 4127 Arten<ref>http://www.learnaboutbutterflies.com</ref>.
Unterfamilie Pyrginae
- Erynnis icelus
- Erynnis marloyi (<templatestyles src="Person/styles.css" />Boisduval, 1834), Balkan, Mittlerer Osten, Afghanistan
- Kronwicken-Dickkopffalter (Erynnis tages) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Linnaeus, 1758), Europa, Mittlerer Osten, Nordasien, Ostchina
- Malven-Dickkopffalter (Carcharodus alceae) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Esper, [1780]), Europa, Mittlerer Osten, Indien, temperiertes Asien
- Carcharodus tripolina (<templatestyles src="Person/styles.css" />Verity, 1925), Iberische Halbinsel, Atlas
- Loreley-Dickkopffalter (Carcharodus lavatherae) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Esper, [1783]), Mittelmeergebiet, Mittlerer Osten, Kleinasien
- Heilziest-Dickkopffalter (Carcharodus floccifera) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Zeller, 1847), Mittelmeergebiet, temperiertes Asien
- Carcharodus orientalis <templatestyles src="Person/styles.css" />Reverdin, 1913, Balkan, Kleinasien
- Andorn-Dickkopffalter (Carcharodus baeticus) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Rambur, 1839), Iberische Halbinsel, Südfrankreich, Mittlerer Osten
- Carcharodus stauderi <templatestyles src="Person/styles.css" />Reverdin, 1913, Nordafrika, Balkan, Kleinasien
- Spialia phlomidis (<templatestyles src="Person/styles.css" />Herrich-Schäffer, 1845), Balkan, Mittlerer Osten, Kleinasien
- Roter Würfel-Dickkopffalter (Spialia sertorius) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Hoffmannsegg, 1804), Nordafrika, Europa
- Muschampia leuzeae
- Muschampia mohammed
- Spialia orbifer (<templatestyles src="Person/styles.css" />Hübner, [1823]), Osteuropa, temperiertes Asien
- Spialia therapne (<templatestyles src="Person/styles.css" />Rambur, 1832), Korsika, Sardinien
- Mooreana trichoneura (<templatestyles src="Person/styles.css" />C. & R. Felder, 1860)
- Muschampia proto (<templatestyles src="Person/styles.css" />Ochsenheimer, 1808), Mittelmeergebiet, Türkei, Kaukasus, Kleinasien
- Muschampia proteides (<templatestyles src="Person/styles.css" />Wagner, 1929), Mittlerer Osten, ansonsten ist die Verbreitung noch unklar.
- Muschampia tessellum (<templatestyles src="Person/styles.css" />Hübner, [1800–1803]), Balkan, Mittlerer Osten, temperiertes Asien
- Muschampia cribrellum (<templatestyles src="Person/styles.css" />Eversmann, 1841), Balkan, temperiertes Asien
- Zweibrütiger Würfel-Dickkopffalter, auch Mehrbrütiger Würfeldickkopffalter (Pyrgus armoricanus <templatestyles src="Person/styles.css" />Oberthür, 1910)
- Steppenheiden-Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus carthami) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Hübner, [1808–1813]), Europa, Klein- und Zentralasien
- Pyrgus sidae (<templatestyles src="Person/styles.css" />Esper, 1784), Südeuropa, Mittlerer Osten, Kleinasien
- Graumelierter Alpen-Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus andromedae) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Wallengren, 1853), Pyrenäen, Alpen, Balkan, Halbinsel Kola, Skandinavisches Massif
- Pyrgus cacaliae (<templatestyles src="Person/styles.css" />Rambur, 1839), Pyrenäen, Alpen, Balkan
- Pyrgus centaureae (<templatestyles src="Person/styles.css" />Rambur, 1839), Skandinavien, polares Asien, Altai, Kanada
- Kleiner Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus malvae) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Linnaeus, 1758), Europa, Mongolei, Amurland, Japan
- Kleiner Südlicher Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus malvoides) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Elwes & Edwards, 1897), Südeuropa, Kleinasien
- Schwarzbrauner Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus serratulae) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Rambur, 1839), Europa, Mittlerer Osten, temperiertes Asien
- Pyrgus onopordi (<templatestyles src="Person/styles.css" />Rambur, 1839), Mittelmeergebiet, südliches Mitteleuropa
- Pyrgus carlinae (<templatestyles src="Person/styles.css" />Rambur, 1839), Alpen
- Spätsommer-Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus cirsii) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Rambur, 1839), Iberische Halbinsel, Süd- und Ostfrankreich, lokal in Südwestdeutschland
- Pyrgus cinarae (<templatestyles src="Person/styles.css" />Rambur, 1839), Cuenca (Spanien), Balkan, Mittlerer Osten, Kleinasien
- Sonnenröschen-Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus alveus) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Hübner, [1800–1803]), Europa, Nordafrika, Sibirien, Ostchina
- Pyrgus bellieri (<templatestyles src="Person/styles.css" />Oberthür, 1910), Pyrenäen, Südfrankreich, Dolomiten, Apennin
- Pyrgus warrenensis (<templatestyles src="Person/styles.css" />Verity, 1928), Alpen
- Spialia doris
Unterfamilie Heteropterinae
- Spiegelfleck-Dickkopffalter (Heteropterus morpheus) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Pallas, 1771), Europa, Klein- und Zentralasien, Amurland, Korea
- Gelbwürfeliger Dickkopffalter (Carterocephalus palaemon) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Pallas, 1771), Europa, temperiertes Asien, Kanada, Ostküste der USA
- Schwarzfleckiger Golddickkopffalter (Carterocephalus silvicola) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Meigen, 1829), Nordeuropa, polares und temperiertes Asien
Unterfamilie Hesperiinae
- Schwarzkolbiger Braun-Dickkopffalter (Thymelicus lineola) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Ochsenheimer, 1808), Europa, Zentralasien, Amurland, Nordamerika
- Braunkolbiger Braun-Dickkopffalter (Thymelicus sylvestris) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Poda, 1761), Europa, Mittlerer Osten, Nordafrika
- Mattscheckiger Braun-Dickkopffalter (Thymelicus acteon) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Linnaeus, 1758), Nordafrika, Europa
- Thymelicus christi <templatestyles src="Person/styles.css" />Rebel, 1894, Kanarische Inseln
- Thymelicus hyrax (<templatestyles src="Person/styles.css" />Lederer, 1861), Balkan, Mittlerer Osten
- Komma-Dickkopffalter (Hesperia comma) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Linnaeus, 1758), Nordafrika, Europa, Mittlerer Osten, Nordamerika
- Rostfarbiger Dickkopffalter (Ochlodes sylvanus) (<templatestyles src="Person/styles.css" />Esper, 1777), Europa, Mittlerer Osten, temperiertes Asien
- Gegenes pumilio (<templatestyles src="Person/styles.css" />Hoffmannsegg, 1804), Südeuropa, Afrika, Kleinasien, Mittlerer Osten, Indien
- Gegenes nostrodamus (<templatestyles src="Person/styles.css" />Fabricius, 1793), Südeuropa, Nordafrika, Kleinasien, Indien
- Borbo borbonica (<templatestyles src="Person/styles.css" />Lederer, 1855), Andalusien (Spanien), Afrika, Mittlerer Osten, Kleinasien
- Pelopidas thrax (<templatestyles src="Person/styles.css" />Hübner, 1821), Samos und Rhodos (Griechenland), Mittlerer Osten, Indien, Afrika
Außereuropäische Arten (Auswahl)
- Astraptes fulgerator (<templatestyles src="Person/styles.css" />Walch, 1775)
- Astraptes anaphus (<templatestyles src="Person/styles.css" />Cramer, 1777)
- Urbanus proteus (<templatestyles src="Person/styles.css" />Linnaeus, 1758)
Trivia
Die Raupen der Gattung Megathymus sind jene, die im Mezcal eingelegt sind. In den peruanischen Anden werden die von den Blättern des Chachakuma-Baumes (Escallonia resinosa) lebenden Raupen von Metardaris cosinga (auf Quechua wayt'ampu) ebenfalls von Menschen verzehrt.<ref name="Ackery"/>
Quellen
Einzelnachweise
<references> <ref name="Warren2008">Warren et al. (2008: S. 642ff.)</ref> <ref name="Warren2009">Warren et al. (2009: S. 481)(Gliederung der Hesperiidae als Übersicht)</ref> <ref name="Ackery">Ackery et al. (2002: S. 264ff.)</ref> <ref name="Tolman/Lewington">Tolman & Lewington (1998: S. 251ff.)</ref> <ref name="Lepiforum"> Hesperiidae. Lepiforum e. V., abgerufen am 20. September 2006.</ref> </references>
Literatur
- Hans-Josef Weidemann: Tagfalter: beobachten, bestimmen. Naturbuch-Verlag, Augsburg 1995, ISBN 3-89440-115-X.
- Philipp R. Ackery, Rienk de Jong und Richard I. Vane-Wright: Butterflies: Hedylioidea, Hesperioidea and Papilionoidea. In: Kükenthal's Handbuch der Zoologie, 4 (35): S. 262–300, Walter de Gruyter. Berlin, New York 2003, ISBN 3-11-015704-7 Google.books (nicht ganz vollständig zu sehen)
- Andrew D. Warren, Joshua R. Ogawac und Andrew V. Z. Brower: Phylogenetic relationships of subfamilies and circumscription of tribes in the family Hesperiidae (Lepidoptera: Hesperioidea). Cladistics, 24: 642–676, Westort 2008 doi:10.1111/j.1096-0031.2008.00218.x
- Andrew D. Warren, Joshua R. Ogawac und Andrew V. Z. Brower: Revised classification of the family Hesperiidae (Lepidoptera: Hesperioidea) based on combined molecular and morphological data. Systematic Entomology, 34: 467–523, 2009 doi:10.1111/j.1365-3113.2008.00463.x