Sabine Bergmann-Pohl
Sabine Bergmann-Pohl (geborene Schulz; * 20. April 1946 in Eisenach) ist eine deutsche Ärztin und ehemalige Politikerin (CDU). Sie war von April bis Oktober 1990 Mitglied und Präsidentin der frei gewählten Volkskammer, von 1990 bis 1991 Bundesministerin für besondere Aufgaben und von 1991 bis 1998 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit. Von 1990 bis 2002 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages.
Da per Gesetz vom 5. April 1990 die Befugnisse des bis dahin amtierenden kollektiven Staatsoberhauptes, des Staatsrates, auf das Präsidium der Volkskammer übertragen wurden, fungierte Sabine Bergmann-Pohl seitdem in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Volkskammerpräsidiums zugleich als erstes weibliches Staatsoberhaupt eines deutschen Staates und letztes Staatsoberhaupt der DDR.
Seit November 2022 ist sie Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft e. V. zur Förderung politischer, kultureller und sozialer Beziehungen in Europa.<ref>Meldungen – Vorstandswahlen. In: deutsche-gesellschaft-ev.de. 9. November 2022, abgerufen am 16. Januar 2023.</ref>
Beruf und Privatleben
Nach der Konfirmation 1961<ref name="TAZ-INTERVIEW-20200823"/> und dem Abitur 1964 wurde Bergmann-Pohl zunächst nicht zum Studium zugelassen und absolvierte daher ein zweijähriges Praktikum am Institut für Gerichtsmedizin der Humboldt-Universität zu Berlin. 1966 durfte sie dann ein Studium der Medizin beginnen, das sie 1972 als Diplom-Medizinerin beendete. Seit 1979 ist sie Fachärztin für Lungenkrankheiten. 1980 promovierte sie zum Dr. med. Von 1980 bis 1985 war sie Ärztliche Leiterin der Poliklinischen Abteilung für Lungenkrankheiten und Tuberkulose in Berlin-Friedrichshain.<ref name=":0">Sabine Bergmann-Pohl. In: Konrad Adenauer Stiftung. 19. April 1946, abgerufen am 1. Februar 2023.</ref> Von 1985 bis 1990 war sie Ärztliche Direktorin in der Bezirksstelle für Lungenkrankheiten und Tuberkulose in Ost-Berlin.<ref>LeMO Biografie: Sabine Bergmann-Pohl. In: Lebendiges Museum Online. Abgerufen am 1. Februar 2023.</ref>
Seit 1990 ist Bergmann-Pohl Schirmherrin des Allgemeinen Behindertenverbands in Deutschland ABiD und von 2003 bis 2012 war sie Präsidentin des Berliner Roten Kreuzes.<ref>Dr. Sabine Bergmann-Pohl Ehrenpräsidentin. In: Deutsches Rotes Kreuz. 17. Januar 2013, abgerufen am 1. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In Anerkennung ihrer besonderen Verdienste für das Berliner Rote Kreuz wurde Bergmann-Pohl zur Ehrenpräsidentin des DRK-Landesverbandes ernannt. Seit 2003 ist sie Mitglied im Präsidium des Internationalen Bundes und seit 2007 ist sie dort Vizepräsidentin. Seit 2012 ist sie eine der Stadtältesten von Berlin.<ref name=":0" /> Seit 2018 ist sie Vorsitzende der Vergabejury des Eberhard-Diepgen-Preises.<ref>Birgit Lotze: CDU zeichnet die Arche und Jona’s Haus aus. 11. Januar 2023, abgerufen am 1. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Am 9. November 2015 erhielt sie stellvertretend für die erste frei gewählte Volkskammer der ehemaligen DDR den Preis der Deutschen Gesellschaft für Verdienste um die deutsche und europäische Verständigung.<ref>Preis der Deutschen Gesellschaft e. V. – Preisträger 2015. Deutsche Gesellschaft e. V., abgerufen am 3. Januar 2018.</ref>
Sabine Bergmann-Pohl ist verheiratet und hat zwei Kinder aus erster Ehe.<ref>Anja Maier: CDU-Politikerin über 30 Jahre Einheit: „Das Beste war die Spülmaschine“. In: Die Tageszeitung: taz. 23. August 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 1. Februar 2023]).</ref>
Politische Betätigung
1981 trat Bergmann-Pohl in die CDU, eine der Blockparteien der DDR, ein.<ref>Sabine Bergmann-Pohl - Biografie WHO'S WHO. Abgerufen am 1. Februar 2023.</ref> 1987 wurde sie Mitglied des Bezirksvorstandes Ost-Berlin.<ref>Sabine Bergmann-Pohl (geb. Schulz). Abgerufen am 28. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Bei der ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 zog sie für die CDU als Abgeordnete in die Volkskammer ein und wurde am 5. April zu deren Präsidentin gewählt. Aufgrund des am gleichen Tag verabschiedeten neuen Artikels 75a der Verfassung der DDR übte sie auch die Befugnisse des bisherigen Staatsratsvorsitzenden aus und war daher bis zum 2. Oktober 1990 das letzte Staatsoberhaupt der DDR.<ref>Dr. Sabine Bergmann-Pohl. In: CDU/CSU. Abgerufen am 1. Februar 2023.</ref>
Mit der deutschen Wiedervereinigung wurde sie am 3. Oktober 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages. Bei den Bundestagswahlen 1990, 1994 und 1998 wurde sie jeweils über die Berliner CDU-Landesliste ins Parlament gewählt und gehörte diesem bis zum Ende der 14. Wahlperiode am 17. Oktober 2002 an.<ref>deutschlandfunk.de: Sabine Bergmann-Pohl - „Wir waren ja nun mal sozialisierte Ossis“. Abgerufen am 1. Februar 2023.</ref>
Vom 3. Oktober 1990 bis zum 18. Januar 1991 amtierte Bergmann-Pohl als Bundesministerin für besondere Aufgaben, anschließend bis zum 26. Oktober 1998 als Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit.<ref>mdr.de: Sabine Bergmann-Pohl: Präsidentin der letzten Volkskammer. 5. April 2021, abgerufen am 1. Februar 2023.</ref>
Von 1990 bis 1992 gehörte sie dem Präsidium der CDU an.<ref>Oliver Salten: Sabine Bergmann-Pohl (geb. Schulz). Konrad-Adenauer-Stiftung e. V., abgerufen am 11. März 2021.</ref>
Veröffentlichungen
- Häufigkeit anamnestisch-klinischer Befunde chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen im Kindesalter, ihre Beziehung zur Lungenfunktion und Ermittlung der Referenzwerte für die Ventilations- und Verteilungsparameter am Pneumotestgerät. Ergebnisse einer Schuluntersuchung. Dissertation Akademie für Ärztliche Fortbildung der DDR Berlin, 1981, Berlin-Karow 1976, 1981, 88 Bl., 17 graph. Darstellungen.
- Abschied ohne Tränen. Rückblick auf das Jahr der Einheit. Aufgezeichnet von Dietrich von Thadden. Ullstein, Berlin/Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-550-07802-1.
- Herausgeberin mit Paul B. Wink: Podiumsdiskussion 1953–1989 Deutschland auf dem Weg zu Einheit und Freiheit aus Anlaß des 50. Jahrestages des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni 2003 in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin 2004, ISBN 3-937731-00-8.
- Herausgeberin mit Wilhelm Staudacher: „Der Schrei nach Freiheit“. Der Ungarn-Aufstand 1956. Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin 2007, ISBN 978-3-939826-46-0.
Siehe auch
Literatur
- Bergmann-Pohl, Sabine. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, S. Vorlage:VonBis (bundesstiftung-aufarbeitung.de).
Weblinks
- Literatur von und über Sabine Bergmann-Pohl im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Susanne Wirtz: Sabine Bergmann-Pohl. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)
- Biografie beim Deutschen Bundestag
- DDR-Volkskammer am 23. August 1990: „Erklärung von Sabine Bergmann-Pohl über den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland“ (mp3-Audio, 0:51 min., 403 kB), Deutsche Welle, 7. November 2006.
Einzelnachweise
<references responsive> <ref name="TAZ-INTERVIEW-20200823">Anja Maier: „Das Beste war die Spülmaschine“. In: taz.de. taz Verlags u. Vertriebs GmbH, 23. August 2020, abgerufen am 11. März 2021.</ref> </references>
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Franz Josef Strauß (CSU, 1953–1955) | Robert Tillmanns (CDU, 1953–1955) | Waldemar Kraft (GB/BHE, 1953–1956) | Hermann Schäfer (FDP, 1953–1956) | Heinrich Krone (CDU, 1961–1964) | Ludger Westrick (CDU, 1964–1966) | Horst Ehmke (SPD, 1969–1972) | Egon Bahr (SPD, 1972–1974) | Werner Maihofer (FDP, 1972–1974) | Wolfgang Schäuble (CDU, 1984–1989) | Hans Klein (CSU, 1989–1990) | Rudolf Seiters (CDU, 1989–1991) | Lothar de Maizière (CDU, 1990) | Sabine Bergmann-Pohl (CDU, 1990–1991) | Günther Krause (CDU, 1990–1991) | Rainer Ortleb (FDP, 1990–1991) | Hansjoachim Walther (DSU, 1990–1991) | Friedrich Bohl (CDU, 1991–1998) | Bodo Hombach (SPD, 1998–1999) | Thomas de Maizière (CDU, 2005–2009) | Ronald Pofalla (CDU, 2009–2013) | Peter Altmaier (CDU, 2013–2018) | Helge Braun (CDU, 2018–2021) | Wolfgang Schmidt (SPD, 2021–2025) | Thorsten Frei (CDU, seit 2025) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
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Helmut Kohl (CDU) | Hans-Dietrich Genscher (FDP) | Friedrich Zimmermann (CSU) | Wolfgang Schäuble (CDU) | Hans A. Engelhard (FDP) | Gerhard Stoltenberg (CDU) | Theo Waigel (CSU) | Martin Bangemann (FDP) | Helmut Haussmann (FDP) | Ignaz Kiechle (CSU) | Dorothee Wilms (CDU) | Norbert Blüm (CDU) | Manfred Wörner (CDU) | Rupert Scholz (CDU) | Rita Süssmuth (CDU) | Ursula Lehr (CDU) | Jürgen Warnke (CSU) | Walter Wallmann (CDU) | Klaus Töpfer (CDU) | Christian Schwarz-Schilling (CDU) | Oscar Schneider (CSU) | Gerda Hasselfeldt (CSU) | Heinz Riesenhuber (CDU) | Jürgen Möllemann (FDP) | Hans Klein (CSU) | Rudolf Seiters (CDU) | Sabine Bergmann-Pohl (CDU) | Günther Krause (CDU) | Lothar de Maizière (CDU) | Rainer Ortleb (FDP) | Hansjoachim Walther (DSU)
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Johannes Dieckmann (1949–1969) | Gerald Götting (1969–1976) | Horst Sindermann (1976–1989) | Günther Maleuda (1989–1990) | Sabine Bergmann-Pohl (1990)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bergmann-Pohl, Sabine |
| ALTERNATIVNAMEN | Schulz, Sabine (Geburtsname); Pohl, Sabine (Ehename, erste Ehe) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Politikerin (CDU), MdV, MdB |
| GEBURTSDATUM | 20. April 1946 |
| GEBURTSORT | Eisenach |
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