Farid Hafez
Farid Hafez (* 23. Dezember 1981 in Ried im Innkreis) ist ein österreichischer Politikwissenschaftler. Er ist derzeit Associate Teaching Professor am College of William & Mary in Williamsburg, Virginia, in den USA. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen Religion und Rassismus, insbesondere die Islamophobieforschung.
Leben
Hafez verbrachte seine Kindheit und Schulzeit in Oberösterreich. Hafez war von 1998 bis 2007 in der Muslimischen Jugend Österreichs aktiv.<ref>Farid Hafez, Reinhard Heinisch, Raoul Kneucker, Regina Polak: Einleitung. In: Farid Hafez, Reinhard Heinisch, Raoul Kneucker, Regina Polak (Hrsg.): Jung, Muslimisch, Österreichisch. 20 Jahre Muslimische Jugend Österreich. New Academic Press, Wien 2016, S. (26–32) 29.</ref>
In den Jahren 2002 bis 2009 studierte Hafez Politikwissenschaft an der Universität Wien und schloss dieses Studium mit Promotion ab. 2008 schloss er zudem ein Masterstudium im Fach Politische Bildung an der Donau-Universität Krems und der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt ab. Von 2014 bis 2021 war Hafez Post-Doc an der Universität Salzburg. 2019 wurde Hafez im Fach Politikwissenschaft an der Universität Salzburg habilitiert.<ref name="UniSalzburgCV">Curriculum Vitae – Dr. Hafez Farid. Universität Salzburg, abgerufen am 7. März 2026.</ref> Im Jahr 2017 hatte er eine Fulbright-Professur an der University of California am Center for Race and Gender. Seit 2017 ist er „Non-Resident Senior Researcher“ der Bridge Initiative der Georgetown University in Washington, DC. Von 2021 bis 2024 war er Gastprofessor für International Studies am Williams College in Williamstown, Massachusetts. Er ist derzeit „Associate Teaching Professor of International Relations“ am College of William & Mary in Williamsburg, Virginia.<ref>Farid Hafez. Georgetown University, abgerufen am 7. März 2026.</ref>
Hafez gehört der Affiliated Faculty des Islamophobia Research and Documentation Project der University of California, Berkeley, an.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Islamophobia Research and Documentation Project – Faculty ( vom 18. Februar 2016 im Internet Archive)</ref>
Im Studienjahr 2022/23 war Hafez „Teaching Fellow in Human Rights“ am St. Francis College in New York City.<ref>St. Francis College Announces Third Cohort of Fellows. Abgerufen am 18. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Forschungsschwerpunkte
Hafez forscht im Bereich Rassismus, Politik und Religion/Islam sowie Rechtspopulismus. Eines seiner Hauptthemen ist die Islamophobieforschung. Hafez ist Herausgeber des seit 2010 erscheinenden Jahrbuchs für Islamophobieforschung. Seit 2015 gibt er mit ca. 40 weiteren Akademikern den European Islamophobia Report heraus<ref>Editors. In: islamophobiaeurope.com. Abgerufen am 7. März 2026 (englisch).</ref>, der seit 2020 von einer Reihe an US-amerikanischen Universitäten wie der University of California, Berkeley, der Rutgers University und dem Leopold Weiss Institute veröffentlicht und gesponsert wird.<ref>Enes Bayrakli und Farid Hafez: European Islamophobia Report. (PDF; 92,8 MB) In: European Islamophobia Report 2020. Leopold Weiss Institute, Dezember 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. Januar 2022; abgerufen am 14. August 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2014 untersuchte er im Rahmen eines Forschungsaufenthalts an der Columbia University in New York City Hip-Hop als Jugendkulturaustausch zwischen Europa und den USA.<ref>Curriculum Vitae. (PDF) Universität Salzburg, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Januar 2015; abgerufen am 7. März 2026.</ref> Er forschte zu muslimischen Jugendbewegungen in Europa.<ref>Project Muslim Youth Movements in Europe - University of Salzburg. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. Juni 2018; abgerufen am 14. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Seine Dissertation mit dem Titel Islamophober Populismus (Betreuer: John Bunzl) erschien 2010 im deutschen Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden.<ref>u:theses: Islamophober Populismus. Universität Wien, abgerufen am 7. März 2026.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Islamophober Populismus – Moschee- und Minarettbauverbote österreichischer Parlamentsparteien ( vom 18. August 2011 im Internet Archive)</ref>
Öffentliche Stellungnahmen
Hafez äußert sich regelmäßig in den österreichischen Tageszeitungen wie Der Standard<ref>Farid Hafez: Minarettverbot: In Österreich ist man einen Schritt weiter. Das Ja der Schweizer zum Minarettverbot entsetzt die Eliten. In: derStandard.at (Kommentare der anderen). 30. November 2009, abgerufen am 28. Juli 2011.</ref> und Die Presse<ref>Farid Hafez: Institutionalisierte Islamophobie. In: DiePresse.com. 4. November 2014, abgerufen am 2. Dezember 2014.</ref> und tritt als Experte in österreichischen Fernsehtalkformaten wie ATV am Punkt und Puls 4 Talk of Town auf. Er wurde mehrfach im ORF<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ORF Religion – Orientierung: Muslime in Österreich: Konflikt um „innere Demokratie“ ( vom 25. März 2016 im Internet Archive); <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Diagonal – Radio für Zeitgenossen: Der Euro-Islam – nur ein Wunschtraum? ( vom 4. Mai 2010 im Internet Archive)</ref> und von internationalen Medien wie The Washington Post interviewt.<ref>Alexei Korolyov: Austrian bill would ban foreign funding for mosques, imams. In: Washington Post. 20. November 2014, abgerufen am 2. Dezember 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Hafez publiziert regelmäßig Gastkommentare auf Al-Jazeera English.<ref>Farid Hafez: In Austria, the problem is not the far-right party. Al-Jazeera, 15. Oktober 2017, abgerufen am 24. Oktober 2017.</ref> Er trat in der Fernsehsendung Im Zentrum im ORF auf.<ref>„Können nur liberalen Islam integrieren“ – Diversität – Aktuell. Abgerufen am 14. September 2017.</ref>
Hafez kritisiert, dass Muslime in Österreich ein Spielball der Politik seien.<ref>NDR: Wahlkampf in Österreich: Muslime als Spielball. Abgerufen am 14. September 2017.</ref> Er streicht heraus, dass insbesondere Frauen von der diskursiven Fokussierung auf Muslime betroffen seien.<ref>Tiroler Tageszeitung Online: Islamophobie: „Vor allem Frauen werden angepöbelt“ | Tiroler Tageszeitung Online – Nachrichten von jetzt! In: Tiroler Tageszeitung Online. (tt.com [abgerufen am 14. September 2017]).</ref> Im Sinne der Intersektionalität von Rassismus streicht er im Zusammenhang mit den Protesten in Charlottesville 2017 etwa heraus, dass der Rassismus dort sich gleichermaßen gegen Schwarze, Muslime und Juden richte.<ref>The (sexual) Inferiority Complex of White Supremacists: Charlottesville and the Call for ‘White Sharia’ – The Bridge Initiative | A Research Project on Islamophobia. In: The Bridge Initiative | A Research Project on Islamophobia. (georgetown.edu [abgerufen am 14. September 2017]).</ref> In diesem Sinne warf er auch Viktor Orbán vor, in seiner Kampagne gegen George Soros Antisemitismus und Islamophobie zu bedienen.<ref>Farid Hafez: When anti-Semitism and Islamophobia join hands. Abgerufen am 14. September 2017.</ref>
Hafez kritisierte das im Jahre 2015 verabschiedete österreichische Islamgesetz scharf.<ref>Florian Gasser: Islamgesetz: Generalverdacht. In: Die Zeit. 8. März 2015, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 14. September 2017]).</ref><ref>Islam in Österreich: neues Gesetz, neue Probleme. Schweizer Radio und Fernsehen SRF, 17. April 2016, abgerufen am 14. September 2017.</ref> Mitunter stellt es für ihn eine Form „institutionalisierter Islamophobie“ dar.<ref>Interview mit dem Politikwissenschaftler Farid Hafez: „Ein Ausdruck institutioneller Islamophobie“ – Qantara.de. In: Qantara.de – Dialog mit der islamischen Welt. (qantara.de [abgerufen am 14. September 2017]).</ref> Als 2017 das Integrationsgesetz verabschiedet wurde, kritisierte er auch hier den Diskurs der Regierungsparteien zur Frage des Verbotes des Tragens eines Kopftuchs für Polizistinnen, Staatsanwältinnen und Richterinnen.<ref>Standard Verlagsgesellschaft m.b.H.: Ein Staatspreis für das Kopftuch. In: derStandard.at. (derstandard.at [abgerufen am 14. September 2017]).</ref> Er wurde dazu als Experte für die politische Partei NEOS im Verfassungsausschuss angehört.<ref>Islamgesetz: Parlamentarische Beratungen starteten mit Hearing. In: OTS.at. (ots.at [abgerufen am 14. September 2017]).</ref> Ebenso positionierte er sich im Zuge der Diskussion über islamische Kindergärten und warf dem Integrationsressort ein Rassismusproblem vor.<ref>Standard Verlagsgesellschaft m.b.H.: Rassismusproblem des Integrationsressorts. In: derStandard.at. (derstandard.at [abgerufen am 14. September 2017]).</ref> In einem längeren Interview bezeichnet er den politischen Islam als Relikt des 20. Jahrhunderts.<ref>Farid Hafez: »Der politische Islam ist tot«. In: Kopf um Krone. (kopfumkrone.at [abgerufen am 14. September 2017]).</ref>
Hafez trug als Wissenschaftler bei der „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (OSZE) vor<ref>OSCE: Supplementary Human Dimension Meeting. OSCE, 22. Juni 2017, abgerufen am 22. August 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und präsentierte 2015<ref>SETA: Presentation of Islamophobia Report 2015. SETA, 3. Mai 2016, abgerufen am 22. August 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> sowie 2019<ref>Panel: Countering Anti-Muslim Racism in Europe. 19. Februar 2019, abgerufen am 26. Februar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> die Ergebnisse des Europäischen Islamophobie-Reports im Europäischen Parlament wie auch im Europarat.<ref>Panel: The State of anti-Muslim Racism in Europe – European Islamophobia. Abgerufen am 26. Februar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Auszeichnungen
Im Jahr 2020 erhielt Farid Hafez den Islam on the Edges-Preis vom Center for Islam in the Contemporary World (CICW) an der Shenandoah University in Virginia für seine Forschung zu kolonialer Regierungspraxis der Habsburgermonarchie in Bosnien und Herzegowina.<ref>2020 Grant Recipients. Abgerufen am 20. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Für den interdisziplinären Sammelband Islamophobie in Österreich ist er als Mitherausgeber gemeinsam mit dem Nahostexperten John Bunzl mit dem Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch des Jahres 2009 ausgezeichnet worden.
Das österreichische Kulturmagazin the gap wählte Farid Hafez zu einem der 100 Österreicher „mit besonderer Zukunft“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Farid Hafez 28, Islam – Wissenschaftler ( vom 28. November 2016 im Internet Archive)</ref>
Gegenpositionen und Kontroversen
Armin Pfahl-Traughber bemängelte im Juni 2018 am von Hafez verantworteten Jahrbuch für Islamophobieforschung eine wenig trennscharfe Verwendung des Islamophobiebegriffes, Muslimenfeindlichkeit sei ein geeigneterer Begriff.<ref>Armin Pfahl-Traughber: Das „Jahrbuch für Islamophobieforschung“ – mit fehlender Trennschärfe. Humanistischer Pressedienst, 27. Juni 2018, abgerufen am 17. April 2019.</ref> Unter anderem Heiko Heinisch kritisierte, mit der Begriffsverwendung werde eine Immunisierung gegen jegliche Kritik am Islam ermöglicht. Heinisch warf Hafez zudem vor, eine politische Agenda zu verfolgen.<ref>Helmut Pisecky: Kampfbegriff Islamophobie. Die Presse, 10. Mai 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.</ref><ref>Historiker: „Der Islam wird nach anderen Kriterien beurteilt.“ kurier.at, 8. Mai 2017, abgerufen am 16. Mai 2017.</ref>
Hafez wurde unter anderem von Heinisch und Efgani Dönmez mit dem politischen Islam der Muslimbrüder und des türkischen Präsidenten Erdoğan in Verbindung gebracht.<ref>Ein Thinktank in Erdogans Umfeld prangert „Islamophobie“ in Österreich. In: profil.at. 21. September 2016 (profil.at [abgerufen am 11. Mai 2017]).</ref><ref>Im Dunstkreis der Muslimbruderschaft? kurier.at, 3. Mai 2015, abgerufen am 16. Mai 2017.</ref> Hafez seinerseits hatte dem ehemaligen Grünen und später zeitweiligen ÖVP-Politiker Dönmez zuvor seit 2009 mehrmals „Rassismus“ und „Sexismus“ vorgeworfen.<ref>Standard Verlagsgesellschaft m.b.H.: Guter Muslim, böser Muslim: Rassismus in Grün. In: derStandard.at. (derstandard.at [abgerufen am 14. September 2017]).</ref><ref>Dönmez verlässt die Grünen – Wechsel zu Kurz? In: Die Presse. (diepresse.com [abgerufen am 14. September 2017]).</ref><ref>wochenblick.at: „Wochenblick“-Interview mit Efgani Dönmez. 19. Oktober 2016, abgerufen am 14. September 2017.</ref> Heinisch wiederum wurde von Hafez für seine „islamophobe Haltung“ kritisiert. Hafez bezeichnet Heinischs Kritik an einzelnen muslimischen Personen und Einrichtungen als „Kriminalisierungsstrategie“.<ref>Farid Hafez: Die MJÖ als Projektionsfläche für Verschwörungstheorien. In: Farid Hafez, Reinhard Heinisch, Raoul Kneucker, Regina Polak (Hrsg.): Jung, muslimisch, österreichisch. New Academic Press, Wien 2016.</ref> Einen Rechtsstreit gegen die Zeitung Die Welt um die Aussage, er habe Verbindungen zur Muslimbruderschaft, gewann Hafez.<ref>WELT: Widerruf betreffend Farid Hafez. In: Die Welt. 12. Februar 2020 (welt.de [abgerufen am 28. Februar 2026]).</ref>
Im Oktober 2019 wurde der von Farid Hafez und Enes Bayrakli herausgegebene European Islamophobia Report unter anderem in der Zeitung Die Welt<ref name=":0">Vgl. für das Folgende: Frederik Schindler: Von EU geförderter Bericht denunziert Islamkritiker. In: Die Welt. 24. Oktober 2019, abgerufen am 30. November 2020.</ref> durch Personen, die im Bericht für die Verbreitung antimuslimischer Positionen verantwortlich gemacht wurden<ref></ref>, kritisiert. Dem Report wurde einerseits die Mitherausgeberschaft der „Stiftung für politische wirtschaftliche und gesellschaftliche Forschung“ (Seta) in Ankara vorgehalten, die enge Verbindungen zur türkischen Regierungspartei AKP habe und „ausdrücklich Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung nehmen und politische Debatten beeinflussen will“.<ref>Türkisches Institut Erdogans Abwehreinheit gegen liberale Muslime in Berlin. Tagesspiegel, 4. Apr. 2019</ref> Auch wurde kritisiert, dass der Report auch viele theologisch reformorientierte Muslime wie Seyran Ates, Saïda Keller-Messahli<ref>Schweizer Menschenrechtsaktivistin Keller-Messahli wird als islamfeindlich denunziert. Neue Zürcher Zeitung, 26. Okt. 2019</ref> oder den Münsteraner Theologen Mouhanad Khorchide sowie säkulare Kritiker des politischen Islam in Europa wie die Frankfurter Professorin Susanne Schröter wegen ihrer „Islamophobie“ anprangere und sie in eine Reihe mit Rassisten und Rechtsextremen stelle.<ref name=":0" /> Der EU wurde vorgeworfen, mit rund 126.000 Euro an der Erstellung und Herausgabe beteiligt zu sein.<ref name=":0" /> Gegen ihre Erwähnung im European Islamophobia Report reichte Saïda Keller-Messahli am 12. November 2019 Klage gegen die Verfasser der Studie ein.<ref>„Mit Rechtsextremen in einem Topf – Die Schweizer Islamkritikerin Saïda Keller-Messahli klagt gegen einen von der EU finanzierten Bericht, der sie als islamophob bezeichnet. Sie hat recht“, Tagesanzeiger, 13. Nov. 2019</ref>
In Österreich kritisierte im November 2019 unter anderem Mouhanad Khorchide in einem Gastkommentar in der Tageszeitung Die Presse die Vorgehensweise der Herausgeber des Reports, Personen, die Kritik am Politischen Islam geübt haben, Islamophobie zu unterstellen.<ref>https://www.diepresse.com/5898835/sind-wir-nicht-schon-laengst-auf-den-politischen-islam-hereingefallen</ref> In weiterer Folge kritisierte auch der österreichische Politikwissenschaftler Arno Tausch ebenfalls in einem Gastkommentar in Der Presse Hafez’ dafür, in seinen Werken den Politischen Islam zu verniedlichen, zu verkleinern und zum Teil zu verschönern.<ref>https://www.diepresse.com/5902139/politischer-islam-und-terror-eine-replik-zu-farid-hafez</ref>
Zahlreiche Tageszeitungen in Österreich<ref>Islamophobie-Report: „Demokratiepolitisch notwendig“ – derStandard.at. Abgerufen am 15. Oktober 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Farid Hafez: Rassismus diskutieren ist demokratiepolitisch notwendig! 12. Dezember 2019, abgerufen am 15. Oktober 2020.</ref><ref>Farid Hafez: Rassismus zu diskutieren ist demokratiepolitisch notwendig. Abgerufen am 15. Oktober 2020.</ref> gaben Hafez Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen gegen ihn im Zusammenhang mit dem European Islamophobia Report zu äußern.
Hafez trat im Rahmen der Antirassismus- und Diversitätswoche des Europäischen Parlaments, die von mehreren Abgeordneten zum Europäischen Parlament veranstaltet wurde<ref>Jelena Jovanovic: EVENT: ANTI-RACISM AND DIVERSITY WEEK 2023. Abgerufen am 25. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, am 22. März 2023 auf, wo er zum Thema Justiz und Rassismus sprach.<ref>Agenda ⇽ Anti-Racism and Diversity Week 2023 | ENAR. Abgerufen am 25. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
„Operation Luxor“
Am 9. November 2020 kam es in Österreich zu einer – nachträglich vom Oberlandesgericht Graz als rechtswidrig beurteilten – Razzia mit dem Namen „Operation Luxor“ gegen vermeintliche Anhänger der Muslimbruderschaft in Österreich. Hafez war als einer der über 70 Verdächtigen von dieser Razzia betroffen gewesen.<ref>Gerald Stoiber: „[1]“, Salzburger Nachrichten, 13. Nov. 2020</ref> Im Januar 2023 wurde das Verfahren aufgrund des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingestellt.<ref>ORF at/Agenturen red: Verfahren gegen Politologen Hafez eingestellt. 10. Januar 2023, abgerufen am 30. Januar 2024.</ref>
Unmittelbar nach der Razzia veröffentlichte Hafez einen Blogbeitrag<ref>Farid Hafez: Xinjiang and Kristallnacht in Austria: Freedom of Religion under Threat. Bridge (Georgetown University), 19. November 2020, abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref>, in welchem er die Glaubwürdigkeit der österreichischen Vergangenheitsbewältigung in Zweifel zog, weil die Razzia am Jahrestag der Novemberpogrome 1938 stattfand, und ausführte, die österreichische Regierung gehe eindeutig in eine totalitäre Richtung, weil sie den Islam und religiöse Praktiken kriminalisiere und die Meinungsfreiheit zu unterbinden trachte. Dieser Blogbeitrag stieß auf Kritik, unter anderem vonseiten des österreichischen Innenministers Karl Nehammer und der Integrationsministerin Susanne Raab. Die Kritik wurde damit begründet, dass Hafez’ Blogbeitrag die Anti-Terror-Razzia mit den Novemberpogromen gleichsetze und damit den Holocaust verharmlose, was Ausdruck einer anti-demokratischen Haltung sei.<ref>Betroffener Politologe zog Pogrom-Vergleich. orf.at, 23. November 2020, abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref> Die Universität Salzburg als damaliger Arbeitgeber Hafez’ distanzierte sich daraufhin von ihm.<ref>Daniel Bischof: Religion – Wie viel Politik im Islam steckt. Abgerufen am 1. März 2021.</ref> Ein Personenkomitee prominenter Akademiker, welches sich zur Unterstützung Hafez’ gebildet hatte, kritisierte hingegen die Razzia als „einen Einschüchterungsversuch gegen einen anerkannten Wissenschaftler, der bereits zweimal gerichtlich die ihm nun wieder unterstellten Beschuldigungen aus dem Weg geräumt hat und die Verfahren beide Male in zweiter Instanz gewonnen hat“.<ref>Bernhard Ichner: Operation Luxor: Uni-Professoren stellen sich hinter Farid Hafez. In: Kurier. 22. Januar 2021, abgerufen am 24. Januar 2021.</ref>
Drei Jahre nach der Operation Luxor, im Januar 2024, veröffentlichte Hafez ein Buch mit dem Titel Operation Luxor: Eine kritische Aufarbeitung der größten rassistischen Polizeioperation Österreichs.<ref>transcript: Operation Luxor. Abgerufen am 30. Januar 2024.</ref>
Schriften (Auswahl)
Autor
- Islamophober Populismus: Moschee- und Minarettbauverbote österreichischer Parlamentsparteien. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010 (Dissertation, Universität Wien, 2009).
- Anas Schakfeh: Das österreichische Gesicht des Islams. Braumüller, Wien 2012.
- Islamisch-politische Denker: Eine Einführung in die islamisch-politische Ideengeschichte. Peter Lang Verlag, New York / Oxford / Frankfurt / Wien 2014.
- Mein Name ist Malcolm X: Das Leben eines Revolutionärs. Al Hamra, Wien 2015.
- Feindbild Islam. Über die Salonfähigkeit von Rassismus. Böhlau Verlag, Wien 2019.
- Wie ich zum Staatsfeind erklärt wurde. Die Operation Luxor und der Kreuzzug gegen den „politischen Islam“. Wien, 2024.
- mit Reinhard Heinisch: Politicizing Islam in Austria. The Far-Right Impact in the Twenty-First Century, New Jersey 2024.
Herausgeber
- mit John Bunzl: Islamophobie in Österreich. Studienverlag, Innsbruck 2009.
- Jahrbuch für Islamophobieforschung. New Academic Press, Wien 2010 ff.
- mit Humayun Ansari: From the Far Right to the Mainstream: Islamophobia in Party Politics and the Media. Campus, Frankfurt am Main 2012.
- mit Enes Bayrakli: European Islamophobia Report. 2016 ff.
- mit Reinhard C. Heinisch, Raoul Kneucker und Regina Polak: Jung, muslimisch, österreichisch. New Academic Press / Alhamra, Wien 2016.
- mit Enes Bayrakli: Islamophobia in Muslim Majority Societies. Routledge, London 2019.
- Das „Andere“ Österreich. Leben in Österreich abseits männlich-weiß-heteronormativ-deutsch-katholischer Dominanz. New Academic Press, Wien 2021.
- mit Naved Bakali: The rise of global Islamophobia in the War on Terror. Coloniality, race, and Islam. Manchester University Press, 2022.
- Operation Luxor Eine kritische Aufarbeitung der größten rassistischen Polizeioperation Österreichs. Transcript Verlag, 2023.
Beiträge in Fachzeitschriften
- A Postcolonial Analysis of Austria’s Political Approach to Islam. In: Interventions: International Journal of Postcolonial Studies. doi:10.1080/1369801X.2022.2157305.
- Criminalizing Muslim Agency in Europe. The case of ‘Political Islam’ in Austria, Germany, and France. In: French Cultural Studies. 2022, S. 1–16, doi:10.1177/09571558221133253.
- Surveilling and Criminalizing Austrian Muslims: The Case of ‘Political Islam. In: Insight Turkey. Band 23, Nr. 2, 2021, S. 11–22, doi:10.25253/99.2021232.1.
- Unwanted Identities. The ‘Religion Line’ and Global Islamophobia. In: Development. Band 63, 2020, S. 9–19, doi:10.1057/s41301-020-00241-5.
- Malcolm X and Mauthausen Anti-Semitism, Racism, and the Reception of Malcolm X in the Austrian Muslim Youth. In: Svensk Teologisk Kvartalskrift, Special Issue: The Political Theology of Malcolm X. 1, 2020, S. 95–109. [2]
- Public and Scholarly Debates on the Comparison of Islamophobia and Anti-Semitism in Germany. In: Contemporary Church History/Kirchliche Zeitgeschichte. Band 32, Nr. 2, 2019, S. 277–290, doi:10.13109/kize.2019.32.2.277.
- From Jewification to Islamization: Political anti-Semitism and Islamophobia in Austrian politics then and now. In: ReOrient. Band 4, Nr. 2, Frühjahr 2019, S. 197–220.
- mit Rijad Dautovic: Institutionalising Islam in Contemporary Austria: A Comparative Analysis of the Austrian Islam Act of 2015 and Austrian Religion Acts with Special Emphasis on the Israelite Act of 2012. In: Oxford Journal of Law and Religion, Band 8, Nr. 1, February 2019, S. 28–50 (Erstveröffentlichung am 11. Juni 2018).
- Schools of Thought in Islamophobia Studies: Prejudice, Racism, and Decoloniality. In: Islamophobia Studies Journal. Band 4, Nr. 2, 2018, S. 210–225.
- Street-level and government-level Islamophobia in the Visegrád Four countries. In: Patterns of Prejudice. Band 52, 2018, Nr. 5, S. 436–447.
- mit Enes Bayraklı und Léonard Faytre: Engineering a European Islam: An Analysis of Attempts to Domesticate European Muslims in Austria, France, and Germany. In: Insight Turkey, Band 20, Nr. 3, Sommer 2018, S. 131–156.
- mit Reinhard Heinisch: Breaking with Austrian Consociationalism: How the Rise of Rightwing Populism and Party Competition have changed Austria’s Islam Politics. In: Politics and Religion, Band 11, Nr. 3, September 2018, S. 649–678.
- Alte neue Islampolitik in Österreich? Eine postkoloniale Analyse der österreichischen Islampolitik. In: ZfP – Zeitschrift für Politik. 65. Jahrgang, 1/2018, S. 22–44.
- Zwischen Fundamentalismus und Emanzipation. Die Frage nach dem muslimischen Subjekt vor dem Hintergrund des antimuslimischen Rassismus / der Islamophobie. In: Neue Praxis – Zeitschrift für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Sozialpolitik (Sonderausgabe: Rassismus in der Sozialen Arbeit und Rassismuskritik als Querschnittsaufgabe), Sonderheft 15, 2018, S. 70–77.
- Das Islamgesetz im Kontext islamophober Diskurse: Eine Policy Frame-Analyse zum Politikgestaltungsprozess des Islamgesetz 2015. In: Juridikum. 2, 2015, S. 160–165.
- Disciplining the “Muslim Subject”: The Role of Security Agencies in Establishing Islamic Theology within the State’s Academia. In: Islamophobia Studies Journal. Band 2, Nr. 2, 2014, S. 43–57.
- mit Rijad Dautović: MuslimInnen als BürgerInnen zweiter Klasse? Eine vergleichende Analyse des Entwurfes eines neuen Islamgesetzes 2014 zum restlichen Religionsrecht. In: Jahrbuch für Islamophobieforschung 2015. 2015, S. 26–54.
- Shifting borders: Islamophobia as the cornerstone for buildingpan-European right-wing unity. In: Patterns of Prejudice. Band 48, Nr. 5, Dezember 2014, S. 1–21.
- Gedenken im „islamischen Gedankenjahr“. Zur diskursiven Konstruktion des österreichischen Islams im Rahmen der Jubiläumsfeier zu 100 Jahren Islamgesetz. In: Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlands, Nr. 104 (2014), Selbstverlag, Institut für Orientalistik, Wien 2014, S. 63–84.
- Der Gottesstaat des Essad-Bey. Eine Muhammad-Biographie aus der Sicht eines jüdischen Konvertiten zum Islam unter besonderer Berücksichtigung der Dimension des Politischen. In: Journal of Arabic and Islamic Studies, 13 (2013), S. 1–21.
- Islamophobe Weltverschwörungstheorien … und wie Obama vom Muslim zum Muslimbruder wurde. In: Journal für Psychologie, Jg. 21 (2013), Ausgabe 1, S. 1–22.
Weblinks
- Literatur von und über Farid Hafez im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website von Farid Hafez
- „Es gibt hier einen Clash of Ideas“ – Farid Hafez: Warum nicht nur Rechte Rassisten sein können, Die Tageszeitung, 15. Nov. 2019
- Gudrun Harrer: Kopf des Tages: Farid Hafez – streitbarer Politologe unter Verdacht Der Standard, 21. April 2022.
Einzelnachweise
<references responsive />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hafez, Farid |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Politikwissenschafter |
| GEBURTSDATUM | 23. Dezember 1981 |
| GEBURTSORT | Ried im Innkreis |