Hans Scheib (Bildhauer)
Hans Scheib (* 10. Juni 1949 in Potsdam; † 10. April 2026 in Berlin<ref>Birgit Rieger: Zum Tod des Bildhauers Hans Scheib: Kanten, Grotesken und freie Gedanken. In: tagesspiegel.de. 13. April 2026, abgerufen am 14. April 2026.</ref>) war ein deutscher Bildhauer und Grafiker.
Leben
Scheib absolvierte von 1966 bis 1969 eine Lehre als Schriftsetzer in Ost-Berlin.<ref name="Bild">Ingeborg Ruthe: Expressives Menschenbild, Berliner Zeitung, 15. April 2026, S. 11 (Printausgabe).</ref> Von 1971 bis 1976 studierte er bei Walter Arnold an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Anschließend arbeitete er als freischaffender Künstler in Berlin-Prenzlauer Berg bis zu seiner Übersiedlung nach West-Berlin 1985.
In den 2010er Jahren wurde er schwer krank, neben diagnostiziertem Krebs erlitt Scheib auch einen Schlaganfall. Trotzdem versuchte er weiter am Leben teilzuhaben, besuchte Ausstellungen von Weggefährten oder hielt mit ihnen Kontakt. Das waren unter anderem Peter Herrmann, Strawalde, A. R. Penck und er führte viele Gespräche.<ref name="Bild" />
Werk
Hans Scheibs Werk umfasste vor allem Holzskulpturen, die häufig farbig gefasst sind. Stilistisch lassen sich Einflüsse des Expressionismus erkennen, insbesondere in Anlehnung an die farbige Holzbildhauerei der Künstlergruppe Brücke. Die Werke haben zudem Bezüge zur Tradition der gotischen Holzbildhauerei. Im Wesentlichen blieb Scheib bei der Darstellung eines realistischen Menschen. Seine Holzdarstellungen entstanden meist mit Kettensäge und Meißel, er stellte gern Gegensätze dar wie Liebe und Gewalt, Kraft und Schwäche, Ausgesetztheit, Schönheit und Verletzlichkeit. Dazu bevorzugte er eine Reduktion auf Nacktheit und Ausdünnung. Seine Bilder gestaltete Scheib ebenfalls mit grellen Farben, die Menschen mit weit aufgerissenen Augen oder überlängten Gliedmaßen.<ref name="Bild" />
Ausstellungen (unvollständig)
Einzelausstellungen
<templatestyles src="column-multiple/styles.css" />
- 1978: Galerie Mitte, Berlin
- 1986/87: Haus am Waldsee, Berlin-Zehlendorf; Mannheim; Wilhelmshaven; Amsterdam
- 1987: Galerie Niepel, Düsseldorf
- 1988: Galerie Poll, Berlin; Kunstverein, Mannheim
- 1989: Galerie Poll, Berlin; Goethe-Institut, Paris; Galerie Niepel, Düsseldorf
- 1990: Kunstförderverein Weinheim; Galerie am Friedrichsplatz, Mannheim
- 1991: Gerhard-Marcks-Haus, Bremen; Gedächtnisort Museum, Delmenhorst; Kunstverein Weissensee, Berlin (mit Sabina Grzimek)
- 1992: Galerie Poll, Berlin; Kunstverein, Grünzen
- 1993: Galerie Mutter Fourage, Berlin-Wannsee
- 1993/94: Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg; Kunstamt Wedding, Berlin; Galerie Rose, Hamburg
- 1994: Galerie Brockstedt, Hamburg
- 1995: Galerie Poll, Berlin; Carré Sainte Anne, Montpellier; Galerie Kasten, Mannheim
- 1997: Galerie Kasten, Mannheim
- 1998: Stadtmuseum Jena; Schleswig-Holstein-Haus, Schwerin
- 1999: Märkisches Museum, Witten
- 2000: Forum Box, Helsinki
- 2001: Kunsthalle Darmstadt; Galerie TSM, Tbilisi (Georgien); Galerie Kasten, Mannheim; Galerie Hofmann + Kyrath, Berlin; Galerie Bauscher, Potsdam; Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn, Bad Godesberg
- 2003: Album Galerie am Savignyplatz, Berlin
- 2004: Galerie im Turm, Berlin; Galerie Kasten, Mannheim
- 2005: Stadtmuseum Bautzen; Galerie Brockstedt/Berlin; Galerie Mutter Fourage, Berlin
- 2006: Albergo San Lorenzo, Mostre d'arte, Poppi (Italien)
- 2007: TU Berlin, Mathematische Fachbibliothek; Comptoir-Kunstmagazin, Städtische Galerie Sonneberg; Galerie Kasten, Mannheim; KunstRaum Bernusstr., Frankfurt/M.; Hippos, Max-Delbrück-Centrum, Berlin-Buch; Reigen-Bronzen und Holzskulpturen, Galerie CP Wiesbaden
- 2008: Galerie Brockstedt, Berlin; Dom der Französischen Gemeinde, Berlin; Galerie Kunstgießerei Flierl, KunstRaum Bernusstraße, Frankfurt/M.; Galerie Beyer, Dresden
- 2009: Galerie Kasten, Mannheim
- 2010: Galerie Holbein 4, Hannover; Galerie arsprototo, Erlangen
- 2013: Nah und Fern (mit Sigrid Nienstedt), Galerie Hovestadt, Nottuln
- 2016: Malerei und Skulptur: Zwei Freunde stellen zusammen aus (mit Michel Meyer), Galerie Zulauf, Freinsheim
- 2018: Spiel, Symbol und Fest, Ausstellung von Plastiken im Rahmen des 6. Pirnaer Skulpturensommers in den Bastionen von Schloss Sonnenstein sowie eine Ausstellung von Grafiken im Stadtmuseum von Pirna
- 2020: Galerie Schmalfuß Berlin mit Franziska Schwarzbach
- 2022: Galerie Schmalfuß Berlin mit Andreas Homberg
- 2023: Kunstscheune Barnsdorf in Wustrow (mit Malte Brekenfeld und Franziska Schwarzbach)<ref>Aktuell. Abgerufen am 22. Juni 2023.</ref>
- 2025: Galerie Schmalfuß: Blumen und weniger Blumiges<ref>Blumen und weniger Blumiges. 2025, abgerufen am 16. April 2026.</ref>
- 2025: Museum Scharf-Gerstenberg in Berlin-Charlottenburg, u. a. mit dem Werk Pietà pathologica als Antikriegsmahnmal<ref name="Bild" />
- 2026: Galerie Mutter Fourage, Berlin<ref>Ausstellung • HANS SCHEIB Skulpturen und Zeichnungen. 2026, abgerufen am 16. April 2026.</ref>
Teilnahme an Gruppenausstellungen
Zentrale und bedeutende regionale Ausstellungen in der DDR
- 1978: Frankfurt/Oder, Galerie Junge Kunst (Junge Künstler der DDR)
- 1978: Berlin, Galerie am Prater („Berliner Grafik VI“)
- 1979: Berlin und weitere Städte („100 ausgewählte Grafiken“)
- 1979 und 1983: Berlin, Bezirkskunstausstellungen
- 1980: Berlin, Treptower Park (Plastik und Blumen)
Seit der deutschen Wiedervereinigung
- 2002: Sommergärten, mit Christiane Latendorf, Kurt Wanski und Peppe d'Angelo; Galerie Hofmann & Kyrath, Berlin
- 2011: Realismus als Methode – Sechs Berliner Bildhauer, mit Fritz Cremer, Sabina Grzimek, Waldemar Grzimek, Emerita Pansowová und Genni/Jenny Mucchi-Wiegmann, Galerie Poll, Berlin
- 2012: Neue Skulpturen, Galerie Cerny + Partner, Wiesbaden
- 2013: Accrochage, mit Isa Dahl, Hans-Jürgen Diehl, Thomas Duttenhoefer, Jürgen Klück, Ingo Kühl, Hermann-Josef Kuhna, Sala Lieber, Sigrid Nienstedt, Dieter van Offern, Stefan Pietryga, Bernd Pöppelmann, Lars Reiffers, Stefan Rosendahl, Arno C. Schmetjen, Gan-Erdene Tsend, Daniel Wagenblast, Erhard Wilde und Wulf Winckelmann, Galerie Hovestadt, Nottuln
- 2014: Am Anfang war das Spiel, Themenschau, Künstlerverein Walkmühle e. V., Wiesbaden
Auszeichnungen und Mitgliedschaften
- 1995: Kunstförderpreis der Akademie der Künste, Berlin; 1. Preis beim Wettbewerb Denkmal für die ermordeten Juden Europas zusammen mit Hela Rolfs, Christine Jackob-Marks und Reinhard Stangl
- 2001 Mitglied der Freien Akademie der Künste, Hamburg
- 2004: Studienaufenthalt in der Villa Romana, Florenz (Italien) und Werkstatt in Tbilisi (Georgien)
- 2005: Bautzener Kunstpreis; 2. Int. Biennale, Beijing (China)
- 2006: Pirosmanis Tisch, Tbilisi (Georgien)
- 2007: Visiting Artist, Oberlin College, Oberlin, Ohio (USA)
- 2014: Egmont-Schaefer-Preis
Werkauswahl
-
Büste Max Delbrück
-
Büste Cécile Vogt
-
Büste Oskar Vogt
-
Kreuzberger Reiter (2004)
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Scheibs
<templatestyles src="column-multiple/styles.css" />
- Deutsches Historisches Museum, Berlin, Werk Ekel von 1989<ref>Objektkatalog des Deutschen Historischen Museums (DHM), Sammlungsbereich Kunst II (Skulpturen). [dhm.de/archiv/sammlungen/kunst2/98000297.html online]</ref>
- Museum Junge Kunst, Frankfurt (Oder)
- Skulpturensammlung Dresden und Sächsischer Kunstfonds<ref>SKD | Online Collection. Abgerufen am 22. Juni 2023.</ref>
- Grassimuseum, Leipzig
- Berlinische Galerie, Berlin<ref>Stale Session. In: sammlung-online.berlinischegalerie.de. Abgerufen am 22. Juni 2023.</ref>
- Kunsthalle Mannheim, Mannheim
- Märkisches Museum, Witten
- Museum Ludwig, Köln; hier befindet sich das Werk Wedding von 1987 als Dauerleihgabe. Es ist eine bemalte Holzskulptur in den Maßen 212 × 54 × 30 cm, die die Thematik Blutmai im Berliner Bezirk Wedding symbolisiert: eine expressive Figur mit geballter Faust, aus deren Augen schwarze Tränen fließen.<ref>Ludwig Forum für Internationale Kunst, Begleitmaterial zur Sammlung Ludwig / Dokumentation „Hans Scheib (1949) – Wedding, 1987“; [ludwigforum.de/wp-content/uploads/2025/11/01-Scheib_2.pdf online].</ref>
- Neue Nationalgalerie, Berlin<ref>Pietà pathologica. In: recherche.smb.museum. Abgerufen am 10. Juni 2025.</ref>
- National Museum of China, Peking
- Sammlung Deutscher Bundestag, Artothek, Berlin: Frau im roten Kleid, Skulptur, Holz/Farbe, 2003, Ankauf 2010<ref>Ankäufe 2010, Artothek [abgerufen am 18. Juli 2016].</ref>
- Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn: Der Trommler, Skulptur, Holz/Farbe, 2009<ref>Der Trommler. Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 16. April 2026.</ref>
- Museum für aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle, Durbach
- Kunstsammlung Heinrich, Maulbronn<ref>Alle Künstler im Überblick. In: Kunstsammlung Heinrich. Abgerufen am 29. Juli 2024.</ref>
Schriften
- Hans Scheib – Kalte Nadel. Radierungen 1977–2004. DruckVerlag Kettler, 2008, ISBN 978-3-939825-96-8.
- Mit Wolfgang Zemte (Hrsg.): Hans Scheib – Figur. Edition Rothes Haus, 1999, ISBN 3-933495-02-4.
- Hans Scheib – Bronzen. Edition Rothes Haus, Schwetzingen 1999, ISBN 3-933495-03-2.
- Mimesis, Hans Scheib, Bronzen WVZ 1986–2012, Hrsg. Galerie Cerny + Partner Wiesbaden, Kerber Verlag Bielefeld, 2013
- Spiel, Symbol und Fest, Holzskulpturen 1977–2013, Hrsg. Museum für aktuelle Kunst, Sammlung Hurrle Durbach
Literatur
- Hans Scheib In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 821/822
- Bautzener Kunstverein (Hrsg.): Hans Scheib – Bautzener Kunstpreis 2005.
Weblinks
- Homepage des Künstlers
- Hans Scheib in Galerie Kontrapost
- Hans Scheib bei Galerie Cerny und Partner
- Hans Scheib im Interview mit Rory MacLean
Einzelnachweise
<references responsive />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Scheib, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildhauer und Grafiker |
| GEBURTSDATUM | 10. Juni 1949 |
| GEBURTSORT | Potsdam |
| STERBEDATUM | 10. April 2026 |
| STERBEORT | Berlin |