Zum Inhalt springen

Deckenbach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 15. November 2025 um 19:34 Uhr durch imported>Der blaue Himmelsreiter (Einwohnerzahl aktualisiert).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Deckenbach
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(334)&title=Deckenbach 50° 43′ N, 8° 57′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(334) 50° 42′ 58″ N, 8° 56′ 54″ O
 {{#coordinates:50,716111111111|8,9483333333333|primary
dim=10000 globe= name=Deckenbach region=DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code type=city
  }}
Höhe: 320 (314–349) m ü. NHN
Fläche: 9,48 km²<ref name="lagis" />
Einwohner: 334 (31. Dez. 2024)<ref>Stadt Homberg (Ohm) | Daten & Fakten |. Abgerufen am 15. November 2025.</ref>
Bevölkerungsdichte: 35 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35315
Vorwahl: 06633

Deckenbach ist ein Stadtteil von Homberg (Ohm) im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographie

Geographische Lage

Deckenbach liegt von Wald umgeben am Rande des Vogelsbergs. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3126.

Nachbarorte

Höingen Haarhausen Homberg
Roßberg Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Gut Wäldershausen
Wermertshausen Rüddingshausen Schadenbach

Ortsgeschichte

Mittelalter

Datei:Deckenbach - Kirche (001).JPG
Dorfkirche

Die älteste schriftliche Erwähnung datiert in den Zeitraum von 780 bis 802. Das ist die Amtszeit des Abtes Baugulf von Fulda.<ref>Edmund Ernst Stengel: Fuldisches Urkundenbuch. Band 1, Nr. 429, S. 471.</ref> Der Ort „Teggenbach“ wird im Codex Eberhardi erwähnt, in einem Kopiar, das um das Jahr 1160 entstand.<ref>Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda. Hrsg. von Heinrich Meyer zu Ermgassen. Band 1. Marburg 1995. = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. 58, 1. S. 267. fol. 154, fol. vb.</ref> Der Eintrag beinhaltet eine Schenkung eines „Berenleich“ an das Kloster Fulda. Diese umfasst den Anteil an einem Bifang und einem Wald sowie die Übereignung von sieben Unfreien. Zwei weitere Kopiare aus der Zeit um 1300 und 1400 bis 1425 erwähnen die beiden Siedlungen „Deckenbach superius“ (Ober-Deckenbach) und „Deckenbach inferius“, die spätere Wüstung Nieder-Deckenbach.<ref>Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia. Band III. Mannheim 1777. S. 284 f.</ref> 1325 wird „Abern Deckinbach“ urkundlich erwähnt.<ref>Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 2. Nr. 487, S. 368.</ref>

Die Namenskunde geht davon aus, dass hier ein Gewässer- und ein Personenname den Ortsnamen bilden. Der Personenname wird als „Daggo“ identifiziert.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 83 f.</ref>

Neuzeit

Der Ort „Nidderndeckenbach“ taucht noch einmal in einem Salbuch von 1587 auf. Diese Quelle nennt 1589 auch die Straßenführung nach Grünberg: „von Deckenbach hinter dem Windhain hinauf an die Landstraß, die nach „Grunbergk“ geht.“<ref>Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 302 und S. 202.</ref>

Im Jahre 1789 wurde die evangelische Kirche, die in der Mitte des Dorfes steht, erbaut.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Deckenbach:

„Deckenbach (L. Bez. Kirtorf) evangel. Filialdorf; liegt 3 St. von Kirtorf, unweit Homberg, hat 64 Häuser, 407 evangelische Einw., sowie 1 Kirche und 1 Schulhaus. Die Einwohner nähren sich stark von der Leineweberei, und fertigen nicht unbedeutende Quantitäten von Leinwand.“<ref name="GW">Vorlage:BibOCLC</ref>

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Deckenbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis als Stadtteil in die Stadt Homberg (Ohm) – damals noch mit dem Namen Homberg (Kreis Alsfeld)eingegliedert.<ref></ref> Für alle durch die Gebietsreform nach Homberg eingegliederten Gemeinden und die Kernstadt wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.<ref>Hauptsatzung. (PDF; 2,99 MB) § 6. In: Webauftritt. Gemeinde Homberg (Ohm), archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Januar 2021; abgerufen im Januar 2021.</ref>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Deckenbach angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>

Die Zugehörigkeit des Amtes Homberg an der Ohm anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866. </ref>

Gerichte seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Deckenbach das „Amt Homberg an der Ohm“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Homberg an der Ohm“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg an der Ohm, das für Deckenbach zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Homberg an der Ohm“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref> Am 15. Juni 1943 wurde das Gericht zur Zweigstelle des Amtsgerichtes Alsfeld<ref>Rundverfügung des Reichsministers der Justiz vom 20. Mai 1943 — 3200/7 — Ia9 995 — Betrifft: Vereinfachung der Gerichtsorganisation.</ref>, aber bereits wieder mit Wirkung vom 1. Juni 1948 in ein Vollgericht umgewandelt<ref>Erlass des Hessischen Ministers der Justiz vom 24. Mai 1948 — 3210/1 — Ia 1961 — Betrifft: Umwandlung des Zweigstellen-Amtsgerichts Homberg (Oberhessen). (Gesetz über Maßnahmen auf dem Gebiete der Gerichtsorganisation und Gerichtsverfassung vom 17. November 1953. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1953 Nr. 30, S. 189–191, Anlagen 1. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 1,3 MB]).)</ref>. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Homberg und Deckenbach wurde dem Bereich des Amtsgerichts Kirchhain zugeteilt.<ref>Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 b) und Artikel 2, Abs. 8 c) (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 298 kB]).</ref> 1973 wechselte die Stadt Homberg an der Ohm und mit ihr Deckenbach in den Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Alsfeld.<ref name="RVB-1973" /> In übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung

• 1577: 041 Hausgesesse mit sechs Wagen.<ref name="lagis" />
• 1791: 299 Einwohner<ref name="Adr-LG-HD" />
• 1800: 282 Einwohner<ref name="Adr-LG-HD-1800" />
• 1806: 316 Einwohner, 54 Häuser<ref name="Adr-LG-HD-1806" />
• 1829: 407 Einwohner, 64 Häuser<ref name="GW" />
• 1867: 443 Einwohner, 76 bewohnte Gebäude<ref name="WP">Vorlage:BibOCLC</ref>
• 1875: 481 Einwohner, 81 bewohnte Gebäude<ref name="WP75">Vorlage:BibOCLC</ref>
Deckenbach: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2024
Jahr  Einwohner
1791
  
299
1800
  
282
1806
  
316
1829
  
407
1834
  
374
1840
  
465
1846
  
453
1852
  
459
1858
  
443
1864
  
428
1871
  
456
1875
  
481
1885
  
456
1895
  
460
1905
  
443
1910
  
460
1925
  
409
1939
  
416
1946
  
622
1950
  
574
1956
  
454
1961
  
417
1967
  
426
1970
  
408
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
369
2015
  
343
2019
  
349
2024
  
334
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS<ref name="lagis" />; Stadt Homburg (Ohm)<ref name="Warchiv" />; Zensus 2011<ref name="Z2011">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020;.</ref>

Religionszugehörigkeit

• 1829: 407 evangelische (= 100 %) Einwohner<ref name="GW" />
• 1961: 369 evangelische (= 88,49 %), 41 katholische (= 9,83 %) Einwohner<ref name="lagis" />

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Naturdenkmal Alte Kirchlinde

Die denkmalgeschützte alte Linde steht in der Lindengasse und laut Liste der Naturdenkmale an der „Stätte der früheren Kirche“. Nach einer Publikation des hessischen Baumschützers und Forstwissenschaftlers Hans Joachim Fröhlich ist der Stamm des Baumes im Jahr 1961 abgebrochen. Dadurch besteht die heutige Krone aus relativ jungen Ästen. Der verbliebene Altstamm war vertikal aufgebrochen und hat sich inzwischen komplett mit Rinde überwallt. Er hat einen Umfang von ca. 5,6 m. Das Alter des Baumveterans wird mit rund 400 Jahren angegeben.<ref>„Linde in Deckenbach“ im Baumregister bei www.baumkunde.de</ref>

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

Regelmäßige Veranstaltungen

Am 1. Mai findet das traditionelle Wiesenblütenfest des Obst- und Gartenbauvereins Deckenbach statt sowie die traditionelle Maifeier am Vorabend der Burschen- und Mädchenschaft. Die Kirmes findet immer Mitte Juli statt.

Vereine

Das kulturelle Leben im Dorf prägen folgende Vereine:

  • Burschen- und Mädchenschaft
  • Evangelische Jugend
  • Evangelischer Posaunenchor
  • Freiwillige Feuerwehr
  • Gesangverein „Eintracht“
  • Jagdhornbläsergruppe
  • Landfrauenverein
  • Obst- und Gartenbauverein Deckenbach
  • Oldtimerfreunde Deckenbach
  • SC Deckenbach
  • TSG Deckenbach
  • Eintracht Fanclub Deckenbach

Verkehr

Homberg liegt im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Die RMV-Regionalbuslinie MR86 verbindet Deckenbach mit dem Bahnhof Marburg Süd. Nach Homberg fährt auch die Linie VB-81 der Verkehrsgesellschaft Oberhessen.

Literatur

Weblinks

Commons: Deckenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="lagis">Deckbach, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> <ref name="Warchiv" > Daten und Fakten. In: Webauftritt. Stadt Homberg (Ohm), archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen im Januar 2021. </ref> <ref name="Adr-LG-HD"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 198 ff. (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1800"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 215 ff. (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1806"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 260 ff. (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="PR"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 419 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="STH-Oberhessen"> Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 143 ff. (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="RVB-1973"> Fünftes Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 12. Juni 1973. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 15, S. 199–201, Artikel 1, Punkt 10.33 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 385 kB]). </ref> </references>

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Vorlage:Klappleiste/Ende Vorlage:Hinweisbaustein