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Sickendorf

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Sickendorf
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(163)&title=Sickendorf 50° 38′ N, 9° 21′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(163) 50° 38′ 17″ N, 9° 20′ 42″ O
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Höhe: 351 (332–380) m ü. NHN
Fläche: 2,74 km²<ref name="lagis" />
Einwohner: 163 (31. Dez. 2016)<ref name="DF">Einwohnerzahlen nach Ortsteilen. (PDF; 55 kB) In: Internatauftritt. Stadt Lauterbach, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen im Mai 2018.</ref>
Bevölkerungsdichte: 59 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 1972
Postleitzahl: 36341
Vorwahl: 06641

Sickendorf ist ein Stadtteil der Kreisstadt Lauterbach des mittelhessischen Vogelsbergkreises. Der Ort liegt in Mittelhessen westlich von Lauterbach.

Ortsgeschichte

Mittelalter

Die ältesten schriftliche Erwähnungen von Sickendorf setzen erst im ausgehenden Mittelalter ein. In einem Kopiar des 15. Jahrhunderts findet sich für das Jahr 1454 der folgende Eintrag: „... mit diesen nachgeschribenen gutenn (Gütern), Nemlich Sickendorff ...<ref>Archiv Lauterbach, 67, 224, 2.</ref>“ In einer Urkunde von 1464 heißt es: „Sigkendorfe“.<ref>Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Regest, Nr. 940, S. 259.</ref>

Der Ortsname wird in der Namensforschung als eine „Siedlung des Sicco“ erklärt.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 350.</ref>

In der Gemarkung Sickendorf befinden sich zwei Wüstungen. Diese Orte hießen Eckenrode,<ref>Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 93 f.</ref> nordwestlich von Sickendorf,<ref>Gertrud Mackenthun: Die Wüstungen im Kreis Lauterbach (Hessen). Dissertation Marburg 1948. In: Lauterbacher Sammlungen 5 (1950). S. 1–170. S. 273.</ref> und Wilmenrod,<ref>Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 400.</ref> welches nördlich von Sickendorf gelegen war.<ref>Gertrud Mackenthun: Wüstungen im Kreis Lauterbach, S. 274.</ref>

Neuzeit

Im Ort steht das Schloss der Adelsfamilie Riedesel mit einem von den Gebrüdern Siesmayer gestalteten Schlosspark.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Sickendorf:

„Sickendorf (L. Bez. Lauterbach) evangel. Filialdorf; liegt im Vogelsberg 34 St. von Lauterbach, und gehört dem Freiherrn von Riedesel. Man findet 10 Häuser und 113 Einwoher, die evangelisch sind. Dieses Dorf wird, im Gegensatze mit dem hierher gehörigen Hofe Untersickendorf, auch öfters Obersickendorf genannt.“<ref name="GW">Vorlage:BibOCLC</ref>

Zum 1. Februar 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Sickendorf im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Kreisstadt Lauterbach eingegliedert.<ref></ref> Für Sickendorf wurde, wie für die übrigen durch die Gebietsreform nach Lauterbach eingegliederten Gemeinden, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.<ref>Hauptsatzung. (PDF; 30 kB) §; 6. In: Webauftritt. Stadt Lauterbach, abgerufen im März 2019.</ref>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Sickendorf angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>

Gerichtszugehörigkeit seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Sickendorf ab 1806 das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Engelrod zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Dafür wurde das standesherrliche „Landgericht Lauterbach“ geschaffen. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.<ref>Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren vom 7. August 1848. In: Großherzog von Hessen (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1848 Nr. 40, S. 237–241 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 42,9 MB]).</ref>

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Lauterbach“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref>

Am 1. Januar 2005 wurde das Amtsgericht Lauterbach als Vollgericht aufgehoben<ref>Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (GVBl. I S. 507–508) vom 20. Dezember 2004. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2004 Nr. 24, S. 507–508 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 1,4 MB]).</ref> und zur Zweigstelle des Amtsgerichts Alsfeld.<ref>Vierte Verordnung zur Anpassung gerichtsorganisatorischer Regelungen. Art. 1 §4 Abs. 1 (GVBl. I S. 552) vom 29. Dezember 2004. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2004 Nr. 25, S. 552 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 1,2 MB]).</ref> Zum 1. Januar 2012 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen.<ref>Fünfte Verordnung zur Änderung der Gerichtlichen Zuständigkeitsverordnung Justiz vom 9. Dezember 2010 (GVBl. I S. 709–710)</ref>

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Sickendorf 168 Einwohner. Darunter waren 6 (1,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 33 Einwohner unter 18 Jahren, 63 zwischen 18 und 49, 36 zwischen 50 und 64 und 26 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 66 Haushalten. Davon waren 12 Singlehaushalte, 21 Paare ohne Kinder und 27 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 18 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 42 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />

Einwohnerentwicklung

• 1806: 48 Einwohner, 9 Häuser<ref name="Adr-LG-HD-1806" />
• 1829: 113 Einwohner, 10 Häuser<ref name="GW" />
• 1867: 109 Einwohner, 13 bewohnte Gebäude<ref name="WP">Vorlage:BibOCLC</ref>
• 1875: 91 Einwohner, 13 bewohnte Gebäude<ref name="WP75">Vorlage:BibOCLC</ref>
Sickendorf: Einwohnerzahlen von 1800 bis 2015
Jahr  Einwohner
1800
  
26
1806
  
48
1829
  
113
1834
  
113
1840
  
107
1846
  
116
1852
  
108
1858
  
104
1864
  
125
1871
  
77
1875
  
91
1885
  
111
1895
  
93
1905
  
138
1910
  
134
1925
  
144
1939
  
139
1946
  
255
1950
  
275
1956
  
226
1961
  
195
1967
  
193
1970
  
181
1980
  
?
1990
  
?
2003
  
198
2005
  
165
2011
  
168
2015
  
163
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: <ref name="lagis" />; stadt Lauterbach<ref name="DF" />; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />

Historische Religionszugehörigkeit

• 1829: 113 evangelische (= 100 %) Einwohner<ref name="GW" />
• 1961: 138 evangelische (= 70,77 %) und 38 (= 19,49 %) katholische Einwohner<ref name="lagis" />

Politik

Ortsvorsteher ist Jens Ziemer..(Stand: Juni 2022)<ref> Ortsvorsteher in den Stadtteilen. In: Internetauftritt. Stadt Lauterbach, abgerufen im Juni 2022.</ref>

Persönlichkeiten

Infrastruktur

  • Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3144 und 3161.
  • Nördlich des Ortes gibt es auf dem Gelände des ehemals riedeselschen Hofgutes einen Golfplatz.

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="lagis">Sickendorf, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 4. Mai 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1806"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 280 ff. (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="PR"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 426 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="STH-Oberhessen"> Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 158 ff. (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 38 und 78, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020;. </ref> </references>

Literatur

Weblinks

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