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Medienfassade

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Datei:Verzamelgebouw De Volharding - De Volharding Multi-user Building (4750948469).jpg
Coöperatie De Volharding (1930)
Datei:Hdl.jpg
Blinkenlights am Haus des Lehrers (2001)
Pong
Pong am Haus des Lehrers (2001)
Datei:Pixel wall artwork Nord-LB office building Friedrichswall Hanover Germany.jpg
Pixelwand Nord-LB Hannover (2002)
Datei:Kunsthaus-Graz-Nacht-Medienfassade.jpg
Kunsthaus Graz (2003)
Datei:UNIQA Tower.jpg
UNIQA Tower (2005)
Datei:Dexia Tower (1).jpg
Dexia Tower (2006)
Datei:Medienfassade der Zeilgalerie bei Nacht.jpg
Zeilgalerie (2011)
Datei:The Sphere as Mars, view from my hotel room at Harrah's, Las Vegas, Nevada, USA (53112535707).jpg
MSG Sphere, den Mars darstellend (2022)

Eine Medienfassade ist eine flächige, animierte Lichtinstallation, typischerweise an großstädtischen Geschäfts- und Kulturbauten, die Zwecken der Werbung, der Information oder der Kunst dient.

Medienfassaden sind alle Fassaden, die neben dem bauphysikalischen und gestalterischen Gebäudeabschluss einen Mehrwert durch medialen Austausch, Transport von Informationen oder optische Reize erzeugen.<ref>Baunetzwissen: Sonderform Medienfassaden</ref>

Geschichte

Mit der flächendeckenden Einführung der Elektrizität Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte die Lichtwerbung eine Blütezeit. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden in Berlin Glühlampentableaus an Häuserfassaden und auf Dächern installiert. Bereits um 1910 kamen auch Neonröhren und Moore-Licht zur Anwendung. Eine Häufung dieser Anlagen ergab sich an Stadtplätzen der Metropolen wie dem Potsdamer Platz, dem Piccadilly Circus oder dem Times Square, deren hohe Passantenfrequenz optimale Reichweite erwarten ließ.

In der Zwischenkriegszeit kamen an diesen Plätzen, wie auch an Pressehäusern und Bahnhöfen, Wanderschriftanlagen zum Einsatz, die neben der Werbung auf teils beträchtlichen Flächen tagesaktuelle Kurznachrichten präsentierten. Auch erzielte die Inszenierung von Architektur mit Installationen wie Berlin im Licht anlässlich der Berliner Festwochen 1928 öffentliche Aufmerksamkeit; es wurde der Begriff der Lichtarchitektur geprägt. Architekten der Klassischen Moderne, namentlich Erich Mendelsohn und Wassili Luckhardt beschäftigten sich mit der Integration der Werbeträger und der Planung der nächtlichen Wirkung der Gebäudefassaden, deren wachsender Glasanteil die beabsichtigten Effekte begünstigte. Auch der größte Lichtturm Europas am Europahaus von Otto Firle und Lichtspielpaläste wie der Titania-Palast weisen in diese Richtung, die im Gebäude der Coöperatie De Volharding kulminierte, dessen Fassade nahezu vollständig in Glasbausteine, Fenster und hinterleuchtete Opalglasfelder aufgelöst war, auf denen Wechselbuchstaben montiert waren. Eine Weiterentwicklung dieser vielversprechenden Ansätze wurde jedoch durch die Weltwirtschaftskrise, die nachfolgende Kriegswirtschaft und die Verdunkelung im Bombenkrieg vereitelt. 1936 entstand noch ein Entwurf von Oskar Nitschke für ein Maison de la Publicité, dessen Fassade bereits Bewegtbildprojektionen vorsah, aber leider nicht mehr umgesetzt wurde. Auch die im gleichen Jahr von August Karolus auf der Funkausstellung vorgeführte 10-Zeilen-Zellenraster-Großbildtafel mit 10.000 Glühlampen auf etwa 4 m²<ref>Fritz Schröter u. a.:Grundlagen des Elektronischen Fernsehens. Springer, Berlin und Heidelberg 1956</ref> zur Anzeige von Fernsehbildern kam, bedingt durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, nicht mehr zum Einsatz.

Die Rasterfassaden der Bürohäuser des Internationalen Stils der Nachkriegszeit eigneten sich besonders für Lichtwerbung unter Verwendung der regulären Beleuchtung: ein Beispiel hierfür ist das SKF-Hochhaus in Schweinfurt. Hier wurden bei Arbeitsende an bestimmten Fenstern blaue Rollos heruntergelassen, die von Leuchtstoffröhren an den Fensterstürzen angestrahlt wurden und so das Unternehmenslogo in einer Größe von 25 × 36 m abbildeten.<ref>Main-Post: Wie das Gebäude zu seiner Leuchtschrift kam, 26. August 2009</ref> In anderen Gebäuden war es möglich, die Raumbeleuchtung der Büros zentral von der Nachtportiersloge zu schalten; so konnte ab etwa 1960 am Verwaltungsgebäude der Phoenix-Rheinrohr AG in Düsseldorf mit 138 blauen Leuchtstoffröhren in den Fensterleibungen von 13 Etagen ebenfalls das Firmenlogo dargestellt werden.

Ausgereizt wurde dieser Ansatz schließlich vom Projekt Blinkenlights am Haus des Lehrers, wo das Publikum eigene Animationssequenzen zur Aufführung bringen und – ungeachtet der relativ geringen Auflösung von nur 8 × 18 „Pixel“ – sogar das klassische Videospiel Pong spielen konnte.

1977 wurde durch die von George N. Stonbely gegründete Spectacolor Inc. die erste vollfarbtaugliche, durch Computer angesteuerte Großwerbefläche am Verlagsgebäude der New York Times, One Times Square installiert, was zu einem Paradigmenwechsel führte, insoweit dort nunmehr Sendezeit anstelle von Werbefläche vermarktet werden konnte. In der Folge wurden am Times Square und anderenorts mehr als 100 derartige Anlagen installiert, darunter das Eastman Kodak Kodarama Display; dies wurde als Rückkehr der Werbewirtschaft in die Innenstädte gewertet. In die laufenden Werbeanimationen des Spectacolor Light Board am Times Square wurden seit 1982 im Rahmen einer Medienkunstinitiative des Public Art Fund unter anderem die Truisms der Konzeptkünstlerin Jenny Holzer eingeschaltet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Messages to the Public (Memento des Vorlage:IconExternal vom 25. Oktober 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.publicartfund.org</ref>

In Berlin betrieb Gruner & Jahr um 1989 am Ku’damm-Eck mit ähnlicher Zielsetzung die kurzlebige Avnet Bildwand, deren Alleinstellungsmerkmal ihre eigenartige mechanische Anzeigetechnologie war, deren Ansteuerung aber bereits per Computer erfolgte. Auch die Irisblendenanlage am Institut du monde arabe und die Aegis Hyposurface fallen in diese Übergangsphase.

Seit der Jahrtausendwende ist in Europa – bedingt durch Fortschritte sowohl im Bereich der Lichttechnik (LED), als auch der Steuerung (KNX, Arduino) – ein Boom der Medienfassaden zu verzeichnen: das Spektrum erstreckt sich von medienkünstlerischen Projekten über solche mit dem Fokus auf Betonung der Architektur bis hin zu werbeorientierten Großbildvideodisplays. Seitens Corporate-Identity-Strategen und Stadtmarketing wird ihnen eine identitätsstiftende Wirkung beigemessen.

2008 wurden erstmals 19 Projekte auf dem Medienfassaden-Festival Berlin präsentiert; seither richtet das Media Architecture Institute eine Biennale zum Thema aus.<ref>Baunetz: Medienfassaden-Festival Berlin</ref>

Technologie

Zunächst beschränkte sich die Aktualisierung der dargestellten Inhalte auf manuellen Austausch von Wechselbuchstaben. Entsprechende gebäudeintegrierte Rasterpaneelen kamen insbesondere bei der Kinowerbung zum Einsatz. Auch Transparentfolien mit Motortransport eigneten sich in dieser Situation. Bei den Wanderschriftanlagen wurden Endlosbänder mit Prägebuchstaben an Federkontakten vorbeigezogen, die den Stromkreis der korrespondierenden Lampe durch Eintauchen in ein Quecksilberbad schlossen, sobald sie durch die Kontur eines Buchstabens angehoben wurden; später wurden auch gestanzte Lochstreifen verwendet.

Die dynamische Ansteuerung der Anlagen erfolgte bis in die 1970er Jahre über Schrittschaltwerke oder der Vermittlungstechnik entlehnte Relaisgruppen. Seitdem werden diese durch Computer mit Benutzerinterfaces zunehmenden Komforts abgelöst.

Beginnend mit dem Sony Jumbotron wurden seit den frühen 1980er Jahren Großbildvideoanzeigen entwickelt, die in Ermangelung blauleuchtender LED zunächst aus Modulen spezieller Kathodenstrahlröhren, deren jede 2 bis 16 Pixel darstellen konnte, bestanden. Diese Displays hatten Diagonalen von 9 bis höchstens 35 Meter bei einer Auflösung ab 240×192 Pixel. Aufgrund der hohen Kosten fanden sie bevorzugt in Stadien Aufstellung, so etwa im SkyDome Toronto. Seit der Einführung preiswerter LED- und neuerdings OLED-Leuchtmittel von hoher Lichtstärke lassen solche Anlagen mittlerweile ebenfalls Anwendungen an Fassaden zu.

In neuester Zeit gibt es auch Drahtgewebe mit eingeflochtenen LED.<ref>Haver&Boecker</ref><ref>GKD – Gebr. Kufferath: Transparente Medienfassaden. 2018 (Digitalisat)</ref>

Datei:Fliegende Bilder Dortmunder U.jpg
Dortmunder U (2010)

Tendenzen

  • wachsende bespielte Fläche
  • steigende Bildwechselfrequenz
  • fallender Energieverbrauch
  • Interaktive Anwendungen
  • Standardisierung von Protokollen zur Gebäudeautomation
  • Preisgünstige Verfügbarkeit energieeffizienter Leuchtmittel
  • Open-Source-Software/Hardware für die Steuerung
  • fallender Aufwand für die Erstellung der Inhalte

Inhalte

Je nach Anlagenkonzeption und verwendeter Technologie eignen sich Medienfassaden für

  • abstrakte Licht- und Farbeffekte
  • Laufschrift
  • Pixelbilder
  • Video
  • Interaktivität

Die technisch bedingten Einschränkungen hinsichtlich Farbigkeit, Auflösung und Bildwechselfrequenz werden auch als eigene stilistische Qualität wahrgenommen, insbesondere wenn die Zielsetzung der Anlage eher auf Lichtkunst denn auf Werbung ausgerichtet ist.<ref name="CC2006">Convertible City Projekt SPOTS Licht- und Medienfassade</ref>

Kritik

Je nach Ort und Ausführung können Medienfassaden als störend empfunden werden. Wenn umliegende Privaträume angestrahlt werden, wird das von Anwohnern teils als störend empfunden.<ref>Von twitternden Gebäuden und Medienfassaden - Interview mit Thomas Schielke. Abgerufen am 5. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die entstehende Lichtverschmutzung kann negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Menschen und auf die Umwelt entwickeln.<ref>Helga Kuechly, Dr. Josiane Meier, Dr. Christopher Kyba, Dr. Andreas Hänel,: Ausmaß der Lichtverschmutzung und Optionen zur Minderung der negativen Auswirkungen; Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestages vorgelegt dem Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). Hrsg.: Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ. 13. Dezember 2017, doi:10.48440/GFZ.1.4.2020.002.</ref> Angepasste Wahl von Lichtfarben, Intensität und Bewegungsmustern können solche Probleme mindern.

Ausgeführte Projekte

  • 1928: Coöperatie De Volharding in Den Haag, Grote Markt 22 (Architekt Jan Buijs)
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  • 1963: Hochhaus der deutschen Hauptverwaltung der SKF in Schweinfurt
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  • 1969–1973: landesweit erste elektronische Bildwand am Berolinahaus am Alexanderplatz, Berlin. Format: 10 m × 10 m. 176 farbfähige Rasterbausteine von je 10 cm × 10 cm. Zum 20-jährigen Jubiläum der Staatsgründung am 7. Oktober 1969 wurde eine Behelfslösung mit programmierten Leiterkarten erarbeitet, die per Hand geschaltet wurde. Da die elektronische Ansteuerung nicht die vorgesehene Leistung brachte, wurde die Anlage 1973 wieder demontiert. (Ausführung: PGH Neontechnik Leipzig, VEB Neontechnik Halle)<ref>Dietmar Kreutzer: Lichter des Ostens. Books on Demand 2002</ref>
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  • 1987: Institut du Monde Arabe, Paris. Fenstergitter aus einer Anordnung von Irisblenden, die den Lichteinfall ins Gebäudeinnere steuern und dabei an der Fassade eine veränderliche Ornamentik bilden. (Arch. Jean Nouvel)
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  • 2002: Post Tower in Bonn (1.925 Leuchten mit jeweils drei Hochspannungsleuchtstoffröhren in den Farben Rot, Gelb und Blau, Ausführung: LTW Lichttechnisches Werk)
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  • 2002: Aegis Hyposurface am Birmingham Hippodrome Theatre (Mark Goulthorpe / dECOi Architects)<ref>Aegis Hyposurface</ref>
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  • 2005: UNIQA Tower in Wien (ca. 160.000 LED auf ca. 7.000 m², das System arbeitet auf Videokomponentenbasis mit 25 fps. Konzept von Licht Kunst Licht)
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  • 2005–2007: SPOTS am Eingangsbau der Park Kolonnaden am Potsdamer Platz als Projekt der 10. Architektur-Biennale (1.800 in einer Matrix auf 1.350 m² angeordnete ringförmige Leuchtstoffröhren, individuell steuerbar, Ausführung: realities:united<ref name="CC2006" />)
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  • 2006: Tour Rogier in Brüssel, vormals Dexia Tower (4200 Fenster mit jeweils 12 LED-Lampen ausgestattet)
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  • 2008: Museion in Bozen (Architekten: KSV Krüger Schuberth Vandreike, Ausführung: Lichtvision Design)
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  • 2009: Iluma Building, Singapur. Mosaikartig angeordnete kristallin geformte Kunststoffelemente vor LED Netz (Arch.: WOHA, Umsetzung: realities united)
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  • 2017: Caohejing OnCube Bürokomplex in Shanghai, China (800 Effektleuchten auf 420 m², Architekt: Gerkan, Marg und Partner, Ausführung: iGuzzini illuminazione S.p.A.)
  • 2017: Ohla Eixample Hotel in Barcelona (Architekt: Daniel Isern, Konzeption: Maurici Gines, Artec3, Ausführung: iGuzzini illuminazione S.p.A.)
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  • 2022: Novartis-Pavillon, Basel. Erste Zero-Energy Medienfassade (Architektur: AMDL CIRCLE, Konzeption und Ausführung: iart Studio für mediale Architekturen)<ref>MAB23. Abgerufen am 20. November 2024.</ref>
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Literatur

  • Dietrich Neumann (Hrsg.): Architektur der Nacht. Prestel, München 2002
  • Fabian Wurm (Hrsg.): Signaturen der Nacht – Die Welt der Lichtwerbung. avedition, Stuttgart 2009
  • M. Hank Haeusler: Media Facades – History, Technology, Content. Av Edition, 2009
  • M. Hank Haeusler, Martin Tomitsch, Gernot Tscherteu: New Media Facades A global survey. Av Edition, 2012

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:All Coordinates“ ist nicht vorhanden.