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Tragant

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Tragant
Datei:Astragalus frigidus.JPG

Gletscher-Tragant (Astragalus frigidus)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Galegeae
Gattung: Tragant
Wissenschaftlicher Name
Astragalus
L.

Tragant (Astragalus) ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Mit etwa 1600 bis 3000 Arten ist sie die größte Gattung innerhalb der Gefäßpflanzen. Sie ist über den größten Teil der Nordhalbkugel (Holarktis) verbreitet. Aus einigen Arten wird das Verdickungsmittel Traganth<ref>Vgl. auch Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 157 (Tragacantha).</ref> gewonnen.

Beschreibung

Datei:Astragalus spp Sturm22.jpg
Illustration: links: Sand-Tragant (Astragalus arenarius) und
rechts: Bärenschote (Astragalus glycyphyllos)
Datei:Astragalus hamosus MHNT.BOT.2007.40.117.jpg
Früchte und Samen von Astragalus hamosus
Datei:Astragalus centralpinus.JPG
Astragalus alopecurus
Datei:Astragalus.australis1.JPG
Südlicher Tragant (Astragalus australis)
Datei:Astragalus beckwithii var purpureus 12.jpg
Astragalus beckwithii
Datei:Astragalus bisulcatus (26977225294).jpg
Astragalus bisulcatus
Datei:Astragalus calycosus (8265689784).jpg
Astragalus calycosus
Datei:Astragalus danicus - aas-hundihammas.jpg
Astragalus danicus
Datei:Astragalus exscapus sl11.jpg
Astragalus exscapus
Datei:Astragalus lentiginosus 2.jpg
Astragalus lentiginosus
Datei:Astragalus newberryi var newberryi 1.jpg
Astragalus newberryi
Datei:Astragalus nitidiflorus505.jpg
Astragalus nitidiflorus
Datei:Astragalus onobrychis sl7.jpg
Astragalus onobrychis
Datei:Astragaluspurshii1.jpg
Astragalus purshii
Datei:Astragalus sinicus 4.JPG
Astragalus sinicus

Vegetative Merkmale

Tragant-Arten sind einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen oder Halbsträucher bis Sträucher.<ref name="FOC2010" /> In Mitteleuropa sind alle Arten ausdauernde, krautige Pflanzen mit verholztem Rhizom. Manche Arten sind bedornt.<ref name="FOC2010" /> Die oberirdischen Pflanzenteile sind behaart oder kahl;<ref name="FOC2010" /> die weißen oder schwarzen Haare (Trichome) sind basifix und einfach oder symmetrisch oder asymmetrisch und zweiästig<ref name="FOC2010" /> (wie eine Kompassnadel).

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind paarig oder unpaarig gefiedert,<ref name="FOC2010" /> die mitteleuropäischen stets unpaarig. Selten stehen die Fiederblättchen quirlig auf dem Blattstiel.<ref name="FOC2010" /> Die Fiederblättchen sind ganzrandig. Die grünen oder häutigen<ref name="FOC2010" /> Nebenblätter können frei, mit dem Blattstiel verwachsen oder untereinander verwachsen sein; sie besitzen am Rand oft winzige, fast sitzende Drüsen.<ref name="FOC2010" />

Blütenstände und Blüten

Seitenständig auf Blütenstandsschäften oder sitzend sind wenige bis viele Blüten in kopfigen, traubigen oder ährigen Blütenständen dicht oder locker angeordnet.<ref name="FOC2010" /> Die relativ großen Tragblätter besitzen oft winzige, fast sitzende Drüsen.<ref name="FOC2010" /> Es sind manchmal Deckblätter vorhanden.<ref name="FOC2010" /> Blütenstiele sind deutlich vorhanden oder fehlen fast.<ref name="FOC2010" />

Die zwittrigen, zygomorphen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf kahlen oder selten behaarten<ref name="FOC2010" /> Kelchblätter sind röhren- oder glockenförmig verwachsen mit fünf gleichen bis ungleichen Kelchzähnen, die meist innen behaart sind.<ref name="FOC2010" /> Die Blütenkrone besitzt die typische Form der Schmetterlingsblüte. Die fünf freien Kronblätter sind weiß, gelb, violett oder purpurn und lang, seltener kurz genagelt. Die meist mehr oder weniger deutlich genagelte Fahne besitzt ein meist ausgerandetes, seltener gerundetes oberes Ende.<ref name="FOC2010" /> Die meist schmalen Flügel sind geöhrt. Das Schiffchen ist stumpf. Das oberste der zehn Staubblätter ist meist frei.<ref name="FOC2010" /> Die Staubbeutel sind alle gleich.<ref name="FOC2010" /> Der sitzende oder gestielte, einzelne Fruchtknoten<ref name="FOC2010" /> enthält meist viele Samenanlagen. Die Griffel sind selten unterhalb oder an der Narbe behaart.<ref name="FOC2010" /> Die Narben sind meist kahl.

Früchte und Samen

Die je nach Art sehr unterschiedlichen Hülsenfrüchte<ref name="FOC2010" /> sind kahl oder behaart, aufgedunsen, meist auf der Unterseite gekielt und auf der Oberseite gerillt, einfächerig oder durch eine falsche Scheidewand teilweise oder vollständig zweifächrig;<ref name="FOC2010" /> sie enthalten mehrere Samen. Die Fruchtwand ist häutig, lederig oder manchmal hart, dann erscheint die Frucht nussartig.<ref name="FOC2010" /> Die haltbaren Kelchblätter sind manchmal zur Fruchtzeit aufgeblasen.<ref name="FOC2010" />

Die in der Regel relativ kleinen Samen sind hart und kugelig, linsenförmig, nierenförmig oder rechtwinklig-nierenförmig und besitzen bei manchen Arten Anhängsel (estrophiolat).<ref name="FOC2010" />

Blüten- und Ausbreitungsökologie

Die Blüten sind Schmetterlingsblumen und haben einen einfachen Klappmechanismus. Flügel und Schiffchen sind gelenkig verbunden. Hummeln und andere langrüsselige Apoiden sind die häufigsten Bestäuber, im Gebirge auch Schmetterlinge. Bei Astragalus frigidus kann Selbstbestäubung erfolgen.<ref>Stengelloser Tragant - Astragalus exscapus bei pflanzen-deutschland.de, abgerufen am 24. Mai 2018.</ref>

Bei manchen Arten können die aufgeblasenen Hülsenfrüchte durch den Wind ausgebreitet werden. Bei anderen Arten werden Tiere zur Ausbreitung angelockt (Endozoochorie). Der genaue Ausbreitungsmechanismus ist für viele Arten nicht bekannt.<ref>Gewürze der Bibel: Tragant / Tragakant(-Harz) bei flusenkram.de, S. 2002, abgerufen am 24. Mai 2018.</ref>

Systematik und Verbreitung

Die Gattung Astragalus wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum aufgestellt.<ref name="SpPl" /><ref name="GenPl" /> Astragalus christianus <templatestyles src="Person/styles.css" />L. wurde 1905 durch Per Axel Rydberg als Lectotypus-Art festgelegt.<ref name="Rydberg1905" /><ref name="tropicos" /> Synonyme für Astragalus <templatestyles src="Person/styles.css" />L. sind: Acanthophaca <templatestyles src="Person/styles.css" />Nevski, Aragallus <templatestyles src="Person/styles.css" />Neck. ex Greene, Astenolobium <templatestyles src="Person/styles.css" />Nevski, Astracantha <templatestyles src="Person/styles.css" />Podlech, Atelophragma <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Barnebyella <templatestyles src="Person/styles.css" />Podlech, Batidophaca <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Brachyphragma <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Cnemidophacos <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Contortuplicata <templatestyles src="Person/styles.css" />Medik., Cryptorrhynchus <templatestyles src="Person/styles.css" />Nevski, Ctenophyllum <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Cystium <templatestyles src="Person/styles.css" />Steven, Didymopelta <templatestyles src="Person/styles.css" />Regel & Schmalh., Diholcos <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Diplotheca <templatestyles src="Person/styles.css" />Hochst., Geoprumnon <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Gynophoraria <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Hamosa <templatestyles src="Person/styles.css" />Medik., Hedyphylla <templatestyles src="Person/styles.css" />Steven, Hesperastragalus <templatestyles src="Person/styles.css" />A.Heller, Hesperonix <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Holcophacos <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Homalobus <templatestyles src="Person/styles.css" />Nutt., Jonesiella <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Kentrophyta <templatestyles src="Person/styles.css" />Nutt., Kiapasia <templatestyles src="Person/styles.css" />Woronow ex Grossh., Lonchophaca <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Microphacos <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Mystirophora <templatestyles src="Person/styles.css" />Nevski, Neodielsia <templatestyles src="Person/styles.css" />Harms, Oedicephalus <templatestyles src="Person/styles.css" />Nevski, Onix <templatestyles src="Person/styles.css" />Medik., Ophiocarpus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bunge) Ikonn., Orophaca <templatestyles src="Person/styles.css" />(Torr. & A.Gray) Britton, Oxyglottis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bunge) Nevski, Phaca <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Phacomene <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Phacopsis <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Pisophaca <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Poecilocarpus <templatestyles src="Person/styles.css" />Nevski, Pterophacos <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Sewerzowia <templatestyles src="Person/styles.css" />Regel & Schmalh., Thium <templatestyles src="Person/styles.css" />Steud., Tragacantha <templatestyles src="Person/styles.css" />Mill. und Xylophacos <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb.<ref name="GRIN" />

Der Gattungsname Astragalus wurde bereits in der Antike als Pflanzenname benutzt. Er gehört zum griechischen Wort astragalos für „Halswirbel, Sprungbein und daraus hergestellte Würfel“. Möglicherweise bezieht sich der Name auf die Form der Samen.

Der deutsche Gattungsname Tragant stammt von griechisch-lateinisch tragacantha (‚Bocksdorn‘).<ref>Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser, Basel/Stuttgart 1976, ISBN 3-7643-0755-2, S. 367.</ref>

Das Zentrum der Verbreitung liegt in Eurasien. Die Gattung kommt auch in Nord- und Südamerika sowie im tropischen Afrika vor.

Äußere Systematik

Die Gattung Astragalus gehört zur Untertribus Astragalinae aus der Tribus Galegeae in der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).<ref name="GRIN" />

Innere Systematik

Sie ist eine der artenreichsten Bedecktsamer-Gattungen und umfasst 1600 bis 3000<ref name="FOC2010" /> Arten. Etwa 2500 Arten kommen in der Alten Welt und etwa 500 Arten in der Neuen Welt vor. Etwa 400 Arten in 59 Sektionen gibt es in China, davon kommen etwa 221 nur dort vor. Sie gedeihen in fast allen Gebieten der Nordhalbkugel.<ref name="FOC2010" />

Gontcharov<ref name="Goncharov1946" /> hat die Gattung 1965 in neun Untergattungen mit 103 Sektionen unterteilt, die in der alten Welt vorkommen:<ref name="ClassificationOldWorld" />

  • Untergattung Phaca mit 19 Sektionen (auch in Nordamerika)
  • Untergattung Caprinus mit 17 Sektionen
  • Untergattung Hypoglottis mit drei Sektionen (auch in Nordamerika)
  • Untergattung Trimeniaeus mit 13 Sektionen (auch in Nordamerika)
  • Untergattung Tragacantha mit drei Sektionen
  • Untergattung Calycophysa mit neun Sektionen
  • Untergattung Cercidothrix mit 31 Sektionen (auch in Nordamerika)
  • Untergattung Epiglottis mit einer Sektion
  • Untergattung Calycocystis mit sieben Sektionen

Neben den vier oben genannten Untergattungen kommen in Nordamerika noch folgende Gruppen vor, die von Barneby (1964)<ref name="Barneby1964" /> als „Phalanxe“ bezeichnet wurden:<ref name="Phalanx" />

  • Untergattung Homalobi mit 46 Sektionen und 194 Arten
  • Untergattung Piptolobi mit 35 Sektionen und 192 Arten
  • Untergattung Orophaca mit zwei Sektionen und sieben Arten

In Südamerika gibt es über 100 Arten<ref name="S America" />, die nicht in den obigen Klassifikationen enthalten sind.

Einige Autoren unterteilen die Gattung Astragalus in 13 Untergattungen mit etwa 220 Sektionen:<ref name="InnereSystematikVergleich" />

  • Untergattung Phaca mit etwa 24 bis 26 Sektionen
  • Untergattung Caprinus mit etwa 17 Sektionen
  • Untergattung Hypoglottis mit etwa 4 bis 5 Sektionen
  • Untergattung Trimeniaeus mit etwa 17 bis 18 Sektionen
  • Untergattung Tragacantha mit etwa 8 Sektionen
  • Untergattung Cercidothrix mit etwa 32 bis 34 Sektionen
  • Untergattung Calycophysa mit etwa 10 Sektionen
  • Untergattung Calycocystis mit 8 Sektionen
  • Untergattung Epiglottis mit 4 Sektionen
  • Untergattung Pogonophace mit 3 Sektionen
  • Untergattung Homalobi mit 46 Sektionen
  • Untergattung Piptolobi mit 35 Sektionen
  • Untergattung Orophaca mit 2 Sektionen

Arten

Europäische Arten

In Europa gibt es 127 Arten<ref name="Fischer2005" />, wovon folgende in Mitteleuropa vorkommen:

In Deutschland und Österreich vorkommend:<ref name="Fischer2005" /><ref name="Rothmaler" />

  • Alpen-Tragant (Astragalus alpinus <templatestyles src="Person/styles.css" />L.)
  • Sand-Tragant (Astragalus arenarius <templatestyles src="Person/styles.css" />L.)
  • Südlicher Tragant (Astragalus australis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Lam.)
  • Kicher-Tragant (Astragalus cicer <templatestyles src="Person/styles.css" />L.)
  • Dänischer Tragant (Astragalus danicus <templatestyles src="Person/styles.css" />Retz.)
  • Boden-Tragant, Stängelloser Tragant (Astragalus exscapus <templatestyles src="Person/styles.css" />L.)
  • Gletscher-Tragant, Kälte-Tragant (Astragalus frigidus <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) A.Gray)
  • Bärenschote, Süß-Tragant (Astragalus glycyphyllos <templatestyles src="Person/styles.css" />L.)
  • Esparsetten-Tragant, Langfahnen-Tragant (Astragalus onobrychis <templatestyles src="Person/styles.css" />L.)
  • Hänge-Tragant, Blasen-Tragant (Astragalus penduliflorus <templatestyles src="Person/styles.css" />Lam.)

Zusätzlich in Österreich und Südtirol vorkommend:<ref name="Fischer2005" />

  • Rau-Tragant (Astragalus asper <templatestyles src="Person/styles.css" />Jacq.)
  • Österreich-Tragant (Astragalus austriacus <templatestyles src="Person/styles.css" />Jacq.)
  • Liege-Tragant (Astragalus depressus <templatestyles src="Person/styles.css" />L.)
  • Purpur-Tragant (Astragalus hypoglottis <templatestyles src="Person/styles.css" />L.)
  • Lienz-Tragant (Astragalus leontinus <templatestyles src="Person/styles.css" />Wulfen)
  • Montpellier-Tragant (Astragalus monspessulanus <templatestyles src="Person/styles.css" />L.)
  • Norwegen-Tragant (Astragalus norvegicus <templatestyles src="Person/styles.css" />Weber)
  • Dorn-Tragant (Astragalus sempervirens <templatestyles src="Person/styles.css" />Lam.)
  • Furchen-Tragant (Astragalus sulcatus <templatestyles src="Person/styles.css" />L.)
  • Aufgeblasener Tragant (Astragalus vesicarius <templatestyles src="Person/styles.css" />L.)

Weitere europäische Arten:

Außereuropäische altweltliche Arten (Auswahl)

In der Alten Welt kommen außerdem u. a. folgende Arten vor:

Neuweltliche Arten (Auswahl)

Geschichte

Verwendung

Der Bocksdornstrauch (lateinisch früher Dragantum, deutsch auch dragant) wurde wie dessen Wurzel bereits in der Antike zur Herstellung von Arzneimitteln gebraucht. Insbesondere das Sarkokoll-Harz (lateinisch Gummi sarcocollae<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 366 (dragant) und 395 (gummi sarcocolle: Harz einer Astragalus-Art, vielleicht Astragalus sarcocolla Dymock. Im Circa instans: „gumi arboris est; in transmarinis partibus reperitur“; bei Lorenz Diefenbach: „hartz von ettlichen bawmen“.)</ref> oder Sarcocolla<ref>Vgl. auch Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 154 (Sarcocolla: „Harz einer nicht näher bekannten Astragalusart“).</ref>), die auch Persisches Gummi genannte harzige Ausscheidung von Astragalus sarcocolla (bzw. der Penaeazeen Sarcocolla fuscata oder Sarcocolla squamosa) fand Verwendung, ebenso der Schleim bzw. das Gummiharz (Gummi draganti, Dragagantum bzw. Traganth)<ref>Vgl. Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 178 („Dragantum – planta gummi draganti […] – Dragagantum – eyn gummi etliches boumes […] gumi cuiusdam arboris“) und 223 (mit Anmerkung zur Deutung des Sarcocolla-Lieferanten als Astragalus-Art – wie Astragalus sarcocolla – oder „Sarcocolla“-Art wie Sarcocolla fucata und Sarcocolla squamosa oder Penaea mucronata).</ref> auch anderer Astragalus-Arten, deren Exkret gelegentlich wohl als „Manna“ bezeichnet<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 202 (zu Manna von Astragalus-Arten).</ref> wurde. Über arabische Quellen gelangte die Praxis der Tragant-Verwendung in das lateinische Mittelalter<ref>Vgl. etwa Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, E. J. Brill, Leiden 1917, S. 208.</ref><ref>Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 168.</ref> und sie kann bis ins Ende des 19. Jahrhunderts in Nordeuropa nachgewiesen werden.<ref>Theodor Husemann: Handbuch der gesammten Arzneimittellehre. 2. Auflage. Springer, Berlin 1883, S. 329–330: Tragacantha (Digitalisat).</ref>

Schon im ältesten chinesischen Heilpflanzenbuch, dem Shennong ben cao jing, wurden die Wurzeln von Astragalus mongholicus (=Astragalus membranaceus var. mongholicus) unter dem Namen Huáng qí (黃芪) prominent behandelt und es wurde ihnen eine allgemein tonisierende Wirkung zugeschrieben.<ref>Zitiert nach Bencao Gangmu, Buch 12 (Kommentierter Reprint, VR China 1975, Band II, S. 696).</ref><ref>George Arthur Stuart: Chinese Materia Medica. Vegetable Kindom. Shanghai 1911, S. 57: Astragalus - Hoang tchy (Digitalisat)</ref> Auch die aktuell gültigen chinesischen Arzneibücher empfehlen die Einnahme der Droge unter anderem bei allgemeiner Schwäche.<ref>Zitiert und übersetzt nach: Pharmakopoe der VR China 1985. Band 1, S. 272: Radix Astragali.</ref> Studien zufolge können Extrakte aus den Wurzeln dieser Pflanzenart erfolgreich gegen Allergien eingesetzt werden.<ref>Govi-Verlag Pharmazeutischer Verlag GmbH: Pharmazeutische Zeitung online: Astragalus membranaceus: TCM-Pflanze gegen Allergie. In: www.pharmazeutische-zeitung.de. Abgerufen am 18. Juni 2016.</ref>

Mehr als 25 Tragant-Arten, darunter insbesondere Astragalus bisulcatus, sind Hyperakkumulatoren von Selen.<ref></ref>

Quellen

Historische Abbildungen

Literatur

  • Xu Langran, Dietrich Podlech: Astragalus. In:
  • Dietrich Podlech: Thesaurus Astragalorum. Index of all taxa described within the genus Astragalus L. and other genera but belonging to the genus Astragalus. Taxa of the Old World and related taxa of the New World. München 2011, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF-Datei (Memento vom 4. November 2013 im Internet Archive).
  • Lal Babu Chaudhary, Tikam Singh Rana, Kumar Kamal Anand: Current Status of the Systematics of Astragalus L. (Fabaceae) with Special Reference to the Himalayan Species in India. In: Taiwania. Band 53, Nr. 4, 2008, S. 338–355, online.

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="tropicos"> Astragalus bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Goncharov1946"> N. F. Goncharov, A. G. Borisova, S. G. Gorshkova, M. G. Popov, I. T. Vasilchenko: Astragalus. In: V. L. Komarov, B. K. Shishkin (Hrsg.): Flora of the U.S.S.R. Vol. XII. Leguminosae: Astragalus. Israel Program for Scientific Translations, Jerusalem, Smithsonian Institution and the National Science Foundation, Washington, D.C. 1965, S. 1–918 (übersetzt von N. Landau; Russisches Original: Izdatel'stvo Akademii Nauk SSSR, Moskau, Leningrad 1946). </ref> <ref name="ClassificationOldWorld"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Subgeneric and sectional classification of Old World Astragalus. (Memento vom 7. Februar 2007 im Internet Archive) </ref> <ref name="InnereSystematikVergleich"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Subgeneric classifications of Astragalus since 1868. (Memento vom 7. Februar 2007 im Internet Archive) </ref> <ref name="Barneby1964"> Rupert Barneby: Atlas of North American Astragalus. In: Memoirs of the New York Botanical Garden. Band 13, 1964, S. 1–1188. </ref> <ref name="Phalanx"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Classification of North American Astragalus Species by Phalanx and Sections. (Memento vom 7. Februar 2007 im Internet Archive) </ref> <ref name="S America"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />List of South American species of Astragalus. (Memento vom 7. Februar 2007 im Internet Archive) </ref> <ref name="Fischer2005"> </ref> <ref name="Rothmaler"> </ref> <ref name="FOC2010"> Xu Langran, Dietrich Podlech: Astragalus. In </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 755, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D755%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D. </ref> <ref name="GenPl"> Carl von Linné: Genera Plantarum. Eorumque characteres naturales secundum numerum, figuram, situm, et proportionem omnium fructificationis partium. 5. Auflage. Lars Salvius, Stockholm 1754, S. 335, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A746%26volume%3D%26issue%3D%26spage%3D335%26date%3D1754~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D. </ref> <ref name="Rydberg1905"> Per Axel Rydberg: Astragalus and its segregates as represented in Colorado. In: Bulletin of the Torrey Botanical Club. Band 32, Nr. 12, 1905, S. 657–668 (hier: S. 658) (Digitalisat) </ref> </references>

Weblinks

Commons: Tragant (Astragalus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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