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Konrad Hummler

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Konrad Hummler (2024)

Konrad Hummler (* 13. März 1953 in St. Gallen; heimatberechtigt in St. Gallen und Thun<ref name="moneyhouse" />) ist ein Schweizer Unternehmer, Publizist und ehemaliger Privatbankier. Er war geschäftsführender Teilhaber der Privatbank Wegelin & Co. und Verwaltungsratspräsident der Neuen Zürcher Zeitung.<ref>Intellectual Deep Web Europe: Erstunterzeichner des Appells für freie Debattenräume. Abgerufen am 12. April 2026.</ref>

Leben und Wirken

Kindheit und Ausbildung

Hummler wurde als Sohn des ehemaligen FDP-Nationalrats und St. Galler Stadtammanns Alfred Hummler geboren.<ref name="munzinger">Konrad Hummler im Munzinger-Archiv, abgerufen am 23. August 2011 (Artikelanfang frei abrufbar).</ref> Er wuchs in St. Gallen auf und machte dort die Matura an der Kantonsschule am Burggraben. Er studierte an der Universität Zürich Rechtswissenschaften und an der Universität Rochester Wirtschaftswissenschaften. Neben dem Studium betreute er als Chefredaktor die Schweizerische Hochschulzeitung und leitete während zweier Jahre das St. Galler Management-Symposium.<ref name="munzinger" /> Er promovierte an der Universität Zürich bei Peter Forstmoser über das Thema Die Automatisierte Rechtsanwendung und Rechtsdokumentation.<ref>Konrad Hummler. (PDF; 54 kB) In: Progress Foundation. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. Januar 2017; abgerufen am 16. Mai 2009.</ref>

Bankentätigkeit

Von 1981 bis 1989 war er in der Schweizerischen Bankgesellschaft (der heutigen UBS) tätig, erst in der Finanzanalyseabteilung, später als persönlicher Assistent des damaligen Verwaltungsratspräsidenten Robert Holzach. 1989 wechselte Hummler zu Wegelin & Co. Privatbankiers, wo er ab 1991 ein unbeschränkt haftender und geschäftsführender Teilhaber war.

Ende 2004 trat Hummler aus Protest «gegen mangelnde Debattenkultur» bezüglich der bilateralen Verträge aus dem Verwaltungsrat der Schweizerischen Bankiervereinigung aus. 2004 wurde er Mitglied des Bankrates der Schweizerischen Nationalbank. 2008 wurde er zum Präsidenten der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers gewählt. Im Hinblick auf die Übernahme des Verwaltungsratspräsidiums bei der NZZ-Gruppe trennte er sich im April 2011 von diesen Mandaten.<ref>SNB-Bankrat: Konrad Hummler tritt auf Ende April 2011 zurück. Medienmitteilung der Schweizerischen Nationalbank vom 17. Dezember 2010 (PDF; 56 kB).</ref><ref>Konrad Hummler; Franz Jaeger (Hrsg.): Stadtstaat – Utopie oder realistisches Modell? NZZ-Libro, Zürich 2011, ISBN 978-3-03823-708-2, S. 237.</ref>

Unter seiner Leitung wuchs Wegelin von 25 auf ca. 700 Mitarbeiter (2011). Nachdem die US-amerikanische Steuerbehörde grossen Druck auf die Bank ausgeübt und mit einer Anklage wegen Anstiftung zu schwerer Steuerhinterziehung gedroht hatte, wurde der Grossteil des Privatkundengeschäfts an die Raiffeisen Schweiz verkauft.<ref>Thomas Schürpf (tsf.); Marco Metzler (mtz.): Wegelin zerbricht am Steuerstreit. In: Neue Zürcher Zeitung. Online, 27. Januar 2012. Abgerufen am 19. Februar 2012.</ref> Rückblickend betrachtet benennt Hummler die Unterschätzung der USA wegen der nachdrücklichen Durchsetzung ihrer Rechtsauffassung als seinen Kardinalfehler.<ref>Guido Schätti (Interviewführer): «Man muss seine Freunde desavouieren» / Die Politik von Trump sei nur scheinbar chaotisch, tatsächlich folge sie einem Kalkül, sagt der Ex-Bankier Konrad Hummler. Das erkläre auch die besondere Härte gegen die Schweiz. Aus: NZZ am Sonntag, 10. August 2025, S. 31.</ref>

Hummler präsidiert die Zürcher Private Client Bank AG.<ref name="HZ">Sven Millischer: Markus Somm kauft den «Nebelspalter». In: Handelszeitung, 3. Dezember 2020, abgerufen am 6. Dezember 2020.</ref>

Weitere Tätigkeiten

Neben seiner Bankentätigkeit war Konrad Hummler Mitglied der Verwaltungsräte mehrerer Unternehmungen und Institutionen wie der Bühler Holding AG. Ab 2002 war er Mitglied im Verwaltungsrat der Neuen Zürcher Zeitung, ab dem April 2011 präsidierte er diesen. Am 9. Februar 2012 sistierte er seine Tätigkeit als Präsident, um sich auf rechtliche Auseinandersetzungen im Steuerstreit der Bank Wegelin mit den USA zu konzentrieren.<ref name="sistierung">Hummler sistiert NZZ-Präsidialmandat. In: Neue Zürcher Zeitung. Online, 9. Februar 2012.</ref> Im März 2013 kündigte er an, auf die Generalversammlung der NZZ-Mediengruppe vom April 2013 zurückzutreten. Als Gründe gab er an, dass er seine publizistische Unabhängigkeit bei der Verfolgung eigener Pläne sicherstellen möchte und dass er als einfaches Mitglied des Verwaltungsrats nicht genügend Wirkungsmöglichkeiten bei der Bewältigung der anstehenden strategischen Entscheidungen hätte.<ref>Drei Rücktritte aus dem Verwaltungsrat – auch Hummler gibt ab. In: St. Galler Tagblatt, 7. März 2013.</ref> Im Weiteren stand Hummler bis 2011 der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell vor.<ref name="moneyhouse">Verbindungen von Hummler Konrad. In: Moneyhouse. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 28. September 2011.@1@2Vorlage:Toter Link/www.moneyhouse.ch (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

Hummler ist Mitglied der FDP, nimmt aber oft andere – radikalliberale – Positionen ein als seine Partei. Er war Befürworter des EWR-Beitritts und Gegner des EU- und Schengen-Beitritts. Er fordert Parallelimporte und Freihandelsabkommen.

Er verteidigte 2005 die Tatsache, dass in der Schweiz Steuerfluchtgelder verwaltet werden, als legitim.<ref name="WOZ">Constantin Seibt: Der Bankieranarchist. In: Die Wochenzeitung, 7. Mai 2005. Abgerufen am 12. April 2016.</ref> Zur Affäre um den Kauf der den deutschen Ländern angebotenen gestohlenen Daten deutscher Kunden bei Schweizer Finanzinstituten Anfang 2010 sagte er: «Nie werde ich bereit sein, den Status eines Steuerzahlers zu überprüfen. Sonst hänge ich den Job an den Nagel.»<ref>«Wollen wir Gelder, die vor Nazis versteckt wurden, kriminalisieren?» In: SonntagsZeitung, 7. Februar 2010 (Interview), zitiert u. a. in: «Sonst hänge ich den Job an den Nagel». In: Tages-Anzeiger, 7. Februar 2010; «Bern hat den Kopf verloren.» In: Neue Zürcher Zeitung. Online, 7. Februar 2010.</ref>

Hummler engagiert bzw. engagierte sich auch in Stiftungen zum Wohle von Kultur und Gesellschaft, wie etwa der Zoo Zürich Stiftung, bei Diagnose Krebs – Stiftung für krebskranke Menschen (bis 2011) und bei der J. S. Bach-Stiftung, die er mitgründete und deren Präsident er ist.<ref name="infocube" /> Er ist Partner beim Ostschweizer Think-Tank M1.<ref name="HZ" />

Seine publizistische Tätigkeit ist vielfältig. Er war ständiger Verfasser des Wegelin-Anlagekommentars, der bis Ende 2011 alle zwei Monate erschien und eine Auflage von 100'000 Exemplaren<ref>Werner Grundlehner: Er schlägt sie alle. In: 20 Minuten. Online, 18. Oktober 2010. Abgerufen am 19. Februar 2012.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Facts & Figures. (Memento vom 31. August 2011 im Internet Archive) Auf der Website des Wegelin-Anlagekommentars. Abgerufen am 12. April 2026.</ref> zählte und auch als Podcast in iTunes erhältlich war. Zudem war und ist er begehrter Kolumnist diverser Zeitschriften und Zeitungen. Er ist Verfasser der zweimonatlich erschienenen, inzwischen eingestellten Publikation «bergsicht».<ref>Konrad Hummler: Wir haben ein Problem. In: SonntagsZeitung, 5. Januar 2014.</ref> 1998 gründete Hummler die Stiftung Liber’all als gemeinsames Dach über die von ihm kontrollierten Basisorganisationen und Medien<ref name="WOZ"></ref> Trumpf Buur, Medien-Forum und Liberale Aktion.<ref>Liber'all Gemeinnützige Stiftung zur Förderung des liberalen, freiheitlichen Gedankenguts. In: Moneyhouse. Abgerufen am 19. Februar 2012.</ref> Er war auch Mitbesitzer der Schweizerischen Monatshefte.<ref name="WOZ"/> Er ist Präsident des Vereins Zivilgesellschaft<ref>Raphaela Birrer: «Abgabe für Zuwanderer? Davon hört man in der Wirtschaft nicht gern». In: Tages-Anzeiger, 8. Oktober 2025, S. 2.</ref> und Mitglied der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft. Hummler war 2010 Mitglied der Sektion Schweiz der Clausewitz-Gesellschaft.<ref>Peter Forster: Der Sicherheitspolitische Bericht 2010 des Schweizer Bundesrates an die Bundesversammlung. Ein Blick auf die Armee- und Militärpolitik der Schweiz. In: Clausewitz-Gesellschaft (Hrsg.): Jahrbuch 2010. Band 6, Hamburg, ISBN 978-3-9810794-5-6, S. 293 f.</ref>

2014 wurde er zusammen mit Noam Chomsky und Jetsun Pema, der Schwester des Dalai Lama, mit dem von Peter Sloterdijk mitinitiierten Myschkin-Preis ausgezeichnet.<ref>port01.com</ref> Die Laudatio hielt Frank A. Meyer, der Hummler in der Vergangenheit in zahlreichen Texten kritisiert hatte.

Im Herbst 2020 gehörte er zu den Erstunterzeichnern des Appells für freie Debattenräume.

Im Jahre 1999 gründete Konrad Hummler zusammen mit dem Musiker Rudolf Lutz die J. S. Bach-Stiftung in St. Gallen. Sie strebt an, das gesamte Vokalwerk Johann Sebastian Bachs aufzuführen und in hochwertigen Videoaufnahmen zu dokumentieren. Künstlerischer Leiter ist Prof. Rudolf Lutz, Organist, Cembalist, Chorleiter, Dirigent, Musikpädagoge und Komponist. Inzwischen (2022) sind zahlreiche Kantaten eingespielt, die auch als CD im Handel erhältlich sind. Ferner ist er Mitglied des Kuratoriums des forum thomanum Leipzig e.V.<ref>Kuratorium, forum-thomanum.de. Abgerufen am 14. November 2016.</ref>

Konrad Hummler ist verheiratet, Vater von vier Töchtern und wohnt in Teufen AR.<ref name="infocube"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Konrad Hummler. (Memento vom 27. Januar 2013 im Internet Archive) In: infocube.ch. Abgerufen am 12. April 2026.</ref> Er bekleidete in der Schweizer Armee den Rang eines Obersts im Generalstab.

Werke (Auswahl)

  • Versuch, Irrtum, Deutung – Anlagekommentare 1990 bis 2010. Orell Füssli, Zürich 2011, ISBN 978-3-280-05424-6.
  • Aus der Frohburg. Aufzeichnungen zur Herkunft eines Unangepassten. Edition Königstuhl, St. Gallenkappel 2021, ISBN 978-3-907339-00-8.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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