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Ignazio Cassis

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Datei:Ignazio Cassis (2026) (cropped).jpg
Ignazio Cassis (offizielles Porträt für das Jahr 2026)
Datei:Gruppenbild Bundesrat 2026.jpg
Ignazio Cassis (vierter von links) auf dem offiziellen Bundesratsfoto 2026

Ignazio Daniele Giovanni Cassis (* 13. April 1961 in Sessa; heimatberechtigt in Biasca und Sessa) ist ein Schweizer Politiker (FDP). Am 20. September 2017 wählte ihn die Vereinigte Bundesversammlung als Nachfolger von Didier Burkhalter (FDP) in den Bundesrat. Seit seinem Amtsantritt am 1. November 2017 ist er Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten EDA. Cassis war im Jahr 2022 Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Leben

Ignazio Cassis’ Grosseltern väterlicherseits waren vom grenznahen Luino (Italien) in die Tessiner Nachbargemeinde Sessa eingewandert. Der Vater Luigi Daniele (Gino) Cassis war zuerst Bauer, bevor er für die Baloise Versicherung arbeitete, seine Mutter Mariarosa kümmerte sich um den Haushalt.<ref>Bilanz. 1. Oktober 2017, S. 36.</ref><ref name=Einbürgerung >Henry Habegger: Bundesrat Cassis: Archivdokumente enthüllen Details zu seiner Einbürgerung. In: aargauerzeitung.ch. 9. Februar 2019, abgerufen am 10. Februar 2019.</ref> Bei seiner Geburt hatte Ignazio Cassis die italienische Staatsangehörigkeit seines Vaters. Zusammen mit seinen drei Geschwistern erhielt er 1976 auf Antrag seines Vaters das Schweizer Bürgerrecht, nachdem der Kanton Tessin kurz zuvor die erleichterte Einbürgerung für Jugendliche eingeführt hatte.<ref name= Einbürgerung /> Da Cassis als Minderjähriger die italienische Staatsbürgerschaft nicht ablegen konnte, war er fortan Doppelbürger, was die Schweizer Gesetze bis 1992<ref>Oliver Hämmig: Zwischen zwei Kulturen: Spannungen, Konflikte und ihre Bewältigung bei der zweiten Ausländergeneration. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-663-11932-6, S. 28 (google.ch [abgerufen am 4. September 2017]).</ref> nur in Ausnahmefällen zuliessen.<ref name= Einbürgerung /> Im Rahmen seiner Bundesratskandidatur 2017 verzichtete er auf die italienische Staatsbürgerschaft.<ref>Markus Häfliger: Cassis gibt italienischen Pass zurück. In: Tages-Anzeiger. Abgerufen am 26. August 2017.</ref>

Ignazio Cassis studierte Medizin an der Universität Zürich (Arztdiplom 1987). Er spezialisierte sich anschliessend in Innerer Medizin und Public Health (Master in Public Health 1996).<ref name="fmh" /> 1998 wurde er bei Fred Paccaud an der Universität Lausanne zum Dr. med. promoviert.<ref>Titelaufnahme der Dissertation. In: Katalog des Bibliotheksverbunds Renouvaud, abgerufen am 26. August 2017.</ref> Von 1996 bis 2008 war er Tessiner Kantonsarzt.<ref name="fmh"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ignazio Cassis (Memento vom 18. Juni 2011 im Internet Archive) auf fmh.ch.</ref> Im Militär wurde er, nach einer Gebirgsinfanterie-Rekrutenschule als Trompeter, aufgrund seines Medizinstudiums Bataillonsarzt (Major) im Stab des Tessiner Gebirgsschützenbataillons 9, danach war er im Stab des Oberfeldarztes tätig.<ref>Bekenntnis zur Armee. In: Schweizer Soldat. September 2017, S. 7 (PDF).</ref>

Datei:Mattarella Cassis 29.11.2022 (5).jpg
Der italienische Präsident Sergio Mattarella mit Ignazio Cassis im Berner Münster

Politik

Cassis war von 2004 bis 2014 Gemeinderat in Collina d’Oro. Im Juni 2007 rutschte er in den Nationalrat nach als Nachfolger von Laura Sadis, die in die Tessiner Regierung gewählt wurde. Als Nationalrat war er unter anderem Mitglied der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit. Bei den eidgenössischen Wahlen 2011 und 2015 schaffte er die Wiederwahl problemlos. Seit 2015 bis zu seiner Wahl in den Bundesrat präsidierte er die FDP-Bundeshausfraktion. Von 2008 bis 2012 war er Vizepräsident der Schweizer Ärztevereinigung FMH.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Legislatur 2012–2016: Erneuerung im Zentralvorstand (Memento vom 26. August 2017 im Internet Archive) (PDF; 61 kB). FMH. 26. November 2011 (Medienmitteilung).</ref> Während seiner Zeit als Nationalrat präsidierte Cassis zudem den Heim-Verband Curaviva, die Equam-Stiftung zur Qualitätsförderung von Hausarztpraxen und die Gesundheitsstiftung Radix und war zeitweise Vizepräsident der Freundschaftsgruppe Schweiz-Israel. Zudem war Cassis von Ende 2015 bis zu seiner Wahl in den Bundesrat Präsident des Krankenkassenverbands Curafutura.<ref>Andreas Möckli: Ignazio Cassis und der Krankenkassen-Knatsch zwischen Sanitésuisse und Curafutura. In: Aargauer Zeitung. CH Regionalmedien AG, 25. Juni 2017, abgerufen am 10. Februar 2019.</ref> Er wurde daher auch als «Lobbyist der Krankenkassen» bezeichnet.<ref>Nicole Meier: Portrait: Ignazio Cassis: So tickt der neue Bundesrat. In: St. Galler Tagblatt. CH Regionalmedien AG, 20. September 2017, abgerufen am 4. Oktober 2023.</ref>

Nach der Rücktrittsankündigung von Bundesrat Didier Burkhalter wurde Cassis am 20. September 2017 im zweiten Wahlgang in den Bundesrat gewählt. Schon zuvor galt er als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Didier Burkhalter, insbesondere deshalb, weil der Kanton Tessin 18 Jahre nach dem Rücktritt von Flavio Cotti auf eine erneute Vertretung in der Landesregierung drängte und der Sitz der FDP.Die Liberalen im Bundesrat unbestritten war.<ref>Markus Brotschi: Fast alles spricht für Ignazio Cassis. In: Tages-Anzeiger. Tamedia Publikationen Deutschschweiz AG, 15. Juni 2017, abgerufen am 20. Juni 2017.</ref> Seinen Sitz im Nationalrat erbte Rocco Cattaneo.

Am 9. Dezember 2020 wurde Cassis mit 162 gültigen Stimmen der Vereinigten Bundesversammlung für das Jahr 2021 zum Vizebundespräsidenten gewählt.<ref>20.219 | Bundesrat. Wahl des Bundespräsidenten und des Vizepräsidenten des Bundesrates für 2021 | Amtliches Bulletin | Das Schweizer Parlament, 6. Januar 2021.</ref> Am 8. Dezember 2021 wählte ihn die Vereinigte Bundesversammlung mit 156 von 197 gültigen Stimmen für das Jahr 2022 zum Bundespräsidenten.<ref>Ignazio Cassis folgt auf Guy Parmelin: Der Bundespräsident der Schweiz für 2022 ist gewählt. In: Neue Zürcher Zeitung. Neue Zürcher Zeitung AG, 29. November 2021, abgerufen am 8. Dezember 2021.</ref>

Am 10. Dezember 2025 wurde Cassis mit 144 gültigen Stimmen der Vereinigten Bundesversammlung für das Jahr 2026 zum Vizebundespräsidenten gewählt.<ref>25.216 | Bundesrat. Wahl des Bundespräsidenten und des Vizepräsidenten des Bundesrates für 2026 | Amtliches Bulletin | Das Schweizer Parlament, 10. Dezember 2025.</ref>

Kritik

Waffenlobby

Neun Tage vor der Bundesratswahl 2017 trat Cassis der Waffenlobby Pro Tell bei.<ref>Aussenminister Ignazio Cassis ist Mitglied bei der Waffenlobby «Pro Tell». In: Neue Zürcher Zeitung. Neue Zürcher Zeitung AG, 14. Oktober 2017, abgerufen am 14. Oktober 2017.</ref> Dies sei «naiv» (Kathy Riklin) und «peinlich» (Eric Nussbaumer), sagten Aussenpolitiker, da der Verein den Austritt aus dem Schengen-Raum in Kauf nimmt.<ref>Eva Novak: Kontroverse: Ignazio Cassis gerät wegen Mitgliedschaft in Waffenlobby in die Schusslinie. In: St. Galler Tagblatt. CH Regionalmedien AG, 13. Oktober 2017, abgerufen am 24. September 2023.</ref> Aufgrund der Kritik trat Cassis aus der Lobby-Organisation aus.<ref>Manuela Nyffenegger: Ignazio Cassis verlässt die Waffenlobby Pro Tell bereits wieder. In: Neue Zürcher Zeitung. Neue Zürcher Zeitung AG, 16. Oktober 2017, abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref>

EU-Rahmenabkommen

Cassis wird vorgeworfen, bei den Verhandlungen mit der Europäischen Union über ein Rahmenabkommen viel Zeit und Vertrauen verloren zu haben.<ref>Kaspar Surber: EU-Rahmenabkommen: Chronik einer Irrfahrt. In: WOZ Die Wochenzeitung. Genossenschaft infolink, 19. Juni 2019, abgerufen am 4. Oktober 2023.</ref> Er wurde insbesondere vom Bundesrat und Gewerkschaften kritisiert, weshalb er letztlich seinen treuen Weggefährten und EU-Chefunterhändler Roberto Balzaretti durch Livia Leu ersetzte, da man diesem nicht zutraute, mit der Europäischen Union hart und erfolgreich genug zu verhandeln.<ref>Henry Habegger: Aussendepartement - Der «Putsch der Pensionäre» – warum Cassis seinen Staatssekretär Balzaretti durch eine Frau ersetzt. In: Aargauer Zeitung. CH Regionalmedien AG, 13. Oktober 2020, abgerufen am 4. Oktober 2023.</ref>

Tabak-Sponsoring

Der Schweizer Pavillon bei der Expo Weltausstellung in Dubai sollte vom Tabakkonzern Philip Morris gesponsert werden. Cassis verteidigte dies, bis er der Empörung nachgab und den Konzern wieder auslud. Unklar blieb, wie stark Cassis selber von Beginn an über die Pläne mit Philip Morris informiert war. Gemäss Nicolas Bideau, Direktor von Präsenz Schweiz, war die Partnerschaft mit Cassis abgesprochen worden. Cassis hingegen erklärte, nichts davon gewusst zu haben.<ref>Daniel Foppa, Markus Häfliger: Cassis bläst Tabak-Sponsoring ab. In: Der Bund. Tamedia Espace AG, 30. Juli 2019, abgerufen am 24. September 2023.</ref>

Foto mit Lawrow

Anlässlich der UNO-Generaldebatte im September 2022 traf Ignazio Cassis den russischen Aussenminister Sergei Lawrow. Daraufhin veröffentlichte das russische Aussenministerium ein Foto, auf welchem die beiden Politiker händeschüttelnd posieren und Cassis gutgelaunt in die Kamera lächelt. Dieses Bild sorgte für Kritik, da es am Tag der Bekanntgabe der russischen Teilmobilmachung entstand.<ref name=":0">Andri Rostetter: Cassis, der russische Aussenminister und ein Lächeln im falschen Moment. In: Neue Zürcher Zeitung. Neue Zürcher Zeitung AG, 22. September 2022, abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref>

Russland-Sanktionen

Unmittelbar nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine gab Cassis keine klare Antwort auf die Frage nach einer Beteiligung der Schweiz bei Sanktionen gegen Russland. Cassis überliess Nachfragen verschiedenen Fachpersonen aus dem Aussen- und Wirtschaftsdepartement. Erst nach Kritik im In- und Ausland schloss sich die Schweiz den Sanktionen der Europäischen Union an.<ref>Sanktionen: Bundespräsident Cassis räumt schlechte Kommunikation ein. In: Aargauer Zeitung. CH Regionalmedien AG, 6. März 2022, abgerufen am 24. September 2023.</ref>

Position bezüglich Israel

Vor seiner Wahl zum Bundesrat war Cassis Vizepräsident der Freundschaftsgruppe Schweiz-Israel. Kritiker werfen dem Bundesrat vor, auch als Aussenminister zu sehr die Position Israels zu vertreten.<ref>Netanyahus Schweizer Kreuzritter</ref>

Er erhielt jedoch auch Zuspruch von verschiedenen Interessengruppen und Unterstützern Israels. Unter ihnen befand sich auch der Präsident des SIG sowie Vertreter jüdischer Gemeinden. Gemäss dem SIG Präsidenten mache er einen sehr guten Job.<ref>S. W. I. swissinfo.ch: SIG-Präsident lobt Bundesrat Ignazio Cassis. In: SWI swissinfo.ch. 20. Juni 2025, abgerufen am 4. November 2025.</ref>

Privates

Cassis wohnt in Montagnola und ist mit Paola Rodoni Cassis verheiratet.<ref>Sermîn Faki: Paola Cassis, die Frau des neuen Bundesrats: «Ein von Samt überzogener Diamant». In: Blick. Ringier AG, 23. September 2017, abgerufen am 24. September 2023.</ref> Infolge nutzt er den sogenannten Bundesratsjet des Lufttransportdienst des Bundes relativ häufig auf der Strecke von Bern nach Lugano.<ref>Florian Osterwalder: Bundesrat: Ignazio Cassis ist der Vielflieger des Bundesrates. In: 20min.ch. 3. Juni 2023, abgerufen am 16. November 2024.</ref> Zu seinen Hobbys zählen Trompete und Laufsport.<ref>Nicole Meier / sda: Portrait: Ignazio Cassis: So tickt der neue Bundesrat. In: St. Galler Tagblatt. CH Regionalmedien AG, 20. September 2017, abgerufen am 4. Oktober 2023.</ref>

Schriften

  • Mit Ivo Giulietti: Il medico cantonale. Dalla sua istituzione ai giorni nostri 1924–2008. Storia Medica Ticinese, Cadenazzo 2009.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

VorgängerAmtNachfolger
Didier BurkhalterMitglied im Schweizer Bundesrat
seit 2017

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