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Eichenrod

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Eichenrod
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(330)&title=Eichenrod 50° 35′ N, 9° 18′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(330) 50° 34′ 34″ N, 9° 17′ 47″ O
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Höhe: 465 m ü. NHN
Fläche: 2,88 km²<ref name="lagis" />
Einwohner: 330 ca.<ref name="DF">Der Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Lautertal (Vogelsberg), abgerufen im September 2015.</ref>
Bevölkerungsdichte: 115 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36369
Vorwahl: 06643

Eichenrod ist ein Ortsteil von Lautertal im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Das Dorf liegt am Nordostabhang des Vogelsberges im Naturpark „Hoher Vogelsberg“. Durch den Ort verlaufen die Landesstraßen 3139 und 3140.

Geschichte

Datei:Lautertal Eichenrod Herbsteiner Weg 11 d.png
Ehemaliges Schulgebäude in Eichenrod

Ortsgeschichte

Der Ort wird bereits früh besiedelt gewesen sein. Wahrscheinlich war Eichenrod im 13. Jahrhundert im Besitz der Abtei Hersfeld. Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Eichenrod erfolgte um das Jahr 1550.<ref name="lagis" /> Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren von zuvor 28 Höfen nur noch 16 übrig. Die Pest forderte 62 Opfer im Dorf.

Das Gericht Engelrod umfasste im 17. Jahrhundert die Orte Engelrod, Hopfmannsfeld, Eichenrod, Eichelhain, Lanzenhain, Hörgenau, Dirlammen, Rebgeshain, Blitzenrod und Frischborn.<ref>Werner Troßbach: Bauernbewegungen im Wetterau-Vogelsberg-Gebiet 1648–1806. Fallstudien zum bäuerlichen Widerstand im Alten Reich. Diss. Marburg 1985 = Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 52. S. 365–389, S. 366.</ref> Hier ist es zu bäuerlichen Aufständen, besonders im 18. Jahrhundert gekommen.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Eichenrod:

„Eichelrod (L. Bez. Lauterbach) evangel. Filialdorf; liegt im Vogelsberg 212 St. von Lauterbach, und gehört dem Freiherrn von Riedesel, hat 34 Häuser und 194 evangelische Einwohner. Man findet 3 Mahlmühlen mit denen 1 Oelmühle verbunden ist. Die Gemarkung ist durch einen Hagelschlag am 28. Juni 1829 ganz verwüstet worden.“<ref name="GW">Vorlage:BibOCLC</ref>

In Eichenrod gab es vier Mühlen, darunter eine Ölmühle. Im Jahr 2008 war noch eine Mühle in Betrieb.

1896 wurde eine Molkerei gegründet. Um 1900 wurde die erste Wasserleitung verlegt. Das Stromnetz wurde nach 1918 in Betrieb genommen. Die damalige Volksschule wurde 1929 eingeweiht. Am Anfang der 1950er Jahre wurde die katholische Kirche erbaut. Sie gehört zur Pfarrei St. Antonius von Padua.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde zum 31. Dezember 1971 die Gemeinde Lautertal durch den Zusammenschluss der bisherigen Gemeinden Eichelhain, Eichenrod, Engelrod, Hörgenau und Meiches neu gebildet. Am 1. Februar 1972 kamen Dirlammen und Hopfmannsfeld hinzu.<ref name=Gemeindeverzeichnis1970bis1982></ref> Am 1. Februar 1980 wurde der Name der Gemeinde amtlich in Lautertal (Vogelsberg) geändert.<ref name= Gemeindeverzeichnis1970bis1982/>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Eichenrod angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>

Gerichtszugehörigkeit seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Eichenrod ab 1806 das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Engelrod zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Dafür wurde das standesherrliche „Landgericht Lauterbach“ geschaffen, das nun für Eichenrod zuständig war. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.<ref>Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren vom 7. August 1848. In: Großherzog von Hessen (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1848 Nr. 40, S. 237–241 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 42,9 MB]).</ref>

Im Zuge der 1853 durchgeführten Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Oberhessen sollte der Sitz des Landgerichts von Altenschlirf nach Herbstein verlegt werden und dabei dessen Sprengel um die bis dahin zum Landgerichtsbezirk Lauterbach gehörigen Orte Dirlammen, Eichelhain, Eichenrod, Engelrod, Hörgenau, Hopfmannsfeld und Lanzenhain erweitert werden;<ref>Bekanntmachung vom 15. April 1853, betreffend:
1) die Aufhebung der Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt, Waldmichelbach, Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;
2) die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichts-Bezirke in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen. (Hess. Reg.Bl. S. 221–230)</ref> dies geschah jedoch beides erst mit Wirkung zum 1. September 1854.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Herbstein“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref>

Am 1. Juli 1957 verlor das Amtsgericht Herbstein seine Selbständigkeit und wurde endgültig – nachdem es dies schon zu Ende des Zweiten Weltkrieges war<ref>Verfügung des Oberlandesgerichtspräsidenten in Darmstadt vom 29. Juni 1943 — 3200 — Betrifft: Errichtung der Zweigstellen Herbstein des Amtsgerichts Lauterbach und der Zweigstelle Altenstadt des Amtsgerichts Ortenberg</ref> – zur Zweigstelle des Amtsgerichts Lauterbach.<ref>Gesetz über Maßnahmen auf dem Gebiete der Gerichtsorganisation (§2) vom 6. März 1957. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1957 Nr. 5, S. 16 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 298 kB]).</ref> Am 1. Juli 1968 wurde auch diese Zweigstelle aufgehoben.<ref>Gerichtsorganisation (Aufhebung der Zweigstelle Herbstein des Amtsgerichts Lauterbach und der Zweigstelle Ulrichstein des Amtsgerichts Schotten) (Punkt 755) vom 11. Juni 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1968 Nr. 27, S. 1010 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 2,8 MB]).</ref> Am 1. Januar 2005 wurde das Amtsgericht Lauterbach als Vollgericht aufgehoben<ref>Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (GVBl. I S. 507–508) vom 20. Dezember 2004. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2004 Nr. 24, S. 507–508 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 1,4 MB]).</ref> und zur Zweigstelle des Amtsgerichts Alsfeld.<ref>Vierte Verordnung zur Anpassung gerichtsorganisatorischer Regelungen. Art. 1 §4 Abs. 1 (GVBl. I S. 552) vom 29. Dezember 2004. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2004 Nr. 25, S. 552 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 1,2 MB]).</ref> Zum 1. Januar 2012 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen.<ref>Fünfte Verordnung zur Änderung der Gerichtlichen Zuständigkeitsverordnung Justiz. (Artikel 1, Abs. 2. aa)) vom 9. Dezember 2010. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2010 Nr. 25, S. 709 f. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 148 kB]). Bezieht sich auf die Verordnung über gerichtliche Zuständigkeiten im Bereich des Ministeriums der Justiz (Gerichtliche Zuständigkeitsverordnung Justiz) (GVBl. II 210-98) vom 26. Oktober 2008. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2008 Nr. 17, S. 822 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 116 kB]).</ref>

Bevölkerung

In Eichenrod gab es im 18. Jahrhundert die mit Abstand geringste Zahl an Haushalten im gesamten Gericht Engelrod, die sich auch nur unwesentlich veränderte: von 31 Haushalten im Jahre 1705 auf 32 Haushalte 1753 und schließlich 33 Haushalte Anno 1789.<ref>Werner Troßbach: Agrarkonflikte. S. 560. Anm. 18.</ref>

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Eichenrod 282 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 36 Einwohner unter 18 Jahren, 114 zwischen 18 und 49, 63 zwischen 50 und 64 und 72 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 117 Haushalten. Davon waren 33 Singlehaushalte, 36 Paare ohne Kinder und 42 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 24 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 63 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />

Einwohnerentwicklung

• 1800: 189 Einwohner<ref name="Adr-LG-HD-1800" />
• 1806: 148 Einwohner, 33 Häuser<ref name="Adr-LG-HD-1806" />
• 1829: 194 Einwohner, 34 Häuser<ref name="GW" />
• 1867: 238 Einwohner, 33 bewohnte Gebäude<ref name="WP">Vorlage:BibOCLC</ref>
• 1875: 219 Einwohner, 33 bewohnte Gebäude<ref name="WP75">Vorlage:BibOCLC</ref>
Eichenrod: Einwohnerzahlen von 1800 bis 2011
Jahr  Einwohner
1800
  
189
1806
  
148
1829
  
194
1834
  
206
1840
  
230
1846
  
210
1852
  
237
1858
  
230
1864
  
232
1871
  
229
1875
  
219
1885
  
221
1895
  
206
1905
  
198
1910
  
205
1925
  
203
1939
  
256
1946
  
319
1950
  
287
1956
  
268
1961
  
262
1967
  
266
1970
  
270
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
282
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: <ref name="lagis" />; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />

Religion

Datei:Lautertal Eichenrod Catholic Church db.png
Die kath. Kirche in Eichenrod

In Eichenrod steht die katholische Kirche, die zur Pfarrgruppe St. Bonifatius-Hoher Vogelsberg in Herbstein und zum Bistum Mainz zählt.

Konfessionsstatistik

• 1829: 194 evangelische (= 100 %) Einwohner<ref name="GW" />
• 1961: 218 evangelische (= 83,21 %), 44 katholische (= 16,79 %) Einwohner<ref name="lagis" />

Ortsvorsteher

Kulturdenkmäler

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Eichenrod.

Infrastruktur

Literatur

Weblinks

Commons: Eichenrod – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="lagis">Eichenrod, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 4. Mai 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1800"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 231 ff. (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1806"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 280 ff. (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="PR"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 426 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="STH-Oberhessen"> Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 158 ff. (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> <ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 38 und 78, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020;. </ref> </references>

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Vorlage:Klappleiste/Ende