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Rittmannshausen

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Rittmannshausen
Gemeinde Ringgau
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(125)&title=Rittmannshausen 51° 5′ N, 10° 8′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(125) 51° 5′ 15″ N, 10° 7′ 45″ O
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Höhe: 361 (348–377) m ü. NHN
Fläche: 4,03 km²<ref name="Gindex" />
Einwohner: 125 (31. Dez. 2022)<ref name="Einwo2022" />
Bevölkerungsdichte: 31 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 37296
Vorwahl: 05659
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Rittmannshausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Ringgau im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.

Geographie

Das geschlossene Dorf Rittmannshausen liegt im nordöstlichen Teil des Ringgaus, etwa 2,7 km östlich des der Gemeindeverwaltung in Netra und 12 km südsüdöstlich von Eschwege in unmittelbares Nähe der Landesgrenze zu Thüringen. Etwa 600 m westsüdwestlich des Ortes entspringt die Netra. Die Kirche liegt zentral im ältesten Ortsteil.<ref name="lagis" /> Das Gebiet des Ortsteils besteht aus der Gemarkung Rittmannshausen im Osten des Gemeindegebiets mit einer Fläche von 403 Hektar<ref name="Gindex">Gemarkung Rittmannshausen. In: GEOindex. Abgerufen im Juli 2025.</ref>, davon sind 156 Hektar Wald.<ref name="lagis" /> In der Gemarkung liegt die Wüstung Hessenau.<ref>Hessenau, Gemeinde Ringgau. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 29. April 2024). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref>

Die Ortslage befindet sich auf 348 bis 377 m ü. NHN und der höchste Punkt der Gemarkung ist die 462 Meter hohe Eichlethenberg nördlich des Dorfes. An den Ortsteil Rittmannshausen grenzen, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn, der Ortsteil Rambach der Gemeinde Weißenborn, im Osten der Stadtteil Ifta der thüringischen Stadt Treffurt und im Süden und Westen Ringgau-Lüderbach und -Netra. In der Ortslage trifft die Landesstraße 3300 vom nördlichen Nachbarort Weißenborn kommend auf die Bundesstraße 7, in deren Abschnitt Netra–Ifta.

Geschichte

Ortsgeschichte

Bedeutende Teile des Ringgau kamen im 11. Jahrhundert in den Besitz der mächtigen Grafen von Northeim, welche vermutlich den Bau der Boyneburg als Verwaltungszentrum veranlassten. Zuvor bestanden in diesem Gebiet bereits mehrere frühgeschichtliche Befestigungsanlagen (Graburg, Schäfersburg, Hüneburg), welche der Bevölkerung als Fliehburgen dienten und eine fränkische Burganlage in Renda, dem ersten Hauptort der Gaugrafschaft Ringgau. Um 1223 wurde mit dem Bau einer steinernen Werrabrücke die Lange-Hessen-Straße über Creuzburg aufgewertet, sie verband die hessischen Besitzungen der Thüringer Landgrafen mit dem Hauptort Eisenach. Diese alte Heer- und Handelsstraße verlief dicht südlich der heutigen Ortslage (Flurname Alte Straße).

Nach dem thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg (1247–1263) erhielt im Jahre 1264 Landgraf Heinrich I. von Hessen die Boyneburg und zugehörige Besitzungen, darunter auch Rittmanshausen.

Der Ort Ridanßhusen wurde bereits im Jahre 1195 erstmals erwähnt, als Papst Coelestin III. das Kloster Germerode unter seinen Schutz stellte, dieses Dokument existiert aber nur noch als Abschrift, diesem Dokument folgt ein Vertrag – mit Nennung des Ortsnamens in der Schreibweise Ritandishusen (Siedlung eines Ritandis) – vom 19. April 1315 als frühestes erhaltenes Belegstück.<ref name="Urkunde">Hermann von Roquess: Urkundenbuch des Klosters Kaufungen in Hessen. Cassel 1900, S. No. 134.</ref> In dieser wichtigen Urkunde zur Ortsgeschichte wird eine Adelsfamilie erwähnt, welche in Rittmannshausen ansässig war und 1315 einen Ratsherren in der Nachbarstadt Creuzburg stellte. Auch die zu den Burgmannen der Burg Creuzburg gehörige Ritterfamilie Scherff hatte vorübergehend Besitz in Rittmannshausen erworben, Teile besaßen auch die Herren von Netra, die 1366 an die Herren von Boyneburg verkauften. Die Boyneburger waren zugleich Lehens- und Gerichtsherren im Ort. Sie besaßen einen Hof, der als Amtshaus genutzt wurde; vermutlich handelt es sich dabei um den noch 1840 als Burg bezeichneten Hof in der Ortslage. 1525 erreichte der Bauernkrieg in Thüringen seinen Höhepunkt. Die Unruhen griffen auch auf den hessischen Teil des Ringgaus über, die Aufständischen wurden danach hart bestraft.

Rittmannshausen gehörte zum teilautonomen Gericht Boyneburg. Die Herren von Boyneburg gerieten im Jahre 1615 zunächst mit den Heimbürgen der Gemeinde in Streit, der sich über die Jahre zu einer erbitterten Fehde gegen das Dorf ausweitete (Rittmanshäuser Rebellion). Anlass war die Frage der Durchsetzung einer von den von Boyneburg-Hohenstein erlassenen „Policeyordnung“ aus dem Jahre 1604, mit der der Gemeinde Rittmannshausen (wie auch anderen) erhebliche Selbstverwaltungsrechte genommen wurden und deren Gültigkeit die Rittmannshäuser daher vehement bestritten. Die von Boyneburg ließen nichts unversucht, um den Widerstand der Rittmannshäuser zu brechen, was ihnen erst 1620 gelang.<ref>Thomas Diehl: Adelsherrschaft im Werraraum. Das Gericht Boyneburg im Prozess der Grundlegung frühmoderner Staatlichkeit (Ende des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts), Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen, Darmstadt und Marburg 2010, ISBN 978-3-88443-314-0 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 159).</ref> Die Landgrafschaft Hessen, die bereits zuvor Grundherr über die zuvor dem Kloster Germerode untertanen „germerödischen Männer“ war, erkaufte 1650 einen weiteren Teil des Orts. Die neu gewonnenen Untertanen wurden dem Amt Bischhausen.<ref name="lagis" /> zugeordnet, das Dorf als solches blieb allerdings nach wie vor Teil des Gerichts Boyneburg.<ref>Thomas Diehl: Adelsherrschaft im Werraraum. Das Gericht Boyneburg im Prozess der Grundlegung frühmoderner Staatlichkeit (Ende des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts), Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen, Darmstadt und Marburg 2010, ISBN 978-3-88443-314-0 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 159).</ref> Seit 1821 gehörte Rittmannshausen zum Kreis Eschwege.

Rittmannshausen nach der Gebietsreform

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Grandenborn, Lüderbach, Netra, Renda und Rittmannshausen freiwillig zur neuen Gemeinde Ringgau.<ref name="DEZ-1071">Gemeindegebietsreform Hessen; Zusammenschlüsse und Eingliederung von Gemeinden vom 29. Dezember 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 3, S. 84 ff., Punkt 94, Abs. 87 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 6,0 MB]).</ref> Datterode und Röhrda schlossen sich am 1. April 1972 in der Gemeinde Netratal zusammen. Diese beiden Gemeinden wurde am 1. Januar 1974 kraft Landesgesetz zur neuen Großgemeinde Ringau zusammengeschlossen.<ref>Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Eschwege und Witzenhausen (GVBl. II 330-21) vom 28. September 1973. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 25, S. 353, § 4 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 2,3 MB]).</ref><ref></ref> Sitz der Gemeindeverwaltung wurde der Ortsteil Netra. Für alle nach Ringgau eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke gebildet.<ref name="HS">Hauptsatzung. (PDF; 105 kB) § 5. In: Webauftritt. Gemeinde Ringgau, abgerufen im Juli 2025.</ref>

Gerichte

Die Gerichtsbarkeit über Rittmannshausen wurde im Mittelalter durch das Gericht Boyneburg ausgeübt. Nach langen Rechtstreirigkeitden zwischen der Herren von Boyneburg kam es 1449 zu einem Vergleich, und ab 1460 hielten die von Boyneburg die Burg und den dazu gehörigen ehemaligen Reichsbesitz als landgräflich-hessisches Erblehen. Mit dem Aussterben der Herren von Boyneburg-Hohenstein 1792 ging das Gericht an das Kurfürstentum Hessen, die es dem Amt Bischhausen zuschlug.

Die weitere Zuständigkeit entwickelte sich wie folgt:<ref name="lagis" />

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Rittmannshausen angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rittmannshausen 138 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 21 Einwohner unter 18 Jahren, 66 waren zwischen 18 und 49, 24 zwischen 50 und 64 und 27 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 54 Haushalten. Davon waren 12 Singlehaushalte, 12 Paare ohne Kinder und 21 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 9 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 36 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.<ref name="Z2011E" />

Einwohnerentwicklung

  • 1585: 28 Haushaltungen<ref name="lagis" />
  • 1674: 110 Einwohner<ref name="lagis" />
  • 1747: 29 Haushaltungen<ref name="lagis" />
Rittmannshausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2022
Jahr  Einwohner
1834
  
176
1840
  
195
1846
  
206
1852
  
195
1858
  
175
1864
  
160
1871
  
170
1875
  
168
1885
  
161
1895
  
146
1905
  
163
1910
  
156
1925
  
147
1939
  
168
1946
  
261
1950
  
248
1956
  
199
1961
  
186
1967
  
164
1970
  
171
1980
  
?
1987
  
150
2000
  
?
2011
  
138
2022
  
125
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS<ref name="lagis" />; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />

Historische Religionszugehörigkeit

• 1885: 161 evangelische (= 100 %) Einwohner<ref name="lagis" />
• 1961: 175 evangelische (= 94,09 %), 6 katholische (= 3,23 %) Einwohner<ref name="lagis" />

Religion

Kirchengebäude<ref name="lagis" />

Ein massiver Chorturm aus dem 14. Jahrhundert ist teilweise erhalten. Das Schiff der Rittmanshäuser Kirche wurde 1828 vom Landbaumeister Johann Friedrich Matthei als klassizistischer Saalbau neu errichtet, der Kirchturm stammt von einem Vorgängerbau, welcher im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. In der Kirche befinden sich zwei Glocken aus dem 14. Jahrhundert, von denen eine als Marienglocke durch die Inschrift AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINUS TECUM BENED ausgewiesen wird.<ref name="Chronik_Glocke">N.N.: Die Rittmannshäuser Kirche. In: 800 Jahre Rittmannshausen. 1995, S. 62–64.</ref> Bei Bauarbeiten fand man 1970 mit einem Wappen verzierte Reste des alten Taufsteines, den Fachleute in die Zeit um 1520 datieren.<ref name="Chronik_Seib">Gerhard Seib: Der Taufstein in der Rittmannshäuser Kirche. In: 800 Jahre Rittmannshausen. 1995, S. 79–81.</ref>

Bekenntniswechsel<ref name="lagis" />

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Pfarrzugehörigkeit<ref name="lagis" />

In der Frühen Neuzeit befindet sich das Patronatsrecht bei denen von Boyneburg-Hohenstein. Für die Jahre 1585 und 1872 ist belegt, dass Rittmannshausen eine Filiale von Netra ist. Später gehörte Rittmannshausen zum Kirchspiel Netra-Lüderbach und heute zur „evangelischen Kirchengemeinden Rittmannshausen und Lüderbach.“<ref>Ev. Kirchengemeinden Rittmannshausen und Lüderbach. In: Webauftritt der Gemeinde Ringgau.</ref>

Politik

Für Rittmannshausen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Rittmannshausen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.<ref name="HS" /> Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 66,04 %. Alle Kandidaten gehörten der „Freien Wählergemeinschaft Rittmannshausen“ an.<ref>Ortsbeiratswahl Rittmannshausen. In: Votemanager. Gemeinde Ringgau, abgerufen im Juli 2025.</ref> Der Ortsbeirat wählte Matthias Bauer zum Ortsvorsteher.<ref>Ortsbeirat Matthias. In: Webauftritt. Gemeinde Ringgau, abgerufen im Juli 2025.</ref>

Literatur

  • Festausschuß 800 Jahrfeier (Hrsg.): 800 Jahre Rittmannshausen. Satz und Druck, Eschwege 1995, S. 128.
  • Vorlage:HessBib

Weblinks

Commons: Rittmannshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="lagis"> Rittmannshausen, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="Z2011E"> Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 56 und 112, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020;. </ref> <ref name="Einwo2022">Die Einwohnerzahlen der Gemeinde Ringgau am 31.12.2022 - ausschließlich Hauptwohnungen:. Heimatverein Datterode e. V., abgerufen am 11. Juli 2024. </ref> </references>

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