Volkssternwarte Drebach
Die Volkssternwarte Drebach umfasst das Zeiss Planetarium sowie die Sternwarte. Die gemeinnützige Kultur- und Bildungseinrichtung der Gemeinde Drebach wird in ihrer Arbeit von einem Förderverein unterstützt.
Die Einrichtung erhielt von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) den Stationscode 113.
Lage
Der Gebäudekomplex liegt mitten in Drebach, an der früheren Straße der Jugend 14, die 2007 in Milchstraße umbenannt wurde. Die Volkssternwarte erhielt die neue Hausnummer 1.<ref>Programmflyer des Zeiss-Planetariums und Volkssternwarte Drebach, Oktober–Dezember 2025.</ref> In unmittelbarer Nähe zur Einrichtung befinden sich die Grundschule David Rebentrost und ein Sportplatz.
Geschichte
1960er Jahre bis 1990
Die Volkssternwarte Drebach ging aus einer Schulsternwarte hervor, die am 3. Juli 1969 auf dem Gelände der Oberschule Drebach eröffnet wurde. Der Sternwartengründer Karlheinz Müller leitete diese Einrichtung von 1969 bis 1984 in ehrenamtlicher Tätigkeit. 1974 wurde die Schulsternwarte um eine zweite Beobachtungsstation erweitert. Dort fanden regelmäßig Beobachtungsabende, Vorträge und astronomische Jugendlager statt.
In den Jahren 1984 bis 1986 entstand am heutigen Standort im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (NAW) in Feierabendtätigkeit ein neues Sternwartengebäude mit Planetarium. Am 1. Juni 1986 fand die feierliche Einweihung dieser Einrichtung statt. Im Mittelpunkt der zukünftigen Arbeit stand die Öffentlichkeitsarbeit durch wetterunabhängige Veranstaltungen im Planetarium. Jährlich besuchten 10.000 bis 12.000 Menschen die Einrichtung. In einer 8-m-Projektionskuppel war zunächst ein Zeiss Planetarium vom Typ ZKP-1 im Einsatz, das 1989 durch einen ZKP-2-Projektor ersetzt wurde.
Seit 1990
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Einrichtung modernisiert, unter anderem durch die Installation einer Wettersatelliten-Empfangsanlage im Jahr 1992, die den Empfang aktueller Wetterbilder aus dem Weltall ermöglicht. Im Jahr 1997 wurde ein 50-cm-Spiegelteleskop eingeweiht, das in einer neu errichteten Beobachtungskuppel steht.
2000 bis 2001 erfolgte der Neubau eines größeren Planetariums mit einer 11-m-Projektionskuppel, das am 11. August 2001 feierlich eröffnet wurde. Seitdem haben sich die Besucherzahlen der Einrichtung etwa verdoppelt. Im Dezember 2003 verlieh die Firma Carl Zeiss Jena der Einrichtung den Ehrentitel "Zeiss Planetarium", den weltweit nur wenige Planetarien tragen dürfen.
Im Herbst 2014 erhielt das Planetarium eine digitale Velvet-FullDome-Projektionsanlage von Zeiss, deren Installation eine dreiwöchige Schließzeit erforderlich machte. Die Wiedereröffnung erfolgte am 15. November 2014. Damit ist das Zeiss Planetarium Drebach deutschlandweit das zweite Kleinplanetarium mit VELVET-Projektoren, die sonst nur in Großplanetarien zum Einsatz kommen. 2022 wurde das Planetarium mit neuen VELVET-LED-Projektoren modernisiert.
Ein umfangreicher Umbau des Eingangsbereichs und der Ausstellungsräume erfolgte im Jahr 2022.<ref>Eingangsbereich im Drebacher Planetarium wird aufpoliert. 31. Januar 2022, abgerufen am 2. Februar 2026.</ref>
Zeiss-Planetarium
Das Zeiss Planetarium Drebach bietet Programme für kleine und große Sterngucker an. Kinder ab vier Jahre können im Sternenmärchen Peterchens Mondfahrt eine Reise zum Mond unternehmen. Für ältere Kinder und Erwachsene ab 9 Jahre gibt es live moderierte Familienveranstaltungen. Seit einigen Jahren gehören auch Musikshows für Erwachsene zum Programm.
Als Sternenprojektor wird ein Zeiss Planetarium vom Typ ZKP-3 Skymaster eingesetzt. Verschiedene Zusatzprojektoren erzeugen unter anderem 360-Grad-Panoramen und 190 Quadratmeter große Ganzkuppelbilder.
Beschreibung
Bauliches
Der Baukomplex ist ein Flachbau, der von drei Kuppeln mit Durchmessern von 4 bis 13 Metern überragt wird. Der Flachbau ist zu großen Teilen mit Solarpaneelen ausgestattet.
Sternwarte
Das Hauptinstrument ist ein 50-cm-Cassegrain-Spiegelteleskop in einer 4 m großen Kuppel. In zwei weiteren Beobachtungsstationen sind weitere Linsen- und Spiegelteleskope fest installiert.
Förderverein
Astronomiebegeisterte gründeten im Jahr 1993 einen Förderverein, dessen erste Mitglieder aus der näheren Umgebung von Drebach stammten. Inzwischen engagieren sich im Verein Personen aus ganz Deutschland, die bundesweit vernetzt sind, um die Arbeit der Volkssternwarte zu unterstützen. Der Verein zählt 44 Mitglieder (Stand: 1/2026) aller Altersgruppen.<ref>Website Förderverein. Abgerufen am 17. Dezember 2025.</ref> Sie unterstützen die öffentlichen Beobachtungsabende sowie besondere Veranstaltungen der Einrichtung, und ihre ehrenamtliche Arbeit wird durch Spenden und Sponsoren finanziert.<ref>Förderverein Volkssternwarte Drebah. Abgerufen am 17. Dezember 2025.</ref>
Forschungsarbeit
Neben den öffentlichen Beobachtungsabenden nutzen Mitglieder des Fördervereins die Teleskope für Beobachtertätigkeiten zu Kleinplaneten; so konnten hier bereits 136 Kleinplaneten (Stand: 12/2025) entdeckt werden. Einige dieser Drebacher Kleinplaneten erhielten offizielle IAU-Namen nach Personen oder bekannten geografischen Objekten aus der Erzgebirgsregion, dazu gehören beispielsweise:<ref>Kleinplanetenseite mit den Entdeckungen aus Drebach, abgerufen am 21. Dezember 2025.</ref><ref>Website der Internationalen Astronomischen Union (IAU). Abgerufen am 17. Dezember 2025.</ref>
- (13816) Stülpner (nach dem Volkshelden Karl Stülpner),
- (17737) SigmundJähn (nach Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im All),
- (22168) Weissflog (nach dem Skispringer Jens Weißflog),
- (29736) Fichtelberg (nach dem höchsten Berg in Sachsen, dem Fichtelberg),
- (31147) Miriquidi (nach dem alten Namen des Erzgebirgswaldes),
- (36800) KatarinaWitt (nach der Eiskunstläuferin Katharina Witt),
- (62190) AugustHorch (nach dem Autokonstrukteur August Horch),
- (79647) Ballack (nach dem Fußballer Michael Ballack),
- (103460) DieterHerrmann (nach dem Astronomen Dieter B. Herrmann).
Anmerkung: Die Nummern der IAU bedeuten, dass ihre Umlaufbahnen präzise bestimmt wurden.
Nationaler und internationaler Treffpunkt
Die Volkssternwarte Drebach wurde bereits mehrfach als Austragungsort von Fachtagungen ausgewählt. 2008 fand dort das internationale Symposium ESOP (European Symposium on Occultation Projects) über Sternbedeckungen statt. 2011 tagte die Fachgruppe Spektroskopie der Vereinigung der Sternfreunde e.V. in den Räumlichkeiten der Einrichtung. Eine internationale Tagung der Planetariumsmitarbeiter von Kleinplanetarien – die Planetaria – wurde im September 2014 mit mehr als 50 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt. 2025 fand zum wiederholten Mal das Treffen der Fachgruppe Kleinplaneten der Vereinigung der Sternfreunde e.V. mit Teilnehmern aus verschiedenen europäischen Ländern statt.
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
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Koordinaten: 50° 40′ 25,9″ N, 13° 0′ 45,9″ O
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