Zum Inhalt springen

Mariss Jansons

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 26. April 2026 um 20:14 Uhr durch imported>Kalorie.
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:2015 Jansons Mariss-0242 (18794705869) (2) (cropped).jpg
Mariss Jansons (2015)

Mariss Ivars Georgs Jansons (* 14. Januar 1943 in Riga; † 1. Dezember 2019<ref>Traueranzeige. In: Süddeutsche Zeitung. 7. Dezember 2019, abgerufen am 11. Dezember 2019.</ref> in Sankt Petersburg) war ein international tätiger lettischer Dirigent.

Leben

Mariss Jansons wurde 1943 in Riga als Sohn des lettischen Dirigenten Arvīds Jansons geboren. Seine Mutter Iraida Jansone war eine Mezzosopranistin jüdischer Herkunft.<ref>Zum Tod von Mariss Jansons: Der Unfassbare. merkur.de, 1. Dezember 2019, abgerufen am 2. Dezember 2019.</ref> Sie brachte ihren Sohn in einem Versteck zur Welt, in das sie sich geflüchtet hatte, nachdem ihr Vater und ihr Bruder im Rigaer Ghetto umgekommen waren.

1946 gewann Jansons’ Vater den zweiten Preis in einem nationalen Wettbewerb und wurde Assistent von Jewgeni Mrawinski bei den Leningrader Philharmonikern. 1956 folgte ihm seine Familie nach.

Jansons studierte Violine, Klavier und Dirigieren am Leningrader Konservatorium und ging 1969 nach Österreich, wo er seine Ausbildung bei Hans Swarowsky und Herbert von Karajan fortsetzte. 1973 wurde er wie sein Vater zuvor stellvertretender Dirigent der Leningrader Philharmoniker. Von 1979 bis 2000 war er Leiter des Osloer Philharmonie-Orchesters, mit dem er zahlreiche Aufführungen, Aufnahmen und Tourneen absolvierte. 1996 erlitt er während des Dirigierens von La Bohème einen lebensbedrohlichen Herzanfall auf dem Podium in Oslo, kurz darauf im Spital einen zweiten. Sein Vater war beim Dirigieren verstorben.

1992 wurde er zum Haupt-Gastdirigenten des London Philharmonic Orchestra und 1997 zum Chefdirigenten des Pittsburgh Symphony Orchestra ernannt. Seit Herbst 2003 war er als Nachfolger Lorin Maazels Chefdirigent beim Chor des Bayerischen Rundfunks und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks; von September 2004 bis März 2015 war er zusätzlich Chefdirigent des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters, hier in der Nachfolge von Riccardo Chailly.<ref>Mariss Jansons chief conductor 2004–2015. concertgebouworkest.nl, abgerufen am 1. Dezember 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Jahr 2006 leitete Jansons erstmals das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.<ref>So, 1. Jänner 2006. Neujahrskonzert, Dirigent Mariss Jansons. In: Wiener Philharmoniker. Abgerufen am 14. November 2024.</ref> Im Oktober 2007 führte er mit dem Chor und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks die Neunte Symphonie von Ludwig van Beethoven und die Chormotette Tu es Petrus von Giovanni Pierluigi da Palestrina im Vatikan auf; das Konzert wurde von zahlreichen Sendern weltweit übertragen.

Weitere Meilensteine der Zusammenarbeit mit den Klangkörpern des Bayerischen Rundfunks waren die Aufführungen der Requiems von Verdi, Mozart und Dvořák; von Strawinskis Psalmensinfonie, Poulencs Stabat Mater und Leonard Bernsteins Chichester Psalms. Im Karajan-Gedenkjahr führte der Karajan-Schüler Johannes BrahmsDeutsches Requiem auf, eines der Lieblingswerke Karajans, das von der Presse als überragendes Klangereignis gefeiert wurde.

Am 20. April 2010 wurde bekannt, dass Jansons die nächsten Monate wegen Krankheit ausfallen werde. Bei seinem für den 3. Mai 2010 vorgesehenen Debüt an der Wiener Staatsoper (als Dirigent der Bizet-Oper Carmen) vertrat ihn sein Schüler und Landsmann Andris Nelsons am Pult.<ref>dpa: Dirigent Mariss Jansons erkrankt.</ref> 2012 dirigierte Jansons zum zweiten Mal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.<ref>So, 1. Jänner 2012 Neujahrskonzert, Dirigent Mariss Jansons. In: Wiener Philharmoniker. Abgerufen am 14. November 2024.</ref>

Im Herbst 2012 führte er mit dem Symphonieorchester und dem Chor des Bayerischen Rundfunks in der Suntory Hall in Tokio den Zyklus aller neun Beethoven-Symphonien auf.<ref>Pressemitteilung: Symphonieorchester mit Mariss Jansons aus Tokio. In: Bayerisches Fernsehen, 12. Dezember 2013.</ref>

Nach 2006 und 2012 leitete Jansons auch das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2016.

Nach einem Riss der Achillessehne musste Jansons Dirigate in Wien ab dem 28. November 2019 gesundheitsbedingt absagen. Für ihn sprang Jakub Hrůša, seit 2016 Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, bei denen Jansons regelmäßig als Gastdirigent zu Gast war, bei teilweise geändertem Programm ein.<ref>Mariss Jansons sagt Konzerte mit Wiener Philharmonikern ab sn.at, 18. November 2019, abgerufen am 2. Dezember 2019.</ref>

In der Nacht zum 1. Dezember 2019 starb Mariss Jansons im Alter von 76 Jahren in St. Petersburg im Kreis seiner Familie an den Folgen einer Herzerkrankung.<ref>Trauer um Stardirigent Mariss Jansons. br.de, 1. Dezember 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. Dezember 2019; abgerufen am 1. Dezember 2019.</ref> Die Süddeutsche Zeitung titelte in ihrem Feuilleton-Leitartikel: „Die Welt mit Klang umarmen: Der aufrichtigste, integerste, empathischste Dirigent der Welt ist tot.“<ref>Wolfgang Schreiber, Egbert Tholl: Die Welt mit Klang umarmen. sueddeutsche.de, 1. Dezember 2019, abgerufen am 1. Dezember 2019.</ref>

Ehrungen und Auszeichnungen

1971 gewann Jansons den zweiten Preis beim Internationalen Dirigentenwettbewerb Herbert-von-Karajan.<ref>Ehrenmitgliedschaft für Mariss Jansons. Website der Berliner Philharmoniker.</ref>

Im Jahr 2006 bekam er gleich mehrere Auszeichnungen, so wurde ihm in Cannes auf der Midem ein Cannes Classical Award als „Künstler des Jahres“ verliehen. Gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks erhielt er für die Aufnahme der 13. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch einen Grammy in der Kategorie „Beste Orchesterleistung“. Es folgte noch der „Drei-Sterne-Orden“, die höchste Auszeichnung der Republik Lettland.<ref>Pasniedzot Triju Zvaigžņu ordeni diriģentam Marisam Jansonam Rīgas pilī. In: Latvijas Vēstnesis, 24. Mai 2006, (lettisch)</ref>

Er wurde mehrfach von der Deutschen Phono-Akademie mit dem Echo Klassik geehrt; 2018 distanzierte er sich jedoch aufgrund der Kontroverse um den Preis von diesen Auszeichnungen.<ref>Barenboim gibt Echos aus Protest zurück. br.de, abgerufen am 1. Dezember 2019.</ref> Im selben Jahr wurde ihm der Bayerische Verdienstorden verliehen. 2009 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.<ref>Rathauskorrespondenz: Hohe Auszeichnungen für Mariss Jansons und Thomas Angyan. In: Stadt Wien, 15. Jänner 2007.</ref> 2010 wurde er mit dem Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Träger des Bayerischen Maximiliansordens 2010. (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive) In: Bayerische Staatsregierung, 20. Oktober 2010.</ref> 2013 bekam Jansons den Ernst von Siemens Musikpreis überreicht.<ref>Preisträger 2013: Mariss Jansons. In: Ernst von Siemens Musikstiftung, mit Biografie und Fotogalerie.</ref>

Am Tag der Deutschen Einheit 2013 erhielt er vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.<ref>Pressemitteilung: Ordensverleihung zum Tag der Deutschen Einheit. In: Bundespräsidialamt, 4. Oktober 2013.</ref>

Die Londoner Royal Philharmonic Society ehrte Mariss Jansons im November 2017 mit der Goldmedaille der britischen Konzertgesellschaft „RPS Gold Medal“,<ref>Mariss Jansons Awarded RPS Gold Medal. In: Royal Philharmonic Society. 23. November 2017, abgerufen am 18. Januar 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> die ihm im Rahmen eines Gastkonzerts mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Londoner Barbican Hall verliehen wurde.<ref>Gabriele Hein: Hohe Auszeichnung für Mariss Jansons. In: Bayerischer Rundfunk. 23. November 2017, abgerufen am 18. Januar 2018 (Pressemitteilung).</ref>

Anlässlich seines 75. Geburtstags wurde 2018 eine Tulpensorte, gezüchtet von einem Letten und einem Niederländer, nach Jansons benannt.<ref>Tulpensorte nach Mariss Jansons benannt. Musik heute, 15. Januar 2018.</ref>

2018 wurde Jansons Ehrenmitglied der Berliner Philharmoniker,<ref>Berliner Philharmoniker: Mariss Jansons wird Ehrenmitglied. Süddeutsche Zeitung, 24. Januar 2018, abgerufen am 25. August 2020.</ref> der Wiener Philharmoniker<ref>Ehrenmitgliedschaft bei den Wiener Philharmonikern für Mariss Jansons. Artikel vom 5. Juni 2018, abgerufen am 6. Juni 2018.</ref> und erhielt von den Salzburger Festspielen die Festspielnadel mit Rubinen – die höchste Ehrung der Festspiele, vergleichbar mit einer Ehrenmitgliedschaft.<ref>Festspielnadel für Mariss Jansons. Süddeutsche Zeitung, Ausgabe vom 3. August 2018.</ref>

Am 13. Oktober 2019 erhielt er den Opus Klassik für sein Lebenswerk.<ref>Freude über OPUS KLASSIK 2019 für Mariss Jansons. br-so.de, 13. Oktober 2019, abgerufen am 1. Dezember 2019.</ref>

Vor dem Gedenk- und Dankkonzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks am 15. Januar 2020 in der Philharmonie am Gasteig in München (Gustav Mahlers 2. Symphonie unter Zubin Mehta) verlieh ihm das BRSO, wie für den 14. Mai 2020 vorgesehen, posthum die Karl-Amadeus-Hartmann-Medaille.<ref>Posthume Ehrung für Mariss Jansons. br-klassik.de, 13. Januar 2020, abgerufen am 19. Januar 2020.</ref>

CD-Produktionen

Filme (Auswahl)

Literatur

  • Markus Thiel: Mariss Jansons – Ein leidenschaftliches Leben für die Musik, Piper Verlag, München, 2020, ISBN 978-3-492-05959-6

Weblinks

Commons: Mariss Jansons – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Videos

Einzelnachweise

<references />

<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Willem Kes (1888–1895) | Willem Mengelberg (1895–1945) | Eduard van Beinum (1945–1959) | Bernard Haitink (1963–1988) | Riccardo Chailly (1988–2004) | Mariss Jansons (2004–2015) | Daniele Gatti (2016–2018)

Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang Benjamin Britten (1974) | Olivier Messiaen (1975) | Mstislaw Rostropowitsch (1976) | Herbert von Karajan (1977) | Rudolf Serkin (1978) | Pierre Boulez (1979) | Dietrich Fischer-Dieskau (1980) | Elliott Carter (1981) | Gidon Kremer (1982) | Witold Lutosławski (1983) | Yehudi Menuhin (1984) | Andrés Segovia (1985) | Karlheinz Stockhausen (1986) | Leonard Bernstein (1987) | Peter Schreier (1988) | Luciano Berio (1989) | Hans Werner Henze (1990) | Heinz Holliger (1991) | H. C. Robbins Landon (1992) | György Ligeti (1993) | Claudio Abbado (1994) | Sir Harrison Birtwistle (1995) | Maurizio Pollini (1996) | Helmut Lachenmann (1997) | György Kurtág (1998) | Arditti Quartet (1999) | Mauricio Kagel (2000) | Reinhold Brinkmann (2001) | Nikolaus Harnoncourt (2002) | Wolfgang Rihm (2003) | Alfred Brendel (2004) | Henri Dutilleux (2005) | Daniel Barenboim (2006) | Brian Ferneyhough (2007) | Anne-Sophie Mutter (2008) | Klaus Huber (2009) | Michael Gielen (2010) | Aribert Reimann (2011) | Friedrich Cerha (2012) | Mariss Jansons (2013) | Peter Gülke (2014) | Christoph Eschenbach (2015) | Per Nørgård (2016) | Pierre-Laurent Aimard (2017) | Beat Furrer (2018) | Rebecca Saunders (2019) | Tabea Zimmermann (2020) | Georges Aperghis (2021) | Olga Neuwirth (2022) | George Benjamin (2023) | Chin Un-suk (2024) | Simon Rattle (2025) Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang Eugen Jochum (1949–1960) | Rafael Kubelík (1961–1979) | Kirill Kondraschin (designiert) | Sir Colin Davis (1983–1992) | Lorin Maazel (1993–2003) | Mariss Jansons (2003–2019) | Sir Simon Rattle (seit 2023) Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste Chefdirigenten des Philharmonischen Orchesters Oslo

Vorlage:Hinweisbaustein