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Stabat Mater (Dvořák)

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Das Stabat Mater, op. 58 (B 71), des böhmischen Komponisten Antonín Dvořák ist eine Vertonung des gleichnamigen mittelalterlichen Gedichtes für Soli, Chor und Orchester. Die Uraufführung fand am 23. Dezember 1880 in Prag statt.

Geschichte

Datei:Remembrance of the performance of Stabat Mater in Worcester on 12 September, 1884..jpg
Titelseite der Partitur des Stabat Mater mit Autogrammen von Beteiligten an einer Aufführung des Stücks in Worcester im Jahr 1884

Dvořák war ab Februar 1874 Organist an der Kirche St. Adalbert in Prag,<ref name="Berná" /> die für ihre Kirchenmusik bekannt war. Deren Leiter war Regens chori Josef Foerster, der sich 1873 dem Cäcilianismus angeschlossen hatte, und anstelle von Orchestermessen Werke für Chor a cappella oder mit Orgelbegleitung bevorzugte. Dvořák sah diese Bestrebungen kritisch; und er könnte sich herausgefordert gefühlt haben, die Möglichkeiten von Textdeutung mit orchestralen Mitteln zu demonstrieren.<ref name="Döge" /> Er begann die Vertonung des Stabat mater 1876, ein halbes Jahr nach dem Tod seiner Tochter Josefa, die am 21. August 1875 zwei Tage nach ihrer Geburt gestorben war.<ref name="Berná" />

Stabat Mater war sein erstes kirchenmusikalisches Werk, abgesehen von Kompositionen während der Studienzeit, darunter zwei verschollenen Messen.<ref name="Döge" /> Es war auch die erste Komposition, die er ohne Auftrag aus freiem Antrieb begann.<ref name="Döge" /> Er schrieb einen Entwurf mit Klavierbegleitung zwischen dem 19. Februar 1876 und dem 7. Mai des Jahres, der die Sätze 1–4 und 8–10 des endgültigen Werks enthielt.<ref name="Berná" /> Er brach die Arbeit ab, um Auftragskompositionen fertigzustellen.<ref name="Berná" /> Er nahm sie wieder auf, als im August 1877 zwei weitere seiner Kinder in kurzem Abstand starben, die elf Monate alte Tochter Ružena an einer Vergiftung und der dreijährige Sohn Otakar an Pocken. Damit waren Dvořák und seine Frau zunächst kinderlos; erst später wurden weitere Kinder geboren. In seiner Trauer fand Dvořák Trost in der Arbeit am Stabat Mater, das die Gottesmutter Maria in ihrem Schmerz um ihren gekreuzigten Sohn zum Inhalt hat. Dvořák vollendete die Partitur am 13. November 1877.<ref name="Berná" />

Die erste Aufführung fand am 23. Dezember 1880 in Prag statt, geleitet von Adolf Čech,<ref name="Berná" /> mit den Solisten Eleonora Ehrenberg, Betty Fibich, Antonín Vávra und Karel Čech. Am 2. April 1882 leitete Leoš Janáček eine Aufführung des Werkes in Brünn. Es wurde auch in Budapest und London gegeben.<ref name="Döge" /> Eine Aufführung in der Royal Albert Hall, die der Komponist dirigierte, machte ihn international bekannt.<ref name="Berná" />

Auf Empfehlung von Johannes Brahms gab der Bonner Musikverleger Fritz Simrock das Werk als Dvořáks Opus 58 heraus – Dvořák selbst zählte das Stabat Mater ursprünglich als sein Opus 28.<ref name="Berná" /><ref name="Döge" /> Stabat Mater, die erste geistliche Komposition Dvořáks, wurde gefolgt von seiner Messe in D-Dur, Op. 86, dem Requiem, Op. 89, und Te Deum, Op. 103. Stabat Mater blieb, zusammen mit seiner 9. Sinfonie und den Slawischen Tänzen, eines seiner beliebtesten Werke, das häufig aufgeführt und eingespielt wird.<ref name="Berná" />

Musik

Datei:Weyden Christ on the Cross with Mary and St John.jpg
Christus am Kreuz mit Maria und Johannes von Rogier van der Weyden

Der Komponist strukturierte das Gedicht in zehn Sätzen. Er setzte vier Gesangssolisten ein, Sopran (S), Alt (A), Tenor (T) und Bass (B), einen vierstimmigen Chor (SATB), ein Sinfonieorchester und Orgel. <ref name="Döge" />

Die zehn Sätze beleuchten verschiedene Aspekte der Dichtung.<ref name="Winter" /> Sie betrachten Marias Leiden und das Mitgefühl des Betrachters in kontrastreichem Einsatz von Besetzung, Tempo und Tonart. Die Musik des letzten Satzes nimmt Themen des ersten Satzes wieder auf, als Rahmen der gesamten Komposition.<ref name="Döge" /> Die vokale Besetzung ist abwechslungsreich, von einstimmigem Sologesang über verschiedene Kombinationen von Solostimmen, einer Solostimme mit Chor, Chor alleine bis zu allen Stimmen im ersten und letzten Satz.<ref name="Berná" />

Die folgende Tabelle der Sätze zeigt nach ihrer Nummer den Textanfang, die Singstimmen, die Tempobezeichnung des Anfangs, den Takt und die Tonart.

Sätze des Stabat Mater
Nr. Titel Stimmen Tempo Takt Tonart
1 Stabat Mater SATB S A T B Andante con moto 3/2 h-Moll
2 Quis est homo S A T B Andante sostenuto 3/4 e-Moll
3 Eja, Mater SATB Andante con moto 4/4 c-Moll
4 Fac, ut ardeat cor meum B SSAATB Largo 4/8 b-Moll
5 Tui nati vulnerati SATB Andante con moto, quasi allegretto 6/8 Es-Dur
6 Fac me vere tecum flere T TTBB Andante con moto 6/8 H-Dur
7 Virgo virginum praeclara SATB Largo 3/4 A-Dur
8 Fac, ut portem Christi mortem S T Larghetto 4/8 h-Moll
9 Inflammatus et accensus A Largo 4/4 d-Moll
10 Quando corpus morietur S A T B SATB Andante con moto 3/2 h-Moll

Sätze

Die beiden ersten Sätze beleuchten das Leid der Mutter, die ihren Sohn am Kreuz hat sterben sehen. Die Sätze 3 bis 8 betonen den Wunsch des Betrachters, mit ihr zu leiden, zu weinen und zu trauern. Die beiden letzten Sätze wenden sich einem Ausblick auf das Paradies zu.<ref name="Winter" />

„Stabat Mater“

Der erste Satz vertont die ersten vier Strophen der Dichtung, beginnend mit Stabat Mater dolorosa („Es stand die Mutter voll Kummer“),<ref name="Winter" details="6" /> für Chor, das Solistenquartett und das gesamte Orchester.<ref name="Score" details="9–32" /> Der ausgedehnte Satz lehnt sich an die klassische Sonatenform an.<ref name="Winter" /> Er beginnt mit einer langen instrumentalen Einleitung, die Themen vorstellt. Zunächst erklingt leise der Ton fis in unterschiedlichen Höhen und Instrumenten. Daraus schält sich ein erstes Thema mit einer überwiegend chromatischen fallenden Linie heraus.<ref name="Winter" details="4" /> Der Chor nimmt Themen auf, während die Solisten mit kontrastierenden Themen antworten. Eine Durchführung wird von einer Reprise des Beginns gefolgt.<ref name="Score" details="1–44" /> Chor und Solistenquartett entwickeln auf der Grundlage meditativer Trauer einzelne dramatische Ausbrüche.<ref name="Winter" details="4" />

„Quis est homo“

Der zweite Satz wird vom Solistenquartett gesungen. Er vertont die Strophen fünf bis acht, beginnend Quis est homo, qui non fleret („Wer ist der Mensch, der nicht weinen würde“).<ref name="Winter" details="6" /><ref name="Score" details="33–44" /> Der Alt beginnt, und auch im Orchester überwiegen die dunklen Klangfarben, nach dem Vorbild von Ein deutsches Requiem von Brahms.<ref name="Winter" details="4–5" />

„Eja, Mater“

Im dritten Satz wird die neunte Strophe vom Chor gesungen, Eja, Mater, fons amoris („Ach Mutter, Quelle der Liebe“).<ref name="Winter" details="75" /> Er erinnert an einen Trauermarsch.<ref name="Score" details="44–51" /><ref name="Winter" details="5" /> Im Mittelteil wird Maria eindringlich angefleht, den Betrachter ihre Schmerzen mitfühlen zu lassen.<ref name="Winter" details="5" />

„Fac, ut ardeat cor meum“

Im vierten Satz singt der Bass-Solist die zehnte Strophe, Fac, ut ardeat cor meum („Mach, dass brenne mein Herz“).<ref name="Winter" details="7" /> Ihm antwortet ein Chor von vier Frauenstimmen, von der Orgel begleitet, zu denen erst später auch Männerstimmen treten, mit der 11. Strophe, Sancta mater, istud agas („Heilige Mutter, dies mache“).<ref name="Winter" details="7" /><ref name="Score" details="52–58" />

„Tui nati vulnerati“

Der fünfte Satz, wieder vom Chor gesungen, vertont die 12. Strophe, Tui nati vulnerati („Die Qualen deines verwundeten Sohnes“)<ref name="Winter" details="7" /><ref name="Score" details="59–69" /> in einem schwingenden 6/8-Takt.<ref name="Winter" details="5" />

„Fac me vere tecum flere“

Im sechsten Satz singen der Tenor-Solist und ein vierstimmiger Männerchor im Wechsel die 13. und 14. Strophe, Fac me vere tecum flere („Lass mich wahrhaft mit dir weinen“)<ref name="Winter" details="7" />.<ref name="Score" details="70–77" /> Die Musik beginnt wie ein Volkslied, vom Vorsänger intoniert und vom Chor wiederholt. Die Bitte, ausharren zu können, wird von starken Akzenten im Orchester intensiviert.<ref name="Winter" details="5" />

„Virgo virginum praeclara“

Der siebte Satz wird vom Chor teilweise unbegleitet gesungen. Er behandelt die 15. Strophe, Virgo virginum praeclara („Jungfrau der Jungfrauen“).<ref name="Winter" details="7" /><ref name="Score" details="78–83" /> Er bringt in schlichtem homophonem Satz Marienverehrung zum Ausdruck.<ref name="Winter" details="5" />

„Fac, ut portem Christi mortem“

Der achte Satz ist ein Duett von Sopran und Tenor über die 16. und 17. Strophe, Fac, ut portem Christi mortem („Lass mich tragen Christi Tod“).<ref name="Winter" details="8" /><ref name="Score" details="84–88" /> Hohe Streicherklänge bringen Verzückung zum Ausdruck.<ref name="Winter" details="5" />

„Inflammatus et accensus“

Im neunten Satz werden die 18. und die 19. Strophe von der Altistin gesungen, Inflammatus et accensus („Entflammt und entzündet“).<ref name="Winter" details="9" /><ref name="Score" details="89–93" /> Die Musik kontrastiert romantisches Empfinden mit einer Basslinie, die an Barockmusik erinnert.<ref name="Winter" details="5" />

„Quando corpus morietur“

Datei:Chorkonzert 2019, Generalprobe 25.10.2019.jpg
Generalprobe für Stabat Mater in St. Bonifatius, Wiesbaden, am 25. Oktober 2019, mit Maria unter dem Kreuz im Hintergrund

Der letzte Satz vertont die letzte Strophe, mit dem Beginn Quando corpus morietur („Wenn der Leib sterben wird“),<ref name="Winter" details="9" /> die um die Herrlichkeit des Paradieses (paradisi gloria) für die Seele bittet. Der Satz nimmt Themen des ersten Satzes wieder auf und wird wie dieser von allen Mitwirkenden musiziert. Er mündet in eine lebhafte komplexe Fuge nach barocken Vorbildern<ref name="Winter" details="9" /> auf das Wort „Amen“.<ref name="Score" details="94–111" /> In einem a cappella-Block fasst der Chor noch einmal den Text zusammen, bevor das Werk mit einem sphärischen „Amen“ endet.<ref name="Böttcher" />

Einspielungen (Auswahl)

Weblinks

Commons: Stabat Mater – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references>

<ref name="Berná">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Vorwort zu Antonín Dvořák (1841-1904) / Stabat Mater / op. 58.] In: Carus-Verlag. , S. 2–3, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 20. November 2019.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

<ref name="Böttcher">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Vorwort zu Antonín Dvořák (1841-1904) / Stabat Mater / op. 58.] In: Beethoven-Orchester. , S. 4–17, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 23. November 2019.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

<ref name="Döge">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Antonín Dvořák (1841–1904) / Stabat mater Op. 58 / Urtext edited by Klaus Döge (solos,ch,orch) duration: 86'.] Breitkopf & Härtel, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 22. Juni 2019.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

<ref name="Winter">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Antonín Dvořák / Stabat Mater op. 58.] In: konzertchor.kit.edu. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 23. Juni 2019.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

<ref name="Score">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Antonín Dvořák (1841–1904) / Stabat mater Op. 58 / für Soli, Chor und Orchester / for Soloists, Choir and Orchestra / op. 58. Hrsg.: Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name. Breitkopf & Härtel, Vorlage:Cite book/Date, [ ] (Vorlage:Cite book/URL [abgerufen am -05-]).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

</references>

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