Ignaz Pamer
Ignaz Pamer (* 27. August 1866 in Korneuburg;<ref name="Taufbuch">Taufbuch Korneuburg, tom. IX, fol. 136 (Faksimile), abgerufen am 4. Februar 2024</ref> † 16. Juli 1957 in Wien) war, nach der Befreiung Wiens, in den Jahren 1945 und 1946 Polizeipräsident und somit Leiter der Bundespolizeidirektion Wien.
Leben und Wirken
Ignaz Pamer wurde am 27. August 1866 als Sohn von Ignaz Pamer und dessen Ehefrau Johanna in Korneuburg geboren und am 30. August 1866 auf den Namen Ignaz getauft.<ref name="Taufbuch" /> Nach der allgemeinen Schulausbildung und dem Besuch des Gymnasiums in Oberhollabrunn diente er als Einjährig-Freiwilliger im k.u.k. Infanterieregiments „Erzherzog Ernst“ Nr. 48 (zugeteilt dem k.u.k. Infanterieregiment „Freiherr von Klobučar“ Nr. 5). Im Dezember 1887 erfolgte die Ernennung zum Leutnant der Reserve.<ref>Aus dem Heeres-Verordnungsblatte.. In: Wiener Allgemeine Zeitung, 21. Dezember 1887, S. 23 (online bei ANNO)., abgerufen am 5. Februar 2024</ref><ref>Amtlicher Theil.. In: Wiener Zeitung, 22. Dezember 1887, S. 4 (online bei ANNO)., abgerufen am 5. Februar 2024</ref> Anschließend studierte Pamer Rechtswissenschaften an der Universität Wien und promovierte 1892 zum Dr. iur.
Am 12. Oktober 1892 trat er in den Konzeptsdienst der Polizeidirektion Wien ein.<ref name="Ernennung Zentralinspektor">(Zentralinspektor Dr. Pamer). In: Oesterreichische Kronen-Zeitung. Illustrirtes Tagblatt / Illustrierte Kronen-Zeitung / Wiener Kronen-Zeitung, 9. September 1911, S. 9 (online bei ANNO)., abgerufen am 5. Februar 2024</ref> Innerhalb der Polizeidirektion Wien wurde er 1895 Bezirksinspektor<ref>Tagesbericht. Aus dem Amtsblatte.. In: Ostdeutsche Rundschau. Wiener Wochenschrift für Politik, Volkswirthschaft, Kunst und Literatur / Ostdeutsche Rundschau. Deutsches Tagblatt, 28. Juni 1895, S. 4 (online bei ANNO)., abgerufen am 5. Februar 2024</ref> (Diätenklasse IX, entsprechend dem K.k. Gendarmerie-Rittmeister)<ref>vgl. Organisations-Statut und Amts-Unterricht fuer die k.k. Sicherheitswache in Wien Mit einem Plane von Wien und einer Uebersichtskarte des Polizei-Bezirkes, Wien 1869, S. 23</ref>. Als solcher besaß er das Kommando über die Sicherheitswachabteilung in Ottakring.<ref name="Ernennung Zentralinspektor" /> Nachdem ihm im Jahr 1901 der persische Sonnen- und Löwenorden IV. Klasse verliehen worden war,<ref name="Sonnen- und Löwenorden">Was gibt’s denn Neues? – Fremde Orden und sonstige Auszeichnungen.. In: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 9. Oktober 1901, S. 22 (online bei ANNO)., abgerufen am 5. Februar 2024</ref> wurde Pamer im darauffolgenden Jahr mit dem Kommando der berittenen Sicherheitswache in Wien betraut.<ref>Wiener Ortsnachrichten. * Veränderungen bei der Wiener Sicherheitswache.. In: Ostdeutsche Rundschau. Wiener Wochenschrift für Politik, Volkswirthschaft, Kunst und Literatur / Ostdeutsche Rundschau. Deutsches Tagblatt, 2. August 1902, S. 6 (online bei ANNO)., abgerufen am 5. Februar 2024</ref> Bei der Tiroler Jahrhundertfeier 1909 im August 1909 war Pamer mit der Organisation des Dienstes der berittenen Sicherheitswache in Innsbruck betraut, wofür ihm vom Kaiser Franz Joseph I. bei dessen Abreise am Innsbrucker Bahnhof die vollste Anerkennung zuteilwurde.<ref name="KRZ, 11.09.1911">Tagesnachrichten. Der neue Zentral-Inspektor der Wiener Sicherheitswache.. In: Oesterreichische Kronen-Zeitung. Illustrirtes Tagblatt / Illustrierte Kronen-Zeitung / Wiener Kronen-Zeitung, 11. September 1911, S. 6 (online bei ANNO). (mit Abbildung Pamers), abgerufen am 5. Februar 2024</ref>
Seit dem 23. Dezember 1903 Oberinspektor<ref name="Ernennung Zentralinspektor" /> (Major), erhielt Pamer im Februar 1908 das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens verliehen.<ref name="Franz-Joseph-Orden">(Auszeichnungen bei der Wiener Polizei.). In: Oesterreichische Kronen-Zeitung. Illustrirtes Tagblatt / Illustrierte Kronen-Zeitung / Wiener Kronen-Zeitung, 24. Februar 1908, S. 8 (online bei ANNO)., abgerufen am 5. Februar 2024</ref><ref>Die Auszeichnungen bei der Polizei.. In: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 27. Februar 1908, S. 5 (online bei ANNO). (mit Abbildung Pamers), abgerufen am 5. Februar 2024</ref> Am 12. September 1909 stieg Pamer vom Oberinspektor zum Polizeirat auf.<ref>Amtlicher Teil.. In: Wiener Zeitung, 12. September 1909, S. 1 (online bei ANNO)., abgerufen am 5. Februar 2024</ref><ref name="Ernennung Zentralinspektor" /> Um 1910/11 saß er unter anderem als Stellvertreter von Roman Fuchs, Oberpolizeirat und Zentralinspektor der Sicherheitswache, im Zentralkomitee für Überschwemmungs-Angelegenheiten in Wien.<ref name="Zentralkomitee">Amtlicher Teil. Verzeichnis. In: Wiener Zeitung, 15. Dezember 1910, S. 2 (online bei ANNO)., abgerufen am 5. Februar 2024</ref> Zu diesem Zeitpunkt wohnte Pamer im 4. Wiener Gemeindebezirk in der Johann-Strauß-Gasse 18.<ref name="Zentralkomitee" /> Nach dem Tod von Fuchs am 22. Juni 1911 stieg Pamer als dessen bisheriger Assistent zum Oberpolizeirat und zum Zentralinspektor der Wiener Sicherheitswache auf.<ref name="Ernennung Zentralinspektor" /> Pamer hatte bis zu seiner Ernennung eine Vielzahl wichtiger Referate des Zentralinspektorats inne und war unter dem früheren Zentralinspektor Hofrat Baron Gorup an der Neuorganisierung und Modernisierung der Sicherheitswache hauptbeteiligt.<ref name="KRZ, 11.09.1911" /> An der Redaktion der von Hofrat Baron Gorup herausgegebenen Lehrbücher für die k. k. Sicherheitswache hatte Pamer außerdem großen Anteil.<ref name="KRZ, 11.09.1911" /> Außerdem galt er als Fachmann auf dem Gebiet des Polizeihundewesens.<ref name="KRZ, 11.09.1911" /> Im Oktober 1911 nahm er an einer allgemeinen Audienz des Kaisers teil.<ref>Kleine Chronik.. In: Wiener Zeitung, 12. Oktober 1911, S. 27 (online bei ANNO)., abgerufen am 5. Februar 2024</ref>
Als Zentralinspektor der (Bundes-)Sicherheitswache war er von 1911 bis 1923 tätig,<ref>Serie: 150 Jahre Sicherheitswache (2), S. 57 und S. 60, abgerufen am 5. Februar 2024</ref> stieg 1923 zum Vizepräsidenten auf wurde 1930 in den Ruhestand versetzt<ref>„Ich bestelle Sie hiemit zur Leitung des Außenamtes, …“ Das Tagebuch von Heinrich Wildner 1945, abgerufen am 4. Februar 2024</ref> und hatte bis 1945 vier Wechsel des politischen Systems in Österreich erlebt. Seine Bestellung durch Karl Renner zum Polizeipräsidenten im April 1945 signalisierte das Anknüpfen der Sicherheitsverwaltung an die Zeit vor dem NS-Regime, war aber auf Grund seines bereits hohen Lebensalters von fast 79 Jahren nur von kurzer Dauer. Pamer selbst sah sich ohnehin nur als Platzhalter.<ref name="zeitgeschichte">Zeitgeschichte - Polizeiarbeit im besetzten Österreich, S. 45, abgerufen am 5. Februar 2024</ref> Am 19. April 1945 erließ er einen Geschäftsplan für die Polizeidirektion Wien mit den drei zentralen Abteilungen Staatspolizei, Kriminalpolizei und Administrativpolizei.<ref name="zeitgeschichte" /> Nachdem er kurz vor seinem 80. Geburtstag in den endgültigen Ruhestand versetzt worden war, trat Arthur Klauser seine Nachfolge als Polizeipräsident an.<ref name="zeitgeschichte" /> In Pamers Amtszeit fiel auch die Übersiedelung des Wiener Polizeidirektion vom Niederösterreichischen Landhaus in der Herrengasse 13, die dort ab März 1945 untergebracht war, ins Deutschmeister-Palais am Parkring im Juli 1945.<ref name="zeitgeschichte" />
Darüber hinaus trat Pamer auch schriftstellerisch und publizistisch in Erscheinung. Zwischen 1908 und 1912 veröffentlichte er unter anderem Organisation und Instruktion der Wiener k.k. Sicherheitswache in vier Bänden. Zeitlebens wurde er mit dem Sonnen- und Löwenorden (1901),<ref name="Sonnen- und Löwenorden" /> dem Franz-Joseph-Orden (1908),<ref name="Franz-Joseph-Orden" /> dem Orden der Eisernen Krone und dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.
Am 16. Juli 1957 starb Pamer 90-jährig in Wien und wurde am 19. Juli 1957 in einem Familiengrab am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 2, Reihe 3, Nr. 28) bestattet.<ref>Grab von Ignaz Pamer auf der offiziellen Webpräsenz der Friedhöfe Wien, abgerufen am 4. Februar 2024</ref>
Weblinks
- Ignaz Pamer im Verzeichnis der künstlerischen, wissenschaftlichen und kulturpolitischen Nachlässe in Österreich
Einzelnachweise
<references />
Kaisertum Österreich (bis 1873): k.k. Polizeidirektoren: Philipp Weber von Ebenhof | Joseph Strobach von Kleisberg | Anton von Le Monnier
Kaisertum Österreich (1873–1918): k.k. Polizeipräsidenten: Anton von Le Monnier | Wilhelm Marx von Marxberg | Karl Krticzka von Jaden | Franz von Krauß | Franz von Stejskal | Johann von Habrda | Karl von Brzesowsky | Ferdinand Gorup von Besánez | Edmund von Gayer | Johann Schober (Leiter)
Deutschösterreich, Republik Österreich und Bundesstaat Österreich (1918–1938): Polizeipräsidenten: Johann Schober | Franz Brandl | Eugen Seydel | Michael Skubl
Deutsches Reich (1938–1945): Polizeipräsidenten: Otto Steinhäusl | Ernst Kaltenbrunner | Leo Gotzmann
Republik Österreich (1945–2012): Polizeipräsidenten: Ignaz Pamer | Arthur Klauser | Josef Holaubek | Karl Reidinger | Günther Bögl | Peter Stiedl | Gerhard Pürstl
Republik Österreich (seit 2012): Landespolizeipräsidenten: Gerhard Pürstl
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pamer, Ignaz |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Polizist, Polizeipräsident von Wien |
| GEBURTSDATUM | 27. August 1866 |
| GEBURTSORT | Korneuburg, Kaisertum Österreich |
| STERBEDATUM | 16. Juli 1957 |
| STERBEORT | Wien, Österreich |
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- Träger des Sonnen- und Löwenordens
- Träger des Franz-Joseph-Ordens (Ritter)
- Träger des Ordens der Eisernen Krone (Ausprägung unbekannt)
- Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich (1952)
- Polizeipräsident (Wien)
- Verwaltungsjurist
- Beamter (Republik Österreich)
- Beamter (Cisleithanien)
- Österreicher
- Geboren 1866
- Gestorben 1957
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