Ferdinand Gorup von Besánez
Ferdinand Johann Gorup Freiherr von Besánez (* 1. Februar 1855 in Saaz, Böhmen; † 15. April 1928 in Wien) war ein österreichischer Polizeijurist und Polizeipräsident von Wien.
Herkunft
Sein Großvater war der General der Kavallerie Johann Matthias Gorup von Besánez (* 25. September 1749; † 17. Februar 1835), dieser wurde 1816 mit dem Prädikat von Besánez in den österreichischen Freiherrenstand erhoben. Sein Eltern waren der Rittmeister Gustav Gorup von Besánez (* 9. Mai 1810; † 28. November 1866) und dessen Ehefrau Luise Elisabeth von Reichle (* 11. Dezember 1820; † 10. August 1898).<ref>Nach anderen war die Mutter: eine geborene Schmied und Tochter eines Bürgers aus Loket on Böhmen. Vgl.: Eintrag im Geburtenregister von Saaz</ref>
Sein Onkel Eugen Franz Serafin Gorup von Besánez (* 15. Januar 1817; † 24. November 1887) war Professor an der Universität Erlangen und bayrischer Freiherr.
Leben und Wirken
Er wurde in Nr. 64 auf dem heutigen Hošťálkovo Platz geboren. Seinen Vornamen und Titel erhielt er von seinem Vater, der Beamter der Bezirkswirtschaftsverwaltung in Žatec war. Gorup studierte ab 1873 Jus an der Universität Wien und wurde 1876 Mitglied der Burschenschaft Teutonia Wien. Er trat 1880 als Konzeptspraktikant bei der niederösterreichischen Statthalterei in den Staatsdienst. 1887 wurde er in die k.k. Polizeidirektion Wien berufen.
Als Polizeibeamter soll Gorup 1889 nach den Vorfällen in Schloss Mayerling nahe Wien gemeinsam mit Johann von Habrda, dem damaligen Polizeipräsidenten von Wien, daran beteiligt gewesen sein, die uneingesargte Leiche von Mary Vetsera im Geheimen vom Jagdschloss in Mayerling auf den Friedhof des Stifts Heiligenkreuz zu bringen<ref>→ Geschichte → Personen → Orte → Theorien → Archiv → Forum auf mayerling.de.</ref>.
1901–1908 fungierte er als Zentralinspektor der k.k. Sicherheitswache, d. h. als organisatorischer Leiter der uniformierten Wiener Polizei<ref>Zentralinspektorat der Wiener Bundessicherheitswache (Hrsg.): Sechzig Jahre Wiener Sicherheitswache, im Selbstverlag der Bundespolizeidirektion Wien, Wien 1929, S. 42.</ref>. In diese Zeit fiel 1904 die Eingemeindung von Floridsdorf als 21. Bezirk, dem nunmehr flächengrößten von Wien; die Großgemeinde hatte schon zuvor zum Wiener Polizeirayon gehört. Am 28. November 1905 hatte Gorup mit der Sicherheitswache eine Wahlrechtsdemonstrationen auf der Wiener Ringstraße mit 250.000 (!) Teilnehmern<ref>Hennings: So lange er lebt, S. 51.</ref> zu begleiten, die in feierlichem Schweigen ablief. 1906 wurde bei einer internationalen Automobilausstellung in Wien auf die begonnene Motorisierung der Stadt hingewiesen<ref>Hennings: So lange er lebt, S. 67.</ref>, die die Sicherheitswache vor neue Aufgaben stellte.
Gorup von Besánez war ohne diesbezügliches Amt juristischer Berater von Kaiser Franz Josef. 1914–1917 war er Polizeipräsident in Wien und somit der vorletzte Polizeipräsident zu Zeiten der Monarchie vor Edmund von Gayer (1860–1952).
Nach einer Trauerrede im Schulverein für Beamtentöchter von einem Schlaganfall getroffen, verschlechterte sich Gorups Gesundheitszustand, und er verstarb kurze Zeit nach seinem Zusammenbruch in seiner Wohnung Tulpengasse 2, Wien-Josefstadt. Er wurde am 18. April 1928 auf dem Hietzinger Friedhof bestattet (Gruppe 11, Nr. 95).<ref>Kleine Chronik. (…) Der frühere Polizeipräsident Gorup gestorben. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 22839/1928, 16. April 1928, S. 4 Mitte. (online bei ANNO).</ref> Seine Ehefrau, geborene Johanna Helene Reithoffer aus der Industriellenfamilie nach Johann Nepomuk Reithoffer, erlag mit 73 Jahren am 17. Juli 1941 in Wien einem schweren Leiden. Das Paar hatte einen Sohn: Ferdinand (* 20. Dezember 1897).
Literatur
- Gorup von Besánez Ferdinand Johann Frh.. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 34.
- Fred Hennings: Solange er lebt. Band 2: Die Weichen werden gestellt. Herold, Wien/München 1969, OBV.
- Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker, Teilband II: F–H. Winter, Heidelberg 1999, ISBN 3-8253-0809-X, S. 160.
- Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 1901, S. 241
Einzelnachweise
<references />
Kaisertum Österreich (bis 1873): k.k. Polizeidirektoren: Philipp Weber von Ebenhof | Joseph Strobach von Kleisberg | Anton von Le Monnier
Kaisertum Österreich (1873–1918): k.k. Polizeipräsidenten: Anton von Le Monnier | Wilhelm Marx von Marxberg | Karl Krticzka von Jaden | Franz von Krauß | Franz von Stejskal | Johann von Habrda | Karl von Brzesowsky | Ferdinand Gorup von Besánez | Edmund von Gayer | Johann Schober (Leiter)
Deutschösterreich, Republik Österreich und Bundesstaat Österreich (1918–1938): Polizeipräsidenten: Johann Schober | Franz Brandl | Eugen Seydel | Michael Skubl
Deutsches Reich (1938–1945): Polizeipräsidenten: Otto Steinhäusl | Ernst Kaltenbrunner | Leo Gotzmann
Republik Österreich (1945–2012): Polizeipräsidenten: Ignaz Pamer | Arthur Klauser | Josef Holaubek | Karl Reidinger | Günther Bögl | Peter Stiedl | Gerhard Pürstl
Republik Österreich (seit 2012): Landespolizeipräsidenten: Gerhard Pürstl
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gorup von Besánez, Ferdinand |
| ALTERNATIVNAMEN | Gorup von Besánez, Ferdinand Johann |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Verwaltungsjurist, Polizeipräsident von Wien |
| GEBURTSDATUM | 1. Februar 1855 |
| GEBURTSORT | Saaz, Böhmen |
| STERBEDATUM | 15. April 1928 |
| STERBEORT | Wien |
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- Polizeipräsident (Wien)
- Jurist in der Polizeiverwaltung
- Beamter (Cisleithanien)
- Absolvent der Technischen Universität Wien
- Burschenschafter (19. Jahrhundert)
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- Österreicher
- Geboren 1855
- Gestorben 1928
- Mann
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