Alfred Walterspiel
Alfred Walterspiel (* 11. Mai 1881 in Steinbach bei Baden-Baden; † 8. Mai 1960 in München) war ein deutscher Koch, Gastronom und Hotelier, verbunden vor allem mit dem Hotel Vier Jahreszeiten in München, das er von 1926 bis 1960 gemeinsam mit seinem Bruder Otto Wilhelm (1884–1974) führte.
Leben und Wirken
Nach seiner Ausbildung als Konditor in Karlsruhe und Koch im Straßburger Restaurant Germania, wird er 1898 Aide (Hilfskraft) im Baden-Badener Hotel Bellevue<ref>Bernd Hefter: Steinbacher Brüder prägen Münchens Spitzengastronomie. In: Klaus Michael Baur (Hrsg.): Badisches Tagblatt. Nr. 143. Badische Neueste Nachrichten Badendruck GmbH, Karlsruhe 25. Juni 2025, S. 24.</ref>. Um 1900 arbeitet er im Hotel-Restaurant Erbprinz in Ettlingen<ref>Haute Cuisine: Der „Erbprinz“ knüpft an alte Größe an - Nah - FAZ. 1. August 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. August 2016; abgerufen am 26. September 2022.</ref> und in der Folge in führenden Restaurants in Cannes, Stockholm, St. Petersburg und London in verantwortlichen Positionen.
In Berlin war er Küchenchef im Hotel Kaiserhof, zu dem auch das Hotel Atlantic in Hamburg gehörte. Dort eröffnete er 1909 das Restaurant Pfordte.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />gastrogeschichte.de: Alfred Walterspiel ( vom 16. Januar 2016 im Internet Archive)</ref> 1910 leitete er auch das deutsche Restaurant auf der Weltausstellung in Brüssel. 1911 kaufte er von Louis Adlon das Restaurant Hiller in Berlin,<ref>Alfred Walterspiel. 16. Januar 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Januar 2016; abgerufen am 2. Oktober 2022.</ref> das ihm in kurzer Zeit Berühmtheit verschaffte. Gleichzeitig begann seine jahrzehntelange Partnerschaft mit seinem jüngeren Bruder Otto Walterspiel (1884–1974). Das Restaurant Hiller musste 1917 aufgrund des kriegsbedingt unzeitgemäßen Luxusbetriebes geschlossen werden.
1922 zogen beide Brüder nach München und führten dort in der Fürstenstraße ihr bekanntes Restaurant Walterspiel. 1926 erwarben sie das Hotel Vier Jahreszeiten in München. Sowohl das Restaurant als auch das Hotel Vier Jahreszeiten galten unter ihrer Leitung in Europa als „erste Adresse“, auch dank der Kochkunst Alfred Walterspiels.
Auch während der Zeit der Nationalsozialistischen Herrschaft blieb das Hotel „ein offenes Haus“ ohne Restriktionen für seine internationalen Gäste. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt, 1944 brannten alle bis auf den direkt an der Maximilianstraße gelegenen Gebäudeflügel vollständig aus. Ende 1947 erhielten die Brüder Walterspiel von der Besatzung die Erlaubnis zum Wiederaufbau des Hotels. Das Restaurant Walterspiel wurde 1950 wieder eröffnet.
Als Alfred Walterspiel 1960 starb, wurden seine Söhne Georg (1921–1999)<ref>Prof. Georg Walterspiel 70 Jahre. Abgerufen am 26. September 2022.</ref> und Klaus Walterspiel Geschäftsführer.<ref>Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski München. In: Cosmopolis. Abgerufen am 26. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Alfred Walterspiels Neffe<ref>Hotel Vier Jahreszeiten Munich by Grand Hotels of the World.com. Abgerufen am 4. Juli 2025.</ref> Karl-Theodor Walterspiel (1933–2000) wurde 1968 Geschäftsführer des Hotel Atlantic in Hamburg.<ref>Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1303.</ref>
Auch nach seinem Tod wurde das Restaurant Walterspiel weitergeführt und gehörte 1966 zu den 66 Häusern, die im ersten deutschen Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet wurden.<ref>100 Jahre MICHELIN-Führer Deutschland: Die ersten 66 Sterne von 1966. 29. Dezember 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Dezember 2009; abgerufen am 3. Oktober 2022.</ref><ref>Geschichte des Guide Michelin in Deutschland. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. September 2020; abgerufen am 14. September 2019.</ref> Von 1970 bis 1980 kochte Dieter Biesler im Walterspiel.
2014 wurde es als Restaurant Schwarzreiter wiedereröffnet,<ref>Andreas Schubert: Restaurant „Schwarzreiter“: Neue bayerische Küche. Abgerufen am 24. Juli 2021.</ref> das von 2018 bis 2022 mit einem Michelinstern ausgezeichnet wurde.<ref>Schwarzreiter. Abgerufen am 8. Juni 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Schriften
- Meine Kunst in Küche und Restaurant, Eigenverlag 1952, Süddeutscher Verlag 1963, Deutscher Taschenbuch-Verlag 1987, ISBN 3-423-01713-9.
- Otto Walterspiel: Ein offenes Haus: Meine Kindheit im Hotel Vier Jahreszeiten, ISBN 978-3431038606. Erinnerungen von Alfred Walterspiels Neffen Otto Walterspiel (* 1927).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />luebbe.de: Otto Walterspiel ( vom 10. August 2016 im Internet Archive)</ref>
Literatur
- Richard Winkler: Walterspiel. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 27. Duncker & Humblot, Berlin 2020, ISBN 978-3-428-11208-1, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de). (zur Familie)
Weblinks
- Literatur von und über Alfred Walterspiel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Alfred Walterspiel in gastrogeschichte.de ( vom 16. Januar 2016 im Internet Archive)
- Speisekarten von 1957 und 1931
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Walterspiel, Alfred |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Koch, Gastronom, Hotelier |
| GEBURTSDATUM | 11. Mai 1881 |
| GEBURTSORT | Steinbach bei Baden-Baden |
| STERBEDATUM | 8. Mai 1960 |
| STERBEORT | München |