Haus am Waldsee
Das Haus am Waldsee im Berliner Ortsteil Zehlendorf des Bezirks Steglitz-Zehlendorf ist eine Kunstinstitution, die in wechselnden Ausstellungen die Kunst der Gegenwart in einer historischen Villa am Rande der Stadt präsentiert. Als älteste bestehende Institution für zeitgenössische Kunst in Berlin begründet sich seine Bedeutung in seinem historischen Umfeld und vor allem in seiner einzigartigen Ausstellungsgeschichte. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 eröffnet, prägte das Haus von Beginn an ein unermüdliches Engagement für die Kunst. Es diente als künstlerische Heimat der avantgardistischen und progressiven Stimmen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfemt und mit Ausstellungsverboten belegt waren. Das Programm reicht von Bildender Kunst, Design und Architektur bis hin zu Positionen, die mit Performance, Film, Komposition und Sound arbeiten. In bis zu vier Ausstellungen pro Jahr sowie regelmäßigen Interventionen im Garten – begleitet von Konzerten, Lesungen, und Performances – werden zentrale Themen unserer Zeit aufgegriffen, zugänglich gemacht und mit einem breiten Publikum verhandelt. Das Programm des Hauses setzt sich schwerpunktmäßig mit künstlerischen Werkkomplexen auseinander, die in stetigem Austausch mit der Institution, ihrer Geschichte, der Architektur und dem Garten stehen. Neben der Neuvorstellung internationaler künstlerischer Positionen in Berlin will das Haus vor allem noch unentdeckten Künstlern eine Plattform bieten. Dabei sollen anhand der Kunst drängende gesellschaftliche und politische Fragen reflektiert werden.<ref>Leitbild Haus am Waldsee. Haus am Waldsee, abgerufen am 11. März 2026.</ref> Seit Juni 2022 ist die Kunsthistorikerin Anna Gritz Direktorin der Hauses.
Geschichte
Das Haus am Waldsee in der Argentinischen Allee 30 wurde in den Jahren 1922/1923 für den Fabrikanten Hermann Knobloch nach Entwürfen des Architekten Max Werner als Privatvilla erbaut. Bereits 1926 wurde die Villa verkauft und wechselte danach mehrfach den Eigentümer, bis 1942 die Allgemeine Film-Treuhand (AFT) der UFA das Anwesen erwarb. Genutzt wurde die Villa dann als Dienstwohnung von Karl Melzer, dem Generalsekretär der Internationalen Filmkammer und stellvertretenden Präsidenten der Reichsfilmkammer. 1945 wurde im Haus eine Erfassungsstelle des Bezirksamtes für in Zehlendorf ansässige Künstler eingerichtet. Als Ausstellungsort wurde das Haus am 6. Januar 1946 offiziell mit einer Ausstellung mit Werken von Käthe Kollwitz und Ewald Vetter eröffnet. Zu den Gründern vom Haus am Waldsee für moderne Musik und bildende Kunst gehörte der 1945 als Leiter des Kunstamts Berlin-Zehlendorf eingesetzte Fritz Aeckerle, der zuvor unter anderem als Regieassistent von Robert Adolf Stemmle tätig war.<ref>Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 7.</ref> In den ersten Jahren wurden hauptsächlich Künstler gezeigt, deren Werke während der Zeit des Nationalsozialismus als „entartet“ galten. Später folgten Ausstellungen mit renommierten zeitgenössischen Künstlern. Mit dieser Ausstellungstätigkeit erarbeitete sich das Haus am Waldsee einen internationalen Ruf als Ausstellungsort internationaler Gegenwartskunst.
Bis 1972 fiel dem damaligen Bezirk Zehlendorf die Finanzierung zu. Von 1973 bis 1985 unterstand die Einrichtung haushaltsrechtlich direkt dem Berliner Finanzsenator.<ref>Rochus Kowallek: Berlin: Haus am Waldsee bangt um seinen kargen Etat. Der Finanzsenator drehte plötzlich den Geldhahn zu. In: Art. Februar 1986, S. 9.</ref> Das Ausstellungshaus wird heute von einem gemeinnützigen Trägerverein verantwortet und durch den Bezirk Steglitz-Zehlendorf von Berlin mit einer jährlichen Zuwendung unterstützt. Alle Ausstellungsprojekte werden aus per Fundraising eingeworbenen „Drittmitteln“ finanziert. Unterstützend wirkt auch der Verein der Freunde und Förderer des Hauses am Waldsee e. V., der 2012 über 600 Mitglieder hatte.
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Skulpturenpark: Figur von Karl Hartung
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Skulpturenpark: Kreatur des Einfalls von Katja Strunz
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Waldsee
Ausstellungen (Auswahl)
- 1946: Käthe Kollwitz und Ewald Vetter
- 1948: Werner Scholz
- 1949: Pablo Picasso
- 1956: Heinz Trökes
- 1958: Renée Sintenis
- 1962: Gegenwart bis 1962
- 1968: Kinetische Kunst
- 1981: Niki de Saint Phalle
- 1982: Frida Kahlo und Tina Modotti
- 1983: Cindy Sherman und Maria Lassnig
- 1985: Meret Oppenheim
- 1989: Marianne von Werefkin
- 1992/93: Photo-Sequenzen. Reportagen, Bildgeschichten, Serien aus dem Ullstein Bilderdienst von 1925 bis 1944
- 2005: Thomas Florschuetz
- 2007: Thomas Rentmeister
- 2007: Henry Moore
- 2008: Olav Christopher Jenssen
- 2009: Clemens Krauss
- 2009: Carla Guagliardi und Simon Faithfull – Schwerelos
- 2009/10: Corinne Wasmuht – Supracity<ref>Corinne Wasmuht. Supracity. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2010: Frank Nitsche: Frank Nitsche – COCKTAILHYBRIDCONCEPT feat. Yves Netzhammer<ref>Frank Nitsche. COCKTAILHYBRIDCONCEPT feat. Yves Netzhammer. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2011: Bjørn Melhus – Live Action Hero<ref>Bjørn Melhus. Live Action Hero. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2013: Werner Aisslinger – Home of the Future<ref>Werner Aisslinger. Home of the Future. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2013: Stefan Panhans – Too much change is not enough<ref>Stefan Panhans. Too much change is not enough. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2014: 8. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst<ref>8. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2014/2015: Haus-Rucker-Co. Architekturutopie Reloaded<ref>Haus-Rucker-Co. Architekturutopie reloaded. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
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- 2015: Alicja Kwade – Monolog aus dem 11ten Stock<ref>Alicja Kwade – Monolog aus dem 11ten Stock. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2016: Leiko Ikemura – ...und plötzlich dreht der Wind<ref>Leiko Ikemura. ...und plötzlich dreht der Wind. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2016: J. Mayer H. – Strukturalien – Architektur als urbane Plastik<ref>J.MAYER.H. Strukturalien. Architektur als urbane Plastik. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2017: Franz Marc – VERMISST – Der Turm der blauen Pferde<ref>VERMISST! Der Turm der blauen Pferde von Franz Marc. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2019: Karin Sander – A bis Z<ref>Karin Sander. A bis Z. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2019: Lynn Chadwick – Biester der Zeit – Doppel-Retrospektive<ref>Biester der Zeit. Lynn Chadwick, Katja Strunz, Hans Uhlmann. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2022: Thomas Florschuetz – Überlagerungen<ref>Thomas Florschuetz. Überlagerungen. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2023: Margaret Raspé – Automatik<ref>Margaret Raspé. Automatik. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2024: Jenna Bliss & Carol Rhodes
- 2024: Josephine Pryde – How Frequency The Eye<ref>Josephine Pryde. How Frequency The Eye. In: hausamwaldsee.de. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2024: Gisèle Vienne – This Causes Consciousness to Fracture – A Puppet Play<ref>Gisèle Vienne. This Causes Consciousness to Fracture – A Puppet Play. In: deeds.news. Abgerufen am 25. August 2024.</ref>
- 2025: Ull Hohn – Revisions
- 2025: Nina Könnemann – BLOCKEN / Further Reductions
- 2025: Beverly Buchanan – Weathering
Leitung
- 1948–1958: Karl Ludwig Skutsch
- 1958–1961: Eberhard Marx
- 1961–1963: Manfred de la Motte
- 1964–1993: Thomas Kempas
- 1994–2004: Barbara Straka
- 2005–2021: Katja Blomberg
- seit 2022: Anna Gritz
Literatur
- Katja Blomberg: Kunst mit Bahnanschluss. 75 Jahre Haus am Waldsee. In: Heimatverein Zehlendorf e. V. (1886) (Herausgeber): Jahrbuch 2021, 25. Jahrgang. Berlin 2020 S. 11–17
Weblinks
- Literatur von und über Haus am Waldsee im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Geschichte des Hauses am Waldsees
- Einträge in der Berliner Landesdenkmalliste:
Belege
<references />
Koordinaten: 52° 26′ 31,6″ N, 13° 14′ 18,4″ O
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