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Karin Sander (Künstlerin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Karin Sander by Jens Ziehe 190111 001a.jpg
Karin Sander (2011)

Karin Sander (* 13. Mai 1957 in Bensberg, Nordrhein-Westfalen<ref>Bildende Kunst – Mitglieder – Karin Sander. In: adk.de. Abgerufen am 3. September 2025.</ref>) ist eine deutsche Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Zürich. Karin Sander arbeitet medienübergreifend mit Skulptur, Installation, Performance, Fotografie, Film/Video und Architektur. Im Zentrum ihrer Konzeptarbeiten steht die Auseinandersetzung mit bestehenden Situationen, Räumen und institutionellen Kontexten. Ihre Arbeiten greifen in vorhandene Strukturen ein, verändern diese und machen sie neu lesbar.<ref>Offizielle Website. In: Karin Sander. Abgerufen am 15. April 2026.</ref><ref>Artists. In: Galerie Esther Schipper. Abgerufen am 15. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Artists. In: Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder. Abgerufen am 15. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Arthotek Künstler. In: n.b.k. Berlin. Abgerufen am 15. April 2026.</ref>

Leben

Karin Sander studierte an der Freien Kunstschule und an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. u. a. bei Jürgen Brodwolf. 1989–1990 erhielt sie ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für New York, wo sie das International Study/Studio Program (ISP) des Whitney Museum of American Art besuchte. Karin Sander wurde zu Gastprofessuren, nebst anderen an die Iceland Academy of Arts, Reykjavík (Listaháskóli Íslands, 1993), an das California Institute of the Arts, Valencia, Los Angeles (1995), an die Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe (1995–1996), die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (1997–1998) sowie an die Elam School of Fine Arts, Auckland (2003), eingeladen. Von 1999 bis 2007 war sie Professorin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und von 2007 bis 2023 hatte sie den Lehrstuhl für Architektur und Kunst an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH Zürich inne. Sander vertrat 2023 gemeinsam mit dem Kunst- und Architekturhistoriker Philip Ursprung mit dem Projekt „Neighbours“ die Schweiz zur 18. Architekturbiennale in Venedig im Schweizer Pavillon, nominiert von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />«Neighbourhood»: Swiss contribution to the Venice Architecture Biennale 2023 (Memento vom 6. Juli 2022 im Internet Archive; PDF) (englisch).</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Karin Sander und Philip Ursprung vertreten die Schweiz an der 18. Internationalen Architekturausstellung – La Biennale di Venezia (Memento vom 6. März 2023 im Internet Archive)</ref> Sander ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund.<ref>Karin Sander. In: kuenstlerbund.de. Abgerufen am 3. September 2025.</ref> 2007 wurde sie in die Akademie der Künste Berlin gewählt. Seit November 2021 ist Sander dort Direktorin der Sektion Bildende Kunst.<ref>Jeanine Meerapfel und Kathrin Röggla setzen ihre Arbeit als Präsidentin und Vizepräsidentin der Akademie der Künste für weitere drei Jahre fort. In: adk.de. 13. November 2021, abgerufen am 3. September 2025.</ref>

Karin Sander wird von den Galerien Esther Schipper, Berlin (seit 2012), I8 Gallery, Reykjavik (seit 2000), Galeria Helga de Alvear, Madrid (seit 1995) und Galerie Nächst St. Stephan – Rosemarie Schwarzwälder, Wien (seit 1994) vertreten.

Kultur- und stadtpolitisch engagiert sie sich in Berlin für den Schutz von Atelierräumen für Künstler, u. a. bei der Entwicklung des Geländes der Uferhallen und auf dem Werkhof L57.

Werk (Auswahl)

In ihren Ausstellungen bezieht sich Karin Sander auf bestehende Situationen und thematisiert deren institutionellen und historischen Kontext. Sie greift mit ihren meist ortsspezifischen Interventionen in die Strukturen der Institutionen ein, verändert sie, hebt Sachverhalte hervor und lädt zur Partizipation ein. Das scheinbar Vertraute wird neu gedacht, es wird zum Ausgangspunkt eines Erkundungsprozesses. Dabei verwendet sie verschiedene Medien, darunter Malerei, Skulptur, Zeichnung, elektronische Medien, Film und Fotografie. Seit 1997 arbeitet sie mit der 3D-Scan- und Drucktechnologie und errichtet partizipative Laborsituationen im Museum. Dabei geht es ihr um eine konzeptuelle Inszenierung des Ortes und das Neuprogrammieren existierender Systeme.<ref>Daniel Völzke: Karin Sander im Interview: "3-D-Technik verändert die Kunst". In: monopol-magazin.de. 22. März 2013, abgerufen am 3. September 2025.</ref>

Wandstücke (seit 1986)

Wandstücke ist eine langjährige Werkgruppe, bei der durch Schleifen und Polieren von abgegrenzten Flächen der Wand spiegelnde Flächen entstehen, die ihre Umgebung reflektieren. Das Bild entsteht hier nicht durch Hinzufügen, sondern durch Abtragen von Material. Sander greift das Thema der Illusion einer Wandöffnung in der traditionellen Tafelmalerei auf und wandelt sie um: je nach Standort des Betrachters verändert sich das Bild im Raum. Das Verhältnis zwischen real existierender Räumlichkeit und Abbildung auf einer zweidimensionalen Fläche ist erweitert. Die polierten Wandstücke waren unter anderem im Museum Abteiberg, Mönchengladbach (permanent seit 1992), im Museum of Modern Art, New York (1994) und im Solomon R. Guggenheim Museum, New York (2004) zu sehen.<ref>Anne Umland: Karin Sander. Projects. (PDF) The Museum of Modern Art, New York, 1994, abgerufen am 16. April 2026.</ref><ref>Anke Hervol: Karin Sander. nothingtoseeness.de, abgerufen am 16. April 2026.</ref><ref>Pressemitteilung | Singular Forms (Sometimes Repeated). Guggenheim, New York, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 16. April 2026.</ref>

Hühnerei, poliert, roh, Größe 0 (1994)

Das Hühnerei, poliert, roh, Größe 0 (1994) gehört zu Sanders frühen skulpturalen Arbeiten. Durch Schleifen und Polieren der ursprünglich matten Eierschale entsteht eine hochglänzende, fast transparente Oberfläche. Die spiegelnde Oberfläche reflektiert die Umgebung, während ein zarter gelblicher Schimmer das Innere des Eis andeutet. Die Transformation eines fragilen Alltagsobjekts in eine minimalistische Skulptur thematisiert Feminismus sowie Gegensätze wie Sichtbarkeit und Verborgenes oder Naturform und künstlerisches Werk. Die Arbeit war unter anderem Teil der Wanderausstellung "Leiblicher Logos" des Instituts für Auslandsbeziehungen (1995–2002).<ref>Letizia Ragaglia, Museion, Bozen (Hrsg.): Karin Sander. Skulptur / Sculpture / Scultura. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2020, ISBN 978-3-96098-856-4.</ref>

Gebrauchsbilder (seit 1990)

Die Gebrauchsbilder zählen zu den zentralen konzeptuellen Werkgruppen von Karin Sander. Die Vorstellung eines Bildes als Abbild der Realität ist Gebrauchsbilder gewissermaßen wörtlich umgesetzt als unmittelbarer Abdruck eines Prozesses. Die Handlungsanleitung an den Sammler oder die Institution, das Werk ungeschützt an einem vom Sammler bestimmten Ort zu installieren, führt zu einer Form der gemeinsamen Urheberschaft und künstlerischen Autorschaft. Die Gebrauchsbilder knüpfen an performative und prozesshafte Kunstformen an und verstehen das Werk als offene Handlung. Die Werkgruppe ist ein Beispiel dafür, wie Sander gezielt in private und institutionelle Abläufe eingreift, um deren Bedingungen sichtbar zu machen und sie durch minimale Eingriffe nachhaltig zu verändern.<ref>Harald Welzer: Alles ist immer schon da. Über das Werk von Karin Sander. In: Marius Babias, Neuer Berliner Kunstverein, Berlin (Hrsg.): Karin Sander. Ausstellungskatalog. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2012, ISBN 978-3-86335-072-7, S. 378–383.</ref><ref>John Waters: There´s a fungus among us. In: Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Kunstmuseum St. Gallen (Hrsg.): Karin Sander. Gebrauchsbilder. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2011, ISBN 978-3-86984-235-6, S. o. S.</ref>

Mailed Paintings (seit 2004)

Die zunächst weiß grundierten Leinwände werden ohne konservatorischen Schutz an die jeweilige Institution per Post transportiert und ausgestellt. Die dabei entstehenden Spuren schreiben sich in die Oberfläche ein, sie zeigen die Transportwege und verändern das Bild auf ihren Reisen kontinuierlich.<ref>Mailed Paintings. Karin Sander, abgerufen am 16. April 2026.</ref>

Kitchen Pieces (seit 2012)

Für ihre Werkgruppe der Kitchen Pieces verwendet Sander frisches Obst und Gemüse, das sie einzeln, direkt an die Wände nagelt. Die Arbeiten erinnern formal an die Tradition von klassischen Stillleben in der Malerei, unterlaufen diese jedoch durch die reale Präsenz und den Verfallsprozess der Früchte/des Gemüses. Der organische Zerfall wird Teil der Arbeit und verändert kontinuierlich ihre Erscheinung in der Ausstellung. Die Werke thematisieren Vergänglichkeit und Alltag. Durch die Verschiebung eines gewöhnlichen Gegenstands in den Kunstraum entsteht eine Irritation zwischen ästhetischer Erwartung und realer Materialität.<ref>Harald Welzer: Gemüse performt Gemüse. In: Nikolaus Kuhnert, Anh-Linh Ngo (Hrsg.): Arch+ Kunst, Zeitschrift für Architektur und Urbanismus. 57. Jahrgang. Arch+/Spector Books, Berlin / Leipzig 2024, ISBN 978-3-95905-844-5, S. 96–97.</ref>

3D-Bodyscans (seit 1997)

Mit den 3D-Bodyscans gehört Karin Sander zu den Künstlern, die sehr früh digitale Scan- und Drucktechnologien in die Kunst integriert haben. Personen werden mithilfe von 3D-Scannern erfasst und maßstabsgerecht als farbige Skulpturen reproduziert. Die digital generierten drei-dimensionalen Visualisierungen sind eine wichtige Werkgruppe in Sanders Schaffen. Sie verbinden technologische Präzision mit sozialer Interaktion und hinterfragen Repräsentation, Maßstab und Individualität. In Projekten wie Museumsbesucher 1:8 werden Besucherinnen und Besucher selbst zum Kunstwerk. Indem die Personen selbst entscheiden, wie sie gescannt bzw. als Skulptur gesehen werden wollen, erweitert Sander das Kunstwerk um soziale Prozesse. Das Genre Portrait wird zum integralen Bestandteil der Arbeit.<ref>Marion Ackermann, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf; Raimund Stecker, Lehmbruck-Museum, Duisburg (Hrsg.): Karin Sander. Museumsbesucher 1:8. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2013, ISBN 978-3-86335-346-9.</ref>

Zum 100-jährigen Jubiläum der Griffelkunst-Vereinigung 2025 schuf Karin Sander die Sonderedition „Nichts ist egal“. Jedes einzelne, mit dem Signaturstempel der Künstlerin versehene Blatt im Format 59,5 × 42,0 cm ist ein handbeschriebenes Unikat.<ref>Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V: Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V. Abgerufen am 2. März 2026.</ref>

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Skulptur Maximilian Joseph Graf von Montgelas. Daten aus überlieferten, historischen Skulpturen und Portraits, digital generiert und computergesteuert in Aluminium (gefräst) aus dem Jahr 2005 auf dem Promenadeplatz in München.

Werke im öffentlichen Raum (Auswahl)

Die Skulptur Maximilian Joseph Graf von Montgelas (2003–2005, München) basiert auf digital gescannten und ausgewerteten historischen Porträts. Ein Computer generierte dafür aus unterschiedlichen Bildquellen und Skulpturen eine neue, zusammengerechnete Skulptur der überlieferten, historischen Figur. Sander kombiniert in dieser Arbeit analoge und digitale Verfahren und verzichtet bewusst auf eine heroisierende Darstellung: Die Figur steht ohne Sockel in gleicher Größe wie ihre Nachbarn auf dem Promenadeplatz im öffentlichen Raum in München, gleichzeitig erzeugt die Größe der Skulptur eine Distanz. Das Werk reflektiert kritisch den Umgang mit Geschichte, Erinnerung und Denkmaltradition in der Gegenwart.

Weitere Werke im öffentlichen Raum

Sammlungen (Auswahl)

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Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen

Gruppenausstellungen

Auszeichnungen

Literatur (Auswahl)

Monografien

  • Karin Sander, Kunstmuseum St. Gallen; Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz, 1996, ISBN 3-89322-891-8
  • Karin Sander, hrsg. von Gudrun Inboden, Staatsgalerie Stuttgart; Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz, 2002, ISBN 978-3-7757-1162-3
  • Karin Sander. XML-SVG CODE – Quellcode / Source Code, hg. von Förderverein Museum gegenstandsfreier Kunst e. V. Otterndorf, 2010
  • Zeigen. Eine Audiotour durch Berlin von Karin Sander, Temporäre Kunsthalle Berlin; Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2010
  • Karin Sander. Gebrauchsbilder, hrsg. von Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und Kunstmuseum St. Gallen, Nürnberg: Verlag für moderne Kunst, 2011, ISBN 978-3-86984-235-6
  • Karin Sander. Ausstellungskatalog / Exhibition Catalog, hrsg. von Marius Babias, Neuer Berliner Kunstverein, Berlin; Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2012, ISBN 978-3-86335-072-7
  • Karin Sander. Museumsbesucher 1:8, hrsg. von Marion Ackermann, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf und Raimund Stecker, Lehmbruck-Museum, Duisburg, Köln: Walther König, 2013, ISBN 978-3-86335-346-9
  • Randomly Selected Works. Karin Sander, hrsg. von Nikolai Kunsthal Copenhagen; Akademie der Künste, Berlin, Copenhagen 2016
  • Karin Sander. A–Z. Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2019, ISBN 978-3-96098-440-5
  • Karin Sander. Skulptur / Sculpture / Scultura, hrsg. von Letizia Ragaglia, Museion, Bozen; Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2020, ISBN 978-3-96098-856-4
  • Karin Sander, Büroarbeiten Office Works; Kunsthalle Tübingen, hrsg. Nicole Fritz & Karin Sander, Tübingen, Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2021, ISBN 978-3-96098-985-1
  • Arch+ Kunst, Zeitschrift für Architektur und Urbanismus. 57. Jahrgang / April 2024, #255 Karin Sander, hg. von Nikolaus Kuhnert, Anh-Linh Ngo, ARCH+/Spector Books, Berlin/Leipzig 2024, ISBN 978-3-95905-844-5

Artikel und Interviews

  • Roberta Smith: Karin Sander. In: The New York Times. 5. Mai 2000
  • Hans Ulrich Obrist: In Conversation with Karin Sander. In: The New York Times Magazine. Nr. 6, 29. September 2002, S. 18–44[GF1]
  • Oliver Koerner von Gustorf: Counting Water, Collecting Words. In: The New York Times Magazine. Nr. 6, 29. September 2002, S. 48–51
  • Hans Ulrich Obrist (Hrsg.): Interview Marathon Stuttgart 24./25. Juni 2005. Institut für Buchgestaltung und Medienentwicklung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Stuttgart 2006, S. 123–126
  • Benjamin Paul: Trace Value. In: Artforum. Jg. 56, Nr. 8, April 2018, S. 137–143

Weblinks

Commons: Karin Sander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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