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Deutsche Akademie Rom Villa Massimo

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Deutsche Akademie Rom Villa Massimo
colspan="2" class="notheme" style="background-color:#Vorlage:Standardfarbe; padding: 1em 0; text-align: center;" | Datei:Deutsche Akademie Rom Villa Massimo Logo neu.svg
Gründung 1913
Trägerschaft Bundesrepublik Deutschland
Ort Rom
Direktorin Julia Draganović
Website https://www.villamassimo.de/
Datei:Haupthaus Villa Massimo.jpg
Haupthaus der Villa Massimo (2005)

Die Deutsche Akademie Rom Villa Massimo ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), kurz Villa Massimo, ist eine Kultureinrichtung in Rom. Sie gehört der Bundesrepublik Deutschland und ist die bedeutendste Einrichtung zur Spitzenförderung deutscher Künstler durch Studienaufenthalte im Ausland. Sie befindet sich im Geschäftsbereich des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Das verliehene Stipendium wird als Rompreis Villa Massimo bezeichnet.<ref>Villa Massimo: Villa Massimo Informationen. Villa Massimo, abgerufen am 8. August 2025.</ref>

Begründet und gestiftet wurde die Villa Massimo von dem jüdischen Unternehmer und großen Kunst-Mäzen Eduard Arnhold; die ersten Stipendiaten wurden 1913 aufgenommen. Die Einrichtung besteht aus dem Haupthaus in Rom am Largo di Villa Massimo im Stadtteil Nomentano und der Casa Baldi in Olevano Romano. Die Villa Serpentara, ebenfalls in Olevano Romano gelegen, gehört zur Akademie der Künste in Berlin und wird durch die Villa Massimo verwaltet.<ref>Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien: Statut der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo und der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi in Olevano Romano. (PDF) In: Website der Bundesregierung. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, abgerufen am 15. April 2019.</ref><ref>Villa Serpentara. In: Website der Villa Massimo. Deutsche Akademie Rom Villa Massimo, abgerufen am 15. April 2019.</ref>

Geschichte

Gründungsgeschichte und Idee

Datei:Villa Massimo- Foto di fine ottocento della Villa Massimo con il retro Casino nobile sullo sfondo.jpg
Ehemaliges Weingut und Casino der Villa Massimo um 1890

Im 16. Jahrhundert hatte die Familie Massimo eine Reihe von Grundstücken entlang der antiken Via Nomentana erworben und dort ein Weingut angelegt; als Landhaus nutzte sie das in der Via di Villa Ricotti gelegene sogenannte Casino aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, zu dem ein italienischer Garten gehörte; später wurde es Sitz verschiedener Botschaften.

Das Gelände der heutigen Villa Massimo, ein Teilgrundstück der weitläufigen Vigna Massimo, wurde im Dezember 1910 vom Berliner Unternehmer und Mäzen Eduard Arnhold erworben und noch im selben Jahr dem preußischen Staat geschenkt.<ref>Angela Windholz: Et In Academia Ego. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2060-4, S. 317.</ref> Arnhold kam damit dem zögerlichen Verhalten Preußens, das sich nicht zur Gründung eines Künstlerhauses entscheiden konnte, zuvor.<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 68.</ref> So sollten, nach dem Vorbild der 1666 gegründeten Französischen Akademie Villa Medici,<ref>Angela Windholz: Et In Academia Ego. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2060-4, S. 14, 281.</ref> u. a. die prekären Wohn- und Arbeitsbedingungen der deutschen Rompreis-Stipendiaten verbessert werden.<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 7, 22, 68.</ref> Zudem sollte Deutschland mit einer eigenen Institution der Künste im internationalen Wettstreit um kulturelle Präsenz in der „Ewigen Stadt“ an Bedeutung gewinnen.<ref>Angela Windholz: Et In Academia Ego. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2060-4, S. 15 ff.</ref>

Die Gründung der Deutschen Akademie fällt in die Zeit der Vorbereitungen zum 50-jährigen Jubiläum des Bestehens des Königreichs Italien, das in Rom auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Ernesto Nathan ganz im Zeichen von Kunst, Archäologie und Geschichte stehen sollte. Die Valle Giulia sollte, zusammen mit der neuerrichteten Galleria Nazionale d’Arte Moderna, zu einer „Città d’arte“ werden. Hiermit wurde in Rom der Grundstein für ein dichtes Netz an ausländischen Akademien<ref>Unione Internazionale | Istituti Membri Non Italiani. In: Unione Internazionale degli Istituti di Archeologia Storia e Storia dell'arte in Roma. Abgerufen am 21. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> gelegt, das in dieser weltweit einzigartigen Form bis heute besteht.<ref>Angela Windholz: Et In Academia Ego. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2060-4, S. 15 und 84 ff.</ref>

Bau der Villa Massimo 1910–1913

Datei:Villa-massimo-garten-ateliers.jpg
Ateliers und Park der Villa Massimo (2019)

Die Gebäude der Villa Massimo, das Haupthaus und die zehn Künstlerateliers, wurde von 1910 bis 1913 erbaut.<ref>Angela Windholz: Et In Academia Ego. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2060-4, S. 318 f.</ref> Eduard Arnhold bestellte den als Maler ausgebildeten Schweizer Maximilian Zürcher zum Architekten der Anlage.<ref>Julia Draganović und Theresa Brüheim: „In Rom ist man nie am falschen Platz“. In: Deutscher Kulturrat. 28. November 2019, abgerufen am 7. Mai 2020.</ref> Zürcher hatte in Florenz, wo er bereits historische Landsitze in Künstlerresidenzen umgewandelt hatte, sein Talent bewiesen. Bei den Planungen waren neben Zürcher stets auch Künstler, allen voran Ludwig von Hofmann und der Bildhauer Luis Tuaillon, beteiligt.<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 36, 68 f.</ref> Der Vorschlag Tuaillons, das Haupthaus von den Ateliers zu trennen, wurde schließlich verwirklicht.<ref name=":0">Angela Windholz: Et In Academia Ego. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2060-4, S. 319–323.</ref>

Die Anlage wurde als Künstlerhaus konzipiert: Das Haupthaus, in dem z. B. ein Ausstellungs- und ein Speisesaal sowie eine Bibliothek vorgesehen waren, hat nur knapp die Grundfläche von drei Ateliers.<ref name=":1">Angela Windholz: Et In Academia Ego. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2060-4, S. 324.</ref> Die Erfordernisse der Künstler, die Zugang zu bestmöglichen Arbeitsstätten haben sollten, standen bei der Planung im Vordergrund.<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2019, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 36.</ref> Durch die Bauweise der Ateliers wurden schon früh Ideen einer „sozialen Architektur“ umgesetzt. Auf Wunsch des Bauherrn wurden sie funktional und bis auf kleine Abweichungen identisch gestaltet. Durch die sachliche, reihenhausartige Ästhetik sollten alle Künstler gleichgestellt und soziale Ungerechtigkeiten vermieden werden. Außerdem sollten die großzügigen Räume die Realisierung von großen Leinwänden und Reiterstatuen ermöglichen.<ref name=":0" />

Das Haupthaus wurde von Zürcher so gestaltet, dass der Eindruck einer römischen Villa Suburbana aus dem späten Cinquecento erweckt wird, wobei die Villa Giulia bei der Fassadengestaltung als Vorbild diente.<ref name=":2">Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 37, 40.</ref><ref>Angela Windholz: Et In Academia Ego. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2060-4, S. 326.</ref> Das Gebäude wird durch offene Terrassenannexe optisch verbreitert, die es herrschaftlich wirken lassen. Zürcher wendete diesen gestalterischen Trick an, um so ein wesentlich größeres Bauvolumen vorzutäuschen. Denn trotz der geringen Tiefe des Haupthauses der Villa Massimo von nur wenigen Metern ist der Eindruck auf den Besucher beim Betreten des Hauptplatzes majestätisch.<ref name=":1" />

Im Gegensatz zu anderen ausländischen Akademien, die in der architektonischen Gestaltung an das Herkunftsland erinnern lassen, setzte Zürcher also keinen „Nationalstil“ ein, sondern bediente sich bewusst italienischer und römischer Vorbilder. Travertin und Landhausputz bestimmen als Materialien die Fassade, das Eingangsportal greift ein Triumphbogenmotiv auf. Ein lateinisches Spruchband, das von dem Altphilologen Onorato Occioni stammt, ziert das Gesimsfries: Ingenuas.testor.studio.quo.prosequar.artes (Ich rufe die edlen Künste zum Zeugen für das Studium, welchem ich folgen werde).<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 37.</ref>

Der Park der Villa Massimo, der von Maximilian Zürcher als südliches Arkadien geplant und ausgestattet wurde, ist knapp vier Hektar groß, wobei 27.000 m² im Jahr 1910 erworben wurden. Das 9600 m² große Grundstück, das hinter den Künstlerateliers gelegen ist, wurde im Jahr 1928 dazu erworben.<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 34 und 42.</ref> Zürcher zog in die Gestaltung des Parks bereits bestehende künstliche Ruinen und die zwei monumentalen Zypressenalleen mit ein.<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 34.</ref> Die Anlage stattete er reichhaltig mit antiken Spolien,<ref>Angela Windholz: Et In Academia Ego. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2060-4, S. 327.</ref> die den Gräbern der nahe gelegenen römischen Konsularstraße Via Nomentana entstammen, aus.<ref name="Informationen" /> Er gestaltete so einen – andernorts üblicherweise über Jahrhunderte gewachsenen – typischen italienischen Garten, der den Rompreisträgern als motivreiche Bildvorlage für Plein-air-Malerei, Antikenstudium und als malerischer Hintergrund für Aktmalerei dienen sollte.<ref name=":3">Villa Massimo | Informationen. Abgerufen am 20. Juli 2024.</ref> Arnhold war mit dem Ergebnis offenbar äußerst zufrieden, denn in einem Brief aus dem Jahr 1912 schrieb er: „Zürcher hat aus dem Brachland einen Zaubergarten gemacht.“<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 39.</ref>

Erste Sequesterverwaltung

Kurz nach der Gründung, im Jahre 1915, musste die Akademie, die gerade erst den Betrieb aufgenommen hatte, im Zuge des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs wieder schließen. Maximilian Zürcher übergab die Villa der Schweizer Botschaft, er selbst verließ das Land.<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 11.</ref> Im Laufe der Kriegsjahre wurde die Villa als Kriegsversehrtenheim und Prothesenmanufaktur<ref name="Informationen" /> genutzt und im Jahr 1918 wurde sie als feindliches Eigentum sequestriert.<ref name=":2" />

Zeit zwischen den Weltkriegen

Obwohl ab 1920 bereits die ersten deutschen Institute, allen voran die Bibliotheca Hertziana, den Betrieb wieder aufnehmen konnten, gestaltete sich die Rückgabe der Villa Massimo u. a. aufgrund der Unterbringung der Kriegsversehrten und des nur sehr kurzen Bestehens der Institution als schwierig. Zudem hatte die Inflation das von Eduard Arnhold zur Verfügung gestellte Stiftungskapital zunichtegemacht. Im Jahr 1925 verstarb Eduard Arnhold, ohne Hoffnung auf eine Wiedereröffnung der von ihm gestifteten Institution und ohne jemals das Wohnrecht im Haupthaus in Anspruch genommen zu haben. Die Wiederöffnung erfolgte nach der Rückgabe des Anwesens im Jahre 1928. Auf Wunsch der Witwe Arnholds und des preußischen Kultusministers Carl Heinrich Becker wurde Herbert Gericke, damals Professor an der Vereinigten Staatsschule für freie und angewandte Kunst in Berlin, der mit der Enkelin Arnholds Erika Kunheim verheiratet war, als Direktor eingesetzt. Diese Berufung war einerseits eine Ehrung der Verdienste der Familie Arnhold, andererseits ein klares Zeichen gegen den wachsenden Antisemitismus.<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 41 f.</ref>

Im Jahr 1930 wurde der Rompreis erstmals an eine Frau verliehen, an die Bildhauerin Hanna Cauer.<ref name=":3" /> Im Laufe der 1930er Jahre wurde es zunehmend schwieriger, die Politik von der Villa Massimo fernzuhalten.<ref name=":4">Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 45.</ref> Einige Mitglieder des Auswahlkomitees der Preußischen Akademie traten zurück oder wurden ausgeschlossen.<ref>Jobst C. Knigge: Die Villa Massimo in Rom 1933-1943. Humboldt-Universität, Berlin 19. August 2013, S. 14 (hu-berlin.de).</ref> 1932/33 war der Architekt Hans Poelzig Gast der Villa Massimo. Nach der Machtergreifung verschärfte die Reichskulturkammer den Druck auf die Institution. Ihr Direktor Herbert Gericke.<ref>Jobst C. Knigge: Die Villa Massimo in Rom 1933-1943. Humboldt-Universität, Berlin 19. August 2013, S. 29 (hu-berlin.de).</ref> konnte einen gewissen Freiraum verteidigen, jedoch die wachsende Einflussnahme der Nationalsozialisten nicht aufhalten:<ref name=":3" /> Im Mai 1933 wurde Arno Breker von Propagandaminister Joseph Goebbels<ref name=":4" /> in der Villa Massimo ermuntert, nach Deutschland zurückzukehren, und entschied sich 1935 für die Nationalsozialisten zu arbeiten; der Architekt und Meisterschüler von Hans Poelzig, Konrad Wachsmann, verließ nach einem Monat und Streit mit Breker die Akademie; die Maler Felix Nussbaum und Hanns Hubertus Graf von Merveldt wurden nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung über ein Bildmotiv, in dem Merveldt Nussbaum verletzte, vorzeitig der Akademie verwiesen, weil sich Merveldt trotz Vermittlung des deutschen Botschafters in Italien, Ulrich von Hassell, mit Nussbaum nicht versöhnen wollte.<ref>Jobst C. Knigge: Die Villa Massimo in Rom 1933–1945 - Kampf um Unabhängigkeit. Berlin 2013, S. 29–30.</ref> Gericke ersuchte aufgrund der zunehmenden Schwierigkeiten um seine Entlassung, wurde aber durch von Hassell überredet zu bleiben. Nach Erhalt des Berichtes über den Zwischenfall schloss das Preußische Kultusministerium zum Ende Mai 1933 die Akademie und sagte die geplante Jahresausstellung, zu der auch der italienische König kommen sollte, ab, um die Akademie im Oktober 1933 mit neuen, der nationalsozialistischen Kulturpolitik entsprechenden Stipendiaten wiederzueröffnen. Merveldt erhielt 1937 Ausstellungsverbot. Felix Nussbaum ließ sich dann in Alassio nieder und blieb brieflich in Kontakt mit Herbert Gericke, der dann 1938 wegen jüdischer „Versippung“ kurz vor dem Hitlerbesuch Roms fristlos entlassen wurde. Die Stele, die an den Stifter Eduard Arnhold erinnerte, wurde entfernt. So sollte das Andenken an die jüdische Gründung der Institution getilgt werden. Als neuer Direktor wurde Fred(erick) Charles Willis eingesetzt, der in der Auslandsorganisation der NSDAP tätig war. Dieses Direktorat dauerte jedoch nur acht Monate, ab dem 1. April 1939 wurde der älteste Stipendiat, Hans Stangl, kommissarischer Leiter der Deutschen Akademie. Im Jahr 1943 wurde die Institution geschlossen.<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 45–46.</ref>

Zweite Sequesterverwaltung – „italienische Jahre“ der Villa Massimo

Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurde das Haupthaus der Villa Massimo ab 1942 in ein Offizierskasino und eine Funkstation der deutschen Luftwaffe umgewandelt.<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 46, 74.</ref> Im Jahr 1944 wurde die Institution nach dem Abzug der deutschen Truppen aus Rom zum zweiten Mal sequestriert – diesmal von den Alliierten, die die Villa der UN-Hilfsorganisation UNRRA übergaben. Für diese Einrichtung arbeiteten zu dieser Zeit auch mehrere deutsche Antifaschisten, die seit 1943 versteckt in Rom gelebt hatten und in den Ateliers Nr. 9 und 10 Unterkunft fanden. Bei ihnen handelte es sich um die Schriftstellerin und Drehbuchautorin Dinah Nelken, ihren Lebensgefährten Heinrich Ohlenmacher sowie den Grafiker Rolf Gero Schneider und Valeria Novelli. Dinah Nelken und Heinrich Ohlenmacher verließen die Villa Massimo 1950 in Richtung Deutschland, Rolf Gero Schneider und Valeria Novelli lebten dort mit ihren gemeinsamen Kindern bis 1957.

Auf Vorschlag des Malers Renato Guttuso sorgte Palmiro Togliatti, Parteichef des PCI und Minister in der italienischen Übergangsregierung, dafür, dass die Ateliers antifaschistischen italienischen Künstlern zur Verfügung gestellt wurden, die durch den Krieg geschädigt worden waren<ref>Joachim Blüher und Angela Windholz: Zurück in Arkadien! In: Website der Villa Massimo. Deutsche Akademie Rom Villa Massimo, abgerufen am 7. Juli 2020.</ref> oder sich in der Resistenza verdient gemacht hatten. Neben Guttuso selbst zogen ab 1947 mit Künstlern wie beispielsweise Leoncilo, Marino Mazzacurati, Vittoria Lippi, Emilio Greco und Aldo Caron berühmte Namen der italienischen Nachkriegskunst in die teilweise vom Krieg beschädigten Ateliers. Die Villa Massimo wurde zum Treffpunkt der römischen Avantgardeszene und Persönlichkeiten wie Pablo Neruda, Gina Lollobrigida und Sophia Loren gehörten zu den Besuchern.<ref>Joachim Blüher, Julia Trolp: 100 Jahre Deutsche Akademie Rom. 1910–2010. Villa Massimo. Wienand Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 46–47, 73.</ref>

Rückgabe an die Bundesrepublik und jüngere Geschichte

1957 wurde die Villa Massimo als Deutsche Akademie Rom der Bundesrepublik Deutschland wiedereröffnet. Bernd Alois Zimmermann war dort als erster Komponist Stipendiat.<ref>„Man müßte nach Rom gehen“. Bernd Alois Zimmermann und Italien. In: DHI Rom. Sabine Ehrmann-Herfort/Adrian Kuhl/Matthias Pasdzierny/Dörte Schmidt; Analecta musicologica, 2020, abgerufen am 23. Dezember 2020.</ref> 1965 trat die Germanistin Elisabeth Wolken die Nachfolge ihres Vaters Gericke als Direktorin der Villa Massimo an und leitete das Haus bis 1993. Anschließend übernahm der Kunsthistoriker Jürgen Schilling das Direktorat, das er bis zur vorübergehenden Schließung der Villa im Jahr 1999 aufgrund von Restaurierungsarbeiten innehatte.<ref>Villa Massimo | Liste der Direktor:innen. Abgerufen am 11. August 2025.</ref> Direktor der Akademie war von 2002 bis Ende Juli 2019 Joachim Blüher. Seitdem leitet die Literatur- und Kunstwissenschaftlerin Julia Draganović das Haus.<ref>Silke Hohmann: Villa Massimo in Rom: "Man darf den Moment jetzt nicht verpassen". In: monopol-magazin.de. 6. Juli 2020, abgerufen am 12. April 2026.</ref>

Datei:Villa Massimo Rom, Sommerfest 2018.jpg
Sommerfest in der Villa Massimo (2018)

Der Rompreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen des deutschen Staates und wird herausragende Künstlern und Künstlerinnen in den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Musik (Komposition) und Architektur verliehen. Der Preis besteht in einem Stipendium für einen Studienaufenthalt von zehn Monaten in der Villa Massimo bzw. drei Monaten in der südöstlich von Rom in Olevano Romano gelegenen Casa Baldi.<ref>Villa Massimo | Villa Massimo. Abgerufen am 20. Juli 2024.</ref> In Rom können die Preisträger in einem der zehn Ateliers (Casa Baldi: zwei) kostenfrei wohnen und arbeiten. Außerdem erhalten die Künstler für den Zeitraum des Stipendiums monatlich 2.500 Euro. Kerngedanke der Förderung sind der Austausch zwischen den Stipendiaten und die gegenseitige Anregung.

Die Akademie richtet jedes Jahr zahlreiche Konzerte, Exkursionen, Lesungen sowie Symposien aus und präsentiert die Werke der Künstler in verschiedenen Ausstellungsformaten.

Casa Baldi

Stipendium

Zum Stipendium der Deutschen Akademie Rom zählen auch die dreimonatigen Aufenthalte in der Casa Baldi in Olevano Romano, einem Bergstädtchen, das rund 55 Kilometer südöstlich von Rom liegt. Es hat den gleichen Stellenwert, ist aber durch die besondere Lage des Ortes und die kürzere Dauer des Aufenthalts von drei Monaten von grundsätzlich anderem Charakter.<ref name="Informationen">Informationen. In: villamassimo.de. Abgerufen am 20. Juli 2024.</ref> Jährlich werden, ebenfalls durch eine Fachjury, bis zu acht Stipendien vergeben.<ref>Jennifer Scheibel: Teilnahmebedingungen für die Bewerbung von Künstlerinnen und Künstlern um einen Stipendienaufenthalt. In: kulturstiftung.de. 4. November 2020, abgerufen am 12. April 2026.</ref> Die Bewerbungsphase verläuft stets zwischen Anfang November und 15. Januar des Folgejahres.<ref>Daniela Kummle: Neue Bewerbungsrunde für den Rompreis gestartet. In: Kulturstiftung der Länder. kulturstiftung.de, 3. November 2025, abgerufen am 12. April 2026.</ref> Das Stipendium besticht durch die Abgeschiedenheit, aber auch durch den Kontakt zu den Bewohnern Olevanos. Besonders durch die Veranstaltungen der Künstler, die von der Stadt Olevano unterstützt werden, kommt es immer wieder zu internationalen Begegnungen.<ref name=":5" details="S. 145" /> Die Stipendiaten der Casa Baldi nehmen an den Veranstaltungen und Aktivitäten der Villa Massimo teil.

Geschichte

Die Casa Baldi liegt auf einer „Colle Baldi“ genannten Erhöhung der Stadt Olevano Romano und wurde im 17. Jahrhundert von Kardinal Scipione Borghese als Sommerhaus und Jagdcasino errichtet. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts diente das Haus als Herberge, betrieben von der Familie Baldi, nach der es benannt wurde. Die Familie gehörte dem Landadel an und war in der Landwirtschaft und Viehzucht tätig. Sie besaß mehrere Anwesen in und um den Ort und übernahm die Casa Baldi wohl in der Zeit, in der sie im Dienst der Familie Borghese stand, so die Kunsthistorikerin Angela Windholz, die sich mit der Geschichte des Hauses befasst hat.<ref name=":5" details="S. 114">Angela Windholz: Olevano, die erste Künstlerkolonie Europas. In: Joachim Blüher (Hrsg.): Olevano: Casa Baldi/Villa Serpentara. Deutsche Akademie Rom Villa Massimo, Rom 2017.</ref> Später wurde es als einfaches Gasthaus bewirtschaftet, in dem zahlreiche Künstler der Zeit unterkamen.

1938 wurde das Gasthaus endgültig geschlossen, die Reichskulturkammer erwarb das Anwesen 1939 im Auftrag Adolph Zieglers, des Präsidenten der Reichskammer der Bildenden Künste.<ref name=":5" details="S. 139f." /> 1944 kamen in der Casa Baldi deutsche Soldaten unter und führten von dort aus Razzien gegen Juden in Olevano durch. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Casa Baldi und die Villa Serpentara, genau wie die Villa Massimo, von den Alliierten Mächten sequestriert und 1953 an Westdeutschland restituiert. Im Jahr 1956 wurden entsprechende Rückgabebeschlüsse unterzeichnet. In der Folge wurde das Haus unter der Leitung des Direktors der Deutschen Akademie in Rom, Herbert Gericke, renoviert. Fenster und Türen wurden erneuert. Am 30. Juni 1960 wurde das Haus wieder eingeweiht. Ab diesem Zeitpunkt stand die Casa Baldi den Stipendiaten der Villa Massimo als Sommerhaus zur Verfügung.<ref name=":5" details="S. 140f." />

Seit den 1980er Jahren ist das Haus Teil des Stipendienprogramms der Deutschen Akademie Rom.<ref>Ulrich Brinkmann: Der Colle Baldi in Olevano Romano. In: bauwelt.de. Abgerufen am 12. April 2026.</ref>

Villa Serpentara

Die Villa Serpentara, benannt nach dem Steineichenwald Serpentara an dessen Rand sie erbaut wurde, befindet sich ebenfalls in Olevano Romano, in Nachbarschaft zur Casa Baldi. Sie bietet Künstlerinnen und Künstlern, die von der Akademie der Künste Berlin entsandt werden, einen dreimonatigen Aufenthalt. Die Deutsche Akademie Rom Villa Massimo verwaltet das Anwesen und unterstützt die Stipendiaten bei ihren Projekten. Darüber hinaus werden die Stipendiaten aufgrund der Ähnlichkeit des Stipendiums und des intensiven künstlerischen und menschlichen Austausches unter den Stipendiaten in die Aktivitäten der Villa Massimo mit einbezogen.

Stipendiaten und Studiengäste

Siehe auch

Literatur

  • Deutsche Akademie in Rom, Villa Massimo : 1914–1964: Geschichte und Gegenwart einer deutschen Auslands-Stiftung. Geschichte und Gegenwart (S. 5–58) und Wirkungen und Werke (S. 62–116). Herausgegeben im Auftrage des Bundesministers des Innern; Redaktion Anton Henze; mit Texten von Eduard Arnold, Carl Gussone, Marie Luise Kaschnitz, Rudolf Hagelstange et al. T. Dietz, München 1964.
  • Michael Dorrmann: Eduard Arnhold (1849–1925). Eine biographische Studie zu Unternehmer- und Mäzenatentum im Deutschen Kaiserreich. Akademie, Berlin 2002, ISBN 3-05-003748-2.
  • Michael Matheus (Hrsg.): Deutsche Forschungs- und Kulturinstitute in Rom in der Nachkriegszeit. Niemeyer, Tübingen 2007, ISBN 3-484-82112-4 (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts, 112).
  • Angela Windholz: Et In Academia Ego. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2060-4, vollständiges PDF als Download auf Academia.edu.
  • Angela Windholz: Villa Massimo. Zur Gründungsgeschichte der Deutschen Akademie in Rom und ihrer Bauten (= Studien zur internationalen Architektur- und Kunstgeschichte. Band 19). Imhof, Petersberg 2003, ISBN 3-935590-93-8.
  • Angela Windholz: Die Deutsche Akademie Rom – Villa Massimo. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2009, ISBN 978-3-89870-606-3.
  • Joachim Blüher (Hrsg.): Villa Massimo – Deutsche Akademie Rom 1910–2010. Wienand, Köln 2011, ISBN 978-3-86832-047-3.
  • Joachim Blüher (Hrsg.): Olevano. Casa Baldi/Villa Serpentara. Deutsche Akademie Rom, 2017.<ref>Am Gipfelkreuz der deutschen Romantik. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 3. November 2017, S. 12.</ref>
  • Jobst C. Knigge: Die Villa Massimo in Rom 1933–1943 – Kampf um künstlerische Unabhängigkeit. Humboldt-Universität zu Berlin, 2013 (online, PDF; 26,3 MB).
  • Jobst C. Knigge: Italienische Künstler in der Villa Massimo 1947 bis 1957. Humboldt-Universität, Berlin 2018 (online: edoc.hu-berlin.de/handle/18452/19657).
  • Stiftung / Villa Massimo. In: Der Spiegel. Nr. 43, 1956, S. 56–57 (online24. Oktober 1956).
  • Rolf Dieter Brinkmann: Rom, Blicke. Originalmanuskript 1972/73. Rowohlt Verlag 1979, ISBN 978-3-499-25094-1.
  • Ludwig Harig: Die Laren der Villa Massimo – Ein römisches Tagebuch. Mit Zeichnungen von Hans Dahlem. Autoren Forum, Landau/Pfalz 1986, ISBN 3-87629-107-0.
  • Rainer Kramer: Auf der Suche nach dem verlorenen Augenblick : Rolf Dieter Brinkmanns innerer Krieg in Italien. Univ. Dissertation/Hochschulschrift. Ed. Temmen, Bremen 1999, ISBN 3-86108-143-1.
  • Tanja Lelgemann: Ewiges Rom? - Bildende Künsterlinnen und Künstler in der Deutsche Akademie Villa Massimo von 1957–1999. Logos Verlag Berlin. 2011. ISBN 978-3-8325-3010-5
  • Hanns-Josef Ortheil: Rom, Villa Massimo – Roman einer Institution. Langen Müller Verlag, München 2015, ISBN 978-3-7844-3368-4.
  • Peter Goßens: „Die Entscheidung für Rom“. Uwe Johnson und die Villa Massimo. In: Johnson-Jahrbuch. Band 25 (2018). Wallstein, Göttingen 2018, S. 197–217.
  • Valentina Di Rosa: Italienische Reisen der Gegenwart. Literatur und Kulturpolitik in der Deutschen Akademie Villa Massimo seit 2000. In: Writing in residence. Walter de Gruyter, Berlin 2024, S. 121–145.

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive=""> </references>

Koordinaten: 41° 55′ 0″ N, 12° 31′ 9″ O

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