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Steinpilze

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Steinpilze
Datei:Boletus edulis EtgHollande 041031 091.jpg

Gemeiner Steinpilz (Boletus edulis)

Systematik
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Steinpilzartige (Boletales)
Unterordnung: Boletineae
Familie: Steinpilzverwandte (Boletaceae)
Unterfamilie: Boletoideae
Gattung: Steinpilze
Wissenschaftlicher Name
Boletus
L.

Die Steinpilze (Boletus) sind eine Gattung aus der Familie der Steinpilzverwandten (Boletaceae).

Unter dem Gattungsnamen Dickröhrlinge wurden früher einige größere Röhrlinge zu Boletus gezählt. In jüngerer Zeit wurden von den Dickröhrlingen neue Gattungen abgetrennt und viele Arten ausgegliedert, sodass nur die Steinpilze noch Teil der Gattung sind.

Die Bezeichnung Steinpilz rührt daher, dass das Fleisch fester ist als das der meisten anderen Pilze.<ref name="Werneburg1885" />

Die Typusart ist der Gemeine Steinpilz (Boletus edulis).<ref name="Linné1753" />

Merkmale

Die Steinpilze bilden mittelgroße bis große Fruchtkörper, die durch dicke, basal meist verdickte Stiele, mit einer netzigen oder feinflockigen, seltener kahlen Oberfläche und röhrenförmiges Hymenophor gekennzeichnet sind. Der Hut ist meist polsterförmig, mit trockener, feinfilziger oder kahler Oberfläche. Die Hutfarbe der einzelnen Arten reicht von weißlich über grau und verschiedene Gelb-, Rotbraun- und Brauntöne bis schwarzbraun, auch innerhalb einzelner Arten kann die Hutfärbung variieren. Die Röhrenschicht und die Poren sind jung weiß, im Alter durch die Farbe der Sporen erst gelblich und schließlich olivgrün verfärbt<ref name=":0">Wolfgang Klofac, Irmgard Krisai-Greilhuber: Überarbeiteter Schlüssel zur Bestimmung von Frischfunden europäischer Arten der Boletales mit röhrigem Hymenophor. In: Österr. Z. Pilzk. Band 27, 2020, S. 81–303.</ref>. Bei jungen Fruchtkörpern sind die Porenmündungen durch eine mehlig-weiße Schicht verdeckt<ref name=":0" />. Das Sporenpulver ist meist olivgrün, die Sporen sind glatt und spindelig. Das Fleisch (Trama) ist weiß, meist ohne Verfärbung beim Schneiden, kann je nach Art aber unter der Huthaut etwas röten, z. B. beim Gemeinen Steinpilz, oder auch schwach blauen, so z. B. bei Boletus pinophilus var. viridicaerulasecens<ref name=":0" /><ref name=":1">Gilbert Lannoy, Alain Estadès: Flore mycologique d'Europe 6. Les Bolets. Boletaceae Chevalier. In: Doc. Mycol. Mémoires Hors Série. Band 6, 2001, ISSN 0291-8420, S. 1–163.</ref>. Ein Velum fehlt, die Huthaut ist aber je nach Art mehr oder weniger stark von einem Reif überzogen<ref name=":1" />.

Die Huthaut ist trichodermal aufgebaut und die Röhrentrama divergierend mit deutlich ausgebildetem Mediostratum (Boletus-Typ)<ref name=":0" /><ref>Rolf Singer: The Agaricales in Modern Taxonomy. 4th Auflage. Koeltz Scientific Books, Königstein 1986.</ref>.

Ökologie

Die Steinpilze bilden Ektomykorrhiza mit verschiedenen Bäumen, wobei teilweise sehr stark spezialisierte Ökotypen vorkommen.

Verbreitung

Die Gattung Boletus ist weltweit verbreitet, besonders artenreich ist sie in den warm-gemäßigten Zonen.

Naturschutzaspekte

Alle Arten der Gattung Boletus stehen in Deutschland unter Naturschutz und dürfen nur in kleinen Mengen zum eigenen Bedarf gesammelt werden. Einige Arten wie der Bronze-Röhrling sind vollständig geschützt und dürfen nicht zu Speisezwecken gesammelt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hatte den Bronze-Röhrling zum Pilz des Jahres 2008 gewählt.

Arten

In Europa umfassen die Steinpilze je nach Autorenmeinung zwischen 4<ref name="Beugelsdijk2008" /> und 13<ref name=":0" /> Arten.<ref name="Beugelsdijk2008" />

Steinpilze (Boletus) in Europa (Auswahl)0
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Bronze-Röhrling oder Schwarzhütiger Steinpilz Boletus aereus <templatestyles src="Person/styles.css" />Bulliard 1789 : Fries 1821
Sommer-Steinpilz Boletus aestivalis
syn. Boletus reticulatus
<templatestyles src="Person/styles.css" />(Paulet 1793) Fries 1838
<templatestyles src="Person/styles.css" />Schaeffer 1774 ss. Boudier
Gemeiner Steinpilz oder Herrenpilz Boletus edulis <templatestyles src="Person/styles.css" />Bulliard 1781 : Fries 1821
Boletus edulis f. arcticus
<templatestyles src="Person/styles.css" />Vassilkov 1966
Boletus edulis var. arenarius
<templatestyles src="Person/styles.css" />H. Engel, Krieglsteiner & Dermek 1983
Zitronenhütiger Steinpilz
Boletus edulis var. citrinus
syn. Boletus venturii
<templatestyles src="Person/styles.css" />(Peltereau 1931) Vassilkov 1966
Bon 1986
Boletus edulis var. clavipes
<templatestyles src="Person/styles.css" />Peck 1899
Mamora-Steinpilz Boletus mamorensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Redeuilh 1978
  Boletus pinetorum<ref name="Korhonen2009" /> <templatestyles src="Person/styles.css" />M. Korhonen 2009
Kiefern-Steinpilz Boletus pinophilus <templatestyles src="Person/styles.css" />Pilát & Dermek 1973

Systematik

Nach neueren phylogenetischen Erkenntnissen war die Gattung Boletus s. l. polyphyletisch. Die Gattung wurde deshalb 2014 aufgespalten und die meisten Arten in andere Gattungen überführt. Die Artengruppe um den Königs-Röhrling wurde in die Gattung Butyriboletus separiert.<ref name="Arora2014" /><ref name="Sutara2014" /> Im selben Jahr wurde der Maronen-Röhrling in die Gattung Imleria gestellt.<ref name="Vizzini2014b" /> Ferner wurden die Arten um den Schönfuß-Röhrling in die Gattung Caloboletus transferiert.<ref name="Vizzini2014c" /> Die Artengruppe um Boletus sinicus wie der Satanspilz befindet sich inzwischen in der Gattung Rubroboletus.<ref name="Zhao2014" /> Die Spezies um den Netzstieligen Hexen-Röhrling wurden in die Gattung Suillellus ausgegliedert<ref name="Vizzini2014d" /><ref name="Vizzini2014a" /><ref name="Blanco-Dios2012" /> und die Arten um den Flockenstieligen Hexen-Röhrling in die Gattung Neoboletus.<ref name="Vizzini2014f" /> Der Schwarzblauende Röhrling wurde in die Gattung Cyanoboletus gestellt.<ref name="Vizzini2014e" /> Der Tränende Hexen-Röhrling und nahe Verwandten bilden die Gattung Exsudoporus.<ref name="Vizzini2014g" /> Für den Ochsen-Röhrling und Verwandte wurde die Gattung Imperator aufgestellt.<ref name="Assyov2015" /> Die Gattung Boletus s. str. umfasst nur noch die Steinpilze.

Die Gattung Boletus gehört, da Typusgattung, zur Familie der Boletaceae (Steinpilzverwandte, auch als Dickröhrlingsverwandte bezeichnet). Innerhalb der Boletaceae bilden die Steinpilze zusammen mit den Gattungen Afroboletus, Hortiboletus, Imleria, Notholepiota, Porphyrellus, Gallenröhrlinge (Tylopilus), Strobilomyces, Xanthoconium, Rotfußröhrlinge (Xerocomellus) einen eigenen Verwandtschaftskreis.<ref>Mitchell E. Nuhn, Manfred Binder, Andy F.S. Taylor, Roy E. Halling, David S. Hibbett: Phylogenetic overview of the Boletineae. In: Fungal Biology. Band 117, Nr. 7–8, Juli 2013, S. 479–511, doi:10.1016/j.funbio.2013.04.008.</ref>

Bedeutung

Arten der Gattung Boletus wie der Fichten-Steinpilz sind als sehr beliebte Speisepilze bekannt.

Literatur

  • Heinrich Dörfelt: Wörterbuch der Mycologie. Hrsg.: Gottfried Jetschke. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2001, ISBN 978-3-8274-0920-1 (384 Seiten).
  • Christoph Hahn: Zur Taxonomie und Geschichte der Gattung Boletus. In: Bayerische Mykologische Gesellschaft, Verein für Pilzkunde München (Hrsg.): Mycologica Bavarica. Band 16, Dezember 2015, ISSN 1431-2042, S. 13–45.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Arora2014"> David Arora, Jonathan L. Frank: Clarifying the butter Boletes: a new genus, Butyriboletus, is established to accommodate Boletus sect. Appendiculati, and six new species are described. In: Mycologia. Band 106, Nr. 3, 2014, S. 464–480, doi:10.3852/13-052. </ref> <ref name="Assyov2015"> Boris Assyov, Jean-Michel Bellanger, Paul Bertéa, Régis Courtecuisse, Gerhard Koller, Michael Loizides, Guilhermina Marques, José Antonio Muñoz, Nicolò Oppicelli, Davide Puddu, Franck Richard, Pierre-Arthur Moreau: Index Fungorum no. 243. (PDF) 21. Mai 2015, abgerufen am 23. Juni 2015. </ref> <ref name="Beugelsdijk2008"> D.C.M. Beugelsdijk, S. van der Linde, G.C. Zuccarello, Henk C. den Bakker, S.G.A. Draisma, Machiel Evert Noordeloos: A phylogenetic study of Boletus section Boletus in Europe. In: Persoonia. Band 20, Nr. 1–7, 2008, doi:10.3767/003158508X283692. </ref> <ref name="Blanco-Dios2012"> Jaime B. Blanco-Dios, Guilhermina Marques: Boletus atlanticus sp. nov., a new species of section Luridi from coastal dunes of NW Spain. In: Mycotaxon. Band 122, Oktober–Dezember, 2012, S. 325–332, doi:10.5248/122.325. </ref> <ref name="Korhonen2009"> Mauri Korhonen, Kare Liimatainen, Tuula Niskanen: A new boletoid fungus, Boletus pinetorum, in the Boletus section Boletus from Fennoscandia (Basidiomycota, Boletales). In: Karstenia. Band 49, Nr. 2, 2009, ISSN 0453-3402, S. 41–60 (Zusammenfassung online). </ref> <ref name="Linné1753"> Carl von Linné: Species Plantarum. 1753, S. 1176. </ref> <ref name="Sutara2014"> Josef Šutara, Václav Janda, Martin Kříž, Michal Graca, Miroslav Kolařík: Contribution to the study of genus Boletus, section Appendiculati: Boletus roseogriseus sp. nov. and neotypification of Boletus fuscoroseus Smotl. In: Czech Mycology. Band 66, Nr. 1, Juni 2014, ISSN 1805-1421, S. 1–37 (czechmycology.org [PDF; 4,9 MB]). </ref> <ref name="Vizzini2014a"> Alfredo Vizzini, Giampaolo Simonini, Enrico Ercole, Samuele Voyron: Boletus mendax, a new species of Boletus sect. Luridi from Italy and insights on the B. luridus complex. In: Mycological Progress. Band 13, Nr. 1, Februar 2014, S. 95–109, doi:10.1007/s11557-013-0896-4. </ref> <ref name="Vizzini2014b"> Alfredo Vizzini: Index Fungorum no. 147. (PDF) 12. Mai 2014, abgerufen am 16. Januar 2015. </ref> <ref name="Vizzini2014c"> Alfredo Vizzini: Index Fungorum no. 146. (PDF) 10. Mai 2014, abgerufen am 21. Januar 2014. </ref> <ref name="Vizzini2014d"> Alfredo Vizzini: Index Fungorum no. 188. (PDF) 9. September 2014, abgerufen am 20. Januar 2014. </ref> <ref name="Vizzini2014e"> Alfredo Vizzini: Index Fungorum no. 176. (PDF) 7. Juli 2014, abgerufen am 18. Januar 2014. </ref> <ref name="Vizzini2014f"> Alfredo Vizzini: Index Fungorum no. 192. (PDF) 17. Oktober 2014, abgerufen am 21. Januar 2015. </ref> <ref name="Vizzini2014g"> Alfredo Vizzini: Index Fungorum no. 183. (PDF) 22. August 2014, abgerufen am 31. Januar 2015. </ref> <ref name="Zhao2014"> Kuan Zhao, Gang Wu, Zhu L. Yang: A new genus, Rubroboletus, to accommodate Boletus sinicus and its allies. In: Phytotaxa. Band 188, Nr. 2, 2014, S. 61–77, doi:10.11646/phytotaxa.188.2.1. </ref> <ref name="Werneburg1885"> F. Werneburg: Der Steinpilz, Boletus edulis Bull. Der Hexenpilz, Boletus luridus Schaeff. Der Feld-Blätterpilz, Psalliota campestris L. Der Knollen-Blätterpilz, Amanita phalloides Fr. In: Jahrbuch des Vereins für Wissenschaftliche Pädagogik. Band 17, 1885, S. 238–250, S. 240. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Steinpilze (Boletus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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