Klaus-Peter Kohl
Klaus-Peter Kohl (* 4. Mai 1944 in Hamburg)<ref name=":6">Michalczewski kann unsterblich werden. In: Hamburger Abendblatt. 8. August 1996, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. Dezember 2023; abgerufen am 24. Dezember 2023. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> ist ein deutscher Boxpromoter und Unternehmer.
Werdegang
Kohl durchlief eine Ausbildung zum Speditionskaufmann. Im väterlichen Fuhrunternehmen arbeitete er jedoch nur kurz. Er machte sich in der Gastronomie selbständig, indem er Imbissbuden verpachtete. Er wurde Inhaber von Schnellrestaurants und Spielhallen, unter anderem im Hamburger Hauptbahnhof. Ferner baute er den größten privaten Getränkelieferdienst in Deutschland auf und stieg ins Immobiliengeschäft ein.
Einstieg ins Boxgeschäft
Seine Karriere als Boxer musste Kohl wegen einer Sehschwäche schnell beenden. Bei Boxsportveranstaltungen engagierte er sich ab 1970 zunächst als Zeitnehmer,<ref name=":6" /> der Sport sei erst „eher Passion als Geschäft“ gewesen, schrieb die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) 2009 über Kohl.<ref name=":5">Bertram Job: 25 Runden im Vorwärtsgang. In: Neue Zürcher Zeitung. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 2. Dezember 2024; abgerufen am 6. Januar 2020. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Am 24. Februar 1984 führte er in der Alsterdorfer Sporthalle seine erste Profi-Boxveranstaltung mit Kämpfern wie Erwin Heiber, Jean-André Emmerich, Manfred Jassmann, Graciano und Ralf Rocchigiani durch, mit der er 150 000 D-Mark Verlust machte. Von den rund 2000 Zuschauern in der Halle besaßen drei Viertel Freikarten.<ref name=":5" /> Offizieller Veranstalter war jedoch nicht Kohl, sondern dessen Schwager, der über die dafür benötigte Lizenz verfügte.<ref name=":5" /> Es folgte im selben Jahr die Gründung von Universum Box-Promotion. Kohl war von 1984 bis 1989 Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer<ref>Klaus-Peter Kohl. In: Munzinger - Internationales Sportarchiv. Abgerufen am 25. September 2019.</ref> und von 1987 bis 1990 Vizepräsident der Europäischen Box-Union.<ref name=":3">Promoter Klaus-Peter Kohl feiert 65. Geburtstag. In: Schattenblick. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. September 2019; abgerufen am 23. September 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Seine Funktionärstätigkeiten hätten in der Boxszene für Akzeptanz gesorgt: „Man kannte mich, und ich kannte die anderen“, so Kohl im Jahr 2009.<ref name=":0">Kohl: "Wichtig waren vor allem die Sportler". In: Der Tagesspiegel. Abgerufen am 22. September 2019.</ref> Ende Juni 1988 veranstaltete Kohl in der Sporthalle Wandsbek in Hamburg den Europameisterschaftskampf im Halbmittelgewicht zwischen Heiber und dem Franzosen René Jacquot, den Letzterer gewann. Laut Hamburger Abendblatt verzeichnete Kohl im Rahmen der Veranstaltung bei Kosten von 245 000 DM nur Einnahmen in Höhe von rund 150 000 DM.<ref>Heiber gab in der elften Runde auf. In: Hamburger Abendblatt. 30. Juni 1988, abgerufen am 17. April 2022.</ref>
Kohl wurde als Boxmanager in Deutschland Konkurrent von Wilfried Sauerland, arbeitete mit diesem zunächst aber noch zusammen, als man 1990 in Hamburg gemeinsam einen der ersten Kämpfe von Henry Maske veranstaltete.<ref name=":0" /> Jean-Marcel Nartz, der erst für Sauerland und dann für Kohl arbeitete, äußerte, die beiden Promoter hätten „das deutsche Berufsboxen in den 1980er Jahren vor dem Aussterben bewahrt“.<ref name=":3" /> Die NZZ beschrieb das Verhältnis zwischen Kohl und Sauerland als „dauerhafte, von gegenseitigen Ausfällen begleitete Konkurrenz“, in deren Folge sich beide Rivalen nach oben geschraubt hätten.<ref name=":5" />
Hochzeit des Universum-Boxstalls
Als seinen Durchbruch als Boxmanager bezeichnete Kohl Markus Botts Gewinn des Weltmeistertitels im Cruisergewicht im Februar 1993.<ref name=":0" /> Kohls Unternehmen arbeitete zunächst mit dem Bezahlfernsehsender Premiere<ref name=":4">Boxen: Legendärer Boxstall Universum greift wieder an. In: Bild.de. Abgerufen am 23. September 2019.</ref> und dem DSF zusammen,<ref>Ein Leichtgewicht hat's schwer. In: Hamburger Abendblatt. 15. November 1996, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. September 2019; abgerufen am 23. September 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> die Kämpfe der Universum-Boxer übertrugen. Später gab es auch Übertragungen bei Eurosport sowie Pro7,<ref name=":4" /> ab Mitte 2002 bestand ein Vertrag mit dem ZDF.<ref>Box-Vertrag mit dem ZDF perfekt. In: Hamburger Abendblatt. 27. Juli 2001, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. Juni 2023; abgerufen am 24. Juni 2023. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Kohl verpflichtete Boxer wie beispielsweise Vitali und Wladimir Klitschko, Dariusz Michalczewski, Daisy Lang, Regina Halmich, Felix Sturm, Zsolt Erdei, Artur Grigoryan und Jürgen Brähmer.<ref name=":1">Hartmut Scherzer: Klaus-Peter Kohl: Das Box-Universum stürzt ein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. ISSN 0174-4909 (archive.org [abgerufen am 22. September 2019]).</ref> Anlässlich der ersten Profikämpfe der Klitschko-Brüder, die diese 1996 bei Universum bestritten, traf Kohl die Vorhersage: „In zwei bis drei Jahren werden wir einen Boxstall haben, der in der Welt seinesgleichen sucht.“<ref>„König Artur“ - Herr im Ring. In: Hamburger Abendblatt. 18. November 1996, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. April 2023; abgerufen am 23. September 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Seine Zusammenarbeit mit den Klitschkos dauerte im Mai 2004.<ref>"Ich bin den Klitschkos einfach nur dankbar". In: Hamburger Abendblatt. 30. Juni 2011, abgerufen am 31. Oktober 2024.</ref> Diese endete wegen unterschiedlicher Ansichten über die Vertragslaufzeiten im Unfrieden und mündete in einem jahrelangen Rechtsstreit.<ref>Boxen: Klitschkos siegen vor Gericht gegen Universum. In: Die Welt. 6. November 2009 (welt.de [abgerufen am 23. September 2019]).</ref> Zu Kohls wichtigsten und erfolgreichsten Boxern gehörte Michalczewski, der ab 1994 Weltmeister war<ref>Stefan Reckziegel: "Wir boxen auch gegen Maske". In: Hamburger Abendblatt. 12. September 1994, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. April 2023; abgerufen am 23. September 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> und teils die WM-Titel von drei unterschiedlichen Verbänden hielt.<ref>Stefan Reckziegel: Der Tiger setzt den großen Schlag. In: Hamburger Abendblatt. 14. Juni 1997, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. Juli 2023; abgerufen am 23. September 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> „Wir haben gemeinsam ganz klein angefangen, jetzt füllen wir diese tolle Arena“, sagte Kohl im Oktober 2003 nach Michalczewskis Niederlage gegen Julio Cesar Gonzalez vor 15 000 Zuschauern in der Hamburger Color-Line-Arena.<ref>Björn Jensen, Lutz Wagner: Der Tiger stürzt vom Thron. In: Hamburger Abendblatt. 20. Oktober 2003, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. Juli 2023; abgerufen am 23. September 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Im April 2003 wurde Kohl von den amerikanischen Boxjournalisten zum „Manager des Jahres“ gewählt, weil es ihm gelungen war, mit vielen seiner Sportler europaweit und auch in den USA erfolgreich zu sein. Kohls Zusammenarbeit mit der WBO wird deren Aufstieg zu einem anerkannten Weltboxverband zugeschrieben.<ref name=":1" /> 2008 wurde Kohl bei der Hamburger Sportgala mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet, 2018 erhielt er Aufnahme in die Internationale Ruhmeshalle des Boxsports.<ref name=":2">Björn Jensen: Klaus-Peter Kohl: Der Mann, der die Klitschkos groß machte. In: Hamburger Abendblatt. 13. Juli 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. September 2019; abgerufen am 22. September 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Ende Juli 2010 lief Universums Fernsehvertrag mit dem ZDF nach achtjähriger Zusammenarbeit aus.<ref name=":1" /> Kohl betonte am 31. Juli 2010 dennoch: „Wirtschaftlich sind wir das gesündeste Box-Unternehmen in Deutschland“ und gab die Vorhersage ab: „Universum ist nicht pleite und wird es nie sein, dafür werde ich sorgen“.<ref>Björn Jensen: Klaus-Peter Kohl: "Universum wird nie pleite sein". In: Hamburger Abendblatt. 31. Juli 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. Juli 2021; abgerufen am 25. September 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Ausstieg aus dem Boxgeschäft
Im Juli 2011 verkaufte Kohl den Universum-Boxstall an Waldemar Kluch und gab Ende September 2011 bekannt, die Leitung des Universum-Boxstalls abgegeben zu haben, blieb zunächst aber noch als Berater tätig. Da sich die Zahlung des Kaufpreises für den Boxstall über Monate verzögerte, gewährte Kohl dem neuen Inhaber Kluch zunächst Aufschub, ehe er rechtliche Schritte gegen Kluch einleitete.<ref>Ex-Universum-Boss Klaus-Peter Kohl rechnet mit Waldemar Kluch ab. In: Bild. Abgerufen am 24. September 2019.</ref> Kohl, der im Nachhinein bedauerte, den Boxstall nicht bereits im Sommer 2010 nach dem Ende des ZDF-Vertrages abgegeben zu haben, äußerte Mitte November 2012, das Kapitel Boxen sei für ihn abgeschlossen.<ref>Björn Jensen: Klaus-Peter Kohl: „Für mich ist das Kapitel Boxen abgeschlossen“. In: Die Welt. 14. November 2012 (welt.de [abgerufen am 24. September 2019]).</ref> In seiner Tätigkeit als Promoter führte Kohl fast 300 Boxveranstaltungen mit insgesamt mehr als 2100 Kämpfen (darunter mehr als 250 Titelkämpfe) durch.<ref>The 2018 Boxing Hall of Fame class. In: ESPN. 5. Dezember 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. September 2019; abgerufen am 25. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Der Boxstall Universum stellte im November 2012 einen Insolvenzantrag<ref>Boxen: Universum meldet Insolvenz an. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. ISSN 0174-4909 (archive.org [abgerufen am 24. September 2019]).</ref> und wurde in der Folge geschlossen.
Spätere Geschäftstätigkeiten
Auch im Rentenalter blieb Kohl beruflich als Unternehmer im Gaststättengewerbe tätig. 2010 stieg Kohl gemeinsam mit Schwiegersohn und Geschäftspartner Dietmar Poszwa als Gesellschafter in die Hamburger Gaststätte „Hofbräu Wirtshaus“ ein. In den folgenden Jahren kamen in Hamburg und Berlin weitere „Hofbräu Wirtshäuser“ hinzu, 2018 übernahm Kohl zusammen mit Poszwa die Mehrheit der Anteile an dem Unternehmen, das 2017 einen Umsatz von 35,6 Millionen Euro verbuchte.<ref>Wolfgang Horch: Gründer des Hofbräus steigt aus und hat neue Pläne. In: Hamburger Abendblatt. 23. Mai 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. Juni 2018; abgerufen am 6. Januar 2020. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> 2016 gründete Kohl mit seinen Geschäftspartnern in Winsen das Fleischereiunternehmen „Heimat Bavaria Spezialitäten“.<ref>Martina Kalus: Traditioneller Maibockanstich eröffnet Starkbier-Saison. In: B&L Medien. 5. April 2019, abgerufen am 6. Januar 2020.</ref> Einen „Lebensabend als Rentner“ habe er sich nie vorstellen können, er brauche Beschäftigung, sagte er im Juli 2018 gegenüber dem Hamburger Abendblatt.<ref name=":2" />
Persönliches
Kohl wuchs mit zwei Geschwistern in Hamburg auf. Mit seiner Ehefrau Ute hat er eine Tochter, Gaby Kohl. Diese ist wiederum mit Dietmar Poszwa, dem ehemaligen Geschäftsführer von Spotlight Boxing, verheiratet.
1997 war Kohl in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt: Auf dem Rückweg von einem Kampfabend in Berlin wurde sein Wagen im Hamburger Stadtteil Farmsen von einem anderen PKW gerammt, Kohls Auto wurde in einen Vorgarten geschleudert.<ref>Unglück nach dem Kampf. In: Hamburger Abendblatt. 25. März 1997, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. September 2019; abgerufen am 17. April 2022. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Kohl erlitt einen vierfachen Beckenbruch sowie weitere 22 Knochenbrüche. Er lag neun Tage im künstlichen Koma und musste drei Wochen im Krankenhaus bleiben.<ref>1997 erwischte es Kohl selbst. In: Hamburger Morgenpost. Abgerufen am 23. Juni 2023.</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kohl, Klaus-Peter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Geschäftsmann und Box-Promotor |
| GEBURTSDATUM | 4. Mai 1944 |
| GEBURTSORT | Hamburg |