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Schlauchreifen

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Datei:Tubular Tyre Cut Open 06.jpg
Aufgeschnittener Schlauchreifen. Innen der Schlauch (rot), umgeben von einem textilen Mantel (weiß). Die gummierte Lauffläche (Protektor) ist im Bild rechts, die Klebefläche links.

Schlauchreifen (Schweiz: Collé oder auch Tubolare) sind eine Bauart des Fahrradreifens, bei der der textile Reifenmantel zu einer geschlossenen Hülle vernäht ist, in deren Innerem der luftdichte Schlauch liegt. Damit unterscheidet er sich von den deutlich gängigeren Draht- und Faltreifen, bei denen sich der Schlauch zwischen Mantel und Felge befindet.

Schlauchreifen werden vorwiegend im Straßenradsport, bei Querfeldein-Rennen, im Bahnradsport sowie bei Saalsportdisziplinen (Kunstradfahren, Radball, Radpolo und zum Beispiel beim Rollstuhlbasketball) verwendet.

Aufbau

Der Mantel eines Schlauchreifens besteht aus zwei bis drei Lagen gummiertem Gewebe aus Baumwolle, Nylon oder Seide,<ref></ref> welches zu einem Torus vernäht ist.<ref name=":1" details="64"/> Diese Naht wird mit einem dünnen, aufgeklebten textilen Nahtband geschützt. Die außenliegende Lauffläche des Mantels, der Protektor,<ref>Schlauchreifen montieren. In: Kurbelix. 22. Februar 2018, abgerufen am 2. August 2023.</ref> wird durch eine Gummiauflage griffig gemacht, häufig auch verstärkt durch ein bis zwei Gewebestreifen darunter. Auf der Innenseite ist der Mantel vernäht. Im Inneren liegt der Schlauch, meist aus Latex oder Butyl, seltener aus TPU.<ref>Hans-Erhard Lessing, Tony Hadland: Evolution des Fahrrads. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2021, ISBN 978-3-662-63487-5, S. 187, doi:10.1007/978-3-662-63487-5.</ref><ref>Paul Norman: So long latex | New Pirelli P Zero Race SL tubular tyres use thermoplastic polyurethane inner tube. In: Bike Radar. 27. April 2021, abgerufen am 17. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Latex- und Butylschläuche sind innen mit Talkum versehen, damit die Wände nicht verkleben können.

Für die Straße hergestellte Schlauchreifen werden mit Breiten von 18 bis 30 mm angeboten, deren Masse liegt zwischen 140 und 370 Gramm.

Felgen

Datei:Bicycle rim diagrams 04.png
Felgen für Schlauchreifen haben ein konkaves Felgenbett.
Datei:Schlauchreifen.jpg
Schlauchreifen auf Felge (wenig Luft und Reifen angehoben zur Veranschaulichung des Klebers)

Schlauchreifen benötigen Felgen, die eine nach innen gewölbte (konkave) Außenfläche (das Felgenbett) besitzen, aber keine Felgenhörner. Da die Felge so nicht dem Reifeninnendruck standhalten muss, können Schlauchreifenfelgen besonders leicht konstruiert werden. Dies ermöglicht auch besonders hohe Drücke von bis zu 14 Bar.<ref name=":1" details="67"/>

Bis in die 1950er Jahre waren Felgen aus Hickoryholz verbreitet; sie waren zwar leichter als damalige Aluminiumfelgen, die meist auf einem Holzkern basierten, aber aufwendiger in der Herstellung und hielten Nässe nur bedingt stand.<ref>Jobst Brandt: The Bicycle Wheel. 3. Auflage. Avocet, Menlo Park, CA 1993, ISBN 978-0-9607236-6-9, S. 55 f.</ref> Holzfelgen fanden bei Bahnrädern noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts Verwendung.<ref name=":2" />

Einsatz

Die Kombination aus Schlauchreifen und Felge ist mindestens 200 Gramm leichter als andere Reifensysteme, wodurch weniger Energie zum Beschleunigen und an Steigungen benötigt wird.<ref name=":3">Robert Kühnen: Sind Schlauchreifen beim Rennrad ein Auslaufmodell? In: Tour. 26. Mai 2022, abgerufen am 4. August 2023.</ref> Aufgrund der hohen Kosten werden sie überwiegend im professionellen Radsport verwendet.<ref name=":4">C. Calvin Jones: Big blue book of bicycle repair. 4. Auflage. 2019, 2. “Tires & Tubes”.</ref>

Straßen- und Bahnräder
Im Straßen- und Bahnradsport sind Schlauchreifen bei Rennen gängig, seit etwa 2020 kommen jedoch auch vermehrt Falt- und Tubeless-Reifen zum Einsatz.<ref name=":3" /><ref name=":5">Emily Tillett: Have we witnessed the death of tubular tyres? Why tubeless now rules the Tour de France peloton. In: road.cc. 9. Juli 2023, abgerufen am 17. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Durch die Verwendung breiterer Reifen mit niedrigeren Drücken bietet der hohe Maximaldruck im Straßenrennsport keinen Vorteil mehr. Da die Reibung zwischen Schlauch und Mantel entfällt, haben schlauchlose Reifen („tubeless“) zudem einen geringeren Rollwiderstand und sind durch eine Dichtflüssigkeit pannensicherer.<ref name=":4" /><ref name=":5" /><ref>Michael Sinner: Tubeless-Reifen. In: velonerd.cc. 24. Januar 2018, abgerufen am 4. August 2023.</ref>
2022 wurde der mit Schlauchreifen aufgestellte Stundenweltrekord zweimal mit Faltreifen geschlagen.<ref>Jan Gathmann: Dan Bigham fährt neuen Stundenrekord: 55,548 Kilometer in einer Stunde. In: Rennrad News. 19. August 2022, abgerufen am 4. August 2023.</ref><ref>Josh Croxton: €75k per hour – Filippo Ganna’s full gear and kit list for his Hour Record attempt. In: Cycling News. 9. Oktober 2022, abgerufen am 4. August 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Cyclocross
Beim Cyclocross werden Schlauchreifen vor allem wegen des Handlings bei sehr niedrigen Drücken weiterhin bei Training und Rennen verwendet.<ref>Dan Cavallari: CX tubeless: Can it compete with tubulars? In: Velo. 9. Oktober 2015, abgerufen am 4. August 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Jordan Villella: The Best Cyclocross Tires – Tubulars, Tubeless & Clinchers for Every Condition. In: Bike Rumor. 14. November 2022, abgerufen am 4. August 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Mountainbikes
Im Mountainbikebereich waren Schlauchreifen Nischenprodukte.<ref>Luke Webber: Tech scoops at mountain bike World’s in Italy. In: BikeRadar. 17. Juni 2008, abgerufen am 23. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Spencer Powlison: Reviewed: Geax Saguaro tubular mountain bike tires. In: Velo. 30. September 2013, abgerufen am 23. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seit etwa 2010 wurden die vorher üblichen Drahtreifen weitestgehend von Faltreifen, welche meist schlauchlos gefahren werden, verdrängt.<ref name=":5" />

Sicherheit

Bei längeren steilen Abfahrten können Felgenbremsen die Felge so stark erhitzen, dass der verwendete Kleber schmilzt und sich der Schlauchreifen von der Felge löst.<ref></ref>

Montage und Reparatur

Datei:Rim cement for cycling tubulars.jpg
Schlauchreifenkitt
Datei:Continental Carbon Specific Tubular Glue 03.jpg
Reifenkleber wird auf eine Felge aus Carbon aufgetragen

Um Schlauchreifen auf der Felge zu halten, müssen sie aufgeklebt werden. Vor allem im Bahnradsport wurde dazu früher oft ein Kleber auf Schelllackbasis verwendet, heute verwendet man dazu zähflüssigen Klebstoff („Reifenkitt“) oder Felgenklebeband.<ref name=":2"></ref> Klebereste werden von der Felge entfernt, bevor die neue Kleberschicht aufgetragen wird.<ref name=":0" />

Ein platter Schlauchreifen kann im Gegensatz zu anderen Luftreifen auch platt noch begrenzt gefahren werden, da er durch den Kleber fest mit der Felge verbunden ist.<ref name=":1" details="68"/><ref name=":5" /> Er kann unterwegs jedoch nicht mittels Flickzeug repariert werden, muss also komplett getauscht werden, wobei bei einer Feldreparatur die vorhandene Kleberschicht in der Regel nicht entfernt wird.<ref name=":0"></ref>

Ein Schlauchreifen kann repariert werden, indem die Naht des Mantels aufgetrennt, der Schlauch entnommen und geflickt und anschließend wieder in den Mantel eingenäht wird.<ref></ref><ref name=":1" details="181"></ref>

Literatur

  • Michael Gressmann, Franz Beck, Rüdiger Bellersheim: Fachkunde Fahrradtechnik. 1. Auflage, Verlag Europa-Lehrmittel, Haan-Gruiten, 2006, ISBN 3-8085-2291-7
  • Frank Lewerenz, Martin Kaindl, Tom Linthaler: Das Rennrad Technikbuch. 1. Auflage, Pietsch Verlag, Stuttgart, 2005, ISBN 3-613-50486-3
  • Peter de Leuw: Fahrräder Richtig auswählen, sicher fahren. 1. Auflage, Beuth Verlag GmbH, Berlin-Wien-Zürich, 2006, ISBN 3-410-16487-1
  • Jörg Urban, Jürgen Brück: Fahrradreparaturen Wartung und Pannenhilfe. 1. Auflage, Gondrom Verlag GmbH, Bindlach, 2007, ISBN 978-3-8112-2938-9

Einzelnachweise

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