Zum Inhalt springen

Flupentixol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 16. April 2026 um 00:51 Uhr durch imported>M0a9r1c1el (Link zur wikipedia seite blickkrampf hinzugefügt).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Strukturformel
Strukturformel von Flupentixol ohne spezifische Angabe der Stereochemie
Strukturformel ohne spezifische Angabe der Stereochemie (cis-trans-Isomerengemisch)
Allgemeines
Freiname Flupentixol
Andere Namen
  • (E,Z)-4-[3-(2-Trifluormethyl-9-thioxanthenyliden)propyl]-1-piperazinethanol (Isomerengemisch)
  • Flupenthixol
Summenformel C23H25F3N2OS
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff<ref name="sigma" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 220-304-9
ECHA-InfoCard 100.018.459
PubChem 17012
DrugBank DB00875
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N05AF01

Wirkstoffklasse

Neuroleptikum

Eigenschaften
Molare Masse
  • 434,52 g·mol−1 (Flupentixol)
  • 507,44 g·mol−1 (Flupentixol·Dihydrochlorid)
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
cis-Flupenthixoldihydrochlorid<ref name="sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>
Datei:GHS-pictogram-exclam.svg

Achtung

H- und P-Sätze H: 302​‐​312​‐​332
P: 280<ref name="sigma" />
Toxikologische Daten

150 mg·kg−1 (LD50Mausi.p.)<ref name="sigma" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Flupentixol ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Thioxanthene, der als Antipsychotikum zur Behandlung der Schizophrenie verwendet wird.

Flupentixol wurde als Neuroleptikum von der Firma Smith Kline & French 1963 patentiert.

Isomerie

Flupentixol ist ein Alken mit einer unsymmetrisch substituierten Doppelbindung. Folglich gibt es zwei isomere Formen, das (Z)-Isomer (cis-Isomer) und das (E)-Isomer (trans-Isomer). Die beiden Isomere besitzen unterschiedliche chemische, physikalische und pharmakologische Eigenschaften. Das (Z)-Isomer ist pharmakologisch etwa um den Faktor 50 bis 700<ref>Fachinformation Fluanxol Depot 10 %, 100 mg/ml, Stand August 2013.</ref> aktiver als das (E)-Isomer.<ref name="MerckIndex">The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, ISBN 978-0-911910-00-1, S. 716.</ref>

Stereoisomere von Flupentixol
Name (E)-Flupentixol (Z)-Flupentixol
Andere Namen trans-Flupentixol cis-Flupentixol
Strukturformel Datei:Structural formula of (E)-Flupentixol.svg Datei:Structural formula of (Z)-Flupentixol.svg
CAS-Nummer Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN
Vorlage:CASRN (unspez.)
EG-Nummer 258-759-0 258-756-4
220-304-9 (unspez.)
ECHA-Infocard Vorlage:ECHA Vorlage:ECHA
Vorlage:ECHA (unspez.)
PubChem 5281878 5281881
17012 (unspez.)
DrugBank - -
DB00875 (unspez.)
Wikidata Q27896066 Q420350
Q27164953 (unspez.)

Pharmakologie

Flupentixol hat die Eigenschaft eines herkömmlichen (typischen) Neuroleptikums aus der Thioxanthen-Reihe mit antipsychotischer Wirkung. Es ist ein hochpotentes Neuroleptikum (mit einem Chlorpromazinindex von etwa 50). Es blockiert als Antagonist etwa mit gleicher Affinität die Dopamin-D1- sowie Dopamin-D2-Rezeptoren. Außerdem blockiert es die Serotonin-5-HT2A-Rezeptoren, geringfügiger auch die α1-Adrenozeptoren und die Histamin-H1-Rezeptoren. Flupentixol wirkt zudem als FIASMA (funktioneller Hemmer der sauren Sphingomyelinase).<ref name="pmid18504571">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Wie alle Thioxanthene liegt auch Flupentixol als Gemisch von zwei isomeren Formen vor: das antipsychotisch wirksame (Z)-(cis)- sowie das weniger wirksame (E)-(trans)-Isomer. Im Vergleich zu Chlorpromazin erzeugt Flupentixol mehr Bewegungsstörungen und Schwindel, aber geringere anticholinerge Wirkungen (wie trockenen Mund).<ref>M. Tardy, M. Dold, R. R. Engel, S. Leucht: Flupenthixol versus low-potency first-generation antipsychotic drugs for schizophrenia. In: The Cochrane database of systematic reviews. Nummer 9, September 2014, S. CD009227, doi:10.1002/14651858.CD009227.pub2, PMID 25177834.</ref>

Verwendung

Anwendungsgebiete

Flupentixol wird angewendet bei akuten und chronischen Schizophrenien bei motorisch ruhigen Patienten; bei Psychosen, die mit Autismus, Negativismus, Apathie und gesenkter Stimmungslage einhergehen. Bei psychotischen Zuständen, besonders bei resistenten Fällen; bei Paraphrenie; bei organischen Psychosen. Flupentixol hat eine sogenannte biphasische Wirkung: In niedrigen Dosierungen blockiert es vorzüglich die präsynaptischen Dopaminrezeptoren (sogenannte Autorezeptoren) und erhöht dadurch den Dopaminumsatz (Ausschüttung des Dopamin), wodurch eine Besserung der sog. Negativ-Symptome der Schizophrenie wie sozialer Rückzug, affektive Verflachung, aber auch depressiver und ängstlicher Symptome sowie mancher Symptome bei Persönlichkeitsstörungen erreicht wird. In höheren Dosierungen oder als Depot-Injektion (siehe unten) blockiert es vorrangig die postsynaptischen Dopaminrezeptoren, wodurch die eigentliche neuroleptische Wirkung zustande kommt. Bei jeder Anwendung bzw. Dosierung muss der Arzt die potenziellen extrapyramidalen Störungen, die durch das Neuroleptikum verursacht werden könnten, berücksichtigen.

Darreichungsformen

Flupentixol gibt es in peroralen (zur Einnahme) galenischen Formen wie Tropfen und Tabletten, in denen der Arzneistoff in Form des Flupentixoldihydrochorids<ref>Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Flupentixoldihydrochorid: CAS-Nr.: Vorlage:CASRN, EG-Nr.: 219-321-4, ECHA-InfoCard: Vorlage:ECHA, GESTIS: Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), PubChem: 5282483, ChemSpider: 16114, DrugBank: DBSALT000929, Wikidata: Q72479594.</ref> eingesetzt wird – eines weißen oder nahezu weißen Pulvers, das sehr leicht löslich in Wasser, löslich in Ethanol und praktisch unlöslich in Methylenchlorid ist.<ref name="pheur9.0"></ref> Es handelt sich um ein Isomerengemisch, in dem der Anteil des (Z)-Isomeren 42,0 bis 52,0 % beträgt.<ref name="pheur9.0" /> Ferner ist das Arzneimittel als Depotinjektion für die intramuskuläre Injektion erhältlich. In der Depotinjektion wird Flupentixol verestert mit der Fettsäure Decansäure (Flupentixoldecanoat<ref>Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Flupentixoldecanoat: CAS-Nr.: Vorlage:CASRN, EG-Nr.: 250-385-6, ECHA-InfoCard: Vorlage:ECHA, GESTIS: Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), PubChem: 3032886, ChemSpider: 21229707, DrugBank: DBSALT000928, Wikidata: Q27256987.</ref>) in öliger Lösung eingesetzt. Dosierungen reichen von den typischen 40 mg bis zu 200 mg.<ref>J. Mahapatra, S. N. Quraishi, A. David, S. Sampson, C. E. Adams: Flupenthixol decanoate (depot) for schizophrenia or other similar psychotic disorders. In: The Cochrane database of systematic reviews. Nummer 6, Juni 2014, S. CD001470, doi:10.1002/14651858.CD001470.pub2, PMID 24915451.</ref> Von der Depotarzneiform werden die Einzeldosen nur einmal alle zwei bis vier Wochen tief in einen Muskel gespritzt. Das ölige Depot im Muskel setzt Flupentixoldecanoat langsam frei und gibt es in den Organismus ab. Die Freisetzung erfolgt durch Diffusion, zum Teil aber auch durch metabolischen Abbau des Öls. Außerhalb des Applikationsortes wird Flupentixoldecanoat enzymatisch hydrolysiert, wobei Decansäure und der aktive Wirkstoff Flupentixol entstehen. Anders als in den oralen Formulierungen liegt im Depotpräparat der Arzneistoff praktisch als reines (Z)-(cis)-Isomer vor. (Z)-Flupentixoldecanoat ist ein gelbes, dickflüssiges Öl, das sehr schwer löslich in Wasser, löslich in Ethanol und leicht löslich in Ether ist.<ref>Flupentixol Decanoate. In: British Pharmacopoeia 2016, Band I, S. 1008.</ref>

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen (bei mehr als 1 von 10 Behandelten) sind Akathisie (Sitzunruhe), Blickkrampf, Dyskinesie (Störung eines Bewegungsablaufs), Frühdyskinese, Hypokinese (Bewegungsarmut), Hypotonie (Blutdruckabfall), Müdigkeit, Parkinsonoid, Rigor (Muskelstarre), Schiefhals, Speichelfluss, Tachykardie (Herzrasen) und Tremor (Zittern), Gefühl des Hinfallens, wenn aus der Bewegung angehalten wird.

Durch eine der Serumosmolarität unangemessen hohe Freisetzung von ADH kann Flupentixol (wie andere Medikamente auch) zum Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) führen, wobei es zu einer vermehrten Rückresorption von freiem Wasser über die Niere kommt, was sich mit einem Abfall vor allem des Natriums im Blut äußert.<ref>Nederlands Bijwerkingen Centrum Lareb: Olanzapine and hyponatraemia, September 2006.</ref>

Handelsnamen

Flupentixol wurde 1966<ref>Neuro-Psychopharmaka: Ein Therapie-Handbuch. Band 1: Allgemeine Grundlagen der Pharmakopsychiatrie. Peter Riederer, Gerd Laux, W. Pöldinger (Hrsg.) Springer-Verlag, Wien, 1992. S. 63 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.)</ref> unter dem Handelsnamen Fluanxol in Deutschland eingeführt und ist auch in anderen europäischen Ländern unter diesem Namen im Markt. Heute gibt es darüber hinaus Generika.

Flupentixol ist oral wirksam (Filmtabletten, Tropfen). Speziell für die Langzeittherapie und Rezidivprophylaxe gibt es die intramuskuläre Depotform.

In der Schweiz und Österreich ist Flupentixol zusammen mit dem trizyklischen antidepressiv wirksamen Stoff Melitracen als Kombinationspräparat unter dem Namen Deanxit erhältlich. In Deutschland ist dieses Medikament nicht im Handel.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein