Franz Chvostek junior
Franz Chvostek junior (* 3. Oktober 1864 in Wien; † 17. April 1944 auf Burg Groppenstein in Obervellach, Kärnten) war ein österreichischer Internist.
Leben
Chvostek wurde als Sohn von Franz Chvostek senior geboren, der als Internist an der Wiener Militärärztlichen Akademie im Josephinum tätig war. Chvostek studierte Medizin an der Universität Wien. Während seines Studiums<ref>Ernst Elsheimer (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Burschenschafter nach dem Stande vom Wintersemester 1927/28. Verlag der Burschenschaftlichen Blätter, Frankfurt am Main 1928, S. 72.</ref> wurde er als „begeisterter Bekenner des Waffenstudententums“ 1882 Mitglied der Wiener akademischen Burschenschaft Olympia.<ref>Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 72.</ref> Als Anhänger Georg von Schönerers kam er in Konflikt mit andersgesinnten Couleurstudenten, seine drohende Relegation von der Universität konnte noch verhindert werden.<ref> </ref><ref name="strassennamen">Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ (PDF; 4,2 MB), S. 112ff, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013</ref> 1888 wurde Chvostek zum Dr. med. promoviert. Er war Assistent bei Heinrich von Bamberger, Otto Kahler, Edmund von Neusser und bei Theodor Meynert. 1894 wurde er habilitiert.
1909 wurde er Ordinarius und 1911 Leiter der (für ihn geschaffenen) IV. Medizinischen Klinik in Wien,<ref name="oebl">Biographie im Österreichischen Biographischen Lexikon 1815–1950, Bd. 1, S. 148</ref> die 1913, ein Jahr nach Edmund von Neussers Tod, in der III. Medizinischen Klinik aufging, wo Chvostek dem in die II. Medizinische Klinik aufrückenden Norbert Ortner (1865–1935) nachfolgte.
Im Mai 1911 wurde Chvostek in Tagesberichten häufig genannt, da er auf Wunsch von Alma Mahler-Schindler (bereits in Paris) zur Behandlung von Gustav Mahler (1860–1911) hinzugezogen wurde.<ref>Gustav Mahler. (…) Abreise Professor Chvosteks nach Paris. In: Illustrierte Kronen-Zeitung, Nr. 4080/1911 (XII. Jahrgang), 11. Mai 1911, S. 8, Mitte unten. (online bei ANNO).</ref>
Ab dem Wintersemester 1931 befand sich Franz Chvostek wegen eines Herzleidens auf Krankenurlaub. An der Klinik sowie im Lehrbetrieb vertrat ihn Hermann Kahler (1891–1951), im März 1932 meldete er gegenüber der Wiener Ärztekammer seine Praxis ab, was zu spitzen Zeitungskommentaren Anlass gab.<ref>st. gr.: Chvostek. In: Prager Tagblatt, Nr. 69/1932 (XII. Jahrgang), 20. März 1932, S. 6, Mitte links. (online bei ANNO).</ref> Im Mai 1933 wurde vom Finanzministerium die Pensionierung Chvosteks beschlossen und die III. Medizinische Klinik aufgelöst.<ref>Professor Chwostek (sic!) pensioniert. In: Der Morgen. Wiener Montagblatt, Nr. 21/1933 (XXIV. Jahrgang), 22. Mai 1932, S. 4. (online bei ANNO).</ref>
Chvostek hatte sich bereits 1931 auf seine Besitzung Burg Groppenstein zurückgezogen, wo er in seinen späten Lebensjahren noch in den Ehestand trat.<ref>H(ermann) Kahler: Professor Dr. Franz Chvostek. In: Wiener Medizinische Wochenschrift, Jahrgang 1944, Nr. 21/22 vom 3. Juni 1944, S. 241 f. (online bei ANNO).</ref>
Chvostek beschrieb die nach ihm benannte „Chvosteksche Anämie“. Wenige Monate vor der Verleihung der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft zu seinem 80. Geburtstag starb Franz Chvostek am 17. April 1944.
Politische Überzeugungen
Chvostek war ein entschiedener Gegner des Frauenstudiums in Österreich und ließ dies auch gewaltsam in seinen Lehrveranstaltungen durchsetzen.<ref name="strassennamen" />
Nach dem Ersten Weltkrieg schloss sich Chvostek der Bewegung Erich Ludendorffs im Rahmen der nationalistischen und antisemitischen Völkischen Bewegung an. Die III. Medizinische Klinik wurde dadurch schon in den 1920ern „Hakenkreuzlerklinik“ genannt und wird heute von Herwig Czech als "a hotbed of Pan-German nationalist and Nazi agitation" bezeichnet.<ref>Herwig Czech: Hans Asperger, National Socialism, and “race hygiene” in Nazi-era Vienna. In: Molecular Autism. Band 9, Nr. 1, 19. April 2018, ISSN 2040-2392, S. 29, doi:10.1186/s13229-018-0208-6, PMID 29713442, PMC 5907291 (freier Volltext).</ref> Während der NS-Zeit wurde 1943 und 1944 Chvostek für die Verleihung der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft nominiert und dabei auf seine „stets nationale“ Einstellung verwiesen.<ref name="strassennamen" />
Ehrungen
Im Jahr 1955 wurde in Wien-Donaustadt (22. Bezirk) die Feldgasse in Chvostekgasse nach ihm umbenannt.
1974 versuchte die Burschenschaft Olympia für Chvostek eine Büste im Arkadenhof der Universität Wien zu errichten. Die Ablehnung des Antrags wurde vom Senat der Universität mit der mangelnden Bedeutung Chvosteks in seinem Fachgebiet begründet.<ref name="strassennamen" />
Literatur
- Chvostek Franz. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 1, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1957, S. 148.
- Leopold Schönbauer: Chvostek, Franz. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 3. Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
Weblinks
- Eintrag zu Franz Chvostek junior im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon)
- Ole Daniel Enersen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Franz Chvostek ( vom 25. April 2025 im Internet Archive) bei whonamedit.com
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Chvostek, Franz junior |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Internist |
| GEBURTSDATUM | 3. Oktober 1864 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 17. April 1944 |
| STERBEORT | Burg Groppenstein, Obervellach |
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Internist
- Hochschullehrer (Universität Wien)
- Mediziner (19. Jahrhundert)
- Mediziner (20. Jahrhundert)
- Burschenschafter (19. Jahrhundert)
- Absolvent der Universität Wien
- Person (Cisleithanien)
- Österreicher
- Geboren 1864
- Gestorben 1944
- Mann