Wilfried Feichtinger
Wilfried Waldemar Feichtinger (* 19. Oktober 1950 in Wien-Döbling; † 3. Juni 2021 in Perchtoldsdorf<ref>IVF-Pionier Feichtinger gestorben. In: ORF.at. 3. Juni 2021, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>) war ein österreichischer Gynäkologe und Reproduktionsmediziner. Er gilt als einer der Pioniere der In-vitro-Fertilisation (IVF) im deutschsprachigen Raum.
Gemeinsam mit Peter Kemeter baute er ab 1979 an der 2. Universitäts-Frauenklinik<ref>Eduard Gitsch, Johannes Huber: Die Geschichte der I. Universitäts-Frauenklinik Wien. In: Zentralblatt für Gynäkologie. Band 106, 1984, S. 1587–1593 (muvs.org [PDF; abgerufen am 11. Februar 2026] Digitalisat: Medizinisches Universitätsmuseum).</ref><ref>georgscherer: Die Jugendstil-Kliniken des Wiener AKH. In: WienSchauen. 13. Oktober 2019, abgerufen am 3. Juni 2025.</ref> in Wien ein IVF-Programm nach dem Vorbild von Patrick Steptoe und Robert Edwards auf. Aus diesem ging am 5. August 1982 mit Zlatan Jovanovic das erste in Österreich durch IVF gezeugte Kind hervor; im November 1982 folgten im Wiener Rudolfinerhaus die ersten europäischen IVF-Zwillinge. Noch im selben Monat eröffneten Feichtinger und Kemeter eine der weltweit ersten ambulanten IVF-Einrichtungen.
1984 entwickelte Feichtinger mit Kemeter und der Firma Kretztechnik die ultraschallgesteuerte transvaginale Follikelpunktion, die international zum Standardverfahren der Eizellentnahme wurde. Im selben Jahr gelang den beiden zudem die erste Schwangerschaft nach Eizellspende im deutschsprachigen Raum, 1986 die erste österreichische Geburt nach Kryokonservierung eines Embryos. 2005 folgte – gemeinsam mit dem Genetiker Markus Hengstschläger – die erste Präimplantationsdiagnostik in Österreich.
Das daraus hervorgegangene Institut – seit etwa 2013 Wunschbaby Institut Feichtinger – leitete er bis 2018, ehe sein Sohn Michael die Leitung übernahm. Bis zu seinem 40-jährigen Bestehen 2023 verzeichnete das Institut nach eigenen Angaben über 20.000 Geburten und zählt damit zu den größten reproduktionsmedizinischen Einrichtungen Österreichs.
Feichtinger starb 2021 im Alter von 70 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.
Herkunft und Ausbildung
Feichtinger wuchs in Wien-Döbling als Sohn einer aus Russland emigrierten Mutter und eines aus Mistelbach stammenden Vaters auf.<ref name=":1" /> Sein Vater Friedrich Feichtinger (1920–2011) hatte Welthandel studiert und arbeitete als Buchhalter.<ref name=":5">IVF-Pionier Wilfried Feichtinger – Kinderwunsch Institut Feichtinger, Wien. In: wunschbaby.at. Abgerufen am 18. April 2025.</ref>
Von seiner russischen Großmutter erlernte er in der Kindheit Russisch in Wort und Schrift und wuchs zweisprachig auf. Von 1957 bis 1961 besuchte er die Volksschule in der Leopoldstadt, anschließend von 1961 bis 1969 das Gymnasium Hagenmüllergasse im 3. Wiener Gemeindebezirk, wo er am 10. Juni 1969 maturierte.<ref name=":5" />
Im Herbst 1969 begann er ein Medizinstudium an der Universität Wien, das er am 16. Mai 1975 mit der Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde abschloss.<ref name=":4" /> Anschließend arbeitete er von 1975 bis 1977 als Turnusarzt im Krankenhaus Baden.<ref name=":15" />
Medizinische Laufbahn
| Zeitraum | Adresse | Leitung | Institutsbezeichnung |
|---|---|---|---|
| 1982–1984 | Hadikgasse 76, 14. Bezirk (Penzing) | Feichtinger & Kemeter | ARGE „Extrakorporale Fertilisierung und Sterilitätsdiagnostik“ |
| 1984–1990 | Trauttmansdorffgasse 3A, 13. Bezirk (Hietzing) | Feichtinger & Kemeter | Institut für Endokrinologie der Fortpflanzung und In-vitro-Fertilisierung (später: Institut für Sterilitätsbetreuung) |
| 1991–1999 | Trauttmansdorffgasse 3A, 13. Bezirk (Hietzing) | Feichtinger | Institut für Sterilitätsbetreuung |
| 2000–heute | Lainzer Straße 6, 13. Bezirk (Hietzing) | Feichtinger (bis 2018), danach Michael Feichtinger | Wunschbaby-Zentrum, Institut für Kinderwunsch (ab ca. 2013: Wunschbaby Institut Feichtinger – WIF) |
Zweite Universitäts-Frauenklinik (1977–1983)
Facharztausbildung
Im September 1977 begann Feichtinger seine Facharztausbildung zum Gynäkologen an der 2. Universitäts-Frauenklinik (2. UFK) am Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Wien unter Hugo Husslein.<ref>Nachruf Prof. H. Husslein. (PDF; 384 KB) In: Gynäk. Rdsch. 25: 69-71. Karger Publishers, 1985, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> Dieser hatte die Klinik von 1964 bis 1979 geleitet und ab etwa 1970 die Fortpflanzungsmedizin zu einem zentralen Forschungsschwerpunkt gemacht.<ref name=":6" /> Nach Hussleins Emeritierung 1979 setzte Feichtinger seine Ausbildung zunächst unter Alfred Kratochwil<ref>MedUni Wien trauert um Alfred Kratochwil – Pionier der Ultraschalldiagnostik im 95. Lebensjahr verstorben. In: meduniwien.ac.at. 19. Oktober 2022, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> und später unter Herbert Janisch<ref>Nachruf Em. Univ.-Prof. Dr. med. Herbert A. Janisch (1927–2010). (PDF; 735 KB) In: Speculum – Zeitschrift für Gynäkologie und Geburtshilfe 2011; 29 (1) (Ausgabe für Österreich), 22-23. Krause & Pachernegg • Verlag für Medizin und Wirtschaft • A-3003 Gablitz, 2011, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> fort.
Ein zentraler Bestandteil seiner Ausbildung war die turnusmäßige Mitarbeit in der Hormon- und Sterilitäts-Ambulanz, die von den Oberärzten Florian Friedrich und Peter Kemeter geleitet wurde.<ref name=":22" /><ref name=":13">Die Frauenheilkunde in Wien von ihren Anfängen bis in die Jetztzeit. (PDF; 830 kB) In: Speculum – Zeitschrift für Gynäkologie und Geburtshilfe 2019; 37 (3) (Ausgabe für Österreich), 3-23. Krause & Pachernegg • Verlag für Medizin und Wirtschaft • A-3003 Gablitz, 2019, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
Aufbau des IVF-Programms (1979–1983)
Am 25. Juli 1978 gelang den britischen Medizinern Patrick Steptoe und Robert Edwards mit der Geburt von Louise Joy Brown erstmals eine Befruchtung außerhalb des Körpers (in vitro), auch In-vitro-Fertilisation genannt. Der Erfolg gab auch in Österreich der Forschung zur Reproduktionsmedizin neue Impulse.
Im Jänner 1979 reiste Feichtinger – damals Universitätsassistent an der 2. UFK – nach London, wo das Verfahren bei einem Fachvortrag vorgestellt wurde.<ref name=":11">25 Jahre erfolgreiche künstliche Befruchtung in Österreich – Alle Informationen zur Reproduktionsmedizin in Österreich von den Anfängen bis zur Gegenwart. Sommer 2007. (PDF; 690 kB) In: wunschbaby.at. 2007, abgerufen am 11. Februar 2026 (Broschüre).</ref> Zurück in Wien erhielt er von Klinikleiter Hugo Husslein die Zustimmung, beim Forschungsförderungsfonds (FFF) einen Antrag auf Aufbau eines IVF-Programms nach britischem Vorbild zu stellen.<ref name=":1" /> Mit den bewilligten Mitteln stellte er ein Team zusammen, das er bis 1982 leitete; sein wissenschaftlicher Schwerpunkt verlagerte sich auf IVF, Embryotransfer und hormonelle Zyklussteuerung (gynäkologische Endokrinologie).<ref name=":11" />
Im April 1983 verließ Feichtinger die 2. UFK, nachdem die Fortführung des IVF-Programms anderen Kollegen übertragen worden war.<ref name=":22">Wilfried Feichtinger: Entwicklung der IVF in Österreich – ein persönlicher Rückblick. (PDF; 1 MB) In: Speculum – Zeitschrift für Gynäkologie und Geburtshilfe 2018; 36 (3) (Ausgabe für Österreich). Krause & Pachernegg • Verlag für Medizin und Wirtschaft, 2018, S. 11–17, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref name=":3" />
Erste IVF-Geburt in Österreich (1982)
1980 gelang dem Team der 2. Universitäts-Frauenklinik – Alfred Kratochwil, Adolf Beck, Wilfried Feichtinger, Stefan Szalay und Peter Kemeter – die erste IVF-Schwangerschaft in Österreich, die jedoch in der achten Woche mit einer Fehlgeburt endete.<ref name=":11" /><ref name=":10">30 Jahre IVF in Österreich. (PDF; 835 kB) In: Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Krause & Pachernegg, 20. Oktober 2012, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> Ein zweiwöchiger Studienaufenthalt von Feichtinger und Szalay beim IVF-Pionier Alex Lopata in Melbourne im Oktober 1980 führte schließlich zum ersten erfolgreichen Embryotransfer.<ref name=":11" />
Am 22. Oktober 1981 gelang Feichtinger, Kemeter und Szalay an der 2. UFK die erste erfolgreiche IVF-Behandlung Österreichs. Aus dieser ging am 5. August 1982 Zlatan Jovanovic hervor – das erste in Österreich durch IVF gezeugte Kind.<ref name="Feichtinger1983">W. Feichtinger, P. Kemeter, S. Szalay: The Vienna program of in vitro fertilization and embryo-transfer – a successful clinical treatment. In: European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology. Band 15, Nr. 2, 1983, S. 63–70. doi:10.1016/0028-2243(83)90174-0 PMID 6409685.</ref> Österreich war damit das sechste Land weltweit, in dem auf diese Weise ein Kind geboren wurde.<ref name=":6">Peter Kemeter: 25 Jahre Geburt des erstes IVF-Babys Österreichs - eine Wiener Erfolgsgeschichte. In: www.kemeter.cc. Abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>Erstes Retortenbaby 30 Jahre alt. In: wien.orf.at. 5. August 2012, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
Feichtinger rückblickend zur Anfangszeit der IVF:
„Zurück in Wien erhielt ich die Zustimmung, alle notwendigen Schritte einzuleiten, um an der 2. Frauenklinik dieses Projekt zu starten. Damals waren die Informationen noch sehr spärlich, die medizinische Industrie war noch nicht auf die Herstellung der notwendigen Materialien eingestellt und wir mussten uns sehr viel selbst zusammenstellen. So ist es nicht verwunderlich, dass wir im ersten Jahr noch keinen Erfolg hatten. Die erste Schwangerschaft 1980 ging leider durch eine Fehlgeburt zugrunde und erst 1981 kam der große Durchbruch. Nach kurzen Studienaufenthalten in England und Australien, wo ich mir gemeinsam mit meinen Kollegen Dr. Kemeter, Dr. Szalay und Dr. Beck die letzten Details abschauen konnte, gelangen uns die ersten erfolgreichen Schwangerschaften in Serie.“
Erste IVF-Zwillinge in Europa (1982)
Am 10. November 1982 kamen in der Wiener Privatklinik Rudolfinerhaus die ersten durch IVF geborenen Zwillinge Österreichs – und zugleich Europas – zur Welt: zwei gesunde Mädchen. Auch diese Geburt wurde von Feichtinger, Kemeter und Szalay betreut.<ref name=":6" />
Ambulante IVF-Praxis Hadikgasse (1982–1984)
Nur 15 Tage nach der Zwillingsgeburt im Rudolfinerhaus gründeten Feichtinger und Kemeter am 25. November 1982 in der Hadikgasse 76 im 14. Wiener Gemeindebezirk (Penzing) die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Extrakorporale Fertilisierung und Sterilitätsdiagnostik. Sie selbst bezeichneten die Einrichtung als weltweit erste ambulante IVF-Praxis; eine unabhängige Bestätigung dieser Einordnung liegt nicht vor.<ref name=":22" /><ref name=":3">Peter Kemeter: 25 Jahre Geburt des ersten IVF-Babys Österreichs – eine Wiener Erfolgsgeschichte – Teil II. (PDF; 1,4 MB) In: Journal für Fertilität und Reproduktion 2007; 17 (4) (Ausgabe für Österreich). Krause & Pachernegg • Verlag für Medizin und Wirtschaft, 2007, S. 13–21, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
Erster internationaler IVF-Kongress in Wien (1983)
Vom 22. bis 24. Juni 1983 organisierten Feichtinger und Kemeter in der Wiener Hofburg den ersten internationalen Kongress zur In-vitro-Fertilisation. Die Tagung zog rund 360 Fachteilnehmer aus dem In- und Ausland an. Neben Fachvorträgen sowie ethischen und rechtlichen Diskussionen umfasste das Programm ein praktisches Seminar mit 80 Teilnehmenden und zehn Kinderwunschpaaren im Rudolfinerhaus.<ref>ORF Ö1: Mittagsjournal: Kongreß über Retortenbabies, Diskussion um ethische und rechtliche Probleme, Probleme Samenbank | Mediathek. Radiobeitrag, Minute 43:33–48:16. In: mediathek.at. Technisches Museum Wien mit Österreichischer Mediathek, 24. Juni 1983, abgerufen am 11. Februar 2026 (Beitrag zum ersten IVF-Weltkongress in der Wiener Hofburg 1983).</ref><ref name=":3" />
Die frühen Behandlungserfolge der Wiener IVF-Praxis fanden rasch international Beachtung. Zahlreiche Berichte führten zu einem starken Zustrom ausländischer Patientinnen – vor allem aus Deutschland, Israel, Italien, den Niederlanden, Griechenland, Frankreich und der Schweiz. Der Standort in der Hadikgasse 76 stieß dadurch bald an seine Kapazitätsgrenzen. Von den ersten 200 dokumentierten Patientinnen (1982–1984) stammten 105 aus Österreich und 95 aus dem Ausland.<ref>Wilfried Feichtinger, Peter Kemeter: „Über die In-vitro-Fertilisierung". In: Erwin Bernat (Hrsg.): Lebensbeginn durch Menschenhand: Probleme künstlicher Befruchtungstechnologien aus medizinischer, ethischer und juristischer Sicht. Leykam Verlag, Graz 1985, ISBN 3-7011-8956-0, S. 59–71, hier: Abbildung 2.</ref>
| Herkunftsland | Patientinnen |
|---|---|
| Österreich | 105 |
| Deutschland | 51 |
| Israel | 11 |
| Italien | 8 |
| Niederlande | 6 |
| Griechenland | 5 |
| Frankreich | 4 |
| Schweiz | 2 |
| Äthiopien | 2 |
| USA | 1 |
| Nigeria | 1 |
| Finnland | 1 |
| Spanien | 1 |
| Jugoslawien | 1 |
| Kanada | 1 |
| Gesamt | 200 |
Institut Trauttmansdorffgasse (1984–1999)
Am 29. Dezember 1984 gründeten die beiden eine Offene Handelsgesellschaft (OHG) unter dem Namen Dr. Feichtinger & Dr. Kemeter, Institut für Endokrinologie der Fortpflanzung und In-vitro-Fertilisierung. Später firmierte sie als Dr. Feichtinger & Dr. Kemeter, Institut für Sterilitätsbetreuung. Die Praxis übersiedelte in eine nahegelegene Villa in der Trauttmansdorffgasse 3A im Zentrum des 13. Wiener Gemeindebezirks (Ortsteil Alt-Hietzing).
In den folgenden Jahren wechselten sich Feichtinger und Kemeter bei der Betreuung ihrer Patientinnen wöchentlich ab.
„Deshalb beschlossen wir bald, uns die Arbeit aufzuteilen und wechselten uns von da an, was die gesamte IVF-Behandlung betrifft, wöchentlich ab. So hatte jeder von uns jede zweite Woche frei für andere Tätigkeiten, z.B. für wissenschaftliche Arbeiten. Dieses System hat dann bis zum Schluß ausgezeichnet funktioniert.“
Das Institut zog in den folgenden Jahren regelmäßig Studierende und Fachleute aus IVF-Zentren weltweit an.<ref name=":3" />
Habilitation in Reproduktionsmedizin (1986)
1986 habilitierte sich Feichtinger an der Universität Wien im Fach Reproduktionsmedizin. Das Verfahren gestaltete sich schwierig, da er nicht mehr an der Universität Wien tätig war und die Vorstände der beiden zuständigen Universitäts-Frauenkliniken seinem Antrag ablehnend gegenüberstanden. Insbesondere Eduard Gitsch, Vorstand der 1. Universitäts-Frauenklinik (1. UFK), bezweifelte, dass die In-vitro-Fertilisation als eigenständiges wissenschaftliches Fachgebiet gelten könne. Nach einer ersten Ablehnung wurde sie schließlich in einem zweiten Verfahren am 7. Oktober 1986 angenommen, gestützt auf positive Gutachten internationaler IVF-Pioniere wie des späteren Nobelpreisträgers Robert Edwards.<ref name=":9">SpringerMedizin.at - Kinderwunsch Institut Feichtinger, Wien. In: wunschbaby.at. 5. Oktober 2010, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref name=":0" /><ref name=":3" />
Im Jänner 1991 schied Peter Kemeter zunächst aus dem gemeinsamen Institut für Sterilitätsbetreuung aus und gründete in der Hadikgasse 82 (Penzing) ein eigenes Kinderwunsch-Institut.<ref name=":6" /><ref name=":3" /> Feichtinger leitete das Institut fortan allein und war dort bis Ende 1999 tätig.
Wunschbaby Institut Feichtinger (ab 2000)
Nachdem die Stadt Wien die behördliche Bewilligung erteilt hatte, übersiedelte das Institut am 22. Februar 2000 an seinen heutigen Standort in der Lainzer Straße 6 in Hietzing.<ref>Landesregierung, Sitzung vom 22. Februar 2000. In: wien.gv.at. Abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
2001 zog Feichtinger in einem Interview eine Zwischenbilanz: Durch die Arbeit seines Teams – zunächst an der Universitäts-Frauenklinik, später am eigenen Institut – seien bis dahin über 3.000 Kinder durch künstliche Befruchtung gezeugt worden.<ref name=":0">Interview kreuz und quer. In: religion.Orf.at. 19. Februar 2001, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Mai 2025; abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>Über 3000 Kinder verdanken ihm das Leben. (PDF) In: Madonna24.at. Tageszeitung ÖSTERREICH, 25. Juni 2012, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
2002 erfolgte die Umbenennung des Instituts für Sterilitätsbetreuung in Wunschbaby-Zentrum, Institut für Kinderwunsch, da der Begriff „Sterilität" häufig irrtümlich mit „Sterilisation" assoziiert wurde.<ref>NEUER NAME: WUNSCHBABY-ZENTRUM. In: Internet Archiv. 16. Mai 2002, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
2008 kehrte Peter Kemeter zurück und übernahm die Leitung der Abteilung für Samenspende am Wunschbaby-Zentrum. Dabei wurde die Samenbank organisatorisch ausgegliedert und an die Vorgaben des Fortpflanzungsmedizingesetzes (FMedG) angepasst, das für Spendersamen eine Aufbewahrungsfrist von 30 Jahren ab Behandlung vorsieht (§ 15 FMedG).<ref name=":4" />
Etwa 2013 erhielt das Institut seinen heutigen Namen Wunschbaby Institut Feichtinger (WIF).
Im Sommer 2017 ging das Institut eine Kooperation mit der neu gegründeten IVF-Klinik Kinderwunsch im Zentrum in Tulln an der Donau ein<ref>Babywunschklinik in Tulln feiert Eröffnung – Tulln. In: MeinBezirk.at. 27. November 2017, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>Redaktion APA: Neue IVF-Klinik „Kinderwunsch im Zentrum" in NÖ. In: NÖN.at. 24. November 2017, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>Kinderwunsch Standorte – Kinderwunsch Institut Feichtinger, Wien. In: wunschbaby.at. Abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> und erwarb 30 % der Anteile an der betreibenden Kinderwunsch im Zentrum GmbH,<ref>Kinderwunsch im Zentrum GmbH in Tulln. In: firmenabc.at. Abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> die von Kathrin und Michael Sator geleitet wird.
Im Mai 2018 übergab Feichtinger die Leitung des Instituts an seinen Sohn Michael Feichtinger, der bereits seit einigen Monaten stellvertretender Leiter gewesen war.<ref name=":14">Generationswechsel bei Wunschbabyinstitut Feichtinger. In: ots.at. 29. Mai 2018, abgerufen am 30. März 2025.</ref><ref>brandaktuell: Generationswechsel bei Wunschbabyinstitut Feichtinger. In: Brandaktuell – Nachrichten aus allen Bereichen. 29. Mai 2018, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
Eröffnung des Standorts Baden (2018)
Im Juli 2018 eröffnete das Wunschbaby Institut Feichtinger einen zweiten Standort in der Roseggerstraße 4 in Baden bei Wien: das Wunschbaby Institut Feichtinger Niederösterreich.<ref>Wunschbaby Institut Feichtinger erweitert Standort – Baden. In: meinbezirk.at. 2. Juli 2018, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
Wissenschaftliche Arbeit und Forschungserfolge
Transvaginale Follikelpunktion (ab 1984)
1984 entwickelten Feichtinger und Kemeter zusammen mit der oberösterreichischen Firma Kretztechnik AG<ref>Carl Kretz: Ein Techniker mit Leib und Seele. In: nachrichten.at. OÖNachrichten, 12. August 2015, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>Warum ein Alpendorf so eng mit der Geschichte des Ultraschalls verbunden ist. In: gehealthcare-ultrasound.com. 11. Dezember 2023, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> einen Ultraschallgerät-Prototypen, der erstmals eine ultraschallgesteuerte transvaginale Follikel-Punktion zur Eizellenentnahme ermöglichte.<ref>Wilfried Feichtinger, Peter Kemeter: Laparoscopic or ultrasonically guided follicle aspiration for in vitro fertilization? In: Journal of in Vitro Fertilization and Embryo Transfer. SPRINGER NATURE Link, Dezember 1984, abgerufen am 11. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":9" /> Damit konnten die Eizellen durch die Scheide entnommen werden – ein wesentlicher Fortschritt gegenüber dem bis dahin üblichen laparoskopischen Zugang durch die Bauchdecke (Bauchspiegelung).<ref></ref> Das Verfahren machte die IVF erstmals ambulant möglich, ohne stationären Aufenthalt;<ref name=":10" /> es setzte sich rasch international durch und wurde zum Standardverfahren der Reproduktionsmedizin.
Bei der transvaginalen Follikelpunktion wird unter Ultraschallkontrolle eine dünne Hohlnadel (Kanüle) durch die Scheidenwand in den Eierstock eingeführt. Die Follikelflüssigkeit wird aus den Eibläschen (Follikeln) abgesaugt, um die darin enthaltenen Eizellen für die künstliche Befruchtung zu gewinnen. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter Sedierung oder Vollnarkose.
Erste Schwangerschaft nach Eizellspende (1984)
1984 erzielten Feichtinger und Kemeter die erste erfolgreiche Schwangerschaft nach einer Eizellspende im deutschsprachigen Raum.<ref>IVF-Experten Huber und Feichtinger gegen Spätgeburten. In: derstandard.at. 28. März 2007, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> Am 11. April 1986 berichtete die Medical Tribune über die Behandlung einer Patientin, der zuvor beide Eierstöcke entfernt worden waren (Ovarektomie).<ref name=":3" /> Da ihre Gebärmutter erhalten geblieben war, konnte ihr im Rahmen einer IVF eine von einer anderen Patientin gespendete, befruchtete Eizelle übertragen werden. Peter Kemeter präsentierte den Fall bei einer gynäkologischen Fortbildungsveranstaltung an der Münchner Frauenklinik vor über 200 Fachärzten.
Rechtslage in Österreich
Zum Zeitpunkt dieser ersten Eizellspende war das Verfahren in Österreich gesetzlich nicht geregelt. Mit Inkrafttreten des Fortpflanzungsmedizingesetzes (FMedG) 1992 wurde es ausdrücklich verboten (§ 3 FMedG).<ref name=":16">Fortpflanzungsmedizingesetz – FMedG 1992. (PDF; 469 kB) In: Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS). 4. Juni 1992, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>Bernhard Hadolt: Reproduktionstechnologiepolitik in Österreich: Die Genese des Fortpflanzungsmedizingesetzes 1992 und die Rolle von ExpertInnen. (PDF) In: IHS Sociological Series Working Paper 74. Institut für Höhere Studien – Institute for Advanced Studies (IHS), Dezember 2005, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> Während dieses Verbots (1992–2015) ließen zahlreiche Paare entsprechende Behandlungen im Ausland durchführen, etwa in Tschechien oder Spanien.<ref>Maximilian Schuff: 10 Jahre Eizellspende in Österreich. (PDF; 112 kB) In: pressemailing.net. 14. Januar 2025, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> Das Fortpflanzungsmedizinrechts-Änderungsgesetz (FMedRÄG) von 2015 erlaubte die Eizellspende schließlich unter klar definierten Voraussetzungen (§ 3 Abs. 3 FMedG).<ref name=":17">Fortpflanzungsmedizinrechts-Änderungsgesetz 2015 – FMedRÄG 2015. In: Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS). 23. Februar 2015, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>Lisa Maria Pürmayr: Das Ende des Verbots der Eizellspende in Österreich. (PDF; 1 MB) Diplomarbeit, Johannes Kepler Universität Linz, 2015, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> Personen, die durch Eizellspende gezeugt wurden, haben nach Vollendung des 14. Lebensjahres ein Recht auf Auskunft über die Identität der Spenderin (§ 20 FMedG); für Behandlungen vor 1992 besteht eine eingeschränkte Auskunftslage.
Erste Geburt nach Embryonenkryokonservierung (1986)
1986 gelang Feichtinger und Kemeter in Österreich die erste Geburt eines Kindes aus einem zuvor eingefrorenen Embryo.<ref></ref><ref name=":3" /> Die Kryokonservierung – das Einfrieren und spätere Auftauen von Embryonen – ermöglicht es, nicht unmittelbar verwendete Embryonen für spätere Transfers aufzubewahren, und zählt heute zum Standard der Reproduktionsmedizin. Sie wurde später durch das ultraschnelle Gefrierverfahren der Vitrifikation weiter verbessert, bei dem das Zellmaterial in flüssigen Stickstoff (−196 °C) überführt und in einen glasartigen (amorphen) Zustand versetzt wird.
Rechtslage in Österreich
Die Kryokonservierung wird heute vielfältig eingesetzt, etwa zur Erhaltung der Fruchtbarkeit vor medizinischen Eingriffen wie einer Chemo- oder Strahlentherapie (Medical Freezing) oder zur vorsorglichen Einlagerung unbefruchteter Eizellen ohne medizinische Indikation (Social Freezing). In Österreich war bislang ausschließlich das Medical Freezing – also die Konservierung aus medizinischer Indikation – gesetzlich erlaubt.
Zum Zeitpunkt der ersten erfolgreichen Kryokonservierung von Embryonen gab es in Österreich noch keine gesetzliche Grundlage für deren Lagerung. Erst mit dem Fortpflanzungsmedizingesetz von 1992 wurde die Aufbewahrung sogenannter „entwicklungsfähiger Zellen" gesetzlich geregelt und auf ein Jahr begrenzt (§ 17 FMedG).<ref name=":16" /> Mit der Novelle des FMedG im Jahr 2004 wurde die Kryokonservierung auch bei medizinischer Indikation ausdrücklich erlaubt und die maximale Aufbewahrungsdauer auf zehn Jahre verlängert (§ 17 Abs. 1 FMedG).<ref>Fortpflanzungsmedizingesetz-Novelle 2004 – FMedGNov 2004. In: Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS). 30. Dezember 2004, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>Elisabeth Fischer: Kryokonservierung von menschlichen Eizellen und Embryonen. Ausgewählte Länder im Vergleich. (PDF; 791 kB) Diplomarbeit, Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik, JKU Linz, April 2016, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
Am 21. Oktober 2025 hob der Verfassungsgerichtshof (VfGH) das in § 2b Abs. 1 FMedG<ref>RIS - Fortpflanzungsmedizingesetz § 2b - Bundesrecht konsolidiert, Fassung vom 25.09.2025. Abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> enthaltene Verbot des sogenannten „Social Egg Freezing" als verfassungswidrig auf.<ref>Social Egg Freezing – Der Österreichische Verfassungsgerichtshof. 21. Oktober 2025, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>Einfrieren von Eizellen: Verfassungsgerichtshof hebt Verbot auf. 21. Oktober 2025, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> Die Kategorie Kategorie:Wikipedia:Veraltet nach Jahr 2027 existiert noch nicht. Lege sie mit folgendem Text {{Zukunftskategorie|2027}} an. Die Aufhebung tritt am 1. April 2027 in Kraft; bis dahin bleibt Social Freezing in Österreich weiterhin untersagt.
Lasergestützte „Schlüpfhilfe“ (1990)
1990 führte Feichtinger die lasergestützte „Schlüpfhilfe“ (Assisted Hatching) ein. Dabei wird die äußere Hülle des Embryos, die Zona pellucida, mithilfe eines speziell entwickelten Erbium-YAG-Lasers angeritzt. Dieser Laser arbeitet im Infrarotbereich und ermöglicht präzise, gewebeschonende Eingriffe. Das Verfahren erleichtert die Einnistung des Embryos in die Gebärmutterschleimhaut, meist im Blastozystenstadium. Das Lasergerät wurde von Feichtinger gemeinsam mit der Firma LISA Laser entwickelt.<ref>Wilfried Feichtinger, Heinz Strohmer, Karl M. Radner: Erbium YAG laser for micromanipulation of oocytes and spermatozoa. Hrsg.: The Lancet. Band 340, Nr. 8811, 11. Juli 1992, S. 115–116, doi:10.1016/0140-6736(92)90437-8, PMID 1351982.</ref>
Weiterentwicklung Ultraschallverfahren (2000)
Im Jahr 2000 entwickelte Feichtinger das Ultraschallverfahren weiter, sodass erstmals eine Live-3D-Darstellung reifer Eizellen möglich wurde.<ref name=":22" /><ref name=":3" />
Erste Präimplantationsdiagnostik in Österreich (2005)
Im Juli 2005 gelang Feichtinger gemeinsam mit dem Genetiker Markus Hengstschläger die erste erfolgreiche Präimplantationsdiagnostik (PID) in Österreich.<ref>Hans Rauscher: Erstmals Gentest an Eizelle. In: derstandard.at. 8. Juli 2005, abgerufen am 11. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Die erste Präimplantationsdiagnostik in Österreich. 117. Jahrgang / Heft 21–22 · 2005. In: WIENER KLINISCHE WOCHENSCHRIFT. Springer Medizin, 30. November 2005, abgerufen am 13. Mai 2025.</ref> Dabei kam ein von Feichtinger mitentwickelter Laser zum Einsatz, mit dem der Polkörper der Eizelle abgetrennt und auf Gendefekte untersucht wurde. Bei der Polkörperdiagnostik werden die bei der Eizellreifung abgespaltenen Polkörper analysiert; daraus lässt sich indirekt auf die mütterliche Erbinformation in der Eizelle schließen. Sie wird im Rahmen einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) angewendet, um genetisch belastete Eizellen vor der Einnistung auszuschließen.<ref>Medizinischen Universität Wien: Polkörperuntersuchung bringt bessere Ergebnisse bei In-vitro-Fertilisation. 1. Juni 2015, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
Rechtslage in Österreich
Wie bei der Eizellspende und der Kryokonservierung war auch die PID zum damaligen Zeitpunkt rechtlich nicht ausdrücklich geregelt, weshalb ihre Zulässigkeit umstritten war. Erst mit dem Fortpflanzungsmedizinrechts-Änderungsgesetz (FMedRÄG) von 2015 wurde die PID unter klar definierten Voraussetzungen erlaubt, etwa bei schwerer genetischer Belastung eines oder beider Elternteile oder zur Vermeidung schwerer Erbkrankheiten beim Kind (§ 2a FMedG).<ref>RIS – Fortpflanzungsmedizingesetz § 2a – Bundesrecht konsolidiert, Fassung vom 24.01.2025. Abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref name=":17" />
Kontroversen
Disziplinarverfahren wegen Plakatkampagne (1999–2002)
1999 initiierte die von Feichtinger und seiner Ehefrau geführte Gesellschaft Dr. W. F. GesmbH eine Plakataktion, um auf die bevorstehende Übersiedlung des Instituts für Sterilitätsbetreuung in die Lainzer Straße aufmerksam zu machen. Über einen Zeitraum von einem Monat wurden 805 Plakate in mehreren Städten Ostösterreichs affichiert; die Sujets zeigten Feichtingers schwangere Ehefrau – die zugleich für Planung und Durchführung der Kampagne verantwortlich war – mit einem Straußenei in der Hand.<ref name=":11" />
Die Aktion erregte öffentliches Aufsehen und führte zur Einleitung eines Disziplinarverfahrens durch die Ärztekammer.<ref>Werbesujet mit Schwangerer und Ei geht vor Verfassungsgerichtshof. In: derstandard.at. 22. März 2002, abgerufen am 11. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Disziplinarkommission verhängte wegen aufdringlicher Werbung eine bedingte Geldstrafe, die von der Berufungskommission bestätigt wurde. Feichtinger bekämpfte die Entscheidung erfolglos vor dem Verfassungsgerichtshof. In seinem Erkenntnis vom 24. September 2002<ref>Rechtssatz und Entscheidungstext B114/02 – Verfassungsgerichtshof (VfGH). In: Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS). 24. September 2002, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> stellte der VfGH fest, dass es sich bei den Plakaten nicht um sachliche Information, sondern um kommerzielle Werbung handle. Die disziplinarrechtliche Verantwortlichkeit Feichtingers als ärztlicher Leiter der Aktion wurde verfassungsrechtlich nicht beanstandet.
Todesfall nach Follikelpunktion in Baden (2020)
Am 3. Juni 2020 kam es im Wunschbaby Institut Feichtinger Niederösterreich in Baden bei drei Patientinnen zwischen 31 und 35 Jahren<ref>Anästhesist wegen Todes einer Kinderwunschklinik-Patientin in Baden verurteilt. In: derstandard.at. 11. August 2022, abgerufen am 11. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>SALZBURG24: Tote in Kinderwunschklinik: Arzt in NÖ verurteilt. 11. August 2022, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> nach Follikelpunktionen unter Vollnarkose zu schweren Komplikationen. Alle drei Frauen entwickelten innerhalb eines Tages Kreislaufprobleme und mussten intensivmedizinisch betreut werden. Eine 32-jährige Patientin verstarb am 5. Juni 2020<ref>APA / NÖN.at: Frau nach Eingriff in Kinderwunschklinik gestorben. 5. Juni 2020, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>Frau nach Eingriff in Badener Kinderwunschklinik gestorben. In: derstandard.at. 5. Juni 2020, abgerufen am 11. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> an Multiorganversagen nach septischem Schock infolge einer Keimkontamination. Diese war auf die unsachgemäße Lagerung und Wiederverwendung des Narkosemittels Propofol durch den behandelnden Anästhesisten zurückzuführen. Die beiden anderen Frauen fielen ins Koma,<ref name=":7">NÖ: Frau nach Eingriff in Kinderwunschklinik tot. In: Krone.at. 5. Juni 2020, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> erholten sich aber nach längerer Krankenhausbehandlung – sie hatten eine geringere Menge des kontaminierten Narkosemittels erhalten.
Die Ermittlungen richteten sich zunächst gegen Unbekannt, später konkret gegen den Anästhesisten. Dieser hatte eine bereits geöffnete Propofol-Flasche unsachgemäß in seinem privaten Kühlschrank gelagert und erneut verwendet; in der Flasche hatten sich Keime gebildet, die die Infektionen verursachten. Der Arzt gestand den schweren Behandlungsfehler<ref name=":8">patrick.wammerl: Kinderwunsch-Klinik: Anästhesist gesteht fatalen Fehler ein. In: Kurier.at. 16. Juli 2020, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> und wurde am 11. August 2022 in zweiter Instanz wegen grob fahrlässiger Tötung und schwerer Körperverletzung zu 16 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, davon fünf Monate unbedingt und elf Monate bedingt.<ref>noe ORF at red: Kinderwunschklinik: Schuldspruch für Arzt. 11. August 2022, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>patrick.wammerl: Tödliche Narkose in Kinderwunschklinik: Gefängnisstrafe für Anästhesisten. 11. August 2022, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
Die damalige Leiterin des Wunschbaby Instituts in Baden zeigte sich tief betroffen und leitete interne Untersuchungen ein. Nach Angaben der Klinikleitung ergaben diese, dass die Eingriffe im Institut fachgerecht durchgeführt worden waren. In der Folge wurden für mehrere Wochen keine Follikelpunktionen mehr vorgenommen.<ref name=":7" /><ref name=":8" />
Internationale Tätigkeiten
Während seiner Facharztausbildung an der 2. UFK war Feichtinger im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Einführung des österreichischen Mutter-Kind-Passes mehrere Wochen in Lomé in Togo (Westafrika) tätig.<ref name=":5" /><ref name=":4" />
Von 1990 bis 1992 wirkte er im Auftrag des österreichischen Bundeskanzleramts an einer wissenschaftlichen Kooperation mit dem sowjetischen Gesundheitsministerium sowie dem Forschungszentrum für Mutter- und Kindergesundheit in Moskau mit.
1991 gründete er gemeinsam mit seiner Frau und dem ungarisch-amerikanischen Arzt Steven G. Kaáli<ref>Steven G. Kaali – Wikitia. Abgerufen am 11. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> die ungarische Kinderwunschklinik Kaáli Intézet (Kaáli-Institut) in Budapest. Weitere Niederlassungen folgten in Szeged (1997), Győr (1999) und Debrecen (2003). Feichtinger war am Aufbau dieser Zentren beteiligt und führte dort moderne IVF-Technologien ein. Für seine Verdienste wurde ihm 2006 das Ritterkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn verliehen.<ref name=":15">CV Feichtinger – Wunschbaby-Zentrum Feichtinger, Vienna. In: wunschbaby.at. Abgerufen am 11. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Aus wirtschaftlichen Gründen verkaufte er 2008 seine Anteile und zog sich aus dem Klinikverbund zurück.
Feichtinger nahm regelmäßig an internationalen Fachkongressen teil und pflegte enge Kontakte zu Reproduktionsmedizinern im Ausland. Besonders häufig reiste er zu zwei Zentren in Russland, wo er Patientinnen vor Ort betreute und auf IVF-Behandlungen in Wien vorbereitete. Feichtinger sprach neben seiner Muttersprache Deutsch fließend Russisch, Italienisch, Französisch und Englisch.<ref name=":18" />
Öffentliches Wirken
Feichtinger bezog in Interviews, Pressekonferenzen, Fernsehauftritten und Sachbüchern regelmäßig und dezidiert Stellung zu fachlichen, rechtlichen und gesellschaftspolitischen Fragen der Reproduktionsmedizin. Der Kritik der katholischen Kirche an der IVF trat er entgegen und bezeichnete sie als „rückwärtsorientiert".<ref name=":21">Feichtinger warnt vor Diskreditierung von IVF. In: OTS – Österreichischer Presseaussendungsdienst. 2. Juli 2018, abgerufen am 28. April 2026.</ref>
2012 war er Präsident der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie (ÖGRM) in Wien.<ref name=":19"> Eva Stanzl: In jedem Alter Kinder bekommen. In: Wiener Zeitung. 16. Oktober 2012, abgerufen am 28. April 2026.</ref> 2013 debattierte er im Magazin profil mit Peter Husslein, dem damaligen Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien und Sohn seines früheren Ausbildners Hugo Husslein, über die Kaiserschnittrate in Österreich. Feichtinger plädierte dabei für deren Senkung und verwies auf einen aus seiner klinischen Erfahrung abgeleiteten Zusammenhang zwischen Kaiserschnitt und sekundärer Unfruchtbarkeit.<ref name=":20"> Debatte: Peter Husslein und Wilfried Feichtinger über Kaiserschnitte. In: profil. 2013, abgerufen am 28. April 2026.</ref>
Im Vorfeld der Novellierung des Fortpflanzungsmedizingesetzes (2015) sprach er sich für eine Liberalisierung der gesetzlichen Rahmenbedingungen aus, darunter eine Ausweitung der Möglichkeiten zur Präimplantationsdiagnostik.<ref name=":19" />
Privatleben und Tod
Seit 1990 lebte Feichtinger mit seiner Familie in Perchtoldsdorf bei Wien.<ref>IVF-Pionier Wilfried Feichtinger gestorben. In: bezirkmoedling.at. 4. Juni 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Juni 2021; abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> Zu seinen Hobbys zählten die Jagd in Prigglitz, wo er Präsident des örtlichen Jagdvereins war, sowie das Singen: Neben Wienerliedern widmete er sich später dem Operngesang und absolvierte eine entsprechende Ausbildung; mit beidem trat er gelegentlich in Heurigenlokalen auf.<ref name=":18">IVF-Pionier Wilfried Feichtinger gestorben. In: ots.at. Wunschbaby Institut Feichtinger, 3. Juni 2021, abgerufen am 27. April 2026.</ref>
In der Nähe des Semmerings betrieb Feichtinger eine kleine Landwirtschaft, auf der er mit seiner Familie viel Zeit verbrachte und gerne kochte – vor allem russische Küche.<ref name=":5" />
Den Kontakt zu Zlatan Jovanovic, dem ersten österreichischen IVF-Kind, hielt er über Jahrzehnte aufrecht.<ref>"Zlatans Geburt war auch für mich eine Sensation". In: Wiener Zeitung. 3. August 2012, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
Er war Mitglied der Österreichisch-Russischen Freundschaftsgesellschaft und konvertierte gegen Ende seines Lebens zum russisch-orthodoxen Glauben.<ref name=":4" />
Feichtinger erlag am 3. Juni 2021 im Alter von 70 Jahren einer Krebserkrankung.<ref>In-Vitro-Fertilisations-Pionier Wilfried Feichtinger gestorben. In: Kurier.at. 3. Juni 2021, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref>Medizinischen Universität Wien: MedUni Wien trauert um Wilfried Feichtinger | MedUni Wien. 9. Juni 2021, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref><ref name=":4">Peter Kemeter: In Memoriam Prof. Wilfried Feichtinger – Nachruf eines Partners und Weggefährten. (PDF; 8,6 MB) In: Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Krause & Pachernegg, Verlag für Medizin und Wirtschaft, 2021, S. 346–350, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> Er hinterließ seine Frau Brigitte, sieben Kinder und ebenso viele Enkelkinder.<ref name=":1">Eine Koryphäe, die in tausenden Kindern weiterlebt - Archiv | Wiener Zeitung. Abgerufen am 5. April 2025.</ref> Sein Grab befindet sich auf dem Perchtoldsdorfer Friedhof (Gruppe 11, Nummer 8).<ref>perchtoldsdorf.at. quicklinks, ortsplan: Suche Friedhof Verstorbene. In: perchtoldsdorf.at. VertiGIS, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
Nachwirkung
Im November 2023 gab das Institut anlässlich seines 40-jährigen Bestehens bekannt, dass seit der Gründung mehr als 20.000 Kinder mit seiner Hilfe zur Welt gekommen seien.<ref>We are Family – 40 Jahre Wunschbaby in Österreich. In: Die Presse. 8. November 2023, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
Nach Feichtingers Tod 2021 wurde das Institut unter der Leitung seines Sohnes Michael fortgeführt.
2025 wurde das Institut nach mehrmonatiger Kernsanierung am Standort Wien mit einem erweiterten Embryologie- und Genetiklabor wiedereröffnet;<ref>Wunschbaby Institut Feichtinger: Feierliche Eröffnung. In: wunschbaby.at. Abgerufen am 11. Februar 2026.</ref> im selben Jahr eröffnete in St. Pölten der Wunschbaby Hub St. Pölten als regionale Außenstelle.<ref>Wunschbaby Hub St. Pölten. In: wunschbaby-hub.at. Abgerufen am 27. April 2026.</ref>
Auszeichnungen
- 1991: Verleihung des Titels außerordentlicher Universitätsprofessor<ref name=":15" />
- 1996: „Goldene Schubertnadel“ des Wiener Schubertbundes
- 1997: Ehrenmitgliedschaft der Ungarischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
- 2005: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien<ref>Presse-Service: Archivmeldung: Brauner überreichte Ehrenzeichen. In: presse.wien.gv.at. 11. April 2005, abgerufen am 11. Februar 2026.</ref>
- 2006: Ritterkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn
Ausgewählte Publikationen
Monografien
- W. Feichtinger, E. Stanzl: Kinderwunsch und Lebensplan: Chancen und Grenzen der Reproduktionsmedizin: Ein Ratgeber. Orac, Wien 2018, ISBN 978-3-7015-0607-1.
- W. Feichtinger, E. Stanzl: Die Unfruchtbarkeitsfalle: Wie es dazu kommen kann, dass man den Zug verpasst. Orac, Wien 2009, ISBN 978-3-7015-0520-3.
- W. Feichtinger, G. Reiger: Die Wunschkind-Diät: Junge oder Mädchen. Orac, Wien/München/Zürich 1991, ISBN 3-7015-0237-4.
Herausgeberschaft
- W. Feichtinger, P. Kemeter (Hrsg.): Future Aspects in Human In Vitro Fertilization. Springer, Berlin/Heidelberg 1987, ISBN 3-642-71412-9. doi:10.1007/978-3-642-71412-2
Fachartikel
- W. Feichtinger, S. Szalay, P. Kemeter, A. Beck, H. Janisch: In vitro Fertilisierung menschlicher Eizellen sowie Embryotransfer – Erste Ergebnisse an der II. Universitäts‑Frauenklinik Wien. In: Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Band 41, Nr. 7, 1981, S. 482–489. doi:10.1055/s-2008-1037288 PMID 6911088.
- W. Feichtinger, S. Szalay, P. Kemeter, A. Beck, H. Janisch: Zwillingsschwangerschaft nach laparoskopischer Eizellgewinnung, In-vitro-Fertilisierung und Embryotransfer. In: Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Band 42, Nr. 3, 1982, S. 197–199. doi:10.1055/s-2008-1037262 PMID 6210599.
- W. Feichtinger, P. Kemeter, S. Szalay: The Vienna program of in vitro fertilization and embryo-transfer – a successful clinical treatment. In: European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology. Band 15, Nr. 2, 1983, S. 63–70. doi:10.1016/0028-2243(83)90174-0 PMID 6409685.
- W. Feichtinger, P. Kemeter, S. Szalay: Organization and computerized analysis of in vitro fertilization and embryo transfer programs. In: Journal of Assisted Reproduction and Genetics. Band 1, Nr. 1, 1984, S. 34–41. doi:10.1007/BF01129618 PMID 6242160.
- P. Kemeter, W. Feichtinger, E. Bernat: The Willingness of Infertile Women to Donate Eggs. In: W. Feichtinger, P. Kemeter (Hrsg.): Future Aspects in Human In Vitro Fertilization. Springer, Berlin/Heidelberg 1987, S. 145–153. doi:10.1007/978-3-642-71412-2_22
- W. Feichtinger, I. Benkö, P. Kemeter: Freezing Human Oocytes Using Rapid Techniques. In: W. Feichtinger, P. Kemeter (Hrsg.): Future Aspects in Human In Vitro Fertilization. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 1987, S. 121–130. doi:10.1007/978-3-642-71412-2_15
- W. Feichtinger: Preimplantation Diagnosis (PGD) – A European Clinician’s Point of View. In: Journal of Assisted Reproduction and Genetics. Band 21, Nr. 1, 2004, S. 15–17. doi:10.1023/B:JARG.0000017229.75316.35 PMID 15098818, PMC 3468238 (freier Volltext).
Beiträge in Sammelbänden
- W. Feichtinger, P. Kemeter: Über die In‑vitro‑Fertilisierung. In: E. Bernat (Hrsg.): Lebensbeginn durch Menschenhand: Probleme künstlicher Befruchtungstechnologien aus medizinischer, ethischer und juristischer Sicht. Leykam, Graz 1985, ISBN 3-7011-8956-0, S. 59–71.
Weblinks
- Wunschbaby Institut Feichtinger
- Vorlage:Researchgate
- Literatur von und über Wilfried Feichtinger im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lebenslauf Dr. Wilfried Feichtinger ( vom 21. September 2008 im Internet Archive)
- Peter Kemeter: In Memoriam Prof. Wilfried Feichtinger (PDF)
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Feichtinger, Wilfried |
| ALTERNATIVNAMEN | Feichtinger, Wilfried Waldemar (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Gynäkologe und Reproduktionsmediziner |
| GEBURTSDATUM | 19. Oktober 1950 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 3. Juni 2021 |
| STERBEORT | Perchtoldsdorf |
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- Gynäkologe, Geburtshelfer
- Reproduktionsmediziner
- Mediziner (20. Jahrhundert)
- Mediziner (21. Jahrhundert)
- Absolvent der Universität Wien
- Träger des Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien
- Hochschullehrer (Universität Wien)
- Träger des Verdienstordens der Republik Ungarn
- Geboren 1950
- Gestorben 2021
- Person (Wien)
- Mann