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Wolfgang Güllich

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Datei:Bild auf dem Gedenkstein für Güllich.jpg
Wolfgang Güllich in der Route Ghettoblaster am Rabenfels, Frankenjura

Wolfgang Güllich (* 24. Oktober 1960 in Ludwigshafen am Rhein; † 31. August 1992 bei Ingolstadt) war ein deutscher Sportkletterer und Expeditionsbergsteiger. Er gehörte in den 1980er Jahren zu den einflussreichsten und besten Kletterern in der damals noch jungen Sportart. Güllich setzte mit zahlreichen Erstbegehungen extrem schwieriger Kletterrouten Maßstäbe, die teilweise bis heute nur von wenigen Spitzenkletterern erreicht werden. Er starb 1992 an den Folgen eines Autounfalls.

Leben

Herkunft und Jugend

Wolfgang Güllich, erster Sohn von Ursula und Fritz Güllich (senior), kam im Alter von dreizehn Jahren gemeinsam mit seinem Vater zum technischen Klettern. Von 1975 an kletterte er an fast jedem Wochenende in der Pfalz, anfangs auch zusammen mit seinem etwa fünf Jahre jüngeren Bruder Fritz, der 1978 beim Klettern ohne Seil tödlich verunglückte. Eine Begegnung mit Reinhard Karl, dem damaligen Aushängeschild der westdeutschen Bergsportbewegung, inspirierte Güllich, sich noch intensiver dem Klettern zu verschreiben. Auch änderte sich sein Kletterstil vom anfänglich technischen Klettern hin zum sich weiter verbreitenden Freiklettern. Güllich war einer der Ersten, die Klettern als Beruf ausübten.<ref name=":0">Kurt Albert: Fight gravity Klettern im Frankenjura. 1. Auflage. Korb 2005, ISBN 3-930650-15-0.</ref>

Karriere als Sportkletterer und Bergsteiger

Im Laufe der Jahre gelang es ihm, sein Kletterkönnen dank seines Bewegungstalents und durch bis dahin unbekannte Trainingsmethoden bis zur Weltspitze auszubauen. Mit Kurt Albert übertrug er 1981 das Sportklettern in die Alpen, als er die Route Locker vom Hocker im UIAA-Schwierigkeitsgrad VIII kletterte.

Güllich entpuppte sich schnell als Ausnahmetalent: Der Jubiläumsriss (7-) am Nonnenfels in der Pfalz gelang ihm 1977 auf Anhieb. 1979 reiste Güllich in die USA und verblüffte mit Begehungen des Supercracks (5.12c) in den Shawangunks, damals eine der härtesten Routen weltweit. 1982 gelang ihm die zweite Begehung der Grand Illusion (5.13c).<ref name=":0" />

Jahrelang setzte Wolfgang Güllich im Sportklettern weltweit neue Maßstäbe, und lange Zeit bewältigte er Erstbegehungen der zur jeweiligen Zeit schwierigsten Route der Welt: 1984 Kanal im Rücken (UIAA X), 1985 {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (32 (australisch)/X+) und 1987 {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (XI–). Berühmt ist auch die erste Free-Solo-Begehung der spektakulären Route Separate Reality (VIII+/IX–) im Yosemite-Nationalpark durch Güllich im Jahre 1986, die einem Handriss durch ein sechs Meter langes horizontales Dach zweihundert Meter über dem Erdboden folgt. Mit der Route {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) im Frankenjura lieferte er im Jahr 1991 sein Meisterstück ab: Es war die erste Route im Grad UIAA XI (frz. 9a), die mittlerweile als Referenz für diesen Schwierigkeitsgrad gilt. Für das Training dieser Route entwickelte er das Campusboard.

Wolfgang Güllich erschloss zahlreiche Kletterrouten im Frankenjura, in anderen deutschen Mittelgebirgen und rund um den Globus. Er war einer der ersten Kletterer, die das extreme Freiklettern in die hohen Berge übertrugen. Insbesondere in den späten 1980er Jahren widmete er sich der Verbindung von Expeditionsbergsteigen mit Klettertechniken.<ref name="panorama201604">Mehr als ein Stück Fels. In: Panorama, 4/2016, S. 29</ref> Unter anderem eröffnete er zusammen mit Kurt Albert die Neutour {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (IX-) am 6251 m hohen Trango Tower im Karakorum.

Mit Andreas Kubin veröffentlichte er 1986 das erste ausführliche Lehrbuch in Deutschland zum Klettersport, Sportklettern heute. Gelegentlich verfasste er Artikel mit Erfahrungsberichten und abwägenden Stellungnahmen zur Entwicklung des Klettersports für Bergsportzeitschriften, unter anderem für (Der) Bergsteiger, rotpunkt und Berg (Alpenvereinsjahrbuch).

Mit Freunden (unter anderem Kurt Albert und Ingrid Reitenspieß) bildete er mehrere Jahre eine Wohngemeinschaft in der Moselstraße in Oberschöllenbach, die zum Anlaufpunkt und zur Übernachtungsgelegenheit der internationalen Kletterszene wurde, wenn diese die Fränkische Schweiz besuchte.<ref>Tilman Hepp: Wolfgang Güllich. Leben in der Senkrechten. Eine Biographie. 1. Auflage. Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg, Rosenheim 1993, ISBN 3-475-52747-2, S. 61.</ref> Manchmal hielten sich hier bis zu zwanzig Gäste auf, um Ideen und Kenntnisse auszutauschen und gemeinsam zu klettern, darunter berühmte Kletterer wie Ben Moon, Ben Masterson, Ron Fawcett, Christian Griffith, Jesse Guthrie, Ron Kauk und John Bachar.<ref>Ed Douglas: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Free Wheel (Memento des Vorlage:IconExternal vom 22. Juli 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/rockandice.com Artikel über Kurt Albert in Rock and Ice, Juni 2011.</ref>

Als Anfang der 1990er Jahre das Gerücht aufkam, dass Güllich den Zenit seiner Leistungsfähigkeit überschritten habe, widerlegte er es eindrucksvoll mit der Durchkletterung der Route Action Directe, die damals als schwierigste Kletterroute der Welt galt. Im Anschluss nahm er das Angebot an, im amerikanischen Spielfilm Cliffhanger mitzuwirken und darin die Rolle eines Stuntdoubles für den Protagonisten Sylvester Stallone zu übernehmen. Für die Zeit danach hatte er den Wunsch geäußert, „häuslich“ zu werden, und beabsichtigte, gemeinsam mit seiner Frau „ein Haus zu bauen“.<ref>Michael Schmitt: Helden im Sport. Die Darstellung des Kletterers Wolfgang Güllich und die Rolle seines Todes. GRIN Verlag, Norderstedt 2012, ISBN 978-3-656-64150-6, S. 12.</ref>

Privatleben und Tod

1990 lernte Güllich seine spätere Frau Annette kennen, die er 1991 heiratete.

Datei:GuellichGrab.jpg
Grabstelle in Obertrubach

Wolfgang Güllich verunglückte mit seinem Auto am 29. August 1992 auf der A 9 in der Nähe von Ingolstadt und erlag zwei Tage später seinen Verletzungen. Der Polizeibericht kam zu dem Schluss, dass er wahrscheinlich am Steuer eingeschlafen war.<ref name="Hepp">Tilman Hepp: Wolfgang Güllich. Leben in der Senkrechten. Eine Biographie. 1. Auflage. Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg, Rosenheim 1993, ISBN 3-475-52747-2, S. 140.</ref> Er wurde in Obertrubach begraben.

Rezeption

Bedeutende Erstbegehungen

Erstbegehungen von Güllich zeichnen sich dadurch aus, dass diese den maximalen Schwierigkeitsgrad mehr und mehr nach oben verschoben haben. Viele seiner Routen sind zu Referenzrouten geworden (zum Beispiel die Action Directe), nur wenigen Spitzenkletterern gelingt eine Begehung. Insbesondere folgende Routen sind von Bedeutung:<ref name=":0" />

1982: Wolkensteiner Überhang (IX) an der Wolkensteiner Wand (Nördliches Frankenjura)

1984: Kanal im Rücken (X) an der Kastlwand (Altmühltal, Südliches Frankenjura)

1985: Kaum Zeit zum Atmen (X-) an der Luisenwand (Frankenjura)

1985: Deadline (X/X+) an der Klagemauer (Frankenjura)

1985: Punks in the Gym (X+/32) Arapiles – The Pharos (Australien)

1986: Ghettoblaster (X/X+) am Rabenfels (Oberpfalz/Frankenjura)

1986: Kamasutra 218 (X) an der Luisenwand (Frankenjura)

1987: Wallstreet (XI-) am Krottenseer Turm

1987: Level 52 (X+) an der Klagemauer

1991: Action Directe (XI) am Waldkopf

Auszeichnung

Wolfgang Güllich erhielt im Jahr 1985 neben Kurt Albert und Sepp Gschwendtner das Silberne Lorbeerblatt, die höchste Sportauszeichnung der Bundesrepublik Deutschland.

Bekanntheit

Wolfgang Güllich genoss große Anerkennung als Ausnahmeathlet und erlangte auch über die Kletterszene hinaus einen gewissen Bekanntheitsgrad. Dennoch blieb er im Umgang unkompliziert und frei von Starallüren.<ref>Peter Schindler: Wolfgang Güllich – Bleibende Spuren. In: Kurt Albert: Fight Gravity. tmms-Verlag, Korb 2005, ISBN 3-930650-15-0.</ref> Ein Ausspruch Güllichs wurde unter Kletterern zum geflügelten Wort: „Man geht nicht nach dem Klettern zum Kaffeetrinken, Kaffeetrinken ist integraler Bestandteil des Kletterns.“

Am 23. Januar 1988 wurde ein Millionenpublikum auf Güllich aufmerksam, als er in einer Wette der Fernsehshow Wetten, dass..? in Basel auftrat. Ein Kandidat hatte gewettet, er könne mehr Klimmzüge an einem Finger schaffen als Wolfgang Güllich.<ref>ZDF: Wetten, dass..? 44. Sendung. 23. Januar 1988, Basel. In: zdf.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. Februar 2005; abgerufen am 19. April 2007.</ref> Der Herausforderer gewann seine Wette.<ref>Zusammenschnitt des Auftritts bei Wetten, dass..? als Video bei YouTube (1:53 Min.).</ref>

Nach seinem Tod wurde Güllich auch in Hollywood bekannt: Im Film Cliffhanger wirkte er als Double von Sylvester Stallone mit. Stallone ehrte Güllich, der kurz nach Abschluss der Dreharbeiten starb, mit einer Widmung im Nachspann des Films.

Güllich als Namensgeber

Das von Wolfgang Güllich entwickelte Campusboard wird auf Französisch und Italienisch als pan Güllich bezeichnet.

Die schwierige Mehrseillängenroute WoGü (7 Seillängen, 9a franz.), 1997 eingebohrt von Beat Kammerlander, an der siebten Kirchlispitze im Rätikon ist nach den zwei ersten Buchstaben des Vor- und Nachnamens Güllichs ihm zu Ehren benannt. Im Nördlichen Frankenjura wurde eine 18 m lange Route, die WoGü-Kante, in gleicher Weise nach ihm benannt.

Gedenken

Güllichs Grab in Obertrubach wurde zur Wallfahrtsstätte der Kletterszene.

Datei:Gedenkstein fuer Guellich 1.jpg
Gedenkstein in Dannstadt-Schauernheim

Im Juni 2006 weihte die Deutsche Olympische Gesellschaft in seiner Heimatgemeinde Dannstadt-Schauernheim einen Gedenkstein ein, der die Sportauffassung und die Pionierleistungen des Klettersportlers würdigt.

Zum 20. und 25. Jahrestag seines Todes trafen sich Weggefährten am Grab und auf dem bei Kletterern beliebten Zeltplatz „Oma Eichler“ in Obertrubach. Die Gemeinde Obertrubach errichtete 2017 eine Gedenktafel am Rande des Friedhofes.<ref>Gedenken unter dem Zehnerfelsen: Freunde und Eltern erinnerten an den Todestag des Kletterers Wolfgang Güllich nordbayern.de, 2. September 2012.</ref><ref>Stumme Ergriffenheit am Grab von Wolfgang Güllich: Gedenkfeier in Obertrubach zum 25. Todestag des weltberühmten Kletterers nordbayern.de, 26. September 2017.</ref>

Filme

Literatur

  • Wolfgang Güllich, Andreas Kubin: Sportklettern heute. 1. Auflage. Bruckmann, München 1986, ISBN 3-7654-2053-0.
  • Heinz Zak, Wolfgang Güllich: High life: Sportklettern weltweit. 1. Auflage. Bergverlag Rother, Oberhaching 1987, ISBN 3-7633-7240-7.
  • Tilmann Hepp, Wolfgang Güllich, Gerd Heidorn: Faszination Sportklettern: Ein Lehrbuch für Theorie und Praxis. 1. Auflage. Heyne, München 1992, ISBN 3-453-05440-7.
  • Tilmann Hepp: Wolfgang Güllich – Leben in der Senkrechten. Eine Biographie. Boulder Verlag, Stuttgart/Nürnberg 2004, ISBN 3-00-014938-4 (Neudruck).
  • Tilmann Hepp, Thomas Ballenberger (Hrsg.): Wolfgang Güllich – Klettern heißt frei sein. Boulder Verlag, Stuttgart/Nürnberg 2006, ISBN 3-9811231-0-7.
  • Wolfgang Albers: Als Sylvester Stallone an der Wand, als Wolfgang Güllich im Grab. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 12. Juli 2007 (Reiseblatt).
  • Michael Schmitt: Helden im Sport. Die Darstellung des Kletterers Wolfgang Güllich und die Rolle seines Todes. GRIN Verlag GmbH, Norderstedt 2012, ISBN 978-3-656-64150-6 (Studienarbeit).

Weblinks

Commons: Wolfgang Güllich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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