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Wolfgang Däubler

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Wolfgang Däubler (* 5. Mai 1939 in Berlin-Zehlendorf) ist ein deutscher Rechtswissenschaftler. Er ist seit 1971 Professor für Arbeits-, Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Bremen und wurde vor allem durch seine Arbeit auf dem Gebiet des Arbeitsrechts bekannt.

Leben

Däubler ist der Sohn von Hanne Däubler und des damaligen Oberlandesgerichtsrats Helmut Däubler. Zusammen mit seiner Mutter zog er im Alter von vier Jahren zu seinen Großeltern nach Biberach an der Riß und besuchte Schulen in Biberach und in Stuttgart. Nach dem Abitur (1958) in Stuttgart studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen, der Universität Hamburg, an der Freie Universität Berlin und in Dijon. 1962 legte er sein Erstes und 1966 sein Zweites Juristisches Staatsexamen ab. 1965 wurde er in Tübingen mit einer Arbeit aus dem Gesellschaftsrecht zum Dr. jur. promoviert und absolvierte ein halbjähriges Praktikum bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Von 1966 bis 1971 war er Wissenschaftlicher Assistent an der Universität in Tübingen; in diesem Zeitraum wurde er auch Mitglied in der ÖTV (seit 2001 ver.di). Seit 1969 ist er mit Herta Däubler-Gmelin verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Dußlingen.

1971 wurde er als Professor an die Universität Bremen auf den Lehrstuhl für deutsches und europäisches Arbeitsrecht, Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht berufen. Er war 1987 und 1990 Gastprofessor an der Universität Paris-Nanterre („Paris X“), 1994 an der University of Texas at Austin, 1995 an der Universität Antwerpen und 1998 an der Universität Bordeaux, 2006 bis 2008 „advising professor“ an der Tongji-Universität in Shanghai. 2006 und 2007 hatte er eine Gastprofessur an der Università degli Studi di Trento inne. Von 2011 bis 2014 war er regelmäßig als Gastprofessor an der China-EU School of Law in Peking tätig.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wolfgang Werner Däubler (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive), Website der China-EU School of Law at the China University of Political Science and Law (CESL)</ref>

Des Weiteren war Däubler Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac,<ref>Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates. In: www.attac.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Juli 2018; abgerufen am 13. Juli 2018.</ref> zudem war er von 1987 bis 2017 Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und Risikoausschuss der Bremer Landesbank. Er ist seit 2005 wissenschaftlicher Berater der Anwaltskanzlei Schwegler<ref>Anwälte Schwegler. In: www.schwegler-rae.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. August 2016; abgerufen am 16. April 2017.</ref>. Auch ist er als Vorsitzender von Einigungsstellen tätig und berät Betriebsräte und Unternehmen in arbeitsrechtlichen Fragen.<ref>Beschlussvorlage der Landeshauptstadt Stuttgart, Referat Allgemeine Verwaltung und Krankenhäuser vom 8. Mai 2013, abgerufen am 28. Januar 2020.</ref>

Werk

Forschungsgebiete Däublers sind das Arbeitsrecht einschließlich der völkerrechtlichen und europarechtlichen Bezüge, das Datenschutzrecht und das Erbrecht.

Eine 1969 für die ÖTV erstellte Schrift Däublers über das Streikrecht im öffentlichen Dienst stieß auf Aufmerksamkeit. Mit dem 1973 veröffentlichten Buch Grundrecht auf Mitbestimmung profilierte sich Däubler als eher linksgerichteter Kritiker des in der Bundesrepublik geltenden Arbeitsrechtes. Zu erwähnen sind weiter sein vor allem bei Studenten und Betriebsräten weit verbreitetes, aus Arbeitnehmersicht verfasstes Lehrbuch zum Arbeitsrecht und die von ihm mit herausgegebenen Kommentare zum Betriebsverfassungsgesetz, zum Kündigungsschutzrecht und zum Datenschutzrecht. Seine Veröffentlichungen waren ursprünglich umstritten, fanden dann aber Eingang in den wissenschaftlichen Diskurs. In der Rechtsprechung der Arbeitsgerichte gehört er heute zu den am häufigsten zitierten Autoren.<ref>Suche nach Wolfgang Däubler in Juris: Link zu Juris</ref> 1999 wurde ihm eine Festschrift gewidmet.<ref>Thomas Klebe (Hrsg.): Recht und soziale Arbeitswelt: Festschrift für Wolfgang Däubler zum 60. Geburtstag, Frankfurt/M. 1999, ISBN 978-3-7663-2814-4</ref>

Däubler war und ist auch in der Politikberatung tätig. So leitete er 1978 eine Kommission beim Parteivorstand der SPD zur Reform des Tarifvertragsrechts. Er war 1994 und 1995 im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit Berater der kirgisischen Regierung, für die er ein Arbeitsgesetzbuch entwarf. Er beriet 1998 bis 2002 die Regierung Sloweniens, wobei er an der Ausarbeitung des 2003 in Kraft getretenen slowenischen Arbeitsverhältnisgesetzes maßgeblich beteiligt war.

Weitere Beratungseinsätze waren 2007 die Mitarbeit bei der Vorbereitung des Arbeitsvertragsgesetzes der Volksrepublik China und 2013 des neuen Arbeitsgesetzbuches in Vietnam. Dort sowie in der Volksrepublik China ist er weiterhin für die Friedrich-Ebert-Stiftung tätig.<ref>FES Vietnam: FES Vietnam Office – FES Vietnam. In: www.fesvietnam.org. Friedrich-Ebert-Stiftung, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Januar 2016; abgerufen am 16. April 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er hielt zahlreiche Gastvorträge in Lateinamerika. Däubler spricht neben deutsch auch französisch, italienisch, englisch, spanisch und russisch.

Mitgliedschaften

Däubler ist Mitglied der Gewerkschaft ver.di und der evangelischen Kirche und Beisitzer im Vorstand des Förderkreises Darmstädter Signal.<ref>Vorstand des Förderkreises. In: www.darmstaedter-signal.de. Förderkreis Darmstädter Signal, abgerufen am 26. Januar 2019.</ref>

Schriften (Auswahl)

  • Streik im öffentlichen Dienst. 1969; 2. Auflage 1971.
  • mit Theo Mayer-Maly: Negative Koalitionsfreiheit? 1971.
  • Das Grundrecht auf Mitbestimmung und seine Realisierung durch tarifvertragliche Begründung von Beteiligungsrechten. 3. Auflage 1975.
  • Das soziale Ideal des Bundesarbeitsgerichts. 1975.
  • als Co-Autor: Eigentum und Recht. 1976.
  • mit Hans Hege: Koalitionsfreiheit. 1976.
  • mit Hans Hege: Tarifvertragsrecht. 2. Auflage 1981.
  • Privatisierung als Rechtsproblem. 1980.
  • Das Arbeitsrecht. Band 1. 1. Auflage 1976, 16. Auflage 2006; Band 2. 1. Auflage 1979, 12. Auflage 2009<ref name=":0">Bücher, PROF. WOLFGANG DÄUBLER. Abgerufen am 1. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>.
  • Stationierung und Grundgesetz. 3. Auflage 1983.
  • als Herausgeber und Co-Autor: Arbeitskampfrecht. Handbuch für die Rechtspraxis, 4. Auflage 2018<ref>Bücher, PROF. WOLFGANG DÄUBLER. Abgerufen am 1. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>.
  • zusammen mit Thorsten Beck: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz: Handkommentar (5. Auflage). Nomos, Baden-Baden 2021<ref name=":0" />
  • BetrVG: Betriebsverfassungsgesetz: Kommentar für die Praxis mit Wahlordnung und EBR-Gesetz (20. Ausg.). Bund-Verlag, Frankfurt am Main 2025, ISBN 978-3-7663-7610-7.
  • Arbeitsrecht: Ratgeber für Beruf – Praxis – Studium (Recht Aktuell). Bund, Frankfurt am Main, 15. Auflage 2024, ISBN 978-3-7663-7461-5.
  • Digitalisierung und Arbeitsrecht: KI - homeoffice - Arbeit 4.0. Bund-Verlag, Frankfurt am Main, 8. Auflage 2022, ISBN 978-3-7663-7272-7.
  • Gewerkschaftsrechte im Betrieb. 12. Auflage: Nomos, Baden-Baden 2017, ISBN 978-3-8487-3479-5.
  • Gläserne Belegschaften: das Handbuch zum Beschäftigtendatenschutz. Bund-Verlag, Frankfurt am Main, 10. Auflage 2025, ISBN 978-3-7663-7391-5.
  • Tarifverträge zur Unternehmenspolitik?: Rechtliche Zulässigkeit und faktische Bedeutung. Bund-Verlag, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-7663-6465-4.
  • mit Olaf Deinert und Manfred Walser: AGB-Kontrolle im Arbeitsrecht (5. Auflage). Vahlen, München 2021, ISBN 978-3-8006-6491-7.
  • EU-Datenschutz-Grundverordnung und BDSG-neu. Kompaktkommentar. 3. Auflage. Bund-Verlag, Frankfurt am Main 2024, ISBN 978-3-7663-6615-3 (1379 S., gemeinsam mit Peter Wedde, Thilo Weichert und Imke Sommer).
  • Herausgeber und Co-Autor: Tarifvertragsrecht. Nomos-Verlag, 5. Auflage 2022, 6. Auflage in Vorbereitung. ISBN 978-3-8487-7631-3.

Literatur

' Däubler, Wolfgang. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 201.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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