Die Technologie der Katastrophenschutzverbauung im alpinen Raum hat eine lange Tradition, die auf mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wegebau, Bewässerungsleitungen, Wehre und Känale der Mühlen-Kleinindustrie, die Länden der Schifffahrt und Flößerei und die Klausen und Rechen der Holztrift zurückgeht, von den jeweiligen Betreibern, Verbünden und den Grundherren finanziert, aber immer nur auf örtliche Eingriffe beschränkt. Größere Regulierungsprojekte wurden schon unter Maria Theresia angedacht. Eine erste systematische Veröffentlichung zur Technologie stammt von Franz Zallinger zum Thurn an der Universität Innsbruck von 1779. Umfassendere staatliche Baumaßnahmen fanden dann beispielsweise in den 1820er Jahren an der Salzach im Oberpinzgau, und in den 1830er Jahren am Donaukanal in Wien statt. Ab den 1850ern begann organisierte Verbauungstätigkeit auch in den Oberläufen der Wildbäche, und Maßnahmen zur Bodenbefestigung, noch von Einwohnern der betroffenen Täler selbst finanziert (Grundentlastung und Eigenverantwortlichkeit der Ortsgemeinden). Seit 1879 hält die – 1872 gegründete – Hochschule für Bodenkultur Vorlesungen über Wildbach- und Lawinenverbauung.<ref name="Geschichte"/>
Nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe 1882 wurde beschlossen, eine eigene Behörde für den Hochwasserschutz zu installieren. 30. Juni 1884 trat das Gesetz betreffend Vorkehrungen zur unschädlichen Ableitung von Gebirgswässern in Kraft, und es wurde ein Forsttechnischer Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung und die Forsttechnische Abteilung für Wildbachverbauung durch einen Akt des Ackerbauministeriums eingerichtet.<ref name="Geschichte"/>
Das Amt gliederte sich in eine Südsektion in Villach, und eine Nordsektion in Teschen (heute Cieszyn CZ), in anderen Regionen der Monarchie folgten bis 1904 weitere Sektionen. Es wurde eine erste systematische hydrographische Aufnahme der Wildbäche und Einzugsgebiete begonnen. Verbauungsmaßnahmen wurden mit freiwilligen Arbeitern ebenso wie mit Strafgefangenen durchgeführt.<ref name="Geschichte"/>
Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Abteilung neu strukturiert werden, durch den Verlust vieler Fachkräfte und die Not der Nachkriegsjahre fand kaum Verbauung statt. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich stand wieder mehr Budget, und auch Zwangsarbeitskräfte zur Verfügung, die Verbauungsmaßnahmen wurden aber schnell auf kriegswichtige Anlagen eingeschränkt und kamen bald wieder ganz zum Erliegen.
1975 trat das Forstgesetz in Kraft, mit dem auch die Wildbach- und Lawinenverbauung ausdrücklich gesetzlich verankert wurde, dem Forstwesen eingegliedert und in ihrem Bezug zum Wasserbau (Bundeswasserbauverwaltung<ref>Bundeswasserbauverwaltung.</ref>/Abteilung VII5 – Schutzwasserwirtschaft, Ämter/Abteilungen für Wasserbau der Länder) definiert. Organisatorisch gliederte sich das Amt nun in Sektionen und 37 Gebietsbauleitungen – die 1979 auf 30 reduziert wurden. Auch die Aufgaben des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung wurden neu geregelt und umfassten nun auch die Erstellung und Ausarbeitung von Gefahrenzonenplänen und behördliche Sachverständigentätigkeit.<ref name="Geschichte"/>
1980 wurde zusätzlich eine Geologische Stelle gegründet. 1984 wurde die WLV als dritte Abteilung im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft eingerichtet. 2000 (nach der Lawinenkatastrophe von Galtür) wurde die Stabsstelle Schnee und Lawine in Schwaz in Tirol eingerichtet.
Heute ist das Amt eine wirtschaftlich kalkulierende Bauleitungsbehörde ebenso wie ein Kompetenzzentrum für alpine Naturgefahren in Beratung und Forschung.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Leistungen (Memento vom 16. Juni 2012 im Internet Archive), lebensministerium.at → Forst → Schutz vor Naturgefahren → Wildbach- und Lawinenverbauung</ref>
Organisation
Österreichweit gliedert sich die.wildbach heute in 7 Sektionen, 21 Gebietsbauleitungen, 3 technische Stabsstellen und die zentrale Lohnverrechnung.<ref name="Organisation">Wildbach- und Lawinenverbauung. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. Februar 2020; abgerufen am 15. Juni 2024., Aufgabenbereich der Dienststellen</ref>
Dienststelle am Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus
Die Wildbach- und Lawinenverbauung Österreich wird seit Februar 2017 durch Florian Rudolf-Miklau geleitet. Die Zentralstelle im BMLRT<ref>Wildbach- und Lawinenverbauung. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. Februar 2020; abgerufen am 15. Juni 2024.</ref> übernimmt die Leitung und strategische Steuerung der gesamten Wildbach- und Lawinenverbauung. Zu den Agenden gehören:
Aufnahme, Gefahrenzonenplanung (gemäß § 8 und 11 ForstG 1975): Wildbach- und Lawinenkataster, Protection Score Card
Überprüfung, Finanzierung und Genehmigung von Projekten und Bauprogrammen, Kollaudierungen, Berichtswesen und Controlling, Prüfberichte und Qualitätssicherung
Aufgabe der Sektionsleitungen sind etwa regionale Koordinierung und Überwachung aller Leistungen der Gebietsbauleitungen, Überprüfungs-, Kontroll- und Genehmigungsleistungen im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums, lokale Umsetzung der strategischen Entwicklung und Vertretung in den Bundesländern nach außen, lokale Öffentlichkeitsarbeit.<ref>RIS – Gesamte Rechtsvorschrift für Wildbach- und Lawinenverbauung-Dienststellenverordnung – Bundesrecht konsolidiert, Fassung vom 27. Januar 2017. In: www.ris.bka.gv.at. Abgerufen am 27. Januar 2017.</ref><ref name="Organisation"/> Die Gebietsbauleitungen stellen alle Kernleistungen bürgernah zur Verfügung.
Die Sektionen sind:
Sektion Wien, Niederösterreich und Burgenland: Sitz Wien; Zuständigkeit für die Länder Wien, Niederösterreich und Burgenland
Gebietsbauleitung 3.1 -Pinzgau mit Sitz in Zell am See und Zuständigkeit für die Bezirke Zell am See, Salzburg (Stadt), Salzburg-Umgebung (Flachgau) und Hallein (Tennengau)Datei:Verbauung Warme Mandling 01.jpgVerbauungsprojekt Warme Mandling, Wildbach und Lawinenverbauung Pongau, nördlich Filzmoos
Gebietsbauleitung 3.2 – Pongau,Flach- und Tennengau mit Sitz in Salzburg und Zuständigkeit für die Stadt Salzburg sowie die Bezirke Hallein, Salzburg-Umgebung, St. Johann im Pongau mit Ausnahme der Gemeinden Altenmarkt im Pongau, Eben im Pongau, Filzmoos, Flachau, Forstau, Radstadt und Untertauern.
Stabsstelle Geologie: Wien – Expertisen in Geotechnik, Beurteilung von Hangprozessen (Steinschlag, Felssturz, Rutschungen und Großhangbewegungen) sowie Hydrologie, Evaluierung von Technologien der Verbauung
Stabsstelle Schnee und Lawinen (SSL): Schwaz/Tirol – allen schnee- und lawinenrelevanten Fragen
Projekte
Wildbach- und Lawinenkataster (WLK), das Gesamtverzeichnis aller Lawinenstriche und -einzugsgebiete und alle Wildgewässer Österreichs einschließlich der Schutzbauwerke, das zentrale Geschäftsfeld der WLV gibt es seit der Gründung 1884
Gefahrenzonenplan der Wildbach- und Lawinenverbauung, eine Erfassung der für Hangrutschungen, Vermurungen, und ähnlicher hydrologisch-geodynamischer wie auch lawinenrelevanten Zonen, insbesondere seit 1975 auf Basis des Fostgesetzes erstellt
Protection Score Card (PSC), die strategische Entwicklung der Wildbach- und Lawinenverbauung
Forstliches Naturraum-Informations- und Analysesystem (NIAS-Forst), das zentrale Geoinformationssystem für den Wald, seit den 1990ern (an dieser Abteilung)<ref> A. Schabl: Durchführbarkeitsstudie Forstliches Naturraum-Informations- und Analysesystem (NIAS-Forst). Abschlußbericht an das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Leoben Februar 1991</ref>
Alle diese Projekte sind heute als Web-GIS neben den Spezialapplikationen meist auch für Bürger zugänglich (Webportal Geoland und GIS der Länder)
Forschungsprojekte:
ETAlp, Pilotstudie zur gesamtheitlichen Erfassung und Bewertung von Erosions- und Transportvorgängen in Wildbacheinzugsgebieten (Stabsstelle Geologie)
Naturraumpotentiale Alpiner Berggebiete (NAB): System zur Erkennung und zum vorbeugenden Schutz von Hochwasser, Muren, Rutschungen und Lawinen, seit 2006 (Stabsstelle Geologie, mit der ÖROK)
SAMOS/SamosAT<ref>
Mathias Granig, Stefan Oberndorfer: Entwicklung und Kalibrierung des Fließ- und Staublawinenmodells SamosAT. In: Journal für Wildbach-, Lawinen-, Erosions- und Steinschlagschutz, Heft 158, April 2008, 72. Jahrgang, Beiträge zu verschiedenen Themenbereichen (@1@2Vorlage:Toter Link/www.wlv-austria.atJournalarchiv (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive(T)), wlv-austria.at; Artikel, pdf, interpraevent.at); vergl. auch Siegfried Sauermoser
(Leiter der selle Schnee und Lawinen): SamosAT – Staublawinensimulation life!. In: Lebensministerium, Wildbach- und Lawinenverbauung: Jahresbericht 2007, S. 30 f. Zum Start des neuen SamosAT, Jahresbericht. (PDF) In: www.lebensministerium.at. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 2. März 2023.@1@2Vorlage:Toter Link/www.lebensministerium.at (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive(T)); auch: @1@2Vorlage:Toter Link/bfw.ac.atLawinendynamik (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive(T)), BFW > Forschung & Ergebnisse
</ref> und ELBA+<ref>Gerhard Volk: ELBA+ – eine neue Generation von Simulationsmodellen. In: Journal für Wildbach-, Lawinen-, Erosions- und Steinschlagschutz, Heft 149/2004, Innovationen (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Journalarchiv (Memento vom 27. Januar 2005 im Internet Archive), wlv-austria.at)</ref> – führende Lawinensimulationsprogramme; seit Herbst 2005 mit Simulations-Datenbank
Bildung:
Projekt Biber Berti „Leben mit Naturgefahren“, ein pädagogisches Konzept der Bewusstseinsbildung besonders für die 3. und 4. Volksschulstufe
Insgesamt werden in Österreich um die 12.300 Wildbacheinzugsgebiete und 6.000 Lawineneinzugsgebiete betreut. Damit fallen 67 Prozent der Staatsfläche von Österreich – in Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Kärnten sogar 80 Prozent – in den Betreuungsbereich der Wildbach- und Lawinenverbauung. In etwa 80 Prozent der betreuten Gebiete sind Siedlungen und Infrastruktur durch Wildbäche und Lawinen bedroht.<ref>zitiert aus Wildbach- und Lawinenverbauung setzt auf lebenslanges Lernen – Präsentation des Jahresbericht 2007 der Wildbach- und Lawinenverbauung, APA Presseaussendung, OTS0037, 19. Juni 2008</ref>
BH, Gem. … Bezirkshauptmannschaften, Gemeinden
Fl. … Fläche des betreuten Gebiets
EW … Bevölkerung im Betreuungsgebiet
Gem./Fl. betr. … Gemeinden/Fläche mit Wildbach- bzw. Lawineneinzugsgebiet
EZB … Einzugsgebiete (Anzahl)
Risiko-Geb. … Risikogebiete für Steinschlag oder Rutschungen
BL … Gebietsbauleitungen
Sektion
BH
Gem.
Fl. in km²
EW
Gem. betr.
Fl. betr. in km²
EZB Wildbach
EZB Lawinen
% Fl. betr.
% Risiko-Geb.
BL
Wien/Nö/Bgld
34
745
23.558
3.400.000
418
9.500
2.356
24
40
3,5
3
Oö.
18
445
11.981
1.400.000
−
5.630
1.239
258
47
8,2
4
Sbg.
21
542
7.154
524.400
−
5.010
1.299
561
70
3 0
4
Stmk.
18
542
16.392
1.200.000
−
11.470
3.039
1.167
70
4 0
4
Ktn.
12
279
9.544
673.500
−
6.580
1.239
295
69
−<templatestyles src="FN/styles.css" /> ∗
4
Tirol
9
279
12.648
673.500
−
2.210
1.878
2.189
91
20 0
6
Vlbg.
4
96
2.601
362.500
−
5.630
1.369
1.481
85
30 0
2
Quelle: Lebensministerium/Forstnet, Stand: 4/2012<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Organisation (Memento vom 16. Juni 2012 im Internet Archive) → Unterseiten der Sektionen</ref>
Zahlen sind ungefähre Angaben
<templatestyles src="FN/styles.css" />
∗
noch nicht erhoben
Literatur
die.wildbach/WLV: Daten und Zahlen, Jahresbericht, lfd. Jg. (Broschüren, lebensministerium.at).