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Wie soll ich dich empfangen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Maesta.Duccio. detail.jpg
Duccio di Buoninsegna: Einzug in Jerusalem, 1308

Das Lied Wie soll ich dich empfangen von Paul Gerhardt (1607–1676) erschien erstmals im Jahr 1653 in der fünften Auflage des Gesangbuchs Praxis Pietatis Melica<ref>Johann Crüger: Praxis Pietatis Melica. Das ist: Übung der Gottseligkeit in Christlichen und trostreichen Gesängen. Editio V. Runge, Berlin 1653, S. 779 ff. (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).</ref> von Johann Crüger, der dazu auch die Melodie schuf.

Gestaltung

Das Lied gliedert sich zum einen in die Strophen 1 bis 5, gekennzeichnet durch die rahmenden Verben „empfangen“ und „umfangen“. Sie entfalten als individuelle Ansprache an den kommenden Christus Gottes bedingungslose Zuwendung an die Menschen, wie sie die lutherische Rechtfertigungslehre erkannt hatte. Dies erfolgt unter Bezugnahme auf das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Vorlage:Bibel/Link) (die „Fackel“ in Strophe 1) und die Perikope des 1. Sonntags im Advent, Jesu Einzug in Jerusalem (Vorlage:Bibel/Link) (Strophe 2).

Die Strophen 6 bis 10 wenden sich als seelsorglicher Zuspruch an die Gemeinde, die als in Gram, Not, Schrecken und Anfeindung befindlich dargestellt wird. Dies erfolgt unter besonderer Bezugnahme auf das in der Offenbarung des Johannes dargestellte herannahende Weltgericht (Strophe 6: der Kommende „steht vor der Tür“, Vorlage:Bibel/Link), wobei in den Strophen 7 bis 10 der Begriff Advent (lat.: „Ankunft“, Vorlage:Bibel/Link), also die erwartete Ankunft Christi, vierfach entfaltet wird: „Er kommt, er kommt“ aus Gnade, als Heiland, als König und als Richter.

Text

Datei:Wie soll ich dich empfangen (1653).jpg
Wie soll ich dich empfangen, Textfassung des Erstdrucks

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<poem> 1. Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier? O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.

2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.

3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud, als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht.

4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut, das sich nicht lässt verzehren, wie irdisch Reichtum tut.

5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt als das geliebte Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast, die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast.

6. Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer, bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr; seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.

7. Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht. Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst.

8. Auch dürft ihr nicht erschrecken vor eurer Sünden Schuld; nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern zu Trost und wahrem Heil, schafft, dass bei Gottes Kindern verbleib ihr Erb und Teil.

9. Was fragt ihr nach dem Schreien der Feind und ihrer Tück? Der Herr wird sie zerstreuen in einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, dem wahrlich alle Feind auf Erden viel zu wenig zum Widerstande seind.

10. Er kommt zum Weltgerichte: zum Fluch dem, der ihm flucht, mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, und hol uns allzumal zum ewgen Licht und Wonne in deinen Freudensaal. </poem>

Rezeption

Datei:(Matthias Roth) EG 11 Wie soll ich dich empfangen.mp3
EG 11 an der Orgel eingespielt

Der Choral, der sich im Evangelischen Gesangbuch (EG 11) findet, wurde auch teilweise von Dietrich Buxtehude vertont. Weltbekannt wurde seine erste Strophe als Bestandteil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach, der sie auf die Melodie O Haupt voll Blut und Wunden zum Choral Nr. 5 gestaltete. In dem bis 1951 gebräuchlichen Gesangbuch der evangelisch-protestantischen Kirche in Baden wurde das Lied unter Nummer 61 geführt und nach der Melodie Valet will ich dir geben gesungen. Das Lied ist auch auf viele andere Melodien singbar, darunter auch auf die Melodie des Liedes Befiehl du deine Wege.

Der Choral fand auch Eingang in das freikirchliche Gesangbuch Feiern & Loben (FL 182), das Mennonitische Gesangbuch (MG 236/237) und das Alt-Katholische Gesangbuch Eingestimmt (EGST 307).

Übersetzungen

Ins Dänische übersetzt „Hvorledes skal jeg møde og favne dig, min skat? Du skønne morgenrøde …“ im dänischen Kirchengesangbuch Den Danske Salmebog, Kopenhagen 1953, Nr. 73 (nach Brorson 1733), übernommen in: Den Danske Salmebog, Kopenhagen 2002, Nr. 86 (übersetzt von Hans Adolph Brorson [1694–1764; Bischof in Ribe], gedruckt im Gesangbuch von 1733, übernommen in das Gesangbuch Pontoppidan, 1740, dann erst wieder im Anhang zum Gesangbuch Roskilde, 1873, und in weiteren Gesangbüchern); mit Melodie in: Johannes Møllehave: Danske salmer (Dänische Kirchenlieder), Kopenhagen 2006, Nr. 86, S. 136 f.<ref>Vgl. Otto Holzapfel: Liedverzeichnis: Die ältere deutschsprachige populäre Liedüberlieferung mit weiteren Hinweisen = Online Update Januar bis März 2022 = Germanistik im Netz / GiNDok [UB Frankfurt/M] = https://publikationen.ub.uni-frankfurt.de files = Liedverzeichnis = Update 2023 "www.ebes-volksmusik.de" (obere Adressleiste des Browsers).</ref>

Literatur

  • Paul Gerhardt: Dichtungen und Schriften. München 1957, S. 1–3 (online bei Zeno.org.).
  • Johann Friedrich Bachmann: Paulus Gerhardts geistliche Lieder: historisch-kritische Ausgabe. Oehmigke, Berlin 1866, S. 95–97 (Digitalisat in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
  • Christian Bunners: 11 – Wie soll ich dich empfangen. In: Gerhard Hahn, Jürgen Henkys (Hrsg.): Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch. Band 2. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-50321-0, S. 7–10.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />